- Was ist ein Kinesio-Tape?
- Wann kann ein Kinesio-Tape eingesetzt werden?
- Wie wirkt ein Kinesio-Tape?
- Wann sollte kein Kinesio-Tape angelegt werden?
- Wer legt das Kinesio-Tape an?
- Hinweise zum Gebrauch von Kinesio Tapes
Kinesio-Tapes werden häufig zur Stabilisierung eingesetzt, z. B. am Knie oder am Sprunggelenk, © baranq, adobe
Kinesio-Tapes sind farbige, elastische Klebebänder, die bei Schmerzen, Verletzungen und Überlastungen des Bewegungsapparates ergänzend eingesetzt werden. Im Einzelfall können sie hilfreich sein. Eine nachhaltige Wirkung der Klebebänder konnte bisher nicht überzeugend belegt werden. Die Anlage des Kinesio-Tapes erfolgt in der Gelenk-Klinik nach ärztlicher Indikation durch Ärzte oder Sportwissenschaftler.
Was ist ein Kinesio-Tape?
Das Kinesio-Tape ist ein elastisches, selbstklebendes Tape, das auf die Haut aufgebracht wird. Aufgrund seiner besonderen Elastizität passt es sich den natürlichen Bewegungen des Körpers an und schränkt die Beweglichkeit in der Regel nicht ein. Es wird in der konservativen Therapie bei verschiedenen Beschwerden des Bewegungsapparates ergänzend eingesetzt.
In der Gelenk-Klinik wird das Kinesio-Tape ausschließlich im Rahmen eines individuellen Behandlungskonzeptes angewendet. Es ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder notwendige medizinische Behandlung. Es kommt ausschließlich als ergänzende Maßnahme in Betracht.
Wann kann ein Kinesio-Tape eingesetzt werden?
Ob die Anlage eines Kinesio-Tapes sinnvoll ist, richtet sich nach der zugrunde liegenden Diagnose und der individuellen Beschwerdesituation. Die Indikationsstellung erfolgt auf Grundlage der ärztlichen Untersuchung. Die Auswahl der geeigneten Anlagetechnik erfolgt durch die behandelnden Ärzte sowie die Sportwissenschaftler der Gelenk-Klinik.
Ein Kinesio-Tape kann beispielsweise eingesetzt werden:
- bei Muskelbeschwerden oder Muskelverspannungen,
- bei Sehnen- und Bandbeschwerden,
- zur funktionellen Unterstützung von Gelenken,
- begleitend zu physiotherapeutischen oder orthopädischen Behandlungen,
- im Rahmen der Rehabilitation nach Verletzungen oder Operationen,
- zur Unterstützung im Alltag oder bei sportlichen Aktivitäten.
Viele Patienten empfinden das Tragen eines Kinesio-Tapes als angenehm und berichten über eine subjektive Unterstützung im Alltag oder beim Sport. Der individuelle Nutzen kann jedoch unterschiedlich ausfallen.
Wie wirkt ein Kinesio-Tape?
Kinesio-Tape wird je nach Beschwerden mit unterschiedlichen Anlagetechniken auf der Haut angebracht. Dabei können durch den Kontakt des Tapes mit der Haut mechanische und sensorische Reize entstehen. Diese Reize werden als möglicher Teil der Wirkung diskutiert. Ein weiterer denkbarer Mechanismus sind Veränderungen der Propriozeption, durch die das Gehirn eine verstärkte Rückmeldung über Stellung und Bewegung des getapten Bereichs erhält. Zusätzlich könnte bei der Wirkung von Kinesio-Tapes auch ein Placeboeffekt eine Rolle spielen.
Für einzelne Anwendungsgebiete wurden unterschiedliche Effekte untersucht. So fand man z. B. in einer Übersichtsarbeit mit Sportlern, die an einer chronischen Sprunggelenksinstabilität litten, mäßige stabilisierende Effekte durch das Tapen (Biz et al., 2022).
Insgesamt ist die wissenschaftliche Evidenz für Kinesio-Tapes bisher sehr unterschiedlich, und je nach Studie fällt die Bewertung des Nutzens ganz verschieden aus. Deshalb wird auch weiterhin untersucht, ob und bei welchen Beschwerden Kinesio-Tapes tatsächlich eine Wirkung haben.
Zu welchen Komplikationen kann es durch das Kinesio-Tape kommen?
Kinesio-Tapes werden bei sachgerechter Anwendung in der Regel gut vertragen. Trotzdem können in Einzelfällen Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören Hautreizungen mit Rötung, Juckreiz, Brennen oder Schwellungen. Sehr selten kommt es auch zu allergischen Reaktionen auf den Kleber. Wird das Tape falsch aufgeklebt – z. B. zu stark gespannt – sind Schmerzen, Druckgefühl und sogar Durchblutungsstörungen möglich.
Wann sollte kein Kinesio-Tape angelegt werden?
In bestimmten Situationen sollte auf eine Tape-Anlage verzichtet oder diese vorher fachlich abgeklärt werden (Cheatham et al., 2021).
Dazu gehören insbesondere:
- sehr dünne, empfindliche oder verletzliche Haut, beispielsweise Pergament- bzw. Altershaut;
- Hautreizungen, Hautschäden oder akute Hauterkrankungen, z. B. Pilzinfektionen, ausgeprägte Rötungen oder Entzündungen;
- offene Wunden oder andere Verletzungen der Haut;
- bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten gegenüber dem verwendeten Klebematerial oder anderen Bestandteilen des Tapes;
- auffällige oder nicht abgeklärte Hautveränderungen, beispielsweise erhabene Muttermale;
- akute Infektionen oder Fieber;
- bekannte Tumorerkrankungen;
- Gerinnungsstörungen;
- akute Gefäßerkrankungen, beispielsweise Thrombosen oder Thrombophlebitiden.
Auch bei einer längerfristigen Einnahme von Kortison oder anderen Medikamenten, die die Haut empfindlicher machen können, sollte die Tape-Anlage individuell beurteilt werden.
Ob weitere Gründe gegen eine Tape-Anlage sprechen, wird vor der Behandlung individuell geprüft.
Wer legt das Kinesio-Tape an?
Zuschnitt und Anlage eines Kinesio-Tapes sollte nur durch geschultes medizinisches Personal erfolgen. © yavdat, adobe
Die Indikationsstellung erfolgt auf Grundlage der ärztlich gestellten Diagnose. Das für die jeweilige Indikation geeignete Kinesio-Tape und die entsprechende Anlagetechnik werden individuell ausgewählt.
Die Anlage des Kinesio-Tapes erfolgt in der Gelenk-Klinik durch Ärzte oder Sportwissenschaftler.
Hinweise zum Gebrauch von Kinesio Tapes
Ein Kinesio-Tape verbleibt in der Regel drei bis fünf Tage auf der Haut. Die tatsächliche Tragedauer hängt unter anderem von der behandelten Körperregion, der körperlichen Belastung sowie den individuellen Haut- und Pflegegewohnheiten ab.
Löst sich das Tape an den Rändern, wird es stark fransig oder haftet es nicht mehr ausreichend, kann es entfernt werden.
Treten während des Tragens Hautrötungen, Juckreiz oder andere Hautreizungen auf, sollte das Kinesio-Tape zeitnah entfernt werden. Bei anhaltenden Beschwerden empfehlen wir eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
Zum Entfernen sollte das Kinesio-Tape langsam und möglichst in Haarwuchsrichtung abgezogen werden. Bei Bedarf kann etwas Haut- oder Babyöl das Ablösen erleichtern.
Verwendetes Material
Das in der Gelenk-Klinik verwendete Kinesio-Tape besteht aus 96 % Baumwolle und 4 % Elastan. Der hautfreundliche Acrylatkleber wird in Wellenform aufgebracht. Das Material ist luft- und wasserdurchlässig sowie wasserbeständig und bietet dadurch einen hohen Tragekomfort sowie eine gute Hautverträglichkeit.
Kosten
Für Privatpatienten erfolgt die Abrechnung der Kinesio-Tape-Anlage analog nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die Kosten einschließlich des verwendeten Materials betragen – abhängig von Art und Umfang der Anlage – etwa 13 bis 23 Euro.
Da das Kinesio-Tape wasserbeständig ist, kann es in der Regel beim Duschen, Baden und Schwimmen getragen werden. Um eine möglichst lange Haltbarkeit zu gewährleisten, sollte das Tape nach dem Kontakt mit Wasser vorsichtig trocken getupft und nicht trocken gerieben werden.
Für gesetzlich versicherte Patienten stellt die Kinesio-Tape-Anlage eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) dar und wird als Selbstzahlerleistung berechnet.
Literatur
- Biz, C., Nicoletti, P., Tomasin, M., Bragazzi, N. L., Di Rubbo, G., & Ruggieri, P. (2022). Is Kinesio Taping Effective for Sport Performance and Ankle Function of Athletes with Chronic Ankle Instability (CAI)? A Systematic Review and Meta-Analysis. Medicina (Kaunas, Lithuania), 58(5), 620. https://doi.org/10.3390/medicina58050620
- Kellish, A. S., Kellish, P., Hakim, A., Miskiel, S., Shahi, A., & Kellish, A. (2020). What Is the Effect on Kinesio Taping on Pain and Gait in Patients With Patellofemoral Pain Syndrome? Cureus, 12(7), e8982. https://doi.org/10.7759/cureus.8`
- Cheatham, S. W., Baker, R. T., & Abdenour, T. E. (2021). Kinesiology Tape: A Descriptive Survey of Healthcare Professionals in the United States. International journal of sports physical therapy, 16(3), 778–796. https://doi.org/10.26603/001c.22136