Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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79194 Gundelfingen
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Orthopaedische Spezialisten für Schulter

Schulterschmerzen: Ursachen, Behandlung, Übungen

  1. Selbsttest für Ihre Schulterschmerzen
  2. Was sind die möglichen Ursachen von Schulterschmerzen?
  3. Diagnose: Wie untersucht der Arzt Schulterschmerzen?
  4. Konservative Behandlung der Schulterschmerzen
  5. Einfache Übungen für zu Hause bei Schulterschmerzen
  6. Operationen bei Schulterschmerzen: Arthroskopie, Knorpeltherapie und Endoprothesen
Anatomie des SchultergelenksEin Einblick in die komplexe Anatomie des Schultergelenks ist unverzichtbar, um die Ursache von Schulterschmerzen zu verstehen. Verschiedene Strukturen wie Knochen, Sehnen, Schleimbeutel, Muskeln oder Gelenkkapsel können die Schmerzen auslösen. © bilderzwerg, fotolia

In jedem Lebensalter können wir von Schulterschmerzen betroffen sein. Die Beschwerden schränken die freie Beweglichkeit des Schultergelenks meist deutlich ein. Schulterschmerzen können isoliert im Schultergelenk bei bestimmten Bewegungen auftreten. Sie können aber aber auch aus dem Nacken in den ganzen Arm hinein ausstrahlen. Auch Schmerzen, die im Handgelenk beginnend bis in die Schulter hinauf ausstrahlen (z. B. bei Karpaltunnelsyndrom), sind möglich. Häufig sind Haltungsprobleme Ursache eines Schulterimpingements. Aber auch Trauma, Überlastung und Gelenkverschleiß (Schulterarthrose) können zu Schulterschmerzen führen.

Die Häufigkeit akuter und chronischer Schulterschmerzen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Inzwischen klagt fast jeder zehnte Mensch über Schulterschmerzen. Die Beschwerden sind häufig quälend, stark einschränkend und langanhaltend. Schulterschmerzen und die Steifheit des Schultergelenkes sind häufige Symptome, weshalb sich Patienten in unserer Gelenk-Klinik vorstellen.

Schulterschmerzen sind ernst zu nehmen. Viele Erkrankungen der Schulter können wir im Frühstadium effektiv und wirksam behandeln. Meist ist Physiotherapie und physikalische Therapie vollkommen ausreichend. Verpasst man den optimalen Behandlungszeitraum, können bleibende Einschränkungen auftreten, die eine Operation notwendig machen.

Besonders unangenehm sind Nachtschmerzen: Nach Verletzungen oder bei Entzündungen des Schultergelenks können die Patienten häufig über Wochen nicht mehr auf der erkrankten Schulter liegen.

Selbsttest für Ihre Schulterschmerzen

Was sind die möglichen Ursachen von Schulterschmerzen?

Ursachen für Schulterschmerzen:

  • Veränderungen in Knochen, Gelenken und Knorpeln
  • Trauma und Unfall
  • Haltungsschwäche
  • Muskelverletzungen und Überanstrengung
  • Stoffwechselprobleme und Entzündungen
  • Überanstrengung, Schwächung von Sehnen und Gleitgeweben

Schulterschmerzen können aufgrund der komplexen Anatomie des Schultergelenks viele verschiedene Ursachen haben: Häufige Auslöser sind Muskelverspannungen, Erkrankungen von Knochen und Gelenken, Haltungsschäden, Muskel- und Bandverletzungen und – zum Glück selten – Tumore und Knochenerkrankungen.

Die längere Lebenserwartung führt zu einer höheren Rate von Schultererkrankungen im fortgeschrittenen Alter. Auch der gesellschaftliche Trend zu bestimmten Sportarten – auch im höheren Lebensalter – verursacht immer häufiger Schulterschmerzen.

Unzureichende Vorbereitung des Körpers und auch des Bewegungsapparates vor neuen und fordernden Aktivitäten sind ebenso Auslöser der Probleme, wie die allgemein immer geringer werdenden Bewegungsanforderungen in unserer Gesellschaft.

Akute oder chronische Schulterschmerzen?

Schmerzen, die sofort nach einem Sturz, einem Aufprall oder einer Überlastung auftreten, bezeichnet man als akute Schulterschmerzen. Akute Schulterschmerzen treten also plötzlich und unvermittelt auf. Zu den akuten Schulterschmerzen gehören Zerrungen, Prellungen oder Überdehnungen von Schultersehnen. Eine recht häufige Ursache sind Auskugelungen (Dislokationen) des Schultergelenks. Weitere Auslöser sind Sehnenrisse oder Knochenbrüche (Frakturen) im Bereich der Schulter.

Demgegenüber stehen chronische Schulterschmerzen, die sich häufig über Monate hinziehen und allmählich auftreten. Chronische Schulterschmerzen können nicht mit einem bestimmten Unfallereignis in Verbindung gebracht werden: Sie beruhen auf Verschleiß oder entzündlichen Veränderungen der Schulter. Eine Schulterarthrose ist ein typischer chronischer Verlauf. Nicht nur die Gelenkfläche ist betroffen. Auch die entzündliche Degeneration der Supraspinatussehne, der Verschleiß der Bizepssehne oder Kapselentzündungen des Schultergelenks ("Frozen Shoulder") verursachen chronische Schmerzen.

Für die Therapie der Schulterschmerzen ist es sehr wichtig, zwischen chronischen und akuten Schmerzen zu unterscheiden. Bei den akuten Schulterschmerzen stehen strukturelle Schäden im Vordergrund. Sie lassen sich durch Schonung und Ruhigstellung behandeln. Bei Rissen und Brüchen muss häufig eine operative Refixierung der Sehnen- oder Knochenfragmente erfolgen.

Bei chronischen Schulterschmerzen oder degenerativen Entzündungen geht es häufig darum, das schmerzhafte Entzündungsgeschehen unter Kontrolle zu bekommen und eine Schultersteife zu verhindern. Hier therapieren wir also eher konservativ: medikamentös und mithilfe von Physiotherapie.

In manchen Fällen sind akute und chronische Schulterschmerzen nicht eindeutig zu trennen. Bei degenerativ vorgeschädigten Sehnen im Schultergelenk – dazu gehören z. B. die lange Bizepssehne oder die Supraspinatussehne – kann schon ein relativ kleines Trauma zu einem Sehnenriss führen. Bei einer nicht vorgeschädigten Sehne würde ein Schlag auf den Ellenbogen häufig keine Folgen haben.

Ein Sturz auf den Ellenbogen kann einen langfristigen Schaden an einer Schultersehne (Rotatorenmanschette) verursachen, der erst nach einiger Zeit zunehmend schmerzhaft wird. Oft stellen sich Schulterschmerzen auch allmählich und schleichend ein und werden – oft in Abhängigkeit von bestimmten Bewegungen – immer stärker. Dauern die Schmerzen länger als 3 Monate, spricht man von chronischen Schulterschmerzen.. Auch bei Strukturschäden aufgrund einer degenerativen Vorschädigung steht die konservative Therapie im Vordergrund: Sie werden also nicht wie akute, sondern eher wie chronische Schulterschmerzen behandelt.

Viele Sehnen und Bänder stabilisieren die Schulter. Gemeinsam bilden Sie die Rotatorenmanschette. Die Schulter besteht aus zwei Gelenken: Im glenohumeralen Gelenk ist der runde Oberarmkopf (Humerus) mit der Gelenkpfanne (Glenoid) gelenkig verbunden. Für die vertikale Beweglichkeit des Schultergelenks ist zudem das Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk oder kurz AC-Gelenk) zwischen Schlüsselbein und Schulterdach verantwortlich. © Viewmedica

Schulterschmerzen kommen häufig nicht aus der Schulter selbst

Schulterschmerzen – Untersuchung der Halswirbelsäule ist ebenfalls erforderlichBei Schulterschmerzen ist eine Untersuchung der Halswirbelsäule ebenfalls erforderlich. © Gelenk-Klinik

In der Mehrzahl aller Fälle resultieren Schulterschmerzen nicht aus einer Erkrankung des Schultergelenks. Meist sind es schulternahe Bereiche wie Bänder, Sehnen oder die Muskulatur des Schultergürtels, die Schmerzen auslösen.

Häufig sind Schmerzen in der Schulter eigentlich Schmerzen der Halswirbelsäule – also in die Schulter ausstrahlende Nackenschmerzen. Ausstrahlende Schmerzen in der Schulter können Schmerzen aufgrund von Nerveneinklemmungen (Radikulopathie aufgrund einer Wirbelkanalverengung) oder wegen eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule sein.

Schulterschmerzen beim seitlichen Liegen

Schulterschmerzen nachts beim Liegen auf der Seite sind recht unspezifisch. Sie sind aber besonders quälend, weil die Schlafposition eingeschränkt ist und der Patient beim Umdrehen immer wieder aufwacht. Nicht nur ältere Menschen sind betroffen: In allen Altersgruppen können nächtliche Schulterschmerzen auftreten.

Eine Verletzung des Schultereckgelenks, Bursitis (Schleimbeutelentzündung), Kalkschulter oder Schulterarthrose sowie Entzündungen können diesen quälenden Nachtschmerz auslösen. Schulterschmerzen in der Nacht sind also ein schlimmes, aber kein diagnostisch sehr aussagekräftiges Symptom. Sie sollten daher von einem Schulterspezialisten abgeklärt werden.

Die Schulterschmerzen und die Bewegungseinschränkung des Schultergelenkes sind ein sehr häufiger Grund für einen Arztbesuch. Zum Glück ist die Ursache in den meisten Fällen trotz heftiger Schulterschmerzen sehr gut mit konservativen Methoden behandelbar.

Akute Schulterschmerzen durch Unfall oder Trauma

Vielfach ist ein Unfall (Trauma) Auslöser von Schulterbeschwerden. Meist sind das Stürze auf die Schulter, das Schultereckgelenk oder auf den Ellenbogen. Ein Trauma als Auslöser von Schulterschmerzen ist aber nicht immer ganz einfach zu erkennen. Häufig kann eine längere Zeit vergehen zwischen dem unfallbedingten Schaden am Schultergelenk und dem Auftreten von Schulterschmerzen. Besonders trifft das auf Schäden an der Rotatorenmanschette zu. Ein Sturz auf den Ellenbogen mit Ruptur der Rotatorenmanschette und Schulterschmerzen können durch die resultierende Instabilität Jahre auseinanderliegen.

Fraktur des Oberarmkopfes (Humeruskopffraktur)

Symptome bei Humeruskopffraktur:

  • stechende Schmerzen
  • Bewegung eingeschränkt oder unmöglich
  • Schwellung
  • Hämatom (Bluterguss)

Die Fraktur des Oberarmkopfes entsteht durch einen Sturz, der mit der Hand, dem Ellenbogen oder der Schulter abgefangen wird. Vor allem bei älteren Menschen, deren Skelett durch Osteoporose geschwächt ist, kann ein Knochenbruch im Oberarmkopf auftreten. Die Oberarmkopffraktur ist äußerst schmerzhaft. Der Patient kann nachts nicht auf der betroffenen Schulter liegen. Die Beweglichkeit des Schultergelenks ist stark eingeschränkt.

Behandlung der Humeruskopffraktur

  • Schienen, Ruhigstellen
  • operative Stabilisierung
  • Schulter-TEP (Vollprothese)

Die Oberarmkopffraktur wird in vielen Fällen durch Ruhigstellung behandelt. Wenn die Bruchstücke verschoben sind, muss eine Operation den Knochenbruch versorgen. Bei Fraktur mit Beteiligung der Gelenkflächen kann eine Schulterprothese notwendig werden.

Schulterluxation (ausgekugeltes Schultergelenk):

Luxation des SchultergelenksSchulterluxation: Der Oberarmkopf ist aus dem Gelenk ausgekugelt. © stockdevil, iStock

Symptome bei Schulterluxation:

  • starke, stechende Schmerzen
  • Schwellung der Schulter
  • Bluterguss (Hämatom)
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Bewegungsstörungen und Gefühlsverlust wegen Nervenschäden

Die hohe Beweglichkeit des Schultergelenks kann dazu führen, dass unter Überlastung der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne springt. Ursache ist stets ein Unfall oder eine Überdehnung. So sind bestimmte Sportarten (Klettern, Turnen) besonders häufig betroffen.

Oft werden bei der Schulterluxation auch noch Strukturen am Gelenk (Labrum glenoidale = Gelenklippe) beschädigt. Das führt zur häufigen Wiederholung dieser sehr schmerzhaften Luxation, nachdem sie einmal aufgetreten ist.

Was tun bei Schulterluxation?

  • Einrenken (konservativ)
  • operative Reposition des Oberarmkopfes
  • Schulterarthroskopie

Es ist besonders wichtig, nach einer Schulterluxation das Gelenk so schnell wie möglich – möglichst innerhalb von maximal 30 Minuten wieder einzurenken (Reposition). Dieses Einrenken kann konservativ oder operativ erfolgen. Nach der Reposition ist eine Ruhigstellung der Schulter für bis zu drei Wochen erforderlich. Begleitverletzungen am Weichteilgewebe der Schulter – Gelenkknorpel, Gelenklippe (Labrum), Gelenkkapsel und Rotatorenmanschette – können nur operativ (arthroskopisch) therapiert werden.

Schultereckgelenksprengung (AC-Gelenksprengung)

AC-Gelenksprengung und SchulterschmerzenDie Verletzung des Schultereckgelenks (AC-Gelenk) führt vor allem zu einer Bewegungseinschränkung und stechenden Schulterschmerzen bei der Innenrotation des Armes. © Gelenk-Klinik

Die Sprengung des von Akromion (Schulterdach) und Klavikula (Schlüsselbein) gebildeten AC-Gelenks (Akromioklavikulargelenk) ist eine weit verbreitete Folge von Fahrrad- und Skiunfällen. Der Sturz erfolgt typischerweise von oben auf die Schulter. Dies sprengt die Sehnen und die Gelenkkapsel des AC-Gelenks. Stechende Schmerzen und Bewegungeinschränkungen der Schulter – besonders bei der Rotation des Armes nach innen – sind die Folge.

Symptome der Schultereckgelenksprengung:

  • stechende Schmerzen
  • Stufenbildung in der Schulter
  • heftige Schulterschmerzen nachts
  • Druckschmerzhaftigkeit
  • Schmerzen bei der Einwärtsdrehung des Armes vor oder hinter dem Körper

Die Instabilität des AC-Gelenks ist besonders schmerzhaft beim Tragen schwerer Gegenstände (z. B. Einkaufstaschen) am herabhängenden Arm. Die Schmerzen können auch bis in die Halsregion ausstrahlen.

Die Behandlung der AC-Gelenksprengung erfolgt je nach Schweregrad konservativ mit Verband (Gilchristverband) oder operativ mit einer Sehnennaht. Die Therapie hängt vom Schweregrad der Verletzung ab.

Osteonekrose des Oberarmkopfes (Humeruskopfnekrose)

Symptome bei Humeruskopfnekrose

  • leichte, über Wochen zunehmende Schulterschmerzen
  • quälende Schulterschmerzen nachts
  • Schonhaltung der Schulter
  • Knacken und Reiben im Schultergelenk

Eine der möglichen Folgen einer Oberarmkopffraktur ist die Osteonekrose des Oberarmknochens (Humerus): Blutgefäße innerhalb des Knochens werden durch die Fraktur unterbrochen. Das führt zum Absterben des Knochens.

Bei einer Osteonekrose kommt es zu tiefliegenden, dumpfen Schulterschmerzen. Durch die Osteonekrose im Oberarmkopf werden die Knochenzellen nicht mehr ernährt: Der Knochen wird immer schwächer, bis die Oberfläche schließlich einbricht. Die Nekrose kann die Funktion des Schultergelenks gefährden.

Therapie der Humerusnekrose

Eine intensive Frühbehandlung der Osteonekrose kann die Durchblutung des Oberarmkopfes wiederherstellen und die Gelenkfläche retten. Die Schulterschmerzen haben bei Osteonekrose also die Funktion eines wichtigen Frühwarnsystems. Dabei helfen konservative Therapien nur als Begleittherapie. Im Zentrum stehen operative Therapien. Die Anbohrung des Oberarmkopfes (Core Dekompression oder Entlastungsoperation) kann die Entstehung von Blutgefäßen stimulieren. Zentral ist hier ein frühes Operieren in den ersten Stadien der Humeruskopfnekrose.

Eine Spätfolge der Osteonekrose im Oberarm kann die Schulterarthrose sein. Wenn der Knochen des Oberarmkopfes schon eingebrochen ist, hilft eigentlich nur noch ein operativer Gelenkersatz mit Teilprothese oder Vollprothese.

Labrumläsion: Abriss der Gelenklippe am Schultergelenk

Symptome bei Labrumriss:

  • Knacken und Schnappen der Schulter
  • Instabilitätsgefühl der Schulter
  • stechende Schmerzen bei begleitender Kapselverletzung
  • Schmerzen im Bereich der Achselhöhle

Das Labrum glenoidale ist eine knorpelige, bindegewebige Umrandung der Gelenkpfanne (Glenoid) des Schultergelenks. Es spielt eine große Rolle bei der Führung und Zentrierung des Oberarmkopfes im Schultergelenk.

Ist das Labrum nach einem Trauma, einem Sturz oder einer Schulterluxation (Ausrenken des Schultergelenks) beschädigt, wird das Schultergelenk instabil. Die Beschädigung des Labrum glenoidale Gelenklippe) verursacht Schulterschmerzen im Bereich der Achselhöhle. Auf die Dauer ist nicht nur die Kraftentfaltung gehemmt: Der Labrumriss kann auch zur Schulterarthrose führen.

Was hilft bei Labrumriss?

  • Teilentfernung der Gelenklippe
  • arthroskopische Naht
  • Glättung des Randes

Bei früher Behandlung hat der Labrumriss keine gravierenden Folgen. In aller Regel muss die Verletzung der Gelenklippe minimalinvasiv (arthroskopisch oder endoskopisch) genäht werden. Je nach Ausmaß und genauem Ort der Labrumverletzung erfolgt eine Naht oder eine Teilentfernung des Labrums mit Glättung des Randes.

Schulterschmerzen vorne: Verletzung der Rotatorenmanschette

Symptome bei Riss der Rotatorenmanschette:

  • Schulterschmerzen beim seitlichen Abspreizen des Armes oder beim Wegführen des Armes seitlich nach vorne deuten auf Veränderungen des Musculus supraspinatus hin.
  • Treten die Schulterschmerzen bei Außendrehung des Oberarmes bei am Körper anliegendem Ellenbogengelenk auf, deutet dies auf eine Veränderung des Musculus infraspinatus hin.
  • Schulterschmerzen bei Innendrehung des Oberarmes bei am Körper anliegendem Ellenbogengelenk deuten auf eine Veränderung des Musculus subscapularis hin.
  • Schmerzen an der Vorderseite der Schulter, die sich beim Innendrehen des Unterarms gegen einen Widerstand verstärken, deuten häufig auf eine Erkrankung der langen Bizepssehne hin.

Die Rotatorenmanschette ist ein Ring aus Muskeln und Sehnen. Dieser Ring sorgt für die Kraftentfaltung, die dem gesunden Schultergelenk in jede Richtung gegeben ist. Ist eine Sehne der Rotatorenmanschette beschädigt oder gar gerissen, werden bestimmte Bewegungsrichtungen schmerzhaft und die Muskulatur verkümmert. Grundsätzlich ist die akute (unfallbedingte) Ruptur von der chronische Degeneration der Rotatorenmanschette zu unterscheiden. Oft tritt die chronische Erkrankung der Rotatorenmanschette infolge eines Engpasssyndroms (Schulter-Impingement) auf.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette, die am häufigsten von Defekten betroffen ist. Die Supraspinatussehne spielt eine zentrale Rolle bei der Kraftübertragung, die zur Hebung des Armes führt.

Was tun bei Riss der Rotatorenmanschette?

Bei der Degeneration der Rotatorenmanschette stehen konservative Therapien, vor allem Physiotherapie, im Mittelpunkt. Ist eine traumatische Verletzung ursächlich für die Ruptur der Rotatorenmanschette, kann eine operative Naht der Supraspinatussehne die Rotatorenmanschette wiederherstellen.

Die Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette in der SchulterDie Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette liegt direkt unter dem knöchernen Schulterdach (Akromion). Ist sie gerissen, sind bestimmte Bewegungen schmerzhaft. © Viewmedica

Chronische Schulterschmerzen: Verschleiß und Entzündung

Chronische Schulterschmerzen dauern länger als 3 Monate an. Im Prinzip gibt es zwei Auslöser von chronischen Schulterschmerzen: Gelenkverschleiß und Schulterarthrose oder Entzündungen bzw. Stoffwechseldefizite und Störungen der Mikrozirkulation.

Durch lokale Verminderung der Stoffwechselaktivität kann es zu Schmerzen, aseptischen (nichtbakteriellen) Infektionen und Gewebsveränderungen kommen. Frozen Shoulder (adhäsive Kapsulitis), Kalkschulter (Tendinosis calcarea) und Schleimbeutelentzündungen (Bursitis) gehören als Entzündungen oder entzündlichen Einlagerungen zu diesen Erkrankungen.

Schulterarthrose und Abnutzung des Schultergelenks (Omarthrose)

Schulterarthrose verursacht SchulterschmerzenSchulterarthrose führt zu Einschränkungen der Beweglichkeit der Schulter. Bei Schulterarthrose wird der Widerstand gegen Druck von oben viel geringer. © Gelenk-Klinik

Symptome der Schulterarthrose:

  • Schulterschmerzen
  • Unbeweglichkeit und Schultersteife
  • Schmerzen besonders bei der Rotation (Drehen) des Armes
  • Reibegeräusche (Krepitation) im Schultergelenk
  • morgendliche Anlaufschmerzen

Schulterarthrose (Omarthrose) ist die fortlaufende Abnützung des Schultergelenks mit Knorpelverlust, schmerzhafter Einsteifung und zunehmender Kraftlosigkeit. Wie in jedem anderen Gelenk auch, erhalten die Knorpelflächen das Schultergelenk beweglich und gleitfähig. Die Schulterarthrose verursacht typische dumpfe und tiefliegende Schulterschmerzen. Diese Schmerzen können sich zum Beispiel beim Werfen oder bei Überkopfarbeiten belastungsabhängig verstärken.

Ist der Gelenkknorpel der Schulter durch Entzündung, Unfall oder Abnutzung beschädigt, schmerzt die Schulter nicht nur, sondern versteift zunehmend. Ein typischer Schmerz bei Schulterarthrose ist in der Achselhöhle zu spüren. Im Vergleich zu den gewichttragenden Gelenken der unteren Extremität (Hüftarthrose, Kniearthrose, Sprunggelenksarthrose) ist die Schulter aber recht selten von Arthrose betroffen. Wenn Schulterarthrose Schmerzen verursacht, treten diese durchschnittlich in höherem Lebensalter auf als die Arthroseschmerzen anderer Gelenke.

Behandlung der Omarthrose:

Bei Schulterarthrose steht das gesamte Spektrum der konservativen Arthrosetherapie zur Verfügung. Besonders wichtig ist die Physiotherapie für die Gesundheit der Schulter: Die Zentrierung des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne mithilfe von Muskeltraining kann die Schulterarthrose verlangsamen oder weitgehend stoppen. An operativen Möglichkeiten steht der Knorpelersatz (Knorpeltransplantation) zur Verfügung. Bei starkem Knorpelverlust können bewährte Endoprothesen das Schultergelenk ersetzen.

Schulterschmerzen bei AC-GelenkarthroseBei AC-Gelenkarthrose ist das Abspreizen des Armes – dabei vor allem der Winkel von 90°-120° – schmerzhaft. © Gelenk-Klinik

AC-Gelenkarthrose

Symptome bei Arthrose des AC Gelenks:

  • Schmerzen beim Heben des Armes
  • Druckempfindlichkeit des AC-Gelenks
  • Schmerzen nachts beim Liegen auf der Seite
  • Schwellung de AC-Gelenks
  • Knochenanbauten (Osteophyten)

Auch das zweite Schultergelenk, das Akromioklavikulargelenk (AC-Gelenk) kann an schmerzhafter Arthrose erkranken. Man spricht hier von einer AC-Gelenksarthrose.

Bei einer AC-Gelenkarthrose verspürt der Patient die Schmerzen oben auf dem Schultergelenk: da wo bei Frauen der BH-Träger über die Schulter zieht. Arthrose im AC-Gelenk kann bis in die Halsregion ausstrahlen. Beim Abspreizen des Armes ist vor allem der Winkel zwischen 90 und 120° schmerzhaft. AC-Gelenkarthrose ist auch schmerzhaft beim Tragen von Rucksäcken. Die Haltegurte von Rucksäcken bringen besondere Last auf das Schlüsselbein, das mit dem Schulterblatt zusammen das Gelenk bildet.

Therapie der ACG-Arthrose:

  • Schmerzlinderung mit Antiphlogistika (z. B. Ibuprofen)
  • Arthroskopie des AC-Gelenks
  • Sehnenplastik aus der Gracilissehne

Das AC-Gelenk kann bei Arthrose minimalinvasiv operiert werden: Dabei befreit der Arzt das Gelenk von Osteophyten (Knochenanbauten). Wenn eine Bandverletzung am Schlüsselbein vorliegt, kann das Schulterblatt durch ein körpereigenes Sehnentransplantat wieder befestigt werden (Gracilis-Sehnenplastik).

Kalkschulter

Wenn die Schulter auch nachts schmerzt und Sie nicht darauf liegen können, leiden Sie möglicherweise an einer Kalkschulter. Die Kalkschulter führt zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen der Schulter. Mit Kalkschulter können Sie den betroffenen Arm nicht über Schulterhöhe oder über den Kopf heben.

Entzündungen als Ursache der Schulterschmerzen

Es gibt viele Ursachen von Entzündungen. Dabei ist eine bakterielle Entzündung im Schultergelenk recht selten. Häufiger entzünden sich Sehnen, Bänder und Gleitgewebe aufgrund von Überanstrengung. Dazu gehören auch degenerative Entzündungen der Rotatorenmanschette, Bizepssehne und der Schleimbeutel (Bursitis) im Schultergelenk.

Manche Entzündungen treten aufgrund langfristiger Veränderungen des Stoffwechsels auf, so z. B. die Frozen Shoulder.

Schultergelenkentzündung oder Schleimhautentzündung (Synovialitis)

Symptome der Gelenkschleimhautentzündung:

  • Schwellung des Schultergelenks: Ergussbildung
  • stechende Schmerzen in der Schulter
  • Hautrötung

Das Schultergelenk ist – wie jedes Gelenk – innen von einer dünnen Gelenkschleimhaut ausgekleidet. Diese Schleimhaut produziert Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit oder Gelenkschmiere) zur Ernährung des Knorpels und Erhöhung der Gleitfähigkeit der Knorpelflächen im Schultergelenk.

Diese Gelenkschleimhaut (Synovia) kann sich entzünden, was die Gleitfähigkeit des Gelenks beeinträchtigt. Synovialitis (oder Synovitis) ist die nichtbakterielle Entzündung dieser Membran.

Die Entzündung erhöht die Flüssigkeitsabsonderung: Es kommt zu einem schmerzhaften Erguss im Schultergelenk. Ursache der Synovialitis des Schultergelenks ist meist eine Überlastung oder Verletzung. Aber auch Viruserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Gicht) oder Rheuma können zur Synovialitis führen.

Therapie der Synovialitis:

  • Ruhigstellung und Entlastung
  • Kühlung
  • schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente
  • Schulterarthroskopie zur Entfernung der entzündeten Synovialis

Die wichtigste Maßnahme bei einer Entzündung ist die Ruhigstellung und Entlastung der Schulter bei gleichzeitiger Kühlung. Schmerzlinderung mithilfe von entzündungshemmenden Medikamenten (Ibuprofen etc.) sollte mit dem Arzt abgesprochen sein. Eine Synovialitis kann durch eine Schulterarthroskopie behandelt werden. Der Arzt entfernt die entzündete Schleimhaut. Nach kurzer Zeit wächst wieder gesunde Schleimhaut nach. Bei bakteriellen Infektionen kann der Erreger durch eine Punktion des Schultergelenks nachgewiesen werden. Hier kann eine Behandlung durch Antibiotika den Entzündungsprozess stoppen. Oft muss sogar eine arthroskopische Spülung der Schulter mit Antibiotika erfolgen.

Schulterschmerzen beim Armheben: Entzündung des Schleimbeutels (Bursitis) in der Schulter

Symptome bei Bursitis:

  • stechende Schulterschmerzen
  • besondere Schmerzen beim Armheben
  • nächtliche Schmerzen
  • Schulterschmerzen vorne oder seitlich
  • Schultersteife und Bewegungseinschränkung
  • manchmal Schwellung

Die Schleimbeutel (Bursa) sorgen in der Schulter für eine freie Beweglichkeit der Muskeln und Sehnen gegeneinander. Meist funktionieren die Schleimbeutel im Schultergelenk problemlos. Doch sie können sich auch schmerzhaft entzünden. Reizungen, ungewohnte Belastungen oder Druck führen zu einer Entzündung. Häufig tritt eine Bursitis des Schultergelenks auch als Begleiterkrankung zum subakromialen Impingementsyndrom (Enge unter dem Schulterdach) auf. Sind die Schleimbeutel entzündet, führt das zu stechenden Schmerzen und Versteifung des Schultergelenks.

Therapie der Bursitis:

  • Kühlung mit kalten Kompressen
  • Ruhigstellen
  • entzündungshemmende Medikamente (Ibuprofen etc.)
  • warme Wickel, die mit basischen Lösungen getränkt sind
  • operative Entfernung des Schleimbeutels

Erste Maßnahmen gegen eine Bursitis (Schleimbeutelentzündung) der Schulter sind Schonung und Ruhigstellung des Schultergelenks. Eine kühlende Kompresse wirkt abschwellend und reduziert Schmerzen.

Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) lindern Schmerzen und Entzündungen.

Die arthroskopische Entfernung von vernarbten und entzündeten Schleimbeuteln kann Schulterschmerzen therapieren.

Frozen Shoulder (adhäsive Kapsulitis)

Symptome der Frozen Shoulder:

  • plötzliche Schulterschmerzen
  • fast immer einseitig auftretende Schulterschmerzen
  • stechende Schmerzen
  • Bewegungseinschränkung und Steifheit der Schulter
  • nächtliche Schmerzen der Schulter
  • nach 4 bis 6 Monaten Versteifung
  • später (ab 8 bis 12 Monaten) über Monate dauerndes "Auftauen" der Schulter

Die Frozen Shoulder (adhäsive Kapsulitis) ist eine schmerzhafte, nichtbakterielle Entzündung der Gelenkkapsel der Schulter. Dabei schrumpft und verklebt die Gelenkkapsel des Schultergelenks.

Eine Frozen Shoulder kann spontan entstehen: Man spricht dabei von einer primären Frozen Shoulder. Die Ursache der primären Frozen Shoulder ist noch immer nicht genau verstanden. Eine schwere, meist schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter ist die Folge.

Entsteht die Schultersteife aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung, spricht man von einer sekundären Frozen Shoulder.

Nach einer entzündlichen Akutphase bleibt die Schulter häufig über mehr als sechs Monate unbeweglich. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen begünstigen die Frozen Shoulder. Sie löst sich meistens wieder spontan. Der Krankheitsverlauf über manchmal bis zu zwei Jahre ist für die betroffenen Patienten sehr einschränkend.

Was hilft bei Frozen Shoulder?

  • ZRT-Matrix-Therapie
  • Physiotherapie
  • entzündungshemmende Medikamente
  • Basenwickel an der Schulter
  • Operation: Schulterarthroskopie

Die Frozen Shoulder wird fast immer konservativ behandelt. Sehr erfolgreich ist die Anwendung der physiotherapeutischen ZRT-Matrix-Therapie, um den entzündlichen Krankheitsverlauf abzukürzen. Sobald die Therapie der Entzündung erfolgreich war, kann der Patient mithilfe der Physiotherapie die Beweglichkeit des Schultergelenks trainieren. Als Eigenübung bei Frozen Shoulder ist vor allem das Armpendeln hilfreich.

Als medikamentöse Therapie werden Entzündungshemmer wie Ibuprofen und Diclofenac verabreicht. In schweren Fällen kann eine Schulterarthroskopie die Verklebung operativ lösen.

Rheumatische Ursachen von Schulterschmerzen

Symptome bei Rheuma der Schulter:

  • heftige Schmerzen nachts und in Ruhe
  • tiefliegende Schmerzen
  • Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit und Überwärmung
  • Schultersteife
  • Beginn häufig in den Fingern
  • allgemeine Erschöpfung, Müdigkeit
  • häufig Schmerzen beidseitig

Rheumatismus oder Polyarthritis sind Sammelbegriffe für eine Vielzahl von chronisch verlaufenden, entzündlichen Gelenkerkrankungen. Rheuma kann von den Gelenken auch auf Weichteile, Muskulatur und innere Organe übergreifen.

Bluttests können eine rheumatische Erkrankung zuverlässig nachweisen. Auch entzündlich aktivierte Arthrose kann zu rheumaähnlichen Schmerzen führen. Eine internistische Untersuchung kann Rheuma als Ursache feststellen. Anders als Schulterarthrose beginnt Rheuma mit Veränderungen an den Fingergelenken und greift dann auf die Schulter über.

Therapie von Rheumaschmerzen:

  • nichtsteroidale Antirheumatika (z. B. Ibuprofen)
  • Kortison
  • krankheitsmodifizierende Antirheumatika
  • Physiotherapie, Ergotherapie

Rheuma wird meist medikamentös mit antirheumatischen Schmerzmitteln und Entzündungshemmern behandelt. Zwischen den akuten Schüben sind intensive Bewegungsübungen, Bewegungsbäder und Physiotherapie angebracht, um die geschwächte Muskulatur wieder zu kräftigen.

Neben den nur symptomatisch wirkenden Antirheumatika kennen die Rheumatologen noch krankheitsmodifizierende Antirheumatika, die nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch das Rheuma beeinflussen (z. B. Methotrexat etc).

Einengung (Impingement) als Auslöser von Sehnendegeneration

Schulterschmerzen bei SchulterimpingementBei einem Schulterimpingement ist das Abspreizen des Armes – dabei vor allem der Winkel von 60 bis 120° – schmerzhaft.

Symptome bei Schulterimpingement:

  • stechende, bewegungsabhängige Schulterschmerzen
  • tiefliegende Gelenkschmerzen
  • seitliches Heben des Armes zwischen 60 und 120° erschwert (Painful Arc)
  • später Entzündung
  • Spätfolge Bursitis der Schulter, dann auch Ruheschmerz

Beim Impingement-Syndrom der Schulter werden die weichteiligen Strukturen unter dem Schulterdach eingeengt. Vor allem beim Abspreizen des Armes nach außen kommt es oft zum Kontakt zwischen dem Oberarmknochen (Humerus) und dem Schulterdach (Akromion).

Dadurch klemmen Muskeln und Sehnen zwischen den Knochen ein. Vor allem die Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette wird hierdurch beeinträchtigt. Sie degeneriert und kann schon bei kleinen Belastungen reißen. Der Riss der Supraspinatussehne vergrößert die Enge unter dem Schulterdach noch. Der Muskelzug zieht den Oberarmknochen ohne den Widerstand der Sehne weiter nach oben in Richtung Schulterdach.

Das Engpasssyndrom ist eine häufige Ursache von Schulterschmerzen. Besonders bei Belastung führt das Impingementsyndrom zu Schulterschmerzen.

Handballer, Volleyballer, Tennisspieler, aber auch Überkopfarbeiter wie zum Beispiel Maler oder Arbeiter in der Industrie sind betroffen. Sie fordern die Beweglichkeit ihrer Schulter durch hohe Kraftentfaltung in der extremen Streckung heraus. Oft führt das zu den typischen Schulterschmerzen dieses Syndroms.

Die Schmerzen können von der Schulter in den Arm ziehen und betreffen oft auch den Ansatz des den Oberarm bedeckenden Deltamuskels. Für Menschen mit Impingement-Syndrom ist dann oft überraschend, dass diese Muskelbeschwerden ihre Ursache im Gelenk selbst haben. Beim Abspreizen des Armes ist vor allem der Winkel zwischen 60 und 120° schmerzhaft (Painful Arc).

Was tun bei Schulterimpingement?

  • Physiotherapie
  • Schmerzmittel
  • operative Weitung des subakromialen (unter dem Schulterdach liegenden) Raumes

Im Vordergrund steht bei einem Schulterimpingement die konservative Therapie. Nichtsteroidale Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac etc.) können die Schulterschmerzen lindern. Dazu gehört immer auch Entlastung. Die schmerzenden Bewegungen über Kopf sollten nicht mehr durchgeführt werden.

Physiotherapie kann das Schultergelenk wieder besser im Gelenk zentrieren. Dafür muss der Patient die Muskulatur der Rotatorenmanschette langfristig kräftigen. Dies kann über spezielle Übungen bei Schulterimpingement erfolgen.

Eine Schulterarthroskopie kann Platz im Schultergelenk schaffen. Dafür wird ein Teil des Schulterdachs mit einer Fräse abgetragen, um den Druck auf die Supraspinatussehne zu reduzieren.

Schulterschmerzen vorne: Entzündung und Riss der Supraspinatussehne

Symptome bei Riss der Supraspinatussehne:

  • Schmerzen beim Heben des Armes
  • Verspannung der Schulter und Nackenmuskeln
  • tiefliegende Schulterschmerzen
  • Ruheschmerzen
  • Nachtschmerzen

Die Supraspinatussehne ist ein Teil der Rotatorenmanschette. Sie verläuft zwischen Oberarm und Schulterdach. Durch diesen Verlauf ist sie bei einem Schulterimpingement besonders gefährdet, an Verschleiß oder Abnutzung zu erkranken. Ein Sturz oder ein kleines Trauma ist dann häufig nur noch der letzte Auslöser für einen Riss der Supraspinatussehne, der sich als chronischer Prozess schon über Jahre andeutet. Eine Ruptur der Supraspinatussehne ist besonders schmerzhaft beim Abspreizen des Armes nach außen.

Therapie bei Riss der Supraspinatussehne:

  • entzündungshemmende Medikamente
  • physikalische Therapie
  • Krankengymnastik
  • Naht der Supraspinatussehne

Entzündung und Ruptur der Bizepssehne

Symptome bei Riss der Bizepssehne:

  • Muskelschwäche im Oberarm
  • stechende Schmerzen
  • Probleme beim Heben von Gegenständen
  • Probleme beim Einwärtsdrehen des Unterarmes
  • Verschiebung des Muskelbauches in Richtung Unterarm

Häufig begleitend zur Erkrankung der Supraspinatussehne sind Entzündungen oder eine Ruptur (Riss) der Bizepssehne Auslöser von Schulterschmerzen. Ein Schulterimpingement setzt die Bizepssehne ebenfalls unter Druck. Sie wird permanent gequetscht und kann sich schmerzhaft entzünden.

Ist die Bizepssehne lediglich gereizt, spricht man von einer Tendinitis der Bizepssehne. Ein typischer Test der Bizepssehnenfunktion ist die Beugung des Armes im Ellenbogen gegen einen Widerstand. Der Arzt kann auch durch Druck auf den vorderen Bereich der Rotatorenmanschette einen typischen Schulterschmerz auslösen. Bei langdauerndem Verschleiß kann die Bizepssehne auch reißen: Nach der Ruptur zeigt sich eine typische Verdickung des tief sitzenden Muskelbauches des Bizepsmuskels.

Therapie des Bizepssehnenrisses:

  • Ruhigstellung mit Gipsverband
  • operative Naht der Bizepssehne

Die Wiederherstellung der Sehnenfunktion ist nur durch eine operative Naht der Bizepssehne möglich.

Wenn es Operationsrisiken gibt, die das Wiederannähen verhindern, wird der Oberarm nach dem Bizepssehnenriss für eine Woche ruhiggestellt.

Psyche, Überlastung, Nerveneinklemmung

  • Muskelverspannungen
  • Halswirbelsäule
  • Muskelungleichgewicht

Der schmerzauslösende Mechanismus, mit dem Verspannungen, Stress oder Nerveneinklemmungen heftige Schulterschmerzen verursachen können, wird immer besser verstanden.

Wenn Muskelverspannungen permanent werden, sinkt die Stoffwechselaktivität drastisch ab. Die Gewebe werden nicht mehr gut mit Sauerstoff versorgt. Unterversorgte Muskulatur verhärtet, weil die Energiebildung im Gewebe nicht mehr intakt ist. Man spricht hier von kontrakter Muskulatur.

Symptome bei Muskelverspannung:

  • stechende oder dumpfe Schmerzen
  • Steifheit in Schulter und Nacken
  • bewegungsabhängige Schmerzen
  • verhärtete Muskulatur

Ursache von Muskelverspannungen in der Schulter ist häufig monotone Arbeit in verkrampften Positionen in Verbindung mit Bewegungsmangel. Die Verspannung reduziert den Stoffwechsel in der Schultermuskulatur. Die Muskulatur verhärtet also immer weiter. Das ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis.

Was tun bei verkrampfter Schultermuskulatur?

  • Schmerzmittel
  • Mittel gegen Muskelkrämpfe
  • ausreichend Bewegung
  • ZRT®-Matrix-Therapie
  • Physiotherapie, Massage, Dehnung.

In der Regel können wir verkürzte und verhärtete Muskeln und ihre Umgebung nur mit Physiotherapie, insbesondere mit stoffwechselfördernder Zellbiologischer Regulationstherapie, behandeln.

Psychische Komponenten wie Konflikte oder Stress erhöhen weiterhin die Spannung der Schultermuskulatur und können zu chronischen Schulter- und Nackenschmerzen führen. Verspannungen im Schulter-Nackenbereich können aber auch die Folge eines Sehnenrisses (Rotatorenmanschettenruptur) sein. Die Verspannung entsteht, wenn andere Muskeln versuchen, die ausgefallene Funktion bei der Stabilisierung der Schulter zu übernehmen.

Muskuläre Ungleichgewichte am Schultergelenk können zu einer Vielzahl an oft diffusen Beschwerden führen. Ursache ist oft die sitzende Lebensweise mit nach vorne hängenden Schultern. Der Brustmuskel verkürzt sich, das Schlüsselbein wird nach vorne gezogen. Dadurch vermindert sich der Raum unter dem Schulterdach, der für Bewegungen zur Verfügung steht. Man bezeichnet diese Situation als Skapuladyskinesie (lat. “scapula” = Schulterblatt und griech. “dyskinesie” = Bewegungsstörung). Aus dieser im Alltag antrainierten Bewegungsstörung resultieren diffuse Schulterschmerzen im Gelenk oder an verschiedenen Schulterregionen (Schulterblatt, Schultereckgelenk, Schlüsselbein, Brustbein). Die Skapuladyskinesie kann vor allem mithilfe physiotherapeutischer Methoden (v. a. ZRT®-Matrix-Therapie und Trainingstherapie) sehr gut behandelt werden.

Diagnose: Wie untersucht der Arzt Schulterschmerzen?

Wann zum Arzt mit Schulterschmerzen?

  • bei sehr starken, stechenden Schulterschmerzen
  • bei chronischen Schulterschmerzen (länger als 3 Monate)
  • bei Sturz auf die Schulter oder den Arm mit starken Schmerzen
  • nach einem Unfall
  • bei Steifheit und Unbeweglichkeit von Arm und Schulter
  • bei Ausstrahlen der Schulterschmerzen in Nacken oder Arm
  • bei Gefühlsstörungen wie Taubheit, Ameisenlaufen oder Kribbeln.
  • bei plötzlich auftretenden linksseitigen Schulterschmerzen, manchmal in Verbindung mit Schmerzen hinter dem Brustbein und Atemnot (Verdacht auf Herzinfarkt oder Angina pectoris)

Anamnese

Im Rahmen einer umfassenden Anamnese erfragt der Arzt die Krankengeschichte und die Umstände der Schulterschmerzen. Die Dauer der Schmerzen, das erste Auftreten, der Verlauf und der genaue Schmerzort sind wesentlich für die Einschätzung der Schmerzen im Schulterbereich.

Inspektion der Schulter und des Oberkörpers

Für die Inspektion Ihrer schmerzenden Schulter machen Sie den Oberkörper frei. Schon beim Entkleiden findet der Arzt Hinweise auf schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen und Schonhaltungen. Die äußerliche Inspektion des Oberkörpers zeigt eine Rückbildung von bestimmten Muskeln bei chronischen Schulterschmerzen. Der Arzt betrachtet bei entkleidetem Oberkörper die Schultern auch im Seitenvergleich und achtet auf Änderungen der Form und Muskulatur sowie auf Schwellungen, Verdickungen oder knöcherne Veränderungen.

Abtasten

Durch Abtasten der Schulter identifiziert der Arzt besonders schmerzhafte Bereiche (Druckschmerzhaftigkeit). Die Art des ausgelösten Schmerzes und der Ort, wo die Schmerzen durch Druck provoziert werden können, sind wichtig für das Verständnis der Ursache.

Funktionsprüfung und Beweglichkeit des Schultergelenks

Untersuchung der Schulterschmerzen durch Druckausübung auf das SchultergelenkDruckschmerzhaftigkeit in der Untersuchung von Schulterschmerzen ist vor allem bei entzündlichen Erkrankungen der Schulter (Frozen Shoulder, Impingement) gegeben. © Gelenk-Klinik

Ein äußerst wichtiger Teil der Untersuchung besteht in der klinischen Bewegungsprüfung. Der Schulterspezialist prüft die aktive Beweglichkeit (Patient bewegt selbst) und passive Beweglichkeit (Arzt führt den Arm) des Schultergelenks. Er verwendet dafür eine Reihe spezieller Schultertests für bestimmte Verletzungen und chronische Beschwerden. Durch Armheben, Innenrotation, Kraftentwicklung gegen Widerstand, "Schürzengriff", also den Griff nach hinten, kann er die Funktion der Knochen, Muskeln und Sehnen der Schulter genau prüfen.

Die Abhängigkeit der Schmerzentstehung von Bewegungen erlaubt genaue Rückschlüsse auf die geschädigte oder erkrankte Struktur. Auch die Schmerzreaktion bei Druck auf die Schulter ist ein wichtiges diagnostisches Signal. Gerade an der Schulter ist eine differenzierte klinische Untersuchung bedeutend, weil die Schulter an vielen Muskeln und Sehnen frei aufgehängt ist. Bevor ein Röntgenbild erstellt wird, muss der Schulterspezialist eine genaue Vorstellung von der klinischen Situation gewonnen haben.

Bildgebung: Ultraschall

Untersuchung der Schulterschmerzen durch UltraschallDie Ultraschalluntersuchung stellt alle Strukturen im Schulterbereich auch in Bewegung dar. Alle anderen bildgebenden Verfahren sind nur in Ruhe anwendbar. © Gelenk-Klinik

Die Ultraschalluntersuchung erlaubt die dynamische Untersuchung von Sehnen und Weichteilen unter Bewegung. Auch Flüssigkeitseinlagerungen (etwa bei einer Schleimbeutelentzündung) können mit Ultraschall gut dargestellt werden. Das Ultraschall kommt ohne Strahlenbelastung aus. Auf einem Bildschirm können Arzt und Patient das Ergebnis der Untersuchung sofort sehen und besprechen.

Bildgebung: Röntgen

Untersuchung der schmerzhaften Kalkschulter durch RöntgenRöntgenuntersuchungen können zum Beispiel schmerzhafte Kalkeinlagerungen in der Schulter zeigen. © Gelenk-Klinik

Die Röntgenuntersuchung erlaubt die Untersuchung des Skeletts. Das Röntgen zeigt auch Kalkeinlagerungen ins Gewebe, eine häufige Ursache von Schulterschmerzen.

Auch die Dicke der Knorpelschicht lässt sich über die Messung des Gelenkspaltes zwar indirekt, aber genau bestimmen. So kann der Orthopäde eine Schulterarthrose feststellen. Auch arthrotische Veränderungen des Knochens durch Osteophyten (Knochensporne) zeigt das Röntgenbild.

Indem man im Röntgenbild den Abstands des Oberarmkopfes zum Schulterdach misst, kann man auch Beschwerden durch ein Schulter-Impingement (Enge unter dem Schulterdach) diagnostizieren.

Bildgebung: Computertomografie (CT)

Die Computertomografie ist von der Röntgentechnik abgeleitet. Das CT stellt Röntgenbilder einzelner Schichten dar. So werden Knochen, Sehnen und Weichteile gut sichtbar. Mit Kontrastmittel lässt sich die Aussagekraft von CT-Bilder noch erhöhen. So können auch Teilbereiche innerhalb der Knochen dargestellt werden. Ein gravierender Nachteil der CT-Untersuchung ist die damit verbundene hohe Belastung mit Röntgenstrahlen.

Bildgebung: Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie)

Schulterschmerz mit MRT untersuchenDie Kernspintomografie (MRT) kommt ohne belastende Röntgenstrahlen aus. © Gelenk-Klinik

Die MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) zeigt in Ruhe feingewebliche Zustände. Sie ermöglicht es dem Schulterspezialisten, die Beschaffenheit von Sehnen und Bändern zu beurteilen. Die Abbildung erfolgt schichtweise. Durch die Arbeit mit magnetischen Feldern entsteht keine Strahlenbelastung. Vor allem Weichteilveränderungen, Entzündungen oder Wassereinlagerungen (Ödeme) als Ursache der Schulterschmerzen kann die MRT besonders gut darstellen.

Punktion: Untersuchung von Gewebsflüssigkeit bei Schulterschmerzen

Mit einer Punktion von Gewebsflüssigkeit aus der Schulter mit einer Nadel (meist unter Kontrolle durch Ultraschall) kann der Arzt Gewebsflüssigkeit aus Schleimbeuteln oder dem Gelenk ziehen und genau untersuchen. Farbe und Konsistenz der Flüssigkeit liefern Hinweise für die grundlegenden Krankheitsprozesse. Die Flüssigkeit kann auch mikroskopisch untersucht oder auf Keime und Entzündungen geprüft werden. So kann der Arzt viele Ursachen für Schulterschmerzen wie z. B. Entzündungen, Synovialitis (Entzündung der Gelenkschleimhaut) und bakterielle Infektionen ermitteln.

Konservative Behandlung der Schulterschmerzen

Konservative Therapie:

  • Physiotherapie
  • ZRT®-Matrix-Therapie
  • Stoßwellentherapie
  • entzündungshemmende Schmerzmittel
  • wIRA-Lampe (Wärmetherapie durch wassergefiltertes Infrarot)
  • Säure-Basen-Therapie (Basensalze, Balneotherapie, Warme Wickel)

Schulterschmerzen lassen sich mit wenigen Ausnahmen sehr gut durch konservative Verfahren behandeln. Grundlage jeder Behandlungsentscheidung ist natürlich eine genaue Diagnose. Der Arzt muss Art und Stadium der Erkrankung genau bestimmen. Erst dann kann er einen passenden Behandlungsplan für die konservative Therapie erstellen.

Unabhängig von der Diagnose kann eine physikalische Therapie die Schulterschmerzen in der Regel lindern. Die Verfahren der Zellbiologischen Regulationstherapie (ZRT®-Matrix-Therapie) haben sich gerade bei Schulterbeschwerden sehr gut bewährt.

Einfache Übungen für zu Hause bei Schulterschmerzen

Die Funktion der Schulter ist von der gleichmäßigen Spannung der Muskeln abhängig, die das Gelenk als funktioneller Ring umgeben: die Rotatorenmanschette. Übungen, die die Funktion der Rotatorenmanschette stärken, wirken direkt gegen Schulterschmerzen. Eine bessere Funktion der Schulter und eine Zentrierung des Schultergelenks durch eine angemessen arbeitende Rotatorenmanschette beugen auch einem Schulterimpingement vor. Diese Übungen sind zudem geeignet, um Schulterschmerzen bei Schulterarthrose zu vermindern und die Arthrose zu verlangsamen.

Übungen zur Dehnung und Mobilisation der Schulter

Häufig verspannen sich der Schulter-Nacken-Bereich und die Brustmuskulatur aufgrund von Schonhaltungen und Ausweichbewegungen. Diese sind schmerzhaft und behindern die Schulter in der freien Bewegung. Die folgenden Übungen helfen Ihnen dabei, die Spannung in der Muskulatur zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern. Sie sollten an mindestens 2 bis 3 Tagen in der Woche trainieren, damit sich ein Effekt einstellt.

Übung 1: Dehnung der Nackenmuskulatur

Übung 1: Dehnung der Schulter- und NackenmuskulaturÜbung 1: Dehnung der Schulter- und Nackenmuskulatur. © Gelenk-Klinik

Stehen oder sitzen Sie aufrecht. Drücken Sie die Schulter auf der zu dehnenden Seite nach unten Richtung Boden. Neigen Sie Ihren Kopf zu der Seite, die Sie nicht dehnen möchten. Beugen Sie nun Ihren Kopf leicht nach vorne, bis Sie eine Dehnung im Schulter-Nacken-Bereich verspüren. Wenn Sie die Dehnung verstärken möchten, legen Sie Ihre freie Hand auf dem Kopf ab und erhöhen Sie damit den Zug.

Halten Sie diese Dehnung für etwa 30 Sekunden.

Übung 2: Schultern nach oben ziehen

 Übung 2: Schulter nach oben ziehenÜbung 2: Schulter nach oben ziehen. © Gelenk-Klinik

Stehen oder sitzen Sie mit geradem Rücken. Ziehen Sie beide Schultern nach oben in Richtung der Ohren und halten Sie diese Spannung für ca. 5 Sekunden. Bringen Sie die Schultern dann wieder nach unten und ziehen Sie Ihre Rückenmuskulatur in Höhe der Schulterblätter zusammen. Führen Sie Ihre Schultern also nach hinten, öffnen die Brust und halten Sie diese Position für ca. 5 Sekunden.

Sie können den Trainingseffekt steigern, indem Sie Gewichte verwenden. Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Für ein effektives Training absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Übung 3: Dehnung im Türrahmen

 Übung 3: Durch Dehnung des Brustmuskels die Zentrierung des Schultergelenks fördern.Übung 3: Durch Dehnung des Brustmuskels die Zentrierung des Schultergelenks fördern. © Gelenk-Klinik

Stellen Sie sich in einen Türrahmen und lehnen Sie sich mit beiden Armen – die Hände ein wenig oberhalb ihres Kopfes – dagegen. Lehnen Sie sich nach vorne, bis Sie die Dehnung an der Vorderseite Ihrer Schultern spüren.

Halten Sie diese Dehnung für mindestens 30 Sekunden.

Übungen zur Kräftigung der Brust- und Schultermuskulatur

Die Bewegungen der Schulter erfordern eine feine Abstimmung aller beteiligten Muskelgruppen. Diese Zusammenarbeit ist nach einer Ruhigstellung häufig beeinträchtigt. Mit den folgenden Übungen aktivieren Sie wichtige Muskelgruppen und sorgen so für ein besseres Zusammenspiel der Muskeln.

Übung 4: Wand-Push-ups aus der Schulter heraus

 Übung 4: An der Wand abstützenÜbung 4: An der Wand abstützen und Schulterblätter nach hinten ziehen. © Gelenk-Klinik

Stehen Sie vor einer Wand. Stützen Sie sich mit ausgestreckten Armen auf Schulterhöhe leicht gegen die Wand. Versuchen Sie nun, sich von der Wand weg zu stemmen. Die Arme und Ellenbogen bewegen sich dabei nicht. Die Bewegung erfolgt aus der Schulter und dem Schulterblatt. Lassen Sie sich danach wieder Richtung Wand sinken. Auch hier gilt: Die Bewegung erfolgt aus den Schultern und den Schulterblättern.

Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Übung 5: Außenrotation der Schulter gegen Widerstand

 Übung 5: Durch Außenrotation das Schultergelenk zentrieren Übung 5: Durch Außenrotation das Schultergelenk zentrieren. © Gelenk-Klinik

Stehen oder sitzen Sie aufrecht. Die Ellenbogen sind 90 Grad angewinkelt, die Hände etwas weniger als schulterbreit voneinander entfernt. Zwischen Ihren Händen halten Sie ein leicht gespanntes Band.

Drehen Sie die Arme nach außen, indem Sie die Schulterblätter nach innen und unten ziehen. Die Brustmuskulatur dehnt sich. Halten Sie die Position für ca. 5 Sekunden. Kehren Sie danach in die Ausgangsposition zurück. Geben Sie dabei kontrolliert dem Zug des Bandes nach.

Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Übung 5 Variante: Außenrotation ohne Band und WiderstandÜbung 5 Variante: Außenrotation ohne Band und damit ohne Widerstand durchführen. © Gelenk-Klinik

Einfachere Alternative: Die gleiche Übung ohne Band und damit ohne Widerstand durchführen.

Übung 6: Adduktion der Schulter

 Übung 6: Schulter gegen Widerstand nach unten ziehenÜbung 6: Schulter gegen Widerstand nach unten ziehen. © Gelenk-Klinik.de

Befestigen Sie ein Band sicher und hoch vor sich. Eine Möglichkeit besteht darin, es in der Tür einzuklemmen. Stehen Sie seitlich mit dem betroffenen Arm zum Band.

Greifen Sie das Band so, dass es mit leicht abgespreiztem Arm etwas gespannt ist. Ziehen Sie nun den Arm seitlich an den Körper. Halten Sie die Position für ca. 5 Sekunden. Kehren Sie in die Ausgangsposition zurück. Geben Sie dabei kontrolliert dem Zug des Bandes nach.

Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Übungen zur Förderung der Schulterbeweglichkeit

Die folgenden Übungen eignen sich besonders, um die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen, wenn rein aktive Bewegungen noch schmerzhaft sind oder zu starke Ausweichbewegungen erzeugen.

Übung 7: unterstütztes Heben des Armes

 Übung 7: Durch den Seilzug die Beweglichkeit des Schultergelenks verbessernÜbung 7: Durch den Seilzug die Beweglichkeit des Schultergelenks verbessern. © Gelenk-Klinik

Befestigen Sie ein Seil an einer höheren Stelle, sodass sich beide Enden bewegen lassen (optimalerweise über eine Rolle o. Ä.).

Fassen Sie nun mit jeder Hand ein Seilende und ziehen Sie den betroffenen Arm mit Ihrem gesunden Arm nach oben, indem Sie an dem entsprechenden Seilende ziehen. Der betroffene Arm kann bei dieser Bewegung leicht mitwirken. Lassen Sie anschließend den Arm wieder in die Ausgangsposition zurücksinken. Bremsen Sie die Bewegung mit dem gesunden Arm ab.

Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Übung 8: unterstütztes Strecken des Armes

 Übung 8: Streckung des Armes auf einer TischplatteÜbung 8: Streckung des Armes auf einer Tischplatte. © Gelenk-Klinik

Sitzen Sie aufrecht an einem Tisch. Der betroffene Arm liegt auf einem Handtuch/Staubtuch o. Ä., um eine gute Rutschfähigkeit zu gewährleisten.

Strecken Sie langsam den betroffenen Arm auf dem Tisch aus. Dabei beugen Sie den Oberkörper nach vorne, um die Streckung zu verstärken. Richten Sie sich anschließend wieder auf. Der Arm bleibt immer im Kontakt mit dem Tisch und wird zu keinem Zeitpunkt abgehoben.

Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Übung 9: unterstütztes Abspreizen des Armes

 Übung 9: seitliches Abspreizen des ArmesÜbung 9: seitliches Abspreizen des Armes. © Gelenk-Klinik

Sitzen Sie aufrecht an einem Tisch. Der betroffene Arm liegt auf einem Handtuch/Staubtuch o. Ä., um eine gute Rutschfähigkeit zu gewährleisten.

Spreizen Sie den Arm langsam zur Seite ab. Dabei beugen Sie den Oberkörper seitlich über den Tisch, um die Bewegung zu erweitern. Kehren Sie in die Ausgangsposition zurück. Der Arm wird nicht abgehoben, sondern bleibt immer im Kontakt zum Tisch.

Wiederholen Sie diese Übung 10-mal. Absolvieren Sie 3 Sets mit jeweils 30 Sekunden Pause dazwischen.

Operation zur Behandlung der Schulterschmerzen

Eine Therapie der Schulterbeschwerden kann nach genauer Diagnosestellung und erweiterter Krankengymnastik auch operativ erfolgen. Wann eine operative Therapie von Schulterschmerzen notwendig ist, kann nur nach genauer Diagnosestellung bestimmt werden.

Eine Operation ist meist dann erforderlich, wenn ein struktureller Schaden des Schultergelenks vorliegt:

  • Sehnenrisse z. B. der Supraspinatussehne oder der Bizepssehne
  • Humerusfraktur (Oberarmfraktur)
  • AC-Gelenkfraktur
  • Verschleiß der Gelenkfläche

Auch entzündliche oder degenerative Veränderungen des Schultergelenks können eine Operation notwendig machen:

Grundsätzlich stehen zur Behandlung von Erkrankungen der Schulter offene und minimalinvasive (arthroskopische) Operationsverfahren zur Verfügung. Bei der offenen Operation legt der Arzt über einen langen Hautschnitt das Operationsgebiet frei und kann es direkt vollständig einsehen.

Arthroskopische Operation von Schulterschmerzen

SchulterarthroskopieDie Schulterarthroskopie ist der Standardzugang bei der Schulteroperation. Mittels endoskopischer Sicht durch einen schmalen, lichtleitenden Schlauch und kleinsten minimalinvasiv einsetzbaren Instrumenten können die Gewebe im und um das Schultergelenk therapiert werden. © bilderzwerg / fotolia

Bei der arthroskopischen Schulteroperation müssen lediglich 0,5–1 cm lange Hautschnitte gesetzt werden, durch die der Arzt schmale Schläuche in das Gelenk einführt. Durch diese Schläuche können ohne weiteren Schnitt Sichtgeräte und operative Instrumente in das Schultergelenk eingebracht und dort zu allen anatomischen Strukturen navigiert werden. Arthroskopische Schulteroperationen sind auch nach der Operation wesentlich schmerzfreier.

Die überwiegende Zahl der Schulteroperationen wird arthroskopisch durchgeführt. Mit hinreichender klinischer Erfahrung können auch komplexe Sehnennahtoperationen, Schleimbeutelentfernungen, Schleimhautentfernungen oder die Entfernung von Kalkdepots unter arthroskopischer Sicht erfolgen.

Der besondere Vorteil der arthroskopischen Operation erklärt sich dadurch, dass keine großflächigen Durchtrennungen von Haut, Weichteilen und anderen Geweben notwendig sind, um in das Operationsgebiet zu gelangen.

Das Operationsgebiet wird durch eine kleine Kamera direkt besichtigt, die am Ende eines Stabes oder eines Schlauches befestigt ist.

Daher entstehen – im Vergleich zu offenen Operationen – viele geringere Traumata (Verletzungen) und Narben, die später wiederum zu Schulterschmerzen und Beschwerden führen können. Auch die postoperative Wahrscheinlichkeit für Komplikationen ist durch die geringere Narbengröße und den schnelleren Heilungsprozess stark vermindert. Schon am Tag nach der arthroskopischen Operation beginnt in der Regel das Bewegungstraining der Schulter, weil die Operationen keine großen Verletzungen setzen.

Knorpeltherapie und Knorpeltransplantation

Einer der häufigsten Gründe für Schulterschmerzen ist Gelenkverschleiß im Schultergelenk. Wenn die Knorpelfläche des Schultergelenks beschädigt ist, steigt das Risiko für eine schmerzhafte Schulterarthrose deutlich. Die Knorpeltherapie versucht also, das für die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen unverzichtbare Knorpelgewebe zu regenerieren. Für die Regeneration der Knorpelschichten der Gelenkflächen gibt es einige arthroskopisch durchführbare Operationsmethoden:

  • Mikrofrakturierung der Schulter:
    Mit dem Tasthaken wird eine Knochenlamelle in der Gelenkfläche absichtlich verletzt. Das in das Gelenk einströmende Blut regt die Bildung von bindegewebigem Ersatzknorpel an.
  • Autologe matrixinduzierte Chondrogenese (AMIC):
    Bei größeren Defekten kann die Mikrofrakturierung mit einer Membran kombiniert werden, in die Knorpelzellen einwandern können. Diese bilden dann hyalines (wasserbindendes, elastisches) Bindegewebe.
  • Autologe Chondrozytentransplantation (ACT):
    Bei der autologen Knorpeltransplantation entnimmt der Arzt dem Patienten eine kleine Menge körpereigenen Gelenkknorpel. Aus diesem Knorpel werden die lebenden Knorpelzellen extrahiert und in einem Speziallabor im Brutschrank vermehrt. Diese Knorpelzellen können nach sechs bis acht Wochen wieder in den Bereich des Knorpeldefektes eingebracht werden. Dort bilden die Chondrozyten hyalines Bindegewebe und regenerieren den natürlichen Gelenkknorpel.

Die neugebildeten Ersatzknorpel oder Knorpelgewebe verbessern die Beweglichkeit des Schultergelenks und beugen der Entwicklung einer schmerzhaften Schulterarthrose vor.

Schulterendoprothese nach Zerstörung der Gelenkflächen

schulterprotheseSchultergelenk mit Totalendoprothese (TEP): Wenn die Gelenkfläche des Schultergelenks zerstört ist, kann die Schulterprothese die Beweglichkeit wiederherstellen. © Viewmedica

Nach schweren Frakturen des Schultergelenks oder nach Schulterarthrose ist die schmerzfreie Beweglichkeit der Schulter manchmal vollständig zerstört. In diesen Fällen kann eine Schulterprothese die Beweglichkeit wiederherstellen.

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