Orthopädische Gelenk-Klinik

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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Spreizfuß: Schmerzhafte Verbereiterung des Vorfußes konservativ behandeln oder operieren?

Bei einem Spreizfuß (lat. Pes transversoplanus) ist das Fußquergewölbe eingesunken. Die Mittelfußknochen weichen auseinander, statt gerade nach vorne zu zeigen. Der Vorfuß ist stark verbreitert, sodass Betroffene Schwierigkeiten haben, passende Schuhe zu finden. Auslöser für die Fehlstellung können Bindegewebsschwächen, Übergewicht und falsches Schuhwerk sein. Folgen sind vor allem Schwielenbildung und Schmerzen im Bereich der 2. bis 4. Mittelfußköpfchen, da diese durch das veränderte Gangbild stark belastet werden. Auch Schleimbeutelentzündungen (Bursitis) im Bereich des Vorfußes können aus der Spreizfußfehlstellung resultieren. Der Spreizfuß wird vor allem konservativ behandelt durch Schuhanpassung, Einlagen und Fußübungen. In schweren Fällen kann eine Spreizfußoperation helfen.

  1. Was ist ein Spreizfuß?
  2. Ursache des Spreizfußes
  3. Symptome des Spreizfußes
  4. Folgen der Spreizfußerkrankung
  5. Untersuchung des Spreizfußes
  6. Differentialdiagnose der Spreizfußbeschwerden
  7. Konservative Therapie des Spreizfußes
  8. Operation des Spreizfußes

Was ist ein Spreizfuß?

Spreizfuß: Fehlstellung der Mittelfußknochen durch Verbreiterung des zentralen Vorfußes. Mit dem Spreizfuß können Zehenfehlstellungen und andere schmerzhafte Veränderungen des Vorfußes einhergehen. Die Mittelfußknochen sind beim Spreizfuß fächerförmig ausgebreitet, anstatt gerade nach vorne zu zeigen. Spreizfuß: Fehlstellung der Mittelfußknochen durch Verbreiterung des zentralen Vorfußes. Mit dem Spreizfuß können Zehenfehlstellungen und andere schmerzhafte Veränderungen des Vorfußes einhergehen. Die Mittelfußknochen sind beim Spreizfuß fächerförmig ausgebreitet, anstatt gerade nach vorne zu zeigen. © Henrie / Fotolia

Beim Spreizfuß (lat: Pes transversoplanus) senkt sich das vordere Quergewölbe des Fußes ab und der Vorfuß verbreitert sich.

Das führt zu einer veränderten Belastung der Vorfußknochen. Auch die Mittelfußknochen, vor allem der 2.–4., werden massiv überlastet. Mit zunehmendem Alter tritt das Spreizfuß immer häufiger auf.

Der Spreizfuß ändert das Gangbild

Der Spreizfuß spielt nicht nur beim Stehen eine Rolle: Auch beim Gehen oder Abrollen und Abdrücken ("push off") des Fußes, also in jeder Phase des Ganges, verändert der Spreizfuß die Belastung im Mittelfuß und Vorfuß. Die Fehlstellung belastet Knochen, Gelenke, Sehnen und Bindegewebe.

Der Spreizfuß resultiert aus einer zunehmenden Ermüdung oder Schwäche der Bindegewebe des Fußes. Übergewicht und langes Stehen im Beruf können die Spreizfußfehlstellung zusätzlich verstärken. Die Hauptbelastung des Vorfußes liegt beim Spreizfuß also nicht mehr auf der Großzehe, sondern auf den Mittelfußköpfchen der 2., 3. und 4. Zehe. Diese Strukturen verändern sich durch die ungewohnte Belastung: Der Spreizfuß ist Auslöser von Druckschwielen und schmerzhaften Veränderungen von Weichteilen (Schleimbeutel) und Knochen im Vorfuß.

Beim Spreizfuß sinkt das vordere Quergewölbe des Fußes ein. Dadurch verlagert sich mehr Gewicht auf die sonst wenig belasteten 2.–4. Zehen des Fußes. Es entstehen die in diesem Bild rot eingezeichneten Druckstellen an der Fußsohle der kleinen Mittelfußknochen. © Gelenk-Klinik.de Beim Spreizfuß sinkt das vordere Quergewölbe des Fußes ein. Dadurch verlagert sich mehr Gewicht auf die sonst wenig belasteten 2.–4. Zehen des Fußes. Es entstehen die in diesem Bild rot eingezeichneten Druckstellen an der Fußsohle der kleinen Mittelfußknochen. © Gelenk-Klinik.de

Der Spreizfuß kann zu Schwielen, Abbau der für die Dämpfung wichtigen Fettkörper der Fußsohle und Druckstellen führen, die sehr schmerzhaft und unästhetisch sind. Ein Spreizfuß betrifft Frauen wesentlich häufiger als Männer. Gründe dafür sind wahrscheinlich anatomische Unterschiede, aber auch die den Vorfuß einengende und belastende Schuhmode.

Der Spreizfuß ist kein fixierter Zustand. Die Fehlstellung entwickelt sich in einem fortwährenden Prozess, in dessen Verlauf sich die für einen Spreizfuß typischen Symptome immer weiter verstärken. Die Funktion des Fußes verschlechtert sich kontinuierlich.

Im Anfangsstadium ist der Spreizfuß meist noch nicht mit Schmerzen verbunden. Je mehr Druck auf die Mittelfußköpfchen der kleinen Zehen wirkt, umso deutlicher treten die schmerzhaften Folgen des Spreizfußes in den Vordergrund: Mittelfußschmerzen, Zehenfehlstellungen, Schleimbeutelentzündungen und Nerveneinklemmungen (Morton Neurom) gehören zu den häufigsten Folgen des Spreizfußes.

Spreizfuß durch Absinken der Querwölbung des Vorfußes

Anatomie und podometrische Untersuchung des Spreizfußes: Eine Platte zeichnet die Verteilung des Körpergewichts, das beim Abrollen auf der Fußsohle lastet, auf und stellt dies über eine Computergrafik dar. An den roten Stellen ist die Gewichtsbelastung besonders hoch, die blauen Stellen haben eine niedrige Gewichtsbelastung. Das Bild zeigt die durchschnittliche Verteilung der Druckbelastung während eines Schrittes. Die Untersuchung wird nicht im Stand, sondern während des Schrittes - also dynamisch – ausgewertet. © Gelenk- Klinik.de Anatomie und podometrische Untersuchung des Spreizfußes: Eine Platte zeichnet die Verteilung des Körpergewichts, das beim Abrollen auf der Fußsohle lastet, auf und stellt dies über eine Computergrafik dar. An den roten Stellen ist die Gewichtsbelastung besonders hoch, die blauen Stellen haben eine niedrige Gewichtsbelastung. Das Bild zeigt die durchschnittliche Verteilung der Druckbelastung während eines Schrittes. Die Untersuchung wird nicht im Stand, sondern während des Schrittes - also dynamisch – ausgewertet. © Gelenk- Klinik.de

Ursachen des Spreizfußes

Einen Spreizfuß erwirbt man fast immer im Erwachsenenalter. Selten ist er angeboren. Der Spreizfuß ist eine Aufspreizung des Vorfußes durch eine Belastung, die die Tragfähigkeit des Bandapparates überfordert. Auch die Leistungsfähigkeit der intrinsischen Fußmuskulatur (Muskeln, die die Fußgelenke miteinander verbinden) reicht nicht aus, um das normale Fußgewölbe aufrechtzuerhalten. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein, häufig sind sie allerdings im Bereich der Lebensweise zu finden. Frauen betrifft der Spreizfuß aufgrund der im Durchschnitt sehr fußschädlichen Schuhmode wesentlich häufiger als Männer.

Auch wenn Kleinkinder immer frühzeitiger Schuhe mit starrer oder gar stützender Fußsohle tragen, behindert dies die normale Fußreifung. Das ist ein kultureller Faktor, der Fußfehlstellungen auch im Erwachsenenalter begünstigt.

Genetische Ursachen des Spreizfußes: familiäre Häufung

In einzelnen Familien tritt der Spreizfuß vermehrt auf. Wahrscheinlich beruht die Häufung auf einer genetischen Veranlagung zu schwächeren Bändern und Bindegeweben. Weitere genetische Ursachen sind veränderte Fehlstellungen von Fußwurzelgelenken, Instabilität der Fußwurzel oder eine angeborene Schwäche der intrinsischen (d. h. am Fuß lokalisierten) Fußmuskeln.

Es können schon Kinder von einem Spreizfuß betroffen sein. Dann steckt meist eine genetische Veranlagung dahinter.

Grunderkrankungen und Verletzungen als Ursache des Spreizfußes

Es gibt auch Grunderkrankungen und Verletzungen, die zu einem Spreizfuß führen können:

  • Traumata und Verletzungen
  • Lähmungen durch Schädigungen des Nervensystems
  • Bänderschwäche
  • Knochenerkrankungen wie z.B. Knochennekrosen
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Hohlfuß mit Steilstellung der Mittelfußknochen
Spitz zulaufende Schuhe mit hohen Absätzen begünstigen den Spreizfuß. Die Enge des Schuhs lässt die Fußmuskulatur verkümmern. Die hohen Absätze bringen zu viel Gewicht auf den Vorfuß. Zudem verändern sie die Stellung der Grundgelenke der Zehen. © Gelenk-Klinik

Überlastung, Schuhmode und Übergewicht als Ursache des Spreizfußes

Zu den häufigsten Ursachen des erworbenen Spreizfußes gehören Umstände aus der Lebensweise der Patienten. Die starke Belastung der Füße überfordert die zunehmend unelastischen Bänder und begünstigt durch Verkümmerung der intrinsischen Fußmuskulatur das Entstehen von Spreizfüßen. Deshalb ist der Spreizfuß auch meist eine Erkrankung, die in der zweiten Lebenshälfte auftritt.

Die massiv veränderte Belastung der Gelenke und Zehen und die ungünstige Zehenstellung beim Abrollen führt zu Folgeschäden. Die Gelenkkapseln der Grundgelenke werden ständig überdehnt und können im Verlauf reißen. Dies ist ein wesentlicher Grund für die entstehenden Zehenfehlstellungen der Kleinzehen.

Folgende Umstände und Gewohnheiten, die sich in Kombination gegenseitig verstärken, erhöhen die Belastung der Bänder und Muskeln im Vorfuß und verursachen den Spreizfuß mit dem typischen abgeflachten Fußquergewölbe:

  • Das Tragen von spitz zulaufenden Schuhen (Pumps) lässt die Fußmuskulatur verkümmern.
  • Das Tragen von hohen Absätzen (High Heels) bringt dauerhaft zu viel Last auf den Vorfuß und die Zehengelenke.
  • Übergewicht erhöht die Last auf dem Quergewölbe des Vorfußes.
  • Häufiges, auch beruflich bedingtes, Stehen belastet den Fuß.
  • Durch Vermeiden unebener Böden und Barfußlaufen fehlen dem Fuß Außenreize.
  • Mit zunehmendem Alter flacht das Fußsohlenfettpolster ab.

Symptome des Spreizfußes

Häufig ist der Spreizfuß über längere Zeit vollkommen beschwerdefrei. Erst später klagen unsere Patienten meist über Schmerzen in den Vorfußballen.

Seltener, aber häufig besonders unangenehm, sind die Beschwerden im Übergang zwischen Mittelfußknochen und Fußwurzel. Diese Schmerzen legen häufig den Verdacht rheumatischer Erkrankungen nahe, die sich dann doch als Folge der Fehlbelastung durch den Spreizfuß herausstellen.

Vorfußschmerzen

Vorfußschmerzen können auch quer verlaufend im Bereich der gesamten Mittelfußköpfchen auftreten. Vor allem bei Belastung wird dieser Bereich schmerzhaft. Als typische Ausweichbewegung geht der Patient über außen. Auf diese Weise verformen sich die Schuhe und die Fußsohle nutzt an der Außenseite stärker ab. Dies kann zur Schonhaltung des Fußes und zur Entlastung des zentralen Vorfußes über den Großzeh – also den 1. Zehenstrahl – führen.

Rückbildung des Fußballenfettpolsters

Durch die verstärkte Belastung der Fußballen unter dem 2. bis 4. Zehenköpfchen kann sich auch das Fußballenfettpolster erst entzünden und später zurückbilden. Die Rückbildung erhöht die Belastung der Gelenke, Sehnen, Bänder und Schleimbeutel.

Je stärker sich das Fettpolster zurückbildet, desto eher schmerzt es, über den Vorfuß abzurollen.

Es gibt mehrere mögliche Ursachen des verminderten Fettpolsters an der Fußsohle:

  • Fehlbelastung und Überlastung des Vorfußes
  • Rückbildung des Sohlenfettpolsters als Nebenwirkung von Kortisonbehandlungen
  • Altersdegeneration des Sohlenfettpolsters.

Metatarsalgie

Beim fortgeschrittenen Spreizfuß kann es zu sehr heftigen Schmerzen im Bereich der Grundgelenke kommen. Man bezeichnet diese Schmerzen auch als zentrale Metatarsalgie (Mittelfußschmerzen).

Entzündliche Veränderungen der Zehengrundgelenke

Die ständige Überstreckung der Zehengrundgelenke, z. B. durch hochhackige Schuhe, aber auch durch sehr weiche Schuhe ohne Halt im Zehenraum ("Flip Flops"), überdehnt die Gelenkkapseln. Das kann die Zehengrundgelenke reizen und zu sehr schmerzhaften Gelenkentzündungen führen.

Schwielen- und Hornhautbildung unter den Zehenköpfchen

Oft tritt ein Spreizfuß im Zusammenhang mit schmerzhafter Schwielen- und Hornhautbildung unter den Zehenköpfchen auf. Diese neugebildete Hornhaut verursacht Druckschmerzen. Die Abtragung der Hornhaut zeigt hier häufig nur einen geringen Effekt. Sie verstärkt die mechanische Belastung der Haut oft sogar. Folge ist eine chronische Reizung und Entzündung.

Störung des Gangbildes

Die Schmerzen unter den Mittelfußköpfchen stören den normalen Abrollmechanismus des Fußes zunehmend: Der Spreizfußpatient rollt immer weniger gerade über den Vorfuß ab, sondern zunehmend über die Kleinzehen oder die Außenkante des Fußes.

Er bringt den Fuß instinktiv in eine Fehlstellung, bei der er eher über die Außenkante des Fußes läuft. Dadurch biegt sich der Schuh nach außen und läuft sich schief ab.

Auch längeres Gehen oder längere Gehstrecken werden schmerzhaft. Füße mit Spreizfuß ermüden daher schneller.

Belastungsschmerzen und Ermüdbarkeit des Spreizfußes

Am häufigsten äußert sich ein Spreizfuß durch belastungsabhängige Schmerzen. Sie treten besonders beim Gehen und Stehen auf. In Ruhe lassen sie wieder nach.

Symptome wie Kribbeln, Brennen, unruhige Füße oder Taubheitsgefühl haben keine orthopädischen, sondern eher neurologische Ursachen. Diese Symptome können im Rahmen von Restless Legs, Burning Feets oder einer Polyneuropathie (Nervenschädigung) auftreten.

Spätfolgen des Spreizfußes: Hallux valgus, Hammerzehen, Metatarsalgie

Mit zunehmender Fehlstellung wird der Spreizfuß immer schmerzhafter. Das für den Spreizfuß charakteristische, durchgetretene Quergewölbe führt zu zahlreichen, die Gehfähigkeit stark einschränkenden Folgeerkrankungen an Vorfuß, Mittelfuß, Zehen und Nerven. Um diese Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist es besonders wichtig, den Spreizfuß durch Fußgymnastik und Therapie zu stabilisieren.

Hallux valgus:

Durch die Verbreiterung und Absenkung des Vorfußes entsteht häufig ein sog. Hallux valgus (Ballenzehe).

Schneiderballen:

Gleichzeitig wandert die Kleinzehe zunehmend nach innen. Dies führt zu Veränderungen am Kleinzehengrundgelenk, zu Entzündungen der Schleimbeutel und zu schmerzhaften Schwellungen. Ein (Schneiderballen) entsteht.

Krallenzehen:

Die Zehengrundgelenke nehmen eine Fehlstellung ein (Hammerzeh, Krallenzeh).

Vergrößerung des Fußes:

Durch die Spreizfußfehlstellung verlängert sich der Fuß etwas, die Schuhgröße kann sich erhöhen. Die Betroffenen haben oft Probleme, geeignetes Schuhwerk mit genügend Platz für den verbreiterten Fuß zu finden.

Hallux rigidus:

Hallux rigidus ist die Arthrose des Großzehengrundgelenks. Neben den Hallux valgus ist die Großzehengrundgelenksarthrose die häufigste Folge des Spreizfußes.

Morton Neurom:

Das Morton Neurom ist die entzündliche Vergrößerung der Nervenhülle des Mittelfußnerven. Folge der auf den Nerven drückenden Gewebswucherung sind stechende Schmerzen oder Taubheit in den Zehen.

Metatarsalgie (Mittelfußschmerzen):

Durch die zunehmende Belastung der abgesunkenen Mittelfußköpfchen 2–4 entstehen Schmerzen im Mittelfuß, eine sog. Metatarsalgie. Ursache sind neben Weichteilreizungen (Schleimbeutelentzündungen) eine Belastung der Zehengrundgelenke und der Mittelfußknochen. Die Überlastung der Mittelfußknochen kann zudem zu einer Marschfraktur (Überlastungsfraktur) der Mittelfußknochen führen.

Fußwurzelarthrose (Lisfranc-Arthrose):

Die veränderte Belastung der Mittelfußköpfchen kann eine Schädigung und Arthrose der Fußwurzelgelenke verursachen.

Wann sollten Sie mit einem Spreizfuß zum Arzt?

Mit einer Spreizfußfehlstellung sollten sie so frühzeitig wie möglich zum Arzt. Eine geeignete Therapie, Übungen und Verhaltenshinweisen können das Fortschreiten des Spreizfußes stark verlangsamen. Das Ziel der konservativen ärztlichen Therapie ist die Vermeidung der oben geschilderten, schwerwiegenden und schmerzhaften Folgeerkrankungen des Spreizfußes. Auch Fragestellungen, inwiefern z. B. Barfußlaufen noch sinnvoll ist oder inzwischen sogar schädlich sein kann, sind durch den Arzt zu prüfen. Hierzu ist die podometrische Untersuchung (Fußabdruckmessung) des Ganges besonders hilfreich.

Spätestens, wenn Sie durch die Spreizfußfehlstellung schon Schmerzen haben und Ihre Gehstrecken im Alltag eingeschränkt sind, sollten Sie einen Fußspezialisten aufsuchen.

Untersuchung des Spreizfußes

Der Spreizfuß ist häufig eine Blickdiagnose: Die typische fächerförmige Ausbreitung der Mittelfußknochen ist typisch. Dazu kommen die Veränderungen der Zehen und der Haut unter den Zehenköpfchen. Das alleine reicht für die Diagnosestellung aber noch nicht aus.

Anhand der Befragung des Betroffenen und der körperlichen Untersuchung kann häufig bereits die Diagnose gestellt werden. Ein typischer Spreizfuß weist an der Fußsohle unter den Zehenköpfchen ein typisches Muster an Schwielen und Hühneraugen auf.

Dieses Muster entsteht durch die Fehlstellungen der Zehen und des Vorfußes.

Klinische Untersuchung des Spreizfußes

Die klinische Untersuchung der Wadendehnung bei gestrecktem und gebeugtem Kniegelenk ist ebenfalls wichtig. Sie gibt uns Hinweise auf eine erhöhte Vorfußbelastung durch ein verändertes Abrollverhalten (Silfverskjöld-Test). Auch die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenkes ist maßgeblich für die Beurteilung der Belastung des Vorfußes. Wenn das Sprunggelenk nur noch eingeschränkt beweglich ist, müssen die Fußgelenke, aber auch der Vorfuß dies als zusätzliche Belastung kompensieren.

Röntgenuntersuchung des Spreizfußes

Im Röntgenbild kann der Arzt die veränderten Winkel zwischen den Mittelfußknochen messen, um so das Ausmaß des Spreizfußes abzuschätzen. Das Röntgenbild sollte unter Belastung durchgeführt werden. Der Patient muss also stehen und sein ganzes Körpergewicht auf den Fuß bringen. Es zeigt auch die Folgeschäden an den Gelenken. Indirekte Zeichen für eine Instabilität, z. B. die Lisfranc-Gelenklinie (gedachte Linie zwischen Fußwurzel und Mittelfußknochen), können sichtbar gemacht werden.

Differentialdiagnose des Spreizfußes

Ein sehr wichtiger Bereich der ärztlichen Diagnose besteht in der Eingrenzung der Schmerzursachen. Es gibt zahlreiche andere Erkrankungen, die zu ähnlichen Beschwerden wie der Spreizfuß führen können:

  • Infektiöse Entzündungen an der Fußsohle (Schwielenabszess)
  • Morbus Köhler (Knochennekrose in den Mittelfußköpfchen, vor allem bei jungen Mädchen)
  • Rheumatische Entzündungen
  • Sehnenscheidenentzündung der Beugesehnen
  • Sohlenwarzen (ähneln den typischen Druckschwielen unter den Zehenköpfchen)

Wie wird der Spreizfuß therapiert?

Eine Therapie des Spreizfußes ist erst dann nötig, wenn der Betroffene Beschwerden hat. Eine Prophylaxe sollte der Patient bei sichtbarem Spreizfuß und Veränderung der Fußform aber bereits frühzeitig beginnen, um weitere Schäden zu vermeiden. Diese notwendigen Veränderungen der Lebensweise muss er aus eigenem Antrieb durchführen. Es ist sinnvoll, den Spreizfuß so schnell wie möglich zu therapieren, um das Fortschreiten zu verlangsamen. Meist kann man zumindest die zunehmende Fehlbelastung mit der damit verbundenen Schädigung der Gewebe des Vorfußes vermeiden.

Wirkung einer Einlage bei Spreizfuß Fuß mit Spreizfußeinlage im Schuh (grün dargestellt). Die Einlage im Bereich des Vorfußes hebt das vordere Fußgewölbe an, der Fuß wird wieder schmaler und die Metatarsalknochen richten sich wieder nach vorne aus. Die Biomechanik der Zehengrundgelenke normalisiert sich. Diese Einlagen sind symptomlindernd, sie beseitigen die Fehlstellung aber nicht langfristig. © Gelenk-Klinik.de

Konservative Therapie des Spreizfußes

  • Fußgymnastik und Training der intrinsischen Fußmuskeln
  • Entlastung der Druckstellen durch weitere, aber nicht zu weite, bequeme Schuhe
  • Leichte seitliche Führung des Fußes durch den Schuh
  • Spreizfußeinlagen zur Stützung des Quergewölbes über den
  • Zehenköpfchen
  • Wechselbäder
  • Wechselbäder
  • Kühlung des Fußes bei entzündlicher Reizung
  • Entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente

Eine konservative Therapie des Spreizfußes ist immer sinnvoll. Jede Therapie hat das Potenzial, dem Fortschritt der Spreizfußfehlstellung und damit der Überlastung der Zehengrundgelenke und Weichteile im Vorfußbereich entgegenzuwirken. Auch wenn das vordere Fußgewölbe meist nicht mehr hergestellt werden kann, können therapeutische Maßnahmen die Schmerzen deutlich reduzieren und die Gewebe im Vorfuß- und Zehenbereich gesund erhalten.

Intensive physikalisch-therapeutische Therapiemaßnahmen können Entzündungen und Überlastungsschmerzen im Vorfußbereich mildern. Sie können dies zu Hause durch Wechselduschen ihrer Füße ebenfalls durchführen.

Regelmäßige basische Fußbäder ("Totes Meersalz") reduzieren die Entzündungsneigung Ihres Vorfußes und die Schmerzen in Ihren Zehengrundgelenken deutlich.

Medikamentöse Schmerz- und Entzündungstherapie bei Spreizfuß

Bei ausgeprägten entzündlichen Schmerzen im Vorfußbereich helfen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac.

Fußgymnastik und Physiotherapie bei Spreizfuß

Physiotherapeutische Übungen kräftigen die gesamte intrinsische Muskulatur des Fußes und wirken dadurch der fortschreitenden Spreizfußfehlstellung entgegen.

Sie können diese Übungen von spezialisierten Fuß-Physiotherapeuten erlernen. Die weit verbreiteten Greifübungen mit den Zehen sollten hingegen nicht durchgeführt werden, da sie schädlich sind und die Krallenzehen sogar verstärken.

Wirksame Übungen schulen die Wahrnehmung des Fußes. Sie müssen immer bei gestreckten Zehen erfolgen, wenn das noch möglich ist. Regelmäßige Eigenübungen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Die intensive Physiotherapie des Fußes muss auch die Wadenmuskulatur mit einbeziehen, da diese häufig von Fehlstellungen im Bereich der Fußgewölbe betroffen ist. Aus der Wade verlaufen zahlreiche Sehnen in den Fuß hinein. Eine verkrampfte, schmerzhafte und wenig leistungsfähige Wadenmuskulatur ist nicht geeignet, um ein gesundes Fußgewölbe zu steuern.

Orthopädietechnik: Schuhe und Einlegesohlen

Spreizfußeinlage

Die am weitesten verbreitete konservative Maßnahme ist die sogenannte Spreizfußeinlage. Diese haben einen Wulst, der das Fußgewölbe direkt hinter den Vorfußköpfchen anhebt. Orthopädische Schuhanpassungen beinhalten häufig eine sogenannte Rolle, die den Druck beim Abrollen des Fußes besser verteilt.

Schmetterlingsrolle

Auch der Einbau einer "Schmetterlingsrolle" in den Schuh kann sich lohnen. Diese gibt den Mittelfußköpfchen beim Abrollen genügend Platz nach unten zur Fußsohle. Die Schmetterlingsrolle entlastet gezielt die beim Spreizfuß stark belasteten Mittelfußköpfchen durch eine gepolsterte Aussparung der Schuhsohle.

Fußbandage verschmälert den Spreizfuß

Eine Fußbandage hält den verbreiterten Vorfuß zusammen, sodass wieder ein Vorfußgewölbe entsteht. Ein spezieller Einsatz (eine sogenannte Pelotte) stützt das Fußquergewölbe aktiv. Dies ist eine relativ unwirksame Maßnahme, die aber teilweise dem Patienten hilft, die Zeit bis zu einer Operation des Spreizfußes zu überstehen.

Tapen der Zehen

Auch das Tapen der Zehen zur Fußsohle hin kann helfen, Beschwerden zu lindern und einer auftretende Instabilität entgegenzuwirken.

Starre Schuhsohle

Wenn stark entzündete Zehengrundgelenke schon zu stechenden Schmerzen und Metatarsalgie (Mittelfußschmerzen) geführt haben, kann eine starre Fußsohle diese zeitweise entlasten. Die Entzündung kann sich zurückbilden. Die starre Schuheinlage sollte immer bereitgehalten werden, um die Zehen bei einem möglichen Rückfall wieder zu entlasten.

Operation bei Spreizfuß

Wir denken immer dann an eine operative Therapie des Fußes, wenn langdauernde und differenzierte konservative Behandlungen die Schmerzen nicht langfristig gelindert haben. Eine Operation kann die Belastbarkeit des Vorfußes im Alltag wiederherstellen.

In die Planung einer Operation bei einem Spreizfuß muss immer die Gesamtsituation des Fußes integriert werden. Ist die Bewegung des oberen Sprunggelenks eingeschränkt? Sind die Fußwurzelgelenke instabil oder von Arthrose befallen? Geben Wadenmuskulatur und Sehnen andere Bewegungsmuster auch nach einer erfolgreichen Operation überhaupt frei? Um Misserfolge zu vermeiden, ist für die Planung einer Spreizfußoperation eine spezialisierte fußorthopädische Aufarbeitung des gesamten Fußes und Unterschenkels erforderlich.

Weil-Osteotomie (Umstellungsoperation) der Mittelfußknochen

Eine basisnahe Osteotomie der 2. bis 4. Mittelfußknochen kann diese anheben. Gleichzeitig verschmälert sie auch das Fußskelett. Nach der Operation muss der Patient den Fuß bis zur Einheilung der Mittelfußknochen in der neuen Position mit einem Therapieschuh ruhigstellen. Nach dem Eingriff ist Krankengymnastik erforderlich, die Muskeln und Bänder am Fuß und am Unterschenkel kräftigt. Physiotherapeutische Übungen gleichen die Folgen einer schon lange bestehenden Fehlstellung aus. Viele Patienten brauchen je nach Schwere der Veränderung nach der Operation keine Einlegesohlen mehr zu tragen. Teilweise sind diese aber unterstützend bei schweren Schäden im Verlauf noch sinnvoll.

Nach einer Korrekturosteotomie muss meist eine physiotherapeutische Nachbehandlung durchgeführt werden, um die Folgen der zuvor häufig schon lange bestehenden Spreizfuß-Fehlstellung auszugleichen.

Operation von Folgeerkrankungen des Spreizfußes: Fehlstellung der Zehen

Die Mittelfußknochen und durch Spreizfuß verursachte Zehendeformitäten kann eine Operation korrigieren (Krallenzehen OP, Hammerzehen OP, Hallux valgus Operation).

Für die einzelnen Zehen gibt es wiederum unterschiedliche Operationstechniken. Je nach Ausprägung und Schmerzen korrigiert man den Hallux valgus durch eine Verschiebung (Chevron-Osteotomie) oder mittels Keilentnahme. Auch für den Hammerzeh gibt es verschiedene Operationstechniken. Ob die OP nach Hohmann, OP nach Weil oder OP nach Girdlestone im Einzelfall die geeignete ist, muss individuell untersucht werden.

Operation bei Morton Neurom: Nervenentlastung oder Nervenentfernung?

Bei einem schmerzhaften Morton Neurom, einer der häufigsten Folgen des Spreizfußes, kann häufig eine Nervenentfernung weiterhelfen. Bei einem kleinen Neurom des Nervus Medianus kann häufig eine Dekompression des Mittelfußnerven helfen. Durch Weitung des Transversalbandes und bei starkem Spreizfuß auch Osteotomie der Mittelfußknochen kann der Druck auf den entzündeten Nerven reduziert werden. Dadurch kann innerhalb weniger Wochen eine Abschwellung des schmerzhaften Morton Neuroms erfolgen.

Manchmal ist der Durchmesser des Morton Neuroms aber schon recht groß. Dann kann auch eine Entlastung nicht mehr helfen, den Druck auf den Mittelfußnerven zu reduzieren. Dann muss der geschwollene Nerv operativ entfernt werden. Auch hier ist zu beachten, dass eine begleitenden Dekompression ein erneutes Entzünden (Rückfall) des Nervenstumpfes verhüten kann.

Literaturangaben
  • Grifka, J. (2005). Einlagen, Schuhzurichtungen, orthopädische Schuhe. Thieme Georg Verlag.
  • Niethard, F. U., Pfeil, J. & Biberthaler, P. (2009). Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart : Thieme.
  • Orthofer, P. (2004). Orthopädietechnik. Huber Hans.
  • Valderrabano, V., Engelhardt, M. & Küster, H. -. (2008). Fuß & Sprunggelenk und Sport: Empfehlungen von Sportarten aus orthopädischer und sportmedizinischer Sicht. Deutscher Arzte-Verlag.
  • Wülker, N. (2005). Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart : Thieme.
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