Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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Orthopaedische Spezialisten für Schulter

Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Diagnose und Behandlung

  1. Was ist eine Kalkschulter (Tendinosis calcarea)?
  2. Entwicklung und typischer Verlauf
  3. Symptome der Kalkschulter
  4. Ursachen der Kalkschulter
  5. Diagnose: Woran erkennt der Arzt eine Kalkschulter?
  6. Behandlung der Tendinosis calcarea
  7. Operation der Kalkschulter
Eine Kalkschulter ist eine schmerzhafte Kalkeinlagerung in die Sehnen der Rotatorenmanschette. Eine Kalkschulter ist eine schmerzhafte Kalkeinlagerung in die Sehnen der Rotatorenmanschette. © WavebreakmediaMicro, Fotolia

Häufig steht der Begriff der Kalkschulter als Sammelbegriff für entzündliche und verschleißbedingte Veränderungen der Schulter. Es gibt aber verschiedene andere Ursachen für diese Veränderungen, die mit einer Kalkschulter nicht verwechselt werden sollten. Die Therapieempfehlungen bei solchen Erkrankungen unterscheiden sich deutlich von denen einer Kalkschulter.

Was ist eine Kalkschulter?

Unter einer Tendinosis calcarea (Kalkschulter) versteht man eine Erkrankung im Bereich der Schultersehnen, besonders der Supraspinatussehne. Ursächlich ist eine Minderdurchblutung der Rotatorenmanschette, die zur Kalkablagerung an den Sehnenansätzen führt. Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und deren Sehnen, die das Schultergelenk schützend umfassen.

Der Grad der Belastung der Schulter und vorher erlittene Verletzungen oder Stürze auf die Schulter scheinen dabei unerheblich zu sein. Die Mehrzahl der Patienten ist zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Entwicklung und typischer Verlauf

Vier Phasen unterteilen die Entwicklung und den Krankheitsverlauf der Kalkschulter:

  1. Phase der Zellumwandlung:
    Während dieser Phase wird das Sehnengewebe zu Faserknorpel umgebaut. Der Patient empfindet in der Regel keine oder nur sehr leichte Schmerzen.
  2. Phase der Verkalkung:
    Das Knorpelgewebe stirbt teilweise ab und Kalk lagert sich ein. Ab diesem Zeitpunkt lässt sich das Krankheitsbild mittels Ultraschall – später auch durch eine Röntgenuntersuchung – nachweisen. Wird die Schultersehne durch das Kalkdepot sehr aufgeworfen, kann es beim Anheben des Armes zu einer Enge im Schulterdach (Akromion) kommen. Dieses sogenannte Impingement reizt die unter das Schulterdach gleitenden Sehnen, vor allem die Supraspinatussehne sowie die Schleimbeutel.
  3. Phase der Resorption:
    Der Kalkherd wird resorbiert (aufgelöst), was mit einer heftigen Entzündungsreaktion einhergeht. Dies kann starke Schulterschmerzen auslösen. Wenn sich einzelne Kalkherde in den Schleimbeutel des Schulterdachs (Bursa subacromialis) ausdehnen, können sie dort eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) verursachen.
  4. Phase der Reparatur:
    Löst sich das Kalkdepot auf, kommt es nur äußerst selten zu wiederkehrenden Kalkdepots (Rezidive).

Nicht jede Kalkschulter durchläuft diesen Zyklus vollständig. Sie kann in jedem Stadium verharren. Die Beschwerden eines Patienten mit Kalkschulter können erheblich variieren. Dies hängt hauptsächlich von der Größe des Kalkdepots und dem Erkrankungsstadium ab. Leidet der Patient an akuten Schmerzen, treten diese aufgrund des phasenartigen Verlaufes meist schubhaft auf.

Symptome der Kalkschulter

Typische Symptome:

  • Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Belastungsschmerz
  • Schmerzen nach Überkopfarbeit
  • plötzliche Schulterschmerzen ohne Auslöser
  • Bewegungsunfähigkeit des Armes (Pseudoparalyse)

Die Beschwerden einer Kalkschulter entwickeln sich häufig schleichend. Plötzlich einschießende Schulterschmerzen entstehen vor allem bei Drehbewegungen und beim Heben des Armes. Erst bei zunehmender Größe des Kalkdepots sind die Schmerzen dauerhaft. Dann verspüren die Patienten auch verstärkt Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite.

Ursachen der Kalkschulter

Ursache der Tendinosis calcarea (Kalkschulter) ist eine Minderdurchblutung der Rotatorenmanschette. Dadurch erhöht sich der Druck im Bereich des Sehnengewebes. Dies führt zu einer schlechteren Versorgung mit Sauerstoff.

Zudem sind Menschen gefährdet, die häufig Überkopfarbeiten ausführen. Auch bestimmte Sportarten erhöhen das Risiko einer Kalkschulter. Dazu zählen beispielsweise Volleyball oder Schwimmen sowie andere Sportarten, die mit wiederholten Überkopfbewegungen einhergehen.

Schwimmen kann eine Kalkschulter begünstigen. Wiederkehrende Überkopfbewegungen wie beim Schwimmen belasten verschiedene Strukturen im Schultergelenk und können zur Kalkschulter führen. © takoburito, Fotolia

Wie entstehen Nackenschmerzen als Folge einer Kalkschulter?

Ist eine der Schultersehnen durch ein Kalkdepot eingeklemmt, wird der Patient die Schulter infolge der gereizten Sehnenansätze und damit verbundenen Schmerzen schonen. Dadurch kann sich eine Schultersteife entwickeln. Die schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter durch Entzündung der Gelenkschleimhaut und Schulterkapsel führt im Verlauf der Erkrankung zu einer Verdickung und anschließenden Schrumpfung der Schulterkapsel. Der Patient nimmt eine Schonhaltung ein, die wiederum die Kapselschrumpfung begünstigt.

Normalerweise kann der Arm im Schultergelenk bis 90° angehoben werden. Die restlichen 90° bis zur vollständigen Überkopfstreckung von 180° erfolgen durch Gleitbewegungen des Schulterblattes auf dem Brustkorb (Thorax). Schrumpft die Gelenkkapsel aufgrund der Entzündung oder der schmerzbedingten Schonhaltung, bewegen Betroffene den Arm nicht mehr im Schultergelenk, sondern nur noch durch die Gleitbewegung des Schulterblattes. Dies führt zu Verspannungen und Überbeanspruchung der für die Schulterblattbewegung zuständigen Muskulatur im Nackenbereich. Da der Verspannungsschmerz sich auf diese Weise vom Schultergelenk zum Nacken und oberen Rückenbereich verschiebt, wird das eigentliche Problem der Verkalkung vom Patienten oft nicht in der Schulter vermutet.

Ähnlich einem Stein, der in einem zu engen Schuh ein Loch im Strumpf verursacht, löst der Kalk Schäden am Sehnengewebe aus. Die Sehne wird brüchig, zeigt Einrisse und ist mechanisch weniger belastbar, bis sie letztendlich reißt. Setzt die Therapie zu spät ein, sind die Folgen oft irreparabel. Selbst wenn der Defekt genäht wird, reißt die Sehne immer wieder ein.

Diagnose: Woran erkennt der Arzt eine Kalkschulter?

Sobald die Verkalkung eingetreten ist, kann ein Ultraschall oder eine Röntgenuntersuchung die Kalkschulter nachweisen. Eine Kernspinuntersuchung (MRT) ist für die Diagnostik nicht notwendig, da sich das Kalkdepot hierbei schlecht darstellt.

Behandlung der Tendinosis calcarea

Konservative Therapie der Kalkschulter:

Die Behandlung einer Kalkschulter erfolgt in den meisten Fällen konservativ. Erst wenn konservative Maßnahmen wie Stoßwellentherapie über einen längeren Zeitraum keine Besserung bringen oder das Kalkdepot bereits zu groß ist, sollte über eine Operation nachgedacht werden.

Entlastung durch Orthese

Besteht eine akute Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis) und leidet der Patient somit unter starken Schulterschmerzen, kann eine Schulterorthese (Bandage) den Arm kurzzeitig entlasten.

Schmerztherapie bei Kalkschulter

Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente sowie Kühlung der Schulter (Kryotherapie) lindern die Schmerzen und bremsen die Entzündungsvorgänge. Auch eine Injektion mit leichten Betäubungsmitteln führt zu einer schnellen Schmerzreduktion.

Konservative Behandlung mittels Stoßwellentherapie

Patientin bei Stoßwellentherapie an der Schulter Hochenergetische Druckwellen können Kalkdepots in der Schulter auflösen. © Dan Race, Fotolia

Eine Stoßwellentherapie kann wiederkehrende Schmerzen in der Schulter lindern. Hierbei wird das Kalkdepot gezielt mit akustischen Wellen beschossen. Die dadurch geförderten biologischen Heilungsprozesse lösen die Kalkeinlagerung auf.

Operation der Kalkschulter

Da die Kalkschulter oft spontan heilt, ist man mit der operativen Behandlung eher zurückhaltend. Folgende Bedingungen sprechen allerdings für eine Operation der Kalkschulter:

  • Die genannten konservativen Therapien führen zu keiner Besserung.
  • Der Patient leidet anhaltend unter starken Schmerzen.
  • Der Kalkherd ist größer als 1 cm.
  • Der Kalkherd ist von harter Konsistenz.

Durchführung der Kalkschulter-Operation

Während der Operation entfernt der Chirurg die Kalkdepots und erweitert den Raum unter dem Schulterdach (Akromion). Er führt diesen Eingriff in der Regel arthroskopisch (minimalinvasiv) durch. Während der Spiegelung (Arthroskopie) kann der Arzt gleichzeitig Zusatzschäden (Arthrose, Rotatorenmanschettenriss) diagnostizieren und gegebenenfalls mitbehandeln. Nach dem operativen Eingriff sollte der Patient seine Schulter für etwa drei Wochen schonen. Krankengymnastik sorgt in dieser Zeit für den Erhalt der Schulterbeweglichkeit.

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