Orthopädische Gelenk-Klinik

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Wirbelgleiten - Spondylolysthese

  1. Was ist Wirbelgleiten?
  2. Ursachen der Spondylolysthese
  3. Symptome des Wirbelgleitens
  4. Diagnose des Wirbelgleitens
  5. Therapie der Spondylolisthesis
  6. Wann wird das Wirbelgleiten operativ behandelt?
WirbelgleitenÜberbeweglichkeit (Spondylolisthesis) des 5. Lendenwirbels (S5) gegenüber dem 1. Sakralwirbel (S1). Deshalb ist auch die Bandscheibe zwischen den stark degeneriert und in ihrer Höhe vermindert. Die Bandscheibendegeneration verstärkt die Überbeweglichkeit nochmals. Durch das Wirbelgleiten werden auch die hinten liegenden Facettengelenke zwischen den Wirbelkörpern stark belastet: Eine Facettengelenksarthrose kann sich entwickeln.

Was ist Wirbelgleiten?

Als Spondylolisthesis (bzw. Spondylolisthese) oder Wirbelgleiten bezeichnet man das Gleiten eines Wirbelkörpers mitsamt seiner Bogenwurzeln, Querfortsätze und oberen Gelenkfortsätze über dem nächst tieferen Wirbel nach vorne (Anterolisthesis) oder nach hinten (Retrolisthesis). Durch das Wirbelgleiten kann das Rückenmark eingeklemmt werden (Spinalkanalstenose). Das kann zu Schmerzen und Funktionsausfällen von Nerven führen. Wenn Nerven komprimiert werden sind Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen, Taubheit und Gefühlsstörungen die Folge. In schweren Fällen verliert der Patient sogar die Kontrolle über Blase und Darm.

Wichtige Begriffe
  • Spondylolisthesis:
    Wirbelgleiten: Die Wirbelkörper der Wirbelsäule sind in einzelnen Segmenten gegeneinander überbeweglich, so dass es zu Einklemmung (Stenose) des Rückenmarks kommen kann.
  • Listhese:
    Kurzform für Spondylisthesis
  • Anterolisthesis:
    Verschiebbarkeit der Wirbelkörper nach vorne.
  • Rethrolisthesis:
    Verschiebbarkeit der Wirbelkörper nach hinten.
  • Spondylolysis:
    Stressfraktur, meist sportbedingt, in einem Bereich des Facettengelenks der Wirbelsäule, die zu Wirbelgleiten führen kann.
  • Spondylodese:
    Operative Fusion von Wirbelkörpern, um eine Instabilität oder Überbeweglichkeit zu therapieren.

Die Überbeweglichkeit der Wirbelkörper belastet auch die Wirbelgelenke (Facettengelenke) in den betroffenen Segmenten der Bandscheibe. Das kann über längere Zeit zu einer schmerzhaften Arthrose der Facettengelenke (Spondylarthrose) führen.

Im Bereich eines Wirbelgleitens wird auch die betroffene Bandscheibe zwischen den gleitenden Wirbelkörpern stark abgenutzt und degeneriert vorzeitig. Das kann zusätzlich zu Rückenschmerzen und zu Bandscheibenvorfall führen. Wenn die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern an Höhe und Elastizität verliert, wird das Wirbelgleiten durch den fehlenden Puffer noch verstärkt.

Bei ca. 2-4% der Bevölkerung bleibt das Wirbelgleiten größtenteils beschwerdefrei und deshalb unbemerkt. Der 5. Lendenwirbelkörper ist mit 80% am häufigsten betroffen. Der 4. Lendenwirbelkörper am zweithäufigsten mit 15%.

Da gut die Hälfte aller Fälle von Wirbelgleiten über lange Zeit klinisch keine Beschwerden verursachen, sollten wir bei chronisch wiederkehrenden Rückenschmerzen - vor allem in Verbindung mit in Arme oder Beine ausstrahlenden Schmerzen - auch an ein Wirbelgleiten denken und eine entsprechende Untersuchung durchführen.

Die häufigsten Ursachen zu Wirbelgleiten sind:

  • Fehlbildung der Wirbelsäule
  • Spaltbildung im Wirbelbogen (Spondylolyse)
  • Degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule
  • Unfälle

Welches sind typische Symptome des Wirbelgleitens?

Bewegungs- und belastungsabhängige Kreuzschmerzen. Zum Teil finden sich auch neurologische Symptome bei höheren Graden des Gleitwirbels, weil es dann zur zunehmenden Einengung der Nervenwurzel kommt. Des weiteren finden sich bei manchen Patienten Instabilitätsgefühle im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Untersuchungen zur Diagnosestellung von Wirbelgleiten

Klinische Diagnostik

  • Anamnese (Sport, familiäre Belastung)
  • Inspektion (Haltung, Stufenbildung an der LWS)
  • Palpation (Stufenbildung, Schmerz, Beckenstand)
  • Funktions- und Schmerztests
  • Apparative Diagnostik
  • Röntgenaufnahmen der LWS in zwei Ebenen
  • Funktionsaufnahmen
  • CT- und/oder MRT- Diagnostik
  • Wirbelsäulenvermessung
  • EMG, Discographie, NLG

Welche Therapie kann bei Wirbelgleiten helfen?

Konservative Therapie

Ziel der Therapie des Wirbelgleitens ist die Schmerzbeseitigung oder -reduktion, die Beseitigung von evtl. vorhandenen neurologischen Symptomen und die Verhinderung der weiteren Progredienz der Erkrankung.

Die Spondylolisthesis wird in den meisten Fällen konservativ therapiert. Der Gleitvorgang kann spontan in jedem Stadium zum Stillstand kommen. Je weiter jedoch der Wirbel gleitet, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von neurologischen Symptomen.

Die konservative Therapie beinhaltet eine ausführliche Beratung des Patienten, eine medikamentöse Therapie, Physiotherapie und die Orthopädietechnik.

Wann wird operiert?

  • neurologischen Ausfällen
  • Zunahme des Wirbelgleitens
  • Leidensdruck bei Versagen der konservativen Therapie

Welche operativen Möglichkeiten gibt es?

Operativ steht die Versteifungsoperation (Spondylodese) im Vordergrund. Diese oft mit Recht als die Angstoperation an der Wirbelsäule angesehene Therapie erfordert umso mehr eine individuell zugeschnittene Lösung. Dabei gibt es je nach Art und Ausprägung des Wirbelgleitens, nach Alter und Aktivität des Patienten, nach Zustand der Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörper ganz unterschiedliche Ansätze. Erst wenn alle Details geklärt sind, kann ein individuelles Konzept zur Versteifungsoperation angeboten werden.

Es gibt verschiedene Grade des Wirbelgleitens in der Einteilung nach Meyerding. Dabei wird die Deckplatte des unteren Wirbelkörpers als Bezugsebene gewählt und in 4 Viertel eingeteilt. Ein Wirbelgleiten Grad IV nach Meyerding wird auch als Spondyloptose bezeichnet.

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