Orthopädische Gelenk-Klinik

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Skoliose - Fehlstellung der Wirbelsäule

  1. Was ist eine Skoliose?
  2. Ursachen der Skoliose
  3. Diagnose
  4. Therapie der Skoliose
SkolioseWas ist eine Skoliose?

Eine Skoliose ist eine Seitverbiegung mit gleichzeitiger Rotation der Wirbelsäule um die Längsachse. Dies führt zu einer Asymmetrie des Oberkörpers mit Schulterhochstand, einem Rippenbuckel und auf der Gegenseite dem Rippental. Diese Verkrümmung der Wirbelsäule nimmt vor allem während der Jugend bei verstärktem Körperwachstum immer mehr zu und führt gleichzeitig zu einer Versteifung, wenn nicht aktiv dagegen therapiert wird.

Animation zur Skoliose

Welche Ursachen gibt es für eine Skoliose?

In den aller meisten Fällen ist die Ursache der Skoliose unbekannt. Es handelt sich dann um eine sogenannte idiopathische Skoliose. Mädchen sind von dieser Form häufiger betroffen als Jungs. Ist die Ursache der Skoliose bekannt, so spricht man von einer symptomatischen bzw. sekundären Skoliose. Ursachen hierfür sind beispielsweise
- angeborene Fehlbildungen der Wirbel (Spina bifida)
- neuromuskuläre Skoliose (Cerebralparese, Duchenne Muskeldystrophie)
- Systemerkrankungen (Neurofibromatose)
- Traumatische Verletzungen, Amputationen, Operationen.

Wie wird eine Skoliose behandelt?

Die Therapie ist abhängig vom sogenannten Cobb-Winkel, der das Ausmass der Verkrümmung angibt. Ist dieser Winkel unter 10°, so ist in der Regel keine Therapie nötig. Liegt ein Winkel von mehr als 10° Cobb vor, so sollte, um ein weiteres Fortschreiten der Skoliose zu verhindern, mit Krankengymnastik therapiert werden. Hierbei soll die Wirbelsäule durch Muskelaufbau aktiv wieder aufgerichtet und stabilisiert werden.

Übersteigt der Winkel einen Wert von 20° Cobb, so sollte zusätzlich zu der skoliosespezifischen Krankengymnastik mit einem speziell angefertigten Korsett behandelt werden.
Liegt ein Winkel von über 40° Cobb vor und führen die konservativen Behandlungsmethoden nicht zum erwünschten Erfolg, so kann eine Operation notwendig werden. Eine Operation ist somit abhängig von der Krümmungsstärke, dem Alter des Patienten, zusätzlichen nervalen oder muskulären Symptomen und dem Ansprechen auf die konservativen Therapieansätze. Ziel einer solchen Operation ist es, die Verkrümmung aufzurichten, die Rotation zu beseitigen und die Wirbelsäule in diesem aufgerichteten Zustand mit Implantaten zu fixieren.

Was bedeutet Skoliose?

Die Skoliose (griech. skolios = krumm) beschreibt eine Fehlstellung der Wirbelsäule, die durch deren seitliche Verbiegung und Drehung gekennzeichnet ist. Sie ist seit Alters her bekannt und eines der am längsten bekannten orthopädischen Leiden. Die Ursachen für die Ausbildung einer Skoliose sind vielfältig und reichen von angeborenen Fehlbildungen bis hin zu muskulären oder nervalen Schädigungen nach Unfällen oder bestimmten Erkrankungen. Bei den meisten Skoliosen bleibt die auslösende Ursache jedoch unbekannt. Diese so genannte idiopathische Form der Skoliose spielt besonders im Kindes- und Jugendalter eine große Rolle. Sie verursacht in der Regel keine Beschwerden. Daher wird diese Form der Skoliose meist zufällig vor allem von den Eltern der betroffenen Kinder entdeckt. Leider führt eine dauerhafte Fehlstellung der Wirbelsäule zu einer schnelleren Abnutzung, so dass Skoliose-Patienten mit zunehmendem Lebensalter unter erheblichen Beschwerden leiden können. Die als Folge der Skoliose auftretende krankhafte Verkürzung des Rumpfes führt zu einer enormen Belastung innerer Organe wie Herz, Lunge, Nieren, Magen und Darm. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich in der Regel eine deutliche seitliche Verbiegung der Wirbelsäule. Eine Röntgenuntersuchung sichert die Diagnose. Die Wahl der Therapie richtet sich nach der Ursache der Skoliose, dem Alter des Patienten und dem Ausmaß der skoliotischen Fehlstellung. Bei beginnenden Skoliosen stehen dabei vor allem krankengymnastische Maßnahmen im Vordergrund. Gegebenenfalls muß anschließend eine Korsett angeschlossen werden. Schwere Skoliosen erfordern unter Umständen eine operative Korrektur. Die Prognose bei frühzeitiger Therapie ist meist recht gut.

Welche Formen der Skoliose werden unterschieden?

Bei der Skoliose wird je nach Höhe der Hauptkrümmung eine Einteilung vorgenommen. Unterschieden werden danach die folgenden Formen:

  • Thorakale Skoliose: Brustwirbelsäule
  • Lumbale Skoliose: Lendenwirbelsäule
  • Thorakolumbale Skoliose: Übergangsbereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Thorakale und lumbale Skoliose: Brust- und Lendenwirbelsäule

Welche Ursachen liegen der Skoliose zugrunde?

Etwa 85 % aller Skoliosen sind idiopathischen (griech. idios = eigen, pathos = Leiden,) Ursprungs, das heißt, die Ursache ist unbekannt. Die idiopathische Skoliose entsteht vor allem zu wachstumsintensiven Zeiten, bei denen bestimmte Anteile der Wirbelsäule schneller wachsen als andere. Betroffen sind daher vor allen Dingen Kinder und Jugendliche. Bei der idiopathischen Skoliose wachsen die Wirbelkörper in eine Richtung langsamer als in die andere. Durch dieses Fehlwachstum einzelner oder mehrerer Wirbel kommt es zu deren Drehung (=Torsion), die wiederum eine Verdrehung (=Rotation) der gesamten Wirbelsäule hervorruft. Im Ergebnis ist die Wirbelsäule seitlich nach rechts oder links verbogen.

Neben der idiopathischen Skoliose, deren auslösende Ursache unbekannt ist, gibt es zahlreiche seltenere Skolioseformen, die auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind:

  • Kongenitale Skoliose, d.h. angeborene Skoliosen bei schweren vorgeburtlichen
    Entwicklungsstörungen
  • Neuropathische Skoliose, durch Erkrankungen des Nervensystems
  • Myopathische Skoliose, durch Erkrankungen der Muskulatur, z.B. Muskelatrophie
  • Mesenchymale Skoliose, durch Erkrankungen des Bindegewebes, z.B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, schwere Narbenbildung
  • Metabolische Skoliose, durch Erkrankungen des Knochenstoffwechsels, z.B. jugendliche Osteoporose, Rachitis, Glasknochenkrankheit (=Osteogenesis imperfecta)
  • Radiogene Skoliose, als Folge einer Strahlentherapie im Kindesalter
  • Posttraumatische Skoliose, z.B. bei Unfällen
  • Entzündliche Skoliose, durch schwere Entzündungen im Bereich der Wirbelkörper. In Deutschland leiden etwa eine halbe Million Menschen an einer Skoliose. Von der idiopathischen Form der Skoliose sind Mädchen etwa viermal so häufig betroffen wie Jungen.

Wie kann man eine Skoliose erkennen?

Skoliose_Diagnostik

Im Säuglingsalter zeigt sich eine Skoliose durch die schiefe Lage des Kindes, die durch eine C-förmige Verkrümmung der Brust- und Lendenwirbelsäule bedingt ist. Zusätzlich finden sich oft Entwicklungsstörungen an einem Hüftgelenk. Die meisten Skoliosen werden im Alter zwischen 10 und 12 Jahren diagnostiziert. Da die betroffenen Kinder zunächst keinerlei Beschwerden verspüren, wird die Skoliose meist zufällig entdeckt. Als erste Untersuchungsmaßnahme durch die Eltern kann durch die Haut der Verlauf der Wirbelsäule an Hand der so genannten Dornfortsätze gesehen und getastet werden. Eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule lässt sich so leicht feststellen. 80 % der idiopathischen Skoliosen liegen im Brustbereich (=thorakale Skoliose) und zeigen eine Ausbiegung nach rechts (=rechtskonvex). Neigt sich das Kind nach vorn, treten die Rippen stark heraus und bilden einen Rippenbuckel. Bei Skoliosen im oberen Brustbereich stehen die Schultern nicht auf gleicher Höhe, es resultiert ein Schultertief- bzw. Hochstand. Bei Skoliosen im Lendenbereich sind die beiden Dreiecke zwischen der Taille und den seitlich am Rumpf herunterhängenden Armen (=Taillendreiecke) unterschiedlich ausgebildet und es besteht ein Lendenwulst auf der krümmungsabgewandten Seite. Mit Hilfe der Röntgenuntersuchung können die Form und das Ausmaß der Skoliose beurteilt werden. Die Stärke der Krümmung der Wirbelsäule wird über eine besondere Winkelmessungsmethode (nach Cobb) ermittelt. Darüber hinaus wird der Torsionsgrad anhand der Pedikelschatten im Röntgenbild (Wirbelanteile) abgeschätzt. In unserer Praxis wird mittels einer laseroptischen, dreidimensionalen Wirbelsäulenrekonstruktion die Gesamtausprägung der Skoliose auf das kleinste Detail berechnet. Darüber hinaus können so Röntgenbilder und damit die Strahlenbelastung bei Kindern erheblich eingespart werden.

Welche Komplikationen bei einer Skoliose sind zu erwarten?

Die dauerhafte Fehlstellung der Wirbelsäule führt zu deren verstärkter Abnutzung (=Degeneration), so dass die betroffenen Patienten zunehmend unter Rückenschmerzen leiden. Darüber hinaus treten bei der unbehandelten Skoliose durch die ständige Verkürzung des Rumpfes im höheren Lebensalter verschiedenste Komplikationen zu Tage. Die häufigste Folge der langjährigen Skoliose sind vorzeitige Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule an Bandscheiben und Wirbelkörpern und deren Gelenken, die sich oft durch große Schmerzen bemerkbar machen. Auch andere Gelenke wie die Hüft- und Kniegelenke sind von der dauerhaften Fehlbelastung durch die Skoliose der Wirbelsäule betroffen und können frühzeitige Abnutzungserscheinungen aufweisen. Durch die Verdrehung der Wirbelsäule und die damit einhergehende Verkürzung des Rumpfes kommt es zu einer Verkleinerung des Brust- und Bauchraumes, die eine Funktionseinschränkung verschiedener innerer Organe mit sich bringen kann. Vor allem die Leistungsfähigkeit des Herzens und der Lunge sind eingeschränkt, in extremen Fällen auch die der Nieren, des Magens und des Darms. Bei hochgradigen Skoliosen wie bei den neuropathisch bedingten Skoliosen kann es durch die starke Funktionseinschränkung zu einer lebensbedrohlichen Herzinsuffizienz vor allem des rechten Herzens kommen.

Welche Formen der Behandlung bei Skoliose gibt es?

Die Ursache der Skoliose legt als Primärkriterium die Therapie der Skoliose fest. Anschließend sind Alter des Patienten, Ausmaß und Voranschreiten (Progredienz) zu berücksichtigen. Die Säuglingsskoliose lässt sich in vielen Fällen durch konsequente Bauchlagerung und verschiedene krankengymnastische Übungen ausheilen. Hierbei wird versucht, die normalen Bewegungen des Kindes im Sinne einer Korrektur der Fehlhaltung zu lenken. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist das Behandlungskonzept im Allgemeinen dreistufig. Eine früherkannte Skoliose mit einem Cobb-Winkel bis 20° wird vor allem durch krankengymnastische Maßnahmen therapiert. Aktiven Übungen, Haltungs- und Bewegungstraining, neurophysiologische Übungen und Elektrostimulation kommen zum Einsatz. Das Ziel ist es, die Fehlstellung der Wirbelsäule weitgehend zu korrigieren und vor allem eine Progredienz, eine Verschlimmerung zu verhindern. Regelmäßige ärztliche Kontrollen der Wirbelsäule sind notwendig, um Verschlechterungen der Erkrankung frühzeitig erkennen zu können, um das Therapieregime rechtzeitig ändern zu können. Die Korsettbehandlung wird bei fortgeschrittenen Skoliosen (zwischen 20 und 50 Grad nach Cobb) zusätzlich zur Krankengymnastik angewandt. Für die betroffenen Kinder eine sehr belastende Maßnahme, da nur das konsequente Tragen des Korsetts gute Erfolge garantiert, dies aber oft und gerade in der Pubertät viele soziale Probleme mit sich bringt. Oft kommt es anfangs trotz Korsett zu einer Verschlechterung der Skoliose, so daß die Bereitschaft, das Korsett zu tragen, zusätzlich abnimmt. Ein Skoliosekorsett wird für gewöhnlich aus leichtem Kunststoff hergestellt und nach einem Gipsmodell des Körpers angefertigt. Je nach Wachstum oder Veränderung der Skoliose muss etwa einmal pro Jahr ein neues angepasst werden. Das Korsett muß sehr eng sitzen und Tag und Nacht getragen werden. Es ist nur während der täglichen Körperpflege abzulegen. Ein Korsett fixiert den Becken- und Schultergürtel gegen Verdrehung und bewirkt durch verschiedene Druck- und Entlastungszonen eine passive Korrektur der Skoliose. Mit der durch das Korsett vorgegebenen Korrekturstellung wird das weitere Wachstum der Wirbelsäule beeinflusst. Unbedingt notwendig ist die gleichzeitig durchzuführende Krankengymnastik. In der Regel muß die Korsettbehandlung bis zum Wachstumsabschluß fortgesetzt werden. Schwere Skoliosen mit einer Krümmung von über 50 Grad nach Cobb müssen in der Regel operativ behandelt werden. Hier sind doch erheblich belastende Eingriffe notwendig, um eine Korrektur zu erreichen. Vorbehandlungen mit Traktionen sollen dabei die Bänder und Muskeln dehnen und den Haupteingriffe mit Korrektur der Skoliose erleichtern. Die Erfolgsaussichten der Operation sind in der Regel gut. Allerdings muss mit einer insgesamt langen Zeit für die Rehabilitierung des Patienten gerechnet werden. Mit Hilfe von krankengymnastischen und anderen physiotherapeutischen Methoden wird über mehrere Monate hinweg langsam versucht, eine gute Stabilität und Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule herzustellen.

 

Literaturangaben

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  • Neuwirth, M. & Osborn, K. (2001). The Scoliosis Sourcebook (1 ed). McGraw-Hill.
  • Niethard, F. U. (2010). Kinderorthopädie : 50 Tabellen. Thieme.
  • Niethard, F. U., Pfeil, J. & Biberthaler, P. (2009). Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart : Thieme.
  • Orthofer, P. (2004). Orthopädietechnik. Huber Hans.
  • Unknown. (2007). Praxis der konservativen Orthopädie. Thieme Georg Verlag.
  • Wolpert, D. K. (2006). Scoliosis Surgery: The Definitive Patient's Reference (3rd Edition) (3 ed). Swordfish Communications, LLC.
  • Wülker, N. (2005). Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart : Thieme.
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