Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
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Karpaltunnelsyndrom: Ursachen, Übungen, Therapie

  1. Was ist das Karpaltunnelsyndrom?
  2. Welche Symptome treten bei einem Karpaltunnelsyndrom auf?
  3. Ursachen des Karpaltunnelsyndroms
  4. Wie erfolgt die Diagnosestellung?
  5. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
  6. Konservative Therapie bei Karpaltunnelsyndrom: Physiotherapie, physikalische Therapie und Infiltration
  7. Übungen bei Karpaltunnelsyndrom
  8. Operation des Karpaltunnelsyndroms

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Ab dem 35. Lebensjahr treten – vor allem bei Frauen – gehäuft nervenbedingte Schmerzen an der Handinnenseite auf. Das Karpaltunnelsyndrom wird verursacht durch Einengung des Nervus medianus (Mittelarmnerv). Es entstehen Schmerzen im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Auch kann es zu Lähmungserscheinungen der Hand kommen und die Greifkraft lässt nach. Die Hand schläft auch tagsüber ein, während nachts oft ein pelziges Gefühl den Schlaf behindert.

Das Karpaltunnelsyndrom umfasst Beschwerden, die durch eine andauernde Druckbelastung des Nervus medianus hervorgerufen werden. Um seine Funktion an der Hand wahrnehmen zu können, muss er eine anatomische Engstelle, den Karpaltunnel, passieren. Dieser befindet sich auf der Innenseite des Handgelenks und wird von einem gelenkverstärkenden Band, dem Ligamentum flexorum, und den Handwurzelknochen gebildet. Das Karpaltunnelsyndrom ist weit verbreitet. Am häufigsten tritt es im Alter von 40 bis 70 Jahren auf. Das Erkrankungsrisiko liegt bei 8 bis 10 Prozent, wobei Frauen doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen sind wie Männer.

Was passiert bei einem Karpaltunnelsyndrom?

Karpaltunnelsyndrom Vor allem Frauen ab dem 35. Lebensjahr sind von einem schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom betroffen. Dabei kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus an der Innenseite des Handgelenks. © SENTELLO, Fotolia

Wächst im Laufe des Lebens das Bindegewebe übermäßig oder verdickt sich das Karpalband (Ligamentum flexorum), klemmen diese Strukturen den darunter liegenden Nervus medianus zunehmend ein. Es resultieren Schmerzen, Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers. Da die Gefühlsstörungen insbesondere nachts auftreten, nennt man diese Erkrankung auch Paraesthesia nocturna (nächtliche Gefühlsstörung).

Welche Symptome treten bei einem Karpaltunnelsyndrom auf?

Symptome

  • Schmerzen in den Fingern
  • Taubheit oder Kribbeln in den Fingern
  • in den Arm ausstrahlende Schmerzen
  • Kraftverlust in der betroffenen Hand
  • Gefühllosigkeit und Missempfindungen
  • Muskelatrophien (Muskelrückbildungen)

Der Nervus medianus (Mittelarmnerv) versorgt den Daumen und verschiedene Bereiche der Hand. Wird er eingeklemmt, kommt es zu Schmerzen und Gefühlsstörungen in diesen Bereichen. Zu Beginn der Erkrankung treten die Symptome immer nur zeitweise auf und verschwinden dann wieder. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln in den Fingern, ähnlich wie bei “eingeschlafenen” Körperteilen. Die Beschwerden können bis in den Arm ausstrahlen.

Je länger das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt bleibt, desto mehr wächst die Gefahr einer dauerhaften Nervenschädigung. In späteren Krankheitsstadien nehmen die Schmerzen zu und treten auch in Ruhe auf. Dann kommt es zu Missempfindungen und Kraftverlust, wodurch alltägliche Tätigkeiten wie das Schließen eines Hosenknopfes zur Herausforderung werden. Das Nervenkompressionssyndrom kann in Einzelfällen sogar zu Lähmungen im Bereich der Hand und der Finger führen. Durch die Schonhaltung, die der Patient aufgrund der Schmerzen einnimmt, bilden sich die Muskeln zurück (Muskelatrophie) und verkürzen.

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

In den meisten Fällen lässt sich eine direkte Ursache für das Karpaltunnelsyndrom nicht ermitteln. Grunderkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder Diabetes mellitus treten häufig gemeinsam mit dem Karpaltunnelsyndrom auf. Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Mechanismen für die Entstehung eines Nervenkompressionssyndroms:

1. Mechanische Irritation und Druck auf den Nerven durch:

  • knöcherne Fehlstellungen nach Frakturen
  • Verrenkung der Handwurzelknochen
  • Sehnenscheidenentzündung bei Rheumatikern oder nach Verletzungen
  • Tumoren
  • Ganglien (Nervenknoten)

2. Erkrankungen, durch die der Nerv druckempfindlich wird, wie:

  • Diabetes mellitus
  • Amyloidose (Ablagerung von Eiweißprodukten)
  • hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Schilddrüsenüberfunktion)

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Neben dem klinischen Befund bietet eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit (ENG = Elektroneurografie) eine objektive Diagnosestellung. Dafür klebt der Arzt Elektroden an zwei Hautstellen, die vom Medianusnerv versorgt werden. Nun stimuliert er den Nerv mit einem schwachen elektrischen Impuls. Bei einer Druckschädigung des Nerven zeigt sich eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur normalen Nervenfunktion. Zusammen mit einer kernspintomographischen Bildgebung (MRT) liefert die Untersuchung Hinweise, die für die weitere Therapie benötigt werden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Konservative Therapie

Operative Therapie

Im Frühstadium bietet sich die Behandlung mit lokaler Infiltration (Injektion von Kortison oder Schmerzmitteln) und physikalischer Therapie an. Zudem helfen spezielle Übungen, die das Handgelenk dehnen und kräftigen, einer Nerveneinengung vorzubeugen. Im fortgeschrittenen Stadium führt nur eine Operation mit Befreiung des Nerven (Neurolyse) zur Schmerzfreiheit und zur Wiederherstellung der Nervenfunktion.

Konservative Therapie bei Karpaltunnelsyndrom: Physiotherapie, physikalische Therapie und Infiltration

Der erste Schritt zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms sollte immer über konservative Therapiemaßnahmen erfolgen. Physikalische Behandlungen mittels Kälte dämpfen Entzündungen des Nerven und wirken so schmerzlindernd. Auch Schienen, die das Handgelenk zunächst in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus. Diese Maßnahme hilft vor allem bei nächtlichen Schmerzen, indem der Druck auf das Handgelenk reduziert wird. Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Tapen, Koordinations- und Dehnungsübungen oder Training mit einer Faszienrolle können die Beschwerden eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms lindern.

Lokale schmerzlindernde Infiltration in den Karpaltunnel Eine lokale Infiltration von Schmerzmitteln oder Kortison in den Karpaltunnel lindert die Schmerzen und wirkt abschwellend. © lesterman, Fotolia

Die Infiltration des Karpaltunnels zählt ebenfalls zu den konservativen Therapiemöglichkeiten. Dafür injiziert der Arzt ein lokal wirkendes Schmerzmittel oder Kortison in die betroffene Stelle auf der Innenseite des Handgelenks. Diese Maßnahme wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend. Allerdings kann die Infiltration die Ursache des Karpaltunnels nicht beheben, sondern lediglich die Symptome behandeln.

Übungen bei Karpaltunnelsyndrom

Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom neigen dazu, ihr Handgelenk zu schonen, um schmerzhafte Bewegungen zu vermeiden. Diese Strategie führt jedoch auf Dauer zu einer Verspannung und Verkürzung der Muskeln, was die Schmerzen noch weiter verstärkt. Spezielle Übungen dehnen und kräftigen das Handgelenk, damit es beweglich bleibt.

Übung 1:

Kräftigungsübung mit Stressball zur Verhinderung eines Karpaltunnelsyndroms © kenary820, Fotolia

Für diese Kräftigungsübung benötigen sie einen kleinen, weichen Ball. Nehmen Sie den Ball in die Hand und drücken Sie ihn kräftig zusammen. Öffnen Sie Ihre Hand nach einigen Sekunden und wiederholen Sie die Übung.

Übung 2:

Dehnung Beugemuskel des Handgelenks zur Verhinderung eines Karpaltunnelsyndroms © Shakzu, Fotolia

Strecken Sie den betroffenen Arm nach vorne. Die Fingerspitzen zeigen zum Boden und die Handfläche nach vorne. Ziehen Sie nun mit der anderen Hand die Finger Richtung Boden und halten Sie die Dehnung für einige Sekunden. Die Übung dehnt den Flexor carpi ulnaris (Beugemuskel des Handgelenks). Um den Handgelenksstrecker zu dehnen, führen Sie die gleiche Übung mit dem Handrücken nach vorne aus.

Übung 3:

Gebetshaltung als Uebung zur Verhinderung eines Karpaltunnelsyndroms © Jacob Lund, Fotolia

Führen Sie Ihre Handflächen vor der Brust zusammen (Gebetshaltung). Spreizen Sie dann die Finger auseinander und halten Sie die Dehnung etwa eine Minute lang.

Operation des Karpaltunnelsyndroms

Operation eines Karpaltunnelsyndroms Für die endoskopische Operation des Karpaltunnelsyndroms (Neurolyse) sind nur minimale Hautschnitte notwendig. © U. J. Alexander, Fotolia

Wenn konservative Maßnahmen über einen längeren Zeitraum keine Besserung der Beschwerden bewirken, muss über eine Operation des Karpaltunnelsyndroms nachgedacht werden. Andernfalls kann es zu einer dauerhaften Schädigung des Nervus medianus (Mittelarmnerv) kommen.

Um den Nerv zu entlasten, muss eine sogenannte Neurolyse durchgeführt werden. Dabei entfernt der Operateur einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe. Ist eine Verdickung des Karpalbands (Ligamentum flexorum) für die Nervenkompression verantwortlich, kann es mit einem einfachen Schnitt durchtrennt werden.

Der Eingriff kann entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt werden. Wir bevorzugen die endoskopische Operation, da sie für den Patienten schonender und mit geringerer Narbenbildung verbunden ist.

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