Orthopädische Gelenk-Klinik

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Laterale Retinaculumspaltung

Wenn die Kniescheibe schmerzt

Wenn durch Fehlstellung der Patella (Kniescheibe) zu viel Druck auf die seitliche Kniescheibenfacette ausgeübt wird, kann dies zu Knorpelverschleiß mit anschließendem Knochenschaden und starken Schmerzen führen. Um diese Druckbelastung zu minimieren, wird eine laterale Retinaculumspaltung durchgeführt.

Wie verläuft die laterale Retinaculumspaltung?

Bei dieser Operation werden arthroskopisch (minimal invasiv) über zwei kleine Hautschnitte eine Kamera mit Lichtquelle und spezielle chirurgische Instrumente in das Gelenk eingeführt. Zunächst verschafft sich der Operateur einen Überblick über das gesamte Gelenk. Hierbei kann er bereits entstandene Folgeschäden erkennen. Dann werden gezielt Strukturen des seitlichen Bandapparates gespalten (lateral release). Dadurch wird der Zug zur Seite hin verringert und die Kniescheibe gleitet in Richtung Mitte. Dies hat zur Folge, dass sich die Druckverhältnisse unter der Patella verändern und die Druckbelastung an der Kniescheibenfacette verringert wird.

Patellasubluxation_Patellaluxation_propSituation vor OP mit Patellasubluxation und freiem Gelenkkörper links - Patellaluxation rechts Retinaculumspaltung_-_Blauth_OPSituation nach OP mit Retinaculumspaltung links - Operation nach Blauth rechts

Gibt es spezielle Risiken?

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei diesem minimal invasiven Eingriff gewisse Risiken, wie Thrombosen, Embolien oder Blutungen. Es kann zu Infektionen und Wundheilungsstörungen kommen, benachbarte Strukturen und Weichteile könnten verletzt werden, was aber nur äußerst selten der Fall ist.

Ob die Kniescheibe durch die Operation an den gewünschten Ort zurück gleitet und dadurch der beabsichtigte Effekt erreicht wird, kann erst im Verlauf beobachtet werden. Studien zeigen jedoch, dass durch diesen Eingriff das Druckzentrum hinter der Kniescheibe zur Mitte hin verschoben wird und es zu einer signifikanten Druckentlastung kommt. Die Beschwerden werden dadurch gelindert und die Folgekrankheiten wie Arthrose verzögert oder gar aufgehalten.

Was sind die Vorteile der lateralen Retinaculumspaltung?

Die Spaltung des seitlichen Bandapparates (lateral release) ist eine Operation, bei der es verhältnismäßig selten Komplikationen gibt. Durch den arthroskopischen Eingriff werden nur wenig Strukturen verletzt und Muskulatur und Sehnen geschont. Es besteht nur eine sehr geringe Vernarbungstendenz, was zu einem guten kosmetischen Ergebnis führt. Mit der Mobilisation unter Vollbelastung kann bereits nach der Operation begonnen werden. Folgeschäden und das Luxationsrisiko der Patella werden durch den Eingriff minimiert.

Ist eine langwierige Nachbehandlung erforderlich?

Da der Eingriff nur minimal invasiv vorgenommen wird, ist eine schnelle Mobilisierung möglich. Die Oberschenkelmuskulatur sollte besonders trainiert werden, um die Stabilität der Kniescheibe positiv zu beeinflussen. Übungen hierfür werden in der Krankengymnastik, die sich an die Operation anschließt, erlernt.

Wie kann der Erfolg der Operation nachgewiesen werden?

Zur Darstellung der Kniescheibe verwenden wir routinemäßig die sog. Defilé- Aufnahme. Hierbei handelt es sich um ein Röntgenbild, auf welchem das Ausmaß der Seitenabweichung der Kniescheibe aus der Mittellinie und die Kippfehlstellung der Kniescheibe sichtbar werden. Wird eine laterale Retinaculumspaltung durchgeführt, so sollte ca. sechs Wochen nach der Operation durch erneutes Röntgen die Korrektur im Vergleich zum Ausgangsbefund nachgewiesen werden können.

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