Orthopädische Gelenk-Klinik

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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Hohlfuß (pes excavatus)

  1. Was ist ein Hohlfuß?
  2. Welche Konsequenzen hat der Hohlfuß für Fuß und Sprunggelenk?
  3. Auswirkungen und Symptome des Hohlfußes
  4. Ursachen des Hohlfußes
  5. Diagnose und Untersuchung des Hohlfußes

Woran erkennt man einen Hohlfuß?

Der Hohlfuß (pes excavatus) ist an einer zu starken Wölbung des Fußes erkennbar. Er ist gewissermaßen das Gegenteil des Senkfußes. Der Fuß ist durch die Fehlstellung des Fußgewölbes stark verkürzt. Es gibt verschiedene Formen des Hohlfußes, je nachdem, ob die Gewichtsverteilung eher hinten oder vorne ist. Die Formen des Fersenhohlfußes und des Hackenhohlfußes werden voneinander unterschieden.

Der Plattfuß und der Hohlfuß unterscheiden sich in der Stellung des Fußlängsgewölbes. Beim Plattfuß ist das Fußlängsgewölbe abgesenkt. Bein Hohlfuß ist das Fußlängsgewölbe deutlich angehoben, der Rist des Fußes ist als besonders stark gewölbt. © Henrie @fotoliaDer Plattfuß und der Hohlfuß unterscheiden sich in der Stellung des Fußlängsgewölbes. Beim Plattfuß ist das Fußlängsgewölbe abgesenkt. Bein Hohlfuß ist das Fußlängsgewölbe deutlich angehoben, der Rist des Fußes ist als besonders stark gewölbt. Entsrechend ändert sich auch der Fußabdruck: Beim Plattfuß liegt die gesamte Fußsohle auf dem Boden auf. Beim Hohlfuß sind nur die Abdrücke von Vorfuß und Ferse zu erkennen. Der Hohlfuß ist insgesamt verkürzt im Vergleich zum Plattfuß oder zum nornalen Fußgewölbe. ©Henrie @fotolia

Der Hohlfuß ist eine meist angeborene Fehlstellung mit einer starken Wölbung von der Ferse zu den Zehen hin. Durch die starke Verkürzung ist der Fuß sehr unelastisch und es kommt häufig zu Druckstellen, Hühneraugen und Schwielen.

Was ist ein Hohlfuß (pes excavatus)?

Der Hohlfuß (lat: Pes cavus oder Pes excavatus) beschreibt eine bestimmte Form oder Morphologie des Fußes. Der Hohlfuß hat einen besonders hohen Spann, der sich auch dann nicht absenkt, wenn der Fuß beim Gehen das gesamte Körpergewicht trägt. Es gibt mehr als eine Ursache für den Hohlfuß, so dass eine einheitliche Definition des Hohlfußes nicht möglich ist.

In den meisten Fällen ist ein Hohlfuß, ähnlich wie der entgegengesetzte Typus "Knick-Senkfuß", eine einfache Bezeichnung eines Formtypus des Fußes, der häufig mit keinen Erkrankungen, Fußschmerzen oder anderen Gangbeschwerden verbunden ist. Etwa 10% der Bevölkerung haben einen Hohlfuß, der auch meist ohne Folgen bleibt. In manchen Fällen gefährdet der Hohlfuß jedoch die benachbarten Fußgelenke und das Sprunggelenk, und führt zu einer krankhaften Veränderung des Gangbildes.

Folgen der Hohlfußfehlstellung für die Gesundheit der Bewegungsorgane

Der Hohlfuß ist also manchmal eine krankhafte Fußveränderung. Er zeichnet sich durch eine starke Erhöhung des Fußlängsgewölbes aus. Für die benachbarten Gelenke an Vorfuß, Rückfuß und Sprunggelenk ist der Hohlfuß häufig mit ernsten Folgen verbunden.

Hohlfußfehlstellung seitlich von außen gesehen: Charakteristisch ist der Winkel (rot eingezeichnet) zwischen dem Verlauf des Talus (Sprungbeines) im Sprunggelenk und den Metatarsalknochen den langen Fußwurzelknochen). Dadurch entsteht eine Überlastung des Vorfußes. Zugleich wird durch den hohen Fußrist die Vertikale Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks eingeschränkt. Es kommt vermehrt zu einem Anschlagen (Impingement) des Oberen Sprunggelenks im vorderen Bereich. Hohlfußfehlstellung seitlich von außen gesehen: Charakteristisch ist der Winkel (rot eingezeichnet) zwischen dem Verlauf des Talus (Sprungbeines) im Sprunggelenk und den Metatarsalknochen den langen Fußwurzelknochen). Dadurch entsteht eine Überlastung des Vorfußes. Zugleich wir durch den hohen Fußrist die Vertikale Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks eingeschränkt. Es kommt vermehrt zu einem Anschlagen (Impingement) des Oberen Sprunggelenks im vorderen Bereich. © gelenk-klinik.de

Krallenzehen und Klauenzehen durch Hohlfußfehlstellung

Durch den Hohlfuß kann eine Zehenfehlstellung entstehen. Die Zehen-Fehlstellung kann zusätzlich im Rahmen der Schwächung der intrinsischen Fußmuskeln entstehen. Zusätzlich schwächt der Hohlfuß die Fußhebefunktion durch die Peronealsehnen. Der Körper versucht das durch Anstrengung der über den Fußrücken verlaufenden Zehenstreckersehnen auszugleichen. Die Schwäche der Fußhebung die im Rahmen des Hohlfußes führt zu einer vermehrte Aktivierung der Zehenstreckermuskeln, die versuchen, die Fußhebung zu unterstützen. Die überforderten Zehenstrecker führen hier über die vermehrte Aktivierung zu einer Zehenfehlstellung: Krallenzehen oder Klauenzehen sind daher manchmal die direkte Folge eines Hohlfußes.

Der Hohlfuß erhöht die Belastung für den Vorfuß: Vorfußschmerz (Metatarsalgie) als Folge

Der Vorfuß zeigt im Verhältnis zum Rückfuß bei Hohlfußstellung vermehrt zum Fußboden. Er ist also "plantar flektiert". Dadurch wird der Vorfuß stärker belastet. Die Distanz zwischen Fersenbein und Mittelfußköpfchen ist durch den hoch gewölbten Spann deutlich verringert. Ein Fuß mit Hohlfußstellung ist also kürzer, und der Vorfuß steiler.

In der Folge können durch die Belastung des Vorfußes auch Krallen- bzw Klauenstellungen der Zehen an dem durch Hohlfuß stark belasteten Vorfuß entstehen.

Eine weitere Konsequenz des Hohlfußes für den Vorfuß sind Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie): Die stark belasteten Zehenköpfchen können eine Bursitis (Schleimbeutelentzündung ausbilden (Intermetatarsale Bursitis). Unter den Zehenköpfchen bilden sich Hühneraugen (Hornhaut-Druckschwielen.

Fersenschmerz und Haglundferse als Folge des Hohlfußes

Der Hohlfuß kann aber auch zu einem besonders stark hervortretenden Fersenbein führen. In diesem Fall ist der Schuhdruck auf das Fersenbein besonders hoch: eine schmerzhafte Haglundferse wird durch den Hohlfuß also eindeutig begünstigt. Bei der Haglundferse werden durch den erhöhten mechanischen Druck Schleimbeutel um die Achillessehne herum, aber auch die Achillessehne selbst und der darunterliegende Knochen gereizt.

Die Hohlfußstellung kann wegen der resultierenden Fehlstellung des Fersenbeines die Belastung deutlich erhöhen. Das hervortretende Fersenbein kann ein Haglundsyndrom mit chronischem Fersenschmerz entwickeln. Die Hohlfußstellung kann wegen der resultierenden Fehlstellung des Fersenbeines die Belastung deutlich erhöhen. Das hervortretende Fersenbein kann ein Haglundsyndrom mit chronischem Fersenschmerz entwickeln. © gelenk-klinik.de

Varusstellung des Rückfußes: Das Fersenbein kippt nach innen

Hohlfußfehlstellung im Röntgen von vorne gesehen: Durch die Fehlstellung des Fersenbeines nach innen kippt der Talus (Sprungbein) nach außen (sog. Talustilt). Die Gelenkfläche wird nicht mehr gleichmäßig belastet, sondern im inneren (medialen) Bereich lokal überlastet. Hohlfußfehlstellung im Röntgen von vorne gesehen: Durch die Fehlstellung des Fersenbeines nach innen kippt der Talus (Sprungbein) nach außen (sog. Talustilt). Die Gelenkfläche wird nicht mehr gleichmäßig belastet, sondern im inneren (medialen) Bereich lokal überlastet. © gelenk-klinik.de

Diese Kippung des Fersenbeines führt zu einer Überlastung, häufig auch zu einer Schädigung der Außenbänder, weil sich die Beinachse nach außen verlagert.

Die Steilstellung oder auch Verkippung der Ferse nach innen können zu Reizungen der Weichteile führen. Hier können Schleimbeutelentzündungen i Bereich des Achillessehnenansatzes oder sogar Exostosen (sog. Haglundexostosen) resultieren. Durch die Fehlstellung entstehen hier an der Ferse besonders häufig chronische Schmerzen.

Sprunggelenksimpingement und Sprunggelenksarthrose

Der beim Hohlfuß sehr hochstehende Fußrist führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Sprunggelenks. Vor allem im vorderen Bereich des Sprunggelenks kann der Hohlfuß zu einem Impingement, also einer Bewegungsblockade im Sprunggelenk führen, das sich zu einer Sprunggelenksarthrose entwickeln kann.

Ein weiterer schädigender Einfluss auf das Sprunggelenk entsteht durch die Einwärtskippung des Fersenbeines. Der Talus,(Sprungbein), der auf dem Fersenbein aufsetzt, steht dann nicht mehr gerade in der Gelelenkgabel, sondern schräg. Durch entstehen knorpelschädigende Überlastungen, die langfristig zu Sprunggelenksarthrose führen können.

Die Höhe des Fußgewölbes entscheidet über den Zug, den die Plantarsehne zwischen Fersenbein und Zehenköpfchen erfährt. Wenn die Plantarsehne beim Gehen gedehnt wird, wird das Fußlängsgewölbe höher. Ein Hohlfuß kann die Reizung der Plantarsehne erhöhen, und damit das Auftreten einer Plantarsehnenentzündung wahrscheinlicher machen. © Gelenk-Klinik Die Höhe des Fußgewölbes entscheidet über den Zug, den die Plantarsehne zwischen Fersenbein und Zehenköpfchen erfährt. Wenn die Plantarsehne beim Gehen gedehnt wird, wird das Fußlängsgewölbe höher. Ein Hohlfuß kann die Reizung der Plantarsehne erhöhen, und damit das Auftreten einer Plantarsehnenentzündung wahrscheinlicher machen. © Gelenk-Klinik

Hohlfuß und Plantarfasziitis

Auch eine vermehrte Belastung der Ferse am Boden können die Folge. sein. Reizungen der Plantarfaszie durch die vermehrte Belastung der Strukturen können auftreten. Die Folge der Fehlstellung sind Schwächen der kleinen Fußmuskeln vermehrte Spannung über der Plantarfaszie Ein hohes Gewölbe führt zu einer vermehrte Belastung der Plantarfaszie. Die Reizung der Plantarsehne ist bei Hohlfüßen insgesamt deutlich häufiger.

Die Peronealsehnen lenken den Fuß bei der Plantarflexion (vertikale auf und ab Bewegung) und bei der horizontalen Seitwärtsbewegung. Sind die Peronealsehnen durch einen Hohlfußstellung gestört, ist auch die Motorik des Fußes entscheidend beeinträchtigt. © Gelenk-Klinik "Die Peronealsehnen lenken den Fuß bei der Plantarflexion (vertikale auf und ab Bewegung) und bei der horizontalen Seitwärtsbewegung. Sind die Peronealsehnen durch einen Hohlfußstellung gestört, ist auch die Motorik des Fußes entscheidend beeinträchtigt. © Gelenk-Klinik

Schäden an der Peronealsehne

Weiterhin treten Schäden an den äußeren Sehnen, den sog. Peronealsehnen im Rahmen eines Hohlfußes häufiger zu Tage. Chronische Entzündungen im Verlauf der Sehnen sind hier direkt auf den Hohlfuß zurückzuführen. Hier können auch Teilschäden resultieren. Diese haben wegen der unterschiedlichen Funktion der beiden Peronealmuskeln sehr weitreichende Folgen. Die Peronealsehnen steuern den Fuß bei der Plantarflexion (dem Absenken des Fußes und bei der Auswärtsdrehung des Fußes. Schädigungen den der Peronealsehne führen als zur Störung der Fußmotorik.

Symptome: Wie lebt der Patient mit seinem Hohlfuß?

Vom Hohlfuß betroffene Patienten bemerken ihr überhöhtes Fußlängsgewölbe und damit die beim Hohlfuß typisch veränderte Form des Fußes am häufigsten beim Kauf von Schuhen oder Tragen von Konfektionsschuhen. Die Höhe des Fußrückens ist für den üblichen Modeschuh häufig nicht mehr nicht geeignet. Der hohe Rist lässt nur das Tragen von Schnürschuhen zu.

Symptome des Hohlfußes:

  • Spreizfuß, Hallux valgus, Krallenzehen, Hammerzehen,
  • Varusfehlstellung (O-Fehlstellung) des Fersenbeins
  • Kontraktheit und Reizung der Plantarsehne, unterer Fersensporn
  • Erhöhte Belastung und Schmerzen der Zehen-Köpfchen (“Transfermetatarsalgie”)
  • Schwielenbildung unter den Zehenköpfchen
  • Oberer Fersenschmerz und Haglund-Exostose

Gehen über außen und außen abgelaufene Schuhsohlen

Je nach Art der vorhandenen Hohlfußstellung können spezifische Tragemuster der Schuhsohle entstehen: Die Schuhe sind auf Grund der hohlfußtypischen Außenrandbelastung ("über außen gehen") häufig außen stärker abgenutzt.

Hohlfüße mit Rückfußfehlstellung führen zu einer vermehrten Belastung des Fußaußenrandes und damit einer vermehrten Abnutzung der Schuhsohle außen.

Bei jungen Patienten ist Hohlfuß meist beschwerdefrei

Patienten bemerken den Hohlfuß meist nur durch diese allgemeinen Zeichen. Darüber hinaus sind sie, vor allem in jungen Jahren, weitgehend beschwerdefrei.

Teilweise kommen Patienten nicht wegen dem Hohlfuß, sondern nur wegen der Folgebeschwerden am Vorfuß und Rückfuß (Fersenschmerz) in die Praxis.

Schmerzen außen am Fuß

Häufig berichten Patienten mit Hohlfuß über Schmerzen an der äußeren Kante des Fußes: Durch die hohe Fußfehlstellung wird durch die geänderte Gewichtsverteilung die Außenkante des Fußes besonders stark belastet.

Spreizfuß und Belastung des Vorfußes

Weitere Beschwerden infolge des Hohlußes betreffen häufig den Vorfuß: Durch die Verdrehung des Rückflusses gegen den Vorfuß wird der Vorfuß besonders stark belastet. Die Patienten können auch Hornhaut und Schwielenbildung unter den Zehen Köpfchen beobachten.

Schwäche und Schmerzen beim Gehen

Patienten, deren Hohlfuß durch eine neuromuskuläre Erkrankung wurde, berichten zusätzlich auch von schneller Ermüdbarkeit und Schwäche beim Gehen. Das sind Erkrankungen von Nerven oder Muskeln, die zur Veränderung der Fußgewölbe führt.

Ursachen des Hohlfußes

In vielen Fällen ist der Hohlfuß angeboren. Darüberhinaus hat er Ursachen aus den verschiedensten Bereichen. Es gelingt nicht immer, die spezifischen Ursachen für einen Hohlfuß zu ermitteln. Die Ursachen des Hohlfuß kommen aus den folgenden Bereichen:

"Ursachen des Hohlfußes:
  • Angeborene Hohlfußstellung.
  • Fehlstellungen nach einer Fraktur, zB. Talus oder Fersenbein.
  • Spätfolgen einer Klumpfußbehandlung aus der Kindheit.
  • Erkrankungen von Muskulatur oder Nervensystem, wie zB. Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Etwa 20% aller Fälle von Hohlfuß sind sogenannte sog. “idiopathische” Hohlfüße: Sie haben keine bestimmte Ursache und schreiten auch nicht fort. Sie sind in der Regel unproblematisch. Für die Behandlungsentscheidung und die Prognose ist es jedoch sehr wichtig, die Krankheitsursache des Hohlfußes in jedem bestimmten Fall herauszufinden.

Einfluss des Muskelzuges auf das Fußlängsgewölbe: Senkfuß (Plattfuß) und Hohlfuß

Für das Verständnis des Hohlfußes ist es wichtig zu wissen, dass der Zug extrinsischer Fußmuskeln aus der Wade das Fußgewölbe aufrichtet und seine Form gibt.

Das Fußgewölbe ist kein statisches Gewölbe, das lediglich durch eine Anordnung der Knochen stabil aufrechterhalten wird. Es ist ein dynamisches Gebilde: Der Zug einiger Sehnen deren Muskelansätze im Unterschenkel liegen, sorgen für die dauerhafte Aufrichtung des Fußgewölbes.

Jede Erkrankung von Muskeln und Sehnen, beeinflusst auch die Form des Fußgewölbes. Wir kennen diese Ätiologie (Krankheitsursache) bereits von der Senkfuß Erkrankung: Hier ist häufig eine Degeneration der Tibialis posterior Sehne dafür verantwortlich, dass der Muskelzug nicht mehr in das Fußgewölbe übertragen werden kann.

Für den Hohlfuß ist eine andere Sehne spezifisch verantwortlich: Wenn die Peronaeus longus Sehne einen stärkeren Zug ausübt, als die Tibialis anterior Sehne, wird der erste Zehenstrahl nach unten gedrückt, und das Fußlängsgewölbe hebt sich an. Wenn wir eine Hallux valgus Fehlstellung am Vorfuß haben, und dann am Rückfuß eine Varusfehlstellung (innen knicken) des Fersenbeines, dann erhöht sich der Stress auf den Außenbändern des Sprunggelenks. Dadurch kann eine dauerhafte Instabilität der Bänder und des Sprunggelenks auftreten.

Die Behandlung hängt von der Schwere der Deformierung ab. Ein flexibler Hohlfuß wird mit Stufeneinlagen behandelt. Der rigide Hohlfuß wird durch eine Operation und möglicherweise einer Umstellungsosteotomie des Mittelfußes korrigiert. Unterstützend tragen Fußgymnastik und bequemes Schuhwerk zur Besserung der Beschwerden bei.

Neuromuskuläre Erkrankungen als Ursache des Hohlfußes

Besonders voranschreitende Muskelerkrankungen sind wesentliche Faktopren bei der Diagnose und Behandlung des Hohlfußes. Wahrscheinlich bestehen bei etwa zwei Dritteln aller erworbenen Hohlfußerkrankungen neurogene Ursachen.

Es gibt ganz unterschiedliche Erkrankungen des Nervensystems oder der Muskulatur, die zu einer Erhöhung des Fuß, und damit zu einer Hohlfußfehlstellung führen können: Dazu gehört zB. eine ganze Reihe neurologischer Erkrankungen:

  • CMT-Erkrankung (Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung)
  • Polyneuritis (Nervenentzündung)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Lähmungen, die durch Gewebsveränderungen im Gehirn verursacht werden.

All diese Erkrankungen können sich auf die Muskelgleichgewichte auswirken, die letztlich Form und Ausprägung der Fußgewölbe bestimmen. So sollte ein Patient der plötzlich auf einer Seite eine starke Hohlfuß Fehlstellung erleidet, schnell auf eine neurologische Ursache oder einen Tumor im Rückenmark untersucht werden.

Das Spiralmodell verdeutlicht die grundsätzliche Beziehung von Rückfuß und Vorfuß. Beim Hohlfuß ist diese Spirale viel stärker verdreht. © Gelenk-Klinik Das Spiralmodell verdeutlicht die grundsätzliche Beziehung von Rückfuß und Vorfuß. Beim Hohlfuß ist diese Spirale viel stärker verdreht. © Gelenk-Klinik

Anatomie und Formen des Hohlfußes

Die Ausbildung der Fußgewölbe beruht auf der Einwirkung eines starken Muskelzug der tiefliegenden Wadenmuskulatur, die über Sehnen an das Fußgewölbe übertragen wird. Wenn diese Muskelkräfte nicht im Gleichgewicht sind, führt das zu einer Verdrehung um die dargestellten Längsachsen am Fuß. Die Lage der Sehnen (rot) zu den Drehachsen zeigen ein gutes Schema zum Verständnis der Dysbalancen und Ihre resultierenden Folgeschäden und Fehlformen.

Die Verdrehung des Vorfußes gegenüber dem Rückfuß ist beim Hohlfuß deutlich verstärkt. Das Spiralmodell des Fußes zeigt anschaulich wie die Rückfußachse und Ferse gegenüber der Vorfußachse im Raum stehen.

Je nach Scheitelpunkt der Fehlstellung treten unterschiedliche Auswirkungen auf den Bewegungsapparat und damit die alltägliche Belastung des Fußes auf.

Der Hohlfuß kann durch die Lage des Scheitelpunktes charakterisiert werden. Je nach Lage des Scheitelpunktes können die Folgen für die benachbarten Bewegungsorgane (Vorfuß, Rückfuß, Sprunggelenk) ganz unterschiedlich sein.  © Gelenk-Klinik Der Hohlfuß kann durch die Lage des Scheitelpunktes charakterisiert werden. Je nach Lage des Scheitelpunktes können die Folgen für die benachbarten Bewegungsorgane (Vorfuß, Rückfuß, Sprunggelenk) ganz unterschiedlich sein. © Gelenk-Klinik

Für die Einteilung der Hohlfußformen halten wir uns an die verschiedenen Fehlstellungen in den drei Raumebenen. Außerdem beachten wir die Lage des Scheitelpunktes im Spann des Fußes. Als letztes Kriterium zur Beschreibung des Hohlfußes beachten wir die mögliche Beteiligung der von Nerven gesteuerten Muskeln. Hier kann ein Glied oder auch mehrere der Funktionskette aus Nerven, Muskeln oder Sehnen ausfallen. Es ist die anspruchsvolle Aufgabe der ärztlichen Differentialdiagnose, die genaue Ursache zu finden.

Untersuchung und Diagnose des Hohlfußes

In unserer Praxis sehen wir ein außerordentlich breites Spektrum an Hohlfußfehlstellungen. Wir beginnen die Aufarbeitung des individuellen Hohlfußes immer mit einer vollständigen Krankengeschichte: Unfälle, Frakturen, Stoffwechselerkrankungen und individuelle Beschwerden tragen zum Gesamtbild bei.

Aus dem Bereich der neuromuskulären Erkrankungen verursachten Hohlfußfehlstellungen ergeben sich häufig auch Hinweise auf erbliche Ursachen aus der Familiengeschichte.

Plötzlich aufgetretene einseitige Hohlfußfehlstellungen, lassen uns die Ursache im Bereich der des Rückenmarks suchen. In diesen Fällen wird auch eine MRT Untersuchung des Rückenmarks nötig.

Ganguntersuchung

Die Untersuchung beginnt mit der Beobachtung des Gangbildes. dabei beachten wir besonders die Position des Rückflusses. Wir evaluieren die Varusfehlstellung des Fersenbeins (O-Stellung), also das Abknicken des Fersenbein ist nach innen. Wir untersuchen die Funktion der verschiedenen Sehnen die vom Unterschenkel in den Fuß hinein verlaufen. Die Auswertung der Schuhsohle ist ebenfalls wichtig: Eine einseitige Abnutzung beweist eine veränderte Gewichtsverteilung.

Zusätzlich untersuchen wir die Beweglichkeit des Sprung, Sprunggelenk, des unteren Sprunggelenks und des Vorfußes.

Podometrische Fußabdruckmessung

Im Detail können wir das Fußabdruck Verhalten in der computergestützten Podometrie - der Fußabdruck Messung auf einer Sensorplatte - genau aufzeichnen und auswerten.

Mit Hilfe der pedobarogarfischen Sensorplatte kann das Fußabdruckmuster eines Hohlfußes detailliert aufgezeichnet werden. Die spezifische Funktion oder das Funktionsdefizit einzelner Sehnen und Muskeln kann mit Hilfe der Pedobarografie bei der Abrollbewegung gezeigt werden. Wie das Röntgen unter Belastung ist die Pedobarografie also eine funktionelle Untersuchung des Fußes. Typisch für den Hohlfuß ist der isolierte, aber sehr stark belastete (Rotfärbung) Druckpunkt an Ferse und Vorfuß. Mit Hilfe der pedobarografischen Sensorplatte kann das Fußabdruckmuster eines Hohlfußes detailliert aufgezeichnet werden. Die spezifische Funktion oder das Funktionsdefizit einzelner Sehnen und Muskeln kann mit Hilfe der Pedobarografie bei der Abrollbewegung gezeigt werden. Wie das Röntgen unter Belastung ist die Pedobarografie also eine funktionelle Untersuchung des Fußes. Typisch für den Hohlfuß ist der isolierte, aber sehr stark belastete (Rotfärbung) Druckpunkt an Ferse und Vorfuß. © Gelenk-Klinik

EMG (Elektromyographie) Messung der Muskelaktivität

Mit Hilfe der Messung der Muskelaktivität (EMG) können mit Hilfe von Hautelektroden die relative Aktivierung der an Fußstellung und Bewegung beteiligten Muskeln genau messen. Vor allem bei der Diagnose der neuromuskulären Charcot-Marie-Tooth- Erkrankung (CMT) ist das eine wichtige Untersuchung.

Bildgebende Diagnostik: Röntgen, DVT, MRT

Mit Hilfe der Röntgenbilder finden wir eindeutige Hinweise auf degenerative Veränderungen von Sprunggelenk und Fußgelenken. Mit den Röntgenbildern unter Belastung - also im Stehen - in mehreren Ebenen, können wir auch eine Fehlstellung des Fersenbeines zeigen. Desweiteren untersuchen wir die Vorfußstellung im Verhältnis zum Rückfuß.

Das MRT-Bild (Magnetresonanztomografie) zeigt uns die Situation von Sehnen, Bändern und Weichteilgeweben.

Mit Hilfe des DVT (digitale Volumentomografie) können wir auch aus dem Inneren der beteiligten Fußknochen genaue räumliche Darstellungen der knöchernen Verhältnisse bekommen.

Literaturangaben
  • Niethard, F. U., Pfeil, J. & Biberthaler, P. (2009). Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart : Thieme.
  • Orthofer, P. (2004). Orthopädietechnik. Huber Hans.
  • Sullivan, R. J. (2010). The pediatric foot and ankle.. Foot and ankle clinics, 15, ix.
  • Valderrabano, V., Engelhardt, M. & Küster, H. -. (2008). Fuß & Sprunggelenk und Sport: Empfehlungen von Sportarten aus orthopädischer und sportmedizinischer Sicht. Deutscher Arzte-Verlag.
  • Wulker, N., FRCSIMater, M. M. & III, M. D. (1998). An Atlas of Foot & Ankle Surgery (1st ed). Martin Dunitz.
  • Wülker, N. (2005). Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart : Thieme.
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