Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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ISG-Syndrom: Schmerzen im Iliosakralgelenk

  1. Was ist das Iliosakralgelenk (ISG)?
  2. Ursachen: Wie entsteht das ISG-Syndrom?
  3. Symptome des ISG-Syndroms
  4. Diagnose des ISG-Syndroms
  5. Therapie: Was tun bei Schmerzen im Iliosakralgelenk?
  6. Häufige Patientenfragen zum ISG-Syndrom an Dr. med. Christoph Ewald von der Gelenk-Klinik
Lage des Iliosakralgelenks (Kreuz-Darmbein-Gelenk) Das Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) verbindet auf der rechten und linken Seite der Wirbelsäule das Kreuzbein mit dem Darmbein. Das Iliosakralgelenk dient der Kraftübertragung vom Rücken auf Becken und untere Extremitäten. © Henrie, Adobe

Die Ursachen für Schmerzen im Iliosakralgelenk (ISG-Syndrom) sind vielfältig: Bereits starke Erschütterungen, ein Fehltritt auf der Treppe oder eine ungewohnte Belastung können ein ISG-Syndrom zur Folge haben.

Auch arthrotische Verschleißerscheinungen, Stressfrakturen und chronische Erkrankungen wie Rheuma können kleinste Verschiebungen im Iliosakralgelenk (Kreuzdarmbeingelenk) verursachen. Für Betroffene beginnt dann oft eine langwierige Krankheitshistorie mit vielen erfolglosen Behandlungsversuchen, denn beim Iliosakralgelenk handelt es sich nicht nur um eines der unbeweglichsten Gelenke des Körpers, sondern auch um ein recht unbekanntes.

Eine gezielte und sorgfältige Diagnostik ist deshalb wichtig, um das ISG als Schmerzursache eindeutig zu identifizieren und eine Fehlinterpretation zu vermeiden. Wenn die Diagnose fehlerhaft ist, kann die Therapie nicht greifen.

Was ist das Iliosakralgelenk (ISG)?

Das Iliosakralgelenk (Kreuzdarmbeingelenk) befindet sich im hinteren Teil des Beckens. Das Kreuzdarmbeingelenk verbindet das Becken mit dem Steißbein, dem untersten Teil der Wirbelsäule. Die Beckenschaufeln des Darmbeins (Os ilium) und das Kreuzbein (Os sacrum) bilden auf beiden Seiten der unteren Wirbelsäule eine Gelenkfläche. Daher existiert ein rechtes und ein linkes Iliosakralgelenk.

Das Iliosakralgelenk (kurz: ISG) besitzt nur einen sehr geringen Bewegungsspielraum und wird durch mehrere Bänder (Ligamente) aus festem Faserknorpel stabilisiert. Die kleinen Bewegungen des ISG werden in der Medizin als Nutation bzw. Kontranutation bezeichnet und spielen beim Geburtsvorgang eine entscheidende Rolle: Die Schambeinfuge (Symphyse) dehnt sich und ermöglicht den Durchtritt vom Kopf des Kindes durch das Becken.

Das ISG überträgt Kräfte, die von der Wirbelsäule kommen, auf das Becken und die unteren Extremitäten und ist damit ständig hohen Belastungen ausgesetzt. Die aufeinander treffenden Gelenkflächen des Iliosakralgelenks sind nur für normale Druckkräfte ausgelegt. Kleinste Überlastungen und Verschiebungen lösen starke Rückenschmerzen aus.

Warum sind häufig Frauen vom ISG-Syndrom betroffen?

Die Gelenkflächen zwischen Kreuzbein und Darmbein sind bei Männern und Frauen strukturell unterschiedlich: Bei Männern sind Erhebungen und Furchen auf den Gelenkflächen deutlicher ausgeprägt und zahlreicher als bei Frauen. Aus diesem Grund weist das ISG beim Mann eine höhere Stabilität auf.

Bei Frauen tragen Bänder und Muskeln vermehrt zur Stabilisierung dieses Beckenabschnitts bei. Ein schwaches Binde- oder Muskelgewebe hat aus diesem Grund bei Frauen häufig Instabilitäten und Dysfunktionen des Iliosakralgelenks zur Folge.

Das ISG zeichnet sich außerdem durch eine hohe Individualität aus. So sind Abweichungen in der Form wie auch Nebengelenke und Verknöcherungen möglich, ohne dass sie ein Krankheitszeichen darstellen.

Die diffizile und millimetergenaue Zusammenarbeit des Iliosakralgelenks mit den umgebenden Strukturen spielt in vielen Fällen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Schmerzen im unteren Rücken.

Begriffe rund um das Iliosakralgelenk:

ISG-Blockade:
Bei einer ISG-Blockade handelt es sich um eine mechanische Störung des ISG-Gelenks. Das Zusammenspiel der Gelenkpartner untereinander, ihre Position oder die funktionelle Zusammenarbeit mit umgebenden Strukturen ist eingeschränkt oder gestört. Man spricht von einer Dysfunktion des ISG-Gelenks.

ISG-Schmerzen:
ISG Schmerzen werden nicht zwangsläufig durch eine ISG-Blockade ausgelöst. Die Ursache für ISG-Schmerzen können auch nicht-mechanische Faktoren wie eine Entzündung des Iliosakralgelenks (Sakroiliitis) sein.

ISG-Syndrom:
Der Begriff ISG-Syndrom beschreibt den Umstand, dass bei einem Patienten mehrere Krankheitssymptome unter Beteiligung des Iliosakralgelenks vorliegen, ohne dass deren Ursache geklärt ist.

Ursachen: Wie entsteht das ISG-Syndrom?

Entzündung der Iliosakralgelenke (Sakroiliitis) Die meist einseitige Entzündung der Iliosakralgelenke nennt man Sakroiliitis. Sie tritt beispielsweise im Rahmen einer rheumatischen Grunderkrankung auf. © bilderzwerg, Adobe

Die Ursachen für Schmerzen im Iliosakralgelenk sind vielfältig. Zu den möglichen Auslösern zählen:

Eine Beinlängendifferenz kann mechanisch zu einer ISG-Blockade führen. Ein Unfall (Trauma), ein plötzlicher Stoß oder die Stauchung bei einem Schritt ins Leere auf einer Treppenstufe oder einer Bordsteinkante ‒ manchen Patienten ist die genaue Ursache für eine Dysfunktion des Iliosakralgelenks gar nicht mehr bewusst.

Auch einseitige, statische Tätigkeiten mit seltenen Positionswechseln unterstützen die Fehlbelastung des Iliosakralgelenks. Bei Frauen kommen Schwangerschaft und Geburt als weitere mögliche Ursachen für ein ISG-Syndrom hinzu.

Symptome des ISG-Syndroms

Die Schmerzen bei einer ISG-Problematik äußern sich in Bereichen, die auch bei Erkrankungen der Lendenwirbelsäule (LWS) in Mitleidenschaft gezogen werden. Das ISG-Syndrom kann aus diesem Grund mit den Symptomen eines Hexenschusses oder eines lumbalen Bandscheibenvorfalls (Bandscheibenvorfall der LWS) verwechselt werden. Die Basis für eine exakte Diagnose ist die intensive Untersuchung durch einen orthopädischen Wirbelsäulenspezialisten.

Die Patienten leiden in der Regel unter einseitigen (unilateralen) Schmerzen. Diese können in die Leistengegend, ins Bein oder bis in den Fuß ausstrahlen. Typischerweise kann man bei Betroffenen ein unruhiges Sitzen mit häufigen Positionswechseln beobachten. Das Stehen auf einem Bein verstärkt die Schmerzen.

Manche Patienten berichten über plötzlich auftretende, schneidende Schmerzen im unteren Rücken nach einer ungewohnten Bewegung. Das Beugen und Auswärtsdrehen des Beins kann ebenfalls sehr schmerzhaft sein. Zusätzlich verstärken die verspannten Muskeln in Rücken und Beckenbereich die Schmerzen.

Diagnose des ISG-Syndroms

Die Ergebnisse der Deutschen Rückenschmerzstudie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2012 zeigen, dass wir höchstwahrscheinlich im Laufe unseres Lebens zumindest einmal unter Rückenschmerzen leiden. Aufgrund unserer meist sitzenden beruflichen Tätigkeiten und dem Mangel an Bewegung und sportlicher Aktivität sind Rückenschmerzen in Deutschland weit verbreitet.

Experten schätzen, dass bei etwa jedem 4. Fall von Schmerzen im unteren Rücken das Iliosakralgelenk die Ursache ist. Trotzdem kommt es gerade in diesem Bereich regelmäßig zu Fehldiagnosen.

Befragung und körperliche Untersuchung

Der orthopädische Facharzt greift dazu auf mehrere Untersuchungsmethoden zurück. Eine ausführliche Anamnese hinsichtlich Beschwerden, Vorgeschichte und möglichen auslösenden Ereignissen geben ihm erste Rückschlüsse, ob das Iliosakralgelenk beteiligt ist. Eine alleinige Schmerzanamnese reicht nicht aus, da ISG-Schmerzen sehr variabel sind und den Schmerzzuständen unter Beteiligung von Hüfte und Lendenwirbelsäule gleichen können.

Welche funktionellen Tests führt der Arzt bei Verdacht auf ISG-Beteiligung durch?

Bei der funktionellen Untersuchung des Iliosakralgelenks nutzt der orthopädische Spezialist verschiedene Tests.

Schmerz-Provokationstests

Die übliche Vorgehensweise in der Sprechstunde stellt die Durchführung von Provokationstest dar, bei denen der Arzt durch bestimmte Bewegungsabläufe beim Patienten die typischen Schmerzen auslöst. Er identifiziert mit einem oder mehreren positiven Schmerz-Provokationstests das Iliosakralgelenk als Ursache der Schmerzen.

Eine Kombination aus mehreren Schmerz-Provokationstests ist unserer Erfahrung nach die verlässlichste Methode, um Funktionsstörungen des Iliosakralgelenks zu erkennen. Zu diesen Tests zählen beispielsweise der FABER-Test und der Thigh-Thrust-Test.

FABER-Test: Flexion, Abduktion und externe Rotation der Hüfte

Faber-Test Der Faber-Test ist ein Schmerz-Provokationstest. Durch Zug kann der Arzt Schmerzen im Iliosakralgelenk auslösen. © Gelenk-Klinik

Der Untersucher übt beim FABER-Test Zugkraft auf das Iliosakralgelenk aus.

In Rückenlage kreuzt der Arzt den Fuß der betroffenen Seite über dem gegenüberliegenden Oberschenkel. Er stabilisiert das Becken der nicht betroffenen Seite durch leichten Druck auf den Beckenkamm.

Drückt nun der Untersucher das Knie der betroffenen Seite leicht abwärts, kann diese Bewegung in der Hüfte Schmerzen im Iliosakralgelenk hervorrufen.

Tight-Trust-Test:

Tight-Trust-Test Beim Tight-Trust-Test übt der Arzt Druck auf das Iliosakralgelenk aus und löst beim ISG-Syndrom Schmerzen aus. © Gelenk-Klinik

Der Untersucher übt beim Tight-Trust-Test Druck über den Oberschenkel (Femur) auf das Iliosakralgelenk aus.

Der Patient hat in Rückenlage das Bein der betroffenen Seite angewinkelt. Der Arzt stabilisiert die gegenüberliegende Seite und drückt über die Oberschenkelachse gleichmäßig und zunehmend von oben nach unten.

Palpationstests: Erkennen durch Tasten

Mit einem Palpationstest erfasst der Arzt Funktionsstörungen des Iliosakralgelenks durch Abtasten (Palpation) der unter der Haut liegenden, knöchernen Strukturen. Zu diesen Palpationstest gehört der Standing-Flexion-Test.

Standing-Flexion-Test:

Standing-Flexion-Test Bei einem positiven Standing-Flexion-Test bewegt sich der Daumen des Arztes auf der Seite mit Blockade des Iliosakralgelenks schneller nach kranial (Pfeil). Das nennt man Vorlaufphänomen. © Gelenk-Klinik

Bei diesem Test wird das sogenannte Vorlaufphänomen sichtbar: Der Untersucher sitzt hinter dem stehenden Patienten und ertastet gleichzeitig mit beiden Daumen die hinteren Darmbeinstacheln (SIPS). Der Patient beugt sich langsam nach vorne.

Ist das ISG normal beweglich, stehen die Daumen des Untersuchers stets auf gleicher Höhe. Bei einer ISG-Blockade läuft der Darmbeinstachel der betroffenen Seite schneller als die Gegenseite nach kranial; die schmerzende Seite "läuft vor".

Lokale Infiltration ins Iliosakralgelenk

Eine weitere konservative Diagnose- und Behandlungsmethode ist die radiologisch gesteuerte Injektion von lokalen Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika) in das Iliosakralgelenk. Der Rückenspezialist führt die Injektion mithilfe von bildgebenden Verfahren durch und ermittelt zielgenau den Ursprungsort der Schmerzen. Verringern sich die Beschwerden beim Patienten um mindestens 75%, so sieht der Arzt seinen Verdacht auf eine Beteiligung des Iliosakralgelenks bestätigt.

Spezielle orthopädische Untersuchung: 4-dimensionale Wirbelsäulenmessung

Bei der körperlichen Untersuchung des Patienten erkennt der Orthopäde eventuelle Schonhaltungen und veränderte Beckenbewegungen, die der Patient schmerzbedingt einnimmt. Um diese genauer zu untersuchen, nutzen die Spezialisten der Gelenk-Klinik die 4D-Wirbelsäulenmessung.

Die Kombination exakter Videomesstechnik mit moderner Datenverarbeitung erlaubt eine gezielte Darstellung der Wirbelsäulen- und Beckenbewegungen des Patienten. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass die Vermessung bei der 4-dimensionalen Wirbelsäulenmessung in Bewegung und nicht statisch (3D-Wirbelsäulen­messung) stattfindet. Auf diese Weise kann der Untersucher Abweichungen der Beckenbewegung von der Norm genau erfassen. Dieses schnelle und schmerzfreie Untersuchungsverfahren ist strahlungs- und belastungsfrei und wird seit 2019 in der Gelenk-Klinik angewendet.

Differentialdiagnose von Schmerzen im Iliosakralgelenk

Krankheitsbilder, die ebenfalls ISG-Schmerzen auslösen können, grenzt der Wirbelsäulenspezialist differentialdiagnostisch vom ISG-Syndrom ab. Zu diesen Erkrankungen gehören:

Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Röntgen zeigen mögliche Strukturschäden wie Wirbelbrüche und den Zustand des umgebenden Weichteilgewebes. Auch entzündliche Prozesse kann der Experte erkennen.

Therapie: Was tun bei Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Ist das Iliosakralgelenk im Rahmen einer bestehenden Grunderkrankung schmerzhaft oder entzündlich verändert, richtet der behandelnde Arzt die Therapie nach dieser Grunderkrankung aus. Beispielsweise ist eine Sakroiliitis mit ISG-Schmerzen bei Morbus Bechterew ein typisches Krankheitssymptom und wird nicht isoliert, sondern im Komplex mit den anderen Beschwerden therapiert.

Konservative Therapie bei mechanischer Dysfunktion des ISG

Stellt der Arzt eine mechanische Dysfunktion am Iliosakralgelenk fest, empfiehlt er in erster Linie konservative Therapien. Meist verhelfen diese den Patienten erfolgreich zu Schmerzfreiheit, so dass eine operative Behandlung nicht notwendig ist.

Körperliche Aktivität

Wir raten unseren Patienten vor allem zu regelmäßiger Bewegung und moderater sportlicher Aktivität, um die Beschwerden zu lindern. Spaziergänge, Schwimmen und Radfahren entlasten das Iliosakralgelenk und lösen Muskelverspannungen. Von Sportarten, die mit abrupten Stoppbewegungen oder Stauchungen verbunden sind, raten wir ab. Hierzu gehören beispielsweise Tennis und Fußball.

Bei Problemen mit dem Iliosakralgelenk sollten Betroffene ganz bewusst auf eine aufrechte, bewusste Haltung achten und ein normales Körpergewicht anstreben; jedes Kilo weniger entlastet das Iliosakralgelenk.

Wärmeanwendungen

Viele Patienten berichten, dass ihnen das Auflegen von Wärmflaschen, Wärmepflaster oder der Einsatz von Infrarotlicht gut tun. Muskeln und Bänder im Bereich des Iliosakralgelenks lockern sich und die Schmerzen gehen zurück.

Manuelle Therapien: Osteopathie und Chirotherapie

Mithilfe spezieller Handgriffe und Druckpunkte können Physiotherapeuten und Ärzte mit Fachweiterbildung Gelenkblockaden lösen und über kurze, gezielte Kraftimpulse gestörte Gelenkfunktionen beseitigen.

Physiotherapie

Physiotherapeutische Übungen helfen beim ISG-Syndrom auf unterschiedliche Weise: Mobilisations- und Stabilisationsübungen reduzieren die Schmerzen im Lenden- und Beckenbereich und verbessern die Beweglichkeit. Insbesondere Frauen mit ISG-Syndrom nach Schwangerschaft profitieren von diesen Übungen. Im Abschnitt Übungen für zu Hause haben wir Übungen zusammengestellt, die Sie nach Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt in Eigenregie durchführen können.

Orthese für den Rücken

Bei Verdacht auf eine gesteigerte Beweglichkeit (Hypermobilität) des Iliosakralgelenks kann eine medizinische Rückenorthese angelegt werden. Die Orthese stützt den Rücken, entlastet das ISG und die Schmerzen werden reduziert.

Infiltrationstherapie

Infiltrationen mit entzündungshemmenden Kortikosteroiden können mit der physiotherapeutischen Behandlung kombiniert werden. Sie ermöglichen das schmerzfreie Bewegen und beugen einer Schonhaltung vor.

Operative Therapie bei Schmerzen im ISG

Sind die konservativen Methoden ausgeschöpft und liegt ein chronisches Leiden vor, kann der Spezialist eine Operation in Betracht ziehen. Diese erfolgt durch eine minimalinvasive iliosakrale Fusion, eine Versteifung des Iliosakralgelenkes. Die Versteifung kann mit oder ohne eine zusätzliche Denervation vorgenommen werden. Bei der Denervation handelt es sich um eine Radiofrequenz-Neurotomie bei der die um das ISG liegenden schmerzleitenden Nervenbahnen durchtrennt werden.

Häufige Patientenfragen zum ISG-Syndrom an Dr. med. Christoph Ewald von der Gelenk-Klinik

Welche Schmerzen hat man mit einer ISG-Blockade?

Eine ISG-Blockade verursacht Schmerzen auf der betroffenen Seite im tiefen Rücken und Schmerzen, die über das Gesäß in den rückseitigen Oberschenkel bis in die Kniekehle ausstrahlen können. Diese ausstrahlenden Rückenschmerzen können leicht mit den Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls verwechselt werden.

Die Schmerzen im ISG werden von Patienten als ziehend einseitig oder beidseitig beschrieben. Sie verstärken sich, wenn die Betroffenen sich vorbeugen oder auf einem Bein stehen.

Bewegen oder Schonen bei Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Ganz wichtig ist, die Muskulatur rund um das ISG zu entspannen und nicht weiter zu verkrampfen. Daher hilft moderate Bewegung auch in der Akutphase von ISG-Schmerzen. Ein Spaziergang oder Lockerungsübungen in Rückenlage lindern die Schmerzen.

Wie soll ich mit ISG-Schmerzen schlafen?

Sie werden automatisch eine Schlafposition einnehmen, die wenig schmerzt. Unterstützen Sie die natürliche Biegung der Wirbelsäule beispielsweise mit einer Matratze, die feste und weiche Bereiche hat. Lassen Sie sich am besten in einem Fachgeschäft beraten.

Kann sich eine ISG-Blockade von selbst lösen?

Es ist möglich, mit bestimmten Übungen das ISG zu mobilisieren und ihm wieder seine natürliche Beweglichkeit zu verleihen. Eine einfache Bewegungsübung ist zum Beispiel der Katzenbuckel, den Sie am besten im Vierfüßlerstand abwechselnd mit einem Hohlkreuz durchführen. Achten Sie dabei auf Ihre Atmung und führen Sie jede Bewegung langsam und achtsam aus.

Da die umgebende Muskulatur schmerzbedingt verspannt sein kann, sollten Sie Geduld mitbringen und Ihrem Körper Zeit geben, bis die Rückenschmerzen vollständig verschwunden sind.

Was tun, wenn die Schmerzen im ISG nicht verschwinden?

Mit verschiedenen einfachen Übungen können Sie das ISG mobilisieren und versuchen, die ISG-Blockade selbst zu lösen.

Wenn sich nach eigenen Bemühungen die Schmerzen nicht bessern oder sogar verschlimmern, sollten Sie unbedingt einen Orthopäden aufsuchen. Der Spezialist schließt durch seine Untersuchungen und Tests andere Erkrankungen wie einen Bandscheibenvorfall aus und wird zusammen mit einem Physiotherapeuten für Sie einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

Wie lange bin ich krank mit ISG-Syndrom?

Die Dauer der Krankschreibung kann ganz unterschiedlich sein und richtet sich nach der Stärke der Beschwerden. Bei einem akuten ISG-Syndrom normalerweise ist ein Patient nach einer Woche wieder schmerzfrei. Voraussetzung ist, dass die Schmerzen noch nicht chronisch geworden sind und der Betroffene eine Schonhaltung entwickelt hat. Regelmäßige Bewegung, Wärmeanwendungen und Physiotherapie unterstützen und fördern die Heilung.

Wirkt sich das ISG-Syndrom auf meine Verdauung aus?

Darm und Rücken stehen anatomisch und neurologisch in engerem Zusammenhang, als man denkt. Beide sind durch Bandstrukturen miteinander verbunden und auch auf Stoffwechselebene existieren Berührungspunkte. Nicht selten berichten Patienten mit ISG-Blockade von einer trägen, dysregulierten Verdauung.

Ist Sport gut bei Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Solange Sie noch akute Schmerzen im Iliosakralgelenk haben, empfehlen wir eine Sportpause. Anschließend sollten Sie langsam wieder einsteigen und Sportarten mit Brems- und Stauchbewegungen eher meiden.

Leiden Sie unter chronischen ISG-Schmerzen, unterstützen Sie den Heilungsprozess, indem Sie regelmäßig physiotherapeutische Übungen entsprechend den Empfehlungen Ihres Arztes durchführen.

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Dr. med. Furat Raslan, Facharzt für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Dr med. Furat Raslan
Facharzt für Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie