1. Was ist ein Hexenschuss (Lumbago)?
  2. Symptome: Wie erkennt man einen Hexenschuss?
  3. Ursachen: Warum bekommt man einen Hexenschuss?
  4. Behandlung: Was tun bei Hexenschuss?
  5. 11 Tipps, wie Sie einem Hexenschuss vorbeugen können
  6. Übungen bei Hexenschuss
  7. Häufige Patientenfragen zum Thema Hexenschuss an PD Dr. David Kubosch von der Gelenk-Klinik
Frau mit vorgebeugter Schonhaltung wegen Hexenschuss Typisch für den Hexenschuss ist die vorgebeugte, gekrümmte Haltung der Betroffenen. © astrosystem, Adobe

Spüren Sie einen plötzlich einsetzenden stechenden Schmerz im unteren Rückenbereich? Dann könnte es sein, dass Sie unter einem Hexenschuss leiden. Mögliche Ursachen sind blockierte Wirbelgelenke, verspannte Muskeln oder gereizte Nerven. Der medizinische Fachbegriff für den Hexenschuss lautet Lumbago und Sie sind damit nicht allein. Fast jeder Deutsche hat zumindest einmal im Leben eine akute Lumbago, häufig im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.

Sie können Ihren Hexenschuss mithilfe konservativer Therapien behandeln, zum Beispiel mittels physiotherapeutischen Übungen, Wärmeanwendungen und schmerzlindernden Medikamenten. In der Regel verschwinden die Beschwerden nach einigen Tagen von alleine.

Was ist ein Hexenschuss (Lumbago)?

Begriffe und Synonyme:

  • Hexenschuss: volkstümliche Bezeichnung
  • akute Lumbago: medizinischer Begriff
  • lokales Lumbalsyndrom: medizinischer Begriff

Der Hexenschuss ist ein Rückenleiden, das den Betroffenen durch den plötzlichen und heftigen Schmerz fast bewegungsunfähig macht. Zum Glück steckt selten ein ernsthaftes Rückenleiden wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall hinter den akuten, stechenden Schmerzen im unteren Rücken. Nichtsdestoweniger gehen viele Patienten in gebückter Haltung. Die gute Nachricht: Ein Hexenschuss verschwindet meist ganz von allein wieder.

Hexenschuss nicht zu verwechseln mit:

Symptome: Wie erkennt man einen Hexenschuss?

Urplötzlich und ohne Vorwarnung erwischt es fast jeden einmal: der Hexenschuss (akute Lumbago). An folgenden Symptomen erkennt man ihn:

  • Heftige, meist einseitige Schmerzen im unteren Rücken, die jede weitere Bewegung fast unmöglich machen, sind typisch für dieses akute Ereignis.
  • Beim Stehen und Gehen verspürt der Patient starke Schmerzen, die eventuell bis in die Beine ausstrahlen.
  • Betroffene beschreiben die Schmerzen als stechend, ziehend oder bohrend im Bereich zwischen Gesäß und Lenden.
  • Hexenschuss-Patienten nehmen eine nach vornüber gebeugte Schonhaltung ein. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule ist schmerzbedingt stark eingeschränkt.
  • Ein wenig Schmerzlinderung können sich von Hexenschuss Betroffene verschaffen, indem sie sich mit angewinkelten Beinen auf die Seite legen oder in Rückenlage die sogenannte Stufenlagerung einnehmen.

Ursachen: Warum bekommt man einen Hexenschuss?

Was kann einen Hexenschuss auslösen?

  • schweres Heben von Lasten
  • ruckartige Bewegungen
  • starke Belastung der unteren Wirbelsäule
  • feuchtes oder kaltes Wetter
  • psychische Belastungen
  • schlecht trainierte Rückenmuskulatur

Patienten berichten oft, dass die akuten Kreuzschmerzen durch eine „falsche, ruckartige Bewegung“ oder beim Heben eines schweren Gegenstandes auftreten. Ein Moment der Unachtsamkeit in einer ungewohnten Körperhaltung ist laut aktuellen Studien die häufigste Ursache für einen Hexenschuss. Allerdings können zwischen einem auslösenden Ereignis und den Schmerzen beim Lumbago Stunden oder Tage vergehen.

Auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Überarbeitung oder Übermüdung können Ursachen der akuten Lumbago sein. Die Rückenschmerzen beim Hexenschuss entstehen meist durch eine Kombination aus einer Blockade der Wirbelgelenke und einer reflektorischen Verspannung der Rückenmuskulatur.

Diagnose: Wie erkennt der Arzt einen Hexenschuss?

Ein Hexenschuss (Lumbago) bei sonst guter Gesundheit ist nicht unbedingt ein Grund für einen Besuch beim Rückenspezialisten. Die akuten Kreuzschmerzen führen die meisten Betroffenen dennoch in eine ärztliche Praxis.

Die Diagnose Hexenschuss kann der behandelnde Arzt in der Regel bereits nach körperlichen Untersuchungen und der persönlichen Befragung des Patienten (Anamnese) stellen.

Welche Fragen stellt der Arzt bei Verdacht auf Hexenschuss?

  • Wo genau tut es weh im Rücken?
  • Haben Sie Rückenschmerzen beim Sitzen und Laufen?
  • Fühlen sich Gesäß und Kreuz steif und unbeweglich an?
  • Sind Ihre akuten Kreuzschmerzen plötzlich gekommen?
  • Werden Ihre Symptome stärker unter Belastung, also wenn Sie husten, gehen oder sich bücken?
  • Können Sie sich an ein Ereignis erinnern, dass Ihre Beschwerden ausgelöst haben könnte, z. B. eine ruckartige Bewegung oder schweres Heben?

Bei Verdacht auf eine andere Erkrankung überweist der behandelnde Arzt oder Hausarzt den Patienten an einen orthopädischen Rückenspezialisten. Der Orthopäde erstellt gegebenenfalls ein Röntgenbild, um andere Ursachen wie degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule (Facettengelenksarthrose) oder einen Bandscheibenvorfall auszuschließen. Ein erfahrener Wirbelsäulenchirurg ist für den Patienten von großer Bedeutung, da er den Hexenschuss von spezifischen Schmerzen aufgrund anderer Wirbelsäulenerkrankungen sicher abgrenzen kann.

Dazu zählen:

Der orthopädische Facharzt schließt durch eine ausführliche Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten ebenfalls eine Reizung des Ischiasnervs (Ischiassyndrom) und eine Verspannung des Piriformis-Muskels (Piriformis-Syndrom) aus. Beide Schmerzzustände betreffen ebenfalls den unteren Rücken, strahlen aber meist über das Gesäß bis ins Bein aus.

Behandlung: Was tun bei Hexenschuss?

Vorrangiges Ziel der Therapie eines Hexenschusses ist es, die Selbstheilung des Körpers zu unterstützen, damit Sie möglichst schnell wieder vollständig beweglich werden.

Kurzfristig lindern herkömmliche Schmerzmedikamente (NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika) mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen die Schmerzen im Kreuz. Wenn Patienten diese nicht vertragen oder aufgrund von potenziellen Nebenwirkungen nicht einnehmen dürfen, kann der Orthopäde andere Schmerzmittel wie beispielsweise Novalgin (Metamizol) verschreiben. Ärzte empfehlen die Kombination mit muskelentspannenden Präparaten. Auch eine lokale Infiltration kann der Wirbelsäulenspezialist in besonders schweren Fällen als Therapie in Erwägung ziehen. Dabei werden schmerzstillende Wirkstoffe direkt in die betroffene Region injiziert.

Eine erfolgreiche Schmerzbehandlung durchbricht den Kreislauf aus Schmerzen, Schonhaltung und eingeschränkter Beweglichkeit und kürzt die Dauer eines Hexenschusses erheblich ab.

Sehr vielversprechend für eine schnelle Beseitigung der Schmerzen ist die Kombination mit physikalischer Therapie. Insbesondere eine gezielte Wärmebehandlung verringert erheblich die Beschwerden bei einem Hexenschuss.

An dieser Stelle ist vor allem auch die ZRT-Matrix-Therapie zu erwähnen. Diese sanfte Therapieform eignet sich sehr gut, um den Spannungszustand von hypertoner (überspannter) Muskulatur zu normalisieren und den Stoffwechsel im Muskel zu verbessern. Die Bewegung verbessert sich und der Schmerz wird deutlich gelindert.

Stufenlagerung zur Linderung der Schmerzen bei Hexenschuss. Bei der Stufenlagerung legen Sie sich auf eine nicht zu harte Unterlage und legen die Unterschenkel im rechten Winkel auf einen Stuhl oder einen Kissenstapel. Dies lindert starke Rückenschmerzen. © Gelenk-Klinik

Zusätzlich hilft die Stufenlagerung den Hexenschuss-Patienten, die betroffene Körperregion zu entlasten und auch nachts die Muskulatur zu entspannen. Sowohl in der akuten Phase als auch in der Zeit nach einem Hexenschuss gewährleisten spezielle physiotherapeutische Übungen, dass die Betroffenen sich wieder uneingeschränkt bewegen können und keine langfristige Fehlhaltung entwickeln.

11 Tipps, wie Sie einem Hexenschuss vorbeugen können

  1. Körperhaltung: Achten Sie beim Sitzen, Stehen und Gehen auf eine aufrechte Körperhaltung. Vermeiden Sie es, lange in einer Position zu verharren.
  2. Arbeitsplatz: Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch. Stellen Sie sicher, dass Ihr Stuhl und Ihr Schreibtisch auf die richtige Höhe eingestellt sind, um eine gesunde Körperhaltung zu unterstützen.
  3. Bewegung: Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur können die Belastbarkeit des Rückens erhöhen.
  4. Richtiges Heben: Achten Sie darauf, schwere Gegenstände rückenschonend zu heben. Beugen Sie die Knie und halten Sie den Rücken gerade, um übermäßigen Druck auf die Wirbelsäule zu vermeiden.
  5. Wärme: Halten Sie Ihren Rücken warm, vor allem in der kalten Jahreszeit. Vermeiden Sie Zugluft.
  6. Dehnübungen: Führen Sie regelmäßige Dehnübungen durch, um die Flexibilität der Rückenmuskeln zu verbessern. Dies kann Verspannungen reduzieren.
  7. Übergewicht vermeiden: Übergewicht kann zusätzlichen Druck auf die Wirbelsäule ausüben und das Risiko von Rückenschmerzen erhöhen. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können dazu beitragen, das Gewicht zu kontrollieren.
  8. Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung wie Meditation, Yoga oder Atemübungen helfen, die Spannung im Körper zu reduzieren und so Muskelverspannungen vorzubeugen.
  9. Pausen: Wenn Sie in einem sitzenden Beruf arbeiten, stehen Sie regelmäßig auf, strecken Sie sich und machen Sie kurze Pausen, um die Muskulatur zu entlasten.
  10. Matratze und Kissen: Matratze und Kissen, die dem Körperbau und den individuellen Bedürfnissen entsprechen, können einen gesunden Schlaf fördern und Rückenschmerzen vorbeugen.
  11. Rauchverzicht: Rauchen kann die Blutzirkulation beeinträchtigen, auch im Bereich der Wirbelsäule. Ein Rauchverzicht kann somit zur Vorbeugung von Rückenschmerzen beitragen.
Frau beim Wandern Regelmäßige sanfte Bewegung hält den Körper fit und beugt Rückenschmerzen vor. © kieferpix, Adobe

Übungen bei Hexenschuss

Es ist wichtig, möglichst schnell wieder in Bewegung zu gelangen. Lange Schonphasen sollten Sie vermeiden. Neben den unten aufgeführten Übungen eignen sich z. B. Spaziergänge oder Bewegung im warmen Wasser. Suchen Sie sich leichte und sanfte Bewegungsmöglichkeiten, welche den Kreuzschmerz nicht verstärken. Vermeiden Sie langes Sitzen und häufiges Beugen nach vorne. Schonende Bewegung führt zur schnelleren Genesung.

Seien Sie sehr aufmerksam bei der Durchführung der Übungen. Führen Sie alle Übungen langsam und zuerst mit einem kleinen Bewegungsradius durch. Erfolgt eine Erleichterung der Beschwerden, können Sie zunehmend den Bewegungsradius erweitern. Kommt es während einer Übung zu einer Verstärkung der Beschwerden, versuchen Sie die Übung sanfter und in einem kleineren Radius durchzuführen. Die Muskulatur und die umgebenden Strukturen sind bei einem Hexenschuss sehr empfindsam und müssen erst an die Bewegungen gewöhnt werden.

Die folgenden Übungen ermöglichen eine sanfte Mobilisierung der Lendenwirbelsäule und eine Lockerung der umgebenden Muskulatur, ohne die Wirbelsäule zu belasten. Ergänzend dazu können Wärmeanwendungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, des Gesäßes und des Bauches die Schmerzen lindern. Als Wärmeträger eignen sich Wärmflaschen, Wärmepflaster und auch Kirschkernsäckchen. Warme Duschen helfen ebenfalls, die Verspannung zu lösen. Die Übungen und Wärmeanwendungen können mehrmals täglich ausgeführt werden.

Übung 1: Dehnung der hinteren Muskelkette

Übungsziel: Die Dehnung der hinteren Muskelkette reduziert den biomechanischen Stress auf den unteren Rücken und erhöht dessen Beweglichkeit.

Variante 1: Dehnung im Stehen

Ausgangsstellung: Stützen Sie sich mit den Armen auf einem Tisch ab.

Durchführung: Gehen Sie nun leicht in die Knie und ins Hohlkreuz, indem sie Ihr Becken Richtung Decke schieben. Versuchen Sie nun, in dieser Position die Knie langsam durchzustrecken, um eine Dehnung in der hinteren Muskelkette zu erreichen.

Wiederholung: Halten Sie diese Dehnung für mind. 30 Sekunden und führen Sie 2–3 Wiederholungen durch.

Ausgangsstellung der Übung Dehnung im Stehen Ausgangsstellung: Stützen Sie sich mit den Armen auf einem Tisch ab. © Gelenk-Klinik Durchführung: ins Hohlkreuz gehen Gehen Sie leicht in die Knie und ins Hohlkreuz. © Gelenk-Klinik Knie durchstrecken Strecken Sie langsam die Knie durch. © Gelenk-Klinik

Variante 2: Beine an der Wand anstellen

Stellen Sie in der Rückenlage die Beine an der Wand ab. Die Fußsohlen zeigen zur Decke. Bleiben Sie in dieser Position mehrere Minuten, wenn Sie es als angenehm empfinden.

Ausgangsstellung: Beine an die Wand anstellen Ausgangsstellung: Rutschen Sie mit dem Gesäß bis zur Wand. © Gelenk-Klinik Die Fußsohlen zeigen bei der Übung Richtung Decke. Strecken Sie nun die Beine Richtung Decke. © Gelenk-Klinik

Übung 2: Beine in Rückenlage langsam ausstrecken

Übungsziel: Diese Übung ermöglicht ein langsames Lockerlassen der Hüftbeuger und damit eine Normalisierung der Körperhaltung.

Ausgangsstellung: Rückenlage; die Beine sind angestellt. Die Fußsohlen stehen flächig auf dem Boden.

Durchführung: Versuchen Sie nun langsam mit sehr kleinen Schritten nach vorne zu wandern. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig. Versuchen Sie so weit zu kommen, bis die Beine ganz ausgestreckt sind. Gehen Sie jedoch nur so weit, wie es die Schmerzen zulassen.

Wiederholung: Wiederholen Sie die Übung mehrmals täglich, bis Sie die Beine ganz ausstrecken können.

Ausgangsstellung in Rückenlage Ausgangsstellung: Stellen Sie die Beine an. © Gelenk-Klinik Durchführung: nach vorne wandern Wandern Sie mit sehr kleinen Schritten nach vorne. © Gelenk-Klinik Bein ausstrecken Wenn Ihre Schmerzen es zulassen, bringen Sie das Bein in die Streckung. © Gelenk-Klinik

Übung 3: Selbstmassage des Musculus quadratus lumborum

Der Muskel M. quadratus lumborum zieht von der Hüfte über die Lendenwirbel zur untersten Rippe und ist bei einem Hexenschuss stark verspannt. Sie können diesen Muskel jedoch gut selber massieren. Üben Sie dazu mit Ihrem Daumen oder Ihren Fingerknöcheln gezielt Druck auf die festen Stellen im Muskel aus. Sie können diese Druckmassage auch mit leichten Bewegungen nach vorne und zur Seite sowie einfachem Gehen kombinieren. Halten Sie den Druck, bis Sie eine Verbesserung der Schmerzen/Spannung/Beweglichkeit verspüren.

Massage des Musculus quadratus lumborum im unteren Bereich des Rückens Üben Sie mit dem Daumen oder den Fingerknöcheln Druck auf die festen Stellen im Muskel aus. © Gelenk-Klinik Durchführung der Selbstmassage Halten Sie den Druck, bis sich die Schmerzen verbessern. © Gelenk-Klinik

Übung 4: Selbstmassage der Gesäßmuskulatur

Hilfsmittel: Massageball, Tennisball o. Ä.

Die Gesäßmuskeln spielen bei der starken Bewegungseinschränkung im Rahmen eines akuten Lumbago eine wichtige Rolle. Das Lösen von Verspannungen in den Gesäßmuskeln ist deshalb zur Wiederherstellung der Beweglichkeit äußerst sinnvoll. Legen Sie sich dazu auf den Rücken und stellen Sie die Beine an. Den Massageball platzieren Sie unter dem Gesäß und suchen durch kleine Rollbewegungen den Bereich nach schmerzhaften und verspannten Punkten ab. Diese Punkte können Sie entweder mit statischem Druck oder mit kleinen Rollbewegungen behandeln. Behandeln Sie die einzelnen Punkte ca. 30 Sekunden lang.

Massage der Gesäßmuskulatur in Rückenlage Platzieren Sie den Massageball unter dem Gesäß und führen Sie Rollbewegungen durch. © Gelenk-Klinik Massage der Gesäßmuskulatur in Seitlage Sie können die Massage auch in Seitlage durchführen, um die seitliche Gesäßmuskulatur zu erreichen. © Gelenk-Klinik

Übung 5: Beckenachter

Übungsziel: Mit dieser Übung erreichen Sie eine sanfte Mobilisation der Lendenwirbelsäule und verbessern damit die Durchblutung der verspannten Muskulatur.

Ausgangsstellung: Rückenlage, die Beine sind angestellt. Das Kreuzbein ist auf einer weichen Unterlage, optimalerweise einem kleinen weichen Ball, aufgelegt. Die Hände sind in die Taille gestützt.

Durchführung: Führen Sie nun abwechselnd mit Ihren Beckenhälften eine sanfte Kreisbewegungen nach hinten unten Richtung Boden durch. Dabei verlängert sich jeweils Ihre Taille Richtung Fuß. Durch diese Bewegungen entsteht eine liegende Acht im Unterbauch.

Wiederholung: Führen Sie die Bewegung ca. 20 Sekunden lang durch. Dies entspricht einem Satz. Führen Sie 2 bis 3 Sätze durch mit jeweils circa 30 Sekunden Pause zwischen den Sätzen.

Durchführung der Übung Beckenachter Beschreiben Sie mit Ihrem Becken eine liegende Acht, indem Sie die Beckenhälften abwechselnd nach hinten führen. © Gelenk-Klinik

Häufige Patientenfragen zum Thema Hexenschuss an PD Dr. David Kubosch von der Gelenk-Klinik

Soforthilfe: Was kann ich tun bei einem Hexenschuss?

Die ersten quälenden Schmerzen können Sie lindern, indem Sie sich 10 Minuten oder länger flach auf den Boden legen. Die Unterschenkel liegen dabei auf einen Hocker oder Stuhl, sodass zwischen Ober- und Unterschenkel ein rechter Winkel entsteht. Auch Wärme entspannt die verkrampfte Muskulatur. Ein Heizkissen, eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen leisten gute Dienste. Praktisch sind auch Wärmepflaster aus der Apotheke mit einem Wirkstoff aus Chilischoten, weil Sie sich mit den Pflastern problemlos bewegen können. Wenn es Ihre Beschwerden zulassen, kann ein heißes Wannenbad am Abend vor dem Schlafengehen sehr heilsam für Körper und Geist sein.

Wo genau im Rücken tut es weh bei einem Hexenschuss?

Bei einer akuten Lumbago verspüren Sie am unteren Rücken, zwischen Gesäß und Lenden und meist auf nur einer Seite starke, stechende Kreuzschmerzen. Jede Bewegung ist sehr schmerzhaft und Sie nehmen automatisch eine nach vornüber gebeugte Schonhaltung ein.

Wie kann ich selbst einen Hexenschuss zu Hause behandeln?

Erste Erleichterung bei Hexenschuss kann Ihnen die Stufenlagerung bringen: Legen Sie sich auf einen nicht zu harten Untergrund und legen Sie die Beine im rechten Winkel auf einem Stuhl oder einem Kissenstapel ab. Wärmflaschen oder ein Heizkissen empfinden viele Betroffene als angenehm und entspannend. Eventuell nehmen Sie ein leichtes Schmerzmittel ein, um die verkrampften Muskeln zu lockern und wieder in Bewegung zu kommen.

Geht mein Hexenschuss vollständig wieder weg?

Bei fast allen Betroffenen verschwinden die Beschwerden vollständig, allerdings manchmal erst nach einigen Wochen. Voraussetzung dafür sind eine angepasste Schmerztherapie und regelmäßiges Training der Bauch- und Rückenmuskulatur. Gehen die Symptome auch nach einigen Wochen nicht zurück, liegt meist eine spezifische Wirbelsäulenerkrankung zugrunde. Das klärt am besten ein Wirbelsäulenspezialist mit weiteren Untersuchungen ab.

Ist Bettruhe gut bei Hexenschuss?

Ganz eindeutig ist schonendes Bewegen viel besser als Bettruhe, um den Hexenschuss schnell wieder loszuwerden. Das Zusammenspiel zwischen verkrampften Muskeln und blockierten Wirbelgelenken ist gestört. Sie werden es wahrscheinlich daher schnell als unangenehm empfinden, sich ins Bett zu legen. Am besten sprechen Sie mit Ihrem Arzt über adäquate Schmerzmittel, die Ihnen ein möglichst unverkrampftes Bewegen wieder ermöglichen.

Soll ich mich mit einem Hexenschuss lieber schonen oder bewegen?

So schwer es vielleicht am Anfang fällt: Das beste bei Hexenschuss ist schonende Bewegung. Vermeiden Sie langes Sitzen und das Heben von Lasten. Sobald Sie wieder ein wenig beweglicher in der Lendenwirbelsäule sind, bauen Sie rückenkräftigende Übungen in Ihren Alltag ein. Regelmäßige Übungen verkürzen die Dauer eines Hexenschusses deutlich.

Was ist der Unterschied zwischen Hexenschuss und einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (LWS)?

Hexenschuss ist ein plötzlich einschießender, greller Schmerz im unteren Rücken, der sofort zu eingeschränkter Beweglichkeit im Rücken führt. Schonende Bewegung lindert den Hexenschuss. Typisch für einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule sind ausstrahlende Rückenschmerzen, die bis in die Beine und Füße ausstrahlen können. Manche Patienten berichten von Taubheitsgefühlen oder einem Kribbeln in den Beinen. Erschütterungen wie beim Husten und Niesen verstärken die Schmerzen. Störungen der Darm- oder Blasenfunktion sind ein medizinischer Notfall und müssen sofort behandelt werden.

Bekommen eher ältere oder jüngere Menschen einen Hexenschuss?

Von einem Hexenschuss sind meiner Erfahrung nach vorrangig jüngere Menschen bis etwa Mitte 40 betroffen. Jenseits der 50 stehen eher chronische Rückenschmerzen im Vordergrund, die oft ihre Ursache in Verschleißerscheinungen haben.

Wann kann ich nach einem Hexenschuss wieder Sport machen?

Wann Sie wieder sportlichen Aktivitäten nachgehen liegt ganz allein in Ihrem Ermessen. Allerdings sollten Sie plötzliche und abrupte Bewegungen möglichst ganz meiden. Schwimmen, Walking oder Gymnastik kräftigen alle Muskelgruppen. Die schnellen Abstoppbewegungen im Tennis oder Fußball sind für einen vorgeschädigten Rücken eher nachteilig.

Welche Medikamente helfen mir gegen die Schmerzen beim Hexenschuss?

Wenn bei Ihnen keine anderen Erkrankungen für die Schmerzen verantwortlich sind, reichen Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen bei Hexenschuss häufig aus. Fragen Sie in der Apotheke nach einem Kombipräparat mit zusätzlich muskelentspannender Wirkung. Bei Unverträglichkeiten oder um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, kann der Arzt im Einzelfall auf andere Schmerzmittel wie Novalgin (Metamizol) ausweichen. Wichtig ist, die Rückenschmerzen zu behandeln, damit Sie sich zunehmend mehr bewegen und den Hexenschuss schnell wieder los werden.

Zu welchem Arzt soll ich mit einem Hexenschuss gehen?

Ihr erster Weg wird Sie wahrscheinlich zu Ihrem Hausarzt führen. Falls Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Wirbelsäulenerkrankung leiden, wäre der direkte Gang zu einem Orthopäden mit der Spezialisierung auf Rücken und Wirbelsäule sinnvoll. Ihm stehen spezielle Möglichkeiten für eine sichere Diagnose zur Verfügung.

Wann sollte ich mit einem Hexenschuss zum Arzt?

Sie sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen,

  • wenn sich die Schmerzen auch nach einigen Tagen nicht bessern.
  • wenn Sie trotz Behandlung mit Wärme und Schmerzmitteln auch nach 6 Wochen noch unter Schmerzen leiden.
  • wenn Sie in den Beinen ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl verspüren.
  • wenn Sie Warnsymptome wie Lähmung der Beine oder des Unterleibs sowie Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen wahrnehmen.
  • wenn die Schmerzen zwar nachlassen, aber sich verstärkt Lähmungserscheinungen einstellen.

Wie lange werde ich mit einem Hexenschuss krankgeschrieben?

Diese Frage läßt sich nicht pauschal beantworten, da die Verläufe der Beschwerden sehr individuell sind und von der körperlichen Belastung im jeweiligen Beruf abhängen. Etwa die Hälfte der Patienten mit Hexenschuss erholt sich nach 2 bis 3 Wochen. Fast alle Betroffenen (90 Prozent) haben nach 4 bis 6 Wochen keine Rückenschmerzen oder andere Beschwerden mehr.

Wie kann man einem Hexenschuss vorbeugen?

Ein Hexenschuss kommt zwar unangekündigt und unerwartet, er hat aber häufig eine längere Vorgeschichte. Wie bei vielen Erkrankungen des Bewegungsapparates gilt auch hier, dass regelmäßige körperliche Bewegung in Verbindung mit einer trainierten Rumpfmuskulatur die beste Prophylaxe darstellen.

Verkürzte, verhärtete Muskeln, gereizte Nerven und schwache Bänder sind die Basis für eine akute Blockade. Diese setzt sich dann meist im Bereich der Lendenwirbelsäule fest und äußert sich durch starke Schmerzen. Ein regelmäßiges Training der Rücken- und Bauchmuskulatur mildert den Verlauf eines Hexenschusses oder verhindert ihn im besten Fall ganz.

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