Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
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Kniespezialist untersucht Knieschmerzen

Vordere Knieschmerzen: Patelladysplasie, Patellaspitzensyndrom und Patellaluxation

  1. Patelladysplasie
  2. Was ist das Patellaspitzensyndrom?
  3. "Patella alta": Hochstand der Kniescheibe
  4. "Patella baja": tiefsitzende Kniescheibe
  5. Entzündung der Patellasehne

Neben der genauen Position und Beweglichkeit spielt bei Schmerzen an der Kniescheibe (Patella) auch ihre Form eine besondere Rolle.

Eine Fehlbildung der Kniescheibe bezeichnet der Mediziner auch als Patelladysplasie. Die Patella ist ein von vorne gesehen dreieckiger Knochen. Sie ist gelenkig sowohl mit dem Oberschenkelknochen (Femur) als auch mit dem Schienbein (Tibia) verbunden.

Nicht immer führt die Patelladysplasie zu Knieschmerzen oder muss orthopädisch behandelt werden. Viele Patienten mit Patelladysplasie fühlen sich in ihrem Alltag nicht beeinträchtigt und haben keine Symptome.

Dennoch begünstigt die einseitige Belastung des Gelenkknorpels des patellofemoralen Gelenks (zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen) Knieschmerzen und Kniearthrose. Die Fehlbildung der Patella ist meist angeboren.

Beim Älterwerden kann die unebene Oberfläche der Patella im Kniegelenk einen Knorpelschaden verursachen (retropatellare Arthrose). Es ist sehr wichtig, die Patelladysplasie zu behandeln, bevor sich daraus eine Kniearthrose entwickelt. Die Patelladysplasie ist oft im Zusammenhang mit einer Patellaluxation zu beobachten.

Untersuchung der PatellafunktionUntersuchung der Patellafunktion (Funktion der Kniescheibe) durch Beobachtung des Patellalaufs bei Beugung und Streckung des Kniegelenks. © Gelenk-Klinik

Patelladysplasie

Anatomie des Kniegelenks mit Kniescheibe, Muskeln und BändernKnieschmerzen werden oft durch eine Fehlform der Kniescheibe ausgelöst. Die Kniescheibe ist an zwei Bändern aufgehängt. Wenn durch eine Dysbalance der Muskeln, die den Zug auf die Bänder ausüben, die Patella nicht mehr zentriert ist, kann dies ebenfalls zu Beschwerden im Kniegelenk führen. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Unter einer Patelladysplasie versteht man eine anlagebedingte asymmetrische Form der Patella. Diese Fehlbildung der Kniescheibe hat zunächst keinen Krankheitswert und kann schmerzlos und symptomlos verlaufen.

Erst wenn im Laufe des Lebens aufgrund von einseitiger Druckbelastung eine Knorpelschädigung unter der Rückfläche der Kniescheibe anfällt, wird die Patelladysplasie zur Krankheitsursache.

Entscheidend ist das Ausmaß der Knorpelschädigung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Je früher der Arzt den vorzeitigen Verschleiß der Kniescheibe feststellt und je konsequenter er die Behandlung einleitet, umso besser wird langfristig das Resultat sein.

Stadien der Patelladysplasie nach Wiberg

In der radiologischen Diagnostik (Röntgenuntersuchung) unterscheidet man die unterschiedlichen Formen der Patelladysplasie in der Klassifikation nach Wiberg.

Wiberg I:

Bei dieser leichten Form der Fehlbildung weist die Kniescheibe eine annähernd symmetrische Form auf. Sie ist beschwerdefrei und bedarf in der Regel keiner Behandlung.

Wiberg II:

Die innere (mediale) Fläche der Kniescheibe ist auf der Rückseite etwas schmaler als die äußere. Dies kann sich auf die Oberschenkelmuskulatur auswirken. Eine gezielte physiotherapeutische Behandlung ist in der Regel ausreichend.

Wiberg III:

Die innere (mediale) Fläche der Kniescheibe ist schmaler als die Außenseite und sie ist insgesamt nach außen gewölbt.

Wiberg IV:

Medial ist die Kniescheibe deutlich schmaler und weist eine sichtbare Formstörung auf.

Wiberg V:

Die Patella ist seitlich verschoben und ihre innere Fläche verläuft sehr steil. Da wegen der deutlichen Formstörung keine Gelenkbildung mit dem Oberschenkelknochen existiert, kommt es schneller zur Patellaluxation. Aufgrund ihrer Form bezeichnet man diese Variante der Kniescheibe auch als Jägerhutpatella.

All diesen Formen gemein ist, dass es zu einer einseitigen Druckbelastung der Kniescheibenrückfläche kommt, welche einen vorzeitigen Knorpelverschleiß nach sich ziehen kann.

Patellaspitzensyndrom

Knieschmerzen beim Tennis spielenDas Patellaspitzensyndrom betrifft häufig Sportler wie z. B. Tennisspieler. Häufig ist eine Überlastung Auslöser für die Reizung der Patellasehne. © nd3000, Fotolia

Ein häufiges Krankheitsbild in der sportorthopädischen Sprechstunde ist das Patellaspitzensyndrom. Dabei handelt es sich um entzündliche Veränderungen im Ansatz der Patellasehne am Übergang zum unteren Ende der Patella.

Die chronische Entzündung führt zu Schmerzen, insbesondere bei Kniebeugebelastung, z. B. beim Tennis spielen und auch bei knienden Tätigkeiten.

Der Hoffa-Fettkörper

Der Hoffa-Fettkörper im Inneren des Kniegelenks fühlt und koordiniert. Er ist von Gelenkschleimhaut überzogen. Das Fettkissen reagiert bei allen Knieerkrankungen mit Schwellung und teilweise sogar Verknöcherung. Eingelagerte Nervenendigungen sorgen dafür, dass der Hoffa-Fettkörper wichtige Beiträge Sensibilität des Knies leisten kann. Diese sensorischen Informationen tragen zur gut koordinierten Bewegung und Stabilität des Knies bei.

In der klinischen Untersuchung zeigt die verdickte Sehne meist eine ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit. Zudem sieht der Arzt eine Schwellung und Vergrößerung des Hoffa-Fettkörpers. Die Behandlung zielt konservativ mittels entlastenden Bandagen, Injektionen und physikalischer Therapie auf eine Reduktion des Entzündungsprozesses ab. Hilfreich ist hier auch oftmals die Hochenergie-Lithotripsie (Stoßwellenbehandlung).

Nur in ausgeprägten chronischen Fällen ist eine operative Denervierung (Ausschaltung bestimmter Nerven) und arthroskopische Entfernung des entzündeten Gewebes notwendig. Liegt dem Patellaspitzensyndrom eine Achsfehlstellung oder Seitabweichung der Kniescheibe zugrunde, muss diese Ursache zunächst behoben werden, um langfristig eine Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Patella alta

Unter Patella alta versteht man einen Hochstand der Kniescheibe, welcher meist Folge einer Gewalteinwirkung ist. Häufig ist eine traumatische Schädigung der Quadrizeps- oder Patellasehne ursächlich. Die Patella alta kann auch das Resultat einer schlecht ausgeführten Implantation einer Knievollprothese (Knie-TEP) sein, bei welcher meist zuviel Knochen im Bereich des distalen Femurs (unterer Bereich des Oberschenkelknochens) reseziert (abgetragen) wurde. Therapeutisch versucht man, die normale Position der Kniescheibe zum Oberschenkelknochen wiederherzustellen. Dies gelingt durch Versetzung der Tuberositas tibiae, einem Knochenfortsatz des Schienbeinknochens, nach distal (körperfern).

Patella baja

Eine tiefsitzende Kniescheibe (Patella baja) ist oftmals Folge von Patellafrakturen (Knochenbrüche im Bereich der Kniescheibe) oder von Verletzungen der Quadrizepssehne. Auch die Implantation einer Knieprothese, bei der zu viel Knochenmasse am Schienbeinkopf abgetragen wurde, kann ursächlich für die Verlagerung der Patella nach unten sein.

Entzündung der Patellasehne

Stoßwellentherapie bei entzündeter PatellasehneDie Patellasehnenentzündung lässt sich konservativ mittels Stoßwellentherapie behandeln. © smartmediadesign, Fotolia

Die Patellasehnenentzündung entwickelt sich häufig bei Patienten, die vorwiegend kniende Tätigkeiten ausüben, wie beispielsweise Fliesen- oder Parkettleger. Aber auch langanhaltende sportliche Belastungen wie beim Tennis oder Rudern können ursächlich dafür sein, dass die Patellasehne sich entzündet. Symptome sind starke Schmerzen unter der Kniescheibe, die vor allem unter Belastung und beim Beugen des Knies auftreten. Konservativ behandelt man die Patellasehnenentzündung zunächst mittels antiphlogistischer (entzündungshemmender) Medikation. Zusätzlich können Kältetherapie und entlastende Bandagen (Patella-Bandage) die Beschwerden lindern.

Eine weitere Therapiemöglichkeit bietet die hochenergetische Stoßwellenbehandlung. Bei dauerhafter therapieresistenter und konservativ nicht beherrschbarer Erkrankung erfolgt die arthroskopische Entfernung des entzündeten Gewebes.

Literaturangaben
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  • Obedian, R. S. & Grelsamer, R. P. (1997). Osteochondritis dissecans of the distal femur and patella. Clinics in sports medicine, 16, 157–74.
  • Ostermeier, S. (2008). Retropatellare Druck-, Bewegungs- und Bandspannungsanalyse nach Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments dynamische In-vitro-Studie unterschiedlicher Operationsverfahren im Vergleich zur Operation nach Insall. Phd Thesis.
  • Ostermeier, S. & Becher, C. M. (2011a). Vorderes Knieschmerzsyndrom patellofemoraler Schmerz – patellare Instabilität; mit 8 Tabellen. Dt. Ärzte-Verl.
  • Van Leeuwen, M. T., Zwerver, J. & van den Akker-Scheek, I. (2009). Extracorporeal shockwave therapy for patellar tendinopathy: a review of the literature. British journal of sports medicine, 43, 163–8.
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