Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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79194 Gundelfingen
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Orthopaedische Spezialisten für Hüfte, Hüftschmerzen, Hüftarthrose

Hüftschmerzen und Leistenschmerzen richtig verstehen

  1. Wo haben Sie Hüftschmerzen?
  2. Hüftschmerzen außen
  3. Leistenschmerzen
  4. Hüftschmerzen einseitig oder beidseitig?
  5. Im Liegen bzw. in Ruhe
  6. Beteiligte Strukturen
  7. Ursachen von Hüftschmerzen

Hüftschmerzen machen sich oft im Bereich der Leisten, im "Knick" zwischen Oberschenkel und Unterbauch bemerkbar. In vielen Fällen strahlen sie auch in eines oder beide Beine aus. Umgekehrt können Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule in die Hüftregion ausstrahlen.

Hüftschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Gelenkschmerzen. Sie sind für Patienten ohne ärztliche Unterstützung schwer zu beurteilen. Bei schweren oder lang andauernden Hüftschmerzen empfehlen wir daher auch stets die Unterstützung durch einen Hüftspezialisten.

HüftschmerzenSchmerzen an der Hüfte können nach starker körperlicher Beanspruchung, aber auch ganz unabhängig davon auftreten. © peterschreiber.media, Fotolia

Manchmal sind auch die Muskulatur, Nerven oder inneren Organe in der Nähe der Hüfte Ursache des Hüftschmerzes und nicht die Hüfte selbst. Auch Schleimbeutelreizungen können Druckschmerzen verursachen.

Hüftschmerzen: harmlos oder Strukturschaden am Gelenk?

Auch scheinbar harmlose und wieder relativ schnell abklingende Schmerzen, etwa nach Sturz auf das Hüftgelenk, können zu einer irreversiblen Schädigung wichtiger Strukturen an der Hüfte führen. Der Sturz kann eine zunehmende Schädigung des Gelenks nach sich ziehen.

Daher ist eine Untersuchung durch den orthopädischen Hüftspezialisten mit bildgebenden Verfahren (Röntgen, Ultraschall, MRT) meist hilfreich zum Ausschluss solcher Schäden.

Hüftschmerzen können nach starker körperlicher Beanspruchung, aber auch ganz unabhängig davon auftreten. Sie äußern sich manchmal in morgendlichen Anlaufschmerzen oder auch als chronische Dauerbeschwerden. Häufig gehen sie mit Instabilität, Steifheit und einer Einschränkung des Bewegungsspielraums einher.

Man unterscheidet zwischen akuten (zeitweise auftretenden) und chronischen Schmerzen, die bereits länger als drei Monate andauern.

Der nachfolgende Artikel will keine Selbstdiagnose unterstützen. Er soll Ihnen helfen, das Arztgespräch gut vorzubereiten. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie Sie mit Hüftschmerzen bei sich selbst oder Angehörigen mithilfe Ihres Arztes verantwortlich und gesundheitsbewusst umgehen können.

Die weitaus häufigste Ursache für Schmerzen an der Hüfte sind Verschleißerscheinungen am Gelenk (Hüftarthrose). Mit zunehmendem Alter findet ein Abbau von gesundem Gelenkknorpel statt. Bei vielen Menschen wird diese Gleit- und Pufferschicht im Gelenk so weit zerstört, dass schließlich Knochen auf Knochen trifft. Dies kann starke Schmerzen auslösen.

Die Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) tritt meist im fortgeschrittenen Alter auf. Sie kann in seltenen Fällen aber auch jüngere Menschen treffen.

Auslöser für die Arthrose im Hüftgelenk sind neben altersbedingtem Verschleiß und Abbauprozessen Unfälle oder Verletzungen am Gelenk, angeborene Fehlstellungen oder Folgewirkungen von Stoffwechselkrankheiten.
Auch eine sogenannte systemische Gelenkentzündung, bei der mehrere Gelenke betroffen sind, kann Hüftschmerzen hervorrufen. Hier können die Ursachen in rheumatischen Prozessen oder einer chronischen Arthritis (Gelenkentzündung) liegen.

Hüftschmerzen UntersuchungKlinische Untersuchung von Hüftschmerzen: Wenn durch die Rotation des Beines um seine eigene Achse – also dem Einwärtsdrehen des Fußes – ein Hüftschmerz ausgelöst werden kann, gilt das als deutliches Zeichen für eine Hüftarthrose. © Gelenk-klinik.de

Hüftschmerzen Diagnose

Besonders die Diagnostik der Hüftschmerzen und Leistenschmerzen bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit mehrerer Fachärzte.

Das ist eine anspruchsvolle Entscheidung, denn unterschiedliche Diagnosewege benötigen ganz unterschiedliche Bildgebungen (z. B. Stressfrakturen oder Infektionserkrankungen).

Eine zielführende Diagnostik ist nur in enger Zusammenarbeit zwischen dem Radiologen und den Sportmedizinern und Orthopäden möglich. Diese wichtige Zusammenarbeit ist in der Gelenk-Klinik Gundelfingen gegeben.

Das Arztgespräch

Welche Fragen stellt der Arzt?

  • Seit wann schmerzt die Hüfte?
  • Gab es ein auslösendes Ereignis?
  • Hat sich der Schmerz verbessert oder verschlimmert?
  • Ist der Schmerz von einer bestimmten Bewegung oder Aktivität abhängig oder ein Ruheschmerz?
  • Qualität des Schmerzes: dumpf, stechend, pochend?
  • Zeitverlauf: Plötzlich oder langsam auftretend?
  • Lage: seitlich, tiefliegend, Leistenschmerz oder ausstrahlend?
  • Bestehen begleitend zu den Hüftschmerzen Fieber, Durchfall, Abgeschlagenheit und andere Entzündungszeichen?

Hüftschmerzen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Der Ort, an dem Sie die Schmerzen verspüren, ebenso wie die Gegebenheiten, unter denen Sie den Schmerz spüren, helfen uns bei der Erforschung der Ursache.

Der wichtigste Bestandteil der Diagnose ist das Patientengespräch. Alles an Ihrem Bericht über Ihre Hüftschmerzen ist für den Arzt wichtig.

Die klinische Untersuchung von Hüftschmerzen durch den Arzt

Klinische Untersuchung der HüftschmerzenBei der klinischen Untersuchung der Hüftschmerzen prüft der Arzt die Beweglichkeit des Hüftgelenks in alle Richtungen. © Gelenk-Klink.de

Nach dem Arztgespräch folgt die wichtige klinische Untersuchung. Hier stehen konkrete Funktionseinschränkungen im Vordergrund: Ist die Bewegungskoordination durch die Hüftschmerzen eingeschränkt? Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Hüfte führen zu einem charakteristisch veränderten Gangbild. Die Patienten versuchen, das Gewicht von der schmerzenden Hüfte zu nehmen. Das führt zu einem marionettenhaften Gang.

Beweglichkeitsuntersuchungen des Hüftgelenks in jede Richtung zeigen Bewegungseinschränkungen. Diese können aus unterschiedlichen Gründen auftreten: nach Verletzungen (Traumata), Infektionen oder wegen einer knöchernen Fehlbildung des Hüftgelenks (Hüftimpingement).

Eine Kraftmessung – Drücken des Beines gegen einen Widerstand in verschiedene Richtungen – kann eine Muskelrückbildung oder neurologische Störung der Muskulatur zeigen.

Durch Drücken und Klopfen ermittelt der Hüftspezialist klopf- und druckschmerzhafte Bereiche. Mittels dieser sogenannten Palpation kann auch der genaue Schmerzort bestimmt werden. Der Arzt kann auf diese Weise Hüftschmerzen im Gelenk von Schmerzen unterscheiden, die im Bereich der Schleimbeutel (Bursae) oder Sehnen entstehen.

Zudem versucht der Arzt, aus dem Bauchraum oder aus der Lendenwirbelsäule in die Hüfte ausstrahlende Schmerzen zu identifizieren.

Weiterhin prüft der Orthopäde die Beinlänge: Beinlängenunterschiede sind häufig Folge von chronischen Hüft- oder Kreuzschmerzen. Die Beinlängenunterschiede können eine anatomische Ursache (Skelettbildung) haben. Auch muskuläre Beschwerden in Form von kontrakten (unbeweglichen oder verkrampften) Muskeln können das vollständige Ausstrecken des Beines blockieren und dadurch einen Beinlängenunterschied verursachen.

Die Form der Wirbelsäule wird ebenfalls inspiziert: Besteht im Bereich der Lendenwirbelsäule eine Fehlstellung?

Auch Muskelreflexe werden untersucht und in das Gesamtbild miteinbezogen.

Blutbild ermittelt Infektionen, Stoffwechselerkrankungen und Rheuma

Sehr seltene Ursachen für Hüftschmerzen sind Infektionen wie die eitrige Hüftentzündung, Tumoren oder Metastasen. Auffällige und abzuklärende Symptome wie Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Fieber, Schüttelfrost und Durchfall dürfen in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden und müssen abgeklärt werden.

Blutuntersuchungen zum Ausschluss von Rheuma und Entzündungszeichen durch entsprechende Laborbefunde sind für die Diagnosefindung ebenfalls hilfreich.

Sowohl Rheuma – eine unspezifische Weichteilentzündung – als auch Gicht als Störung des Harnsäurestoffwechsels können zu chronischen Schmerzen im Hüftgelenk führen. Eine Untersuchung des Blutzuckers kann außerdem Risikofaktoren für Hüftschmerzen ermitteln: Z. B. Infektionen, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen begünstigen das Auftreten von Hüftschmerzen.

Untersuchung der Hüftmuskulatur durch EMG

Worauf kann eine Blutuntersuchung bei Hüftschmerzen hinweisen?

Im Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung ist auch die Messung der elektrischen Muskelpotentiale (EMG) aufschlussreich. Über Hautelektroden misst der Arzt die elektrische Aktivierung der Hüftmuskeln. Probleme mit der Muskelfunktion, Rückbildung von Muskeln, Nerveneinklemmungen und viele andere Probleme können so im direkten Seitenvergleich ermittelt werden.

Untersuchung der Hüftschmerzen durch bildgebende Verfahren

Beispiel für Hüftschmerzen bei einem 36-jährigen Läufer:

Beispiel: Ein 36-jähriger sportlich aktiver Mann absolviert intensives Lauftraining. Zuvor war er über viele Jahre Fußballspieler. Seit einigen Monaten gibt er vermehrt Beschwerden mit Einschränkungen der Alltagsaktivität an. An einen Unfall kann er sich nicht erinnern.

Weiterlesen zur Klärung und Behandlung durch Hüftarthroskopie

Mithilfe des Röntgenbildes kann der Arzt den Zustand von Knorpel und Knochen beurteilen. Insbesondere bei schwerem Knorpelverschleiß ist eine Gelenkspaltverschmälerung durch den fehlenden Knorpel sichtbar.

Angeborene Fehlstellungen wie die Hüftdysplasie können durch eine Röntgenuntersuchung festgestellt werden.

Das Ultraschallgerät bildet den Zustand von Sehnen und Weichteilen ab. Die Untersuchung zeigt Verletzungen an Sehnen und Muskeln unter Bewegung. Somit ermöglicht das Ultraschall eine Beurteilung der natürlichen Funktion des Hüftgelenks.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) kann mittels Schnittbildern feingewebliche Untersuchungen an Sehnen, Muskeln und Knorpel vornehmen. Verletzungen (Traumata) und Sehnenrisse sind sehr gut sichtbar. Auch für die Knorpeldiagnostik in früheren Stadien des Knorpelverschleißes ist das MRT sehr hilfreich.

Hüftschmerzen nach Verletzung, Sturz oder Unfall

Hüftschmerzen und die Sehnen und Bänder der HüfteHüftschmerzen nach Unfall: Sehnen und Bänder der Hüfte können durch Sport, Unfall oder Sturz verletzt werden. © Viewmedica

Unfallverletzungen aber auch zu intensive Belastungen können Hüftschmerzen auslösen.

Mögliche Unfallfolgen:

  • Zerrung oder Riss der Hüftmuskulatur
  • Weichteilschäden
  • Knochenbruch (Fraktur) des Oberschenkelhalses bzw. im Hüftgelenk
  • Riss der Gelenklippe (sog. Labrumriss)
  • Riss des Hüftkopfbandes (Ligamentum capitis femoris)
  • v. a. bei älteren Menschen: Beckenringfraktur (durch Osteoporose)
  • Stressfraktur bei zu hoher Trainingsbelastung
  • Verletzung der Wachstumsfuge bei Kindern

Patienten beschreiben verschiedene Wahrnehmungen nach mechanischen Einwirkungen (z. B. durch Sturz oder Aufprall): Schnappen, Krachen oder Knallen sind die am häufigsten berichteten Empfindungen im Hüftgelenk.

Für die Schädigung des Hüftgelenkes ist bei Unfällen die Kraft, die auf den Körper einwirkt, entscheidend für die Verletzung. Auch die Qualität des Knochens und die Beschaffenheit der Weichteile spielt eine Rolle. Das Alter ist also ein wichtiger Faktor für die möglichen Folgen eines Sturzes oder eines Aufpralls der Hüfte: So kann z. B. ein osteoporotischer Hüftknochen eines älteren Patienten weniger Krafteinwirkung unbeschadet überstehen als ein an Sportbelastung angepasster gesunder Knochen eines jungen Patienten.

Trotzdem kann auch ein Hüftknochen eines jungen Patienten im Rahmen einer Stressfraktur beschädigt werden. Zu einem solchen Knochenbruch kommt es bei einer plötzlichen Steigerung des Trainingsumfangs oder der Trainingsintensität.

Der im Vergleich zum Muskeltraining wesentlich langsamere biologische Prozess des Knochenaufbaus bzw. -umbaus ist dann nicht an die gesteigerte Belastung angepasst.

Hüftschmerzen nach Unfall bei Kindern

Auch bei Kindern entstehen Hüftschmerzen durch mechanische Belastung. Dabei sind vor allem die Wachstumsfugen an den großen Muskelansätzen betroffen. (sog. Avulsionsverletzungen). Bei einer Verletzung der Wachstumsfuge kann es zu Ausrissen der Muskelansätzen am Knochen kommen.

Neben den Knochenschäden kann es auch zu Verletzungen der Weichteile durch Gewalteinwirkung kommen. Im Hüftgelenk sind diese Schäden häufig an der Gelenklippe, dem sogenannten Labrum acetabulare oder am Hüftkopfband (Ligamentum capitis femoris) zu finden. Ein Labrumriss oder -abriss ist diagnostisch schwer von einem Leistenbruch zu unterscheiden. Schmerzqualität und Lage des resultierenden Hüftschmerzes ähneln sich.

Bild: Impingement der Hüfte SchemaLINKS: Normales Hüftgelenk aus Hüftpfanne und Hüftkopf. MITTE: Cam-Impingement (Nockenwellen-Impingement) mit einer Verengung des des Gelenkspalt durch eine Knochenwucherung am Oberschenkelkopf. RECHTS: Pincer-Impingement (Beißzangenimpingement) mit einer Deformität der Hüftgelenkspfanne. Die Hüftpfanne reicht beim Pincer-Impingement zu weit über den Oberschenkelkopf. © Dr. Thomas Schneider

Hüftimpingement: Bewegungsblockaden können zu mechanischen Hüftschäden führen

Untersuchung des HüftimpingementsNicht jedes Hüftgelenk gibt den gesamten Bewegungsspielraum frei. Durch die individuelle Anatomie können Knochen im Hüftgelenk schmerzhaft zusammenstoßen (Hüftimpingement) © Gelenk-Klinik.de

Manche Bewegungsrichtungen werden nicht von jedem Hüftgelenk erlaubt. Je nach Form des Oberschenkelkopfes oder der Gelenkpfanne kann das zum Aufprall (Impingement) von Knochen des Hüftgelenks führen. Man nennt diese Erkrankung auch femoro-acetabuläres Impingement (FAI). Ob es bei einer Hüftdysplasie zu Hüftschmerzen kommt, hängt also stark von der Lebensweise ab.

Wiederholt sich der Zusammenprall der Knochen im Gelenk dauerhaft, entstehen an diesen Stellen Knochen- und Knorpelschäden.

Diese falschen Bewegungen sind leider nicht vorhersehbar. Sie sind im Hüftgelenk stark abhängig von der individuellen Anatomie. Ein Patient mit einer veränderten Knochenanatomie kann durch bestimmte Bewegungen unbewusst eine massive Schädigung des Hüftgelenkes bewirken.

In seltenen Fällen können auch Tumore oder bestimmte Infektionskrankheiten Hüftschmerzen auslösen.

Hüftschmerzen außen an der Hüfte

Schleimbeutel der Hüfte

Sind die Schmerzen dumpf und beständig, kommt bei Hüftschmerzen außen vor allem eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica) infrage. Hier sind am Trochanter major (seitlicher Kochenvorsprung des Oberschenkelknochens) liegende Gewebe besonders anfällig. Diese sind auch beim Liegen auf der Seite häufig betroffen. Die Beschwerden der Bursitis trochanterica können aber auch unter Belastung, wie beispielsweise beim Treppensteigen, Hüftschmerzen außen am Oberschenkel verursachen.

Andere Schleimbeutel wie die Bursa iliopectinea verursachen eher Schmerzen in Rückenlage.

Hüftschmerzen und die Nerven der HüfteHüftschmerzen durch Nerveneinklemmungen: Nerven können an der Nervenwurzel im Rückenmark oder auf Ihrem Weg durch die Hüfte in das Bein eingeklemmt werden. © Viewmedica

Nervenreizungen als Ursache der Hüftschmerzen

Neurologische Ursachen:

Nervenreizungen in der Hüftumgebung verursachen starke Schmerzen und sind oft schwierig zu diagnostizieren. Dabei können verschiedene Nerven wie der Nervus ischiaticus , Nervus femoralis oder der Nervus obturatorius betroffen sein. Wird die Nervenwurzel des Ischiasnervs an der Wirbelsäule eingeengt oder einer seiner Zweige im Verlauf durch Muskeln oder geschwollene Gewebe komprimiert, sind dumpfe oder stechende Schmerzen in Gesäß, Hüfte und Oberschenkel möglich.

Wichtig für manche Fälle von Hüftschmerzen sind die Hautnerven Nervus ilioinguinalis, Nervus genitofemoralis, Nervus iliohypogastricus oder Nervus cutaneus femoris lateralis.

Diese Nervenkompressionssyndrome mit brennenden Schmerzen außen an der Hüfte können unterschiedliche Ursachen haben:

  • Druck oder zu enge Kleidung ("Jeans-Krankheit")
  • Übergewicht und Fettgewebe
  • Muskeltraining

Hüftschmerzen können aus einer Störung der Muskelsteuerung resultieren, ohne dass das Hüftgelenk selbst (Knochen, Knorpel und Bänder) erkrankt ist. Die Muskeln, die das Hüftgelenk führen, können durch unterschiedliche Kraft oder unzureichend gesteuerte Aktivität Schäden oder Schmerzen am Gelenk hervorrufen. Sie haben neben ihrer bewegenden Funktion auch eine sogenannte zentrierende Wirkung auf den Hüftkopf. Durch ein Muskelungleichgewicht können diese Funktionen gestört sein.

Beim Gehen, Laufen, Rennen und Springen kann durch Störungen der Muskelsteuerung die mechanische Belastung im Hüftgelenk stark zunehmen. Das kann Schäden im Hüftgelenk und Hüftschmerzen zur Folge haben.

Hüftschmerzen einseitig oder beidseitig

Einseitige Schmerzen durch:

Einseitige Hüftschmerzen sind die Regel. Das gleichzeitige Auftreten von Hüftschmerzen auf beiden Seiten ist selten.

Fast immer ist eine Seite mehr betroffen. Es kann aber auch zu beidseitigen oder die Seite wechselnden Beschwerden kommen.

Beidseitige Schmerzen durch:

  • Rheuma
  • Gicht
  • Polyneuropathie (stoffwechselbedingte Nervenerkrankung)
  • Erkrankung der Blutgefäße (pAVK = periphere arterielle Verschlusskrankheit)

Die Ursachen für einseitige Hüftschmerzen sind sehr vielfältig und die richtige Diagnose zu finden ist nicht einfach. Für einen zufriedenstellenden Therapieerfolg ist die Abklärung der Ursachen aber unabdingbar.

Beidseitige Hüftschmerzen haben meist andere Ursachen als einseitige Hüftschmerzen. Als Folge von akuter Überlastung können Hüftschmerzen aber sowohl ein- als auch beidseitig auftreten.

Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder entzündliche Autoimmunerkrankungen wie Rheuma betreffen oft den ganzen Körper und können zu beidseitigen Hüftschmerzen führen.

Hüftschmerzen als Folge eines Unfalls oder eines Traumas (Sturz oder Schlag) treten dagegen fast immer einseitig auf.

Auch die neurologische Verursachung von Hüftschmerzen, etwa durch einen Bandscheibenvorfall (Ischiasschmerz), ist fast immer einseitig.

Ursachen der Hüftschmerzen in Ruhe bzw. im Liegen

Schmerzen in Ruhe bzw. im Liegen durch:

Hüftschmerzen im Liegen oder in Ruhe können verschiedene Ursachen haben. Wenn wir liegen, wirkt die Schwerkraft nur gering auf unseren Körper ein. Die Statik des Beckens und der Hüfte spielt eine untergeordnete Rolle.

Für die Hüftschmerzen im Liegen bestehen daher im Vergleich zu den Schmerzen unter Belastung ganz andere Ursachen. Trotzdem kann die aktuelle Belastung die im Liegen auftretenden Hüftschmerzen ebenfalls beeinflussen.

Fallbeispiel: Knorpelschaden der Hüfte

Auch der Knorpelschaden als Vorstufe der Hüftarthrose kann Ursache für Hüftschmerzen in Ruhe sein. Der klassische Fall ist ein sportlicher Patient, der nach Belastung (z. B. Fußball oder Laufen) am Abend oder 6 Stunden nach der Aktivität Schmerzen mit Einschränkungen beim Gehen verspürt. Die Hüftschmerzen in Ruhe können nach der Aktivität die Nachtruhe stören.

Weiterlesen zu Knorpelschaden des Hüftgelenks

An eine Infektion oder eine Beteiligung der Nerven denkt man vor allem dann, wenn die Hüftschmerzen im Liegen auftreten.

Auch Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule und den Beckenbändern oder aus dem Kreuzdarmbeingelenk sollten beachtet werden. Diese Strukturen werden durch die alltägliche Belastung im Stehen gereizt und machen sich häufig erst nach der Belastung beim Liegen bemerkbar. Auch ein Bandscheibenvorfall mit Beteiligung der Nervenwurzeln kann hier auf diese Weise symptomatisch werden. Jede Erkrankung mit Nerveneinklemmung verursacht häufig beim Liegen oder in der Nacht Beschwerden.

Die Hüftschmerzen im Liegen sind bei Ursache innerhalb des Hüftgelenks immer auf eine Schleimhautentzündung oder eine Knochenerkrankung zurückzuführen.

Auch Stressfrakturen im Hüftgelenk in den letzten Jahren durch übermäßige Belastungssteigerung im Freizeitsport sehen wir in den letzten Jahren häufiger.

Tiefliegende Hüftschmerzen und Leistenschmerzen

Die oft gestellte Diagnose Leistenbruch bei Sportlern ist bei uns weit seltener ursächlich für Leistenschmerzen als häufig beschrieben wird. Nur etwa 2 % der Leistenschmerzen werden durch diese Schwächung der Bauchwand hervorgerufen.

Symptome Leistenschmerz

  • scharfer, stechender Schmerz
  • stumpfer Schmerz
  • Druckgefühl
  • Beule oder Hernie in der Leiste (Vorwölbung der Bauchdecke)

Der Leistenschmerz ist ein häufig beschriebenes Symptom in der Sprechstunde der Gelenk-Klinik. Bei Sportlern ist der Leistenschmerz eine extrem häufige Ursache für Trainings- und Wettkampfausfälle. Statistisch fallen mehr als die Hälfte aller Fußballprofis mehr als einmal in Ihrer Laufbahn wegen Leistenschmerzen aus. Die Anatomie der Leiste ist sehr kompliziert. Die eng benachbart liegenden Strukturen der Leiste sind:

  1. Hüftgelenk mit Knochen, Knorpel, Gelenklippe (Labrum), Bändern, Muskeln, Sehnen und Schleimbeuteln
  2. außerhalb der Hüfte liegende Erkrankungen ohne direkte Organzugehörigkeit:
    Nervenengpässe, Reizungen der Nervenwurzeln
  3. Wirbelsäule und Becken
  4. innere Organe (z. B. Darm, Genitalorgane)

Die vielen möglichen Ursachen der Leistenschmerzen machen es notwendig, zur Diagnosesicherung ein Team an spezialisierten Ärzten einzubeziehen.

Die klare Schmerzzuordnung ist bei Leistenschmerzen erst durch Kenntnis der komplexen Differentialdiagnosen möglich. Diese ist in der akuten Phase der Leistenschmerzen in den ersten 4 Wochen besonders wichtig. Vor allem akute Beschwerden lassen sich noch gezielt diagnostizieren und behandeln.

Bei länger bestehenden Beschwerden, sogenannten chronischen Leistenschmerzen, ist die Therapiechance schlechter. Die Ursachen für chronische Leistenschmerzen sind ebenfalls sehr verschieden.

Gerade im Fußball entstehen die Leistenschmerzen durch Be- und Entschleunigung sowie durch abrupte Richtungswechsel auf teilweise bremsenden Untergründen.

Leistenschmerzen durch muskuläre Dysbalance

Die Schwungbewegung des Schussbeines beim Fußball scheint die Region um Rumpf, Becken und Bein ebenfalls stark zu belasten. Hier wirken die Muskeln und Bänder als statische und dynamische Strukturen auf die Leiste ein. Ein wesentliches Problem für Leistenschmerzen scheint in diesem Zusammenhang die muskuläre Dysbalance zu sein. Die zentrierende und stabilisierende Funktion der Hüft- und Beckenmuskulatur wird dadurch gestört. Einseitige Muskelbelastung ohne entsprechende ausgleichende Muskelkräftigung ist häufig Ursache für Beschwerden.

Die Muskelprobleme entstehen meist an den Ansätzen oder durch Verkürzung der Muskulatur, besonders an den sogenannten Adduktoren der Beininnenseite. Die Stressreaktionen, die bei chronischen Ungleichgewichten entstehen, können durch eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) nachgewiesen werden. Die Bilder zeigen Veränderungen an der sogenannten Symphyse (Verbindungsstelle der Schambeinknochen in der vorderen Beckenmitte) des Schambeins (Ansatz der Adduktoren) oder auch am Sitzbein (Os ischii). Oftmals ist auch der Ansatz der Beinbeugemuskulatur betroffen. An dieser Stelle entstehen häufig Stressfrakturen (überlastungsbedingte Knochenbrüche).

Hüftschmerzen durch Arthrose des HüftgelenksHüftschmerzen als Folge der Hüftarthrose: Bei Hüftarthrose werden Gelenkknorpel abgebaut. Der Gelenkverschleiß verändert auch die Knochen des Hüftgelenks. © Viewmedica

Chronische Hüftschmerzen durch Hüftarthrose

Was schmerzt bei Arthrose?

  • Knochenödeme (Wassereinlagerungen im Knochen)
  • entzündliche Schwellung im Hüftgelenk

Im Frühstadium der Hüftarthrose treten nur morgens Schmerzen auf. Nach ein paar Schritten sind diese meist überwunden und der Patient spürt während des restlichen Tages wenig von der Gelenkerkrankung. Die Schmerzen gelten als erstes und wichtiges Warnzeichen.

Typische Arthrosezeichen

  • Anlaufschmerz am Morgen
  • Hüftschmerzen nach Belastung
  • Leistenschmerz, manchmal auch ausstrahlend
  • Ruheschmerzen z. B. nachts
  • zunehmende Steifheit
  • Schmerzen beim Drehen des Beines um seine eigene Achse
  • Schonhinken

Eine Hüftarthrose führt erst in einem recht späten Stadium des Knorpelabbaus zu Hüftschmerzen. Der Knorpel des Hüftgelenks ist nicht mit Schmerzrezeptoren ausgestattet. Daher ist erst eine Schädigung des Knochens nach Knorpelabbau schmerzhaft.

Auch Schwellungen und entzündliche Aktivierung der Arthrose (z. B. durch rheumatische Arthritis) können zu Hüftschmerzen führen.

Die zunehmende Schädigung des Gelenks aufgrund des Knorpelabbaus führt zur Einsteifung der Hüfte.

Ist bereits ein fortgeschrittenes Stadium der Arthrose für die Hüftschmerzen verantwortlich, kann der Arzt recht eindeutig durch ein Röntgenbild unter Belastung den Abbau der Knorpelschicht im Hüftgelenk feststellen.

Zu Beginn der Hüftarthrose können die Schmerzen noch belastungsabhängig sein.

Im späteren Stadium der Hüftarthrose treten die typischen Anlaufschmerzen morgens oder nach Ruhephasen auf. Erst in einem späten Stadium leiden Patienten unter Ruheschmerzen, die durch Schädigung der Knochen und entzündliche Schwellung auch nachts oder im Liegen die Hüftarthrose anzeigen.

Osteonekrose der Hüfte (Hüftkopfnekrose)

Hier ist Aufmerksamkeit angebracht. Eine Knochennekrose der Hüfte (Osteonekrose, Abbau des Knochengewebes) kann im Frühstadium durch Wassereinlagerung im Oberschenkelknochen zu den eigentlich für eine Verletzung typischen stechenden Schmerzen in der Hüfte beitragen.

Fachartikel zu "Hüftkopfnekrose" im Jameda Patientenforum.

Man kennt diese Schmerzen entweder von einer Verstauchung des Knochens oder einer Fraktur. Wenn die Oberfläche des Knochen bereits geschädigt ist, treten diese Schmerzen auch bei fortgeschrittener Hüftarthrose auf. Gibt der Patient keinen Unfall oder Sturz in der Vergangenheit an, muss man einen krankhaften Prozess im Knochen selbst vermuten. Mithilfe einer MRT-Untersuchung kann dieses Knochenödem (Wassereinlagerung) festgestellt werden. In einem späteren Stadium der Hüftkopfnekrose lassen die Schmerzen durch das Knochenödem von alleine nach. Die Krankheit dauert aber an.

Hüftschmerzen durch Arthrose sind nicht nur ein Problem älterer Patienten: Auch jüngere Patienten können nach Sportverletzungen oder angeborenen Fehlstellungen bereits einen Verschleiß des Hüftgelenks erleiden.

Was tun bei Hüftschmerzen?

Vor allem sollte man sich bei stärkeren, regelmäßig oder dauerhaft auftretenden Schmerzen Klarheit über ihre Ursache verschaffen, indem man einen Spezialisten konsultiert. Abwarten ist nicht zu empfehlen: Dauerschmerzen führen zur chronischen Überreizung der Schmerzfühler. Bestimmte mechanische Schäden durch Abnutzung sind irreparabel.

Bei der Therapie geht es in erster Linie um die Schmerzbekämpfung und Erhaltung des Gelenks. Im Frühstadium der Gelenkbeschwerden können entzündungshemmende Medikamente oder physikalische Therapien (z. B. Wärmetherapie) gute Ergebnisse erzielen. Generell gilt: Je früher die Ursache für die Schmerzen erkannt wird, desto schneller und besser kann sie bekämpft werden.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es bei Hüftschmerzen?

Übersicht Therapieverfahren (die geeignete Methode wird durch die jeweils individuelle Indikation bestimmt):

Konservative Behandlungsmethoden

Operative Behandlungsmethoden

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