Orthopädische Gelenk-Klinik

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Bilddiagnostik und Radiologie der Orthopädischen Gelenk Klinik

Osteochondrosis dissecans (OD) im Sprunggelenk

Was ist Osteochondrosis dissecans?

Osteochondrosis dissecans (OD oder OCD) heißt das Absterben begrenzter Bezirke zwischen Knorpel und Knochen in den Gelenken. Dabei löst sich im Endstadium ein Stück des Knochens unter der Knorpelschicht ab. Im Krankheitsverlauf kommt es häufig zur Verdichtung des Knochens (Sklerosierung) an der Grenze zwischen den noch durchbluteten Bezirken und dem von Osteochondrosis dissecans betroffenen Bereich .

Als letztes Stadium der Osteochondrosis dissecans kann die Ablösung und Ausstoßung dieses Knochen-Knorpel-Stückes (Dissekat oder Gelenkmaus) aus seinem Lager (Mausbett) in den Gelenkraum erfolgen.

Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk Ansicht des Sprunggelenks von hinten in der digitalen Volumentomografie (DVT): Von oben kommen Schienbein (Tibia, links) und Wadenbein (Fibula, rechts) und bilden gemeinsam die Sprunggelenksgabel. Der fußseitige Gelenkpartner, der das gesamte Körpergewicht aufnimmt, ist das Sprungbein (Talus). Eine Osteochondrosis dissecans des Sprunggelenks bildet sich immer am Talus aus. Meistens sind die konvexen Ränder des Talus von der OD betroffen. © Gelenk-Klinik

In dem Gelenkraum des Sprunggelenks verbleibt das abgelöste Stück (Dissekat) als freier Gelenkkörper. Das Dissekat führt zu schmerzhaften Einklemmungen und Gelenkblockierungen. Die Osteochondrosis dissecans kann grundsätzlich an jedem Gelenk auftreten. Wird sie nicht behandelt, führt das abgelöste Knochen-Knorpelstück meist zu Sprunggelenksarthrose oder sogar zum Verlust des oberen Sprunggelenks (OSG).

Terminologie

  • Osteochondrosis dissecans: Abstoßen des Knochens aufgrund einer nichttraumatischen Ursache.
  • Osteon: Knochen
  • Chondros: Knorpel
  • dissecare: abstoßen

Die Osteochondrosis dissecans (OD) am Sprunggelenk ist eine recht seltene Erkrankung.

In 75 % aller Fälle von Osteochondrosis dissecans ist das Kniegelenk betroffen. Nur 5 % aller Fälle betreffen das Sprunggelenk.

MRT-Aufnahme einer Osteochondrosis dissecans am Sprungbein Aufnahme einer Osteochondrosis dissecans am Talus (Sprungbein). Deutlich sichtbar ist der halbkreisförmige nekrotische (abgestorbene) Bereich des Sprungbeins (Markierung), der mit Ödemen (Wassereinlagerungen) einhergeht. Die Osteochondrosis dissecans zerstört die glatte Oberfläche des Gelenks.

Je jünger der Patient ist, desto eher gelingt es, das nekrotische (nicht mehr durchblutete) Knochenstück im Talus (Sprungbein) wieder in den Wachstumsprozess einzubeziehen.

Wenn dieser Bereich wieder durchblutet wird und anwächst, kann das OSG (oberes Sprunggelenk) ohne Operation therapiert werden.

Auf die Aktivierung dieser Möglichkeit zur Selbstheilung zielen auch die wichtigsten konservativen Therapien bei Osteochondrosis dissecans ab.

 

Krankheitsverlauf und Stadien der Osteochondrosis dissecans

Im Verlauf der OD kann es zu einer Ausstoßung des betroffenen Knochen-Knorpelstückes (Dissekat) aus seinem Lager (Mausbett) in den Gelenkraum kommen. Im Gelenkraum verursacht der freie Körper als sog. Gelenkmaus schmerzhafte Einklemmungen und Gelenkblockaden. Sowohl das Dissekat als auch das Mausbett können rasch zu einer Sprunggelenksarthrose führen.

Bildgebung (SPECT) einer OD mit Knochennekrose Das SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) zeigt einen abgestorbenen Knochenbezirk auf der Innenseite des Sprungbeins. © Gelenk-Klinik

Stadium I: Knorpelverletzung und Sklerosierung (Verdickung) der dem OD-Bezirk benachbarten knöchernen Gelenkfläche.

Stadium II: Knorpelverletzung mit Bruch des darunter liegenden Knochens unter der osteochondralen Läsion (Knochen-Knorpelverletzung mit partieller Ablösung des Knochenstücks).

Stadium III: Komplett losgelöster Erkrankungsherd ohne Verschiebung des Knochenfragmentes. Die Knorpeloberfläche kann noch intakt sein.

Stadium IV: Komplett losgelöster Erkrankungsherd mit Verschiebung des abgestorbenen Knochens im Inneren des Gelenkraumes ("Loose body" bzw, "freier Gelenkkörper").

Symptome der Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk

Symptome der OD:

  • Ruheschmerzen tief im Sprunggelenk
  • Belastungsschmerzen nach dem Sport
  • Beschwerden beim Gehen, Entlastungshinken
  • Spätstadium: Knacken, schmerzhafte Blockierung des Sprunggelenks durch freie Gelenkkörper

Die Beschwerden einer osteochondralen Läsion (Verletzung des Knochen-Knorpelgewebes) oder Osteochondrosis dissecans am oberen Sprunggelenk (OSG) sind meist diagnostisch nicht eindeutig.

Häufig ähnelt die Symptomatik einer Verstauchung oder Distorsion (Verdrehung) des Sprunggelenks: Steifheit, Schwellung und Sprunggelenksschmerzen.

Für einen eindeutigen Befund muss meist eine bildgebende Diagnose die klinische Untersuchung ergänzen. Weil die Behandlungsmöglichkeiten umso größer sind, je früher die Erkrankung entdeckt wird, sollten diese unspezifischen Frühsymptome besonders beachtet werden.

Die meisten der jungen Patienten klagen über Schmerzen in der Tiefe des oberen Sprunggelenks. Diese Schmerzen können sich nach sportlicher Belastung deutlich verstärken und zu einem Entlastungshinken führen.

Manche der betroffenen Jugendlichen berichten auch von einem Spannungsgefühl oder von Ruheschmerzen im Inneren des Sprunggelenks.

Nur selten bestehen klar abgrenzbare Schmerzen, Blockaden oder ein "Klicken" im oberen Sprunggelenk.

Nicht alle osteochondralen Läsionen oder Fälle von Osteochondrosis dissecans führen zu Symptomen. Teilweise werden osteochondrale Erkrankungen nur als Zufallsbefund entdeckt.

Bis zur Abstoßung des Dissekats (abgestorbenes Knochenstück) sind die Schmerzen geringfügig und die klinischen Symptome uncharakteristisch. Die durch den Knorpelabbau ausgelöste Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovitis) kann zu Schwellungen und Gelenkergüssen im Sprunggelenk führen. Die Synovitis kann ebenfalls Gelenkschmerzen nach sich ziehen.

Typische Spätsymptome der Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk sind plötzliche und wechselnde Einklemmungserscheinungen und eine Gelenksperre. Die Erkrankung kann auch zur Instabilität des Sprunggelenks führen.

Wer ist von der Osteochondrosis dissecans betroffen?

  • Im Kniegelenk von Kindern tritt Osteochondrosis dissecans gehäuft im Alter von 11–13 Jahren auf.
  • Im Kniegelenk von Erwachsenen tritt OD vor allem im Alter von 17–35 Jahren auf.
  • Im Sprunggelenk tritt Osteochondrosis dissecans meist im Alter von 15–35 Jahren auf.

Meist tritt die Osteochondrosis dissecans des Sprunggelenks bei Kindern und Jugendlichen auf.

Im Jugendalter erkranken Jungen zweifach häufiger als Mädchen an Osteochondrosis dissecans. Starke sportliche Belastung scheint das Risiko der Osteochondrosis dissecans zu erhöhen.

Ein ähnliches Phänomen bei Erwachsenen ist die Knochennekrose des Talus (Talusnekrose): Das erwachsene Skelett reagiert nicht mehr durch Sklerosierung (Knochenverdichtung) auf die Entwicklung eines nekrotischen Bezirks. Der Übergang vom kindlichen zum erwachsenen Knochengewebe ist daher fließend.

Ursachen des Knochen-Knorpelschadens

Ursachen der OD

  • avaskuläre Nekrose bei jungen Patienten
  • wiederholte Mikrotraumen
  • osteochondrale Läsion (Knorpel-Knochenschaden)
  • osteochondrale Läsion mit lokaler Fraktur des Talus
  • angeborene Dysplasie (Verformung) der Gelenkflächen

Die Ursache der Osteochondrosis dissecans ist nicht sicher geklärt. Die OD tritt eigentlich immer an der Oberseite des Talus (Sprungbein) in der gewichttragenden Hauptbelastungszone des Sprunggelenks auf. Ihr Auftreten steht also immer in Verbindung mit mechanischer Belastung. Man vermutet Unfallschäden oder Fehlstellungen als Grund für die Entwicklung einer OD.

Daher wird die Osteochondrosis dissecans zum Teil auch als Abscherbruch (osteochondrale Abscherfraktur, osteochondral lesions, flake fracture) interpretiert.

In diesen Fällen führt eine unfallbedingte Distorsion (Verdrehung) des Sprunggelenks zu einem lokalen Schaden am Knorpel und an dem darunterliegenden Knochen des Sprungbeins. Unterbricht gleichzeitig die Blutzufuhr zu dem Knochenfragment, wird der Knochen nicht mehr ernährt und stirbt ab (Knochennekrose des Talus).

Es ist auch denkbar, dass durch das Unfalltrauma lediglich die Blutzufuhr in einem isolierten Knochenbezirk abbricht, ohne dass der Knochen eine sichtbare Fraktur erleidet. Auch in diesen Fällen kann eine Nekrose des nicht mehr versorgten Talusbezirks die Folge sein.

Durchblutungsstörungen des Knochens, Stoffwechselstörungen oder auch erbliche Faktoren werden als Ursache der Osteochondrosis dissecans ebenfalls angenommen.

Für eine Belastungsabhängigkeit der OD spricht die Tatsache, dass meist die hauptsächlich gewichttragenden Teile der Gelenkflächen betroffen sind. Im Knie sind die lateralen und medialen femoralen (oberschenkelseitigen) Kondylen betroffen. Kondylen sind die walzenförmigen Enden des Femurs (Oberschenkelknochen). Sie bilden die Gelenkpartner des Schienbeins im Kniegelenk.

Im Sprunggelenk befällt die Osteochondrosis dissecans meist die konvexen Ränder des Sprungbeins (Talus).

Welche Anteile des Sprunggelenkes sind von der Osteochondrosis dissecans betroffen?

Die Osteochondrosis dissecans entsteht immer auf der Oberseite des Talus (Sprungbein). Meist sind die oberen Kanten des Sprungbeins betroffen. Die stärker belastete innere (mediale) Kante ist häufiger betroffen als die äußere. Diese Beobachtung stimmt mit der Überlastungstheorie zur Entstehung der Osteochondrosis dissecans überein.

 

Diagnose der Osteochondrosis dissecans (OD)

Differentialdiagnosen: Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

  • Knochennekrose (Talusnekrose): Je älter der Patient, umso wahrscheinlicher ist die Nekrose.
  • Eine osteochondrale Schädigung durch ein Trauma ist immer dann wahrscheinlich, wenn ein Unfall vorausgegangen ist.

Die Diagnose Osteochondrosis dissecans wird häufig erst spät im Krankheitsverlauf gestellt, da die Veränderungen im Röntgenbild des Sprunggelenkes erst lange nach der eigentlichen Durchblutungsstörung sichtbar werden. Die Röntgenuntersuchung sollte beidseits erfolgen, da die OD in etwa 40 % der Fälle beide Sprunggelenke betrifft.

Der Arzt versucht während der Diagnose eine Reihe von Fragen zu beantworten:

  1. Was für eine Schädigung – Knochen, Knorpel oder beides – liegt vor?
  2. Wie ist die Größe und Lage der osteochondralen Schädigung einzuschätzen?
  3. Wie ist der Knochen unter dem Knorpel verändert: Besteht eine Knochennekrose, eine Zyste oder eine abgelöste "Gelenkmaus" (Dissekat)?
  4. Hat der umliegende Knochen auf die Schädigung durch Sklerosierung (Verdichtung) oder Ödembildung reagiert?
  5. Liegt bereits eine Sprunggelenksarthrose vor?

Röntgendiagnostik

Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk Röntgenbild (von vorne) einer Osteochondrosis dissecans am Sprungbein. Der Schatten (rote Markierung) zeigt den geschädigten Knochenbezirk. © Gelenk-Klinik

Ein Röntgenbild des stehenden Patienten kann Form, Dichte, Struktur und die Stellung der Knochen darstellen. Hierfür wird ein spezielles Programm an Röntgenuntersuchungen durchgeführt:

  • Aufnahmen des Sprunggelenkes im Stehen von vorne
  • Aufnahme des gesamten Fußes im Stehen von der Seite
  • Aufnahme des Fußes von oben im Stehen
  • Saltzman-Aufnahme: eine stehende Aufnahme, die die Stellung des Fersenbeins zeigt

Eine standardisierte Aufnahmetechnik hilft Fehlstellungen auszuschließen. Dies ist für ein sicheres Erkennen von Ursachen einer osteochondralen Schädigung wichtig.

Weiterhin kann das Röntgen auch Knochenschäden darstellen. Hierbei ist zu beachten, dass durch die Projektion, also die Überlagerung von Knochenstrukturen, der Schaden nicht immer gut zu beurteilen ist.

Das Röntgenbild hilft zudem beim Ausschluss von Arthrosen des Sprunggelenkes. Damit ist es zur Absicherung der Diagnose unabdingbar.

Auch eine indirekte und grobe Beurteilung des Knorpels im Sprunggelenk ist möglich. Im Stehen kann bei Arthrose der sichtbare Gelenkspalt im Sprunggelenk eingeengt sein: Der Durchmesser des Gelenkspalts im Stehen lässt eine indirekte Aussage über die Festigkeit und die Menge des vorhanden Knorpels zu.

MRT-Diagnose des Sprunggelenks

Wichtige MRT-Befunde bei OD

  • Beurteilung des subchondralen (unter dem Knorpel liegenden) Knochens
  • Ödeme (Wassereinlagerung) als Hinweis auf eine Nekrose (Gewebstod)
  • Änderungen der Dicke des Gelenkknorpels
  • freies Dissekat (Knochenfragment)

Die kernspintomografische Untersuchung (MRT) ist bei der Diagnostik der Osteochondrosis dissecans am zuverlässigsten. Das MRT hilft bei der Stadieneinteilung der Erkrankung.

Es zeigt genau die Größe des Dissekats ("Gelenkmaus"), die Abgrenzung zum umgebenden Knochen (Sklerosierung) und die Situation im Gelenkknorpel.

Auch im Frühstadium der OD kann das MRT die für eine Knochennekrose typischen Wassereinlagerungen (Ödeme) im Talus zeigen.

CT-Diagnose

Eine CT-Untersuchung hilft, Größe und Lage des Knochendefektes genau zu bestimmen. Durch die Schnittbildführung können auch Hohlräume innerhalb des Knochens rekonstruiert und genau abgebildet werden. Ein SPECT-CT zeigt die Stoffwechselaktivität des Knochens an der sklerosierten (verdichteten) Stelle.

Diagnostische Arthroskopie (Gelenkspiegelung am Sprunggelenk)

Die Arthroskopie ist stets Teil der Therapie des Sprunggelenks. Sie erlaubt einen direkten Einblick in erkrankte Strukturen (Knochen, Knorpel, Bänder) mit kleinsten optischen Geräten. Der Arzt kann die Festigkeit und Funktion von Knorpel und Gelenkflächen mit Tasthaken genau untersuchen. Knorpelschäden können häufig durch Farbveränderungen und Änderungen der Oberflächenbeschaffenheit beurteilt werden.

Konservative Therapie der Osteochondrosis dissecans (OD) im Sprunggelenk

Ruhigstellung, Medikamente und Gehhilfen

Die Therapie einer OD bzw. OCD des Sprunggelenkes richtet sich nach dem Erkrankungsstadium und dem Patientenalter.

Im Wachstumsalter (vor dem Verschluss der Wachstumsfugen des Skeletts) und bei stabilen OD-Herden sind konservative Maßnahmen sinnvoll.

Im frühen Stadium nach dem Auftreten von Verletzungen gehört dazu vor allem eine Ruhigstellung mit Belastungsreduktion des Sprunggelenks für bis zu 6 Wochen. Der OD-Patient muss in der Zeit der Ruhigstellung Gehhilfen verwenden. Die Ruhigstellung führt häufig zu einer raschen Ausheilung des Herdes.

Bei Schwellungen, entzündlichen Veränderungen des Gelenks und Schmerzen wird die Erkrankung mittels nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. Ibuprofen) behandelt.

Der Arzt beobachtet bei der regelmäßigen Wiedervorstellung während der Entlastung vor allem die Entwicklung der Symptome. Er kann das Einheilen des Fragmentes durch Röntgen und MRT überprüfen, um den klinischen Befund abzusichern.

Erst wenn die Ruhigstellung nicht geholfen hat und die Beschwerden andauern, sind operative Maßnahmen sinnvoll. Wenn die Osteochondrosis dissecans erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt wurde, ist die konservative Behandlung in der Regel selten erfolgreich.

Der Erfolg der konservativen Behandlung ist altersabhängig

Die allgemeine Regel für die Therapiechancen einer OP am Sprunggelenk ist: Je jünger der Betroffene, desto besser ist die Prognose und umso eher heilt die OD durch Knochenneubildung aus.

Bei erwachsenen Patienten ist eine operative Refixierung oder eine Knochentransplantation meist unvermeidlich. Bei Kindern mit Osteochondrosis dissecans hilft oft eine 6–12-wöchige Ruhigstellung des Sprunggelenks. Studien zeigen eine 80–90%ige Wiederherstellungsrate des Sprunggelenks von Kindern und Jugendlichen durch Ruhigstellung. Im Vergleich dazu lässt sich ein Knochenschaden durch OD bei Erwachsenen durch konservative Therapie viel seltener wiederherstellen. Die konservative Ausheilung ist aber hoch genug, um bei Erwachsenen mit OD im Anfangsstadium den Versuch zu rechtfertigen, bevor eine Operation erwogen wird.

Operative Therapie der OD

Eine OP ist erforderlich, wenn:

  • eine konservative Behandlung auch nach 6 Monaten keine Besserung der Symptome bringt.
  • OD-Fragmente bereits abgelöst sind, aber nicht im Mausbett (Defektstelle) verbleiben (Stadium III).
  • eine Gelenkmaus (OD-Knochenfragment) sich als freier Gelenkkörper abgelöst hat.

Beim Erwachsenen bedarf die Erkrankung, zumindest ab Stadium III (bei knöcherner Verdichtung des Nekrosebezirks), fast immer einer operativen Therapie. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Knochenfragment nicht mehr von selbst einheilen wird und Probleme im Sprunggelenk verursacht.

Verschiedene gelenkerhaltende operative Behandlungen stehen zur Verfügung. Diese können zum Teil im Rahmen einer minimalinvasiven Gelenkspiegelung (Arthroskopie) des Sprunggelenkes durchgeführt werden. Wichtige Umstände zur Beurteilung der geeigneten Operationsmethode sind:

  • Stadium der Osteochondrosis dissecans
  • Größe des OD-Herdes
  • Intaktheit oder Beschädigung des Gelenkknorpels
  • Alter des Patienten
  • Symptome und Schmerzen des Patienten

Die individuell geeignete Behandlung der OD legt der Arzt gemeinsam mit dem Patienten nach Auswertung aller Umstände in einer ausführlichen Untersuchung fest. Wichtige Begleitumstände müssen berücksichtigt werden.

Kontraindikationen der Operation bei Erwachsenen

Bevor die Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk operiert wird, sollte der Arzt eine Instabilität des Gelenks ausgeschlossen haben. Die Bänder des Sprunggelenks müssen intakt sein, ebenso der Knochen des Talus (Sprungbein). Eine Knochennekrose (abgestorbenes Knochengewebe) oder Chondromalazie (krankhafte Knorpelerweichung) sollte auf jeden Fall ausgeschlossen werden.

Operative Behandlungsstrategien

Wiederbefestigung des Knochenfragmentes (Dissekat)

Das Dissekat oder der Osteochondrosis dissecans-Herd kann mit Schrauben oder Stiften stabilisiert werden. Diese Behandlung kann die Ablösung des Dissekats (Knochenfragment) verhindern und eventuell auch das Einheilen des Fragmentes fördern.

Retrograde Anbohrung

Der Arzt kann den OD-Herd im Talus (Sprungbein) von unten anbohren, ohne durch den Gelenkknorpel im Sprunggelenk zu gehen. Diese retrograde Anbohrung ist nur bei noch intaktem Knorpelgewebe über dem Knochenschaden sinnvoll. Die Schmerzen und Einschränkungen werden also durch die Erkrankung des Talus verursacht. Eine Anbohrung mit gezielter Verletzung des Knochens kann eine Heilungsreaktion im Knochen erzeugen, die das Einwachsen von Blutgefäßen in die Nekrosezone provoziert.

Retrograde Spongioplastik

Bei Zystenbildung, also bereits absterbendem Knochengewebe und weiterhin intaktem Gelenkknorpel, kann der Knochenschaden unter dem Knorpel retrograd (von hinten) durch körpereigenes Knochenmaterial aufgefüllt werden. Auch hier erfolgt der Zugang nicht durch die Knorpelfläche. Eine Verpflanzung von körpereigenem Knochengewebe – meist aus dem Beckenkamm – kann die abgestorbene Zone wieder auffrischen.

Mikrofrakturierung

Die Mikrofrakturierung ist die Anbohrung der Knochenoberfläche von oben. Die Verletzung mit einer resultierenden Einblutung dient der Provokation einer Heilungsreaktion des Knochens. An der Stelle der Einblutung bildet sich ein bindegewebiger Ersatzknorpel, der aber nicht die typischen Eigenschaften von hyalinem Gelenkknorpel hat. Die Mikrofrakturierung wird bei Patienten mit Knorpelschäden oder Knorpel-Knochenschäden im Alter von 18 bis etwa 55 Jahren angewendet. Der Knorpel in der Umgebung der Schadstelle sollte intakt sein. Je größer die Schadfläche, umso geringer sind die Aussichten einer Behandlung durch die Mikrofrakturierung.

Knochentransplantation mit AMIC-Membran

Bei größeren Defekten von Knochen und Knorpel kann der Orthopäde ein Stück Beckenkammknochen des Patienten in die Schadstelle transplantieren. Ein autologes (körpereigenes) Knorpeltransplantat oder eine azelluläre AMIC-Membran (AMIC = autologe matrixinduzierte Chondrogenese) können das Transplantat überdecken und die Gleitfähigkeit des Knochens unterstützen. Diese Membran ist eine Kollagenmatrix, die Knorpelzellen aufnehmen und ansiedeln soll, um die Regeneration des Knorpelgewebes zu erleichtern. Für diese Operation ist nur ein Eingriff notwendig. Durch die zweizeitige Operation und die Kosten der Knorpelzüchtung ist die Knorpeltransplantation (ACT = autologe Chondrozytentransplantation) für die Kostenträger vergleichsweise wesentlich kostspieliger.

Die Kosten für die Knorpelzüchtung (ACT) werden von den gesetzlichen Kassen am Sprunggelenk aufgrund der Studienlage noch nicht getragen. Eindeutige wissenschaftliche Belege, die die Mikrofrakturierung, den Einsatz einer AMIC-Membran und die ACT vergleichen, liegen noch nicht vor. Nach unserer 10-jährigen Erfahrung mit zahlreichen Nachuntersuchungen ist die ACT den anderen Verfahren aber überlegen.

Autologe Knorpeltransplantation

Knorpeltransplantation bei Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk Die im Labor gezüchteten körpereigenen Knorpelzellen wurden in das Sprunggelenk eingebracht. Der Knorpeldefekt ist nun vollständig bedeckt. © Gelenk-Klinik

Aus der Knorpelabdeckung des OD-Herdes kann man im Labor ein körpereigenes Knorpelstück für eine autologe Knorpeltransplantation (ACT) anzüchten. Der Knorpel kann dann nach c.a. 6–8 Wochen durch eine minimalinvasive Operation wieder in der Körper eingebracht werden. Es sind also immer zwei Sprunggelenksoperationen erforderlich: die Knorpelentnahme und das Einbringen des Transplantats. Bei der Knorpeltransplantation sind keinerlei körperfremde Materialien erforderlich. Das Transplantat ist reich an Knorpelzellen und hat ein großes Potential für die nachhaltige Regeneration der Knorpelfläche. Die ACT ist auch für größere Knorpelschäden einsetzbar. Wichtig ist aber immer, dass die gegenüberliegende Knorpelfläche noch intakt ist.

Knorpeltransplantation im Sprunggelenk: Ein kleines Stück körpereigenen Knorpelgewebes des Patienten wird in einem Labor angezüchtet und in einer Nährlösung vermehrt. Nach 6-8 Wochen kann eine große Menge vitaler Knorpelzellen in das beschädigte Areal des Sprunggelenks eingebracht werden. In einer mehrmonatigen Heilungsreaktion entwickelt sich aus diesen Zellen wieder festes Knorpelgewebe, das die natürliche Knorpeloberfläche ergänzt.

Wie ist die Prognose bei Osteochondrosis dissecans?

Bei jüngeren Kindern kann die Erkrankung durch natürliches Knochenwachstum vollständig von selbst ausheilen. Diese Fähigkeit zur Selbstheilung der Osteochondrosis dissecans nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Je jünger der Betroffene, desto besser ist die Prognose oder der Verlauf der Osteochondrosis dissecans (OD bzw. OCD).

Das Grundproblem der Erkrankung ist das erhöhte Risiko, an einer Sprunggelenksarthrose zu erkranken, da ein Schaden am Knochen und am Knorpel resultieren kann. Patienten im Jugendalter werden auch nach erfolgreicher konservativer Behandlung regelmäßig radiologisch untersucht. Erst wenn das Skelett ausgewachsen ist und die OD immer noch asymptomatisch ist – also keine Schmerzen mehr verursacht – gelten sie als geheilt. Eine weitere Behandlung ist dann nicht mehr erforderlich.

Auch nach der operativen Behandlung kann der Bewegungsspielraum des Sprunggelenks nach OD vermindert sein.

Literaturangaben
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