Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
Alte Bundesstr. 58
79194 Gundelfingen
Tel: (0761) 55 77 58 0
Mail: patienten@gelenk-klinik.de

Bandscheibenvorfall: Symptome und Behandlung der Bandscheibe

  1. Was ist ein Bandscheibenvorfall?
  2. Ursachen der Bandscheibenschwäche
  3. Folgen der Bandscheibenruptur
  4. Die tragende Rolle der Bandscheibe
  5. Symptome des Bandscheibenvorfalls
  6. Diagnose und Untersuchung des Bandscheibenvorfalls
  7. Degeneration (Verschleiß) der Bandscheibe
  8. Akutbehandlung nach Bandscheibenvorfall
  9. Langfristiges Therapieziel: Stabilisierung, Regeneration und Funktionserhalt der Bandscheibe
  10. Operation oder konservative Therapie?
  11. Operation nach Bandscheibenvorfall
  12. Ist eine Regeneration nach einem Bandscheibenvorfall möglich?
BandscheibenvorfallBandscheibenvorfall: Das flüssige Innere der Bandscheibe durchbricht die zähe Hülle und tritt nach außen. Wenn diese Masse einen Nerven oder das Rückenmark einengt, kann der Bandscheibenvorfall ernste Folgen haben: Schmerzen, Lähmungen und dauerhafte Ausfälle sind möglich. © Istockphoto.com

Reißt die zähe, bindegewebige Hülle der Bandscheibe und tritt ihr gallertartiger Kern in den Wirbelkanal aus, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Dieses auch als Diskusprolaps bezeichnete katastrophale Ereignis im Leben einer Bandscheibe steht am Ende einer degenerativen (verschleißbedingten) Entwicklung.

Wir haben zunehmend die therapeutischen Mittel, der Bandscheibendegeneration nicht tatenlos zuzusehen, sondern frühzeitig den Stoffwechsel und die Vitalität der Bandscheibe zu unterstützen.

Im Folgenden möchten wir darstellen, wie wir die Bandscheibe schon vor einem Vorfall in Richtung Regeneration und Strukturerhalt bringen können.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Wesentlich für das Verständnis des Bandscheibenvorfalls ist die räumliche Nähe zwischen Bandscheiben und dem Rückenmark. Vom Rückenmark (gelb modelliert) verzweigen sich die Rückenmarksnerven, um Nervenimpulse in den Körper zu senden oder zu empfangen. Die Wirbelkörper sind sowohl über die scheibenförmigen Bandscheiben als auch über die zarten Facettengelenke miteinander verbunden. Der aus der Bandscheibe ausgetretene Gallertkern ist in rot dargestellt.Wesentlich für das Verständnis des Bandscheibenvorfalls ist die räumliche Nähe zwischen Bandscheiben und dem Rückenmark. Vom Rückenmark (gelb modelliert) verzweigen sich die Rückenmarksnerven, um Nervenimpulse in den Körper zu senden oder zu empfangen. Die Wirbelkörper sind sowohl über die scheibenförmigen Bandscheiben als auch über die zarten Facettengelenke miteinander verbunden. Der aus der Bandscheibe ausgetretene Gallertkern ist in rot dargestellt. © digitale-fotografien, Fotolia

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt das zähflüssige Material aus dem Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) aus. Grund dafür ist eine Ruptur (Riss) der zähen, bindegewebigen Hülle der Bandscheibe (Anulus fibrosus). Zu 95 % sind die Bandscheiben der Lendenwirbelsäule zwischen den Wirbeln L4/L5 oder L5/S1 betroffen. Nach der Lendenwirbelsäule ist vor allem die Halswirbelsäule (C5/C6 und C6/C7) betroffen.

Ursachen des Bandscheibenvorfalls

Vermutlich spielen genetische Veranlagungen eine Rolle bei der Entstehung eines Bandscheibenvorfalls: Bestimmte Genvarianten schwächen das Bindegewebe und erhöhen die Gefahr einer Ruptur (Riss) der Bandscheibe.

Meist geht der Ruptur der Bandscheibenhülle ein längerer degenerativer Prozess (Bandscheibendegeneration). Die Bandscheibendegeneration ist ein Verfall der Bandscheibenfunktion, meist aufgrund einer Störung im Stoffwechsel der Bandscheibe. Eine Veränderung der Knorpelplatten, mit denen die Bandscheibe an die benachbarten Wirbelkörper grenzt, kann den Stoffwechsel und damit die Vitalität der Bandscheibe bereits vor einem Riss der Bandscheibe deutlich reduzieren. Diese Stoffwechselminderung wirkt sich ungünstig auf die biologische Funktion und Regenerationsfähigkeit der Bandscheibe aus.

Typischer Auslöser des Bandscheibenvorfalls: vornübergebeugtes Heben von Lasten

Ein Bandscheibenvorfall tritt vor allem dann auf, wenn die Bandscheibe vorne komprimiert wird. Dies ist z. B. beim Hochheben einer Last aus gebeugter Haltung der Fall. Dann wird der Bandscheibeninhalt nach Ruptur (Riss) direkt in den Wirbelkanal (Spinalkanal) gedrückt, in dem das Rückenmark als Teil des Zentralnervensystems verläuft.

Lähmungen und Gefühlsstörungen sind Folgen des Bandscheibenvorfalls

Wenn das abgetrennte Bandscheibenmaterial (Bandscheibensequester) auf das Rückenmark drückt, sind Lähmungen, Gefühlsstörungen, Verlust von Reflexen oder brennende Schmerzen die mögliche Folge. Auch Dauerschäden sind durch massive Quetschung der betroffenen Nerven des Rückenmarks möglich. Je länger die Nervenkompression dauert, umso höher ist das Risiko von Folgeschäden.

Es gibt aber auch die Möglichkeit der Rückbildung dieser Einschränkungen. Eine operative Entfernung des Sequesters oder natürliche Rückbildung (Resorption durch körpereigene Prozesse) kann das Rückenmark entlasten.

Einige Jahre nach dem Ereignis geht es Patienten nach einer Operation meist ähnlich gut wie Patienten nach konservative Behandlung. Nur die kurzfristigen Ergebnisse (Schmerzfreiheit) sind innerhalb der ersten 24 Monate nach Operation besser.

Langzeitfolgen des Vorfalls für die Bandscheibe

Der Riss der Bandscheibenhülle ist ein schwerwiegendes Ereignis: Das Volumen der Bandscheibe vermindert sich, der Innendruck nimmt ab. Dadurch geht die Funktion und Vitalität der degenerierten Bandscheibe zurück. Die Elastizität und Belastbarkeit der Bandscheibe ist nach einem Bandscheibenvorfall erheblich vermindert.

Chemische Reizung von Nerven und Entzündung durch den Bandscheibenvorfall

Das ausgetretene Material aus dem Inneren der Bandscheibe (Nucleus pulposus) übt mechanischen Druck auf die umliegenden Nervenfasern aus. An der Stelle der Ruptur entsteht bis zur Resorption (Rückbildung) des Gallertkerns eine Entzündung in unmittelbarer Nähe des Zentralnervensystems. Durch Sauerstoffmangel ist das ausgetretene Bandscheibeninnere häufig übersäuert (niedriger pH-Wert) und enthält viele Entzündungshormone. Diese Masse kann durch mechanischen Druck und chemische Reizung zu chronischen Schmerzen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen führen.

Begriffserklärung zu Bandscheiben und Bandscheibenvorfall

Prolapsus nuclei pulposi:
Medizinischer Fachbegriff für den Bandscheibenvorfall. Die Faserhülle der Bandscheibe reißt und das Material aus dem Inneren tritt nach außen.

Discusprolaps:
Synonym für Bandscheibenvorfall.

Bandscheibenprotrusion:
Bandscheibenvorwölbung. Konkave Vorwölbung der Bandscheibe, die schmerzhaften Druck auf das Rückenmark ausüben kann. Ursächlich ist eine instabile Bandscheibenhülle. bei der Protrusion ist aber noch kein Material aus dem Bandscheibeninneren (Nucleus pulposus) ausgetreten und der Faserknorpelring ist noch intakt. Man spricht daher auch von einem inkompletten Bandscheibenvorfall.

Bandscheibenextrusion:
Synonym für Bandscheibenvorfall. Der Anulus (Bandscheibenhülle) ist gerissen. Ein Teil des Bandscheibeninneren ist in den Spinalraum ausgetreten.

Bandscheibensequester:
Der Anulus ist gerissen und ein Teil des Inhaltes wird so aus der Bandscheibe herausgedrückt, dass er von der Bandscheibe vollständig abgetrennt ist.

Bandscheibendegeneration:
Alterung, Überlastung oder eine ungünstige Stoffwechselsituation lassen die Hülle der Bandscheibe brüchig werden. Sie verliert an Elastizität. Der Bandscheibenkern speichert weniger Wasser und die Reißfestigkeit nimmt ab.

Die "tragende" Rolle der Bandscheibe in der Wirbelsäule

Die Funktion der jungen, gut funktionierenden Bandscheibe kann man sich am besten klarmachen, wenn sie mit einem gefüllten Wasserbett vergleicht. Stöße werden durch den flüssigkeitsgefüllten Kern gleichmäßig auf die gesamte Fläche der Hülle verteilt. Lebendige Zellen (Chondrozyten) synthetisieren (bauen) die Bindegewebsanteile der Hülle und des gelartigen Kerns der Bandscheibe. Die Lebensbedingungen und die Vitalität dieser Zellen beeinflussen die Stabilität der Bandscheibe also ganz erheblich.

Die biologische Bandscheibe erfüllt drei Funktionen:

  • Funktion des elastischen Puffers:
    Der hohe intradiskale Flüssigkeitsdrucks, also der Druck innerhalb der Bandscheibe, federt vertikale Stöße ab. Die zähe, elastische Hülle hält diesen Druck aufrecht.
  • Abstandhalter zwischen den Wirbelkörpern:
    Der durch den Flüssigkeitsgehalt des Nucleus pulposus (gallertartiger Kern) definierte Durchmesser sorgt für Abstand zwischen den Wirbelkörpern und damit für die Freiheit der Spinalnerven (Rückenmarksnerven).
  • Beweglichkeit und Gelenkbildung zwischen den Wirbelkörpern:
    Die knorpeligen Endplatten der Bandscheibe sorgen als Verbindungsschicht zu den Wirbelkörpern für die Ernährung der Bandscheiben. Eine Störung oder Verknöcherung dieser Endplatten stört Stoffwechsel und Ernährung der Bandscheibe erheblich.

Kein Wunder, dass ein Bandscheibenvorfall so häufig auftritt: Unsere 23 Bandscheiben dienen als Puffer und Federung zwischen den Wirbelkörpern. Sie ermöglichen die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule und halten unglaublich viel aus. Scherkräfte und Hebelwirkungen beim einseitigen Tragen und Hochheben von Lasten vergrößern die Belastung, die bei bestimmten Bewegungen auftritt. So tragen die Bandscheiben häufig ein Vielfaches unseres Körpergewichtes.

Die in der Evolution erfolgte Anpassung der menschlichen Wirbelsäule an den aufrechten Gang vor etwa 4–5 Mio. Jahren liegt in unserem Entwicklungsstammbaum relativ kurz zurück. In Verbindung mit den kulturell bedingt zunehmend sitzenden Tätigkeiten in Beruf und Alltag sehen wir mehr und mehr spezifischen Verschleiß der Bandscheiben an bewegungsarme Lebensweise.

Animation zum Bandscheibenvorfall

Wie ist die Bandscheibe aufgebaut?

Die Bandscheibe liegt zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Eine dicke, elastische bindegewebige Hülle (Anulus fibrosus) umgibt den flüssigen Kern der Bandscheibe (Nucleus pulposus). Beim Bandscheibenvorfall wird diese Hülle durchbrochen: Material aus dem gallertartigen Kern dringt nach außen und drückt auf die umgebenden Nerven (Nervenwurzeln und Rückenmark) Die Bandscheibe besteht aus der zähen bindegewebigen Hülle (Anulus fibrosus) und dem flüssigen Kern (Nucleus pulposus). Die Bandscheibe absorbiert Stöße. Sie ermöglicht als Gleitschicht zwischen den knöchernen Wirbelkörpern die normale Motorik der Wirbelsäule und trägt zur Funktion des Nervensystems bei. Fällt die Bandscheibe aus, bilden sich Knochenanbauten am Rand der Wirbelkörper, sogenannte Spondylophyten. Das engt den verfügbaren Raum für das Rückenmark und die Spinalnerven ein und stört langfristig die normale Funktion des Nervensystems. © Viewmedica

Die im gesunden Zustand ca. 1,2 cm hohe Bandscheibe liegt zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Eine dicke, elastische Hülle aus Bindegewebe (Anulus fibrosus) umgibt dengelartigen Kern der Bandscheibe (Nucleus pulposus). Beim akuten Bandscheibenvorfall wird diese Hülle mechanisch durchbrochen: Material aus dem Gallertkern dringt nach außen und drückt auf die umgebenden Nerven (Nervenwurzeln und Rückenmark).

Im Gallertkern befinden sich lebende Knorpelzellen, die Chondrozyten. Sie bilden das wasserbindende Bindegewebe des Bandscheibenkerns, indem sie u. a. Aggrekan, das sind langkettige Zucker-Eiweißmoleküle, synthetisieren und in die Umgebung absondern. Die Voraussetzung für die Bildung dieser Moleküle sind also intakte und lebhafte Chondrozyten.

Da die Bandscheiben nicht durchblutet sind, bildet ein passiver Flüssigkeitsaustausch mit der Umgebung die Grundlage für Ernährung und Stoffwechsel. Damit der weiche Kern der Bandscheibe seine Funktion erfüllen kann, arbeitet er gegen einen harten, elastischen Faserring aus mehreren Schichten, den Anulus fibrosus. So kann die Bandscheibe als Stoßdämpfer wirken und zugleich in allen Bewegungssituationen flexibel bleiben.

Welche Rolle spielt die Bandscheibe für die Wirbelsäule?

Die Bandscheibe liegt als elastischer Abstandshalter zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Von der Funktion jeder einzelnen Bandscheibe ist die Funktion der Wirbelsäule als Ganzes abhängig. Die paarweise auf beiden Seiten der Wirbelsäule austretenden Nervenwurzeln leiten Signale aus dem Gehirn in den Körper. Jedes Nervenpaar versorgt einen bestimmten Bereich der Hautoberfläche (sensibel) und der Muskulatur (motorisch).

Jede Bandscheibe hat eine eigene klinische Symptomatik

Diese Zuordnung der Nervenwurzeln zu bestimmten Körpersegmenten (Dermatomen) ist für die klinische Untersuchung des Bandscheibenvorfalls sehr wichtig. Durch die genaue Lokalisierung von Gefühls- oder Bewegungsstörungen lässt sich die Lage eines Bandscheibenvorfalls sehr genau eingrenzen. Das wird weiter unten bei der klinischen Untersuchung eines Bandscheibenvorfalls genauer erklärt.

Die Bandscheibe ist ein "geringfügig ernährtes" (bradytrophes) Gewebe

Bandscheibendegeneration

Wird die Bandscheibe nicht mehr ausreichend versorgt, kann die Bandscheibenhülle (Anulus fibrosus) durch Nährstoffmangel brüchig werden. Das Einwachsen von Blutgefäßen in den normalerweise nicht durchbluteten Anulus fibrosus kann die Stabilität der Bandscheibe noch weiter herabsetzen. So erhöhen Bewegungsmangel und dadurch ausgelöste Unterernährung die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls.

Bradytrophe (gering ernährte weil nicht durchblutete) Gewebe haben einen langsameren Stoffwechsel als durchblutete Gewebe. Auch die Bandscheibe zählt zu diesen badrytrophen Gewebetypen. Im Mutterleib wird die Bandscheibe noch über eigene Blutgefäße versorgt. Nach der Geburt erhält sie Nährstoffe und Flüssigkeit nur noch passiv. Die Ernährung erfolgt über Diffusion, also den durch Bewegung und Kompression ausgelösten Flüssigkeitsstrom. Dabei saugt die Bandscheibe – vor allem nachts – Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm aus der umgebenden Gewebeflüssigkeit auf. Tagsüber, während der Aktivität, wird ein Teil der Flüssigkeit aufgrund des Körpergewichtes im Stehen und Sitzen wieder aus der Bandscheibe herausgedrückt. Deshalb verlieren wir tagsüber ein wenig an Körpergröße und gewinnen diese in der Nacht wieder zurück. Der Größenunterschied zwischen morgens und abends kann mehrere Zentimeter ausmachen.

Die körperliche Bewegung ist also ganz direkt für die Ernährung der Bandscheibe verantwortlich. Bewegt sich der Mensch zu wenig, kommt die Diffusion von Nährflüssigkeit in die Bandscheiben nicht und Gang. Die lebendigen Chondrozyten im Nucleus pulposus werden dann ebenfalls nicht mehr angemessen ernährt. Die resultierende Veränderung des Milieus, vor allem durch eine pH-Wert-Absenkung (Säureüberschuss) und durch zellbiologische Stresssignale, führen langfristig zur Degeneration und Schwächung der Bandscheibe.

Die Degeneration der Bandscheibe

Die Bandscheibendegeneration verläuft in mehreren Stadien. © FOTOLIA @BilderzwergDie Bandscheibendegeneration verläuft in mehreren Stadien. Bei der intakten Bandscheibe ist der flüssige Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) von dem zähen Anulus fibrosus umgeben. Gibt diese zähe Bandscheibenhülle unter dem Druck des Gallertkernes nach, liegt eine Bandscheibenprotrusion vor. Die Bandscheibe wölbt sich vor. Erst wenn das gallertartige Innere der Bandscheibe nach außen tritt, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Im letzten Stadium bildet sich ein Sequester. Der Nucleus pulposus hat sich dann vollständig aus dem Inneren der Bandscheibe gelöst. © FOTOLIA @Bilderzwerg

Eine Degeneration der Bandscheibe betrifft bereits 30 % der 30–35-Jährigen, auch wenn das bei den meisten noch nicht zu Beschwerden geführt hat. Die Bandscheibe verändert sich im Laufe des Lebens.

Degenerierte Bandscheibe Degenerierte Bandscheibe mit vermindertem Wassergehalt. © Gelenk-Klinik.de

Die Bandscheibendegeneration ändert ihren Wassergehalt. Das Bild zeigt eine degenerierte Bandscheibe zwischen den Wirbeln L5 und S1 (gelber Pfeil). Im Vergleich zu den benachbarten Bandscheiben ist sowohl der Wassergehalt als auch die Bandscheibenhöhe deutlich vermindert. Im MRT-Bild erscheint diese Bandscheibe daher viel dunkler. Die Höhe der degenerierten Bandscheibe beträgt noch über 50 % einer gesunden Bandscheibe. Auch die Begrenzung zu den Wirbelknochen (Endplatten) ist intakt und noch nicht sklerosiert. Das bedeutet, dass die Ernährungssituation dieser Bandscheibe noch gut ist. Es liegen keine erkennbaren Diffusionsbarrieren für Nährstoffe aus den Wirbelkörpern vor. Diese Bandscheibe würde sich daher sehr gut für eine bandscheibenerhaltende Therapie (Augmentation) eignen, wenn sie als Quelle von Rückenschmerzen therapiert werden muss.

Degenerierte Bandscheibe Das Röntgenbild zeigt eine um mehr als 50% kollabierte Bandscheibe. © Gelenk-Klinik.de

Auf dem Röntgenbild einer lumbalen Wirbelsäule ist eine zu mehr als 50% kollabierte Bandscheibe mit sehr geringem Flüssigkeitsanteil zu sehen (gelber Kreis). Die hellen Streifen in den benachbarten Wirbelknochen sind Ödeme (Wassereinlagerungen). Die beiden Wirbelknochen liegen einander nicht mehr genau gegenüber, sondern sind verschoben. Bei einem derart instabilen Bandscheibensegment ist an eine augmentierende (volumenvergrößernde) oder bandscheibenerhaltende Behandlung nicht mehr zu denken. Wenn dieses Segment Beschwerden macht, muss die Bandscheibe ersetzt werden. Eine alternative Möglichkeit ist die Versteifung der beiden benachbarten Wirbelkörper, um eine schmerzhafte Instabilität des Bandscheibensegmentes zu vermeiden. Wir empfehlen hier eine Versteifung oder Bandscheibenprothese.

Bewegungsmangel

Normale Alterungsprozesse, aber auch Bewegungsmangel und die häufig sitzende Lebensweise wirken sich auf die Gesundheit der Bandscheibe aus. Sie verliert im Laufe des Lebens an Höhe und Elastizität.

Die Bandscheibe wird nicht mehr ausreichend ernährt

Risikofaktoren der Bandscheibendegeneration

  • Hochgewachsene Menschen neigen öfter zu Bandscheibenrupturen.
  • Auch ehemalige Leistungssportler sind gefährdet, eine Ruptur der Bandscheibe zu erleiden.
  • Autofahrer mit vielen Langstrecken gefährden die Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule.
  • Es besteht eine genetische oder familiäre Disposition (Veranlagung) für Bandscheibenvorfälle.
  • Übergewicht ist ein Risikofaktor.
  • Haltungsfehler und Fehlformen der Wirbelsäule begünstigen einen Bandscheibenvorfall.
  • Eine traumatische Beeinträchtigung (z. B. ein Unfall) oder Überlastung der Bandscheibe kann den Verschleiß der Bandscheibe auslösen.
  • Rauchen und andere Stoffwechselgifte beeinträchtigen die Regeneration der Bandscheibe.

Die Veränderung der Endplatten (Knorpelschicht zwischen Bandscheibe und Wirbelknochen) und der Wirbelkörper sind der Motor der Degeneration. Durch Fett- und Wassereinlagerung in die eigentlich gut durchbluteten Wirbelknochen verringert sich die Nährstoffdiffusion in die Bandscheibe. Dadurch degeneriert auch die Endplatte und verknöchert langsam. Die Zellen in der Bandscheibe beginnen, aus Sauerstoffmangel Laktat (Milchsäure) zu produzieren. Das Milieu verschlechtert sich durch den Säureüberschuss immer weiter.

Chemische Veränderung der Bandscheibe: Säure und Hormone

Um seine puffernde Funktion erfüllen zu können, bindet der gelartige Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) Wasser. Er gewinnt dadurch an Höhe. Durch chemische Veränderungen (pH-Wert-Senkung, Übersäuerung, Zelluntergang) im Inneren der Bandscheibe nimmt diese Fähigkeit im Laufe der Zeit ab. Mit der abnehmenden Wasserbindung verschlechtert sich die Versorgungssituation weiter. Nährstoffe kommen nicht mehr an und Stoffwechselprodukte können nicht mehr abtransportiert werden. Eine Unterversorgung der Bandscheibe mit ernährender Gewebsflüssigkeit führt zu einer Absenkung des pH-Wertes in der Bandscheibe: Sie wird "sauer". Wir kennen das von der Muskulatur: Wenn die Sauerstoffversorgung nicht ausreicht, bilden die Zellen mit einem reduzierten Stoffwechsel Milchsäure.

Ursache "diskogener" Rückenschmerzen

Die durch Sauerstoffmangel in den Zellen entstehende Säure führt zur Erregung der Schmerzfühler in den benachbarten Wirbelkörpern. Auch die zahlreichen Nervenstränge in der Umgebung der Bandscheibe können durch die Säure schmerzhaft irritiert werden. Aufgrund der pH-Wert-Senkung (Übersäuerung) fährt der Stoffwechsel der lebendigen Chondrozyten (Knorpelzellen) im Gallertkern weiter herunter. Dieser sich verstärkende Prozess aus Unterversorgung, Ansäuerung, Stoffwechselblockade und abnehmender Wasserbindung des Nucleus pulposus (Bandscheibenkern) ist ein degenerativer Teufelskreis.

Blutgefäße und Nervenendigungen wachsen ein

Die untergehenden Zellen des Bandscheibenkerns senden hormonelle Notsignale aus, die das Einwachsen von Blutgefäßen und Nervenzellen in die Wand der Bandscheibe fördern. Die gesunde Bandscheibe wird normalerweise nicht mit Blutgefäßen oder Nerven versorgt.

Entzündung in der Bandscheibe

Der Zelluntergang in der Bandscheibe lockt Freß- und Mastzellen an. Sie durchbrechen den Anulus fibrosus (Bandscheibenhülle) und sorgen für die Ausschüttung von Entzündungshormonen (Zytokinen). Diese beschleunigen den Abbau des Bindegewebes in der Bandscheibe. Die Gewebshormone der Mastzellen fördern zudem das schädliche Einwachsen von Blutgefäßen in die Bandscheibenhülle.

Verlust der stoßdämpfenden Wirkung

Verbesserung des Bandscheibenmilieus durch Hydrogel

Die neuartige Hydrogelbehandlung kann das pH-Milieu im Nucleus pulposus (Bandscheibenkern) direkt regulieren. Hydrogele sind wasserbindende, verzweigte Kunststoffmoleküle, die zudem Säure neutralisieren. Damit kann Hydrogel den Stoffwechsel des Nucleus pulposus direkt fördern und wieder normalisieren. Durch Neutralisierung der Säure im Bandscheibenkern gehen auch die diskogenen, also von der Bandscheibe verursachten, Schmerzen zurück.

Mit der Zeit kann die Bandscheibenhülle (Anulus fibrosus) rissig und spröde werden. Durch den sinkenden Wassergehalt schwindet auch die Versorgung der Bandscheibe mit Nährstoffen. Zudem reduziert sich die Fähigkeit der Bandscheibe, Stöße aufzufangen. Eine solche Bandscheibe zeigt bereits hervortretende Außenwände (sog. Bandscheibenprotrusion).

Die Last auf die Bandscheibenhülle steigt mit sinkendem Volumen an und die Wahrscheinlichkeit einer Ruptur (Riss) ist erhöht. Ein reduzierter Wassergehalt geht also mit einer kontinuierlichen Absenkung der Vitalität und einem Verlust an lebendigen Chondrozyten einher.

Diese Alterung der Bandscheibe führt alleine noch nicht unbedingt zu einem Bandscheibenvorfall. Eine gut ausgebildete Rückenmuskulatur kann die Bandscheibe entlasten. Das dazu erforderliche Training stabilisiert die Lebensvorgänge in den erkrankten Bandscheiben wieder.

Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung)

Wird die Bandscheibenhülle, die den Gallertkern vom Rückenmarkskanal trennt, brüchig, ist ein Bandscheibenvorfall durch Überlastung sehr wahrscheinlich.Wird die Bandscheibenhülle, die den Gallertkern vom Rückenmarkskanal trennt, brüchig, ist ein Bandscheibenvorfall durch Überlastung sehr wahrscheinlich. © Viewmedica

Die Fähigkeit der Bandscheibe zur Erholung (Regeneration) nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Im Laufe der Zeit schrumpft sie dauerhaft. Anfangs verläuft dieser Prozess noch unbemerkt. Im höheren Alter können wir diese Volumenreduzierung an einer geringeren Körperhöhe ablesen. Von allen Geweben des menschlichen Körpers zeigt die Bandscheibe die weitreichendsten degenerativen Veränderungen. Sie verliert an Elastizität und Stabilität.

Zunächst wölbt sich die Bandscheibe unter Druck lediglich in den Spinalkanal vor (Bandscheibenprotrusion). Erst durch weitere Degeneration kommt es zu einem Riss im Faserknorpel, aus dem ein Bandscheibenvorfall folgt.

Der Faserring der Bandscheibe wird spröde und bricht

Laufsportler und Bandscheibenvorfall

Laufen und Bewegung ist eigentlich die beste Medizin für die Wirbelsäule. Wer jedoch im mittleren Lebensalter ein Lauftraining beginnt, sollte vorsichtig sein. Bei Laufsportlern sind die Bandscheiben besonderen Belastungen ausgesetzt. Obwohl die vertikale Kompression (Stauchen) der Bandscheiben beim Aufprall während des Laufzyklus ihrer eigentlichen Aufgabe entspricht, kann vor allem eine untrainierte Stützmuskulatur zur Überlastung der Bandscheibe führen.

Weiterlesen

Der Verlust an Elastizität betrifft auch den harten Faserring, der das Innere der Bandscheibe umgibt. Hier bilden sich Risse, in die die weiche Masse des Gallertkerns vordringen kann. Zugleich steigt die Druckbelastung auf den Faserring aufgrund der Höhenabnahme der Bandscheibe. Jetzt können sich Gallertkern und Faserring vorwölben – ähnlich wie bei einem Gummiball, der zwischen den Handflächen plattgedrückt wird. Ab diesem Stadium spricht man von einer Bandscheibenprotrusion. Durchbricht der Gallertkern den äußeren Faserring und tritt nach außen in den Wirbelkanal, liegt ein Bandscheibenvorfall (Discusprolaps oder Nucleus pulposus Prolaps) vor.

Symptome des Bandscheibenvorfalls: Rücken- und Beinschmerzen

Symptome des Bandscheibenvorfalls

  • Schmerzen, Ziehen, Brennen
  • Taubheit
  • Störungen bei Stuhlgang und Harnkontrolle
  • Störungen der Beweglichkeit und der Reflexe
  • Schwindel, Koordinationsstörungen
  • Lähmung und Reflexstörungen

Die Bandscheibe liegt sehr nah an den großen Nervensträngen der Wirbelsäule. Das Rückenmark im Wirbelkanal und die Nervenwurzeln versorgen den Körper und verbinden ihn mit dem Zentralnervensystem. Wenn sich die Bandscheibe vorwölbt oder beim Bandscheibenvorfall sogar ein Teil ihres Kerns austritt, kann das austretende Material auf die umgebenden Nerven treffen und sie zusammendrücken. Dadurch entstehen Schmerzen in häufig weit von dem Ort des Bandscheibenvorfalls entfernten Gebieten des Körpers.

Neben dem mechanischen Druck kann auch eine Entzündungsreaktion auftreten. Diese führt nach einem Bandscheibenvorfall in unmittelbarer Nähe des Zentralnervensystems zu Schmerzen und Störungen der Nervenfunktion.

Schmerzen und Empfindungsstörungen nach Bandscheibenvorfall können – je nach betroffenem Segment der Wirbelsäule – unterschiedlich lokalisiert sein.

Symptome der Halswirbelsäule

Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) strahlt in Kopf, Nacken, Schultern und Arme aus.

Symptome der Lendenwirbelsäule

Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) kann in die Beine und Füße hinein ausstrahlen.

Ist der Druck besonders stark, entstehen nicht nur Schmerzen, sondern zusätzlich auch Funktionsstörungen. Es kann zu Lähmungen, dem Verlust von Reflexen und Koordination oder einer Störung der Harnkontrolle und des Stuhlgang kommen.

Cauda-equina-Syndrom: Querschnittssyndrom nach Bandscheibenvorfall

Die drastischste Folge einer Bandscheibenruptur ist das Cauda-equina-Kompressionssyndrom. Die Cauda equina ("Pferdeschweif") ist ein Bündel von Nervenwurzeln, die zwischen dem Lendenwirbelsegment L1 und dem Kreuzbein im Wirbelkanal verlaufen. Eine massive Quetschung der Cauda equina durch einen Bandscheibenvorfall gilt als medizinischer Notfall und erfordert eine operative Dekompression innerhalb der ersten 72 Stunden. Das Querschnittssyndrom führt zu schlaffen Lähmungen der unteren Extremitäten. Meist leiden Betroffene auch unter Sensibilitätsstörungen in den versorgten Bereichen. Taubheit und Kribbeln sind die Folge. Die Kontrolle über Stuhlgang (Defäkationsstörung) und Wasserlassen (Miktionsstörung) ist ebenfalls eine Folge des Cauda-equina-Syndroms.

Parese (Lähmung) nach Bandscheibenvorfall

Es können unterschiedliche Paresen nach einer Nervenkompression auftreten. Eine Parese bedeutet nicht den totalen Ausfall, sondern nur eine starke Abschwächung der betroffenen Funktionen.

Recht häufig ist die Lähmung (Parese) des Großzehenhebers. Dies stört das Gangbild. Auch der Fußheber kann gelähmt sein.

Ebenfalls häufig sind Paresen des Kniestreckers.

Die Parese gilt gemeinhin als absolute OP-Indikation. Vergleiche zwischen operativer und konservativer Therapie bei Parese (Weber, 1983) zeigen aber ähnliche Ergebnisse: 70 % aller Patienten wiesen unabhängig vom gewählten Behandlungspfad in beiden Gruppen eine deutliche neurologische Verbesserung der Parese-Symptome auf. Diese und ähnliche Studien führten zu einem deutlichen Rückgang der Zahl der Bandscheibenoperationen nach einem Bandscheibenvorfall.

Wenn sich die Situation unter einer konservativen Therapie aber deutlich verschlechtert, gilt dies nach wie vor als Indikation zur sofortigen Operation der Bandscheibe.

Nicht jeder Bandscheibenvorfall hat starke Symptome zur Folge

MRT-Aufnahme eines Bandscheibenvorfalls im QuerschnittMRT-Aufnahme eines massiven Bandscheibenvorfalls in der unteren Wirbelsäule (L5/S1) im Querschnitt. Das hervorgetretene Bandscheibengewebe (gelber Kreis) drückt in der Abbildung deutlich sichtbar den Duralsack (weiße Struktur), der im Rückenmarkskanal das Rückenmark enthält. © Gelenk-Klinik.de

Das Röntgen- oder MRT-Bild der Wirbelsäule und das Befinden des Patienten sind nicht immer eindeutig miteinander in Verbindung zu bringen. Nicht jeder radiologisch sichtbare Befund an einer Wirbelsäule führt tatsächlich zu starken Beschwerden. Viele Vorfälle sehen im Bild sehr drastisch aus, verlaufen klinisch aber unauffällig. Andererseits gibt es Beschwerden, die ein Röntgen- oder MRT-Bild nicht erklären können. Eine genaue klinische Untersuchung ist also wichtig, um Fehlbehandlungen zu vermeiden.

Es gibt auch Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben und dabei keinerlei Schmerzen empfinden. Offensichtlich treten Schmerzen nur auf, wenn die Nervenwurzel bereits vorher eine Empfindlichkeit (Sensibilisierung) für den Bandscheibenvorfall entwickelt hat. In diesen Fällen wurde bei feingeweblichen Untersuchungen die Ausbildung von Schmerzfühlern im Bereich der Nervenwurzel und der Bandscheiben beobachtet. Vor einer Bandscheibenoperation kann deshalb im Zweifel eine Infiltration (Injektion von anästhesierenden Substanzen) durchgeführt werden, um sich über die tatsächliche Schmerzursache Klarheit zu verschaffen.

Material aus dem Inneren der Bandscheibe drückt schmerzhaft auf die Nervenwurzeln

Je nach Lage des Bandscheibenvorfalls kann es passieren, dass Nervenwurzeln eingequetscht werden. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Bandscheibenvorfälle solche Folgen haben. Wenn die ausgetretene Masse nicht in den Wirbelkanal eindringt, kann der Vorfall symptomlos verlaufen. Der asymptomatische Bandscheibenvorfall ist sogar recht häufig, wie Reihenuntersuchungen an eigentlich jungen und gesunden Personen zeigen.

Wie kommt es zu ausstrahlenden Schmerzen in Arme und Beine?

Die Nervenwurzeln versorgen im Bereich der Lendenwirbelsäule die Beinmuskeln mit Befehlen zur Bewegung. Sie sind auch für die Übermittlung der Schmerzsignale aus dem Körper an das Gehirn zuständig. Wenn etwas auf diese Nervenwurzeln drückt, kommt es typischerweise zu Schmerzempfindungen in den Gliedmaßen, die sie versorgen. Zusätzlich können Gefühlsstörungen mit Taubheit, Kribbeln oder sogar Lähmungen auftreten.

Wenn die Nervenwurzeln aus dem Bereich S3-S5 (Kreuzbeinwirbel) betroffen sind, leidet der Patient an einer Reithosenanästhesie (Konussyndrom). Das Konussyndrom nach Nervenkompression im Bereich dieser Sakralwirbel äußert sich durch eine fehlende Sensibilität im Bereich des Gesäßes, der Genitalien und der Oberschenkelinnenseiten.

Ist die Halswirbelsäule von einem Bandscheibenvorfall betroffen, treten die Symptome meist im Bereich der Arme, Hände und Schultern auf.

Bandscheibenvorfall im Ledenwirbelbereich Je nach Höhe des Bandscheibenvorfalls in der Wirbelsäule können unterschiedliche Symptome auftreten. Die aus der Lendenwirbelsäule austretenden Nervenwurzeln versorgen die unteren Extremitäten. Werden sie komprimiert, kommt es zu Schmerzen und Gefühlsstörungen in den Beinen. © Henrie, Fotolia

Diagnose des Bandscheibenvorfalls

Bildgebende Verfahren

Der Bandscheibenvorfall verlangt eine gründliche neurochirurgische Untersuchung. Dabei ist das MRT (Magnetresonanztomografie) in Verbindung mit einer guten klinischen Untersuchung der wichtigste Weg zu einem klaren Befund.

Der Bandscheibenvorfall kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten:

Die Bandscheibenprotrusion ist eine Vorwölbung der Bandscheibe in den Spinalkanal, ohne dass die bindegewebige Hülle (Anulus fibrosus) einreißt. Daher dringt auch kein Material aus dem Bandscheibenkern nach außen.

Beim Bandscheibenvorfall hingegen bricht die zähe Hülle der Bandscheibe und ein Teil des gallertartigen Inneren dringt nach außen.

Mithilfe der bildgebenden Verfahren (z. B. MRT, Röntgen) können wir diese beiden Arten des Bandscheibenvorfalls unterscheiden. Hinsichtlich der Folgen für den Patienten (Schmerzen und Bewegungseinschränkung) ähneln sich beide Formen aber.

Bei einer Ruptur (Riss) mit einem auch in der Bildgebung klar sichtbaren Sequester (abgetrenntes Material aus dem Bandscheibeninneren) wird im Allgemeinen eher operiert als bei einer Vorwölbung. Ein großer, wasserhaltiger Sequester wird aber vom menschlichen Körper recht schnell resorbiert. Im Bild äußert sich das wie eine bedrohliche Raumforderung im Bereich der Spinalnerven. Diese kann sich unter konservativer Therapie relativ rasch – innerhalb von 2 Monaten – zurückbilden. Wenn die Symptome für den Patienten tolerierbar sind, besteht also keine OP-Indikation. Ist die Raumforderung nach zwei Monaten noch nicht resorbiert, sollte man allerdings nicht mehr mit einer spontanen Rückbildung rechnen. In diesem Fall würden wir eine operative Entfernung empfehlen.

MRT-Aufnahme eines lumbalen Bandscheibenvorfalls (L5/S1) im Längsschnitt der Wirbelsäule © Gelenk-Klinik.de MRT-Aufnahme eines lumbalen Bandscheibenvorfalls (Segment L5/S1) im Längsschnitt der Wirbelsäule (gelber Kreis). Der Bandscheibenvorfall ist sehr massiv und engt sichtbar den Duralsack des Rückenmarks ein. In dem Segment darüber (Segment L4/L5) sieht man eine deutliche Bandscheibenprotrusion, die ebenfalls den Wirbelkanal einengt. Diese Bandscheibenprotrusion kann ebenfalls zu Beschwerden und Rückenschmerzen führen. Es ist allerdings nicht möglich, daraus auf behandlungsbedürftige Beschwerden zu schließen. Eine zusätzliche klinische Untersuchung ist immer notwendig, um zu klären, ob die Beschwerden, die den Patienten zum Arzt geführt haben, wirklich auf den radiologisch gezeigten Befund zurückzuführen sind.

Aufnahmen mit dem Kernspin- (MRT) oder Computertomografen (CT) helfen bei der Untersuchung des betroffenen Segments. Allerdings sollte man einen Bandscheibenvorfall, der sich nur im kernspintomografischen Bild (MRT-Bild) zeigt und sonst keine Symptome aufweist, nicht operieren. Die Röntgen-Darstellung der Bandscheiben und des Wirbelkanals mittels Kontrastmittels runden die Untersuchung des Bandscheibenvorfalles ab.

Klinisch-neurologische Untersuchung der Folgen des BandscheibenvorfallsDie sorgfältige klinische und neurologische Untersuchung durch den Neurochirurgen ist ein wesentlicher Teil der Diagnose. Durch die genaue Bestimmung der Schmerzmuster und der Funktionsausfälle kann er überprüfen, ob ein bestimmtes radiologisches Bild der Wirbelsäule tatsächlich für die vorliegenden Beschwerden ursächlich ist. © Gelenk-Klinik.de

Klinische Untersuchung des Bandscheibenvorfalls

Der behandelnde Neurochirurg ergänzt die Diagnose des Bandscheibenvorfalls mit bildgebenden Verfahren immer durch eine ausführliche neurologische Untersuchung. Neurologische Tests der Sensibilität und der Motorik können Ausfallmuster entdecken, die der radiologisch gezeigten Lage des Bandscheibenvorfalls anatomisch entsprechen.

Klinisch-neurologische Untersuchung des BandscheibenvorfallsDer Neurochirurg prüft die Sensibilität im Seitenvergleich. Dafür setzt er verschiedene Reize wie Temperaturempfinden, Vibration oder Tastsinn ein, um die Lage eines Bandscheibenvorfalls genauer eingrenzen. © Gelenk-Klinik.de

Ein Bandscheibenvorfall ist meist dann schmerzhaft, wenn das Bein in liegender oder sitzender Position um ca. 75° angehoben wird. Sie können das zu Hause ausprobieren. In der klinischen Untersuchung gilt dieses sog. Lasegue-Zeichen als klares Indiz für einen Bandscheibenvorfall zwischen den Wirbeln L4 (L = Lendenwirbel) und S2 (S = Sakralwirbel).

Schmerzen, die weit in Kopf, Schulter, Arme oder Beine ausstrahlen, sind ebenfalls deutliche Indizien für einen Bandscheibenvorfall.

Eine EMG-Untersuchung (Elektromyografie, Ableitung von elektrischen Muskelerregungen) kann die durch den Vorfall gereizten Nerven genauer dokumentieren.

Akutbehandlung nach Bandscheibenvorfall

Zunächst steht nach einem Bandscheibenvorfall die Behandlung der akuten Folgen im Vordergrund. Physiotherapie, Medikamente oder eine operative Entfernung sind mögliche Behandlungspfade. Schmerzlindernde Maßnahmen im Rahmen einer konservativen Behandlung sollen die Zeitspanne bis zur Rückbildung des aus der Bandscheibe ausgetretenen Materials für den Patienten erträglich gestalten.

Bei der operativen Behandlung entfernt der Chirurg das ausgetretene Material. In beiden Fällen wird der akute Schmerz medikamentös behandelt.

Langfristig kann die Bandscheibe nach einem Bandscheibenvorfall allerdings mit vermindertem Volumen und dadurch mit verminderter stoßdämpfender Funktion zurückbleiben.

Im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes steht vor allem die langfristige Kräftigung und der Erhalt der beschädigten Bandscheibe im Vordergrund. Eine Bandscheibe mit reduziertem Volumen führt zu einer zunehmenden Instabilität des betroffenen Wirbelsäulensegmentes. Die knöchernen Veränderungen an den Wirbelkörpern (Knochensporne oder Spondylophyten) engen den verfügbaren Raum für Rückenmark und Nerven ein. Das führt zu einer Beeinträchtigung der Funktion des Nervensystems, zu Rückenschmerzen und zu einer Wirbelkanalstenose.

Die Therapie des akuten Bandscheibenvorfalls ist für uns daher eingebettet in eine langfristig bandscheibenerhaltende oder -regenerierende Behandlungsstrategie. Mit diesen sogenannten augmentierenden (aufbauenden) Therapien kann man einem Bandscheibenvorfall sogar vorbeugen. Durch das im letzten Jahrzehnt stark verbesserte Verständnis der Bandscheibendegeneration wurden neben den wirbelkörperversteifenden oder bandscheibenersetzenden Maßnahmen einige neue Verfahren entwickelt. Wir wollen einige davon vorstellen.

Langfristiges Therapieziel: Stabilisierung, Regeneration und Funktionserhalt der Bandscheibe

Ansätze zur bandscheibenerhaltenden Therapie:

  • Erhöhung des Wassergehaltes der Bandscheiben durch wasserbindende Polymere vermindert diskogene (von den Bandscheiben verursachte) Rückenschmerzen.
  • Stabilisierung der perforierten Bandscheibenhülle: Anulus-Prothesen wie z. B. Barricaid sollen eine erneute Ruptur der Bandscheibe (Re-Ruptur) verhindern.

Von gleicher Bedeutung wie die Akutbehandlung ist die Vorbeugung oder Verhinderung einer erneuten Ruptur nach einem Bandscheibenvorfall. Dafür gibt es einige Verfahren zur dauerhaften Stärkung der erkrankten Bandscheibe, zu denen aber trotz ermutigender Zwischenergebnisse noch keine echten Langzeiterfahrungen vorliegen.

Die Funktion und Vitalität der Bandscheibe ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Wassergehalt der Bandscheibe
  • pH-Wert (Säuregehalt) des Bandscheibenkerns
  • Volumen der Bandscheibe
  • allgemeine Elastizität der bindegewebigen Hülle (Anulus fibrosus)

Der geschwächte Anulus fibrosus (Bandscheibenhülle) muss möglichst schnell stabilisiert werden, um einen erneuten Bandscheibenvorfall zu verhindern. Gerade bei jüngeren, aktiven Patienten ist ein langfristiger Ansatz bei beginnender Bandscheibendegeneration oder nach dem Bandscheibenvorfall von größter Bedeutung. Um eine frühzeitige Bandscheibendegeneration und Alterung der Wirbelsäule zu vermeiden, therapieren wir nicht nur den akuten Bandscheibenvorfall. Wir wollen vor allem vorbeugen und die Elastizität und Festigkeit der Bandscheibe langfristig erhalten und verbessern.

Nach dem Bandscheibenvorfall steht die Stabilisierung der bindegewebigen Hülle und die Volumenerhöhung der gerissenen Bandscheibe im Vordergrund. Die durch ein stabiles Volumen ermöglichte Bandscheibenfunktion ist für unsere Patienten der Schlüssel zu einer schmerzfreien und belastbaren Wirbelsäule.

Konservative Behandlung des Bandscheibenvorfalls

Schmerzstillende Verfahren nach Bandscheibenvorfall

  • schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (NSAR, Nicht Steroidale AntiRheumatika, z. B. Ibuprofen, Diclofenac etc. und stärkere Mittel wie z. B. Tilidin)
  • Muskelrelaxantien (medikamentöse Entspannung der Skelettmuskulatur)
  • Kortisontherapie zur Schmerzlinderung
  • Stützkorsett, v. a. an der Lendenwirbelsäule
  • Reizstrom-Therapie (TENS = transkutane elektrische Nervenstimulation)
  • aktive Krankengymnastik, Wärmetherapie
  • Kräftigung der stützenden Rumpfmuskulatur durch medizinische Trainingstherapie
  • psychologische Therapie bei Patienten mit Depressionen, die durch die Rückenschmerzen ausgelöst werden

Die konservative Behandlung des Bandscheibenvorfalls therapiert nicht die Schmerzursache – den mechanischen Druck auf Rückenmark und Nerven –, sondern begleitet den natürlichen Rückbildungsprozess durch eine schmerzstillende Maßnahmen. Eine konservative Behandlung führt auch nicht zu einer Wiederherstellung der Bandscheibenfunktion, wenn das Volumen durch den Austritt des Bandscheibenmaterials schon deutlich reduziert ist. Das Ziel der konservativen Behandlung ist es, die Zeit bis zur Abheilung des Bandscheibenvorfalls so schmerzfrei wie möglich zu gestalten.

Nichtoperative Maßnahmen sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle unsere bevorzugte Behandlungsstrategie. Neben der kurzfristig wirksamen akuten Schmerztherapie steht mittelfristig die Kräftigung der Muskulatur und dadurch die Entlastung der degenerierten Bandscheibe durch Physiotherapie im Vordergrund.

Bestehen keine akuten Lähmungen oder Gefühlsstörungen, hat der Patient genügend Zeit, die natürliche Rückbildung des Bandscheibenvorfalls mittels unterstützender konservativer Maßnahmen abzuwarten.

Sehr wichtig ist dabei die psychologische Begleitung der Patienten. Menschen mit depressiver Verstimmung oder Depressionen empfinden solche Rückenschmerzen ganz anders – häufig verstärkt – und ordnen den Gesamtverlauf anders ein. Das müssen wir im Patientengespräch erkennen und in der Behandlung berücksichtigen.

Nach der natürlichen Schrumpfung des Bandscheibenvorfalls durch Abbau der hervorgetretenen Masse aus dem Inneren der Bandscheibe lässt der Druck auf die Nervenwurzeln und das Rückenmark der Wirbelsäule nach. Das ist ein natürlicher Heilungsprozess, der auch ohne operative Therapie nach einiger Zeit eintritt. Bei einer operativen Entfernung stellt sich dieser Effekt schneller ein, aber einige Monate nach dem Bandscheibenvorfall sehen wir bei konservativer Therapie ein gleichwertiges Ergebnis für den Patienten.

Besonders wichtig ist: Trotz Schmerzen soll der Patient möglichst in Bewegung bleiben. Bettruhe ist nicht länger als für einige Tage sinnvoll. Sonst kann sich die Situation durch schnelle Rückbildung der Muskulatur und Reduktion der Stoffwechselaktivität sogar verschlechtern.

OP und Physiotherapie sind meistens gleichwertige Behandlungsoptionen

Kriterien für eine operative Therapie

  • starke Schmerzen, die eindeutig vom Bandscheibenvorfall verursacht werden und die durch medikamentöse Schmerztherapie nicht erfolgreich therapiert werden können
  • Lähmung (Parese) oder Muskelschwäche
  • permanent zunehmende Lähmungserscheinungen oder neurologische Ausfälle
  • Verlust von Reflexen
  • Cauda-equina-Syndrom: Störungen der Stuhl- und Harnkontrolle (Blasen- und Mastdarmlähmung)
  • Empfindungsstörungen an Oberschenkeln, Genitalien und Anus
  • plötzlich auftretende Impotenz
  • Beschwerden, die sich nach sechs Wochen noch nicht gebessert haben, oder zunehmende Schmerzen unter konservativer Behandlung
  • durch Bildgebung nachgewiesene sehr große (massereiche) Bandscheibenvorfälle

Viele Bandscheibenvorfälle lassen sich auch ohne Operation, also konservativ, erfolgreich behandeln. Der Bandscheibenvorfall bildet sich durch eine natürliche Entzündungsreaktion des Körpers wieder zurück. Dabei gelangt das ausgetretene Bandscheibenmaterial aber nicht mehr in die Bandscheibe zurück, sondern wird vom Körper resorbiert. Eine konservative Behandlung kann diese Rückbildung nicht auslösen oder gar beschleunigen: Sie ist die natürliche Antwort des Körpers auf die Verletzung. Nur etwa 10–15 % der Bandscheibenrupturen erfordern eine operative Behandlung.

Eine Ausnahme bilden Vorfälle, die zu Lähmungen (Paresen) führen. Starke Einschränkungen der Bewegung (z. B. durch eine Fußheberparese) erfordern in der Regel eine schnelle Entfernung des Druck ausübenden Materials. Nur so können bleibende Schäden an den betroffenen Nerven verhindert werden. Zur Vorbereitung einer operativen Behandlung des Bandscheibenvorfalls hilft eine unterstützende sorgfältig durchgeführte konservative Therapie. Auch in der weiterführenden Rehabilitation bleibt das immer ein wesentlicher Bestandteil des Therapiekonzeptes.

Operative Behandlung des Bandscheibenvorfalls

Wenn der Bandscheibenvorfall die Nervenwurzel oder das Rückenmark bedrängt und so zu starken Schmerzen und Funktionsausfällen führt, besteht die Indikation für eine Operation. Um die Nerven wieder freizugeben, muss der Operateur das ausgetretene Bandscheibenmaterial entfernen. Dafür kann er ein offenes, mikrochirurgisches oder endoskopisches Operationsverfahren wählen – wichtig ist vor allem, dass er den Bandscheibenvorfall vollständig entfernt. Dabei genügt es, den ausgetretenen Sequester – das abgetrennte Bandscheibenmaterial – sicher zu entfernen (Sequestrektomie). Häufig wird dabei das gesamte Innere der Bandscheibe ausgeräumt (Diskektomie). Das führt aber zu keinen nachweisbaren klinischen Vorteilen. Die ausgeräumte Bandscheibe erfüllt keine Funktion mehr, weil ihr Volumen stark vermindert ist. Dafür ist bei der Sequestrektomie die Re-Rupturrate (erneuter Riss) etwas erhöht, weil noch Material in der Bandscheibe vorhanden ist, das wieder austreten kann. Insgesamt verspricht eine Bandscheibe mit Restvolumen allerdings eine wesentlich höhere klinische Erfolgsrate.

OP-Entscheidung: andere Schmerzquellen für die Rückenschmerzen ausschließen

Wir operieren keine radiologischen Bilder, sondern die klinischen Beschwerden des Patienten. Dabei ist es besonders wichtig, durch die Untersuchung vorher festzustellen, ob das in den Bildern sichtbare Strukturproblem tatsächlich für die konkreten Beschwerden des Patienten verantwortlich ist. Wir dürfen auf keinen Fall unspezifische Rückenschmerzen, die nur auf einer funktionellen Störung wie Muskelungleichgewicht oder einem Bewegungsmangel beruhen, durch eine Operation therapieren. Wenn wir uns nicht sicher sind, ob der Bandscheibenvorfall tatsächlich die Schmerzen verursacht, sollten wir in die betroffene Nervenwurzel ein Anästhetikum (lokales Betäubungsmittel) injizieren und schauen, ob sich die Schmerzen dadurch verringern.

Ziel der Bandscheibenoperation: Schmerzfreiheit und neurologische Verbesserung

Für einen zufriedenstellenden Verlauf der Bandscheibenoperation ist es wichtig, die Erwartungen an das Ergebnis zu klären. Das Ziel sollte sein, die aus den Bandscheiben ausgetretene Masse aus der Umgebung des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln zu entfernen. Dadurch beseitigt man den Druck des Bandscheibensequesters, der für die Beschwerden verantwortlich war. Die Nervenfunktion kann dann in vielen Fällen schnell wieder regenerieren.

Was geschieht mit dem Loch in der Bandscheibe?

Das durch die Bandscheibenruptur entstehende Loch in der Bandscheibenhülle schließt sich durch eine Entfernung des Bandscheibenvorfalls nicht von alleine. Ein operatives Verfahren löst dieses Problem (Barricaid®): Eine kleine Membran ersetzt den defekten Teil des Anulus fibrosus (Bandscheibenhülle) und verhindert einen erneuten Riss (Re-Ruptur) zuverlässig.
Weiterlesen

Die Entfernung des Bandscheibenvorfalls zielt also nicht darauf ab, die Funktion der Bandscheibe wiederherzustellen. Die beim Vorfall ausgetretene Masse wird nicht wieder in die Bandscheibe zurückgebracht. An dem degenerierten Zustand der Bandscheibe ändert die Bandscheibenoperation also nichts. Es geht nur darum, die Folgen des Fremdkörpers in der Umgebung der Bandscheibe effektiv und schnell zu beseitigen.

Nach Entfernung des ausgetretenen Materials bleibt ein Loch in der gerissenen Bandscheibenhülle zurück.

Um mögliche weitere Quellen von Rückenschmerzen zu erkennen oder auszuschließen, führen wir nach der Operation eine umfassende Untersuchung durch. So sichern wir ab, dass der Patient nach der Bandscheibenoperation tatsächlich gute Aussichten hat, frei von Nacken-, Rücken- und Beinschmerzen zu sein.

Risiken der Bandscheibenoperation

  • 15 % der Patienten leiden auch nach der Operation an anhaltenden Schmerzen.
  • Schmerzhafte Narbenbildung nach einem offenen Eingriff ist möglich.
  • Re-Ruptur, das ist ein erneuter Vorfall der operierten Bandscheibe, ist eine ernstzunehmende Komplikation.

Eine Operation ist nur in etwa 10 % aller Bandscheibenvorfälle erforderlich. Patienten erholen sich nach operativer Behandlung wesentlich schneller als durch konservative Ausheilung. Sie sind schneller schmerzfrei und mit der Behandlung allgemein zufriedener. Zudem kehren sie früher ins Berufsleben zurück als Patienten mit konservativer Behandlung. Dabei kann eine Rolle spielen, dass bei operativer Behandlung das Bandscheibenmaterial sofort entfernt wird. Unter konservativer Therapie muss es erst langsam durch eine Entzündungsreaktion zurückgebildet werden.

Vor einer Operation sollten allerdings die konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sein.

Zu langes Abwarten verschlechtert das OP-Ergebnis

Bei der operativen Behandlung ist zu beachten: Das Ergebnis der Operation ist umso schlechter, je länger die Schmerzen vorher angedauert haben. Das liegt an einer möglichen Chronifizierung von Bandscheibenschmerzen. Durch überlange konservative Therapieversuche können daher auch wichtige operative Behandlungsoptionen verloren gehen.

Zunächst müssen die eingequetschten Nervenwurzel vom schmerzhaften Druck befreit werden. Das wird in der Regel durch die operative Entfernung des ausgetretenen Bandscheibenmaterials oder die Verkleinerung des Bandscheibenvorfalles erreicht. Die Wahl der Behandlung hängt davon ab, ob es sich um eine Vorwölbung (Bandscheibenprotrusion) oder um einen echten Bandscheibenvorfall handelt. Der genaue Ort, die Art und das Stadium der Störung spielen natürlich auch eine wichtige Rolle. Zur Verfügung stehen die folgenden minimalinvasiven Verfahren:

  • Nukleoplastie bzw. endoskopische Bandscheibenentfernung: Die perkutane Nukleoplastie entfernt Bandscheibenvorfälle durch eine kleine über die Haut eingebrachte Sonde.
  • Schmerzkatheter nach Racz: Ein elastischer Katheter wird durch den Epiduralraum der Wirbelsäule (Raum zwischen der äußersten Rückenmarkshaut und der Knochenhaut des Wirbels) an die schmerzende Nervenwurzel navigiert. Über den Katheter können schmerz- und entzündungsstillende Medikamente appliziert werden.
  • Disc-FX: Disc-FX ist ein kombiniertes Verfahren der endoskopischen Bandscheibenoperation. Man nutzt mechanische Therapieverfahren – z. B. mit Mikrozangen – und elektrothermische Therapie mit lokaler Hitzeentwicklung zusammen, um Bandscheibenvorwölbungen und -vorfälle zu therapieren.
  • Mikrochirurgische Entfernung (Nukleotomie) des Bandscheibenvorfalles: Über einen Schnitt entfernt der Chirurg den Bandscheibenvorfall in einer offenen Operation an der Wirbelsäule. Auch komplexe und schwer zugängliche Bandscheibenvorfälle können so therapiert werden. Die Operation findet unter dem Operationsmikroskop statt.

Mikrochirurgische Entfernung des Bandscheibenvorfalls

Ablauf der mikrochirurgischen Bandscheibenoperation:

  • Narkose: Vollnarkose
  • Operationsdauer: 1–2 h
  • Verfahren: offene OP unter dem Mikroskop
  • stationärer Aufenthalt: ca. 4 Tage
  • Nahtlänge: 2–3 cm
  • Mobilisierung ab dem 1. Tag nach der Operation
  • krankengymnastische Übungen ab dem 1. Tag nach der Operation

Je nach genauer Lage des Bandscheibensequesters (abgelöstes Bandscheibenmaterial) ist ein endoskopisches Verfahren nicht immer möglich. So müssen gelegentlich endoskopisch operierte Bandscheibenvorfälle während der Operation zu einem mikrochirurgischen Eingriff ausgeweitet werden.

Die mikrochirurgische Operation des Bandscheibenvorfalls ist noch immer der Goldstandard unter den Operationsmethoden. Sie ermöglicht dem Operateur unabhängig von der Lage und Verlaufsrichtung des Bandscheibenvorfalls eine freie Sicht auf das gesamte Operationsgebiet. Die mikrochirurgische Operation erfolgt mithilfe eines Mikroskops. Es genügt ein wenige Zentimeter langer Hautschnitt in der Umgebung des Bandscheibenvorfalls.

Operationsrisiken der Mikrochirurgie

  • Narbenbildung nach der Operation
  • Nervenverletzung bei der Entfernung des Bandscheibenvorfalls (sehr selten)
  • allgemeine OP-Risiken: Infektionen und Wundheilungsstörungen
  • langfristig ziehende Schmerzen

Der Operateur setzt den Schnitt je nach Lage des Bandscheibenvorfalls über der Mittellinie der Wirbelsäule oder etwas seitlich davon. Die Muskulatur wird von den Dornfortsätzen (zum Rücken gerichteter Wirbelfortsatz) gelöst, um Zugang zur Wirbelsäule zu erhalten.

Diskektomie

Wenn der Vorfall noch mit dem Inneren der Bandscheibe (Nucleus pulposus) verbunden ist, muss ein Teil des Bandscheibenkerns mit entfernt werden, um einem erneuten Vorfall vorzubeugen. Der OP-Ablauf und der Zugang der Diskektomie entsprechen ansonsten der mikrochirurgischen Bandscheibenoperation.

Hierzu muss der Operateur das Längsband zwischen den Wirbelkörpern (Ligamentum flavum) etwas einschneiden. Wenn der Bandscheibenvorfall "sequestriert" ist, also keine Verbindung mehr zur weichen Masse im Inneren der Bandscheibe hat, kann er recht leicht entfernt werden. Dies befreit Nervenwurzeln und Rückenmark vom Druck.

Das Operationsgebiet wird nach dem Eingriff mit einer Naht verschlossen. Der Patient bleibt dann etwa vier Nächte stationär in der Klinik.

Endoskopische Entfernung des Bandscheibenvorfalls

Minimalinvasive, endoskopische BandscheibenoperationBei der minimalinvasiven, endoskopischen Bandscheibenoperation erfolgt der Zugang zum Operationsgebiet durch eine Hohlnadel. Unter direkter endoskopischer Sicht führt der Operateur die Instrumente ein, die den Bandscheibenvorfall entfernen sollen. Das Ablösen von Muskeln und Bändern ist bei der endoskopischen Methode nicht erforderlich.

Ablauf der endoskopischen Bandscheibenoperation

  • ca. 5 mm Hautschnitt
  • Operation unter Röntgenkontrolle
  • OP-Dauer 30–45 Min.
  • keine Naht erforderlich
  • sofortige Mobilisierung am OP-Tag
  • 3 Tage stationärer Aufenthalt
  • keine Narbenbildung nach der Operation.

Zur endoskopischen Entfernung des Bandscheibenvorfalls wird eine Hohlnadel durch die Haut in das betroffene Gebiet vorgeschoben. Diese verfügt sowohl über einen Arbeitskanal als auch über eine Optik (Kameralinse) mit Lichtquelle sowie einen lichtleitenden Schlauch mit kleinem Durchmesser. Meist eignen sich unkomplizierte Bandscheibenvorfälle mit einer endoskopisch gut erreichbaren Lage für dieses Operationsverfahren. Anstelle des Operationsmikroskops gewährleistet hier die endoskopische Optik die gute Sichtbarkeit des Operationsgebiets. Der Blickwinkel ist dabei aber viel eingeschränkter als beim mikrochirurgisch offenen Zugang. Das erschwert die Exploration, also das genaue Absuchen des Operationsgebietes nach weiteren Sequestern mit Bandscheibenmaterial.

Ein Hautschnitt in der Umgebung der Wirbelsäule ist bei der endoskopischen Operation der Wirbelsäule nicht erforderlich. Die Öffnung beträgt nur ca. 5 mm, wodurch die Narbenbildung minimal ist. Die möglichen Nebenwirkungen einer offen mikrochirurgischen Bandscheibenoperation sind durch den endoskopischen Zugang minimiert. Vorteile der endoskopischen Bandscheibenchirurgie sind also folgende:

  • kleinerer Hautschnitt, schnellere Heilung
  • geringerer Blutverlust
  • geringeres Infektionsrisiko
  • Lokalanästhesie möglich
  • kürzerer Klinikaufenthalt
  • kürzere Krankschreibung

Wann immer ein endoskopisches Vorgehen durch die Lage des Bandscheibenvorfalls aussichtsreich erscheint, bieten wir unseren Patienten den minimalinvasiven Zugang an. In einer eingehenden Voruntersuchung klären wir die Situation und besprechen gemeinsam mit dem Patienten das operative Vorgehen. Studien konnten die Überlegenheit der endoskopischen Verfahren gegenüber der Mikrochirurgie noch nicht eindeutig belegen. Es ist aber verhältnismäßig sicher, dass die Ergebnisse nicht schlechter sind und dass die verminderte Narbenbildung theoretische Vorteile für den Patienten bietet. Die langfristigen Komplikationsraten oder Re-Operationsraten der Verfahren unterscheiden sich nicht erkennbar. Somit bleibt die Wahl des Operationsverfahrens zu großen Teilen eine subjektive Entscheidung des operierenden Arztes. Den endoskopischen Verfahren kommt hier weitgehend die Rolle ergänzender Verfahren zu.

Erhalt und Regeneration der Bandscheibe nach Bandscheibenvorfall

Invasive (ins Gewebe eindringende) Operationen bei Bandscheibendegeneration

Bei Schmerzen wegen Bandscheibendegeneration oder Dehydrierung (Volumenmangel) der Bandscheiben gibt es zwei Arten von Therapieempfehlungen. Die eine Richtung will den Bandscheibenvorfall als Ursache von Rückenschmerzen vor allem konservativ mit Schmerzmitteln und Physiotherapie behandeln. Die Funktion und Höhe der Bandscheiben ändert sich dadurch aber nicht. Vielmehr unterstützen diese Maßnahmen die Stabilität und Funktion der Bandscheibe, indem Muskeln aufgebaut werden.

Wenn die konservative Therapie nicht mehr zur Stabilisierung der degenerierten Bandscheibe ausreicht, empfiehlt die Neurochirurgie eine Reihe von bewährten, aber operativ aufwändigen Verfahren (siehe nebenstehenden Kasten).

Bandscheibenerhaltende Verfahren

  • Barricaid®: Membran zum Verschluss von offenen Bandscheibenrupturen
  • Hydrogel®: wasserbindendes Implantat (Polymer) zur Augmentation (Erhöhung) des Bandscheibenvolumens (nur in der Lendenwirbelsäule)

Zwischen der konservativen und der operativen Behandlung mit Implantaten gab es bisher wenig Therapieangebote, mit denen wir Patienten vor allem in den früheren Phasen der Bandscheibendegeneration minimalinvasiv helfen konnten, um den Erhalt der Bandscheibe zu fördern und ihre Funktion zu verbessern.

Deswegen haben wir uns darum bemüht, diese Versorgungslücke mithilfe innovativer Methoden zu schließen. Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls oder einer beginnenden Bandscheibendegeneration ist für uns mit der Akutbehandlung und der Schmerztherapie nicht abgeschlossen: Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Bandscheibe unserer Patienten auch langfristig zu stabilisieren und ihre Funktion zu erhalten. Wir wollen Degeneration vermeiden oder stark verlangsamen. Diese wichtigen bandscheibenstabilisierenden und regenerierenden Verfahren wollen wir im folgenden Abschnitt vorstellen.

Stabilisierung der gerissenen Bandscheibe mit einer Membran: Anulusprothese "Barricaid®"

Wie können wir das Risiko eines Rezidivs (Rückfallrisiko) nach einem Bandscheibenvorfall vermindern?

Bei einem hohen Rezidivrisiko nach einer Bandscheibenruptur wurde bisher das Bandscheibenfach operativ "ausgeräumt": Material aus der Bandscheibe wurde entfernt, um den Innendruck der Bandscheibe noch weiter zu senken. Das hatte eine in ihrer Höhe und Funktion stark reduzierte Bandscheibe zur Folge. Eine solche Diskektomie (Entfernung von Bandscheibenmaterial) erhöhte die Wahrscheinlichkeit für den Patienten, bald wieder an Rückenschmerzen zu erkranken, deutlich. Die so ausgeräumte Bandscheibe konnte ihre Stoßdämpferfunktion häufig nicht mehr vollständig wahrnehmen.

Das Rezidiv – also das erneute Auftreten eines Bandscheibenvorfalls an der selben Bandscheibe – ist mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 10 % die am weitesten verbreitete Komplikation nach der operativen Behandlung.

Die bisher genannten Therapieverfahren bewirken lediglich die Rückbildung bzw. das Ausräumen des Bandscheibenvorfalls. Die Frage nach der gerissenen Bandscheibe wurde bisher nicht angesprochen. Der Riss in der bindegewebigen Hülle der Bandscheibe besteht auch nach Entfernung des Bandscheibenvorfalls. Durch ihn kann das Material der Bandscheibe wieder austreten.

Die neu entwickelte Anulusprothese (Barricaid®) kann den Riss im Faserring (Anulus fibrosus) wieder stabil verschließen.

Barricaid® Fakten:

  • Indikation: Loch in der Bandscheibe von 3–12 mm nach einem Bandscheibenvorfall
  • Operation: Begleitoperation während einer mikrochirurgischen Bandscheibenentfernung
  • stationärer Aufenthalt: 4 Tage nach OP
  • Behandlungsstrategie: Verschluss des Loches in der Bandscheibe mit einer Membran
  • klinischer Nutzen: Schutz vor der Re-Ruptur (erneuter Riss) der Bandscheibe (Erhalt der Vitalität, weil das Bandscheibenfach nicht ausgeräumt werden muss)

Dieser Verschluss reduziert das Risiko eines Rezidivs nach Entfernung des Bandscheibenvorfalls, also das erneute Auftreten eines Bandscheibenvorfalls, stark.

Ob das Barricaid®-Verfahren zum Einsatz kommen kann, hängt u. a. von der Größe und Lage des Defektes in der Bandscheibenhülle ab. Zu breite Defekte (> 12 mm) können nicht abgesichert werden. Eine Osteoporose erschwert die Verankerung der Membran im Wirbelkörper. Die genaue Defektgröße wird während der Operation ermittelt. In der Regel eignet sich das Barricaid®-Implantat für Bandscheiben ab einer Höhe von 5 mm. Bereits völlig kollabierte Bandscheiben können nicht mehr behandelt werden.

Barricaid-Technologie verschließt offene Bereiche im Anulus fibrosus (Bandscheibenhülle)Die Barricaid®-Technologie verschließt offene Bereiche im Anulus fibrosus (Bandscheibenhülle) mit einer kleinen Membran. Ein Knochenanker verbindet diese netzartige Membran mit dem darunterliegenden Wirbelkörper. Die Anbringung dieses Barricaid®-Implantates dauert nur wenige Augenblicke. Sie findet im Rahmen der mikrochirurgischen Diskektomie (Entfernung des ausgetretenen Bandscheibenmaterials) statt. © Intrinsic Therapeutics

Was sind die Vorteile des Barricaid®-Verfahrens im Vergleich zu einer einfachen Diskektomie (Entfernung des ausgetretenen Bandscheibenkerns)?

  • Das Verfahren senkt die Re-Rupturrate bei großen Defekten (> 7mm) von 27,3 % auf 1,4 %.
  • Die Rückenschmerzen nach der Diskektomie sind über mindestens 2 Jahre deutlich verringert.
  • Stabilität: Ein Defekt oder eine Verschiebung des Teilersatzes der Bandscheibenhülle ist unwahrscheinlich. Das Implantat ist sehr stabil.
  • Bei einer Entfernung des Bandscheibenvorfalles muss der lockere Bereich innerhalb des Bandscheibenfaches nicht ausgeräumt werden. Der Riss in der Hülle kann durch die Membran verschlossen werden und ist so vor einer erneuten Ruptur gesichert. Auf diese Weise kann das Barricaid®-Implantat wertvolles Bandscheibenvolumen erhalten.

Erhöhung des Volumens ("Augmentation") der degenerierten Bandscheibe (Black disc) durch Hydrogel

Das Volumen der degenerierten Bandscheibe ist reduziert. Sie ist daher flacher als eine gesunde Bandscheibe. Die Facettengelenke (Wirbelgelenke) werden zunehmend belastet und können eine Arthrose (Gelenkverschleiß) entwickeln. Durch Injektion des wasserbindenden Hydrogels wird Wasser in die Bandscheibe gezogen. Das Volumen vergrößert sich. Die Bandscheibe kann ihre Funktion wieder besser ausfüllen. © www.arthrovision.deDas Volumen der degenerierten Bandscheibe ist reduziert. Sie ist daher flacher als eine gesunde Bandscheibe. Die Facettengelenke (Wirbelgelenke) werden dadurch zunehmend belastet und können eine Arthrose (Gelenkverschleiß) entwickeln. Durch Injektion des wasserbindenden Hydrogels wird wieder Wasser in die Bandscheibe gezogen. Das Volumen und damit die Höhe des Bandscheibenfaches vergrößert sich. Die Bandscheibe kann ihre Funktion wieder besser ausfüllen. Das Hydrogelverfahren ist nur für die Lendenwirbelsäule (LWS) zugelassen. © www.arthrovision.deDie Behandlung mit Hydrogel bei einer Bandscheibendegeneration nach Bandscheibenvorfall. Die Behandlung mit Hydrogel bei einer Bandscheibendegeneration im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS): Das wasserbindende, stark aufquellende Polymer wird endoskopisch, also durch eine transkutane (durch die Haut gehende) Hohlnadel, in den Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) eingeführt. Dieses Verfahren ist nur für die Lendenwirbelsäule zugelassen. © www.arthrovision.de

Bandscheiben mit einem reduzierten Volumen erscheinen im MRT-Bild als dunkel oder schwarz. Deswegen werden degenerierte Bandscheiben auch als "Black Discs" bezeichnet.

Degenerierte Bandscheiben sind durch den Flüssigkeitsverlust immer auch in ihrer Höhe reduziert. Dies schränkt die Funktion dieser Bandscheiben sehr stark ein. Die Höhenminderung führt zu einer zunehmenden Belastung der Facettengelenke (Wirbelgelenke). Die Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten, geraten unter Druck. Bei reduzierter Höhe der Bandscheiben ist zu beobachten, dass der Anulus fibrosus (Bandscheibenhülle) erschlafft und sich hervorwölbt. Das Wirbelgelenk der degenerierten Bandscheibe wird überbeweglich. Es kommt zu einer sekundären Instabilität der Lendenwirbelsäule und zu einer schmerzhaften Stenose (Einengung) des Wirbelkanals oder der Nervenwurzeln.

Fakten zur Hydrogelbehandlung

  • Indikation: Die konservative Behandlung von Bandscheibenschmerzen führt zu keiner Schmerzlinderung.
  • OP-Lagerung: Die endoskopische Operation mit Hydrogel® erfolgt unter Bauch- oder Seitenlagerung.
  • OP-Verfahren: Für die endoskopische (minimalinvasive) Operation verwendet man eine transkutane (durch die Haut gehende) Hohlnadel.
  • Der Operateur injiziert das Hydrogel® unter Röntgenkontrolle in den Nucleus pulposus (weicher Kern) der Bandscheibe.
  • Behandlungsstrategie: Die Hydrogel®-Komponenten quellen in der Bandscheibe um ein Vielfaches Ihres Volumens auf (Hydratation).
  • Klinische Wirkung: Durch die chemische Pufferwirkung normalisiert sich der Säuregrad der degenerierten Bandscheibe und der Bandscheibenschmerz nimmt ab.

Die Hydrogel®-Behandlung kann die Höhe und das Volumen einer degenerierten Bandscheibe wieder vergrößern. Das Polymer (langkettiges Molekül) zieht wieder Wasser in den ausgetrockneten Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) hinein. Damit wirkt diese Behandlung langfristig durch Volumenerhöhung gegen Schmerzen an der degenerierten Wirbelsäule.

Wann kommt das Hydrogel®-Verfahren zum Einsatz?

  • Hydrogel® wird bei Schmerzen, die von Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule ausgehen, angewendet.
  • Die Schmerzursache sollte mittels einer Diskografie (Schmerzuntersuchung) und MRT-Untersuchung gesichert worden sein.
  • Bandscheiben mit gerissenem Faserring (Anulus fibrosus) oder ohne Riss im Faserring können behandelt werden.

Bedeutung des Hydrogel®-Verfahrens zur Augmentation (Erhöhung) von Bandscheiben

Wirkungen der Bandscheibenaugmentation

  • dauerhafte Minderung von diskogenen (bandscheiben- verursachten) Rückenschmerzen
  • dauerhafte Reduktion von Ischiasschmerzen
  • Entlastung der Facettengelenke
  • Stabilisierung der Wirbelsäule (Reduktion von Wirbelgleiten bzw. Spondylolisthesis)
  • Schmerzlinderung bei spinaler Stenose
  • elastischer Ersatz für konventionelle intraspinale (zwischen den Wirbeln liegende) Spreizer aus Metall
  • keine bekannten Nebenwirkungen

Etwa 15 % aller Erwachsenen leiden unter einer degenerativen Bandscheibenerkrankung. Diese ist stets verbunden mit einer stark verringerten Fähigkeit des Nucleus pulposus (Bandscheibenkern), Wasser zu binden. Bisherige Maßnahmen bestanden in konservativen Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie und dem Einsatz von Schmerzmitteln. Diese Behandlungen erwirken aber lediglich eine Erleichterung der Symptome. Operative Therapiemöglichkeiten waren die Fusion von Wirbelkörpern (Spondylodese) oder die Implantation einer Bandscheibenprothese. Beides sind invasive Verfahren, die sehr tiefgehend in die Struktur der Wirbelsäule eingreifen. Die endoskopische Augmentation (Volumenerhöhung) der Bandscheibe in der Lendenwirbelsäule mit Hydrogel® füllt eine wichtige Lücke im therapeutischen Spektrum zwischen der symptomatischen Behandlung und den invasiven Behandlungen. Das Hydrogel®-Verfahren therapiert diskogenen Schmerz der Lendenwirbelsäule (des unteren Rückens) nach einem Bandscheibenvorfall oder nach altersbedingter Degeneration minimalinvasiv durch eine Injektionsbehandlung. Auf diese Weise bleibt die Bandscheibe erhalten.

Auswahl und Kombination der bandscheibenerhaltenden Verfahren

Die hier beispielhaft genannten Verfahren zur Regeneration einer gerissenen Bandscheibe werden nach sorgfältiger Klärung aller Begleitumstände durchgeführt. Sie sind auch miteinander kombinierbar. So lässt sich eine Anulusprothese (Barricaid®) mit einer Bandscheibenzelltransplantation kombinieren: Sie sichert ab, dass das neu hineingebrachte Material nicht wieder durch den Riss in der Bandscheibenhülle verloren geht. Diese modernen minimalinvasiven Verfahren können also in einem relativ frühen Stadium die Alterung der Bandscheibe verzögern und ihr Regenerationspotential optimal nutzen.

Literaturangaben
  • Berman, B. M., Langevin, H. M., Witt, C. M. & Dubner, R. (2010). Acupuncture for chronic low back pain. The New England journal of medicine, 363(5), 454–461.
  • Bronfort, G., Haas, M., Evans, R., Leininger, B. & Triano, J. (2010). Effectiveness of manual therapies: the UK evidence report. Chiropractic & osteopathy, 18, 3+.
  • Casey, E. (2011). Natural history of radiculopathy. Physical medicine and rehabilitation clinics of North America, 22(1), 1–5.
  • Donelson, R. (2011). Mechanical diagnosis and therapy for radiculopathy.. Physical medicine and rehabilitation clinics of North America, 22(1), 75–89.
  • Hoppenfeld, S. Orthopaedic Neurology: A Diagnostic Guide to Neurologic Levels. J. B. Lippincott Company.
  • Iordanova, E., Roe, C., Keller, A., Skouen, J. S., Rygh, L. J., Espeland, A. et al. (2010). [Long-lasting low back pain and MRI changes in the intervertebral discs]. Tidsskrift for den Norske lægeforening: tidsskrift for praktisk medicin, ny række, 130(22), 2260–2263.
  • Iwamoto, J., Sato, Y., Takeda, T. & Matsumoto, H. (2010). The return to sports activity after conservative or surgical treatment in athletes with lumbar disc herniation. American journal of physical medicine & rehabilitation/Association of Academic Physiatrists, 89(12), 1030–1035.
  • Kotil, K. & Sengoz, A. (2011). The management in the C2-C3 disc herniations: a clinical study. Turkish neurosurgery, 21(1), 15–21.
  • Kvistad, K. A. & Espeland, A. (2010). [Diagnostic imaging in neck and low back pain]. Tidsskrift for den Norske lægeforening: tidsskrift for praktisk medicin, ny række, 130(22), 2256–2259.
  • Manchikanti, L., Singh, V., Falco, F. J., Cash, K. A. & Pampati, V. (2010). Evaluation of the effectiveness of lumbar interlaminar epidural injections in managing chronic pain of lumbar disc herniation or radiculitis: a randomized, double-blind, controlled trial. Pain physician, 13(4), 343–355.
  • Postacchini, F. (1999). Lumbar Disc Herniation (1. ed). Springer.
  • Postacchini, F. & Postacchini, R. (2011). Operative management of lumbar disc herniation: the evolution of knowledge and surgical techniques in the last century. Acta neurochirurgica. Supplement, 108, 17–21.
  • Ramsey, R. (1999). Teaching Atlas of Spine Imaging (Teaching Atlas Series) (1. ed). Thieme.
  • Selviaridis, P., Foroglou, N., Tsitlakidis, A., Hatzisotiriou, A., Magras, I. & Patsalas, I. (2010). Long-term outcome after implantation of prosthetic disc nucleus device (PDN) in lumbar disc disease. Hippokratia, 14(3), 176–184.
  • Stelzeneder, D. & Trattnig, S. (2010). [Biochemical magnetic resonance imaging of intervertebral discs and facet joints]. Der Radiologe, 50(12), 1115–1119.
  • Stout, A. (2010). Discography. Physical medicine and rehabilitation clinics of North America, 21(4), 859–867.
  • Walcott, B. P., Hanak, B. W., Caracci, J. R., Redjal, N., Nahed, B. V., Kahle, K. T. et al. (2011). Trends in inpatient setting laminectomy for excision of herniated intervertebral disc: Population-based estimates from the US nationwide inpatient sample. Surgical neurology international, 2.
  • Wilmink, J. T. (2009). Lumbar Spinal Imaging in Radicular Pain and Related Conditions: Understanding Diagnostic Images in a Clinical Context (1. ed). Springer.
Bewertung: 
Eigene Bewertung: Keine. Durchschnittlich 4.3 (202 votes)
Folgen Sie der Gelenk-Klinik auf Facebook, Twitter oder Instagram

Bitte ein Gelenk wählen

Anatomische Struktur
SchulterschmerzenEllenbogenschmerzenHand und HandgelenkHuefteWirbelsäuleHandFussSprunkggelenk und Schmerzen im KnöchelKnieschmerzen und Schmerzen im Knöchel

Jobportal des Gelenk-Klinik MVZ

Wir haben Spaß an unserer Arbeit und möchten dich daran teilhaben lassen. Für unsere Klinikerweiterung in 2019 suchen wir daher Verstärkung:

Wirbelsäule und Rücken

Orthopädische Fachklinik in Freiburg

Bijan Ganepour
Facharzt für Neurochirurgie an der Gelenk-Klinik