Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
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Gicht (Arthritis urica): Ursachen, Symptome, Behandlung

Gicht ist eine Störung des Stoffwechsels, bei der erhöhte Harnsäurewerte im Blut Entzündungen und starke Schmerzen in einer Vielzahl von Gelenken des Körpers auslösen. Dazu gehören beispielsweise Knie, Hand, Ellenbogen, Finger oder Sprunggelenke. Typischerweise treten bei vielen unserer Patienten die ersten schmerzhaften Gichtzeichen am Großzehengrundgelenk auf.

  1. Definition: Was ist Gicht?
  2. Symptome: Wie äußert sich Gicht?
  3. Ursachen: Wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäurewert?
  4. Stadien der Gicht
  5. Diagnose: Wie stellt der Arzt Gicht fest?
  6. Therapie: Wie lässt sich Gicht behandeln?
  7. FAQ: Häufige Patientenfragen zur Gicht an Dr. Dickreiter von der Gelenk-Klinik Freiburg
  8. Bei Gicht können alle Gelenke des Körpers betroffen sein. Eine Gichterkrankung betrifft zuerst oft das Großzehengrundgelenk. Die Betroffenen leiden unter starken Schmerzen in Fuß- oder Sprunggelenk, Knie, Hand- oder Ellenbogengelenk. Seltener sind Hüftgelenk oder Schulter betroffen. © peterschreiber.media, Adobe Stock

    Meist handelt es sich bei Gicht um eine angeborene Stoffwechselstörung: Bei den Betroffenen liegt eine Veranlagung für zu hohe Harnsäurekonzentrationen im Blut vor. Man spricht von Hyperurikämie. Die Harnsäure lagert sich in Form von Kristallen in Gelenken, Schleimbeuteln, Haut und wichtigen Organen wie der Niere ab.

    Zusätzlich spielen weitere Faktoren wie Ernährung und Begleiterkrankungen bei der Ausprägung der Gichterkrankung eine Rolle, sodass der behandelnde Arzt bei jedem Patienten individuell die exakten Ursachen bestimmen muss.

    Eine möglichst frühzeitig ansetzende Therapie kann den Verlauf der Gicht verlangsamen oder sogar stoppen. Der behandelnde Arzt zeigt seinen Patienten mehrere Wege auf, mit denen sie selbst die Schwere ihrer Gichterkrankung positiv beeinflussen können: Eine gezielte Umstellung der Ernährung, die Normalisierung des Körpergewichts und professionelle Anleitung zu sportlicher Aktivität gehören dazu. Die langfristigen Gelenkschäden und die chronischen Entzündungsreaktionen kann der Arzt mit angepasster Schmerztherapie und Präparaten zur Senkung des Harnsäurespiegels verhindern.

    Ein weiteres wichtiges Standbein in der Gichttherapie sind physikalische und physiotherapeutische Anwendungen. Selten ist ein operativer Eingriff wie die Implantation eines künstlichen Gelenkersatzes notwendig.

    Definition: Was ist Gicht?

    Synonyme zu Gicht

    Bei Gicht führen erhöhte Harnsäurekonzentrationen (Hyperurikämie) im Blut zur Ablagerung von Harnsäurekristallen (Uraten) in Gelenken und Schleimbeuteln. Man spricht daher auch von einer Kristallarthropathie. Uratkristalle können zusammen mit körpereigenen Abwehrzellen knorpelige Strukturen und gelenknahe Gewebe schädigen. Betroffene Gelenke schwellen an, sind gerötet und schmerzen ‒ sie zeigen also typische Entzündungszeichen.

    Harnsäurekristalle können sich in der Niere als Nierensteine ablagern und langfristig die Funktion der Nieren einschränken. Wird Gicht nicht behandelt, verschlimmern sich die Gelenkentzündungen und die Patienten leiden unter teils heftigen Schmerzen. Mit der Zeit verlieren die chronisch entzündeten Gelenke ihre Beweglichkeit und verformen sich.

    Eine Gichterkrankung verläuft in Schüben: Auf eine beschwerdefreie Phase folgen akute, anfallsartige Schmerzattacken. Die Betroffenen erleiden einen Gichtanfall. Häufig lösen eine üppige Mahlzeit oder übermäßiger Alkoholgenuss einen Gichtanfall aus.

    Verschiedene Faktoren spielen bei der Entstehung der Gicht eine Rolle. Betroffene können mit einer ausgewogenen, gesunden Ernährung, einem normalen BMI und eventuell harnsäuresenkenden Medikamenten die Harnsäurewerte auf einem niedrigen Niveau halten. Sie verringern damit die Gefahr von Gichtschüben und chronischen Schäden an den Gelenken.

    In welchem Alter tritt Gicht auf?

    Neuesten Schätzungen zufolge erkranken 1 bis 2 Prozent der deutschen Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben an Gicht. Gicht ist damit die in Industrieländern verbreitetste entzündliche Gelenkerkrankung.

    Männer erkranken etwa 5-mal häufiger und in der Regel auch einige Jahre früher als Frauen an Gicht. Bei ihnen liegt der Erkrankungsbeginn mit dem ersten Gichtanfall meist zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr.

    Frauen erkranken in der Regel erst, wenn sie sich in den Wechseljahren befinden und ihr Östrogenspiegel im Blut deutlich absinkt. Studien zufolge schützt das weibliche Sexualhormon vor zu hohen Harnsäuremengen im Blut und verschiebt den Beginn einer Gichterkrankung im Durchschnitt auf das 55. bis 60. Lebensjahr.

    Können Kinder Gicht bekommen?

    In seltenen Fällen können bereits Kinder an Gicht erkranken. Bei ihnen liegt ein angeborener Defekt auf dem X-Chromosom (Geschlechtschromosom) vor. Die Erkrankung wird als Lesch-Nyhan- oder Hyperurikämie-Syndrom bezeichnet.

    Der Chromosomendefekt verursacht den Mangel eines wichtigen Eiweißes im Harnsäurestoffwechsel. Ohne dieses Protein sammeln sich große Harnsäuremengen im Körper an und lagern sich in der Haut, den Gelenken und der Niere ab.

    Hauptsächlich Jungen sind von dieser Erbkrankheit betroffen, die in unterschiedlichen Schweregraden auftritt. Im Säuglingsalter ist die Krankheit mit häufigem Erbrechen gekoppelt. Mit etwa einem Jahr zeigen sich dann deutliche Symptome: Die Kinder bewegen sich weniger und scheinen auch geistig weniger wach als Gleichaltrige zu sein.

    Bei schweren Formen des Lesch-Nyhan-Syndroms weisen die betroffenen Kinder ein erhöhtes Aggressionslevel auf und verletzen sich oft selbst. Spastische, unkontrollierte Körperbewegungen und körperliche sowie geistige Rückstände in ihrer Entwicklung kommen hinzu. Harnsäuresenkende Medikamente und eine purinarme Ernährung verhindern die schwerwiegendsten Folgen des Lesch-Nyhan-Syndroms.

    Was ist der Unterschied zwischen Gicht und Rheuma?

    Stechende, starke Gelenkschmerzen, beeinträchtigte Beweglichkeit von Füßen, Händen und Fingern und dazu entzündliche Schwellungen ‒ sowohl Gicht als auch Rheuma ähneln sich in ihrem Beschwerdebild stark. Was beide unterscheidet, sind Ursache und Behandlung.

    Rheuma ist eine Erkrankung des Immunsystems, bei dem die körpereigenen Abwehrzellen Strukturen in Gelenken und Organen angreifen und schädigen. Rheuma ist also eine Autoimmunerkrankung, von der mehr Frauen als Männer betroffen sind. Gicht ist dagegen eine Erkrankung des Stoffwechsels, bei der sich Harnsäurekristalle in großen Ansammlungen in Gelenknähe ablagern und sich zu Entzündungsherden entwickeln.

    Bei dem Verdacht auf eine Gelenkerkrankung ist es für Betroffene wichtig, sich in die Hände eines Gelenkspezialisten zu begeben. Dieser wählt nach einer gezielten Diagnostik die adäquate Behandlung aus.

    Symptome: Wie äußert sich Gicht?

    Finger eines Gicht-Patienten Im fortgeschrittenen Stadium können sich die Gelenke durch Gicht verformen. © chatuphot, Adobe Stock

    Symptome bei Gicht:

    • starke Schmerzen
    • Berührungsempfindlichkeit
    • Rötung, Schwellung, Überwärmung des Gelenks
    • z. T. allgemeine Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit
    • Bewegungseinschränkungen
    • evtl. Gelenkdeformationen
    • Nierenfunktionsstörungen und -koliken

    Bei jedem Patienten äußern sich die Beschwerden einer Gichterkrankung ein wenig anders. Dies hängt vorrangig von der Harnsäurekonzentration im Blut ab und wie lange die Hyperurikämie (erhöhte Harnsäure im Blut) bereits besteht. Daneben spielen Begleiterkrankungen, die körperliche Konstitution und Fitness, die Ernährungslage sowie der Stresslevel des Patienten eine nicht unwesentliche Rolle.

    Welche Gelenke sind von Gicht betroffen?

    Übereinstimmend berichten Gicht-Patienten über anfallsartige, starke Schmerzen, die zumindest zu Beginn der Erkrankung sehr plötzlich und häufig nachts ihren Anfang nehmen. Man spricht dann von einem Gichtanfall.

    Darstellung der gichtanfälligen Gelenke Neben dem Großzehengrundgelenk sind Fuß- oder Sprunggelenke, Knie, Hand- und Ellenbogengelenk häufig von Gicht betroffen. © Gelenk-Klinik

    Folgende Gelenke können von einem schmerzhaften Gichtanfall betroffen sein:

    • Großzehengrundgelenk bei mehr als der Hälfte der Patienten
    • Sprunggelenk und Mittelfußgelenk
    • Kniegelenk
    • Ellenbogen
    • Handgelenk und Fingergelenke
    • seltener Schulter- und Hüftgelenk

    Das betroffene Gelenk ist extrem empfindlich gegenüber leichtesten Berührungen, es ist verdickt und fühlt sich warm an. Wenn sich die Gichtanfälle häufen und die schmerzfreien Intervalle immer kürzer werden, kann die Beweglichkeit bestimmter Gelenke eingeschränkt sein. Patienten berichten, dass ihnen zum Beispiel festes Zugreifen oder das Abrollen beim Laufen zunehmend schwerer fällt. Im fortgeschrittenen Gichtstadium schmerzen mehrere Gelenke durchgehend und es existiert kein schmerzfreier Zeitraum mehr. In schweren Fällen weisen die Finger- oder Fußgelenke sichtbare Deformationen auf, die auch durch medikamentöse Behandlung nicht umkehrbar sind.

    Die jahrelang erhöhten Harnsäurespiegel führen bei den meisten zu Uratablagerungen in der Niere, die sich als Nierengrieß oder Nierensteine niederschlagen und deren Funktion einschränken. Nierensteine bleiben lange ohne Symptome, können aber plötzliche Nierenkoliken mit starken Schmerzen auslösen.

    Zusätzlich können sich im Bereich von Sehnenscheiden und Schleimbeuteln Harnsäurekristalle anreichern und zu entzündungsartigen Beschwerden führen.

    geschwollenes Kniegelenk durch Gicht In den betroffenen Gelenken lagern sich Harnsäurekristalle ab und führen zu Entzündungen. © Gelenk-Klinik

    Warum betrifft Gicht häufig zuerst das Großzehengrundgelenk?

    Häufig manifestiert sich der erste schmerzhafte Gichtanfall in einem Gelenk, das sich sehr weit vom gut durchbluteten, warmen Körpermittelpunkt befindet, also zum Beispiel im Großzehengrundgelenk. In dieser Körperregion herrschen kühlere Temperaturen und eventuell haben sich zusätzlich Stoffwechselsäuren angesammelt. Beide Faktoren verringern gravierend die Löslichkeit von Harnsäure, die sich in Form von Kristallen im Gelenkbereich ablagert.

    Äußert sich Gicht bei Frauen anders als bei Männern?

    Frauen leiden unter den gleichen Gichtbeschwerden wie Männer, allerdings sind sie bis zum Beginn der Wechseljahre recht gut geschützt vor zu hohen Harnsäurespiegeln: Das Sexualhormon Östrogen fördert die Ausscheidung von Harnsäure. Mit den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dann sind Frauen genauso wie Männer gefährdet, Gicht zu entwickeln, wenn verschiedene Risikofaktoren (z. B. genetische Veranlagung, Übergewicht, fleischreiche Ernährung, Alkoholkonsum) aufeinandertreffen.

    Strenge Diät kann Gicht auslösen

    Ganz gefeit gegen eine Gichterkrankung sind auch jüngere Frauen nicht: Bei Kombination einer strengen Diät mit der Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika) werden gleichzeitig viele Körperzellen abgebaut und die Wassermenge im Körper drastisch reduziert. Die Harnsäurekonzentration steigt rapide an und übersteigt deutlich ihre Löslichkeit. Die Folge: Uratablagerungen in den Gelenken und die typischen, schmerzenden Gichtanfälle.

    Ursachen: Wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäurewert?

    Harnsäure entsteht als Endprodukt im Purin-Stoffwechsel. Purine sind chemische Verbindungen, die im Körper auf zwei Wegen gebildet werden:

    • Sie sind Bestandteile des Erbmaterials von Körperzellen. Purine entstehen immer dann, wenn Zellen zerfallen oder abgebaut werden.
    • Purine stecken in vielen Lebensmitteln wie Fleisch, Innereien sowie bestimmten Fisch- und Gemüsesorten.

    Hyperurikämie: erhöhte Harnsäurewerte im Blut

    Der Körper kann Harnsäure nicht weiter verwenden und scheidet sie zum größten Teil über die Nieren aus. Der Rest verlässt den Körper über den Darm. Im Blut liegt nur wenig gelöste Harnsäure vor: Die normale Konzentration fliegt bei Männern unter 7 Milligramm pro 100 Milliliter Blut (< 7 mg/dl), bei Frauen unter 6 mg/dl. Eine Harnsäurekonzentration im Blut oberhalb dieser Normalwerte bezeichnet man als Hyperurikämie und kann folgende Gründe haben:

    • Die Niere kann die anfallende Harnsäure nicht ausreichend mit dem Urin ausscheiden.
    • Dem Körper werden über die Nahrung zu viele Purine zugeführt und die Harnsäuremenge im Blut steigt an.
    • Im Körper entstehen übermäßig viele Purinverbindungen durch einen vermehrten Abbau von Zellen. Dies kann beispielsweise bei Fastenkuren und Patienten mit Krebstherapie der Fall sein.

    Uratkristalle setzen Entzündungen in Gang

    Kurzzeitig erhöhte Harnsäuremengen lösen nicht gleich Gicht aus. Nur etwa jeder 10. Mensch mit Hyperurikämie entwickelt langfristig eine Gichterkrankung. Ob die Krankheit ausbricht, hängt hauptsächlich von der Dauer und dem Ausmaß der Hyperurikämie ab.

    Bei vielen Patienten liegen mehrere Auslöser für die erhöhten Harnsäurespiegel vor. Man spricht dann von einer multifaktoriellen Krankheitsursache. Auch eine genetische Veranlagung wird von Experten angenommen, da Gichterkrankungen familiär gehäuft auftreten.

    Oberhalb des Normalwertes überschreitet die Harnsäure ihre Löslichkeitsgrenze und lagert sich in Kristallform innerhalb oder nahe eines Gelenkes (intraartikulär oder periartikulär) ab.

    Ansammlungen der nadelförmigen Uratkristalle locken weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Fresszellen (Makrophagen) an, die im Gelenkbereich eine Entzündung auslösen. Die Makrophagen umschließen die spitzen Kristalle und lösen sie in ihrem Inneren auf. Gleichzeitig produzieren die Leukozyten verschiedene Botenstoffe, damit weitere Zellen an den Ort der Entzündung wandern. Bald ist durch die hohe zelluläre Aktivität der Sauerstoff in dieser Körperregion aufgebraucht, was die Löslichkeit der Harnsäure weiter herabsenkt. Noch mehr Kristalle bilden sich ‒ ein Teufelskreis beginnt.

    Gichttophi: sichtbares Zeichen einer ernsten Erkrankung

    Die zusammengeballten Kristalle bilden oft kleine, weißliche Knötchen, die bei länger andauernder Hyperurikämie an Größe zunehmen. Diese Verdickungen heißen Gichttophi und bilden sich vorwiegend in kühlen Körpergeweben, in denen die Harnsäure leichter ausfällt. Dazu gehören typischerweise:

    • Ohrmuscheln
    • Füße
    • Finger
    • Schleimbeutel an Ellenbogen und Knie
    • Achillessehne

    Gichttophi sind für den Arzt ein deutliches Zeichen für eine nicht ausreichend oder unbehandelte Gichterkrankung.

    Gichttophi (Gichtballen) im Großzehengrundgelenk Das Großzehengrundgelenk zählt zu den von Gicht am häufigsten betroffenen Gelenken im Körper. Uratkristalle lagern sich in Gelenknähe ab und führen zu entzündlichen Veränderungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. © Gelenk-Klinik

    Primäre oder sekundäre Hyperurikämie (Gicht)?

    Risikofaktoren für Gicht:

    • Diabetes, Bluthochdruck, nierenschädigende Erkrankungen
    • Leukämien, Anämien, Bluterkrankheit
    • Diuretika, Abführ-, Schmerzmittel
    • Chemo-, Strahlentherapie
    • Hungerzustände
    • körperliche Anstrengung
    • operative Eingriffe
    • große Mengen an Fleisch, Innereien, best. Fischarten
    • fruktosehaltige Nahrungsmittel
    • übermäßiger Alkoholkonsum
    • Übergewicht
    • Bewegungsmangel

    Mediziner unterscheiden bei Gicht zwei Formen, je nachdem, ob als Ursache eine angeborene oder erworbene Störung des Harnsäurestoffwechsels zugrunde liegt:

    Primäre Hyperurikämie: Neun von zehn Patienten leiden unter einer angeborenen Stoffwechselstörung. Der Arzt spricht dann von einer primären Gicht. Bei den Betroffenen kann die Niere nicht genug Harnsäure aus dem Purin-Stoffwechsel mit dem Urin ausscheiden. Mit der Zeit steigt der Harnsäurespiegel so stark an, dass sie sich nicht mehr im Blutplasma löst und sich Uratkristalle im Körper ablagern.

    Selten liegt einer hohen Harnsäurekonzentration ein angeborener Defekt auf den Chromosomen zugrunde. Die Nieren sind durch die Überproduktion an Harnsäure überfordert und die Blutkonzentration steigt. Das Lesch-Nyhan-Syndrom zählt zu diesen angeborenen Gendefekten.

    Sekundäre Hyperurikämie: Einige Erkrankungen, Medikamente und Situationen können zu einer sekundären Gicht führen. Hierzu gehören:

    • Krankheiten, die zu Schäden oder Funktionseinbußen der Niere führen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck (Hypertonie) oder Intoxikation (Vergiftung) der Niere, zum Beispiel mit Blei, Kohlenmonoxid oder Schimmelpilzgift
    • Krankheiten, bei denen ein gesteigerter Zellabbau stattfindet wie Leukämien, hämolytische Anämien und die Hämophilie (“Bluterkrankheit”)
    • harntreibende Medikamente (Diuretika), Abführmittel, Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) und Immunsuppressiva
    • Behandlungen, die zum Absterben großer Zellmengen führen wie nach Chemo- und Strahlentherapie bei Tumorpatienten
    • Fasten, Hungerkuren und diabetisches Koma, die in den Fettstoffwechsel eingreifen und die Nierenfunktion herabsetzen
    • große körperliche Anstrengungen, bei denen die entstehende Milchsäure die Ausscheidung von Harnsäure in der Niere blockiert
    • größere operative Eingriffe, bei denen Zellen vermehrt zugrunde gehen

    Liegt bereits die Tendenz zur Entwicklung einer Gicht vor, können bestimmte Risikofaktoren die Ausprägung der Erkrankung (Manifestation) oder einen akuten Gichtanfall auslösen. Dabei spielt die Ernährung eine ganz entscheidenden Rolle: Ein hoher Fleischkonsum, bestimmte Fisch-, Meeresfrüchte- und Gemüsesorten sowie der übermäßige Genuss von fruchtzuckerhaltigen oder alkoholischen Getränken können ‒ insbesondere kombiniert mit Übergewicht und Bewegungsmangel ‒ einen sehr negativen Effekt auf eine beginnende Gichterkrankung haben.

    Stadien der Gicht

    Der Verlauf einer Gichterkrankung lässt sich in vier Stadien unterteilen, die von Patient zu Patient unterschiedlich lang andauern:

    1. asymptomatische Phase
    2. akuter Gichtanfall
    3. interkritisches Stadium
    4. chronische Gicht

    Erstes Stadium der Gicht:

    Zu Beginn der Erkrankung liegt bei den Betroffenen eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) vor, sie verspüren aber keinerlei Beschwerden. Viele bemerken daher ihre erhöhten Werte jahrelang nicht, obwohl sich bereits in diesem frühen Stadium Uratkristalle in Gelenken und Gewebe ablagern.

    Zweites Stadium der Gicht:

    Ganz plötzlich kann sich eine Gichterkrankung bei den Betroffenen durch einen ersten Gichtanfall schmerzhaft bemerkbar machen. Meist beginnt der Gichtanfall nachts. Ausgelöst wurde er häufig durch übermäßigen Alkoholkonsum oder ein üppiges Abendessen mit purinreicher Kost.

    Bei mehr als der Hälfte der Patienten zeigt sich die Gicht-Arthritis als erstes am Grundgelenk des großen Zehs. Der Fußbereich schwillt an, rötet sich, wird sehr druckempfindlich und fühlt sich warm an. Viele Patienten berichten in diesem Stadium bereits von einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit.

    Der erste Gichtanfall erreicht nach 6 bis 12 Stunden seinen Höhepunkt und klingt innerhalb einiger Tage oft komplett ab. Auch Rötung und Schwellung verschwinden. Am Ende kann sich die Haut über dem betroffenen Gelenk abschälen.

    Schmerzen im Großzehengrundgelenk durch Gicht Bei den meisten Menschen äußert sich Gicht zunächst im Großzehengrundgelenk. © Gelenk-Klinik

    Drittes Stadium der Gicht:

    Das interkritische Stadium beschreibt den unterschiedlich langen Zeitraum zwischen zwei Gichtanfällen. In dieser Zeit liegt der Harnsäurespiegel der Patienten weiter über dem Normalwert. Unter Beschwerden und Entzündungen leiden die Betroffenen zwischen den Gichtschüben nicht. Je weiter die Gichterkrankung voranschreitet, desto kürzer werden die interkritischen, beschwerdefreien Intervalle.

    Viertes Stadium der Gicht:

    Im fortgeschrittenen Stadium werden die schmerzfreien Intervalle zwischen den Schmerzattacken immer kürzer und verschwinden schließlich ganz ‒ die Gicht hat sich zu einer chronischen Krankheit entwickelt. Betroffene leiden in Ruhe und bei Bewegung unter Schmerzen in verschiedenen Gelenken, die sich mit der Zeit auch verformen und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein können. Neben ihrer Manifestation im Bereich von Gelenken kann sich Gicht auch in Haut und Knorpel (Weichteil-Gicht) und sehr häufig in der Niere festsetzen. Der Arzt kann in dieser Phase oft Gichttophi als Zeichen einer langfristigen Hyperurikämie feststellen.

    Diagnose: Wie stellt der Arzt Gicht fest?

    Eine gründliche Befragung und Erhebung der Krankheitsgeschichte sowie die körperliche Untersuchung legen dem untersuchenden Arzt recht schnell die Diagnose Gicht nahe. Weitere labormedizinische und bildgebende Untersuchungen festigen seinen Verdacht und helfen ihm dabei, Gicht von Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Dazu zählen:

    Arzt-Patienten-Gespräch: Welche Fragen stellt der Arzt?

    Mit folgenden Fragen macht sich der behandelnde Arzt ein Bild davon, wie lange der Patient schon erhöhte Harnsäuremengen im Blut hat und in welchem Krankheitsstadium er sich befindet:

    • Gab es in der Vergangenheit ähnliche Schmerzbeschwerden?
    • Treten die Schmerzen durchgängig oder anfallsartig auf?
    • Leiden Familienmitglieder unter ähnlichen Beschwerden?
    • Wie setzt sich die tägliche Ernährung zusammen?
    • Trinkt der Patient regelmäßig Alkohol?
    • Ist der Patient übergewichtig?
    • Wird regelmäßig Sport getrieben?

    Körperliche Untersuchung

    Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt verschiedene Gelenke und Organe ab, um sie auf Druck- und Schmerzempfindlichkeit zu testen. Eventuell erkennt er beispielsweise in der Ohrmuschel oder an den Händen die für Gicht typischen Tophi, kleine, harte, weißliche Knötchen, in denen sich Harnsäurekristalle abgelagert haben.

    Laboruntersuchungen von Blut und Gelenkflüssigkeit

    Sucht der Patient in der Zeit eines akuten Anfalls die Praxis auf, gibt eine Blutuntersuchung der Entzündungsparameter deutliche Hinweise auf ein Entzündungsgeschehen. Zu diesen Markern gehören

    • eine erhöhte Leukozytenzahl,
    • eine erhöhte Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP) und
    • eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit der roten Blutkörperchen.

    Zusätzlich bestätigt ein erhöhter Harnsäurewert im Blut die Verdachtsdiagnose Gicht. Allerdings kann sich kurz nach einer Gichtattacke der Harnsäurespiegel im Normalbereich befinden und es ist zur Abklärung die Punktion des schmerzenden Gelenkes mit einer Nadel notwendig. Beweisend für Gicht sind die im Mikroskop sichtbaren typischen Harnsäurekristalle in der Gelenkflüssigkeit (Synovia).

    Bildgebung: Ultraschall und Röntgen

    Diagnose Gicht gilt als wahrscheinlich, wenn…

    • ...sich die Entzündung plötzlich und zuerst nur in einem Gelenk entwickelt.
    • ...die Beschwerden nach etwa 2 Wochen vollständig abgeklungen sind.
    • ...der Harnsäurewert im Blut über 7 mg/dl liegt.
    • ...sich Harnsäurekristalle im Punktat befinden.
    • ...der Arzt im Röntgenbild Zeichen für Uratablagerungen findet.

    Insbesondere, wenn der Patient bereits seit längerem unter Gelenkbeschwerden oder -deformationen leidet, fertigt der Arzt Röntgenbilder an und untersucht mithilfe von Ultraschall die Bänder, Sehnen und Knorpel.

    Zum Ausschluss einer Nierenschädigung dienen zum einen bestimmte Parameter im Blut wie die Kreatininkonzentration, zum anderen stellen sich dem Arzt Nierensteine und Anzeichen für einen Harnstau im Ultraschall dar. Röntgenkontrollierte Kontrastmitteluntersuchungen zeigen ergänzend anatomische Anomalien der Niere.

    Wann sollte man mit Gicht zum Arzt?

    Bei Gelenkbeschwerden oder Schmerzen, für die es keine konkrete Ursache gibt, ist der Internist oder der orthopädische Facharzt die beste Anlaufstelle für die Patienten. Denn auch wenn die Symptome bereits wieder abklingen, gilt: Je früher eine Hyperurikämie erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Heilungschancen und die Gefahr für weitere akute Gichtanfälle und einen chronischen Verlauf kann gebannt werden.

    Therapie: Wie lässt sich Gicht behandeln?

    Die ärztliche Gichtbehandlung verfolgt zwei Ziele:

    1. Die Beschwerden und Schmerzen eines akuten Gichtanfalls sollen möglichst schnell gelindert werden.
    2. Langfristig soll der Harnsäurespiegel im Blut gesenkt werden, um Spätschäden und Schmerzattacken zu vermeiden.

    Achtung: Die medikamentöse Behandlung sollte immer ein Arzt vornehmen und nie in Eigenregie erfolgen, da einige frei verkäufliche Schmerzmittel den Harnsäurespiegel zusätzlich erhöhen und zu Gichtanfällen führen können!

    Wie behandelt der Arzt einen akuten Gichtanfall?

    Um dem Patienten eine schnelle Linderung seiner Beschwerden zu verschaffen, setzt der Arzt bei einer akuten Gichtattacke entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) ein. Hierzu zählen beispielsweise die Wirkstoffe Ibuprofen, Diclofenac und Celecoxib. Die Patienten verspüren bereits nach wenigen Stunden eine deutliche Besserung ihrer Symptome.

    Zusätzlich helfen kortisonhaltige Präparate, die entzündlichen Reaktionen zurückzudrängen. Der Arzt kann sie entweder in Tablettenform für die kleineren Gelenke verschreiben oder lokal in ein größeres Gelenk, zum Beispiel das Knie, direkt an den Ort der Entzündung injizieren.

    Vertragen Patienten Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR nicht oder bleiben diese wirkungslos, stehen dem Arzt für die pharmakologische Behandlung Präparate mit dem Wirkstoff Colchicin zur Verfügung. Colchicinhaltige Arzneimittel sind für die Behandlung von akuten Gichtanfällen in Deutschland zugelassen, da sie die Entzündungsreaktionen effektiv zurückdrängen und schnell wirken. Die verordnete Dosis und Anwendungsdauer von Colchicinpräparaten muss der Patient unbedingt beachten, da sie bekanntermaßen das Erbgut schädigen und in hohen Mengen zu Vergiftungen führen können. Auch die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten erfordern eine engmaschige Überwachung der Behandlung durch den Arzt. Während der Colchicineinnahme ist die sichere Verhütung bei Männern und Frauen notwendig. Kinder dürfen Colchicin nicht einnehmen.

    Wie kann der Harnsäurespiegel langfristig gesenkt werden?

    Zur Therapie einer konstant zu hohen Harnsäurekonzentration bei Patienten stehen dem Arzt zwei Gruppen von Medikamenten zur Verfügung:

    1. Präparate, die zu einer gesteigerten Ausscheidung der Harnsäure führen, sogenannte Urikosurika
    2. Präparate, welche die Produktion von Harnsäure vermindern, sogenannte Urikostatika

    Urikosurika: Mehr Harnsäure ausscheiden

    Wann eine langfristige medikamentöse Therapie begonnen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Häufigkeit der Gichtattacken, dem Leidensdruck des Patienten und den bereits bestehenden Gelenk- und Organschäden. Ein intensives Gespräch zwischen Arzt und Betroffenem über die individuellen Bedürfnisse ist an dieser Stelle sehr wichtig.

    Zu den Wirkstoffen aus der Gruppe der Urikosurika gehören zum Beispiel Benzbromaron und Probenecid. Sie steigern die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren und werden meist in Kombination mit Urikostatika eingenommen. Patienten unter Urikosurika-Therapie müssen unbedingt viel trinken, um die größere Urinmenge zu gewährleisten.

    Urikostatika: Weniger Harnsäure produzieren

    Urikostatika enthalten meist den Wirkstoff Allopurinol und blockieren den letzten Stoffwechselschritt bei der endogenen Harnsäureproduktion. Der Arzt passt die Dosierung so an, dass er eine Harnsäurekonzentration bei Frauen unter 6 mg/dl und Männern unter 7 mg/dl erzielt. Idealerweise lösen sich unter Urikostatika-Therapie bereits vorhandene Gichttophi und Nierensteine auf.

    Was können Patienten selbst gegen Gicht tun?

    Einige Patienten sind erstaunt, mit welchen einfachen Mitteln und Veränderungen in ihrem Alltag sie einen erheblichen Einfluss auf ihren Harnsäurespiegel haben. Bei nur leicht erhöhten Werten kann eine derartige Umstellung der eigenen Gewohnheiten eine medikamentöse Therapie teilweise oder komplett ersetzen.

    Ernährungsgewohnheiten verändern

    Für Patienten mit Hyperurikämie empfehlen Ernährungswissenschaftler eine ausgewogene, vollwertige und möglichst purinarme Ernährung. Zu einer speziellen Diät raten Experten nicht, Menschen mit Gichtrisiko sollten nur einige wichtige Punkte beachten:

    • Purinreiche Lebensmittel weitgehend meiden. Dazu gehören Fleisch, Wurst, Innereien, Krustentiere und einige Fischsorten wie Ölsardinen, Sardellen und Hering.
    • Bei der Ernährung purinarme Lebensmittel bevorzugen, wie zum Beispiel Milch und Milchprodukte, Eier, Obst und Gemüse. Auch bei Gemüsesorten mit hohem Puringehalt wie Hülsenfrüchte, Spinat, Kohl und Spargel überwiegen nach Expertenmeinung die Vorteile einer ausgewogenen Ernährung.
    • Alkoholische Getränke am besten ganz vermeiden oder nur in sehr geringen Mengen konsumieren. Insbesondere Bier führt zu einer Übersäuerung des Blutes und setzt die Löslichkeit der Harnsäure herab. Oft ist ein akuter Gichtanfall die Folge eines übermäßigen Alkoholgenusses.
    • Gegen hohe Harnsäurespiegel hilft, möglichst viel zu trinken, am besten 2 Liter oder mehr. Ungesüßte Tees oder Mineralwasser eignen sich, um zusätzlich Harnsäure über die Niere aus dem Körper zu spülen.
    • Verzicht auf Produkte, die mit Fruchtzucker (Fruktose) gesüßt sind wie zum Beispiel Obstsäfte, Softdrinks, Müsliriegel und Joghurts. Fruktose greift im Körper direkt in den Purinstoffwechsel ein und führt schon Minuten nach dem Verzehr zu deutlich erhöhten Harnsäurewerten.
    Purin in tierischen Lebensmitteln Patienten mit Gicht sollten möglichst auf purinreiche Kost verzichten. Purine sind vor allem in tierischen Lebensmitteln vorhanden. © airborne77, Adobe Stock

    Lebensstil anpassen

    Gicht-Patienten sollten langfristig ein normales Körpergewicht und einen aktiven Lebensstil anstreben. Bei vielen sinken die Harnsäurelevel auf ein Normalmaß und sie benötigen keine zusätzliche medikamentöse Behandlung.

    • Achtung: Übergewicht langsam abbauen! Strenge Diäten sorgen nur für vorübergehende Erfolge und setzen in kurzer Zeit große Mengen an Harnsäure frei. Ein Gichtanfall kann die Folge sein. Besser ist eine langfristige, fettreduzierte Umstellung der Ernährung.
    • Regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivität reduzieren nachweislich den Harnsäurespiegel und helfen dabei, Übergewicht abzubauen. Aber auch hier Vorsicht: Nicht überanstrengen, denn die entstehende Milchsäure behindert die Harnsäureausscheidung.

    Physiotherapie und physikalische Anwendungen

    Gezielte Bewegungsübungen aktivieren den Stoffwechsel und fördern den Abtransport von Abbauprodukten. Auf diese Weise können die Gichtbeschwerden zwar gelindert, ihre Ursachen aber nicht beseitigt werden.

    Während eines Gichtanfalls sollten die betroffenen Gelenke unbedingt geschont werden. In den schmerzfreien Phasen helfen muskelstärkende und mobilisierende Übungen, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und den Muskeltonus zu verbessern.

    Weitere Anwendungen wie Chirotherapie und Kälteanwendungen passt der Physiotherapeut individuell an den Patienten an. Jeder Betroffene reagiert zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Erkrankung anders auf eine Behandlungsmethode.

    Soll man bei Gicht operieren?

    Einen operativen Eingriff bei Gicht-Patienten zieht der behandelnde Facharzt erst in Betracht, wenn bestimmte Gelenke so stark geschädigt sind, dass pharmakologische und physiotherapeutische Behandlungsansätze keine Aussicht auf Erfolg haben. In diesem Fall kann der Einsatz eines künstlichen Gelenks für den Patienten die sinnvollste Option sein. In ausführlichen Gesprächen entscheiden Arzt und Patient gemeinsam über das weitere Vorgehen und den genauen Ablauf des Behandlungsplans, der neben einem stationären Aufenthalt auch eine mehrwöchige Rehabilitationsphase umfasst.

    Wie ist die Prognose bei Gicht?

    Wie schwer sich eine Gichterkrankung bei Patienten niederschlägt, hängt in erster Linie von drei Faktoren ab:

    • Wie lange besteht die Hyperurikämie bereits und wie weit liegt der Harnsäurespiegel im Blut über dem Normalwert?
    • Wie konsequent wurde auf purin-, fruktose- und alkoholarme Ernährung und aktiven Alltag umgestellt?
    • Wie verlässlich nimmt der Betroffene die u. U. verschriebenen Medikamente zur Reduzierung des Harnsäurespiegels ‒ auch in schmerzfreien Intervallen ‒ ein?

    Der behandelnde Arzt weist seine Patienten während der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen darauf hin, wie wichtig die Therapie gerade auch in der interkritischen Phase ist. Eine Behandlungsunterbrechung hat erfahrungsgemäß verkürzte schmerzfreie Intervalle und eine Verschlechterung der Erkrankung zur Folge. Ist ein Gelenk einmal geschädigt oder deformiert, kann der Arzt diesen Zustand nicht umkehren.

    Die langfristigen Schäden und Ablagerungen an der Niere sind besonders kritisch, da sie mit der Zeit immer weniger Harnsäure ausscheidet und schließlich vollständig versagen kann. Mediziner sprechen von Gichtniere.

    Häufige Patientenfragen zur Gicht an Dr. Dickreiter von der Gelenk-Klinik Freiburg

    Welche Hausmittel gibt es gegen Gicht?

    Patienten mit Gicht handeln intuitiv richtig, wenn sie zu Hause gegen ihre Schmerzen angehen: Sie legen das betroffene Bein oder den Arm hoch, kühlen das Gelenk mit feuchten Tüchern oder Quarkwickeln und gönnen sich viel Ruhe. Unnötige Belastung oder Bewegung sollten sie vermeiden. Für die notwendigen Gänge kann eine Gehstütze hilfreich sein. Ganz wichtig ist viel trinken, damit die überschüssige Harnsäure aus dem Körper geschwemmt wird und langfristig Nierenschäden vermieden werden. Wir empfehlen unseren Patienten, zu Tee und Wasser zu greifen. Manche Patienten verwenden spezielle Teezubereitungen, beispielsweise mit Brennnessel- oder Gierschauszügen, Leinsamen oder Apfelessig. Eine zusätzliche Wirksamkeit ist nicht bewiesen, aber erlaubt ist, was hilft.

    Welche Medikamente helfen bei Gicht?

    Als behandelnde Ärzte können wir aus einer großen Palette an Medikamenten das für den Patienten am besten geeignetste auswählen. Neben Schmerzmitteln in Kombination mit entzündungshemmenden Präparaten gegen den akuten Gichtanfall können wir Präparate verschreiben, mit denen die Harnsäure schneller über die Niere ausgeschieden wird (Urikosurika) oder die deren Produktion im Körper hemmen (Urikostatika). Beide Wirkstoffklassen verhindern die gravierenden Langzeitschäden an den Gelenken und der Niere.

    Warum sollte man mit Gicht kein Bier trinken?

    Bier wirkt über zwei Mechanismen negativ auf einen sowieso schon erhöhten Harnsäurespiegel: Erstens aktiviert der Alkohol die Purinbildung in der Leber bei gleichzeitig herabgesetzter Ausscheidung über die Niere. Zweitens enthält die Hefe im Bier besonders viel Purin und erhöht zusätzlich die Harnsäurekonzentration im Blut. Wein dagegen ist purinfrei, ebenso Wasser, Tee und Kaffee.

    Welcher Arzt behandelt Gicht?

    Eine Gichterkrankung kann schwerwiegende Folgen haben und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Daher gehört sie so früh wie möglich in ärztliche Hände. Der erste Gang führt Betroffene meist zu ihrem Hausarzt oder einem internistischen Facharzt, bei bekannter Vorbelastung eventuell auch zum Rheumatologen. Für die Differentialdiagnose zwischen Gicht und anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen empfiehlt sich der Besuch beim orthopädischen Gelenkspezialisten. Ihm stehen die notwendigen diagnostischen Mittel und Behandlungsoptionen zur Verfügung, um langfristige Gelenk- und Nierenschäden zu verhindern.

    Was ist Pseudogicht?

    Die Pseudogicht äußert sich durch ähnliche Beschwerden wie die Gicht, also dick geschwollene, gerötete, schmerzende Gelenke. Allerdings lassen sich bei der Pseudogicht keine Harnsäurekristalle sondern Kalziumpyrophosphatkristalle in der Gelenkflüssigkeit nachweisen. Ein weiterer, für den Arzt deutlicher Unterschied ist, dass sich eine Gichterkrankung zuerst oft im Großzehengrundgelenk oder anderen kleinen Gelenken zeigt, die Pseudogicht dagegen in großen Gelenken wie zum Beispiel dem Knie.

    Welchen Alkohol darf ich mit Gicht trinken?

    Ärzte empfehlen Gicht-Patienten, ihren Alkoholkonsum stark einzuschränken. Gegen ein Glas Wein ab und zu ist nichts einzuwenden. Auf feucht-fröhliche Abende sollten Betroffene aber ganz verzichten, da nicht selten hierdurch ein schmerzhafter, mehrwöchiger Gichtanfall ausgelöst wird.

    Warum trat Gicht in den Kriegsjahren kaum auf?

    Während und nach dem Krieg war die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sehr mangelhaft und einseitig. Diese Minderversorgung betraf auch einige Risikofaktoren für die Gichterkrankung, nämlich Fleisch, Fisch, Süßigkeiten und Alkohol. Die Menschen der Nachkriegszeit entwickelten zwar sehr viel seltener Gicht, litten aber natürlich unter anderen Krankheiten wie Unterernährung und Vitaminmangelzuständen.

    Welche Blutwerte sind bei Gicht erhöht?

    Bestimmte Laborwerte helfen uns dabei, den Verdacht auf Gicht zu untermauern. Dazu gehören die Leukozytenzahl, die Blutsenkung und der CRP-Wert. Diese Werte zeigen, ob ein entzündlicher Prozess im Körper abläuft. Zusätzlich lassen wir die Harnsäurekonzentration im Blut bestimmen. Liegt sie oberhalb des Normalwertes von 7 Milligramm pro Deziliter (7 mg/dl), ist eine Gichterkrankung wahrscheinlich. Der Harnsäurewert muss regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden, damit garantiert ist, dass die durchgeführte Behandlung ausreicht. Eventuell verschreibt der Arzt zusätzlich ein harnsäuresenkendes Medikament.

    Ist Gicht gefährlich?

    Eine Gichterkrankung darf nicht unterschätzt werden. Wird die Hyperurikämie nicht oder zu spät behandelt, entwickeln sich schwere Gelenkschäden, Ablagerungen der Harnsäure in Haut und Organen sowie fast unausweichlich eine Niereninsuffizienz. Je früher ein Betroffener den Weg zum Arzt findet und gegen seinen hohen Harnsäurespiegel angeht, desto besser ist die Prognose der Gicht. Der Übergang in ein chronisches Stadium lässt sich auf diese Weise vermeiden.

    Bekomme ich von Gicht Juckreiz?

    Eine erhöhte Menge Harnsäure im Körper, beispielsweise durch eine beginnende Niereninsuffizienz, führt bekanntermaßen zu Juckreiz in verschiedenen Hautarealen. Hinzu kommt, dass sich die Haut über einem schmerzenden Gelenkabschnitt im Laufe eines Gichtanfalls abschält. Vorher ist dieser Hautbereich schuppig und trocken. Diese Faktoren zusammen führen oft zu starkem Juckreiz.

    Kann ich mit Gicht joggen?

    Sportliche Aktivitäten jeder Art fördern das Wohlbefinden von Gichtpatienten und erniedrigen nachweislich den Harnsäurespiegel. Man sollte es aber auf keinen Fall übertreiben und lieber häufiger kurze Etappen joggen als einmal pro Woche einen Halbmarathon. Bei starken körperlichen Anstrengungen gehen viele Körperzellen zugrunde und belasten die Niere mit zusätzlicher Harnsäure, was Ursache für einen akuten Gichtanfall sein kann.

    Wo hat man bei Gicht Schmerzen?

    Bei Gicht sind zuerst Gelenke betroffen, die weit von der Körpermitte entfernt liegen. Die ersten Beschwerden machen sich bei jedem zweiten Patienten am Grundgelenk des großen Zehs oder an einem anderen Fußgelenk bemerkbar. Auch Finger- und Handgelenke zeigen die typischen Entzündungszeichen, schmerzen und sind während eines akuten Gichtanfalls sehr berührungsempfindlich. Langfristig können auch das Hüftgelenk, Knie und Schultern in Mitleidenschaft gezogen werden.

    durch Gicht geschwollene Fingergelenke Finger- und Handgelenke sind häufig von einem Gichtanfall betroffen. Sie schmerzen und sind berührungsempfindlich. © Gelenk-Klinik

    Warum sollte man mit Gicht nicht fasten?

    Durch Fasten und Nulldiät baut der Körper in sehr kurzer Zeit große Mengen an Zellen ab. Die Purine aus diesen Zellen werden in der Folge zu Harnsäure abgebaut und die Harnsäurekonzentration im Blut steigt rasant. Für Gichtpatienten oder Menschen mit Veranlagung zu Hyperurikämie kann eine strenge Diät in einem akuten Gichtanfall münden. Besser ist es, langsam über einen längeren Zeitraum das Gewicht zu reduzieren.

    Welche Lebensmittel sollte ich mit Gicht meiden?

    Wir empfehlen Gichtpatienten eine purin-, fruktose- und alkoholreduzierte Kost. Das bedeutet, dass man in der ersten Zeit der Ernährungsumstellung ab und zu genauer auf die Inhaltsstoffe achten muss. In vielen Produkten verstecken sich Purinquellen oder Fruktose als Süßungsmittel. Große Mengen Fleisch, Fisch oder Innereien sollten die Betroffenen besser vermeiden. Auch Joghurtzubereitungen, Softdrinks und Müsliriegel sind für Gichtkranke nicht geeignet, da hier viel Fruchtzucker enthalten ist.

    Was sind Gichtknoten?

    Gichtknoten oder auch Gichttophi sind kleine weiß-gelbe, harte Knötchen. Sie stellen die nach außen sichtbaren Zeichen einer chronischen Gichterkrankung dar. Häufig befinden sie sich in der Ohrmuschel, an Fingern, Ellenbogen oder den Zehen.

    Ist Gicht heilbar?

    Nicht jeder, der hohe Harnsäurewerte hat, erkrankt unweigerlich an Gicht. Aber wenn eine Veranlagung für Hyperurikämie besteht, kann man mit einer Umstellung der Ess- und Lebensgewohnheiten sehr viel erreichen. Dazu gehören eine ausgewogene, purinarme Kost, wenig oder kein Alkohol, viel Bewegung und die Vermeidung von Stress. Eine regelmäßige Kontrolle der Harnsäurewerte beim Arzt gibt Sicherheit und man wirkt dem Übergang der Gicht ins chronische Stadium entgegen.

    Soll man die Gelenke bei Gicht kühlen oder wärmen?

    Die meisten Patienten empfinden bei akut auftretenden Gichtbeschwerden eher Kälte als angenehm. Entweder kann man ein Kühlpad in ein Handtuch einschlagen und auf das schmerzende Gelenk legen oder man legt für etwa 30 Minuten einen Quarkwickel auf. Kühlelemente dürfen niemals direkt auf der Haut aufliegen, sonst kann es zu Hautschäden kommen.

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