Orthopädische Gelenk-Klinik

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Arthritis: Ursachen, Symptome und Behandlung von Gelenkentzündungen

  1. Was ist Arthritis?
  2. Ursachen: Wie entsteht Arthritis?
  3. Arthritis oder Arthrose: Wo liegen die Unterschiede?
  4. Symptome: Daran erkennen Sie Arthritis!
  5. Wie stellt der Arzt die Diagnose Arthritis?
  6. Behandlung einer Arthritis
  7. Häufige Patientenfragen an Prof. Sven Ostermeier von der Gelenk-Klinik
Gezeichnete Darstellung von sechs entzündeten Körpergelenken Arthritis kann in jedem Gelenk vorkommen. Bei manchen Betroffenen sind eher die Hände, bei anderen die Knie, die Schultern, der Rücken, die Hüfte oder die Füße betroffen. © Axel Kock, stock.adobe.com

Was ist Arthritis?

Arthritis ist die Entzündung eines Gelenks, wobei vom Kiefer bis zur kleinen Zehe jedes Gelenk im Körper betroffen sein kann. Sie geht in der Regel mit Schmerzen, Überwärmung, Rötung und Schwellung einher. Je nach Ursache sind diese Anzeichen unterschiedlich stark ausgeprägt. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Arthritiden (Mehrzahl von Arthritis), die sich anhand folgender Merkmale einteilen lassen:

  • Nach der Ursache: Hier wird unterschieden, ob es sich um eine Infektion, ein autoimmunes Geschehen (wie z. B. bei Rheuma) oder um eine Gelenkentzündung bei Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Hämochromatose) handelt. Eine Sonderform ist die sogenannte aktivierte Arthrose. Bei ihr führen die arthrotischen Verschleißerscheinungen im Gelenk dazu, dass der Körper akut mit einer Entzündung reagiert.
  • Nach Anzahl der betroffenen Gelenke: Bei der Monarthritis ist ein Gelenk, bei der Oligoarthritis sind einige (zwei bis vier) und bei der Polyarthritis fünf oder mehr Gelenke betroffen.
  • Nach dem Verlauf: akut oder chronisch. Zu den akuten Arthritiden gehört die bakterielle Arthritis, bei der z. B. durch eine Verletzung Keime in das Gelenk gelangen. Typisches Beispiel für eine chronische Entzündung ist die rheumatoide Arthritis.

Was passiert bei einer Entzündung?

Verlauf einer Entzündung Ähnlich wie bei einem Streichholz kann eine Entzündung langsam entstehen, aufflammen oder im Hintergrund schwelen. © constantincornel, stock.adobe.com

Eine Entzündung ist die Reaktion auf einen Reiz oder eine Schädigung im Körper. Damit soll der Schaden repariert und der gesunde Zustand wiederhergestellt werden. Meist laufen Entzündungen nach ähnlichem Schema ab: Die Durchblutung steigt an, um Immunzellen (u. a. T-Zellen und B-Zellen) und Energie für die arbeitenden Zellen an den Ort des Geschehens zu transportieren. Die Abwehrzellen schütten eine Vielzahl von Botenstoffen (Histamin, Zytokine) aus. Diese starten Reparaturvorgänge und lösen Schmerzen aus, damit das betreffende Körperteil geschont wird und in Ruhe heilen kann. Das abfließende Blut transportiert Krankheitserreger und Fremdstoffe aus dem entzündeten Gebiet heraus.

Durch die vermehrte Durchblutung wird das betroffene Gebiet rot und warm. Im Verlauf der Reparaturprozesse gelangt mehr Wasser ins Gewebe, was dessen Anschwellen (Ödem) erklärt. Durch dieses Ödem steigt der Druck auf die Nervenenden an, wodurch zusätzliche Schmerzen auftreten. Bei einer Gelenkentzündung kommt es außerdem oft zu einem Gelenkerguss. Dabei gelangen Flüssigkeit, Zellabrieb oder auch Eiter in die Gelenkhöhle. Das ergussbedingte vermehrte Volumen verstärkt den Schmerz dadurch, dass die Gelenkkapsel angespannt wird.

Ursachen: Wie entsteht Arthritis?

Bakterien und Viren Gelenkentzündungen müssen nicht immer rheumatisch bedingt sein. Manchmal steckt auch eine Infektion mit Viren oder Bakterien hinter einem schmerzhaft geschwollenen Gelenk. ©peterschreiber.media, stock.adobe.com

Gelenkentzündungen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Dies zu unterscheiden ist wichtig, weil sich zwar die Beschwerden gleichen, die nötige Therapie jedoch völlig unterschiedlich abläuft. Nach Ursache lassen sich Gelenkentzündungen folgendermaßen einteilen:

  • rheumatisch bedingte Arthritis
  • infektiöse (z. B. bakterielle) Arthritis
  • postinfektiöse Arthritis
  • Arthritis bei Stoffwechselstörungen wie Gicht

Rheumatisch bedingte Arthritis

In dieser Gruppe ist die häufigste Form die rheumatoide Arthritis, die auf autoimmunen Prozessen beruht. Dabei greift der Körper die eigenen Gelenkstrukturen an, es resultiert eine chronische Entzündung. Auch bei anderen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises kommt es zu solchen Gelenkentzündungen. Beispiele dafür sind der Morbus Bechterew oder die Psoriasisarthritis.

Infektiöse Arthritis

Eine weitere wichtige Ursache für Gelenkentzündungen sind Infektionen. Dabei lösen eingeschleppte Erreger wie Bakterien, Viren oder Pilze die Entzündung aus. Am häufigsten wird eine infektiöse Arthritis von Bakterien verursacht (bakterielle Arthritis), allen voran der Erreger Staphylococcus aureus (etwa bei der Hälfte aller Patienten). In ca. 25% der Fälle sind Staphylococcus epidermidis oder Streptokokken für die Entzündung verantwortlich, ansonsten finden sich aber auch Gonokokken, Salmonellen oder Tuberkulosebakterien.

Oft entsteht ein eitriger Gelenkerguss, ein sogenanntes Gelenkempyem. Leitsymptome der bakteriellen Arthritis sind der starke Gelenkschmerz, die Rötung und die Schwellung. In etwa 90 % der Fälle ist nur ein Gelenk befallen. Die häufigsten Lokalisationen sind Knie- (50 %) und Hüftgelenke (25 %). In etwa 10 % sind Schulter-, Ellenbogen-, Sprung- oder Handgelenk betroffen.

Neben Bakterien können auch eingeschleppte Viren oder Pilze gefährlich für die Gelenke werden. Akute Gelenkinfektionen gehören zu den möglichen Komplikationen, wenn Erwachsene an Mumps oder Röteln erkranken. Aber auch viele andere Viren sind in der Lage, Arthritiden auszulösen. Dazu gehören z.B. Hepatitisviren, HI-Viren oder Arboviren wie das Chikungunya-Virus.

Die Keime können das Gelenk auf zwei Wegen erreichen. Der häufigere ist der über das Blut. Dabei gelangen die Erreger von einem Infektionsherd im Körper über das Blut in das Gelenk. Typische Quellen sind z. B. Infektionen im Ohr (Mittelohrentzündung, Otitis media), im Genitaltrakt oder im Darm, manchmal aber auch Hautabszesse. Im Gelenk lösen die Erreger dann eine Entzündungsreaktion aus. Sind Bakterien am Werk, bildet sich typischerweise ein eitriger Erguss.

Seltener geraten Keime von außen z. B. durch Verletzungen oder ärztliche Eingriffe in das Gelenk. Gefürchtet ist dies beispielsweise beim Einsatz von Gelenkprothesen, aber auch Gelenkspritzen bergen die Gefahr einer Infektion.

Postinfektiöse Arthritis

Bei einer postinfektiösen Arthritis kommt es nach der bakteriellen Infektion eines anderen Organsystems (vor allem der Harnwege oder des Darms) zu einer Gelenkentzündung. Dabei handelt es sich um eine reaktive, autoimmune Entzündung, d.h., es lassen sich in der Gelenkflüssigkeit keine Bakterien nachweisen. Warum manche Menschen eine reaktive Gelenkentzündung entwickeln ist unklar. Man geht von einer genetischen Veranlagung dafür aus.

Arthritiden bei Stoffwechselerkrankungen

Manchmal kommt es im Rahmen von Stoffwechselerkrankungen zur Ablagerung von Substanzen im Gelenk, die zu einer Entzündung führen. Typisches Beispiel sind störende Harnsäurekristalle bei Gicht oder überschüssiges Eisen bei Hämochromatose.

Arthritis bei Arthrose

Durch die verschleißbedingten Veränderungen bei der Arthrose kommt es zu Schäden innerhalb des Gelenks. Dabei ändern sich die Strukturen und die Bewegungen verlaufen nicht mehr „glatt“ und reibungslos. So bilden sich z.B. störende kleine Knochenanbauten (Osteophyten), die an an der Gelenkinnenhaut reiben und dadurch mechanisch eine Entzündung auslösen. Auch dies ist eine Arthritis. In diesem Fall spricht man auch häufig von einer reaktiven oder entzündlich aktivierten Arthrose.

Arthritis oder Arthrose: Wo liegen die Unterschiede?

Vergleich von Arthrose und Arthritis. Vergleich von Arthrose und Arthritis am Beispiel Kniegelenk. Bei Arthrose liegt ein Knorpelverschleiß vor. Im Spätstadium sind häufig krankhafte Veränderungen am Knochen wie Osteophyten oder Sklerosierung sichtbar. Bei Arthritis sind die Schmerzen Folge einer Entzündung im Gelenk. © Gelenk-Klinik

Arthritis und Arthrose betreffen beide die Gelenke und können zu ganz ähnlichen Beschwerden führen. Beide Erkrankungen haben allerdings völlig unterschiedliche Ursachen und erfordern deshalb auch verschiedene Behandlungsansätze.

Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die zur Schädigung der Gelenkflächen führen kann. Ihre Leitsymptome sind neben dem Schmerz die Überwärmung und die Rötung des betroffenen Gelenks.

Arthrose ist dagegen ein „kaltes“ Geschehen. Sie beruht auf degenerativen Prozessen, also auf einen übermäßigen Verschleiß des Gelenks. Durch Zerstörung des Gelenkknorpels resultiert auch hier eine Schädigung des Gelenks und seiner Funktion. Manchmal kommt es allerdings auch bei Arthrose zu entzündlichen Phasen mit Überwärmung und Schwellung. Dann spricht man von einer entzündlich aktivierten Arthrose.

Symptome: Daran erkennen Sie Arthritis!

Symptome einer Arthritis

Kardinalsymptome einer Gelenkentzündung sind Gelenkschmerzen, Schwellungen, Überwärmung und Rötung. Oft ist auch die Funktion eingeschränkt. So fällt z. B. bei einer akuten Kniegelenksentzündung das Stehen und das Laufen schwer. Im Verlauf einer chronischen rheumatoiden Arthritis gehen häufig Beweglichkeit und Kraft in den betroffenen Gelenken verloren.

Foto von einem geröteten, geschwollen Knie Eine Form der Arthritis ist die bakterielle oder septische Arthritis. Sie betrifft besonders oft das Knie und zeigt sich mit Schmerzen, Rötung und Überwärmung. © stock.adobe.com, ThamKC

Weitere Beschwerden hängen von der Form der Arthritis ab. Fieber ist typisch für akute bakterielle Infektionen. Müdigkeit und Abgeschlagenheit begleiten häufig chronische Arthritiden wie die rheumatoide Arthritis. Im Verlauf chronischer Gelenkentzündungen kommt es zu Morgensteifigkeit und Gelenkdeformationen.

Besonders wichtig ist es, zwischen Arthritis und Arthrose zu unterscheiden. Hier helfen Schmerzart und Steifigkeit weiter:

  • Bei Arthrosepatienten sind nach Ruhezeiten die Gelenke zuerst oft steif und unbeweglich. Dies löst sich allerdings nach einer Viertelstunde Bewegung meist wieder auf. Die Morgensteifigkeit bei der rheumatoiden Arthritis dauert in der Regel länger als eine halbe Stunde.
  • Arthritiden schmerzen häufig in Ruhe und in der Nacht und bessern sich dann bei Bewegung.
  • Arthrosen schmerzen eher bei Bewegung und Belastung, sie zeichnen sich auch durch den typischen Anlaufschmerz aus.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Arthritis?

Ultraschalldiagnose bei Arthritis Die Sonografie (Ultraschall) zeigt entzündlich bedingte Flüssigkeitseinlagerungen oder Knorpelveränderungen im Gelenk. © Africa Studio, Fotolia

Basis der Arthritis-Diagnostik ist das ausführliche Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben wird. Folgende Fragen sind wichtig:

  • Wie lange bestehen die Gelenkschmerzen?
  • Treten Schmerzen in Ruhe oder bei Bewegung auf?
  • Sind die Gelenke nach Ruhephasen steif? Wie schnell werden sie wieder beweglich?
  • Ist die Funktion der Gelenke eingeschränkt, fällt z. B. das Greifen oder das Gehen schwer?
  • Bestehen irgendwelche Vorerkrankungen?
  • Sind kürzlich Operationen, Gelenkpunktionen oder andere ärztliche Eingriffe vorgenommen worden?
  • Kann den Schmerzen eine Verletzungen zugrunde liegen?
  • Werden Medikamente eingenommen und wenn ja, welche?

Bereits die körperliche Untersuchung hilft, zwischen einer bakteriellen und einer nicht-bakteriellen Gelenkentzündung zu unterscheiden. Bei einer bakteriellen Arthritis hat der Patient meist Fieber und es ist nur ein Gelenk betroffen. Dieses ist stark gerötet und überwärmt, oft kann der Arzt auch einen Gelenkerguss ertasten. Sind mehrere Gelenke beteiligt und stehen die Schmerzen im Vordergrund, ist dies eher ein Hinweis auf ein rheumatisches Geschehen.

Zur Sicherung der Diagnose dienen dem Arzt verschiedene Methoden: An bildgebenden Verfahren kommen vor allem Ultraschall, konventionelles Röntgen sowie CT und MRT in Frage. Im Ultraschall lassen sich schnell und einfach Ergüsse und Entzündungen erkennen, im Röntgenbild knöcherne Veränderungen. Auch die Blutuntersuchung hilft weiter. Hier bestimmt man die Entzündungswerte, bei Verdacht auf ein rheumatisches Geschehen entsprechende Marker (z. B. Rheumafaktor, CCP-Antikörper), bei Verdacht auf Gicht den Harnsäurespiegel.

Liegt ein Gelenkerguss vor, wird dieser punktiert und die abgezogene Flüssigkeit auf Erreger und Zellen untersucht. Das Aussehen des Gelenkergusses dient der weiteren Differenzierung.

Behandlung einer Arthritis

Arthroskopie des Knies Die Arthroskopie ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem der Operateur über kleine Hautschnitte Instrumente und eine Kamera in das Gelenk einführt. Dadurch kann er den Innenraum des Gelenkes darstellen, reinigen und gleichzeitig abgestorbene oder entzündete Strukturen entfernen. © smartmediadesign, Fotolia

Arthritis vorbeugen: Darauf sollten Sie bei der Ernährung achten

Ob sich eine Arthritis mithilfe einer bestimmten Diät bessert, kommt natürlich auf die Ursache der Gelenkentzündung an. So lässt sich z. B. eine durch Gelenkpunktion hervorgerufene bakterielle Kniegelenksarthritis nicht durch die Ernährung beeinflussen.

Bei anderen Arthritisursachen sieht das schon anders aus: So ist eine purin-, fruktose- und alkoholarme Ernährung bei Gicht von essenzieller Bedeutung. Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis können bestimmte Lebensmittel oder Getränke entzündliche Schübe auslösen, während manche Nahrungsmittel davor schützen. Hier macht es also durchaus Sinn, die Ernährung entsprechend anzupassen. Auch Fasten oder eine vegane Diät scheinen sich positiv auf rheumatisch bedingte Gelenkentzündungen auszuwirken.

Die Behandlungsziele bei einer Gelenkentzündung sind klar: Der Patient möchte seine Schmerzen loswerden, die Entzündung muss eingedämmt und die Ursache bekämpft werden. Reicht die konservative Therapie nicht aus, muss der Arzt eventuelle strukturelle Gelenkschäden operativ behandeln. Vor allem bei den chronischen Formen gilt es, die Funktion der Gelenke zu erhalten. Wie diese Ziele angegangen und erreicht werden, kommt jedoch ganz auf die Ursache der Arthritis an.

Behandlung der rheumatisch bedingten Arthritis

Bei den rheumatisch bedingten Arthritiden ist aufgrund der Chronifizierung der Erkrankungen eine lebenslange Therapie mit Antirheumatika erforderlich. Nicht immer reicht eine konservative Behandlung, manchmal müssen die Folgen der entzündlichen Prozesse auch operativ angegangen werden.

Behandlung der infektiösen Arthritis

Gegen die oft sehr heftigen Schmerzen bei einer infektiösen Arthritis helfen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, Ruhigstellen und Kühlen des Gelenks. Sind Bakterien die Ursache, müssen diese schnellstens aus dem Gelenk und aus dem Organismus entfernt werden. Dazu erhält der Patient sofort intravenös für mehrere Wochen Antibiotika. Damit die Zerstörung des Gelenks nicht weiter voranschreitet, versucht man, die aggressiven Entzündungszellen und ihre Botenstoffe aus dem Gelenk zu entfernen. Das geschieht z. B. im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) samt Spülung und anschließender Drainage. Spricht das Gelenk nicht ausreichend auf die Therapie an, kann eine offene oder arthroskopische Synovektomie (Entfernung erkrankter Gelenkhaut) durchgeführt werden.

Die virusbedingte Arthritis ist sehr viel seltener. Sie verläuft meist gutartig und heilt von selbst wieder aus. Bei akuten Schmerzen reicht in der Regel die kurzzeitige Einnahme NSAR.

Behandlung von stoffwechselbedingten und postinfektiösen Arthritiden

Bei den stoffwechselbedingten Gelenkentzündungen kommt es vor allem auf die konsequente Behandlung der Grunderkrankung an. Für die Gicht heißt das medikamentös und diätetisch den Harnsäurespiegel senken, für die Hämochromatose eisenarme Diät, regelmäßige Aderlässe und medikamentöser Eisenentzug. Akute Gelenkentzündungen werden meist mit NSAR behandelt, bei der Gicht kommen Kortison und evtl. Colchizin dazu.

Die Behandlung der postinfektiösen Gelenkentzündungen sieht ganz ähnlich aus. Im Vordergrund steht die Gabe von NSAR, bei schweren Formen auch Kortison. Entwickelt sich ein chronischer Verlauf, müssen manchmal auch Immunsuppressiva eingenommen werden.

Häufige Patientenfragen an Prof. Sven Ostermeier von der Gelenk-Klinik

Können Bakterien eine Arthritis verursachen?

Zum einen können Bakterien, aber auch andere Keime wie Pilze oder Viren, eine akute infektiöse Gelenkentzündung auslösen. Dafür gelangen sie entweder über den Blutweg oder von außen in das Gelenk. Außerdem kann sich Wochen nach einer bakteriellen Durchfallerkrankung oder einem Harnwegsinfekt eine reaktive Arthritis entwickeln. Hier handelt es sich um ein fehlgeleitetes immunologisches Geschehen, das noch nicht geklärt ist. Die reaktive Arthritis heilt zum Glück meist spontan wieder aus.

Hilft Wärme oder Kälte bei Arthritis?

Bei einer bakteriellen Gelenkentzündung gehören kühlende Umschläge, Hochlagern und Ruhigstellen des betroffenen Gelenks zu den Allgemeinmaßnahmen. Sie begünstigen das Abschwellen und lindern den Schmerz. Physikalische Anwendungen können auch bei einer chronischen, autoimmun-rheumatischen Arthritis durchaus hilfreich sein. Im Stadium der Entzündung raten Ärzte zur Kälte, z. B. durch feuchte Wickel oder kühlende Schmerzgele. Von Wärme wird bei Entzündungen abgeraten, da diese den Prozess weiter anheizen kann.

Ist Arthritis vererbbar?

Infektiöse Arthritiden werden durch Keime „von außen“ ausgelöst und sind deshalb nicht vererbbar. Anders sieht das bei den autoimmun-rheumatischen Erkrankungen aus. Bei einigen Formen gehen die Experten sicher von der Vererbung einer genetischen Anlage aus: Kinder von Erkrankten haben also ein höheres Risiko, auch zu erkranken, als Kinder mit gesunden Eltern. Ob sich diese Veranlagung allerdings später wirklich zur Krankheit entwickelt, hängt von weiteren Faktoren wie dem Lebensstil oder Einflüssen aus der Umwelt ab.

Helfen Vitamine bei Arthritis?

Generell sollte der Vitaminhaushalt immer ausgeglichen sein. Das gilt umso mehr, wenn der Körper mit Heilungsprozessen beschäftigt ist (wie z. B. bei der bakteriellen Arthritis) oder mit chronischen Erkrankungen umgehen muss. Bei chronischen Arthritiden ist es sinnvoll, bestimmte Vitamine (C, B-Vitamine und vor allem Vitamin D) regelmäßig zu überprüfen und einen eventuellen Mangel auszugleichen. Vor allem Vitamin D spielt eine große Rolle, denn es fördert die Kalziumaufnahme aus dem Darm und ist deshalb für die Kräftigung der Knochen wichtig. Vor Selbstmedikation ohne ärztlichen Rat wird jedoch gewarnt. Überdosierungen von Vitamin D können Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden auslösen.

Wie gefährlich ist Arthritis?

Wird eine Arthritis nicht behandelt, droht eine schwere Gelenkschädigung. Das gilt sowohl für die infektiösen Gelenkentzündungen als auch für die rheumatischen. Gelenkschmerzen, -schwellungen und -rötungen sollten deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen sondern immer einem Arzt vorgestellt werden.

Darf man mit Arthritis Alkohol trinken?

Während der Behandlung einer infektiösen Gelenkentzündung mit Antibiotika beeinflusst der Genuss von Alkohol den Heilungsprozess negativ. Viele Antibiotika interagieren mit Alkohol. Dadurch kann die Wirksamkeit des Antibiotikums vermindert sein, in anderen Fällen droht eine Leberschädigung. Generell ist der Körper mit der Bekämpfung der Infektion beschäftigt und benötigt dafür viel Energie. Dadurch wirkt Alkohol oft schneller und stärker, wodurch das eigene Limit leicht unterschätzt wird.

Wie lange ist man mit Arthritis krankgeschrieben?

Das kommt auf die Form der Arthritis und den Behandlungsverlauf an. Die Therapie einer bakteriellen Kniegelenksentzündung dauert ungefähr 4 bis 6 Wochen.

Bei rheumatischen Arthritiden verläuft die Erkrankung manchmal so schwerwiegend, dass sogar eine Frühberentung erforderlich wird. Können die Betroffenen trotz der rheumatischen Erkrankung arbeiten, sind sie häufiger als ihre gesunden Kollegen krankgeschrieben. So waren in einer Studie mit 500 erwerbstätigen Bechterew-Patienten im Zeitraum einen Jahres 351 Patienten kürzer als 3 Monate, 17 Patienten 3 bis 6 Monate und 11 länger als 6 Monate aufgrund ihrer Erkrankung arbeitsunfähig.

Kann man Arthritis an Blutwerten erkennen?

Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, weshalb im Blut meist die allgemeinen Entzündungswerte erhöht sind. Dazu gehören das C-reaktive Protein und die Anzahl der weißen Blutkörperchen. Außerdem ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oft beschleunigt. Je nach Ursache finden sich bei der Blutuntersuchung noch weitere auffällige Blutwerte. Diese reichen von Antikörpern gegen körpereigenes Gewebe (Rheumafaktor, antinukleäre Antikörper) bei den autoimmun-rheumatischen Erkrankungen bis hin zu Bakterien oder Pilzen bei der infektiösen Arthritis.

Muss man bei Arthritis eine Diät einhalten?

Es kommt auf die Ursache der Arthritis an, ob eine spezielle Diät zielführend ist. Ist sie infektiös bedingt, ist eine Diät überflüssig. Anders sieht das bei den autoimmun-rheumatischen Arthritiden aus. Hier können z. B. Kaffee oder süße Softdrinks Krankheitsschübe auslösen und sollten deshalb vermieden werden. Bei der rheumatoiden Arthritis wird zudem eine antientzündliche Diät empfohlen.

Helfen Quarkwickel bei Arthritis?

Quarkwickel können Entzündungen und Schmerzen bei geschwollenen Gelenken lindern. Als Wickel um Knie-, Finger- oder Fußgelenke werden sie ergänzend bei der Behandlung von Arthrose und manchmal auch bei rheumatoider Arthritis eingesetzt. Vor einer Selbsttherapie sollte man Gelenkschmerzen jedoch immer vom Arzt abklären lassen.

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