Orthopädische Gelenk-Klinik

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Wird zu viel arthroskopiert? Therapie des Meniskusschadens

Meniskusschäden können Belastungsschmerzen im Knie, Blockaden und weitere Schädigungen des umliegenden Knorpelgewebes bis hin zur Entwicklung einer Kniegelenksarthrose verursachen.

In den meisten Fällen entstehen Meniskusrisse ohne eine erkennbare Ursache: Sie werden daher als nichttraumatische Meniskusläsion bezeichnet. Es werden verschiedene Rissformen beschrieben. Die häufigsten sind Horizontal- oder Lappenrisse. Insbesondere Lapenrisse neigen zu Einklemmungserscheinungen im Gelenkspalt und können schmerzhafte Blockaden auslösen.

Ist der Nutzen der Meniskusoperation in Studien nachgewiesen?

Der Nutzen einer Gelenkspiegelung des Kniegelenks (Knie-Arthroskopie) wird zunehmend in Frage gestellt. Die Ergebnisse von neuen wissenschaftlichen Studien konnten keine signifikante Verbesserung der Beschwerdelinderung durch eine arthroskopische Entfernung des geschädigten Meniskusanteils im Vergleich zu einer Therapie ohne Entfernung zeigen (u.a. Fidelity-Studie1).

Bedeutet dies nun, dass bei einem Meniskusschaden keine Arthroskopie mehr erfolgen muss?

Diese Frage veranlasste einen Artikel im Deutschen Ärzteblatt mit Versuch der systematischen Übersicht der vorliegenden Studien:

Studiengruppe

  • Patienten mit Knieschmerzen oder Gelenkblockaden nach radiologisch festgestelltem Meniskus, die arthroskopisch durch Teilresektion des Meniskus behandelt werden.

Kontrollgruppen

  • Patienten mit Meniskusriss, die physiotherapeutisch behandelt werden.
  • Patienten mit Meniskusriss, die arthroskopisch, aber ohne Meniskusteilresektion behandelt werden.

Zunächst wurden die Methodik und Ergebnisse der vorliegenden Studien im Detail analysiert. In den meisten Studien wurde zwei oder mehr Gruppen gebildet, in denen die arthroskopische Entfernung des geschädigten Meniskusanteils einer oder mehreren alternativen Therapieverfahren gegenübergestellt wurde. Das waren einerseits eine rein nicht operative Therapie (Physiotherapie), andererseits aber auch (teil-) operative Verfahren wie z.B. eine Gelenkspülung (arthroskopische Lavage).

In keiner Studie erfolgte der Hinweis, wie groß das Ausmaß der Meniskusentfernung (Meniskusresektion), ob begleitende operative Schritte erfolgten (z.B. Knorpelglättung) und mit welcher Qualität das Verfahren durchgeführt wurde (Qualifikation und Qualität des Operateurs, etc.). Dadurch ergibt sich ein recht uneinheitliches (heterogenes) Bild der angewendeten Therapieformen, so dass schon jetzt nur schwer eine Vergleichbarkeit und Übertragung der Ergebnisse der Studien auf die Allgemeinheit möglich ist.

Darüber hinaus war die Akzeptanz der Patienten, an solchen Studien teilzunehmen, sehr gering (teilweise nur 15%). Das wirft die Frage auf, ob die gewonnenen Ergebnisse überhaupt allgemeingültig sind. Des Weiteren gab es in fast jeder Studie Patienten (bis zu 35%), die nach erfolgloser nicht-operativer Therapie mittelfristig doch eine arthroskopische Entfernung des Meniskusschadens erhielten.

Interessanterweise handelte es sich in der Mehrzahl dabei um Patienten, die einen Lappenriss im Meniskus aufwiesen.

Fazit: Patienten mit Lappenriss am Meniskus profitieren doch von der Arthroskopie

Kernaussagen

  1. Bei vielen Fällen von Innenmeniskusriss hilft Physiotherapie.
  2. Bei Lappenriss des Innenmeniskus sind Schmerzen und Blockaden nur operativ zu beseitigen.

Schlussendlich kommt der Artikel der Übersicht zum dem Fazit, dass alle vorliegenden Studien nach wie vor methodische Mängel aufwiesen, dass viele Patienten mit einem Meniskusschaden ohne Operation behandelt werden können, wobei die Untergruppe mit einem lappenrissförmigen Schaden von der Arthroskopie profitieren werden.

Wichtig ist daher, dass vor der Entscheidung zu einer arthroskopischen Therapie des Meniskusschadens eine genaue Beurteilung der Rissform erfolgen muss (Lappenriss, Möglichkeit der Einklemmung). Dies gelingt am besten mit einer kernspintomographischen Untersuchung.

Bei anderen Rissformen sollte ein Versuch der Anwendung von nichtoperativen Therapieverfahren gestartet werden. Hierfür eignen sich insbesondere physiotherapeutische Behandlungen und ggf. auch Injektionstherapien (z.B. Hyaluronsäure, PRP).

  1. Sihvonen R, Paavola M, Malmivaara A, et al.: Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. Finnish Degenerative Meniscal Lesion Study (FIDELITY) Group. N Engl J Med 2013; 369: 2515–24 MEDLINE
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