Orthopädische Gelenk-Klinik

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BWS-Schmerzen - Schmerz im Brustwirbelbereich

  1. Typische Schmerzen in der Brustwirbelsäule
  2. Besonderheiten der Brustwirbelsäule
  3. Wie häufig sind Bandscheibenprobleme in der Brustwirbelsäule?
  4. Ursachen der BWS-Schmerzen
  5. Diagnose
  6. Therapie

Typische BWS-Schmerzen

Bei den BWS-Schmerzen handelt es sich meist um dumpfe oder drückende Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Sehr häufig sind hierbei auch die anliegenden Muskelpartien verhärtet und schmerzhaft. Da die Brustwirbelsäule mit den Rippen gelenkige Verbindungen bildet, sind die Schmerzen bei Blockierungen meist bewegungs- und/oder atemabhängig. Der Schmerz wird von den Patienten zwischen die Schulterblätter lokalisiert und kann als gürtelförmige Ausstrahlung über den Brustkorb verspürt werden.

Die Brustwirbelsäule weist besondere Merkmale auf, die es zu beachten gibt

Der Unterschied liegt in der speziellen Anatomie. So zeigen die Bandscheiben eine Größenzunahme von oben nach unten. Im Vergleich zur Wirbelkörperhöhe sind die Bandscheiben in der Brustwirbelsäule flacher als in der Halswirbelsäule. Der Wirbelkanal ist im Brustwirbelsäulenbereich relativ eng und verfügt nur über einen schmalen Raum zwischen Rückenmark und knöcherner Umgebung bzw. Bandscheibe.

Neben den Wirbelgelenken gibt es noch die Wirbel-Rippen-Gelenke (Kostotransversalgelenke). Durch ihre Position an den Nervenaustrittsfenstern können sie den Spinalnerv abdrängen. In der Regel macht das keine Probleme wegen des recht großen Durchmessers der Nervenaustrittsfenster. Äste der thorakalen Spinalnerven versorgen als Nn. intercostales die Wand des Brustkorbes mit der Muskulatur und die Intercostalgelenke. Dazu kommen noch die innere Brustwandhaut und die Haut.

Bei Reizung eines dieser thorakalen Spinalnerven entsteht eine Interkostalneuralgie. Durch die nach dorsal konvexe Ausbiegung der BWS sind die vorderen Abschnitte enormen Druckbelastungen ausgesetzt. Aus diesem Grund kommt es hier recht häufig zu Kompressionsfrakturen sowie Einbrüchen des Bandscheibengewebes durch die Deckplatten hindurch in die Wirbelkörper. Hierdurch werden Veränderungen degenerativer Art wie Spondylosen und Osteochondrosen vorangetrieben. Wenn sich diese in der Nachbarschaft einer Nervenwurzel entwickeln und eine Instabilität im Bewegungssegment besteht, kommt es zu Beschwerden.

Nur 2% der Bandscheibenerkrankungen betreffen die BWS

Bandscheibenschäden der BWS spielen im Vergleich zu denen in der HWS und der LWS nur eine untergeordnete Rolle. Dies gilt sowohl für die Frequenz als auch für die Schwere der Krankheitserscheinungen. Lediglich 2% aller bandscheibenbedingten Erkrankungen betreffen die Brustwirbelsäule. Selten kommt es einmal zu einer therapieresistenten Wurzelirritation (Interkostalneuralgie), die eine operative Behandlung erforderlich macht. Ein Bandscheibenvorfall mit Kompression des Rückenmarks kommt vor, stellt jedoch eine Rarität dar. Trotz dieser günstigen Voraussetzungen können auch von der BWS bandscheibenbedingte Erkrankungen ausgehen. Durch die ventrale Belastung des Zwischenwirbelabschnittes besteht die Möglichkeit der Entwicklung von Bandscheibenprotrusionen. Diese können dann zur Kompression des Rückenmarkes und der Nervenwurzeln führen. Hier werden dann einmal die Nervenfasern selbst und zum anderen die sie versorgenden Blutgefäße des Rückenmarkes komprimiert. Gefährdet ist vor allem die ventral verlaufende Arteria spinalis anterior.

Therapieverfahren

Übersicht Therapieverfahren (die geeignete Methode wird durch die jeweils individuelle Indikation bestimmt):

Welche Ursachen gibt es für BWS-Schmerzen?

Mit am häufigsten werden die BWS-Schmerzen durch Blockierungen im Bereich der Brustwirbelsäule verursacht. Durch Abnützung hervorgerufene degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule mit anschließenden reaktiven Knochenanbauten können ebenfalls zu starken Schmerzen führen. Desweiteren spielen angeborene oder erworbene Missbildungen (Keilwirbel, Skoliose, Morbus Scheuermann), Entzündungen (Rheuma, Morbus Bechterew, erregerbedingte Entzündungen), Verletzungen der Wirbelsäule, Tumore und Metastasen sowie Osteoporose eine wichtige Rolle bei der Entstehung der BWS-Schmerzen.

Zu den radikulären Schmerzen zählt der thorakale Bandscheibenvorfall. Ursache können axiale Stauchungen des Rumpfes sein, wie z. B. der Sturz aufs Gesäß oder das Anheben eines schweren Gegenstandes in vorne übergeneigter Haltung. Ein im lädierten Bewegungssegmentlokalisierter Schmerz, der sich beim Husten und Pressen verstärkt, gehört fast immer zur Ausgangssymptomatik. Bei mittiger Ausrichtung des Vorfalles wird das Rückenmark komprimiert. Daher kann zu sehr uncharakteristischen Symptomen mit Sensibilitätsstörungen in den Beinen, Blasen-Mastdarm-Störungen, Reflexanomalien und Gangbehinderungen. Bei den meisten Patienten beginnen die Krankheitserscheinungen mit einer gewissen Kraftlosigkeit in beiden Beinen. Diese können sich aber bis zur Querschnittslähmung entwickeln.

Die Symptomatik der Interkostalneuralgie zeigt meist einen lokalisierten, gürtelförmigen Schmerz, evtl. mit diskreten Störungen der Sensibilität. Die Abgrenzung der einzelnen Hautbezirke und somit die Zuordnung zu einem Brustwirbelsäulenabschnitt ist im Thoraxbereich aber nicht so eindeutig wie in den peripheren Extremitätenabschnitten. Ein wichtiges diagnostisches Kriterium für die Interkostalneuralgie durch degenerative Veränderungen ist auch an der BWS die Positionsabhängigkeit der Beschwerden. Unter Entlastung bzw. Extension lassen sie nach; bei Belastung und bestimmten Körperdrehbewegungen verstärken sie sich.

Das sog. Kostotransversalgelenksyndrom entsteht durch entzündliche oder arthrotische Veränderungen sowie Stellungsanomalien in diesen Gelenken. Solche Beschwerden entstehen spontan oder z. B. als Folge operativer Eingriffe auf. Klinische Symptome von Seiten der Kostotransversalgelenke treten auf als unbestimmte, bei forcierter und vertiefter Atmung sich verstärkende, im Rippenverlauf ziehende Schmerzen, plötzliche, blitzartige schmerzhafte Atemsperren mit dem Gefühl, nicht mehr durchatmen zu können.

Welche diagnostischen Schritte werden unternommen?

Die klinische Untersuchung mit genauer Anamnese ist auch hier das wichtigste Standbein, zumal MRT-Bilder mit vermeintlichen Bandscheibenvorfällen in der Brustwirbelsäule oft als zu groß erscheinen. Auch kann eine Interkostalneuralgie verschiedene Ursachen haben. In erster Linie kommen segmental ausstrahlende Schmerzen bei und nach einem Zoster (Gürtelrose) in Frage.
Eine neurologische Abklärung ist in der Regel ebenfalls notwendig. Und selbstverständlich führt die Diagnostik auch an einer hochauflösenden Magnetresonanztomographie nicht vorbei. In unserer Praxis bedienen wir uns dann zusätzlich einer dreidimensionalen Wirbelsäulenrekonstruktion um statische wir dynamische Ursachen wiederkehrender oder anhaltender BWS-Schmerzen feststellen zu können. Muskuläre Dysbalancen werden außerdem im Rahmen von elektromyographischen Funktionsanalysen untersucht.

Wie werden BWS-Schmerzen therapiert?

Grundsätzlich sollten BWS-Schmerzen, sofern keine bedrohlichen Rückenmarkssymptome vorliegen, konservativ behandelt werden. Medikamentös wird versucht, den Patienten vom Schmerz zu befreien. Dies kann durch einspritzen von einem Lokalanästhetikum ergänzt werden. Zusätzlich wird versucht, durch Physiotherapie mit Wärme, Kälte, Massagen und Krankengymnastik die Muskulatur zu lockern und die Bandscheiben zu entlasten. Ergänzend können Schulungen zur richtigen Haltung und Übungen zur Lockerung der Muskulatur zum erwünschten Therapieerfolg führen. Wenn durch den konservativen Therapieansatz keine nachhaltige dauerhafte Schmerzlinderung erreicht werden kann, kann eine spezielle Schmerztherapie in einer Schmerzklinik in Betracht gezogen werden. Bei eindeutigen Kompressionserscheinungen des Rückenmarkes muss operiert werden. Der betroffene Bereich wird dann von hinten durch Entfernung der Wirbelbögen (Laminektomie) oder von der Seite durch eine erweiterte Kostotransversektomie (Entfernung des Querfortsatzes und der Rippe) zugänglich. Die Komplikationsrate dieser Eingriffe ist allerdings relativ hoch und bedarf daher einer sehr strengen Indikationsstellung.

Literaturangaben

  • Magnetic Resonance Imaging of the Brain and Spine (2 Volume Set). (2008) (Fourth ed). Lippincott Williams & Wilkins.
  • Brownstein, A. (2001). Healing Back Pain Naturally: The Mind-Body Program Proven to Work (1st, First ed). Pocket.
  • Dorwart, R. H. (1984). Computed tomography of the lumbar spine: techniques, normal anatomy, pitfalls, and clinical applications.. Critical reviews in diagnostic imaging, 22(1), 1-42.
  • Gokhale, E. (2008). 8 Steps to a Pain-Free Back: Natural Posture Solutions for Pain in the Back, Neck, Shoulder, Hip, Knee, and Foot (Remember When It Didn't Hurt) (1 ed). Pendo Press.
  • MD, M. S. & PhD, W. W. (1999). Back Pain Remedies for Dummies (1 ed). For Dummies.
  • Ramsey, R. (1999). Teaching Atlas of Spine Imaging (Teaching Atlas Series) (1 ed). Thieme.
  • Roh, J. S., Teng, A. L., Yoo, J. U., Davis, J., Furey, C. & Bohlman, H. H. (2005). Degenerative disorders of the lumbar and cervical spine.. The Orthopedic clinics of North America, 36(3), 255-262.
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