Orthopädische Gelenk-Klinik

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Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS): den Schmerz mit eigenen Waffen schlagen

  1. Wie läuft die Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation ab?
  2. Bei welchen Schmerzen wird TENS eingesetzt?
  3. TENS-Therapie als Alternative zu Schmerzmitteln
  4. Gegenanzeigen und Einschränkungen von TENS
  5. Sonderfall: Nervenstimulation bei Fußheberschwäche
Transkutane Elektrische Nervenstimulation zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation ist ein konservatives Verfahren zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen. © Köpenicker, Fotolia

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ist ein elektromedizinisches Therapieverfahren, welches vor allem zur Behandlung von Schmerzen und zur Muskelstimulation eingesetzt wird.

Die elektrische Reizung von Hautarealen erfolgt über Oberflächenelektroden. Dabei unterbindet der elektrische Reiz die Schmerzübertragung der Nerven zwischen Gehirn und Entstehungsort des Schmerzes. Zudem regt das Verfahren die Bildung von körpereigenen Botenstoffen (Endorphinen) an, die ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.

Wie läuft die Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation ab?

Elektrische Impulse, die durch die Haut in die betroffenen Körperregionen geleitet werden, können gezielt zur Schmerzlinderung beitragen. Dafür werden Elektroden auf die Haut geklebt, die den Strom des TENS-Gerätes auf den Körper übertragen.

Einzelne Parameter (Frequenz, Impulsbreite, Stromstärke) sowie verschiedene Stimulationsmuster (kontinuierliche, Burst-, amplituden- oder frequenzmodulierte Stimulation) bestimmen die unterschiedliche Wirkweise und die daraus resultierenden schmerzlindernden Effekte. Eine TENS-Anwendung dauert zwischen 20 und 50 Minuten.

Die Behandlung erfolgt zuhause in Selbstanwendung mit handlichen, mobilen Geräten nach Erprobung und Einweisung durch den Arzt. Er zeigt Ihnen genau, wo Sie die Elektroden aufkleben müssen und erklärt Ihnen die Funktionsweise des TENS-Gerätes. Beachten Sie, dass Sie bei sehr starker Körperbehaarung die betroffene Stelle gegebenenfalls rasieren müssen.

Cremen Sie die behandelten Hautareale nach der Anwendung mit einer feuchtigkeitsspendenden Hautlotion ein und beobachten Sie, ob eventuell Hautreizungen auftreten.

Wie lange und wie häufig wendet man TENS an?

In der Regel fangen Patienten mit 20- bis 30-minütigen TENS-Anwendungen 3 bis 4 Mal am Tag an. Je nach individueller Situation und Verträglichkeit können Dauer und Häufigkeit auf 5 - 6 Mal 1 Stunde pro Tag gesteigert werden. Allerdings sollten Sie auf Verhärtungen des Gewebes achten und im Zweifel Ihren behandelnden Arzt konsultieren.

TENS-Geräte sind mittlerweile frei käuflich, sie werden jedoch am besten für Ihre speziellen Ansprüche vom Arzt verordnet. Bei entsprechenden Indikationen wird zumindestens die Ausleihgebühr von Ihrer Krankenkasse übernommen.

Bei welchen Schmerzen wird TENS eingesetzt?

Orthopäden unterscheiden zwei Arten von Schmerz: Akute Schmerzen und chronische Schmerzen. Akute Schmerzen dienen dem Körper als Warnsignal und weisen auf einen vor kurzem entstandenen Schaden oder eine Verletzung hin. Damit hat akuter Schmerz eine biologisch wichtige Schutzfunktion für den Patienten.

Chronische Schmerzen dagegen haben sich im Schmerzgedächtnis über längere Zeit verfestigt. Chronische Schmerzen sind vom Körper erlernte Zustände, die länger als drei Monate dauern. TENS kommt bei beiden Schmerzformen zum Einsatz, zum Beispiel bei

TENS-Therapie als Alternative zu Schmerzmitteln

TENS bei Knieschmerzen Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation kann den Schmerzmittelbedarf bei Arthroseschmerzen (z. B. im Knie) deutlich senken oder sogar ganz ersetzen. © photophonie, Fotolia

Das TENS-Verfahren eignet sich zur Therapie von akuten und chronischen Schmerzen verschiedenster Ursache. Da der Behandlungserfolg von Patient zu Patient variiert, testet der Therapeut die elektrischen Reizparameter und die optimalen Elektrodenpositionen bei jedem Patienten individuell.

Die besten Erfolge sind bei akuten und subakuten Schmerzen zu erwarten. Bei chronischen Schmerzen ist die Wirksamkeit anfangs oft gut, lässt jedoch nicht selten nach einigen Wochen nach. Im günstigsten Fall können Patienten nach einer TENS-Behandlung ihre Schmerzmitteleinnahme reduzieren oder sogar ganz absetzen. Der Erfolg beruht auf der Unterbindung der Schmerzweiterleitung über die Nerven zwischen Gehirn und Schmerzursprung.

Besonders bei Schmerzmittelunverträglichkeiten wie den weit verbreiteten Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) kann TENS den Patienten eine gute Alternative in der Schmerzbehandlung bieten.

Gegenanzeigen und Einschränkungen von TENS

Die Schmerztherapie durch TENS ist nicht ganz frei von unerwünschten Nebenwirkungen und muss - ebenso wie die medikamentöse Schmerztherapie - genau erwogen werden. Eine dauerhafte TENS Behandlung darf eine kausale Klärung von Schmerzursachen nicht ersetzen. Vielmehr kann TENS den Spielraum schaffen, um mit Physiotherapie oder operativen Methoden Funktion und Struktur eines Gelenks und der an der Gelenkfunktion beteiligten Gewebe wie Sehnen, Muskeln, Schleimbeutel wieder herzustellen.

Langfristig kann die TENS-Behandlung zu Verspannung und Verhärtung von Geweben Muskulatur führen. TENS sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. Als Wellness-Gerät für den Freizeitbereich ist ein TENS-Reizstromgerät nicht zu empfehlen. Achtung: Eine absolute Gegenanzeige für die TENS-Behandlung besteht für Menschen mit Herzschrittmachern!

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation ist ein konservatives Therapieverfahren, das praktisch nebenwirkungsfrei ist. In wenigen Fällen kann es zum sogenannten Überstimulationssyndrom kommen. Dabei verstärkt das TENS-Gerät aufgrund einer schlecht eingestellten Intensität die Schmerzen. Wenn Sie derartige Symptome beobachten, wenden Sie sich an Ihren Arzt, um die Stimulationsparameter anzupassen. Auch Hautreizungen oder allergische Reaktionen sind möglich, treten aber nur selten auf.

Sonderfall: Nervenstimulation bei Fußheberschwäche

Einer Fußheberschwäche können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Neben einem Unfall mit Beteiligung des zentralen Nervensystems, einem Bandscheibenvorfall oder einem Schlaganfall können auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson dafür verantwortlich sein.

Aufgrund einer gestörten Übertragung der Nervenimpulse vom Gehirn auf den Wadenmuskel (Musculus peroneus) kommt es zu Lähmungserscheinungen im Bereich des Fußes. Der Patient kann seinen Fuß nicht mehr richtig anheben und hat Probleme beim Gehen.

Die mit der TENS verwandte funktionelle Elektrostimulation (FES) stimuliert den nicht mehr angesprochenen Nerven, wodurch es zu einer Muskelkontraktion des Wadenmuskels kommt. Das Gerät wird dabei in Form einer Manschette um das betroffene Bein gelegt. So verhindert es Stürze und trägt zu einem normalen Gangbild bei. Zudem trainiert die Methode das Gehirn, wieder selbstständig Nervenimpulse in den Muskel zu senden.

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