Orthopädische Gelenk-Klinik

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"Medipresse" 11/2019 mit Prof. Dr. Sven Ostermeier: "Gelenk-Ersatz: Nur nicht übers Knie brechen"

Gelenk-Ersatz: Nur nicht übers Knie brechen mit Prof. Dr. Sven Ostermeier in medipresse 11/2019 Gelenk-Ersatz: Nur nicht übers Knie brechen mit Prof. Dr. Sven Ostermeier in medipresse 11/2019

Über 120.000 Menschen mit Kniearthrose erhalten jährlich ein künstliches Gelenk. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt dafür? Sind persönliches Schmerzempfinden oder zunehmende Bewegungseinschränkung die entscheidenden Kriterien? Welche Vorteile haben maßgeschneiderte Lösungen – und wie finde ich einen Spezialisten? Wir fragen nach bei Professor Dr. Sven Ostermeier, leitender Orthopäde und Knie-Experte der Gelenk-Klinik Gundelfingen.

Herr Professor Ostermeier, ist ein künstliches Gelenk bei Kniearthrose über kurz oder lang unvermeidbar?

Kniearthrose ist grundsätzlich ein normaler Prozess des Alterns. Daher ist der Verschleiß des Kniegelenks (Gonarthrose) meist nicht behandlungsbedürftig – eine altersgerechte Belastbarkeit und Beweglichkeit vorausgesetzt. Im frühen Stadium lässt sich die Arthrose in vielen Fällen erfolgreich behandeln – etwa durch eine Knorpeltherapie bzw. -transplantation oder die Behebung von Fehlstellungen (Osteotomie). Der erfahrene Kniespezialist wird jedoch vor einer Behandlung zunächst die eigentliche Ursache der Arthrose sowie das Ausmaß der vorliegenden Knorpelschädigung ermitteln.

Warum sind unsere Knie eigentlich so anfällig für Arthrose?

Ca. 7 bis 10 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Kniearthrose. Das perfekte Zusammenspiel aus diversen Bändern, Sehnen und Muskeln ermöglicht dem Knie seine außerordentliche Beweglichkeit, macht es aber auch zu einem der verletzungsanfälligsten Gelenke des menschlichen Körpers. Erwiesen ist, dass es vor allem bei jüngeren Menschen häufig durch Sportunfälle zu Knorpelschäden kommt. Und auch Übergewicht spielt eine primäre Rolle bei der Entstehung.

Wann geht an einem künstlichen Kniegelenk kein Weg vorbei?

Orthopäden unterteilen den Krankheitsverlauf in vier Phasen: Während die Knorpelschäden in der ersten und zweiten Stufe noch relativ unauffällig sind, weist die Knorpeloberfläche im dritten Stadium bereits bis zum Knochen reichende Risse oder Krater auf. In diesen Fällen kann häufig eine Teilprothese die intakten Anteile des Kniegelenks erhalten. Im vierten Stadium liegen sehr schwerwiegende Knorpelschäden vor. Durch Entzündungen und Schwellungen (Gelenkergüsse) wird die Arthrose schmerzhaft und das Gelenk versteift. An einer Vollprothese geht dann praktisch kein Weg vorbei.

Wie sollte eine Prothese idealerweise aussehen?

Sind Vollprothesen unvermeidlich, so favorisieren wir möglichst genau auf den Patienten abgestimmte individuelle Konzepte.

Was heißt das konkret?

Kein Mensch gleicht exakt einem anderen. Das gilt auch für Größe, Stellung und Ausrichtung des Kniegelenks. Statt vorgefertigte Modelle „von der Stange“ zu nehmen, passen Experten moderne künstliche Kniegelenke (Knieendoprothesen) individuell an Knochenbau und Beinachse des Patienten an. So entsteht ein Implantat, das es kein zweites Mal gibt – mit ganz persönlichem Zuschnitt auf seinen Träger.

Welche konkreten Vorteile ergeben sich durch diese Passgenauigkeit für den Patienten?

Durch die Präzisionsarbeit erhöht sich die Stabilität des Implantats. Der Bewegungsspielraum des Patienten wird größer, sportliche Aktivitäten sind wieder leichter möglich. Darüber hinaus reduzieren sich eventuelle Schmerzen sowie – bedingt durch die kürzere OP-Zeit – das Risiko von Infektionen und Narkosezwischenfällen. Zudem fühlt sich das Implantat natürlich an und nicht wie ein Fremdkörper.

Worauf sollte ich als Patient achten? Was sollte ich vor der OP bedenken?

Der operierende Arzt sollte Kniespezialist sein und auch die erforderliche Erfahrung mit dem Prothesenmodell haben. Seine Aufgabe ist es, dem Patienten klipp und klar zu vermitteln, was dieser von der Prothese erwarten kann und wie diese seine Lebensqualität verändern wird. Nach der OP wird der Patient sicherlich nicht mehr so einfach aus dem Bett springen wie eventuell in früheren Zeiten – und darüber sollte er sich auch im Klaren sein. Neben den Risiken eines solchen Eingriffs sind monatelange Reha-Maßnahmen mit einzuplanen.

Wann erkenne ich den richtigen Zeitpunkt für eine OP?

Ob eine Prothese infrage kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Natürlich spielen die Intensität der Schmerzen, Bewegungseinschränkungen im Alltag sowie bereits entstandene Knochenschäden eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung. Empfehlenswert ist der Vergleich der eigenen Symptome mit denen anderer Patienten. Dafür gibt es übrigens eine spezielle standardisierte Skala. Mit dieser kann der Orthopäde errechnen, wie schwer die Symptome sind, und in welchem Ausmaß diese voraussichtlich im nächsten Jahr zunehmen werden.

Gibt es eine simple Standard-Regel?

Eine einfache Regel lautet: Ist kein schmerzfreies Gehen mehr möglich bzw. schränken die Beschwerden die Lebensqualität signifikant ein, ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff gekommen.

medipresse 11/2019
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