Orthopädische Gelenk-Klinik

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Infiltrationen an der Wirbelsäule: Rückenschmerzen lindern, Schmerzursache einkreisen

Infiltration der Wirbelsäule Bei der Infiltration wird eine therapeutische Substanz in die schmerzende Körperregion injiziert. © Elnur, Adobe Stock

Infiltrationen an der Wirbelsäule lassen sich auf zweierlei Arten nutzen: Zum einen lindern sie als therapeutische Infiltration quälende Rückenschmerzen. Als diagnostische Infiltration sind sie ein wertvolles Mittel, um gemeinsam mit der körperlichen Untersuchung und der Bildgebung die schmerzauslösende Quelle besser einzugrenzen.

  1. Was ist eine Infiltration?
  2. Wie läuft eine Infiltration an der Wirbelsäule ab?
  3. Therapeutische Infiltration: Rückenschmerzen lindern
  4. Diagnostische Infiltration: Schmerzursache einkreisen
  5. Infiltrationen - Nebenwirkungen und Komplikationen
  6. Häufige Patientenfragen an PD Dr. David-Christopher Kubosch von der Gelenk-Klinik

Was ist eine Infiltration?

Infiltration eines Facettengelenks Darstellung einer Facetteninfiltration. Das schmerzstillende Medikament wird über die eingeführte Hohlnadel (grün) direkt an die arthrotischen Facettengelenke (rot) gespritzt (grau: Wirbelkörper, gelb: austretende Spinalnerven, rosa: Bandscheiben). © Gelenk-Klinik

In der Medizin bedeutet Infiltrieren das „Eindringen eines festen oder flüssigen Stoffes in Gewebe“. Bewerkstelligt wird dies von den Rückenspezialisten meist mithilfe einer dünnen Hohlnadel, er spritzt dabei entzündungshemmende Substanzen wie langwirksames Kortison, betäubende Wirkstoffe wie Lidocain oder schmerzstillende Medikamente. Damit die Wirkstoffe auch nur dort landen, wo sie hingehören, erfolgt die Injektion oft radiologisch gesteuert.

Die injizierten Substanzen wirken dann direkt vor Ort, z. B. im Wirbelgelenk oder an der Nervenwurzel. Sie betäuben die Schmerzen und reduzieren die Entzündung, sodass je nach Ursache auch eine Heilung ermöglicht wird.

Gerade an der Wirbelsäule gibt es eine Reihe von Situationen, bei denen Rückenexperten die radiologisch gestützte Infiltration gerne nutzen. Unterscheiden kann man dabei die diagnostische Infiltration von der therapeutischen Infiltration bei Erkrankungen. Unter Letztere fällt die Behandlung verschiedenster Formen von Nackenschmerzen und Rückenschmerzen, z. B. verursacht durch

Infiltrieren ist nicht Quaddeln

Spritzt der Arzt einen betäubenden Wirkstoff oberflächlich direkt unter die Haut, spricht man vom „Quaddeln“. Auch diese Technik wird bei Rückenschmerzen angewendet, z.B. bei schmerzhaften Verspannungen im Nacken- oder Schulterbereich oder im Kreuz. Durch das Einspritzen in die Haut soll sich das Betäubungsmittel bis zu den schmerzhaften Triggerpunkten in der Muskulatur ausbreiten und dort den Schmerzreiz blockieren. Zur Behandlung von Rückenschmerzen durch Arthrose, Bandscheibenvorfall oder Spinalkanalstenose eignet sich dieses eher oberflächlich wirksame Verfahren nicht.

Wie läuft eine Infiltration an der Wirbelsäule ab?

Vor der Infiltrationstherapie kreist der Arzt die Lokalisation der Schmerzursache mit dem ausführlichen Patientengespräch (Anamnese) und der gründlichen körperlichen Untersuchung ein. Oft wird auch ein Röntgenbild oder eine CT-Aufnahme von der betroffenen Region angefertigt. Anhand dieser Befunde legt der Arzt die exakte Stelle fest, an der er mit der Hohlnadel einsticht.

Je nach geplanter Einstichstelle wird der Patient gelagert. Bei einem Sakralblock liegt der Betroffene auf dem Bauch, wird die Wirbelsäule weiter oben infiltriert, sitzt der Patient mit vorgebeugtem Oberkörper. Nach Desinfektion der Einstichstelle führt der Arzt die sehr dünne Hohlnadel ein und schiebt sie unter Röntgenkontrolle bis an die betreffende Stelle vor. Meist wird dann durch die Nadel ein Kontrastmittel injiziert, um im Röntgenbild die korrekte Lage der Nadelspitze zu überprüfen. Danach spritzt der Arzt das Medikament oder - wenn nötig - auch ein Medikamentengemisch.

Therapeutische Infiltration: Rückenschmerzen lindern

Infiltrationstherapie der Lendenwirbelsäule Infiltration an der Lendenwirbelsäule bei LWS-Syndrom im Röntgenbild. Zu sehen sind zwei Nadeln (Pfeile) am 4. und 5. Lendenwirbel, durch die das schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamentengemisch direkt an die betroffenen Wirbel gespritzt wird. © Gelenk-Klinik

Die therapeutische Infiltration dient dazu, die Rückenschmerzen des Patienten zu lindern und seine Lebensqualität zu verbessern. Außerdem reduziert sie die Entzündung, was in manchen Fällen eine Heilung ermöglicht. Durch die Minderung von Schmerzen und Entzündung wird eine begleitende Physiotherapie oft erst ermöglicht. Diese unterstützt den Heilungsverlauf durch einen gezielten Muskelaufbau zusätzlich.

Facetteninfiltration

Zwischen den Wirbeln sitzen kleine Gelenke, die Facettengelenke. Mit zunehmendem Alter können sie verschleißen und Rückenschmerzen verursachen. Man spricht von Facettengelenksarthrose oder Spondylarthrose. Hier kann die gezielte Infiltration Entzündung und Schmerzen lindern. Gespritzt wird meist eine Mischung aus entzündungshemmendem Kortison und lokalem Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum). Ob die Nadel richtig sitzt, kontrolliert der Arzt meist mithilfe eines Röntgenbildwandlers. In manchen Häusern wird stattdessen auch sonographiert oder eine Computertomografie durchgeführt.

Periradikuläre Infiltration

Bei diesem Verfahren spritzt der Arzt das Medikament in den Bereich der Wirbelsäule, wo die Nervenfasern in das Rückenmark ein- und austreten (Nervenwurzel). Dadurch lassen sich Nervenschmerzen lindern, die durch Druck auf die Wurzel eines Spinalnervs ausgelöst werden. Typische Ursachen sind ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung. In manchen Fällen lässt sich durch die periradikuläre Infiltration eine Operation vermeiden, zumindest aber die Zeit bis zum chirurgischen Eingriff möglichst schmerzfrei überbrücken.

Epidurale Infiltration

Dieses Verfahren wird angewendet, um starke Schmerzen beim Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose zu lindern. Injiziert wird meist ein Gemisch aus Kortison, Lokalanästhetikum und Kochsalz, und zwar in den Epiduralraum. Dies ist der Spalt zwischen dem äußeren Blatt der harten Hirnhaut und dem von der Knochenhaut ausgekleideten Wirbelkanal.

Sakrale epidurale Überflutung

Besonders gut geeignet zur Behandlung von Bandscheibenproblemen im unteren Wirbelsäulenbereich oder Spinalkanalstenosen ist die sakrale epidurale Überflutung. Dabei spritzt der Chirurg eine größere Menge Medikamentengemisch (Schmerzmittel, Kochsalz) über den Steißbeinkanal in den Epiduralraum. Die gespritzten Mittel erreichen auf diese Weise mehrere Nervenwurzeln. Sie lindern die Entzündung und können auch den verengten Spinalkanal etwas weiten.

Infiltration der Iliosakralgelenke (ISG-Block)

Blockaden oder Entzündungen im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk) kann man ebenfalls mit einer Infiltration lindern. Gespritzt wird ein lokales Betäubungsmittel, evtl. auch als Gemisch mit einem Entzündungshemmer (Kortison), entweder in den betroffenen Gelenkspalt oder in den umgebenden Bandapparat.

Infiltrationstherapie der Iliosakralgelenke Infiltration bei einem Patienten mit Schmerzen im Iliosakralgelenk (ISG-Syndrom). Zu sehen sind in diesem Röntgenbild drei Hohlnadeln (blaue Pfeile), deren Spitzen am Kreuzdarmbeingelenk enden. Durch sie lassen sich schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente direkt an das ISG-Gelenk spritzen. © Gelenk-Klinik

Diagnostische Infiltration: Schmerzursachen einkreisen

Nicht immer ist bei Rückenschmerzen klar, wo diese herkommen. In solchen Fällen hilft die diagnostische Infiltration weiter. Dabei spritzt der Arzt unter radiologischer Kontrolle ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum wie Lidocain) an die verdächtige Struktur, z. B. an ein Facettengelenk oder in den Kreuzbeinkanal. Verschwinden die Schmerzen nach ein bis zwei Stunden durch die Betäubung, ist die Schmerzquelle gefunden. Das gilt natürlich nur, wenn parallel keinerlei weitere begleitende therapeutische Schritte unternommen wurden.

Ein solches Lokalisieren der Ursache ist am ehesten vergleichbar mit dem Testen von Stromquellen, in dem man sukzessive einzelne Sicherungen abschaltet, und damit letzten Endes herauszufinden kann, welche Stromquelle an welcher Sicherung hängt.

Infiltrationen – Nebenwirkungen und Komplikationen

Vorteil der Infiltrationstherapie ist die Möglichkeit, eine Substanz zielgenau an den Ort zu verbringen, wo sie wirken soll. Dadurch kommt man im Vergleich zu einer Therapie mit Tabletten (z. B. Entzündungshemmern oder Kortison) mit viel geringeren Medikamentenmengen aus. Durch die Wirkung direkt vor Ort bessern sich die Beschwerden auch meist schneller.

Nachteil des Verfahrens ist die Injektion selbst. Je nach Schmerzempfindlichkeit wird der Einstich kaum oder als schmerzhaft empfunden. Ansonsten gilt die Infiltrationstherapie als sicher und gut verträglich. Manchmal kommt es vorübergehend zu einem beschleunigten Herzschlag, Schwindel, Gesichtsrötung und Hitzegefühlen. Schwerere Komplikationen wie die im Folgenden genannten kommen selten vor.

  • Infektionen:
    Wie bei jeder Injektion kann es auch bei der Infiltration zu einer Infektion kommen. Um dies zu vermeiden, wird die Haut vorher ausgiebig desinfiziert und unter sterilen Bedingungen gearbeitet.
  • Übertritt des Medikaments in die Blutbahn:
    Trifft der Arzt ein Blutgefäß und bemerkt dies nicht, können die Substanzen in den Kreislauf gelangen. Dann folgen allgemeine Reaktionen wie ein Blutdruckabfall, Kopfschmerzen oder Herzrhythmusstörungen. Sehr selten kann es zu schweren Krampfanfällen kommen. Um diese Komplikation zu vermeiden, wendet der Arzt eine spezielle Technik an: Liegt die Nadel am gewünschten Ort, zieht er den Spritzenstempel etwas zurück. Gelangt kein Blut in die Spritze, ist alles in Ordnung. Gelangt beim Zurückziehen des Stempel Blut in die Spritze, bricht der Arzt den Vorgang ab.
  • Hämatom:
    Manchmal werden bei der Infiltration Blutgefäße verletzt und es kommt zu einem Bluterguss (Hämatom). In der Regel bilden sich diese nach zwei bis drei Wochen zurück. Nur wenn sie sehr groß werden, muss man sie chirurgisch entfernen.
  • Verletzung von Nerven oder Rückenmark:
    Weitere sehr seltene Komplikation der Infiltrationstherapie ist die Verletzung der anvisierten Strukturen. Dies kommt bei erfahrenen Ärzten und unter Bildkontrolle jedoch fast nie vor. Die Folgen solcher Verletzungen können von Missempfindungen bis zur Lähmung reichen.
  • Anaphylaktischer Schock:
    Wird eine Substanz gespritzt, auf die der Patient allergisch ist, kann es zu einer allergischen Reaktion mit Juckreiz und Übelkeit bis hin zum Schock kommen. Diesen schweren Nebenwirkungen beugt man durch die gründliche Erhebung der Krankengeschichte vor.

Häufige Patientenfragen zur Infiltration an der Wirbelsäule an PD Dr. David-Christopher Kubosch von der Gelenk-Klinik

Wie schmerzhaft ist eine Infiltration?

Die für die Infiltration verwendete Hohlnadel ist sehr dünn. Bei korrekter Technik verursacht eine Facetteninfiltration meist nicht mehr Schmerzen als eine Blutabnahme. Manche Menschen sind allerdings besonders empfindlich. Auch die epidurale Infiltration ist nicht schmerzfrei, wird aber meist gut toleriert.

Wie schnell wirkt die Infiltrationstherapie?

Wird ein betäubendes Mittel gespritzt, setzt die Wirkung meist sehr schnell ein (darauf beruht auch die diagnostische Infiltration). Diese schmerzlindernde Wirkung lässt durch den Abbau des betäubenden Medikaments nach einigen Stunden allerdings wieder nach. Bis das gespritzte Kortison seine entzündungshemmende Wirkung entfaltet, dauert es meist etwas länger. Ein bis zwei Tage nach einer Facetteninfiltration kommt es oft vorübergehend wieder zu anhaltenden Rückenschmerzen.

Wie lange wirkt die Infiltrationstherapie und wie häufig kann man sie wiederholen?

Je nach Lokalisation und Schmerzintensität wirkt eine Infiltrationstherapie unterschiedlich lange. Bei einer Facetteninfiltration kann man beispielsweise mit einer Wirkdauer von einigen Wochen rechnen. Für einen langfristigen Erfolg sind oft mehrere Sitzungen nötig. Wird Kortison gespritzt, sollten die Infiltrationen nicht zu häufig erfolgen, da Kortison sonst die Strukturen schädigen könnte. Die Empfehlungen zur Häufigkeit variieren. Manche Experten empfehlen, pro Gelenk nicht mehr als drei Infiltrationen in einem halben Jahr vorzunehmen, manche empfehlen nicht mehr als drei Spritzen pro Jahr.

Muss man nach einer Infiltrationstherapie krankgeschrieben werden?

Eine Krankschreibung ist nach einer Infiltrationstherapie nur in Ausnahmefällen erforderlich, z.B. wenn man direkt danach Auto fahren oder Maschinen bedienen müsste. Auch schwere körperliche Tätigkeiten am Folgetag sollten vermieden werden, was in manchen Fällen ebenfalls eine Krankschreibung nötig macht.

Wird die Infiltrationstherapie von der Krankenkasse bezahlt?

Ob die Infiltrationstherapie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird, hängt von verschiedenen Bedingungen ab. Für eine Facetteninfiltration oder eine periradikuläre Infiltration zur Schmerzbehandlung benötigt der Patient z.B. eine Überweisung von einem Arzt mit Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“. Auch diagnostische Infiltrationen gehören in der Regel zum Leistungskatalog der Kassen. Im Zweifel sollte man die Kostenerstattung vorher bei der Krankenkasse klären.

Was muss man nach einer Infiltration beachten?

Sind Blutdruck, Sauerstoffsättigung und das Befinden des Patienten in Ordnung, kann dieser die Klinik etwa eine halbe nach der Behandlung verlassen. Ein Fahrzeug lenken ist allerdings tabu, weil durch die Injektion die Fahrtüchtigkeit einige Stunden lang eingeschränkt ist. Duschen, Baden sowie Sauna- und Schwimmbadbesuche sollten am Behandlungstag vermieden werden, um keine Infektion an der Einstichstelle zu riskieren. Schwere körperliche Tätigkeiten wie auch schweres Heben oder Tragen sind sowohl am Behandlungstag als auch am Tag danach tabu, je nach Befinden schont man sich auch ein paar Tage.

Literatur
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