- Was ist eine Lisfranc-Verletzung?
- Typische Beschwerden bei der Lisfranc-Verletzung
- Ursachen einer Lisfranc-Verletzung
- Wie wird eine Lisfranc-Verletzung diagnostiziert?
- Welche Folgen kann eine übersehene Lisfranc-Verletzung haben?
- Konservative Behandlung der Lisfranc-Verletzung
- Operationsmöglichkeiten bei der Lisfranc-Verletzung
- Häufige Patientenfragen zum Thema Lisfranc-Verletzung an Dr. medic Alin-Gabriel Jicmon von der Gelenk-Klinik
Zwischen Fußwurzel und Mittelfuß befindet sich die Lisfranc-Gelenklinie oder das Lisfranc-Gelenk. Es bezeichnet den Bereich zwischen den Gelenken der Mittelfußknochen und den Fußwurzelknochen, den sogenannten Tarsometatarsal-Gelenken. © Viewmedica
Bei einer Lisfranc-Verletzung sind Gelenke und Bänder im Bereich des Mittelfußes geschädigt. Betroffen ist vor allem die Verbindung zwischen den Fußwurzelknochen – den drei Keilbeinen und dem Würfelbein – und den Mittelfußknochen. Die Verletzung kann durch einen schweren Unfall entstehen, aber auch durch eine vergleichsweise leichte Verdrehung des belasteten, nach unten gebeugten Fußes, etwa beim Sport. Typische Beschwerden sind Schmerzen im Mittelfuß, die beim Auftreten und Abrollen zunehmen. Häufig kommen eine Schwellung und ein Bluterguss hinzu. Insbesondere ein Bluterguss an der Fußsohle ist ein wichtiges Warnzeichen.
Lisfranc-Verletzungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Bleibt eine Instabilität des Mittelfußes unbehandelt, kann es zu chronischen Schmerzen, Fehlstellungen und einer posttraumatischen Lisfranc-Arthrose kommen. Bei stabilen, nicht verschobenen Verletzungen reicht häufig eine konservative Behandlung aus. Eine bleibende Instabilität oder Fehlstellungen erfordern meist eine operative Stabilisierung.
Was ist eine Lisfranc-Verletzung?
Eine Lisfranc-Verletzung betrifft die sogenannte Lisfranc-Gelenklinie, auch Tarsometatarsallinie genannt. An diesem Übergang zwischen der Fußwurzel (Tarsus) und den Mittelfußknochen (Metatarsalknochen) treffen die fünf Mittelfußknochen auf die drei Keilbeine und das Würfelbein. Diese Tarsometatarsalgelenke sind für die Stabilität des gesamten Fußes sehr wichtig.
Die Lisfranc-Gelenklinie bildet das stabile Zentrum des Fußes. Über sie werden beim Gehen und Laufen die Kräfte vom Rückfuß auf den Vorfuß übertragen. Gleichzeitig trägt sie dazu bei, das Längs- und Quergewölbe des Fußes zu erhalten.
Die Stabilität dieses Bereiches beruht auf einem besonderen anatomischen Aufbau. Der zweite Mittelfußknochen sitzt wie der Schlussstein einer Brücke zwischen den drei Keilbeinen. Dieses sogenannte Keilprinzip sorgt bereits für eine hohe knöcherne Stabilität.
Zusätzlich bilden Knochen, Bänder und Sehnen ein funktionelles Spiral- oder Verschlusssystem. Beim Auftreten blockiert sich der Fuß dadurch selbst und wird stabil. Gleichzeitig bleibt er beweglich genug, um ein natürliches Abrollen zu ermöglichen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Lisfranc-Band. Es verbindet das mediale Keilbein mit der Basis des zweiten Mittelfußknochens und gehört zu den wichtigsten Stabilisatoren des Mittelfußes.
Wird dieses komplexe System verletzt, verliert der Mittelfuß seine Stabilität. Bereits kleine Verschiebungen können die Biomechanik des gesamten Fußes verändern und unbehandelt zu chronischen Schmerzen, Fehlstellungen und einem frühzeitigen Gelenkverschleiß der Fußwurzel (Lisfranc-Arthrose) führen.
Typische Beschwerden bei der Lisfranc-Verletzung
Ein nach einem Unfall aufgetretener Bluterguss an der Fußsohle ist ein Hinweis auf eine Verletzung des Lisfranc-Gelenks. © Dr. medic Jicmon, Gelenk-Klinik
Typisch sind Schmerzen im Bereich des Mittelfußes. Besonders beim Auftreten oder Abrollen nehmen die Beschwerden zu. Häufig schwillt der Fuß deutlich an und kann nur eingeschränkt belastet werden.
Ein wichtiger Hinweis ist ein Bluterguss an der Fußsohle im Bereich des Mittelfußes. Dieses Zeichen spricht häufig für eine Verletzung des Lisfranc-Gelenkes.
Bleiben Schmerzen und Schwellung über mehrere Tage bestehen oder verschlimmern sich die Beschwerden beim Gehen, sollte die Ursache genauer untersucht werden.
Ursachen der Lisfranc-Verletzung
Beim Fußball kann eine ungünstige Kombination aus Belastung und Verdrehung des nach unten gebeugten Fußes zu einer Lisfranc-Verletzung führen. © matimix, Adobe
Lisfranc-Verletzungen entstehen nach schweren Unfällen, können aber auch nach scheinbar harmlosen Verletzungen im Alltag oder beim Sport auftreten. Typische Ursachen sind Sportverletzungen, beispielsweise beim Fußball, Handball, Tennis oder Skifahren. Auch Stürze von einer Leiter oder Verkehrsunfälle können zu einer Lisfranc-Verletzung führen.
Der typische Verletzungsmechanismus ist eine Verdrehung oder axiale (längsgerichtete) Belastung des plantar flektierten, also nach unten gebeugten Fußes. Dabei kann nicht nur der Bandapparat des Mittelfußes verletzt werden. Zusätzlich können auch Frakturen oder Verrenkungen auftreten.
Der Schweregrad der Verletzung lässt sich nicht zuverlässig allein anhand der vermuteten Unfallenergie beurteilen. Auch nach einem leichten Trauma kann insbesondere bei einer reinen Bandverletzung eine relevante Instabilität des Mittelfußes entstehen. Solche Verletzungen werden nach kleinen Unfällen mit wenig Energie (sogenannten Niedrigenergietraumata) zudem vergleichsweise häufig übersehen.
Wie wird eine Lisfranc-Verletzung diagnostiziert?
Lisfranc-Verletzung mit Abriss des Lisfranc-Ligaments bei Fraktur des zweiten Mittelfußknochens und des mittleren Keilbeins. © Dr. medic Jicmon, Gelenk-Klinik
Am Anfang steht eine gründliche Befragung. Der Arzt lässt sich den Unfallmechanismus schildern und den Bereich und das Ausmaß der Schmerzen beschreiben. Bei der klinischen Untersuchung achtet er auf typische Zeichen wie eine Schwellung oder einen Bluterguss an der Fußsohle. Auch Druckschmerzen über dem Tarsometatarsalgelenk sprechen für eine Lisfranc-Verletzung, ebenso Schmerzen beim Abheben der Zehen bei vorsichtiger Belastung.
Im akuten Stadium werden zunächst Röntgenaufnahmen des Fußes in mehreren Ebenen angefertigt. Wenn möglich, sollte dies unter Belastung erfolgen. Bei starken Schmerzen oder ausgeprägter Instabilität ist das unmittelbar nach dem Unfall jedoch häufig nicht machbar. In solchen Fällen können zunächst unbelastete Aufnahmen durchgeführt und bei anhaltendem Verdacht später belastete Röntgenaufnahmen beider Füße zum Seitenvergleich ergänzt werden.
Vertikale Instabilität des Lisfranc-Gelenkes. Rechts im Bild erkennt man, wie der Knochen nach oben abweicht. © Dr. medic Jicmon, Gelenk-Klinik
Häufig ergänzt eine Computertomographie (CT) die Diagnostik, um Frakturen besser beurteilen zu können. Besonders gut lassen sich Verletzungen auch mithilfe der digitalen Volumentomographie (DVT) darstellen, ergänzend kann auch die Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein.
Entscheidend ist bei der Diagnostik nicht allein der Nachweis einer Fraktur - auch wenn bei einer Lisfranc-Verletzung häufig die Basen der Mittelfußknochen gebrochen sind. Wichtig ist insbesondere die Frage, ob eine Instabilität des Lisfranc-Gelenkkomplexes beziehungsweise des Mittelfußes vorliegt.
Warum werden subtile Lisfranc-Verletzungen häufig übersehen?
Subtile Lisfranc-Verletzungen gehören zu den häufig übersehenen Verletzungen des Fußes. Oft fehlt eine deutliche Fehlstellung, und die Beschwerden wirken zunächst wie eine einfache Verstauchung. Auch konventionelle Röntgenaufnahmen können insbesondere bei nicht belasteten Aufnahmen unauffällig sein.
Bessern sich die Schmerzen nach einigen Tagen nicht deutlich oder bestehen weiterhin Beschwerden beim Auftreten, sollte die Verletzung erneut ärztlich beurteilt werden. Oft lässt sich die Instabilität erst dann mit belasteten Aufnahmen erkennen.
Welche Folgen kann eine übersehene Lisfranc-Verletzung haben?
Eine unbehandelte Instabilität des Mittelfußes kann langfristig erhebliche Folgen haben. Durch den Verlust der stabilen Verbindung zwischen Fußwurzel und Mittelfuß verändert sich die gesamte Statik des Fußes. Das Fußgewölbe kann absinken und die Gelenke werden dauerhaft falsch belastet.
Lisfranc-Gelenk (tarsometatarsales Gelenk, gelbes Oval) einer 70-jährigen Patientin mit Arthrose im Röntgenbild. © Gelenk-Klinik
Die Folge sind chronische Schmerzen, zunehmende Fehlstellungen und ein frühzeitiger Gelenkverschleiß (Lisfranc-Arthrose). Viele Patienten benötigen dann aufwändigere rekonstruktive Eingriffe oder Versteifungsoperationen, als dies bei einer frühzeitigen Diagnose erforderlich gewesen wäre.
Deshalb sollten anhaltende Schmerzen nach einer Verletzung des Mittelfußes immer ernst genommen und sorgfältig abgeklärt werden.
Konservative Behandlung der Lisfranc-Verletzung
Bei der konservativen Behandlung einer Lisfranc-Verletzung wird der Fuß meist mit einem speziellen Schuh entlastet. ©Andrii Lysenko, Adobe
Nicht jede Lisfranc-Verletzung muss operiert werden. Entscheidend ist, ob eine Instabilität vorliegt. Ist der Mittelfuß stabil, kann häufig eine konservative Behandlung erfolgen.
In der akuten Phase wird der Fuß hochgelagert und gekühlt, bei Bedarf verschreibt der Arzt vorübergehend Schmerzmittel. Der Fuß wird dann für sechs bis acht Wochen ruhiggestellt und konsequent entlastet oder nur teilbelastet. Dies geschieht meist mithilfe eines sogenannten Walker-Schuhs, seltener auch mit einem Unterschenkelgips. Wie lange der Fuß ruhiggestellt werden muss bzw. wie stark er belastet werden darf, entscheidet der Arzt nach den Ergebnissen der Verlaufskontrollen.
Bei stabilen Verhältnissen und rückläufigen Schmerzen kann die Belastung gesteigert werden. Begleitend ist eine Physiotherapie sinnvoll. Ihr Ziel ist, die Muskeln zu kräftigen und die Koordination zu trainieren. Manchmal verordnet der Arzt für diese Zeit auch eine stützende Einlage.
Ist der Fuß aufgrund der Lisfranc-Verletzung instabil, reicht eine konservative Behandlung meist nicht aus. Ein wichtiger Grundsatz lautet deshalb: Wir behandeln nicht den Knochenbruch, sondern die Instabilität des Mittelfußes. Sie entscheidet darüber, welche Behandlung langfristig das beste Ergebnis erwarten lässt.
Operationsmöglichkeiten bei der Lisfranc-Verletzung
Operierte Lisfranc-Verletzung. Zu sehen ist eine Stellschraube, die das Lisfranc-Gelenk stabilisiert. © Dr. medic Jicmon Gelenk-Klinik
Bei anhaltenden Schmerzen, zunehmender Fehlstellung oder einer unter Belastung nachgewiesenen Instabilität ist meist eine Operation nötig. Mit ihrer Hilfe soll die natürliche Anatomie des Mittelfußes möglichst genau wiederhergestellt werden.
Je nach Verletzung kommen für die Stabilisierung Schrauben, knorpelschonende Plattensysteme oder moderne dynamische Seilsysteme wie das TightRope®-System zum Einsatz. Der Eingriff kann dabei offen oder geschlossen erfolgen.
Grundsätzlich versuchen wir, die Gelenke zu erhalten. Nur wenn die Gelenkflächen bereits stark geschädigt sind oder die Verletzung erst spät erkannt wurde, kann eine Versteifung einzelner Gelenke die bessere Lösung sein. Welche Operationsmethode geeignet ist, richtet sich immer nach dem individuellen Verletzungsmuster.
Wie sieht die Nachbehandlung aus?
Nach der Operation wird der Fuß zunächst ruhiggestellt. In den ersten sechs Wochen erfolgt meistens nur eine Teilbelastung im Walker oder Spezialschuh, unterstützt durch Unterarmgehstützen.
Danach wird die Belastung schrittweise gesteigert und eine physiotherapeutische Behandlung begonnen. Sport ist je nach Verletzung und Heilungsverlauf häufig nach vier bis sechs Monaten wieder möglich.
Falls Schrauben oder Platten verwendet wurden, können diese nach abgeschlossener Heilung gegebenenfalls wieder entfernt werden.
Häufige Patientenfragen zum Thema Lisfranc-Verletzung an Dr. medic Alin-Gabriel Jicmon von der Gelenk-Klinik
Welcher Arzt ist bei Schmerzen nach einem Unfall mit Umknicken oder Verdrehung des Fußes zuständig?
Nach einem Unfall mit Umknicken oder Verdrehung und anhaltenden Schmerzen im Mittelfuß sind Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie die richtigen Ansprechpartner. Bei einem frischen Unfall kann auch eine unfallchirurgische Notfallambulanz oder Notaufnahme die erste Anlaufstelle sein. Das gilt besonders bei starken Schmerzen, deutlicher Schwellung, Blutergüssen an der Fußsohle oder wenn der Fuß kaum belastet werden kann.
Was ist der Unterschied zwischen einer Lisfranc-Verletzung und einer Verstauchung?
Eine Verstauchung kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein und muss nicht zu einer Instabilität führen. Bei einer Lisfranc-Verletzung sind dagegen die stabilisierenden Strukturen des Mittelfußes betroffen. Sie kann deshalb – insbesondere bei Instabilität, Verschiebung oder begleitender Fraktur – deutlich schwerwiegender sein als eine einfache Verstauchung.
Wann muss bei einer Lisfranc-Verletzung operiert werden?
Eine Operation wird vor allem dann notwendig, wenn die Verletzung instabil ist, die Gelenke im Lisfranc-Bereich deutlich verschoben sind oder ein verschobener beziehungsweise instabiler Bruch vorliegt. Ob operiert werden muss, entscheidet der Arzt anhand der klinischen Untersuchung und der Bildgebung – häufig sind dabei belastete Röntgenaufnahmen und je nach Befund CT oder MRT hilfreich.
Was passiert, wenn eine Lisfranc-Verletzung übersehen wird?
Wird eine instabile Lisfranc-Verletzung nicht erkannt und der Fuß weiterhin belastet, können sich die Gelenke dauerhaft verschieben. Dadurch können Fehlstellungen, chronische Schmerzen und eine eingeschränkte Belastbarkeit entstehen.
Eine wichtige Spätfolge sind der Verlust des Quer- und Längsgewölbes mit anschließender Fehlbelastung und die Entwicklung einer Lisfranc-Arthrose (Fußwurzelarthrose). Diese Veränderungen können zu anhaltenden Mittelfußschmerzen führen und unter Umständen später weitere operative Behandlungen erforderlich machen. Deshalb ist es wichtig, eine mögliche Instabilität frühzeitig zu erkennen und angemessen zu behandeln.
Wie kontrolliert der Arzt bei konservativer Behandlung einer Lisfranc-Verletzung die Heilung?
Bei einer konservativ behandelten Lisfranc-Verletzung muss der Arzt regelmäßig überprüfen, dass der Fuß stabil bleibt und sich keine Verschiebung entwickelt. Je nach Verletzungsmuster erfolgt die erste Kontrolle nach etwa 1–2 Wochen. Weitere Kontrollen richten sich nach Stabilität, Beschwerden und dem radiologischen Befund.
Wie lange dauert es, bis man nach der Operation einer Lisfranc-Verletzung wieder Sport treiben kann?
Das lässt sich nicht einheitlich für alle Betroffenen beantworten. Die Dauer hängt unter anderem davon ab, wie schwer die Verletzung war, welche Operation durchgeführt wurde und wie die Heilung verläuft. Leichtere sportliche Aktivitäten sind oft nach einigen Monaten wieder möglich. Bei Sportarten mit hoher Belastung, schnellen Richtungswechseln oder Sprüngen müssen die Betroffenen meist länger pausieren. Voraussetzung für die Rückkehr zum Sport ist, dass der Fuß schmerzfrei belastet werden kann und ausreichend beweglich ist. Die konkrete Freigabe erfolgt immer durch den behandelnden Orthopäden oder Unfallchirurgen.
Literatur
- Myerson MS, Fisher RT, Burgess AR, Kenzora JE. Fracture Dislocations of the Tarsometatarsal Joints: End Results Correlated with Pathology and Treatment. Foot & Ankle, 1986.
- Nunley JA, Vertullo CJ. Classification, Investigation, and Management of Midfoot Sprains (Lisfranc Injuries) in the Athlete. American Journal of Sports Medicine, 2002.
- Talaski GM et al. Weightbearing Computed Tomography vs Conventional Tomography for Examination of Varying Degrees of Lisfranc Injuries: A Systematic Review. Foot & Ankle Orthopaedics, 2023.
