1. Symptome: Woran erkennt man eine Coxitis (Hüftgelenksentzündung)?
  2. Ursachen: Wodurch entsteht eine Coxitis?
  3. Hüftschnupfen (Coxitis fugax): Ursache für Hüftschmerzen bei Kindern
  4. Behandlung der Coxitis bei Kindern und Erwachsenen
  5. Spätfolgen der Hüftgelenksentzündung beim Kind
Entzündetes Hüftgelenk (Coxitis) Eine Coxitis (Entzündung des Hüftgelenks) kann bakteriell (durch Keime) oder abakteriell verursacht werden. © Gelenk-Klinik

Synonyme der Coxitis:

Die Coxitis (lat. coxa „Hüfte“) ist die Entzündung des Hüftgelenks. Sie kann in seltenen Fällen durch infektiöse Entzündungen des Hüftgelenkes mit Bakterien verursacht werden. Eine solche Entzündung geht meist mit starken Schmerzen im Hüftgelenk sowie häufig auch mit allgemeinen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Herzschlagbeschleunigung einher. Die massive Schonhaltung des Beines ist häufig ausschlaggebend für die notwendige Entlastung und Sicherung der Diagnose.

Wesentlich häufiger sind akute Entzündungen im Gelenk als Folge einer aktivierten Arthrose (Gelenkverschleiß) oder im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung. Diese können ebenfalls zu einer massiven Belastungseinschränkung und Schonhaltung führen.

Symptome: Woran erkennt man eine Coxitis (Hüftgelenksentzündung)?

Entzündetes Hüftgelenk (Coxitis) Ein entzündetes Hüftgelenk (Coxitis) geht mit starken Schmerzen bei der Bewegung einher. © ag visuell, Fotolia

Symptome der bakteriellen Coxitis:

  • heftige Leistenschmerzen
  • bewegungsabhängige Hüftschmerzen
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Schüttelfrost
  • Beschleunigung der Herzfrequenz

Zum Glück tritt die infektiöse Entzündung des Hüftgelenks durch Eiterbakterien eher selten auf. Denn eine solche Entzündung geht meist mit stärksten Schmerzen in der Leiste, Bewegungsschmerzen des Hüftgelenkes sowie häufig mit starken allgemeinen Symptomen (Fieber, Abgeschlagenheit und Beschleunigung des Herzschlags) einher. Die klassischen Zeichen der Gelenkentzündung wie Rötung, Schwellung und Überwärmung des Hüftgelenks sind nicht zu beobachten, denn der große Weichteilmantel und die tiefe, innere Lage des Hüftgelenkes verdecken diese typischen Entzündungszeichen. Die Leistenschmerzen und die Schonhaltung der Hüfte sind daher die einzigen direkten Hinweise auf die Hüftgelenksentzündung (Coxitis). Dies erschwert die Diagnose zum Teil erheblich.

Bei einer aktivierten Hüftarthrose ähneln die Symptome denen der bakteriellen Hüftgelenksentzündung. Es kommt zu einer deutlichen Belastungseinschränkung und Schonhaltung. Allgemeinsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Herzfrequenzerhöhung findet man bei der aktivierten Hüftarthrose allerdings nicht.

Ursachen: Wodurch entsteht eine Coxitis?

Ursachen der Coxitis:

Eine Coxitis (Hüftgelenksentzündung) ist eine bakterielle oder abakterielle Entzündung des Hüftgelenks. Neben Bakterien, Viren oder Pilzen können rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder eine aktivierte Arthrose sowie Gicht für die entzündliche Reaktion verantwortlich sein. Auch andere Erkrankungen des Hüftgelenks können eine Coxitis als Begleitreaktion hervorrufen (z. B. Morbus Perthes, Tumore).

Infektion als Ursache der Coxitis

Wie jedes Gelenk kann auch das Hüftgelenk durch Bakterien infiziert werden. Diese können durch die Blutbahn ins Hüftgelenk gelangen oder durch eine Injektion im Rahmen einer Therapie. Eitrige Entzündungen der Hüfte aufgrund von Infektionen an einer anderen Stelle im Körper (z. B. Mittelohrentzündung, Hautläsion, Abszess) betreffen vor allem Säuglinge oder Kleinkinder. Bei Jugendlichen und Erwachsenen entsteht die bakterielle Coxitis in der Regel durch eine direkte Infektion. Die Bakterien erreichen das Hüftgelenk also seltener über die Blutbahn, sondern können im Rahmen von Injektionen (Spritzen in das Hüftgelenk) oder Operationen ins Gelenk gelangen. Das Risiko einer bakteriellen Infektion des Hüftgelenks nach einer Spritzenbehandlung der Hüfte ist allerdings eher gering.

Aktivierte Arthrose als Auslöser der Entzündung im Hüftgelenk

Wesentlich häufiger resultieren akute Entzündungen im Gelenk bei Erwachsenen aus einer aktivierten Arthrose. Dieser entzündliche Gelenkverschleiß ist Folge eines vermehrten Abriebs, bestehend aus Knorpel und Knochenzellen – ähnlich dem berühmten ”Sand im Getriebe”. Der Versuch des Körpers, die Abriebpartikel mithilfe von sogenannten Mastzellen aufzulösen und zu verdauen, führt zu einer vermehrten Flüssigkeitsbildung und Druckzunahme im Gelenk. Dieser Vorgang ist abhängig von der Gelenkbelastung und dem Ausmaß der zugrunde liegenden Arthrose. Im Erwachsenenalter kann es durch einen vorzeitigen Verschleiß (Hüftarthrose) ebenfalls zu starken Befundverschlechterungen mit entzündungsähnlichen Beschwerden kommen.

Hüftschnupfen (Coxitis fugax): Ursache für Hüftschmerzen bei Kindern

Eine weitere Form der Hüftgelenksentzündung ist die Coxitis fugax, auch als Hüftschnupfen bezeichnet. Sie betrifft fast ausschließlich Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen.

Die Ursachen der keimfreien (abakteriellen) Entzündung der Hüfte sind bis heute nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass es sich um eine Immunreaktion des Körpers im Anschluss an einen viralen Infekt handelt.

Der Hüftschnupfen tritt in 95 % der Fälle einseitig auf und verläuft in der Regel harmlos. Nach etwa 1 bis 2 Wochen klingt die Coxitis fugax folgenlos wieder ab. Für die Behandlung ist meist Schonung und evtl. ein entzündungshemmendes Medikament ausreichend.

Behandlung der Coxitis bei Kindern und Erwachsenen

Behandlung der infektiösen Entzündung der Hüfte:

  • medikamentöse Therapie
  • Hüftgelenkspunktion
  • Ruhigstellung des Gelenkes
  • Kühlen der Hüftgelenksentzündung

Die jeweils individuelle Indikation bestimmt das geeignete Therapieverfahren bei einer Coxitis (Hüftgelenksentzündung).

Wir empfehlen bei einer septischen (durch Bakterien verursachten) Entzündung des Hüftgelenks die sofortige Punktion, um Eiter abzusaugen. Die gewonnene Flüssigkeit wird dann in einem mikrobiologischen Labor auf Keime untersucht. Danach kann mit der antibiotischen Therapie begonnen werden. Ein rasches Vorgehen hat bei einer bakteriellen Coxitis höchste Priorität, um die Erreger schnellstmöglich zu beseitigen. Weiterhin sollte der Patient sein Hüftgelenk ruhigstellen, um eine Auskugelung zu vermeiden.

Da diese Maßnahmen oft nicht ausreichen, um die Zerstörung des Hüftgelenks aufzuhalten, führt man eine arthroskopische Operation zur Entlastung durch. Diese sogenannte Herdausräumung des Hüftgelenks mit Einlage einer Drainage erhöht die Heilungschancen deutlich.

Liegt eine abakterielle Coxitis vor, beispielsweise aufgrund einer Arthritis oder Arthrose, steht zunächst die konservative Behandlung im Vordergrund. Eine medikamentöse Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (z. B. Ibuprofen) lindert die Schmerzen und wirkt entzündungshemmend. Auch eine physiotherapeutische Behandlung kann sinnvoll sein.

Ist bei einer fortgeschrittenen Arthrose das Gelenk bereits stark geschädigt, kommt meist nur noch der Einsatz einer Hüft-TEP oder Hüft-Teilprothese infrage.

Spätfolgen der Hüftgelenksentzündung beim Kind

Eine eitrige Entzündung des Hüftgelenks im Kindesalter kann Spätfolgen nach sich ziehen. Eine eitrige Entzündung des Hüftgelenkes im Kindesalter kann Spätfolgen nach sich ziehen. © Dan Race, Fotolia

Die schwere Entzündung des Hüftgelenks führt zu einer massiven Schonhaltung des Beines. Der Betroffene hält das Hüftgelenk in Beugehaltung und Außendrehung. Dies macht eine Belastung der Hüfte häufig fast unmöglich. Die Schonhaltung ermöglicht dem Hüftgelenk, das größte Volumen an Flüssigkeit bzw. Eiter aufzunehmen.

Die eitrige Hüftgelenksentzündung betrifft in erster Linie Säuglinge und Kinder in den ersten Lebensjahren. Die Bakterien streuen über die Blutbahn in das Hüftgelenk und führen dort rasch zu einer schwerwiegenden Erkrankung. Durch die Eiterbildung entsteht ein massiver Druck im Hüftgelenk. Hierdurch kommt es schnell zu einer Auskugelung des Hüftgelenks oder aber einer starken Einschränkung der Durchblutung der im Kindesalter noch knorpelig ausgebildeten Knochen. Behandelt man die Hüftgelenksentzündung, auch Coxitis genannt, zu spät, kann eine Zerstörung der Wachstumszone des Hüftgelenkes mit langanhaltenden Folgen resultieren.

Eine geschädigte Wachstumszone des Hüftgelenks kann zu einer schweren Verstümmelung des Gelenkes und des Beines führen. Die bleibenden Schäden können unbehandelt eine massive Beinverkürzung und Versteifung der Hüfte in Fehlstellung sein.

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