Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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79194 Gundelfingen
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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Operation des Knick-Senkfußes bei erwachsenen Patienten

Klinisches Bild eines Knick-SenkfußesDer Knick-Senkfuß ist an einem Absinken des Fußlängsgewölbes bei gleichzeitiger Fehlstellung des Fersenbeins nach außen erkennbar. © Gelenk-Klinik

Der Knick-Senkfuß ist eine der häufigsten Fußfehlstellungen. Er äußert sich durch ein Absinken des Fußlängsgewölbes. Das Fersenbein ist meist nach außen gestellt, wodurch der Innenknöchel überlastet wird und es zu Beschwerden beim Laufen kommt. Zusätzlich ist beim Knick-Senkfuß die Zehenstellung verändert: Die Zehen zeigen nicht nach vorne, sondern beim Gehen eher nach außen (Too-many-Toes-Sign).

In den meisten Fällen ist der Knick-Senkfuß eine Zivilisationserkrankung: Wir sperren unsere Füße in engen Schuhen ein und trainieren sie zu wenig. Um das Fußlängsgewölbe aufrechtzuerhalten, spielt die Funktion der Tibialis-posterior-Sehne eine zentrale Rolle. Diese Sehne verläuft, ausgehend von einem tiefliegenden Muskel in der Wade, um den Rückfuß in das Fußlängsgewölbe hinein. Wenn sie beschädigt ist oder der Muskel einfach nicht mehr genügend Kraft aufbringt, sinkt das Fußlängsgewölbe ab. Die Wölbung unseres Fußes ist also eine aktive Muskelleistung unserer Wadenmuskulatur.

Häufig können wir den Knick-Senkfuß bei Erwachsenen durch aktivierende Übungen der Füße und Fußschule therapieren. In einigen Fällen ist die Fehlstellung des Fersenbeins aber schon zu stark, um einer konservativen Therapie zugänglich zu sein.

Wenn die Tibialis-posterior-Sehne zudem durch Erkrankungen oder Entzündungen so geschädigt ist, dass sie den Muskelzug nicht mehr auf das Fußgewölbe übertragen kann, ist eine operative Behandlung des Knick-Senkfußes erforderlich.

Wann ist eine operative Therapie des erworbenen Knick-Senk-Fußes sinnvoll?

Führen die konservativen Maßnahmen nicht zur Verbesserung, kann eine operative Therapie das Fortschreiten des Knick-Senkfußes verhindern. Je nach Ausmaß der Fußfehlstellung sind Verbesserungen möglich und sinnvoll. Sind bereits schwer korrigierbare Fehlstellungen vorhanden, helfen meist nur noch versteifende Eingriffe mit gleichzeitiger Stellungsverbesserung, um die Beschwerden an Fuß und Ferse zu lindern. Diese Arthrodesen (Versteifungen) der Fußwurzel können durch eine frühzeitige Behandlung verhindert werden.

Welche Operation passt zu welchem Krankheitsstadium?

MRT: Knick-Senkfuß mit Schwäche der Tibialis-posterior-SehneMRT-Bild von oben: Die Tibialis-posterior-Sehne dieses Patienten ist stark verdickt (rote Markierung). In ihrer Gleitrinne hat sich Flüssigkeit angesammelt, was auf eine Schädigung der Sehne (z. B. durch eine Entzündung) hindeutet. Eine Schwäche der Tibialis-posterior-Sehne kann die Entstehung eines Knick-Senkfußes begünstigen. © Gelenk-Klinik

Bei einer beginnenden Fehlstellung können Eingriffe an der Tibialis-posterior-Sehne sinnvoll und ausreichend sein. Der Arzt entfernt die entzündeten Anteile der Sehnenscheide. Bei weitergehender Schädigung kann die Sehne auch ersetzt werden, zum Beispiel durch die Transplantation einer Sehne am Fußinnenrand.

Sehnenfunktion bei Knick-SenkfußEine Schwäche der Tibialis-posterior-Sehne wirkt sich auf das Fußlängsgewölbe aus. Es sinkt ab und eine Knick-Senkfuß-Fehlstellung entsteht. © Gelenk-Klinik

Dieser Sehnentransfer der Großzehenbeuger- oder Kleinzehenbeugersehne kann aber nur einen Teil der Funktion der ursprünglichen Tibialis-posterior-Sehne erbringen, sodass knöcherne Begleiteingriffe notwendig sind. Der Verlust der Sehnenfunktion der kleinen Zehenbeuger durch die Transplantation muss für eine Verbesserung der Stabilität des Fußgewölbes in Kauf genommen werden. Nach unserer Erfahrung empfinden die Patienten dies aber als wenig einschränkend.

Knöcherne Operationen zur Unterstützung des Weichteileingriffes

  • Verlängerung des Knochens am Fußaußenrand (EVANS-Osteotomie) mit oder ohne Arthrodese des Gelenkes zwischen Fersen- und Würfelbein
  • Verschiebung des Fersenbeins und damit Veränderung des Zuges der Achillessehne (Umstellungsoperation nach DWYER)

Ziel der knöchernen Eingriffe zur Korrektur des erworbenen Knick-Senkfußes

Ziel des Eingriffes ist es, den Fuß zu begradigen. Um eine Chance auf eine langfristige Korrektur zu haben, müssen die Zugverhältnisse und Weichteilspannungen der Fußwurzel verändert werden. Der Weichteileingriff an der Tibialis-posterior-Sehne kann dies praktisch nie alleine erreichen. Daher sind Verschiebungen des sehr starken Sehnenzuges an der Achillessehne hilfreich, um die Fehlstellung zu korrigieren und ein Fortschreiten aufzuhalten.

Als erfolgreiches Verfahren mit guter Aufrichtung des Fußlängsgewölbes hat sich eine knöcherne Verlängerung des Fußaußenrandes erwiesen. Hierfür verwenden wir Knochenteile vom Beckenkamm oder vom Wadenbein. Die knöcherne Verlängerung entlastet die geschwächte Sehnenfunktion des Tibialis-posterior-Muskels.

Wie führen wir in der Gelenk-Klinik diesen Eingriff durch?

Den Eingriff führen wir in Rückenlage mit Oberschenkelblutsperre durch. Damit unterbinden wir den Blutfluss in das betroffene Bein. Nach mehrfachem sterilen Abwaschen und Abdecken führt der Arzt einen etwa 5 cm langen Hautschnitt durch.

Das Gelenk zwischen Fersenbein und Würfelbein wird freigelegt. Sehnen und Muskeln verlagert der Operateur zur Seite.

Abhängig vom Zustand des Gelenkes wird der Eingriff als Versteifungsoperation oder als Verlängerungsoperation nach EVANS durchgeführt.

Beim Verlängerungseingriff eröffnet der Arzt die Gelenkkapsel. Nach Spreizung entfernt er den geschädigten Gelenkknorpel und bringt einen festen Knochenspan ein. Dieser darf erfahrungsgemäß oft nicht mehr als 1 bis 1,5 cm lang sein. Nach der Knocheneinbringung befestigen wir diesen Knochenspan mit einem Draht oder einer Platte, um eine sichere Überbrückung und Ausheilung erreichen zu können. Erfahrungsgemäß erreichen wir hierdurch eine Ausheilung mit größtmöglicher Sicherheit.

Wir führen abschließen immer eine Rückverlagerung der Weichteile und eine ausgiebige Spülung und Betäubung des Gewebes durch.

Bei intaktem Gelenk und guten Knochenverhältnissen wird der Fersenbeinknochen etwa 1 cm hinter dem Gelenk mit dem Meißel durchtrennt. Daraufhin erfolgt die Spreizung und der Einsatz des Knochens.

Welche Nachbehandlung ist nach der Operation notwendig?

Walker-Schuh bei Knick-SenkfußNach der Operation eines Knick-Senkfußes sollte der Patient seinen Fuß für etwa 6 Wochen mithilfe eines speziellen Walker-Schuhs entlasten. © sunnychicka, Fotolia

Nach der Operation erfolgt eine elastische Wickelung mit einem sterilen Kompressionsverband. Das Bein sollte dringend hoch gelagert werden. Wir führen immer eine Antibiotikaprophylaxe durch. Eine Thromboseprophylaxe wird üblicherweise bis zur Vollbelastung benötigt.

Wir empfehlen nach dem Eingriff die Anlage eines Walkers (spezieller starrer Schuh) mit einer Teilbelastung von 20 kg für 6 Wochen. Röntgenkontrollen führen wir am Tag nach der Operation durch. Nach 3 und 6 Wochen kontrollieren wir das Operationsergebnis und die Knochenreaktion. Danach ist der Belastungsaufbau geplant. Die Gesamtentlastungsphase kann aber auch erheblich länger dauern.

Wie lange bin ich nach dem Eingriff arbeitsunfähig?

In der Entlastungsphase dürfen Sie nicht Autofahren. Eine sitzende Tätigkeit ist nach gesicherter Wundheilung wieder möglich. Stehende und gehende Tätigkeiten sollten erst nach vollständiger Ausheilung des Knochens nach 8 Wochen wieder aufgenommen werden.

Literaturangaben
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Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

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Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg Dr. med. Martin Rinio
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