Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
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Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)

  1. Was ist Wirbelgleiten?
  2. Die häufigsten Ursachen der Spondylolisthese
  3. Was sind typische Symptome des Wirbelgleitens?
  4. Diagnose des Wirbelgleitens
  5. Klassifikation der Spondylolisthesis nach Meyerding
  6. Welche Therapie hilft bei Spondylolisthesis?
  7. OP der Gleitwirbel: Welche Möglichkeiten gibt es?
  8. Wie lange bin ich nach einer Operation arbeitsunfähig?
  9. Wann darf ich nach der operativen Versteifung der Wirbelsäule wieder Sport machen?
Spondylolisthese (Wirbelgleiten)Eine Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) entsteht durch Verschleißprozesse in der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule wird instabil und es entstehen starke Rückenschmerzen. © Henrie, Fotolia

Verschieben sich einzelne Wirbelkörper gegeneinander, spricht man von einer Spondylolisthesis oder auch von Wirbelgleiten. Ursächlich sind meist degenerative Prozesse (Verschleiß) der Wirbelsäule. Aber auch Fehlbildungen oder Unfälle sowie ein Knochendefekt im Bereich des Wirbelbogens (Spondylolyse) können für diese Instabilität der Wirbelsäule verantwortlich sein. Meist betrifft das Wirbelgleiten die Lendenwirbelsäule (LWS). Ziele der Therapie sind Schmerzreduktion und eine Vermeidung neurologischer Symptome. Neben konservativen Maßnahmen stehen operative Behandlungsmöglichkeiten wie eine Versteifungsoperation (Spondylodese) zur Verfügung.

Was ist Wirbelgleiten?

Wichtige Begriffe:

  • Spondylolisthesis:
    Die Wirbelkörper der Wirbelsäule sind in einzelnen Segmenten gegeneinander überbeweglich, sodass eine Einklemmung (Stenose) des Rückenmarks entstehen kann.
  • Listhese:
    Kurzform für Spondylolisthesis
  • Anterolisthesis:
    Verschiebbarkeit der Wirbelkörper nach vorne.
  • Retrolisthesis:
    Verschiebbarkeit der Wirbelkörper nach hinten.
  • Spondylolysis:
    Meist sportbedingte Stressfraktur in einem Bereich des Facettengelenks (Wirbelgelenks) der Wirbelsäule, die zu Wirbelgleiten führen kann.
  • Spondylodese:
    Operative Fusion von Wirbelkörpern, um eine Instabilität oder Überbeweglichkeit zu therapieren.

Als Spondylolisthese oder Wirbelgleiten bezeichnet man das Verschieben eines Wirbelkörpers mitsamt seiner Bogenwurzeln, Querfortsätze und oberen Gelenkfortsätze. Ein Gleiten über den nächstgelegenen Wirbel nach vorne bezeichnet man als Anterolisthesis und nach hinten als Retrolisthesis.

Die Verschiebung der Position der Wirbel kann das Rückenmark einengen und es kommt zu einer Spinalkanalstenose. Das führt zu Schmerzen und Funktionsausfällen von Nerven. Wenn Nerven komprimiert werden, sind Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen, Taubheit und Gefühlsstörungen die Folge. In schweren Fällen verliert der Patient sogar die Kontrolle über Blase und Darm.

Die Überbeweglichkeit der Wirbelkörper belastet auch die Wirbelgelenke (Facettengelenke) in den betroffenen Segmenten der Bandscheibe. Das kann über längere Zeit zu einer schmerzhaften Arthrose der Facettengelenke (Spondylarthrose) führen.

Durch das Wirbelgleiten nutzen auch die betroffenen Bandscheiben zwischen den gleitenden Wirbelkörpern stark ab und degenerieren vorzeitig. Das kann zusätzlich zu Rückenschmerzen und zu einem Bandscheibenvorfall führen. Wenn die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern an Höhe und Elastizität verlieren, verstärkt dies das Wirbelgleiten durch den fehlenden Puffer noch.

Bei ca. 2–4 % der Bevölkerung bleibt der Gleitwirbel größtenteils ohne Beschwerden und deshalb unbemerkt. Der 5. Lendenwirbel ist mit 80 % am häufigsten betroffen. Der 4. Lendenwirbel am zweithäufigsten mit 15 %.

Gut die Hälfte aller Fälle von Wirbelgleiten verursachen über lange Zeit klinisch keine Beschwerden. Daher sollten wir bei nicht dauerhaft bestehenden, aber chronisch wiederkehrenden Rückenschmerzen – vor allem in Verbindung mit in Arme oder Beine ausstrahlenden Schmerzen – auch an ein Wirbelgleiten denken.

Die häufigsten Ursachen der Spondylolisthesis

  • Fehlbildung der Wirbelsäule
  • Spaltbildung im Wirbelbogen (Spondylolyse)
  • degenerative Veränderungen (Verschleiß) der Wirbelsäule
  • Unfälle

Was sind typische Symptome des Wirbelgleitens?

Bei einer Spondylolisthese leidet der Patient unter bewegungs- und belastungsabhängigen Schmerzen im Rücken. Zum Teil finden sich auch neurologische Symptome bei höheren Graden des Gleitwirbels, weil es dann zur zunehmenden Einengung der Nervenwurzeln kommt. Weiterhin finden sich bei manchen Patienten Instabilitätsgefühle im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Es ist außerdem möglich, dass es durch das Wirbelgleiten zu ausstrahlenden Schmerzen in die Hüfte oder Beine kommt. Diese entstehen durch eine Kompression der hüftversorgenden Nerven aus dem Wirbelkanal.

Diagnose des Wirbelgleitens

Die Diagnosestellung beginnt mit der Erfragung von Krankengeschichte und Risikofaktoren. Wichtig sind vor allem Vorerkrankungen, Verletzungen und ein familiäres Auftreten von Wirbelsäulenerkrankungen. In der klinischen Untersuchung inspiziert der Arzt den Rücken von außen und achtet dabei auf eine mögliche Stufenbildung der Wirbelsäule. Wichtig sind zudem die allgemeine Körperhaltung und der Stand des Beckens. Ein Schiefstand des Beckens kann auf Probleme in der Wirbelsäule hindeuten.

Außerdem untersucht der Arzt die Nervenfunktion des Patienten und überprüft Sensibilität, Motorik und Reflexe. Dafür stehen ihm verschiedene Funktionstests zur Verfügung. Eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit oder eine Elektromyografie liefern Hinweise auf eine mögliche Nervenschädigung.

Weiterhin wichtig für die Diagnose und anschließende Behandlung sind bildgebende Verfahren. Das Röntgenbild zeigt Verschiebungen einzelner Wirbelkörper gegeneinander. Ein MRT oder CT kann zudem die Situation der Weichteile darstellen und zeigt, an welchen Stellen bereits eine Kompression der Nerven stattgefunden hat.

  • Anamnese (Sport, familiäre Belastung)
  • Inspektion (Haltung, Stufenbildung an der Lendenwirbelsäule)
  • Palpation (Stufenbildung, Schmerz, Beckenstand)
  • Funktions- und Schmerztests
  • Röntgenaufnahmen der LWS (Lendenwirbelsäule) in zwei Ebenen
  • Funktionsaufnahmen
  • CT- und/oder MRT
  • Wirbelsäulenvermessung
  • Diskografie
  • Elektromyografie (EMG)
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)

Klassifikation der Spondylolisthesis nach Meyerding

Die Einteilung der Spondylolisthesis erfolgt anhand der Klassifikation nach Meyerding. Dafür wird der Grad der Abweichung eines Wirbelkörpers zum darunterliegenden Wirbel beurteilt. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Spondylolisthese. Folgende Grade des Wirbelgleitens ergeben sich in der Einteilung nach Meyerding:

  • Grad 1 nach Meyerding: unter 25 % Verschiebung
  • Grad 2 nach Meyerding: 25–50 % Verschiebung
  • Grad 3 nach Meyerding: 50–75 % Verschiebung
  • Grad 4 nach Meyerding: über 75 % Verschiebung
  • Grad 5 nach Meyerding: Spondyloptose (Wirbel haben den Kontakt zueinander verloren)

Welche Therapie hilft bei Spondylolisthesis?

Konservative Behandlung:

Wann wird operiert?

  • bei neurologischen Ausfällen
  • bei einer Zunahme des Wirbelgleitens
  • bei erhöhtem Leidensdruck und Schmerzen
  • bei Versagen der konservativen Therapie

Ziel der Therapie des Wirbelgleitens ist die Beseitigung oder Reduktion von Schmerzen und evtl. vorhandenen neurologischen Symptomen. Außerdem zielen die Maßnahmen darauf ab, ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Die Behandlung der Spondylolisthesis erfolgt in den meisten Fällen konservativ. Der Gleitvorgang kann spontan in jedem Stadium zum Stillstand kommen. Je weiter sich jedoch der Wirbel verschiebt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von neurologischen Symptomen.

Die konservative Therapie beinhaltet eine ausführliche Beratung des Patienten, eine medikamentöse Therapie, Physiotherapie und Orthopädietechnik.

OP der Gleitwirbel: Welche Möglichkeiten gibt es?

Operativ steht die Versteifungsoperation (Spondylodese) im Vordergrund. Diese Therapie erfordert eine individuell zugeschnittene Lösung. Dabei bestehen je nach Art und Ausprägung des Wirbelgleitens, nach Alter und Aktivität des Patienten, nach Zustand der Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörper ganz unterschiedliche Ansätze. Erst wenn alle Details geklärt sind, kann ein individuelles Konzept zur Versteifungsoperation angeboten werden.

Die Stabilisierung der Wirbelsäule im Rahmen einer minimalinvasiven Operation erfolgt mit speziellen Schrauben und Verbindungsstangen. Wurden durch den Gleitwirbel Nervenwurzeln eingeengt, müssen diese zunächst freigelegt (dekomprimiert) werden.

Versteifung der Lendenwirbelsäule im RöntgenEine operative Versteifung (Spondylodese) kann eine durch Wirbelgleiten instabil gewordene Wirbelsäule mittels Schrauben stabilisieren. © praisaeng, Fotolia

Wie lange bin ich nach einer Operation arbeitsunfähig?

Nach einer operativen Versteifung bei Wirbelgleiten dürfen Sie etwa 4 bis 6 Wochen nicht arbeiten. Je nach Tätigkeit kann die Arbeitsunfähigkeit aber auch länger bestehen. Achten Sie bei der Rückkehr in Ihren Job unbedingt auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz mit höhenverstellbarem Schreibtisch. Vermeiden Sie es, über längere Zeit in der gleichen Position oder mit übereinandergeschlagenen Beinen zu sitzen. Dies belastet die Wirbelsäule sehr.

Führen Sie regelmäßig Übungen zur Kräftigung und Dehnung der Rückenmuskulatur durch und mobilisieren Sie Ihren Rücken auch während der Arbeitszeit.

Wann darf ich nach der operativen Versteifung wieder Sport machen?

Um die Einheilung nach der Versteifung der Wirbelsäule nicht zu gefährden, sollten Sie sich unmittelbar nach der Operation körperlich schonen. Auf Sport sollten Sie generell für etwa einen Monat verzichten. Dann dürfen Sie mit sanften Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren beginnen. Bewegungsübungen sind in Absprache mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten möglich. Kontaktsportarten wie Fußball oder verletzungsanfällige Sportarten wie Skifahren sollten Sie frühestens 3 Monate nach der Operation wieder ausüben.

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