Orthopädische Gelenk-Klinik

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Morton Neurom: Mittelfuß-Schmerzen ohne Nervenamputation behandeln

  1. Nervenerhaltende Therapie bei Morton Neurom
  2. Symptome
  3. Wie entsteht das Morton Neurom?
  4. Wer ist typischerweise betroffen?
  5. Untersuchung und Diagnose des Morton Neuroms
  6. Konservative Behandlung des Morton Neuroms
  7. Nervenerhaltende Operation
  8. Nervenentfernung bei stark ausgeprägtem Morton Neurom
  9. Nachteile der Nervenentfernung (Neurektomie)
  10. Literatur
So fühlt es sich an:
  • Taubheit der Zehen
  • Einschießende, stechende Schmerzen
  • Ameisenlaufen in den Zehen
  • "Erbse im Schuh"-Gefühl
  • Klicken oder Schnappen im Fuß

Das Morton Neurom als Ursache von Mittelfußschmerzen

Das Morton Neurom verursacht akut einschießende, brennende oder stechende Schmerzen in Mittelfuß und Zehen. Die Schmerzen sind so stark, dass Patienten kurzfristig nur durch Ruhigstellung und Ausziehen der Schuhe Besserung erfahren können. Durch Entlastung des Fußes lässt der Schmerz auch schnell wieder nach.

Untersuchung des Morton Neuroms Klinische Untersuchung des Morton Neuroms zischen den Zehenstrahlen des Mittelfußes (Metatarsalknochen) durch den Mulders Click: Der Fußspezialist kann das Morton Neurom zwischen den Mittelfußknochen ertasten und einen spezifischen Druckschmerz auslösen. © Gelenk-Klinik.de

Das Morton Neurom ist eine recht häufige Folge einer Spreizfußfehlstellung. Es tritt meist bei Frauen auf. Aber auch Männer - meistens Laufsportler mit hohem Trainingspensum - können darunter leiden.

Wichtige Begriffe
  • Morton Neurom:
    Schmerzhafte Verdickung des Mittelfußnerven
  • Neurom:
    Gutartiges Wachstum von Nervengewebe
  • Neuralgie:
    Nervenschmerz
  • Morton Neuralgie:
    Nervenschmerz am Plantarnerven
  • Metatarsal-Knochen:
    Der Anteil der Zehenknochen im Mittelfuß.
  • Metatarsalgie:
    Mittelfußschmerz; das Morton Neurom ist eine von vielen möglichen Ursachen für Mittelfußschmerz.
  • Synonyme:
    Morton Neurinom, Morton Neuralgie, Morton Metatarsalgie, Morton Syndrom
Morton Neurom Morton Neurom (rot) als Schwellung zwischen den Mittelfußknochen der Zehen (blau). Wenn der Nerv (gelb) gereizt ist, entwickeln sich im gesamten Versorgungsgebiet des Nerven brennende oder stechende Mittelfußschmerzen. © Dr. med. Thomas Schneider

Die Nervenerhaltende Therapie bei Morton Neurom

Der folgende Artikel will vor allem Hinweise auf nervenerhaltende Behandlungsformen geben. Zu oft ist die Standardbehandlung bei Morton Neurom noch die Nervenamputation (sog. Neurektomie). Wir haben seit Jahren mit Nervenentlastung und ggf. Umstellung der Mittelfußknochen (Dekompression) sehr gute klinische Ergebnisse. Insbesondere haben wir gute Ergebnisse bei der Vermeidung von Rückfällen (Rezidiven), die nach Nervenamputation noch immer wahrscheinlich sind, weil die dem Morton Neurom zugrunde liegende Störung des Fußgewölbes durch Neurektomie (Nervenentfernung) nicht behoben ist.

Ein weiterer Vorteil der Dekompression (Neurolyse): Narbenbildung an der Fußsohle, im Ballenbereich wird vermieden. Bei der herkömmlichen Nervenentfernung bei Morton Neurom erfolgt der chirurgische Zugang durch die Fußsohle. Die resultierenden Narben in der Fußsohle haben das Potential, dauerhaft schmerzhaft zu sein. Die Neurolyse (Nervenentlastung) kann ebenso wie die Neurektomie durch Zugang von oben erfolgen: Eine Narbenbildung ist hier weit weniger kritisch, als an der stark belasteten Fußsohle.

Diagnostische Grundlagen für die differenzierte Behandlung

Wir haben über Jahre die Erfahrung gemacht, dass Patienten mit Mittelfußschmerzen wegen Morton Neurom häufig nicht die angemessene Diagnose erhalten. Sowohl von der Einordnung der klinischen Symptome in der Patientenbefragung (Anamnese) als hinsichtlich der diagnostischen Vorgehensweise und dem Einsatz der bildgebenden Verfahren, insbesondere der Schnittbildtechniken (MRT) steht das Morton Neurom häufig nicht im Fokus. Es wird daher oft übersehen.

Ansicht des Fußes von der Fußsohle aus gesehen mit plantaren Fußnerven Ansicht des Fußes von der Fußsohle aus gesehen mit den zwischen den Zehenstrahlen Metatarsalen) verlaufenden Nerven (interdigitale Plantarnerven an der Fußsohle). Das Morton Neurom findet sich meist zwischen den Zehen II/IV, seltener zwischen II/III. (Der Großzehenknochen hat die Nummer aus, von hier aus wird nach außen gezählt). In manchen Fällen finden sich auch mehrere Morton Neurome am selben Fuß. © Viewmedica

Patienten mit Mittelfußschmerzen erhalten die angemessene Behandlung häufig erst nach langem Suchen. Sogar bei vorangegangener MRT Untersuchung finden wir häufig, dass ein Morton Neurom bei geeigneter Einstellung der Diagnostik und entsprechender Auflösung hätte gezeigt werden können, aber dennoch übersehen wurde.

Sicht von unten auf ein Morton Neurom (Rot) des plantaren Fußnerven Sicht von unten auf ein Morton Neurom (Rot) des plantaren Fußnerven. © Dr. Thomas Schneider

Morton Neurome ab 0,3 cm können von einem erfahrenen Radiologen im MRT ziemlich sicher nachgewiesen werden.

Eine gute MRT-Untersuchung mit Größenbestimmung ist für uns eine wichtige Voraussetzung für die operative Behandlungsentscheidung: Nur bis zur Größe von maximal 0,6-0,8 cm können wir das Morton Neurom sicher auch ohne Nervenamputation behandeln.

Symptome des Morton Neuroms

Symptome

  • Anfänglich Kribbeln, das in Brennen übergeht
  • Gefühl eines Steinchens oder einer Murmel im Schuh
  • Stechende oder brennende scharfe Fußschmerzen
  • Schmerz lässt in Ruhe nach
  • Schmerz lässt nach wenn man die Schuhe auszieht
  • Enge und spitz zulaufende Schuhe verschlimmern die Fußschmerzen
  • Schmerz strahlt in die mittleren Zehen aus
  • Schmerzen treten plötzlich auf
  • Wenig gepolsterte Schuhe oder harter Laufuntergrund fördern die Morton Neurom Schmerzen

Das Morton Neurom verursacht in der Regel belastungsabhängige Schmerzen am Vor- oder Mittelfuß. Häufig treten die (Metatarsalgie) Beschwerden auf, wenn Schuhe getragen werden. Der stechende Schmerz wird auch sofort besser, wenn die Patienten sich hinsetzen und Ihre Schuhe ausziehen.

Oft ist zusätzlich zu den Mittelfuß-Schmerzen eine Missempfindung der benachbarten Kleinzehen vorhanden. Diese liegt typischerweise an den einander zugewandten Zehenunterseiten.

Fachartikel von Dr Schneider zur Behandlung des Morton Neuroms

Der Schmerz kann brennend, aber teilweise auch stechender Natur sein. Manche Patienten klagen über Taubheitsgefühle in Kombination mit brennenden Schmerzen, die bis in die Zehen ausstrahlen können. Häufig wird der Schmerz als Gehen wie auf einem Fremdkörper beschrieben.

Häufig berichten Patienten mit Morton Neurom, dass es sich so anfühlt wie ein Steinchen oder eine Erbse im Schuh.

Ruheschmerzen oder Anlaufschmerzen bei Beginn der Belastung sind dagegen ungewöhnlich und unserer Erfahrung nach eher ein Ausschlusskriterium für die Diagnose des Morton Neuroms.

Eine Verbesserung der Beschwerden kann teilweise beim Ausziehen der Schuhe oder durch das Tragen besonders weiter Schuhe erreicht werden. Enge und spitz zulaufende Schuhe hingegen verschlimmern die Mittelfußschmerzen.

Animation zum Morton Neurom

 

Was kann es sonst sein? Differentialdiagnosen des Morton Neuroms

Alternative Ursachen für Mittelfuß-Schmerzen

  • Entzündungsprozesse zwischen Mittelfuß und Zehengrundglied (Gelenk-Schleimhautentzündung oder Synovialitis), häufig als Folge von Gelenk-Instabilität)
  • Stressfraktur bzw. Marschfraktur wegen der Überlastung der Mittelfußknochen
  • Nervenschädigungen aus anderen Gründen, z.B. Polyneuropathie
  • Weichteilschäden (Hautnarben, Warzen, Weichteiltumore)
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis) wegen der Spreizfußbedingten hohen mechanischen Belastung
  • Funktionelle Überlastungen der Kleinzehen bei ausgeprägtem Spreizfuß
  • Zehendeformierungen, Hohl- und Plattfuß als Begleiterscheinung
  • Der Spreizfuß, der das Morton Neurom auslöst, ist häufig vergesellschaftet mit einem Hallux valgus. Die Entlastung der Großzehe führt zu Mittelfußschmerzen im Bereich der Kleinzehen. (→Mittelfußschmerzen bei Hallux valgus)

Neben dem Morton Neurom gibt es eine Vielzahl weiterer Ursachen für Vorfußschmerzen.

Zu den Differentialdiagnosen des Morton Neuroms gehören auch Stoffwechselbedingte Fuß-Schmerzen. So kann eine Diabeteserkrankung auch bestimmte Nervenerkrankungen begünstigen (diabetischer Fuß und Polyneuropathie). Wie in jedem beweglichen Teil des Skeletts kann auch eine schmerzhafte Schleimbeutelentzündung (Bursitis) im Fuß zu dauerhaften Mittelfußschmerzen beitragen.

Der Fußspezialist will auch Warzen und Weichteiltumore als Schmerzursachen im Fuß ausschließen.

Mittelfußschmerz ist häufig vergesellschaftet mit einem Hallux valgus (Schiefzehe): Durch die Gewichtsverlagerung weg von der Großzehe zu den Kleinzehen erhöht sich der Druck im Mittelfuß. Das kann neben einem Morton Neurom zahlreiche schmerzhafte Folgen haben:

  • Überlastung der Mittelfußknochen (Marschfraktur oder Stressfraktur)
  • Schleimbeutelentzündung
  • Entzündung der Gelenksschleimhaut (Synovia) der Metatarsophalangealgelenke (Zehengrundgelenke).

Diese alternativen oder sich sogar überlagernden Schmerzursachen wollen wir in der Untersuchung sorgfältig von einander unterscheiden, weil eine jeweils andere Behandlung erforderlich ist. Neben einer ausführlichen klinischen Untersuchung, wo wir das Morton Neurom tasten, hilft uns vor allem das fachgerecht ausgeführte MRT (Magnetresonanztomografie) bei der Analyse dieser vielschichtigen Situation im schmerzenden Mittelfuß und Vorfuß unserer Patienten.

 

Wie entsteht ein Morton Neurom?

Das Morton Neurom entsteht immer vor dem Hintergrund eines Spreizfußes. Die Spreizfußfehlstellung der Mittelfußknochen ist die Folge des durchgetretenen vorderen Fußgewölbes. Die Zehen sind stehen häufig nach innen. Auch die Zehenstrahlen im Mittelfuß - die sogenannten Metatarsalen - sind durch die Spreizfußfehlstellung verlagert und zeigen fächerförmig nach außen. Dadurch üben sie bei der normalen Abrollbewegung beim Gehen einen viel stärkeren Druck auf die an der Fußsohle verlaufenden Nerven aus. Durch diese dauernde Reizung entzündet sich der Nerv. Insbesondere die bindegewebige Hülle des Nerven schwillt an. Das Morton Neurom ist also ein Nervenkompressionssyndrom. Es entsteht durch die Einengung eines Nerven (Entrapment), der zwischen den Zehenstrahlen verläuft. Zusätzlich kann eine schmerzhafte Schleimbeutzelentzündung in der Nervenumgebung, die durch die Schleimbeutelentzündung entsteht zusätzliche Schmerzen verursachen.

Entstehung des Morton Neuroms Querschnitt durch den Mittelfuß mit 2 Zehenstrahlen: Das Morton Neurom (rot) entsteht durch Druck der Mittelfußknochen (blau) auf den Nerven (rot) an der Fußsohle: Die Mittelfußknochen sind durch ein bindegewebiges Band (Ligamentum intermetatarsale, grau) verbunden. Gelb sind die Sehnen mit Sehnenhüllen, die an der Fußsohle verlaufen. Diese Grafik demonstriert auch die Eingriffsmöglichkeiten bei der Nervenerhaltenden Dekompression: Durch Umstellung der Zehenknochen (Osteotomie der Metatarsalen) und einer Weitung des Bandes (Lig. intermetatarsale) kann mehr Raum geschaffen werden. © Dr. Thomas Schneider

Die veränderte Belastung des Vorfußes durch den Verlust des Quergewölbes führt zu einer mechanischen Reizung des Hautnerven an der Fußsohle. Die langanhaltende Reizung des Nerven und der Druck der bindegewebigen Hülle drückt auf den Nerven. Schmerzen und Taubheit sind die Folge, wenn Nerven gedrückt werden. Diese Schädigung führt zur Ausbildung der Symtome des Morton Neuroms.

Die Bezeichnung Neurom wird bei gutartigen Tumoren des Nervengewebes verwendet. Hier scheint die mechanische Reizung eine Auftreibung hervorzurufen ohne einen benignen (gutartigen) Tumor induzieren zu können.

Diese Faktoren begünstigen das Morton Neurom

  • Spreizfuß bzw. abgeflachtes Quergewölbe im Vorfuß
  • Bindegewebsschwäche bzw schwache Bänder im Vorfuß
  • Vorliebe für Schuhe mit hohen Absätzen
  • Starke Belastung z.B. Lauftraining
  • Stundenlanges Stehen im Beruf (Verkäufer)
  • Lange Laufstrecken (Langstreckenläufer)
  • Übergewicht

Welche Zehen sind am häufigsten betroffen?

Am häufigsten ist ein Morton Neurom zwischen den Zehen D3 und D4, etwas seltener zwischen D2 und D3 zu finden.

Wer ist am häufigsten vom Motron Neurom betroffen?

Die Beschwerden treten häufig im Erwachsenenalter auf. Es können jedoch Menschen in jedem Alter betroffen sein. Frauen erkranken vier mal häufiger am Morton Neurom als Männer. Einer der Gründe für das vermehrte Auftreten des Morton Neuroms bei Frauen kann im vermehrten Auftreten von Spreizfußfehlstellungen bei Frauen liegen. Das liegt vermutlich an der Schuhmode: Hohe Absätze und spitz zulaufende Schuhe begünstigen durch den hohen Druck auf das vordere Fußgewölbe die Entstehung des Spreizfußes. Der Spreizfuß ändert die Stellung der Mittelfußknochen und erhöht den Druck auf die an der Fußsohle verlaufenden Nerven.

Morton Neurom klinische Untersuchung

Morton Neurom, auch Metatarsalgie genannt, Morton Neurom, auch Metatarsalgie genannt, kann manuell durch den sog. Mulders Click untersucht werden. Dabei kann das Morton Neurom zwischen den Zehenstrahlen vom untersuchenden Arzt getastet werdenMorton Neurom, eine von mehreren Ursachen für Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie) genannt, ist eine schmerzhafte, entzündliche Verdickung eines Mittelfussnerven. Das Morton Neurom kann manuell durch den sog. Mulders Click untersucht werden. Dabei kann das Morton Neurom zwischen den Zehenstrahlen vom untersuchenden Arzt getastet werden. © Gelenk-Klinik.de

Zunächst erfolgt die klinische und Tast-Untersuchung des Fusses. Hier zeigt sich zumeist eine starke Druckschmerzhaftigkeit über den Mittelfußköpfchen sowie ein sogenannter Vorfußkompressionsschmerz.

Die podometrische Untersuchung, d.h. elektronische Messung der Druckverteilung im Vorfuß, kann weitere Hinweise darauf liefern, ob die üblichen Voraussetzungen eines Morton Neuromes - vor allem Spreizfuß und geänderte Abrollbewegung beim Gehen - vorliegen. Größere Nervengeschwülste können auch sonographisch und durch direkte Tastung erfasst werden.

Untersuchung des Morton Neuroms durch Ultraschall

Ebenso wie die Röntgenuntersuchung dient die Ultraschalluntersuchung dem Ausschluß anderer möglicher Ursachen für die Mittelfußschmerzen. Der Fußspezialist will zudem feststellen, ob es auch andere, noch nicht schmerzhafte Morton Neurome im selben Fuß gibt - das ist gar nicht so selten. Kleine Morton Neurome sind häufig noch asymptomatisch. Sie sollten aber, falls vorhanden, in die Gesamtbetrachtung des Fußes und die Behandlungsstrategie einbezogen werden.

Diagnosesicherung durch Lokalanästhesie und MRT

Zur Sicherung der Diagnose ist es möglich, an den entzündeten Nerv ein lokales Betäubungsmittel zu spritzen. Der untersuchende Arzt erwartet dabei eine zeitweise Beendigung der Symptome des Morton Neuroms:

Ähnlich, wie wenn man die Sicherung einer Stromquelle abschaltet, kann auf diese Weise die Diagnose gesichert werden.

Sicherung der Diagnose durch bildgebende Verfahren (MRT und Röntgen)

Durch weitergehende röntgenologische und kernspintomographische Untersuchung können andere Ursachen für den Mittelfußschmerz weitgehend ausgeschlossen werden.

MRT (Magnetresonanztomografie) Aufnahme eines Morton Neuroms MRT (Magnetresonanztomografie) Aufnahme eines Morton Neuroms (grün eingefärbt). Das Morton Neurom sitzt meist zwischen den Zehen 2/3 oder 3/4. Das Morton Neurom ist eigentlich keine gutartige Wucherung des Nervengewebes, sondern eher eine Entzündung der bindegewebigen Hülle, die die Nerven umgibt. © Gelenk-Klinik.de

Das Morton Neurom kann nicht durch Röntgen, sondern lediglich durch ein MRT abgebildet werden. Nachdem das Morton Neurom durch klinische Untersuchung und eine genaue Betrachtung des Krankheitsverlaufes und er Symptome gesichert wurde, kann es auch durch MRT gezeigt werden.

Die MRT-Untersuchng ist vor allem wichtig, um eine Größenbestimmung der Nervenschwellung vornehmen zu können. Von der Größe des Morton Neuroms hängt auch der Behandlung ab. Je kleiner das Morton Neurom, um so eher kann es noch konservativ behandelt werden.

Auch beim MRT wird das Morton Neurom häufig übersehen. Der Radiologe benötigt eine besondere Einstellungen des Kernspintomografen, um bei so feinen Strukturen wie dem Mittelfußnerven eine Schwellung nachweisen zu können.

Der Diagnostiker erwartet dabei - anders als der Name Morton Neurom sagt - keine Nervenwucherung oder Wucherung der Schwann-Zellen um den Nerven, sondern eine Entzündung der bindegewebigen Hülle um die vielen Nervenfortsätze, die gemeinsam den Mittelfußnerven bilden.

Entferntes Morton Neurom Entferntes Morton Neurom: Bis zu einem Durchmesser von maximal 0,8 cm können Morton Neurome meist ohne Nervenentfernung operiert werden. © Dr. Thomas Schneider

Das Morton Neurom ist also streng genommen nicht die Vermehrung von Nervengewebe (Neurom), sondern eher die Wucherung von bindegewebigen Anteilen (Fibrom) des Mittelfuß-Nerven. Diese Situation lässt sich auch während der Operation gut zeigen: Der Nerv ist meist normal, während die bindegewebige Hülle des Morton Neuroms deutlich angeschwollen ist und starke Flüssigkeitseinlagerungen erlebt oder nach Entzündung vernarbt ist. Diese angeschwollene Hülle wird nach und nach auf den Nerven drücken und die typischen Symptome verursachen. Man spricht bei Morton Neurom daher von einem Nervenkompressionssyndrom.

Therapiemöglichkeiten zur Behandlung des Morton Neuroms

Die Therapie des Mortonneuroms wird primär konservativ, d.h. nicht chirurgisch durchgeführt. Es geht vor allem darum, den Druck auf die Nerven zu verringern. Daher steht die Behandlung des Spreizfußes im Vordergrund: Erst durch das Einsinken des vorderen Fußgewölbes erhöht sich der Druck auf die plantaren Fußnerven. Daher will man durch stützende Schuheinlagen das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe) unterstützen und dadurch den Druck von den Nerven nehmen. Häufig ist das bereits hinreichend, um die kompressionsbedingte Schwellung des Morton Neuroms abheilen zu lassen. Vor allem der betroffene Zehenzwischenraum sollte durch die Einlage besonders unterstützt und entlastet werden.

Häufig tritt eine Besserung der Beschwerden nach gezielten Einspritzungen an die Nervenendung ein. Gute Ergebnisse werden auch mit nervennahen Einspritzungen von Vitamin B12 erreicht.

Weitere konservative Therapiemaßnahmen

  • Einlagen mit Unterstützung des Quergewölbes
  • Ultraschall
  • Phonophorese
  • Iontophorese
  • lokale Kältetherapie (Eismassage)
  • medikamentöse Therapie
  • lokale Infiltrationen mit homöopathischen Substanzen
  • lokale Cortisoninfiltrationen, wobei die Langzeitfolgen der Cortisoninjektion ungünstig sind.

Wie wird ein Morton Neurom nervenerhaltend durch Dekompression bzw. Neurolyse operiert?

Morton Neurom Neurolyse Nervenerhaltende operative Behandlung des Morton Neuroms durch Neurolyse bzw. Dekompression verschafft dem Plantaren Fußnerven mehr Raum: 1. Weitung des Bandes zwischen den Mittelfußknochen (Ligamentum intermetatarsale; grau) 2. Umstellung der Zehenknochen (Metatarsalknochen) durch eine minimalinvasive Osteotomie. © Dr. Thomas Schneider

Ist das Morton Neurom noch nicht so groß (kleiner als 0,8 cm), kann es wie jedes andere Nervenkompressionssysndrom nervenerhaltend operiert werden.

Das Morton Neurom ist in Wahrheit ein Entrapment-Syndrom, also eine Erkrankung, die durch mechanischen Druck auf den plantaren Fußnerven ausgelöst wird. Das Morton Neurom ist nicht - wie der eigentlich veraltete, irreführende Name nahelegt - ein gutartiges Wachstum von Nervengewebe.

In der Folge der Nervenreizung schwillt die bindegewebige Hülle des Fußnerven an, bildet Narbengewebe und lagert Wasser ein.

Durch die Schwellung entsteht auch eine Ischämie: Der Fußnerv wird durch die Schwellung nicht mehr gut mit Nährstoffen versorgt, wird also "abgeklemmt". Dadurch entstehen die typischen Druck-Beschwerden wie Taubheit, einschießenden Schmerzen und Kribbeln. Bis zu einem gewissen Grade sind diese Entzündungszeichen auch wieder reversibel, wenn der mechanische Druck auf den Nerv wegfällt.

Bei vielen Nervenkompressionserkrankungen ist daher die Entlastung (Dekompression des Nerven) eine angemessene Behandlungsstrategie (siehe z.B. Karpaltunnelsyndrom).

Dennoch gibt es erst seit wenigen Jahren entsprechende nervenentlastende operative Behandlungsstrategien zur Dekompression des Morton Neuroms. Viel zu häufig wird bei dieser leider wenig beachteten Morton Neuralgie ohne Prüfung des Nervenerhaltenden Vorgehens pauschal die Nervenentfernung (Neurektomie) durchgeführt.

Nachteile der Neurektomie

Mit der Neurektomie verliert der Patent nicht nur die Nervenfunktion, also Sensibilität in den Bereichen, die von den Entfernten Nerven versorgt werden. Der zurückbleibende Nervenstumpf kann seinerseits wieder durch Druck entzünden und schmerzhaft Anschwellen. Man spricht bei diesen gar nicht so seltenen Fällen vom Rezidiv des Morton Neuroms. Viele Patienten stellen sich nach Entfernung des Morton Neuroms wieder bei Ihrem Arzt vor, wenn die Schmerzen zurückkehren. Der Grund: Die dem Neurom zugrunde liegende Ursache - Kompression des Plantarnerven - wurde durch die Nervenamputation leider nicht behoben.

Welche operativen Ansätze zur Kompression des Plantarnerven verfolgen wir?

  • Weitung des Ligamentum intermetatarsale, des Bandes zwischen den Mittelfußknochen
  • Osteotomie, das heißt minimalinvasive Umstellung der Metatarsalknochen (Zehenstrahlknochen) um mehr Raum für den Plantarnerven zu schaffen.

Neurektomie - Entfernung des entzündeten Nerven

Die weitergehende Behandlungsmöglichkeit ist die Neuroektomie, d.h., das erkrankte Nervengewebe wird entfernt -> Entfernung des Mortonneuroms.

Die Neurektomie - also die Entfernung des geschwollenen Plantarnerven - wird auch be uns noch durchgeführt, wenn die Schwellung des Morton Neuroms zu groß ist. Wichtig ist dafür die Größenbestimmung des Morton Neuroms im MRT. In der Schnittbildtechnik ist das jedoch nicht immer eindeutig durchführbar. Daher erfolgt die Festlegung der eigentlichen Behandlungsstrategie häufig erst während der Operation nach Sichtung des Morton Neroms.

Auf jeden Fall wird durch Öffnung der Bindegewebsbrücke über den Mittelfußköpfchen der Druck auf den Nerv dauerhaft reduziert (Dekompression). Nur wenn die Drucksituation im Mittelfuß mitbehandelt wird, ist auch eine Neurektomie eine zuverlässige Behandlungsmethode. Sonst droht ein Rezidiv: eine erneute Reizung des Nervenstumpfes mit schmerzhafter Bindegewebsschwellung.

Wie ist die Prognose nach der Neurom-Entfernung?

Ganz besonders wichtig ist gesundes Schuhwerk mit Unterstützung des Quergewölbes und genügend viel Zehenraum.
Des weiteren sollten regelmäßige Fußgymnastik zur Stärkung der kleinen Fußmuskeln durchgeführt werden.

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Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie an der Gelenk-Klinik

 
Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg Dr. med. Martin Rinio, Facharzt für Orthopädie
Chirurgie und Unfallchirurgie an der Gelenk-Klinik