Aufbau der Wirbelsäule aus drei Segmenten Rückenspezialisten teilen die Wirbelsäule in drei Bereiche ein: Lendenwirbelsäule (LWS, rot), Brustwirbelsäule (BWS, blau) und Halswirbelsäule (HWS, gelb). Im Bereich der LWS wird der Rücken auch unterer Rücken genannt, im Bereich der BWS mittlerer oder oberer Rücken. Die Halswirbelsäule bildet den Nacken oder Nackenbereich. © SciePro, Adobe Stock

Rückenschmerzen im mittleren Rücken oder oberen Rücken, also etwa vom unteren Bereich des Brustkorbs bis zur Höhe des oberen Randes der Schulterblätter, sind deutlich seltener als Kreuzschmerzen oder Schmerzen im Nackenbereich (Nackenschmerzen oder HWS-Syndrom). Ebenso wie diese beruhen sie aber meist auf Verspannungen und Fehlhaltungen und zählen damit zu den unspezifischen Rückenschmerzen. Ernste Erkrankungen stecken also nur selten hinter Rückenschmerzen im mittleren oder oberen Rücken, die häufig auch als BWS-Syndrom bezeichnet werden. Ob harmlos oder ernst - dies zu unterscheiden ist Aufgabe des Rückenspezialisten. Er erkennt, ob Selbsthilfemaßnahmen für die Linderung der Schmerzen ausreichen oder ob spezifische Maßnahmen erforderlich sind.

Ursachen für Rückenschmerzen im mittleren und oberen Rücken

Die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen im mittleren oder oberen Rücken - egal an welcher Stelle oder in welcher Form - sind unspezifischer Natur, das heißt, sie werden nicht durch eine bestimmte Erkrankung ausgelöst unspezifische Rückenschmerzen. Durch Fehlhaltungen, einseitige Belastungen, Stress oder Übergewicht kann der Rücken im Bereich der Brustwirbelsäule zu stark belastet werden. Es kommt zu Verspannungen der Muskeln, Verkürzung von Bändern oder Verfestigung von Faszien, die sich nach einiger Zeit durch Schmerzen bemerkbar machen. Unspezifische Schmerzen können rechts, links und mittig im Bereich des mittleren bzw. oberen Rückens auftreten.

Allerdings gibt es auch am mittleren oder oberen Rücken spezifische Ursachen, die zu Schmerzen führen. Sie beruhen auf Erkrankungen des Bewegungsapparats, der Nerven oder innerer Organe. Auch angeborene Wachstumsstörungen wie beim Morbus Scheuermann führen zu Schmerzen in der Brustwirbelsäule.

Schmerzart führt zur Ursache

Die Ausprägung der Schmerzen im mittleren oder oberen Bereich des Rückens - drückend, stechend oder ziehend - sowie Ort und Zeitpunkt des Auftretens helfen dem Rückenspezialisten, die richtige Diagnose zu stellen. Auch Begleitbeschwerden liefern wichtige Hinweise auf ihre Ursache.

  • Brennende oder stechende Schmerzen im Verlauf eines Rippenbogens werden oft von Interkostalneuralgien verursacht. Sie werden meist durch Husten verstärkt.
  • Manchmal kommen auch Sensibilitätsstörungen wie ein Gefühl der Taubheit in umschriebenen Hautbereichen an der Brust dazu.
  • Treten die Schmerzen nur nachts im Liegen auf, kann ein Bandscheibenvorfall dahinterstecken.
  • Einseitige Schmerzen können auf Arthrose, Gelenkblockaden oder Rippenfellentzündungen beruhen. Bei Letzterem schmerzt oft auch das Atmen.
  • Gleichzeitige Probleme mit der Atmung sind manchmal mit einer Lungenerkrankung oder einer Erkrankung des Rippenfells verbunden. Häufiger stecken jedoch Verspannungen der Muskulatur zwischen den Rippen oder des Zwerchfells dahinter.
  • Schmerzen bei tiefer Atmung oder blitzartige Anfälle, nicht mehr Durchatmen zu können, liegen manchmal an einem Kostotransversalgelenk-Syndrom.
  • Schmerzen, Rötung und Bläschen in einem begrenzten Hautabschnitt am Rumpf sind typische Zeichen einer Gürtelrose.
  • Gürtelförmige Rückenschmerzen weisen oft auf Gallenprobleme hin. Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Magengeschwüre können ebenfalls in den mittleren Rücken ausstrahlen. Sie sind dann z.B. von Appetitlosigkeit, Magenschmerzen oder Durchfall begleitet.

Auch die Niere kann schmerzhaft in den mittleren Rücken ausstrahlen. Für eine Nierenbeckenentzündung sprechen gleichzeitige Schmerzen beim Wasserlassen und Fieber.

Folgende Erkrankungen der Wirbelsäule verursachen spezifische Schmerzen im mittleren oder oberen Rücken:

Herz oder Rücken als Schmerzauslöser?

Frau mit Brustschmerzen Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule können auch vom Herzen ausgehen. © Tharakorn, iStock

Schmerzen im Bereich der Brust lösen bei vielen Menschen Panik aus. Denn nicht nur die Wirbelsäule kann für Brustschmerzen verantwortlich sein, sondern auch das Herz. Ein Herzinfarkt bzw. eine Angina pectoris (Brustenge) verursacht ähnliche Symptome wie ein BWS-Syndrom. Die Schmerzen können in den Rücken oder bis in die Arme ausstrahlen.

Doch woran erkennt man, ob die Beschwerden von der Brustwirbelsäule ausgehen oder kardial bedingt sind?

Zunächst ist die Situation, in der die Schmerzen auftreten, relevant für die richtige Diagnose. Treten die Beschwerden nach körperlicher Belastung wie beispielsweise einem Sprint oder beim Treppensteigen auf, spricht dies für eine kardiale (vom Herzen ausgehende) Problematik. Lösen bestimmte Bewegungen wie Bücken oder das Hochheben eines Gegenstandes die Schmerzen aus, ist die Ursache eher in der Wirbelsäule zu suchen.

Bei einem akuten Herzinfarkt treten zusätzlich zu Brust- und Armschmerzen Symptome wie Übelkeit, Kaltschweißigkeit oder Erbrechen auf. In diesem Fall muss sofort die 112 bzw. ein Notarzt gerufen werden.

Ob tatsächlich ein Infarkt hinter den Beschwerden steckt, erkennt der Arzt im EKG (Elektrokardiogramm) und mithilfe spezieller Labordiagnostik. In Zweifelsfällen hilft auch eine Echokardiografie, also eine Ultraschalluntersuchung des Herzens weiter.

Wann zum Arzt bei Schmerzen im mittleren und oberen Rücken?

Der Orthopäde untersucht die Wirbelsäule im Rückenzentrum der Gelenk-Klinik Untersuchung der Wirbelsäule durch den Rückenspezialisten in der Gelenk-Klinik. © Gelenk-Klinik

Tauchen Rückenschmerzen das erste Mal auf, ist es immer besser, diese beim Orthopäden abklären zu lassen. In den meisten Fällen kann der Rückenspezialist nach einer gründlichen Anamnese, der körperlichen Untersuchung und - wenn erforderlich - auch mithilfe der passenden Bildgebung Entwarnung und Tipps zur Selbsthilfe geben.

Auch wenn bekannte, gewohnte Rückenschmerzen immer stärker werden oder neue Begleitbeschwerden auftauchen, ist die Kontrolle beim Arzt angezeigt.

Findet der Arzt eine Erkrankung oder eine behandelbare Ursache für die Rückenschmerzen, bespricht er mit dem Patienten die therapeutischen Möglichkeiten und leitet dann die Behandlung ein.

Sofort zum Arzt!

Unverzüglich sollten Sie sich man sich zum Arzt begeben oder den Arzt rufen, wenn folgende Warnsignale auftauchen:

  • Lähmungen (Paresen)
  • Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühl (Parästhesien)
  • therapieresistente Schmerzen, die sich stark verschlimmern.