Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
Alte Bundesstr. 58
79194 Gundelfingen
Tel: (0761) 791170
Mail: patienten@gelenk-klinik.de

Orthopaedische Spezialisten für Hüfte, Hüftschmerzen, Hüftarthrose

Hüftdysplasie: Ursachen, Spätfolgen, Behandlung

  1. Was ist eine Hüftdysplasie?
  2. Symptome und Anzeichen der Hüftdysplasie
  3. Ursachen und Entstehung der Hüftdysplasie
  4. Diagnostik: Wie untersucht der Arzt eine Hüftdysplasie?
  5. Therapie der Hüftdysplasie
  6. Häufige Patientenfragen zur Hüftdysplasie an Dr. Martin Rinio von der Gelenk-Klinik
Röntgenbild eines 18 Monate alten Kindes mit Hüftluxation links Das Röntgenbild zeigt eine Hüftluxation links mit verkleinertem Hüftkopfkern bei einem 18 Monate alten Kind. Rechts ist das Hüftgelenk normal ausgebildet. © Gelenk-Klinik

Der Begriff Hüftdysplasie umfasst sowohl Fehlstellungen des Hüftgelenks als auch Störungen der Verknöcherung in früher Kindheit. Der Großteil aller Hüftdysplasien in Deutschland ist angeboren und tritt bei etwa 3 von 100 Säuglingen auf. Die Hüftdysplasie gehört damit zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Skelettsystems bei Neugeborenen.

Unbehandelt bleibt eine Hüftdysplasie lange Zeit schmerzfrei, kann aber ab dem jungen Erwachsenenalter gravierende Spätfolgen haben: Schmerzen im Leistenbereich, vorzeitige Abnutzung des Hüftgelenks (Coxarthrose), Ausrenkung des Hüftkopfes aus der Gelenkpfanne bis hin zu schweren Gehbehinderungen. Schätzungsweise 10 Prozent der heute eingesetzten künstlichen Hüftgelenke und die Hälfte aller diagnostizierten Coxarthrosen gehen auf eine nicht behandelte Hüftdysplasie in der Kindheit zurück.

Diese Zahlen machen die große Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Behandlung nach Diagnosestellung durch den Facharzt deutlich. Bei Therapiebeginn im Säuglingsalter ‒ also vor einer nennenswerten Verknöcherung des Hüftgelenkes ‒ besteht eine fast 100-prozentige Heilungschance ohne jede Form von Spätfolgen.

Bei erwachsenen Patienten besteht die oberste Zielsetzung des orthopädischen Spezialisten darin, ein annähernd normales Gangbild und möglichst vollständige Schmerzfreiheit zu erreichen. Eine gründliche Diagnostik ist die Grundlage für die anschließende Therapie, die exakt auf die anatomischen Besonderheiten der Patienten abgestimmt wird.

Anatomie des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk ist nach dem Knie das zweitgrößte Gelenk im menschlichen Körper und gehört wie das Schultergelenk zu den Kugelgelenken. Es verbindet den Oberschenkel (Femur) mit dem Becken (Pelvis) und ermöglicht mit der Kombination aus hoher Stabilität und maximaler Beweglichkeit in drei Dimensionen den aufrechten Gang.

Zwei knöcherne Strukturen bilden das Hüftgelenk: Das proximale, kugelförmige Ende des Oberschenkelknochens (Caput femoris) und die umschließende Hüftpfanne (Acetabulum). Die Gelenkpfanne überdacht etwas mehr als die Hälfte des Oberschenkelkopfes. Dies garantiert einen großen Bewegungsradius, aber auch die Gefahr, dass unter Belastung das Hüftgelenk relativ leicht luxiert (ausrenkt).

Drei Knochen bilden das Acetabulum: Darmbein (Os ilium), Sitzbein (Os ischii) und Schambein (Os pubis). Der innere Rand der Hüftpfanne wird durch einen festen Faserknorpel (Labrum acetabuli) abgeschlossen.

Darstellung des Hüftgelenkes mit Hüftpfanne und Oberschenkelkopf, die von einer gemeinsamen Gelenkkapsel umgeben sind. Das Hüftgelenk ist durch den aufrechten Gang großen Belastungen beim Stehen, Gehen und Laufen ausgesetzt. Die beiden knöchernen Gelenkpartner sind die Hüftpfanne (Acetabulum) und der Oberschenkelkopf (Caput femoris). Beide sind von einer Knorpelschicht (blau) überzogen. Bewegungen des Gelenkes finden aus diesem Grund reibungs- und schmerzfrei statt. Eine gemeinsame Gelenkkapsel umhüllt Hüftpfanne und Oberschenkelkopf und stabilisiert das Gelenk. © Gelenk-Klinik Am Hüftpfannenrand entspringt die Gelenkkapsel, die das Hüftgelenk fast komplett umschließt. Zusammen mit drei robusten Bändern stabilisiert sie das Hüftgelenk, das im Laufe des Lebens großen Belastungen ausgesetzt wird. Stehen, Gehen, Laufen und Springen sind ohne ein optimal zentriertes und ausgerichtetes Hüftgelenk kaum möglich.

Was ist eine Hüftdysplasie?

Bei einer Hüftgelenksdysplasie ist die Gelenkpfanne (Acetabulum) fehlgebildet. Sie überdacht den kugeligen Oberschenkelkopf nur unzureichend und der Oberschenkel ist nicht fest und zentriert im Gelenk verankert. Unter Belastung droht der Oberschenkel teilweise oder vollständig aus dem Gelenk zu “springen” (luxieren).

Was ist der Unterschied zwischen einer Hüftdysplasie und einer Reifungsverzögerung?

Einige Säuglinge weisen bei der Geburt ein von der Normalform abweichendes Hüftgelenk auf. In den meisten Fällen erreicht es allerdings mit der Zeit die Normalform, indem es nachreift. Aus diesem Grund verwenden Experten in diesen Fällen statt dem Begriff “kindliche Hüftdysplasie” eher die Bezeichnung “Reifungsverzögerung”.

Sind bereits beim Neugeborenen konkrete Fehlstellungen vorhanden, spricht man von einer angeborenen (kongenitalen oder primären) Hüftdysplasie. Es können ein oder beide Hüftgelenke betroffen sein. In vielen Fällen ist ausschließlich die linke Hüfte krankhaft verändert.

Entwickelt sich aus einem anfangs normal ausgebildeten Hüftgelenk durch Sturz oder Unfall mit traumatischer Verletzung der Hüfte eine Hüftfehlstellung, bezeichnet man diesen Zustand als erworbene oder sekundäre Hüftdysplasie.

Hüftdysplasie beim Baby

Die angeborene Hüftdysplasie stellt die häufigste skeletale Fehlbildung bei Neugeborenen dar. Die Gelenkpfanne umfasst den Oberschenkelknochen nicht in ausreichendem Maß, sodass man diese Fehlbildung auch als Überdachungsstörung des Hüftkopfes bezeichnet.

Hüftreifung erst nach der Geburt

Viele Strukturen des Säuglings sind zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vollständig ausgereift und bestehen teilweise aus weichem Knorpelgewebe ‒ so auch das Hüftgelenk. Erst nach der Geburt beginnt die Verknöcherung (Ossifikation) der beiden Gelenkpartner im Hüftgelenk.

Dabei können Anteile der Hüftgelenkspfanne auf einer Körperseite in ihrem Reifegrad hinter der anderen Seite zurückliegen. Sie ist zu kurz oder zu steil ausgebildet, um das obere Ende des Femurs ausreichend zu umfassen. Hier beginnt die eigentliche Hüftdysplasie. Gleichzeitig kann sich der Kopf des Oberschenkels entweder noch zentriert im Gelenk oder bereits teilweise oder vollständig außerhalb der Gelenkachse befinden (Hüftsubluxation bzw. Hüftluxation).

Wichtige Vorsorgeuntersuchung U3: Ultraschall der Hüfte

Fehlbildungen der Hüfte zeigen sich dem Kinderarzt in der dritten Vorsorgeuntersuchung für Kinder, der U3. Die U3 wird regulär zwischen der 3. und 8. Lebenswoche durchgeführt. In den meisten Fällen ist es das erste Mal, dass Eltern und Kind den Kinderarzt in der Praxis aufsuchen, da die ersten beiden Früherkennungsuntersuchungen noch in der Klinik stattfinden. Die Kosten für alle U-Untersuchungen übernehmen die Krankenkassen.

Sind in der Familie Hüftdysplasien oder andere Fehlbildungen der Hüfte bekannt, empfehlen Kinderärzte eine sonografische Untersuchung des Säuglings bereits in den ersten zwei Lebenswochen. Denn je früher eine Dysplasie erkannt wird, desto schneller und erfolgreicher kann sie behandelt werden vor dem Hintergrund des exponentiellen Wachstums der kindlichen Hüfte.

Neben der ersten Impfung entsprechend den Empfehlungen der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts, verschiedenen Reflextesten und einer Prüfung des Allgemeinzustandes untersucht der Kinderarzt beide Hüften des Säuglings mithilfe des Ultraschallgerätes. Dabei handelt es sich um eine schmerz- und strahlungsfreie Untersuchungsmethode, die keinerlei Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Kindes hat.

Je früher eventuelle Fehlstellungen des Hüftgelenkes vom Arzt erkannt werden, desto eher kann die nichtoperative Behandlung beginnen. Dazu zählen:

  • breites Wickeln mit Einlage eines Handtuchs
  • doppeltes Wickeln, zuerst mit einer passenden, darüber mit einer größeren Windel
  • Tragen einer Spreizwindel

Eine frühzeitige Therapie hat sehr gute Aussichten auf Erfolg und vermeidet gravierende Spätfolgen im Erwachsenenalter.

Welche Schweregrade einer Hüftdysplasie gibt es?

Der Arzt unterscheidet bei einer angeborenen Hüftdysplasie drei Schweregrade:

Hüftreifeverzögerung:

Schematische Darstellung einer Hüftreifeverzögerung Bei einer Hüftreifeverzögerung überdacht die Hüftpfanne bei der Geburt auf einer Körperseite den Kopf des Oberschenkelkopfes nur unvollständig. In den meisten Fällen reift die reifeverzögerte Hüfte in den ersten Lebenswochen ohne Spätfolgen nach. Breites Wickeln oder das Anlegen einer Spreizwindel unterstützen dabei die regelgerechte Verknöcherung des Hüftgelenkes. © Gelenk-Klinik

Das “Dach” des Hüftgelenkes, die Gelenkpfanne, reift verglichen mit der gesunden Hüfte des Kindes zeitlich verzögert. Der Kopf des Oberschenkels liegt zwar zentral im Gelenk, ist aber von der unterentwickelten Hüftpfanne nicht ausreichend überdacht. In vielen Fällen reift der Knochen von alleine in den ersten Lebenswochen nach. Breites Wickeln beispielsweise unterstützt dabei die normale Hüftentwicklung des Kindes.

Unvollständige Hüftverrenkung oder Hüftsubluxation (eigentliche Hüftdysplasie):

Schematische Darstellung einer unvollständigen Hüftverrenkung oder Hüftsubluxation Der Oberschenkelkopf liegt noch im Hüftgelenk, behindert aber durch seine nicht mehr zentrierte Lage, dass das Acetabulum in korrekter Position verknöchert. Bei der Hüftsubluxation besteht die Gefahr vorzeitiger Abnutzung von Knorpel- und Knochenstrukturen im Gelenk, die sich bereits im Jugendalter mit Schmerzen bemerkbar machen kann. © Gelenk-Klinik

Noch sitzt der Oberschenkelkopf innerhalb des Hüftgelenkes, aber er behindert durch seine verschobene Lage eine regelgerechte Ausreifung der Gelenkpfanne. Wenn das Hüftgelenk in dieser Fehlstellung verknöchert, besteht die Gefahr einer frühzeitigen Abnutzung von Knochen und Knorpel. Mit der Ultraschall-Untersuchung bestimmt der Arzt den Schweregrad der Hüftdysplasie und leitet eine stadiengerechte Therapie ein.

Vollständige Hüftverrenkung oder Hüftluxation:

Schematische Darstellung einer vollständigen Hüftverrenkung oder Hüftluxation Sehr selten liegt bei Neugeborenen eine Hüftluxation vor: Der Oberschenkelkopf liegt nicht mehr zentral im Gelenk und ist über die zu kurze Gelenkpfanne nach oben weggerutscht. Das betroffene Hüftgelenk ist instabil und muss vom Arzt zurück in die normale Stellung gebracht werden (Reposition). Anschließend wird das Gelenk ruhig gestellt, damit es in korrekter Position nachreifen kann. © Gelenk-Klinik

In seltenen Fällen kann bereits bei Neugeborenen eine solche Fehlstellung vorliegen. Der Gelenkkopf liegt kaum oder nicht mehr innerhalb des Gelenkes. Das gesamte Hüftgelenk ist auf der betroffenen Seite instabil, da der Oberschenkelkopf nach oben über die zu kurze Gelenkpfanne rutscht. Oft ist bereits die Abspreizbewegung in der Hüfte eingeschränkt und der Arzt kann durch manuellen Druck ein Ein-Ausrenk-Phänomen im Gelenk feststellen (Ortolani-Zeichen).

Wird die Hüftdysplasie bei Kleinkindern nicht oder nicht konsequent genug behandelt, äußert sich das im Erwachsenenalter häufig durch vorzeitigen Verschleiß des Hüftgelenks und starke Bewegungseinschränkungen.

Hüftdysplasie bei Erwachsenen

In der Regel handelt es sich bei der Hüftdysplasie um ein angeborenes Krankheitsbild. Es gibt zwei mögliche Gründe, warum erwachsene Patienten unter den Spätfolgen einer Hüftdysplasie leiden:

  • Eine angeborene Erkrankung im Kindesalter wurde nicht erkannt oder nicht ausreichend behandelt. In diesen Fällen spricht der Mediziner von einer sogenannten Restdysplasie im Erwachsenenalter.
  • Es existieren Auslöser für die Entstehung einer sekundären Hüftdysplasie in späteren Jahren. Hierzu zählen zum Beispiel Unfälle und Stürze mit hoher Aufprallgeschwindigkeit.

Die routinemäßige Durchführung eines Hüftscreenings mittels Ultraschall im Säuglingsalter hat zu einer deutlichen Verringerung der Hüftdysplasien geführt. Da die entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen nicht in jedem Land der Welt angeboten werden, gibt es regelmäßig Erwachsene, die mit einer Fehlstellungen im Hüftgelenk eine orthopädische Praxis aufsuchen.

Häufigkeit der Hüftdysplasie

Die angeborene Hüftgelenksdysplasie zählt mit einer Häufigkeit von 1,5 bis 3,5 Prozent unter Neugeborenen zu den häufigsten Skelettfehlentwicklungen in Mitteleuropa. Sehr viel seltener tritt eine vollständige Hüftluxation bei Neugeborenen auf: Ihr Anteil liegt zwischen 0,2 bis 1 Prozent aller Geburten.

Dysplasien lassen sich zu etwa 60 Prozent am linken Hüftgelenk nachweisen, zu 20 Prozent sind entweder das rechte Gelenk oder beide Hüften betroffen.

Mädchen sind deutlich häufiger von einer Hüftdysplasie betroffen als Jungen: Studien zufolge leiden weibliche Säuglinge doppelt bis 6-mal so häufig an einer Hüftdysplasie wie Jungen, abhängig von Art und Schwere der Fehlbildung.

Symptome und Anzeichen der Hüftdysplasie

Symptome einer Hüftdysplasie beim Säugling:

  • oft symptomlos, aber meist sichtbare Veränderungen
  • ungleiche Gesäßfalten
  • unterschiedliche Beinlängen
  • Schonung eines Beines mit eingeschränktem Abspreizen
  • positive Ortolani-Zeichen (Ein-Ausrenk-Phänomen)
  • ab Laufalter evtl. Einsinken auf erkrankter Seite und Leistenschmerzen

In den meisten Fällen verlaufen eine Reifeverzögerung und eine stabile Hüftdysplasie bei Neugeborenen beschwerde- und schmerzfrei. Beide sind vor allem im Ultraschallbild zu erkennen.

Bei instabilen Hüftdysplasien und Luxationen sind für den untersuchenden Arzt und die Eltern oft Veränderungen in der Beweglichkeit der Beine oder beim Abspreizen sichtbar.

Auch asymmetrische Gesäßfalten, unterschiedliche Beinlängen und positive Ortolani-Zeichen sind mögliche Anzeichen. Bei vielen Säuglingen bildet sich eine Hüftreifestörung mit Unterstützung durch breites Wickeln wieder zurück. Dagegen muss jede Art von Hüftdysplasie ärztlich behandelt werden.

Bei einer unbehandelten Hüftdysplasie bis ins Laufalter hinein ist die Fehlstellung bereits zum Teil verknöchert und verursacht oft Schmerzen im Bereich der Hüfte und Leisten. Eventuell verändert sich bereits jetzt das Gangbild des Kindes und man kann ein einseitiges Einsinken auf der kranken Körperseite beobachten.

Erwachsene leiden unter den Spätfolgen einer Hüftdysplasie

Symptome einer Hüftdysplasie bei Erwachsenen:

  • belastungsabhängige, stechende Schmerzen in der Leistengegend
  • seitliche Schmerzen an der Hüfte
  • Stehen und Gehen schmerzen bereits nach kurzer Zeit
  • Gangstörungen (Hinken, schlurfender Gang)
  • Schmerzen in Rücken, Knie oder Sprunggelenk
Frau mit Schmerzen beim Laufen aufgrund einer Hüftdysplasie Erwachsene leiden unter den Spätfolgen einer Hüftdysplasie, die im Kindesalter nicht erkannt oder ausreichend behandelt wurde. Betroffene spüren belastungsabhängige Schmerzen in Hüft- und Leistengegend. © Dan Race, Adobe Stock

Typische Beschwerden, die mit den jahrelangen Fehlbelastungen und Abnutzungserscheinungen an Knorpel- und Knochenschichten zusammenhängen, sind bei Erwachsenen starke Schmerzen in der Leisten- und Hüftregion. Diese Schmerzen sind belastungsabhängig und bessern sich in Ruhezeiten.

Betroffene spüren eine Instabilität im Hüftgelenk, sodass zum Beispiel ihr Bein beim Absteigen vom Fahrrad unvermittelt wegknickt. Manche Patienten berichten über eine Art Blockade, die sie in ihren Bewegungen einschränkt und behindert.

Bei erwachsenen Patienten hat sich das Gangbild über die Jahre hinweg oft sichtbar verändert, indem sich ein Hinken oder das Nachziehen eines Beines manifestiert haben.

Zusätzlich können diese Fehlbelastungen im Achsskelett weitreichende Auswirkungen auf Wirbelsäule, Knie- und Sprunggelenke haben und sind für viele Schmerzbeschwerden verantwortlich. Bei schweren Formen einer Hüftdysplasie besteht die Gefahr einer Hüftarthrose (Coxarthrose) mit der Notwendigkeit für den Einsatz eines künstlichen Gelenkes (Hüftendoprothese).

Folgeschäden der Hüftdysplasie bei Erwachsenen

Erfahrungsgemäß sehr früh, ab einem Alter von etwa 25 Jahren, muss bei Restdysplasien mit ersten arthrotischen Veränderungen gerechnet werden, die mit bewegungsabhängigen Schmerzen verbunden sind.

Wie kann eine Hüftdysplasie zu Arthrose führen?

Eine unbehandelte Hüftdysplasie ist bereits bei Jugendlichen verantwortlich für Schmerzen im Leisten- und Hüftbereich. Der Grund liegt in einer statischen Überlastung des instabilen, fehlgebildeten Hüftgelenks durch das Gewicht des Oberkörpers. Der Rand des Acetabulums wird beschädigt und die Knorpelschicht im Gelenk abgerieben.

In schweren Fällen benötigen die Patienten bereits mit 40 Jahren aus diesem Grund ein künstliches Hüftgelenk.

Hüftarthrose (Coxarthrose, rechtes Bild) im Vergleich zu einem nicht arthrotischen Hüftgelenk (links) im Röntgenbild Links: Röntgenaufnahme eines gesunden Hüftgelenks eines Erwachsenen. Der Pfeil markiert den Gelenkspalt zwischen Pfannendach (Acetabulum) und Oberschenkelkopf (Caput femoris). Rechts: Das Röntgenbild zeigt ein arthrotisch verändertes Hüftgelenk mit unregelmäßigen Aufhellungen im Gelenk, die degenerative Veränderungen darstellen. © Gelenk-Klinik

Wodurch kommt es infolge einer Hüftdysplasie zu Knieschmerzen?

Das Hüftgelenk kompensiert viele Jahre eine Gelenkfehlstellung und schmerzt lange Zeit nicht. Eventuell ist die Beweglichkeit der Betroffenen etwas eingeschränkt und das Binden der Schnürsenkel fällt jedes Jahr ein bisschen schwerer. Es können sich aber unspezifische Schmerzen in Knie oder Sprunggelenk zeigen, die keine konkrete Ursache haben und durch Druck oft nicht provoziert werden können. Der genaue Zusammenhang zwischen Hüftdysplasie und Schmerzen in anderen Gelenken ist bis jetzt noch nicht geklärt.

Wie entstehen Rückenschmerzen oder Skoliose durch eine Hüftdysplasie?

Auch für Fachärzte ist die Differentialdiagnostik der verschiedenen Folgeerkrankungen einer kindlichen Hüftdysplasie nicht immer einfach. Möglicherweise entstand durch einen Unterschied in der Beinlänge ein Beckenschiefstand, was erhebliche Effekte auf die Statik des gesamten Körpers hat.

Darstellung eines Beckenschiefstandes und der damit verbundenen Skoliose der Wirbelsäule im Vergleich zum Normalzustand Links: Beckenschiefstand und die sich daraus ergebende skoliotische Stellung der Wirbelsäule. Der Beckenschiefstand kann seine Ursache in einer angeborenen Hüftdysplasie haben. © Koterka Studio, Adobe Stock

Um diese Asymmetrie auszugleichen, nimmt die Wirbelsäule eine skoliotische Haltung ein. Langfristig können sich Rückenschmerzen, Kopf- und Nackenschmerzen sowie in den unteren Extremitäten Fußschmerzen, Fersenschmerzen und Sprunggelenksprobleme ergeben.

Ursachen und Entstehung der Hüftdysplasie

Bei der Entwicklung einer instabilen, dysplastischen Hüfte spielen genetische, mechanische, hormonelle Faktoren sowie Umwelteinflüsse eine Rolle. Die Hüftdysplasie gehört damit zu den multifaktoriell verursachten Erkrankungen.

Risikofaktoren für eine Hüftdysplasie vor der Geburt: Raummangel im Mutterleib

Risikofaktoren für eine angeborene Hüftdysplasie:

  • Platzmangel im Uterus
  • Steißlage im Mutterleib
  • weibliches Geschlecht des Säuglings
  • familiäre Vorbelastung
  • zusätzliche neurologische oder muskuläre Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Chromosomenanomalien
  • falsches Tragen des Säuglings: Beine in Streckstellung
  • häufige Bauchlage des Babys

Durch das Strampeln des Fötus im Mutterleib wird das Hüftgelenk in Beugehaltung gebracht und es formen sich schon zu einem frühen Zeitpunkt die Gelenkpartner der Hüfte. Ist die Bewegungsfreiheit des Fötus eingeschränkt, kann beispielsweise der Oberschenkelkopf über längere Zeit gegen den Pfannenrand gedrückt werden und dessen Verknöcherung behindern.

Folgende Faktoren führen zu räumlicher Enge im Mutterleib:

  • hohes Geburtsgewicht des Säuglings
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • sehr straffe Bauchmuskulatur der Mutter, häufig bei Erstgebärenden und Sportlerinnen
  • geringe Fruchtwassermenge

Steißlage des Fötus im Uterus

Eine erhöhte Erkrankungsrate an Hüftdysplasien wird bei Babys beobachtet, die eine Steißlage im Mutterleib einnehmen. Das Ungeborene liegt nicht mit dem Kopf abwärts in der Fruchthöhle, sondern sitzt aufrecht mit dem Gesäß nach unten im Mutterleib. In dieser Orientierung befinden sich die Hüftgelenke in einer beengten Position, die sich nachteilig auf die natürliche Ausreifung auswirken kann.

Mädchen häufiger von Hüftluxation betroffen als Jungen

Weibliche Säuglinge sind etwa 6-mal häufiger von einer Hüftluxation betroffen als Jungen. Die genauen Ursachen hierfür sind noch ungeklärt und Bestandteil vieler Studien.

Familiäre Vorbelastung für Hüftdysplasie

Im Fall einer positiven Familienanamnese liegt das Risiko, dass Eltern ein Kind mit angeborener Hüftdysplasie bekommen, deutlich erhöht zur übrigen Bevölkerung zwischen 10 und 20 Prozent. Der genaue Zusammenhang ist noch ungeklärt. Forscher nehmen an, dass eine Hüftdysplasie durch mehrere Genorte auf der DNA bestimmt wird: Eine Abweichung von der Norm bei einem Gen kann Effekte auf ein weiteres beteiligtes Gen haben. Eltern, die also selbst als Kind an einer Hüftdysplasie litten, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit Hüftdysplasie.

Hüftdysplasie bei Kindern mit Down-Syndrom, Gelenksteife, offenem Rücken und Klumpfüßen

Eine angeborene Hüftdysplasie oder Hüftluxation wird gehäuft bei bestehenden neurologischen, muskulären und genetischen Grunderkrankungen beobachtet, zum Beispiel bei:

Gestreckte Beinstellung in den ersten Lebenswochen hemmt die Hüftentwicklung

In Volksgruppen, bei denen Mütter die Säuglinge in Wickeltüchern tragen, treten fast keine Hüftdysplasien auf. Die Beine der Neugeborenen sind in diesen Tragevorrichtungen leicht abgespreizt (abduziert) und befinden sich in Beugehaltung (Flexion). Diese Beinhaltung scheint die Nachreifung des noch nicht verknöcherten, instabilen Hüftgelenkes zu stimulieren.

Mutter trägt ihr Baby in einem Tragetuch vor dem Bauch. In einem Tragetuch nehmen die Beine des Babys eine abgespreizte und leicht gebeugte Haltung ein, die sich positiv auf die Hüftreifung nach der Geburt auswirkt. © Newman Studio, Adobe Stock

Eine überwiegende Streckstellung der Beine führt mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer Hüftdysplasie mit unvollständiger Überdachung des Hüftkopfes. Dies betrifft insbesondere indigene Völker in nordischen Regionen, bei denen Säuglinge traditionell auf dem Rücken in gestreckter, fixierter Haltung auf einem Wickelbrett getragen werden.

Strampeln ist wichtig für die Entwicklung des Hüftgelenks

Studien zufolge scheint eine häufige Bauchlagerung bei Säuglingen ebenfalls einen negativen Effekt auf die regelgerechte Ausreifung des kindlichen Hüftgelenkes zu haben.

Die Bauchlage führt zwar zu einer zügigen Entwicklung der Schultermuskulatur, verhindert aber die natürlichen Strampelbewegungen des Babys. Die Rückenlage fördert Abduktion und Beugung im Hüftgelenk und lässt die Pfannenüberdachung beim Säugling nachreifen und in korrekter Stellung verknöchern.

Hüftdysplasie bei Erwachsenen: Restdysplasie oder sekundäre Ursache

Risikofaktoren für eine Hüftdysplasie bei Erwachsenen:

  • nicht erkannte Hüftdysplasie
  • inkonsequente Behandlung einer erkannten Dysplasie durch die Eltern
  • sekundäre Hüftluxation durch Unfall, Sturz

Die Ultraschalldiagnostik zur Früherkennung einer angeborenen Hüftdysplasie wird in manchen Regionen und Ländern noch nicht flächendeckend und mit ausreichender Erfahrung durchgeführt. Daher suchen durchaus auch Erwachsene mit Schmerzen aufgrund einer Dysplasie den Rat eines Orthopäden.

Zusätzlich erfordert die konservative Behandlung eines Säuglings mit Hüftdysplasie die konsequente Mitarbeit der Eltern: Sie müssen Arzttermine wahrnehmen, täglich eine Hüftbeugeschiene anlegen und die Therapieergebnisse regelmäßig durch den Facharzt kontrollieren lassen. Dabei gilt: Je früher behandelt wird, desto größer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit.

Schleicht sich in die Versorgung eines Säuglings mit Hüftdysplasie Nachlässigkeit ein oder sehen die Eltern die orthopädischen Hilfsmittel eher als Zwang denn als Nutzen, kann es bereits in der Pubertät zu schweren Spätschäden, Schmerzen und Behinderungen in der Beweglichkeit kommen. Man spricht in diesen Fällen von einer sogenannten Restdysplasie, die beim Heranwachsenden verbleibt.

Luxation durch Unfall oder Sturz

Eine Hüftluxation als schwere Dysplasieform können bei Erwachsenen auch Stürze aus großer Höhe oder Auffahrunfälle im Straßenverkehr auslösen. Durch die hohe Aufprallenergie, mit der die Knie auf dem Armaturenbrett auftreffen, werden möglicherweise die Hüftgelenke teilweise oder ganz ausgerenkt.

Diagnostik: Wie untersucht der Arzt eine Hüftdysplasie?

Ein Schwerpunkt der Vorsorgeuntersuchung U3 ist die Erkennung von Hüftdysplasien und -fehlbildungen. Nach einer eingehenden körperlichen Untersuchung, bei der der Kinderarzt auch die Reflexe des Säuglings prüft, führt er die schmerz- und strahlungsfreie Sonografie-Untersuchung durch.

Körperliche Untersuchung des Säuglings bei Hüftdysplasie: Abduktionstest, Gesäßfalten- und Beinlängenprüfung

Der Kinderarzt prüft die Beweglichkeit der kindlichen Hüftgelenke, indem er die Abduktion im Hüftgelenk untersucht. In einem gesunden Hüftgelenk beträgt die mögliche Abspreizung zur Seite etwa 70 Grad. Ein länger bestehendes instabiles, dezentriertes oder luxiertes Gelenk ist um mindestens 10 Grad weniger abspreizbar.

Mutter führt mit ihrem Baby Übungen für die Hüftentwicklung durch. Nach Anleitung durch einen Kinderarzt können Eltern mit ihrem Säugling verschiedene Übungen durchführen, die sich positiv auf eine normale Entwicklung des Hüftgelenks auswirken. Die sogenannte “Froschhaltung”, das heißt Abspreizen der Beine bei gleichzeitig leichter Beugung, fördert die richtige Positionierung des Oberschenkelkopfes im Gelenk und stimuliert die Verknöcherung der Hüftpfanne. © arizanko, Adobe Stock

Eine Asymmetrie der Hautfalten im Gesäßbereich kann ebenso wie ein Beinlängenvergleich den Verdacht auf eine vorliegende Hüftdysplasie beim Kind ergeben. Eventuell führt der Kinderarzt den Ortolani-Test durch: Er bewegt die Oberschenkel des auf dem Rücken liegenden Säuglings senkrecht in Richtung Wirbelsäule und dann nach außen. Lag beim Kind eine Hüftsubluxation vor, gleitet der Oberschenkelkopf mit einem typischen Klickgeräusch in die Hüftpfanne. Das klickende Einrenkgeräusch gilt als positives Ortolani-Zeichen. Der Ortolani-Test darf nur einmal durchgeführt werden, da sonst der knorpelige Pfannenrand Schaden nehmen kann.

Für die exakte Diagnostik einer Hüftdysplasie wird der Arzt im Anschluss eine sonografische Untersuchung der Hüfte anschließen.

Bildgebende Untersuchung bei Hüftdysplasie des Säuglings: Ultraschall

Seit dem Jahr 1996 stellt die Ultraschalldiagnostik der Hüfte den Goldstandard bei der Früherkennung von Fehlbildungen im Hüftgelenk dar. Die genauen Messbedingungen und die Klassifikation der Ergebnisse legte vor über einem Vierteljahrhundert der österreichische Orthopäde Professor Reinhard Graf fest.

Hüft-Ultraschall nach Graf: normierte Früherkennung von angeborenen Hüftdysplasien

Der Hüft-Ultraschall ist in Deutschland die am häufigsten angewendete Screening-Methode bei Kindern. Für die standardisierte Einordnung der Variationen des kindlichen Hüftgelenkes und seiner Fehlstellungen ist es wichtig, dass der Untersucher den Vorgaben entsprechend vorgeht:

  • seitliche Lagerung des Säuglings, oft in einer u-förmigen Lagerungsschiene
  • Positionierung des Schallkopfes auf dem Trochanter major (großer Rollhügel an der Seite des Oberschenkelknochens)
  • korrekte Darstellung des knöchernen Unterrandes des Darmbeins (Erker des Os ilium), des Pfannendaches und des Labrum acetabuli (Hüftgelenkslippe)
  • Einzeichnen der Messlinien entlang der ermittelten Basislinien auf dem Ultraschallbild und Darstellung der relevanten Winkel alpha und beta

Hüft-Ultraschall nach Graf: Ermittlung der Knochen- und Knorpelwinkel

Eine reproduzierbare Ultraschalltechnik ergibt vergleichbare Daten, die sich sowohl zur Typeneinteilung als auch zur Verlaufskontrolle eignen. Die Klassifizierung der kindlichen Hüftfehlbildungen führt der Arzt entsprechend der alpha- und beta-Winkel durch, die sich nach der Ultraschalluntersuchung durch Einzeichnen der Messlinien ergeben haben.

Lage der Winkel  α und β im Ultraschallbild beim Kind Darstellung der Lage des Knochenwinkels α und des Knorpelwinkels β im Ultraschallbild. Bei der sonografischen Vorsorgeuntersuchung bestimmt der Arzt den Hüfttyp des Kindes entsprechend der ermittelten Winkel und leitet evtl. entsprechende therapeutische Maßnahmen ein. © Gelenk-Klinik

Der Knochenwinkel α wird durch die Pfannendachlinie und die Grundlinie im Sonografiebild definiert. Die Schenkel des Knorpelwinkels β bilden die Ausstell- oder Knorpeldachlinie und die Grundlinie.

Einteilung der Hüfttypen: Winkelmessung beschreibt die Reife des Hüftgelenks

Der untersuchende Arzt ermittelt anhand der anatomischen Strukturen mit den individuellen Knorpel- und Knochenwinkeln einen therapeutischen Plan für den Säugling.

Tabelle: Klassifikation der sonografischen Hüfttypen nach Graf Tabelle: Einteilung der sonographischen Hüfttypen nach Graf. © Gelenk-Klinik

Mit den Ergebnissen der Hüftsonografie erhält der Spezialist eine Typisierung des kindlichen Hüftgelenkes und er kann im Anschluss stadiengerecht eine adäquate Therapie beginnen.

Bildgebende Untersuchung einer Hüftdysplasie bei Jugendlichen und Erwachsenen: Röntgen

Zur Abklärung eines Verdachts auf Hüftdysplasie bei jugendlichen oder erwachsenen Patienten fertigt der behandelnde Orthopäde röntgenologische Übersichtsaufnahmen des Beckens an. Er bewertet bei den Röntgenaufnahmen zwei Fragestellungen:

  • Überdacht die Hüftpfanne den Hüftkopf ausreichend?
  • Wie steht der Oberschenkelkopf im Gelenk?

Aus den Ergebnissen entwickelt der Spezialist eine gezielte operative Therapie der Hüftfehlstellung. Als objektive Parameter dienen dem Orthopäden zur Beurteilung verschiedene radiologische Messwerte:

Der CCD-Winkel

Dieser Winkel spiegelt die mechanische Belastbarkeit des Hüftgelenkes wider. Zur Errechnung zieht man eine gedachte Gerade durch den Schenkelhals und eine Gerade durch den Femurschaft. Ihr Schnittpunkt ergibt den CCD-Winkel. Er beträgt bei einer normal ausgereiften Erwachsenenhüfte 125 Grad und nimmt mit dem Lebensalter ab.

Ab einem Winkel unter 120 Grad spricht man von einer Coxa vara (“krumme Hüfte”), bei der ein verkrümmter Oberschenkelhals vorliegt. Liegt der Wert des CCD-Winkels über 140 Grad, besteht eine Coxa valga, bei der der Oberschenkelhals zu steil steht.

Darstellung des CCD-Winkels im Hüftgelenk des Erwachsenen Der CCD-Winkel ist ein Maß für die mechanische Belastbarkeit des Hüftgelenks bei Erwachsenen. Sein Wert sagt aus, wie steil der Oberschenkelkopf in der Hüftpfanne steht. Bei einer normalen Erwachsenenhüfte beträgt der CCD-Winkel 125 Grad (links). Unter 120 Grad liegt eine Coxa vara (“krumme Hüfte”) vor (Mitte) und über 140 Grad eine Coxa valga (rechts). Bei der Coxa valga steht der Oberschenkel zu steil im Pfannendach. © Gelenk-Klinik

Der CE-Winkel

Der CE-Winkel wird gebildet durch die Körperlängsachse und die Verbindungslinie von der Femurkopfmitte zum Pfannendachrand. Je größer dieser Winkel ist, desto umfassender ist die Überdachung des Hüftkopfes durch das Pfannendach. Bei Erwachsenen liegt der CE-Winkel normalerweise über 25 Grad und nimmt mit dem Alter zu.

Der CE-Winkel dient zusammen mit dem CCD-Winkel der Diagnostik einer Coxa valga und Coxa vara. Unterhalb von 20 Grad spricht der Mediziner von einer manifesten (gesicherten) Hüftdysplasie.

Kombinierte Darstellung der mittels Röntgenbild bestimmten Winkel zur Beurteilung einer Hüftdysplasie bei Erwachsenen Zur Beurteilung einer Restdysplasie bei Erwachsenenhüften ermittelt der Orthopäde mithilfe von Röntgenaufnahmen drei wichtige Winkelmaße: den CCD-Winkel als Maß für die Belastbarkeit des Hüftgelenks sowie den CE- und AC-Winkel als Maß für die Überdachung des Hüftkopfes durch die Pfanne. © Gelenk-Klinik

Der AC-Winkel

Der AC-Winkel dient ebenfalls als Maß für die Hüftkopfüberdachung und ist im Fall einer Hüftdysplasie vergrößert. Die Ausmessung des AC-Winkels ist besonders bei Kindern sinnvoll, da hier die knöchernen Strukturen, die für die Bestimmung des CCD- und CE-Winkels herangezogen werden, noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Der AC-Winkel verringert sich mit dem Lebensalter und der Ausreifung der Hüfte: Bei Säuglingen sollte er unter 35 Grad liegen, bei Einjährigen unter 28 Grad und bei Vierjährigen unter 15 Grad.

Nachdem der Facharzt bei erwachsenen Patienten die Hüftkopfüberdachung, die Stellung des Oberschenkelknochens im Gelenk und die individuelle Anatomie des Oberschenkels beurteilt hat, kann er eine Empfehlung über die möglichen korrigierenden Eingriffe abgeben.

Konservative Therapie der Hüftdysplasie bei Säuglingen

Neben dem Alter des Kindes ist die Art der Hüftdysplasie ausschlaggebend für die Wahl der konservativen Behandlungsmethode.

Hüfttypen II a, II b, II c: Nachreifung mit Spreizhose oder Tübinger Schiene

Bei Säuglingshüften mit einer Reifungsverzögerung helfen meist spezielle Spreizhosen oder breites Wickeln mit mehreren Windellagen übereinander, die Beine in einer gebeugten und abgespreizten Position zu halten.

Bei unzureichender Besserung und Babys mit den Hüfttypen II b und II c hat hat sich die Tübinger Schiene bewährt: Dabei handelt es sich um ein einfaches Hilfsmittel, das aus zwei Beinschalen für den Oberschenkel und einer stabförmigen Spreizhilfe besteht, die über ein Schulterband gespannt werden. Mithilfe der Orthese erreicht der Arzt eine Abspreizung von über 50 Grad und eine Beugung von 90 Grad, wodurch der Hüftkopf die zu steil stehende, noch knorpelige Hüftpfanne in eine normale Position formt.

Alle 4 Wochen führt der Arzt sonographische Verlaufskontrollen bis zur vollständigen Ausheilung durch, die etwa nach 8-12 Wochen erreicht ist. Zusätzliche Kontrollen zu Beginn des Laufalters und im 5. Lebensjahr sichern das Therapieergebnis.

Bei Grenzfällen prüft der behandelnde Arzt engmaschig die spontane Nachreifung des Hüftgelenkes und leitet wenn nötig Therapien in die Wege, bevor die Verknöcherung weiter fortschreitet. Ab dem 8. Lebensmonat eignen sich für Diagnostik und Verlaufskontrolle Röntgenaufnahmen, welche die zunehmende Ossifikation darstellen.

Hüfttypen D, III, IV: Reposition luxierter Gelenke, Orthese, Becken-Bein-Gips und Hüftbeugeschiene

Bei einer instabilen Hüftdysplasie vom Typ II c und den Hüfttypen D, III und IV erfolgt die Therapie in drei aufeinanderfolgenden Phasen:

  1. Reposition: Zuerst bringt der Arzt den Hüftkopf wieder in die richtige Position zentral im Hüftgelenk. Dies kann entweder manuell, durch Anlegen einer Pavlik-Bandage oder operativ in Narkose erfolgen. Das empfindliche, noch aus Knorpel bestehende Pfannendach wird damit entlastet. In den ersten Lebenswochen ist meist eine manuelle, schmerzfreie Reposition ohne chirurgischen Eingriff möglich, da die Verknöcherung noch nicht weit fortgeschritten ist. Falls ein Hindernis durch Weichteile im Gelenkbereich die Rückstellung des Hüftkopfes unmöglich macht, ist ein operativer Eingriff mittels offener Hüftgelenkseinstellung unumgänglich.
  2. Retention: Mithilfe einer Pavlik-Orthese oder einem Beckenbeingips nach Fettweis wird das Hüftgelenk mit zentriertem Hüftkopf für 24 Stunden täglich für mindestens 8 Wochen ruhiggestellt. Die Beine des Säuglings nehmen in dieser Orthese eine “Froschstellung” ein. Zu den Sitz-Hock-Anfertigungen gehören beispielsweise die Pavlik-Bandage und der Fettweis-Gips. In dieser Position stabilisiert sich das kindliche Hüftgelenk und es wird einer erneuten Verrenkung vorgebeugt. Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen dieser recht zeitaufwändigen Therapie ist die Unterstützung der Maßnahmen durch die Eltern.
  3. Nachreifung: Im Anschluss legt der Arzt dem Kind eine Hüftbeugeschiene an, damit sich die erkrankte Hüfte vollständig und in korrekter Stellung entwickeln kann.
Verschiedene orthopädische Korrekturhilfen zur Behandlung einer Hüftdysplasie bei Kindern: Spreizhose, Tübinger Schiene, Fettweis-Gips, Pavlik-Bandage Je nach Alter des Säuglings und Schwere der Hüftdysplasie kommen unterschiedliche orthopädische Korrekturhilfen zur Anwendung. A: Spreizhose oder Spreizwindel zur Behandlung einer Hüftreifestörung. B: Die Tübinger Spreizschiene wird ebenfalls bei Hüftdysplasien bis zum Typ IIc eingesetzt. Der Fettweis-Gips (C) und die Pavlik-Bandage (D) werden dem Kleinkind in der Retentionsphase angepasst, wenn vorher eine Reposition durch den Arzt erfolgte. Beide halten die Beine in einer Sitz-Hock-Position (“Froschstellung”) bis zur Ausreifung des Hüftgelenkes. © Gelenk-Klinik

Wann muss eine Hüftdysplasie bei Kindern operiert werden?

Wenn die frühen konservativen Behandlungen einer Hüftdysplasie beim Säugling nicht erfolgreich sind, ist ein operativer Eingriff am Hüftgelenk notwendig.

Es stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. Neben einer offenen Reposition luxierter Gelenke wird bei allen Operationen die Form und Position der Hüftpfanne überprüft und bei Bedarf korrigiert. Der Hüftkopf passt anschließend wieder optimal in die Gelenkpfanne, das Hüftgelenk ist stabil und es besteht in Zukunft nicht die Gefahr einer Luxation oder von Spätschäden.

In einigen Fällen wird der Oberschenkelkopf mithilfe eines Drahtes in der Hüftpfanne in Position gehalten. Nach der Operation passt der Arzt eine Schiene oder einen Gips an, um das Gelenk in der gewünschten Stellung zu stabilisieren.

Insgesamt sind die chirurgischen Möglichkeiten so differenziert und individuell wie die festgestellten Gelenkfehlstellungen bei den Kindern. Erfahrene Operateure beseitigen Hüftdeformitäten im Jugendalter beispielsweise mittels verschiedener Beckenosteotomie-Techniken, welche die Hüftkopfstellung oder die Pfannenüberdachung verbessern. Der Begriff “Osteotomie” beschreibt, dass knöcherne Strukturen operativ in eine anatomisch korrekte Position umgestellt und in dieser Position mithilfe von Schrauben oder Platten fixiert werden, bis der Heilungsprozess abgeschlossen ist.

Wie lange ist mein Kind nach einer Operation wegen Hüftdysplasie krank?

Eine generell gültige Aussage kann an dieser Stelle nicht getroffen werden. Den zeitlichen Ablauf eines operativen Eingriffs besprechen Eltern am besten mit dem behandelnden Arzt.

In der Regel dauert der stationäre Aufenthalt in der Klinik circa 10 Tage. Ab dem 2. postoperativen Tag steht das Kind mit Assistenz auf und mobilisiert langsam das Bein. In den folgenden 6 Wochen darf das Bein auf der operierten Hüftseite Bodenkontakt haben, aber nicht belastet werden.

In der 7. bis 12. Woche nach der Operation sind auf der operierten Seite 20 Kilogramm Belastung erlaubt. Der Physiotherapeut legt in der stationären Zeit fest, wie stark die Hüfte gebeugt werden darf. Meist beträgt der erlaubte Beugungswinkel in den ersten 6 Wochen 60 Grad, in den folgenden Wochen dann 90 Grad.

Die begleitende Krankengymnastik dient dazu, das Gangbild zu normalisieren und die Muskeln zu stärken. Nach etwa einem halben Jahr darf das Kind wieder geeignete Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen ausüben.

Operative Therapie der Hüftdysplasie beim Erwachsenen

Für ein schmerzendes Hüftgelenk bei Erwachsenen kann es verschiedene Auslöser ‒ auch in Kombination ‒ geben:

  • eine Fehlstellung des Oberschenkelhalses
  • eine Einklemmung des Hüftgelenkes durch knöcherne Veränderungen (Hüftimpingement)
  • eine verdrehte Stellung der Hüftpfanne

Der Arzt greift bei seiner Behandlung auf bewährte, korrigierende Techniken zurück. Fehlstellungen des Hüftkopfes und des Oberschenkelhalses können bei den Betroffenen starke Leistenschmerzen verursachen, wenn bei bestimmten Bewegungen der Oberschenkel am Pfannendach anschlägt. Man nennt dieses Phänomen femoroacetabuläres Impingement oder Anschlagsyndrom. Ziel der ärztlichen Behandlung ist in diesen Fällen, durch knöcherne Korrekturmaßnahmen den Verschleiß im Gelenk umfassend zu verhindern.

Wenn die Hüftarthrose sich noch im Anfangsstadium befindet, wählt der Hüftchirurg als operative Therapie bei erwachsenen Patienten mit Restdysplasien die 3-fache Beckenosteotomie nach Tönnis (Triple-Osteotomie).

Bei diesem Operationsverfahren wird die Hüftpfanne aus ihrem Beckenverbund gelöst und an drei Stellen die Knochen, die das Becken bilden, durchtrennt. Der Operateur stellt mit diesem Eingriff einen anatomisch korrekten Überdachungswinkel des Hüftkopfes durch die Hüftpfanne her. Er kann auf diese Weise den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes für Jahre hinauszögern oder völlig vermeiden. Schmerzbeschwerden und Bewegungsprobleme bessern sich nach der Triple-Osteotomie deutlich und verhelfen den Patienten zu einer hohen Lebensqualität.

Liegen beim Patienten zusätzliche Fehlstellungen am Oberschenkelknochen vor, kann die Triple-Osteotomie mit weiteren operativen Techniken kombiniert werden.

Hüftgelenkersatz bei fortgeschrittener Hüftarthrose

Die Hüft-Teilprothese (McMinn-Prothese) ersetzt die geschädigte Gelenkfläche des Hüftkopfes. Beim Oberflächenersatz nach McMinn (McMinn-Prothese oder Hüftkappe) überkront die Teilprothese den arthrotisch geschädigten Hüftkopf. Die Oberflächenersatzprothese ist knochensparender und schonender als eine Hüft-Totalendoprothese. © digitale-fotografien, Adobe Stock

Sind die arthrotischen Verschleißerscheinungen im Hüftgelenk zu weit fortgeschritten und konservative Therapien erzielen keine Linderung der Schmerzen, bespricht der Arzt mit dem Patienten die Notwendigkeit für ein künstliches Hüftgelenk.

Ob das komplette Gelenk oder nur Teile davon durch eine Prothese ersetzt werden, hängt vom vorliegenden Schaden ab: Ist die Hüftpfanne noch unversehrt, der Oberschenkelkopf dagegen bereits degeneriert, reicht eine Hüft-Teilprothese aus. Sind beide Gelenkanteile von Verschleiß betroffen, zieht der Orthopäde eine Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) in Betracht.

Prothese für junge Erwachsene mit Hüftdysplasie: Hüftüberkronung für hohe Lebensqualität

Eine bestehende Restdysplasie eines oder beider Hüftgelenke macht sich nicht erst im fortgeschrittenen Lebensalter bemerkbar. Manche Patienten, die sich in der Gelenk-Klinik wegen starker Hüftschmerzen und eingeschränktem Bewegungsradius vorstellen, haben gerade erst ihr 20. Lebensjahr vollendet. Diese Gruppe junger Patienten stellt völlig andere Anforderungen an ein Hüftimplantat als die ältere Generation:

  • Eine Prothese muss den alltäglichen und sportlichen Aktivitäten lange Stand halten.
  • Wegen der hohen Aktivität der Patienten sollte der Gelenkersatz aus abriebfesten Materialien bestehen.
  • Die Implantation wie auch der Ersatz (Revision) der Prothese sollte möglichst knochensparend und schonend erfolgen.

Diesen Ansprüchen gegenüber stehen die hohe Knochendichte und eine gute gesundheitliche Konstitution der jungen Patienten, die den Einsatz einer Oberflächenersatzprothese nach McMinn in den Fokus rücken. Bei diesem auch Hüftkappe oder Hüftkrone genannten Gelenkersatz wird lediglich die geschädigte Gelenkfläche des Oberschenkelkopfes ersetzt ‒ ähnlich wie wir es von einer Zahnkrone kennen. Sowohl der Oberschenkelkopf als auch der Knochenschaft bleiben bei Einsatz einer McMinn-Prothese erhalten. Die Hüftkrone besteht aus einer Kobalt-Chrom-Verbindung mit sehr guten Langzeitergebnissen bezüglich Stabilität und Verträglichkeit.

Patienten mit McMinn-Prothese steht hinsichtlich ihren sportlichen Aktivitäten nichts im Weg ‒ außer der eigenen körperlichen Konstitution. Es existieren kaum Einschränkungen in der Hüftbeweglichkeit, sogar Reitsport kann wieder ohne Schmerzen ausgeübt werden.

Ist der Oberschenkelkopf aufgrund einer Schädigung nicht mehr tragfähig (z. B. bei Hüftkopfnekrose), stellt der Einsatz einer Kurzschaftprothese eine schonende Alternative dar. Hierbei wird der Oberschenkelkopf durch die abriebfeste Keramikprothese ersetzt und der Oberschenkelknochen nur im oberen Halsbereich für den Kurzschaft präpariert.

Wie lange ist man krank nach einer Operation der Hüftdysplasie?

Patientin beim Treppensteigen mit Gehhilfe Physiotherapeuten leiten Patienten nach einer Hüftoperation an, wie sie ihren Alltag am besten bewältigen. Dazu gehören der Umgang mit Gehhilfen und Treppensteigen. © Gelenk-Klinik

Ohne dass hier genaue Aussagen für die Zeit nach der Operation getroffen werden können, dauert es bei den meisten Patienten etwa 10 bis 12 Tage von einer Triple-Osteotomie bis zur Entlassung aus der Klinik.

Während des stationären Aufenthaltes leiten Physiotherapeuten den Patienten an, welche Übungen er bereits ab dem 2. Tag im Bett selbständig zur Kräftigung durchführen kann. Nach ein paar Tagen bereiten Übungen mit Krücken und Treppensteigen den Patienten auf die Entlassung vor.

Die ersten 6 Wochen nach der Operation darf die Hüfte nicht über 60 Grad gebeugt werden. Sitzen ist also in dieser Zeit nicht möglich. Ab der 7. Woche darf der Patient seine Hüfte in einen 90-Grad-Winkel bringen. Die gesamten 12 Wochen nach der Operation ist eine vollständige Entlastung der operierten Hüftseite notwendig. Erst nach 3 bis 4 Monaten kann eine leichte Tätigkeit im Büro oder am Computer wieder aufgenommen werden.

Häufige Patientenfragen zur Hüftdysplasie an Dr. Martin Rinio von der Gelenk-Klinik

Was passiert, wenn man eine Hüftdysplasie nicht behandelt?

Eine unbehandelte angeborene Hüftdysplasie, die nicht oder nur unzureichend behandelt wurde, kann gravierende Folgen im Erwachsenenalter haben: Durch eine Fehlstellung im Hüftgelenk können sich Knochen und Knorpel vorzeitig abnutzen und für einen sehr frühen Arthrosebeginn verantwortlich sein. Die Betroffenen leiden unter starken Schmerzen im Hüft- und Leistenbereich, die sich bei Belastung noch verschlimmern. Mit der Zeit ist sogar kurzes Stehen oder Laufen für die Patienten unmöglich. Außerdem kann sich wegen einer unterschiedlichen Beinlänge die Wirbelsäule verkrümmen. Man spricht dann von einer Skoliose. Auch unspezifische Knie-, Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen können Spätfolgen einer unbehandelten Hüftdysplasie sein.

Welche Sportarten darf ich mit Hüftdysplasie ausüben?

Orthopäden raten Menschen mit Hüftdysplasie zu Sportarten und Aktivitäten, die gelenkschonend sind und bei denen möglichst wenige abrupte Abbrems- und Drehbewegungen vorkommen. Zu den geeigneten Sportarten zählen zum Beispiel Radfahren, Gymnastik und Schwimmen ‒ aber nur Kraul- und Rückenschwimmen wegen der Scherbewegungen im Gelenk. Am besten halten Patienten Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt, bevor sie mit ihren sportlichen Aktivitäten nach einer Behandlung oder Operation wieder starten. Manchmal ergibt sich auch die Möglichkeit, eine ganz neue Sportart auszuprobieren wie Bogenschießen, Segeln oder Skilanglauf.

Patienten mit Hüftdysplasie sollten Ball- und Wurfsportarten sowie Kampfsport und Sprungdisziplinen lieber meiden, da hier das Hüftgelenk zu stark belastet wird.

Wie kann ich die Schmerzen bei einer Hüftdysplasie lindern?

Erwachsene mit Hüftdysplasie sollten unbedingt einen Termin bei einem orthopädischen Hüftspezialisten machen, der mit ihnen nach ausführlicher Diagnostik die Behandlungsmöglichkeiten bespricht. In den meisten Fällen wird der Arzt einen operativen Eingriff empfehlen. Ein paar Verhaltensregeln helfen den Betroffenen, in gewissem Umfang selbst gegen die Schmerzen anzugehen:

  • Belastungen möglichst abwechslungsreich gestalten, oft zwischen Stehen und Gehen abwechseln
  • keine großen Lasten heben oder tragen
  • auf ein normales Körpergewicht achten
  • Schlafen und Liegen auf der kranken Körperseite vermeiden
  • für möglichst hohe Sitzposition sorgen, zum Beispiel mit speziellen Toilettensitzen
  • stoßdämpfende Einlagen in den Schuhen verwenden
  • regelmäßig gelenkschonenden Sport treiben, beim Wandern die Walkingstöcke nicht vergessen

Wie sind Ihre Erfahrungen mit einer Operation bei Hüftdysplasie?

In der Gelenk-Klinik stellen sich jährlich dutzende von Patienten in unserer Sprechstunde vor, die unter den Spätfolgen einer Hüftdysplasie leiden. Welchen operativen Eingriff wir für den Patienten wählen hängt vom Schweregrad der Dysplasie und von der Beteiligung der Gelenkflächen ab. Der Gelenkerhalt hat für uns oberste Priorität.

Ein geeignetes Verfahren ist die Triple-Osteotomie, die infrage kommt, wenn die Gelenkflächen noch gut erhalten sind. Diese Operation ist zwar anspruchsvoll und vergleichsweise langwierig, kann aber den Leistenschmerz und die Bewegungseinschränkungen in der Regel vollständig beheben. Die Patienten können nach der Heilungsphase wieder uneingeschränkt am beruflichen und sportlichen Leben teilhaben.

Bei bereits bestehender Arthrose im Hüftgelenk besteht die Möglichkeit, den Patienten mit einer Hüft-Teilprothese oder einer Hüft-Totalendoprothese zu Schmerzfreiheit zu verhelfen. Je nachdem, ob nur eine oder beide Gelenkflächen von Arthrose betroffen sind, wird entsprechend der operative Eingriff geplant. Der Einsatz einer Hüftprothese hat unserer Erfahrung nach für die Patienten weitreichende positive Effekte auf ihre wiedererlangte Beweglichkeit und die gesteigerte Lebensqualität.

Welche Schuhe eignen sich für Menschen mit Hüftdysplasie?

Als schonend für das Hüftgelenk haben sich stoßdämpfende Einlagen in den Schuhen erwiesen. Sie federn die Belastungen, die bei jedem Schritt auf das Gelenk einwirken, gut ab, sofern man sie regelmäßig erneuert. Falls eine deutliche Beinlängendifferenz besteht, sollten Betroffene sich von ihrem Arzt orthopädische Einlagen verschreiben lassen.

Welche Matratze ist die richtige bei Hüftdysplasie?

Bei Menschen mit Hüftdysplasie ist die Wahl der richtigen Matratze wichtig, um die Hüftgelenke zu entlasten. Sie sollten sich unbedingt in einem Fachgeschäft beraten lassen und eine Matratze wählen, die sich den unterschiedlichen Druckverhältnissen des Körpers optimal anpasst.

Zusätzlich haben sich Seitenschläferkissen bei einer Hüftdysplasie bewährt. Sie werden zwischen die Beine geklemmt und sorgen dafür, dass das oben liegende, kranke Bein höher liegt. Das Hüftgelenk wird nicht zu stark gebeugt oder kippt nach vorne weg.

Welches Tragetuch darf man für Babys mit Hüftdysplasie nehmen?

Wichtig beim Tragen von Babys ist, dass die Beine im Tragetuch eine Spreiz-Hock-Haltung einnehmen. Man nennt diese Position auch Froschhaltung. Diese gleichzeitige Beugung und Abspreizung des Hüftgelenks ist für Babys mit einer Reifeverzögerung sehr wichtig und stimuliert die Entwicklung zu einem gesunden Hüftgelenk. Statt einem Tragetuch können Eltern auch eine ergonomische Babytrage nutzen.

Welcher Arzt untersucht eine Hüftdysplasie?

Der erste Ansprechpartner für Schmerzen im Hüftbereich oder Auffälligkeiten bei Säuglingen ist der Hausarzt oder der Kinderarzt. Im Fall von schwerwiegenden Fehlstellungen ‒ insbesondere bei größeren Kindern oder Erwachsenen ‒ wird der behandelnde Arzt seinen Patienten zu einem orthopädischen Spezialisten für Hüfterkrankungen überweisen. Auch der direkte Gang zu den Experten der Gelenk-Klinik ist möglich, sowohl für Privatpatienten als auch für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen.

Bin ich mit einer Hüftdysplasie arbeitsunfähig?

Erwachsene Patienten mit einer Hüftdysplasie leiden häufig in sehr frühen Jahren an teilweise unerträglichen Hüftschmerzen, die es ihnen manchmal unmöglich machen, auch nur kurze Strecken zu gehen oder längere Zeit zu stehen. Erfahrungsgemäß sind unsere Patienten zwischen 20 und 40 Jahren alt, wenn sie mit Schmerzbeschwerden das erste Mal in unsere Praxis kommen. Sie haben dann schon einen langen Leidensweg und auch einige Krankheitsperioden hinter sich, in denen sie ihren Beruf nicht oder nur eingeschränkt ausüben konnten. Das Ausmaß der Arbeitsunfähigkeit ist abhängig von der beruflichen Tätigkeit. Der behandelnde Orthopäde wird mit den Patienten alle Möglichkeiten einer operativen Korrektur ihrer Hüftfehlstellung besprechen und ihnen Tipps für einen gelenkschonenden Arbeitsalltag an die Hand geben:

  • häufig abwechseln zwischen Stehen, Gehen und Sitzen
  • auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz achten
  • stoßdämpfende Einlagen in den Schuhen tragen
  • das Heben und Tragen von Lasten möglichst vermeiden

Sollte ich mit einer Hüftdysplasie auf den Crosstrainer?

Unsere Patienten sind geteilter Meinung, was den Einsatz eines Crosstrainers angeht: Den einen hilft der Crosstrainer bei der Gewichtsreduktion und sie können ihn ohne viel Aufwand jederzeit im eigenen Wohnzimmer nutzen. Die anderen kommen mit der etwas breiten Schrittstellung nicht zurecht. Auf jeden Fall sollte ein geringer Widerstand am Gerät eingestellt werden.

Der Einsatz von Fitnessgeräten muss unbedingt mit einem erfahrenen Physiotherapeuten abgestimmt werden und sollte nur unter Aufsicht stattfinden. Sobald Schmerzen auftreten, muss die Aktivität sofort eingestellt werden.

Kann ich mit einer Hüftdysplasie Fahrradfahren?

Fahrradfahren fördert die Ausdauer, kräftigt die Beinmuskulatur und ist in der Gruppe ein geselliger und abwechslungsreicher Sport an der frischen Luft. Radfahren eignet sich hervorragend für Patienten mit Hüftdysplasie oder nach einer Hüftoperation, vorausgesetzt es werden nur leichte Anstiege bewältigt. Dann ist Radfahren sogar für Menschen mit künstlichen Hüftgelenken empfehlenswert. Steile Anstiege und auch Abfahrten sollte man wegen der starken Gelenkbelastung und der Unfallgefahren vermeiden.

Darf ich mit Hüftdysplasie joggen?

Joggen ist ein Sport, der die körperliche Ausdauer und eine Vielzahl an Muskeln trainiert. Gleichzeitig wirken aber bei jedem Schritt hohe Kräfte auf Knie- und Hüftgelenk. Wer mit dem Joggen erst beginnt, sollte unbedingt zuerst seine Muskeln kräftigen und damit die Gelenkstabilität erhöhen, am besten unter der Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten. Daneben ist eine ausgiebige Aufwärmphase vor dem Laufen und die Wahl eines geeigneten Laufschuhs wichtig. Ein individuell angefertigtes Laufkonzept mit entsprechenden Gehphasen optimiert die zunehmende Belastungssteigerung. Sobald Schmerzen in der Hüfte auftreten, sollten die Betroffenen auf einen anderen, gelenkschonenden Sport ausweichen, zum Beispiel Wandern, Nordic Walking oder auch Aquagymnastik.

Ist Krafttraining mit Hüftdysplasie möglich?

Gezieltes Krafttraining bestimmter Muskelgruppen kann bei einer bestehenden Hüftdysplasie sehr hilfreich sein, um Muskeldysbalancen und damit einseitigen Muskelverkürzungen und Verspannungen entgegenzuwirken. Vorher führt der Orthopäde eine Ganganalyse beim Patienten durch, bei der er die individuellen Veränderungen im Detail feststellen kann. Die Ergebnisse der Ganganalyse lenken das Augenmerk auf diejenigen Muskeln, die besonders gekräftigt und trainiert werden müssen.

Kann jahrelanges Reiten zu einer Hüftdysplasie führen?

Unserer Erfahrung nach löst Reiten eine Hüftdysplasie nicht aus, kann aber bei einer bestehenden Erkrankung zu Schmerzen führen. Im Reitsport werden die Hüftgelenke über lange Zeit stark beansprucht. Dies kann belastungsbedingte Schmerzen im Leisten- oder Hüftbereich im Anschluss an eine Reitstunde auslösen. Die Betroffenen sollten dann unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt über eine sportliche Alternative zum Reiten sprechen.

Ist eine Hüftdysplasie vererbbar?

Bei der angeborenen Hüftdysplasie, die bereits bei Neugeborenen besteht, konnten Forscher eine familiäre Häufung nachweisen. Das heißt, wenn die Eltern bereits an einer Hüftdysplasie erkrankt waren, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung des Kindes.

Wenn in der Familie gehäuft Hüftdysplasie vorkommt, sollte man den Kinderarzt darauf hinweisen. Sicher wird er sehr frühzeitig einen Ultraschall der Hüftgelenke beim Säugling durchführen, um das Risiko für eine Hüftfehlstellung möglichst gering zu halten.

Es existieren neben der genetischen Komponente viele weitere auslösende Faktoren für eine kindliche Hüftdysplasie. Dazu zählen beispielsweise wenig Fruchtwasser oder eine beengte Lage im Mutterleib, eine Zwillingsschwangerschaft oder die Beckenendlage des Kindes.

Literaturangaben
  • Chan A., McCaul KA, Cundy PJ, Haan EA, Byron-Scott R. (1997). Perinatal risk factors for developmental dysplasia of the hip. Arch Dis Child Fetal Neonatal, 76, F94–100.
  • De Pellegrin, M., & Bonifacini, C. (2016). Einfluss des Alters in der Frühbehandlung einer schweren Hüftdysplasie auf die Pfannendachentwicklung. OUP, 5, 408–412.
  • Eberhardt, O., & Fernandez, F. F. (2019). Hüftdysplasie – Teil 1: Im Kindes- und Jugendalter. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date, 14(05), 519–531.
  • Eberhardt, O., & Wirth, T. (2020). Erratum zu: Hüftdysplasie – Neues und Bewährtes. Der Orthopäde, 1–1.
  • Engelhardt P. (1988). Die Bedeutung des Zentrumeckenwinkels zur Prognose der Dysplasiehüfte 50 Jahre nach Erstbeschreibung durch G. Wiberg. Orthopade, 17, 463–7.
  • Exner GU, Mieth D. (1987). Sonographisches Hüftdysplasie-Screening beim Neugeborenen. Schweiz Med Wochenschr, 117, 1015–20.
  • Fernandez, F. F., & Eberhardt, O. (2019). Hüftdysplasie – Teil 2: Im Erwachsenenalter. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date, 14(06), 611–630.
  • Graf R., Lercher K. (2010). Sonographie der Säuglingshüfte und therapeutische Konsequenzen. Ein Kompendium, 13 Tabellen. 6. vollst. überarb. Aufl. Stuttgart: Thieme.
  • Graf R. (1984). Fundamentals of sonographic diagnosis of infant hip dysplasia. J Pediatr Orthop, 4, 735–40.
  • Graf R. (1980). The diagnosis of congenital hip-joint dislocation by the ultrasonic Combound treatment. Arch Orthop Trauma Surg, 97, 117–33.
  • Grill F., Muller D. (1997). Ergebnisse des Hüftultraschallscreenings in Österreich. Orthopade, 26, 25–32.
  • Günther, K. P., Goronzy, J., Franken, L., Hartmann, A., & Thielemann, F. (2018). Natürlicher Verlauf bei Hüftdysplasie und Operationsergebnisse. Arthroskopie, 31(4), 283–293.
  • Henle, P., Tannast, M., Siebenrock, K.A. (2008). Bildgebende Diagnostik der Hüftdysplasie. Orthopäde, 6, 525–531.
  • Klapsch, W., Tschauner, C., Graf, R. (1991). Kostendämpfung durch die generelle sonographische Hüftvorsorgeuntersuchung. Monatsschr Kinderheilkd, 139, 141–3.
  • Kolb, A., Windhager, R., & Chiari, C. (2016). Kongenitale Hüftdysplasie, Screening und Therapie. Monatsschrift Kinderheilkunde, 164(4), 323–333.
  • Menkens, S., Betthäuser, A., Hille, E. (2003). 10-Jahres Ergebnisse nach konservativer Therapie der Hüftreifungsstörungen des Neugeborenen. Reichel, ed. Langzeitergebnisse in der Kinderorthopädie. Steinkopf Verlag.
  • Schilt, M. (2001). Optimaler Zeitpunkt des Hüftsonographie-Screenings. Ultraschall in der Medizin, 22(01), 39–47.
  • Rühmann, O., Lazović, D., Bouklas, P., & Rössig, S. (1998). Ultrasound hip joint screening in newborn infants. Is twin pregnancy a risk factor for dysplasia? Ultraschall in der Medizin, 19(2), 64–69.
  • Tönnis, D., & Brunken, D. (1968). Differentiation of normal and pathological acetabular roof angle in the diagnosis of hip dysplasia. Evaluation of 2294 acetabular roof angles of hip joints in children. Archiv fur orthopadische und Unfall-Chirurgie, 64(3), 197.
  • Tönnis, D. (2013). Die angeborene Hüftdysplasie und Hüftluxation im Kindes- und Erwachsenenalter: Grundlagen, Diagnostik, konservative und operative Behandlung. Springer-Verlag.
Folgen Sie der Gelenk-Klinik auf Facebook, Twitter oder Instagram

Orthopädische Gelenk-Klinik

Anfahrt zur Orthopädischen Gelenk Klinik in Freiburg

Orthopädische Gelenk-Klinik
EndoprothetikZentrum (EPZ), Zentrum für Fuß und Sprunggelenkschirurgie (ZFS)

Tel: (0761) 791170

Praxis Gundelfingen:
Alte Bundesstraße 58
79194 Gundelfingen

OP-Zentrum Freiburg:
Gundelfinger Straße 11
79108 Freiburg

OP-Zentrum Gundelfingen:
Alte Bundesstraße 29
79194 Gundelfingen

anfrage@gelenk-klinik.de

Vortrag zu Rückenschmerzen

PD. Dr. med. David Christopher Kubosch PD. Dr. med. David Christopher Kubosch

Unterschätzte Ursache für Rückenschmerzen „Das Facettensyndrom

Dienstag, 5.10.2021 um 19.30 Uhr

Hüftchirurgie

Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg

Dr. med. Martin Rinio
Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie an der Gelenk-Klinik

Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie an der Gelenk-Klinik