Orthopädische Gelenk-Klinik

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Nukleoplastie - Dekompression der Nervenfasern nach Bandscheibenvorfall

Nukleoplastie: Endoskopische Bandscheibenoperation

NucleoplastieNucleoplastie ist eine Minimalinvasives Verfahren zur Operation eines Bandscheibenvorfalls. Mit der Nucleoplastie wird Druck von einem eingeklemmten Nerven genommen. © Viewmedica

Die Degeneration der Bandscheibe führt zu Vorwölbungen der bindegewebigen Wand der Bandscheibe in den Nervenkanal hinein. Der fortgeschrittene Degeneration oder bei Überlastung der Bandscheibe kann die Bandscheibenhülle auch sprengen: Ein Teil des gallertförmigen Kerns der Bandscheibe tritt beim Bandscheibenvorfall in den Nervenkanal oder in den Bereich der Nervenwurzeln der Wirbelsäule aus. Auf die Nerven wird durch die hervorgetretene Masse des Bandscheibenvorfalls entweder ein mechanischer Druck erzeugt, oder das chemische Milieu in der Umgebung der Nerven so verändert, dass starke Rückenschmerzen und deutliche Funktionseinschränkung der Wirbelsäule auftreten. Diese Schmerzen können weit in andere Körperteile hinein ausstrahlen, und dort von Lähmung, Gefühlsstörung und Kribbeln begleitet sein.

Wann muss die Bandscheibe nach Bandscheibenvorfall operiert werden?

In fast allen Fällen bildet sich die Bandscheibenmasse wieder von alleine zurück: Sie wird vom Körper innerhalb einiger Monate resorbiert. Eine konservative Therapie und medikamentöse Schmerztherapie ist in vielen Fällen völlig hinreichend. Manchmal sind die Auswirkungen auf das Nervensystem oder die dadurch ausgelösten Schmerzen aber so stark, dass der Bandscheibenvorfall operativ behandelt werden muss.

Als Standardbehandlung wird hier eine offene Bandscheibenoperation durchgeführt. Durch die zunehmende Entwicklung endoskopischer (minimalinvasiver) Methoden der Bandscheibenchirurgie, ist es aber auch möglich, in bestimmten Fällen den Bandscheibenvorfall ohne offene Operation zu behandeln. Diese OP erfolgt durch eine Kanüle - eine Art Injektionsnadel, ohne Schnitt und Naht. Die Heilungszeit des Patienten ist dadurch deutlich beschleunigt und die Komplikationsrate deutlich geringer, im Vergleich zur offenen Bandschieben-OP.

Was bedeutet Nucleoplastie?

Bei der Nucleoplastie handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren zur Therapie bandscheibenbedingter Rückenschmerzen und Beinschmerzen.

Behandelt werden kleinere Bandscheibenvorfälle oder Bandscheibenvorwölbungen, die den festen Fasering der Bandscheibe nicht durchbrochen haben. Sie sind damit einem offenen chirurgischen Verfahren mit operativer Entfernung des Bandscheibenmaterials nicht zugänglich.

Das Prinzip der Nukleoplastie beruht hier auf einer minimalen Schrumpfung des gallertartigen Bandscheibenkernes. Durch den eintretenden Schrumpfungseffekt zieht sich die nach hinten zum Rückenmark vorgewölbte Bandscheibe zurück, der eingeengte Nerv wird entlastet, Beinschmerzen und Rückenschmerzen klingen ab.

Rücken Schmerz Nucleoplastie Operation
  1. Einführung der Leithülse in das betroffene Bandscheibenfach.
  2. Vorschieben der Hochfrequenzsonde
  3. Entfernung von überschüssigem Bandscheibenmaterial durch kegelförmige Bewegung der Sonde unter Stromapplikation.

Wie ist der Ablauf einer Nucleoplastie?

Nucleoplastie - frei

Unter stetiger Röntgenkontrolle oder unter computertomographischer Durchleuchtung wird eine wenige Millimeter starke Kanüle in das Bandscheibenfach eingeführt. Nach Lagekontrolle in mehreren Ebenen des Röntgengeräts erfolgt dann das Einführen einer Sonde an deren Spitze die Applikation von hochfrequentem Strom möglich ist.

Mit Hilfe dieser Sonde wird über den sogenannten Coblationseffekt schonend unter geringer Temperaturentwicklung Bandscheibengewebe aus der Bandscheibe verdampft und gleichzeitig abgesaugt.

Die Sonde ist am Ende leicht gebogen, so dass unter Drehung und mehrfachem Vor- und Zurückschieben zahlreiche Kanäle in der Bandscheibe geschaffen werden.

Hierdurch entsteht ein Vakuumeffekt, der nach außen getretenes Bandscheibenmaterial in den Bandscheibeninnenraum zurückzieht. Die Bandscheibe verhält sich wie ein vollständig aufgeblasenen Luftballon, aus dem etwas Luft abgelassen wird. Die Funktion des Ballons bleibt erhalten, das Gesamtvolumen wird nur etwas vermindert. Jedoch verschwinden die mit hohen Drücken belasteten Vorwölbungen. Übertragen auf die Bandscheibe kommt es hier zum Rückzugs des vorgewölbten Bandscheibeninneren (Nucleus pulposus) und in Folge auch zum Rückzug des Faserringes.

Der Druck auf die betroffene Nervenwurzel lässt nach, Rückenschmerzen und Beinschmerzen klingen ab.

Wie sind die Erfolgschancen und welche Risiken gibt es?

Die Erfolgschancen bei diesem Verfahren sind mit über 80% zufriedener Patienten sehr gut. Jedoch kann auch dieses Verfahren nur bei strenger und differenzierter Indikationsstellung zum Erfolg führen. Die Nachbehandlung in Form einer intensiven Rehabilitation beim Physiotherapeuten ist zwingend erforderlich, um das erreichte Ergebnis zu halten, muskuläre Dysbalancen zu beseitigen und eine rückenschonende Lebensweise zu erlernen.

Grundsätzlich gibt es keine Operation ohne Risiko. Allerdings lassen sich die operationsspezifischen Risiken, zum Beispiel die einer Nervenverletzung, auf ein Minimum reduzieren. Der Patient hat beim Eingriff nur eine Dämmerschlafnarkose, keine Vollnarkose. Dadurch ist die Möglichkeit der Kommunikation an entscheidenden Stellen der Operation mit dem Patienten möglich. Die vor allen Dingen beim Patienten gefürchtete Komplikation der Nervenverletzung mit Lähmungserscheinungen kann so in allen Fällen vermieden werden.

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Bijan Ganepour
Facharzt für Neuro- chirurgie an der Gelenk-Klinik