Orthopädische Gelenk-Klinik

Orthopädische Gelenk-Klinik

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Kniespezialist untersucht Knieschmerzen

Kniearthrose: Gelenkerhalt bei Arthrose im Kniegelenk

  1. Was ist Kniearthrose?
  2. Ursachen und Entwicklung der Kniearthrose
  3. Symptome der Kniearthrose: typische Knieschmerzen
  4. Sport mit Arthrose im Knie, geht das?
  5. Diagnose und Untersuchung
  6. Stadien der Kniearthrose
  7. Konservative Behandlung: Ernährung, Medikamente, Physiotherapie
  8. Welche Übungen helfen bei Kniearthrose?
  9. Operationen bei Kniearthrose: Gelenkerhalt oder Gelenkersatz?
Osteophyten bei Kniearthrose Kniegelenk mit Arthrose von vorne und innen. Sichtbar ist die Kniescheibe, der Meniskus als Puffer zwischen Oberschenkel und Unterschenkel und das Innenband des Kniegelenks. Charakteristisch für die fortgeschrittene Arthrose ist auch die Bildung von Knochenanbauten (Osteophyten) im Kniegelenk. © Viewmedica

Was ist Kniearthrose?

Kniearthrose (Gonarthrose) ist die vorzeitige, nicht altersgerechte Abnutzung des Knorpels im Kniegelenk. Am Endpunkt der Gelenkerkrankung reiben die Knochen im Knie schmerzhaft aneinander. Häufig ist Kniearthrose begleitet von schmerzhaften Entzündungsprozessen, die mit einer Einschränkung der Bewegung und einer Versteifung des Kniegelenks einhergehen.

Wenn Sie morgens bei den ersten Schritten Schmerzen verspüren oder das Kniegelenk z. B. nach dem Wandern oder Joggen häufig geschwollen und überwärmt ist und zusätzlich die Beweglichkeit abnimmt, sollten Sie Ihr Kniegelenk von einem Facharzt untersuchen lassen.

Wie häufig ist Kniearthrose?

Kniearthrose ist die häufigste Form der Arthrose bei Menschen. Erst an zweiter Stelle folgt die Hüftarthrose. Fast die Hälfte aller Patienten mit Arthrose leiden unter Gonarthrose. Das sind etwa 5 % aller Erwachsenen. Unsere komplexen Kniegelenke sind bei Arbeit und Sport besonders starken Belastungen und Verletzungsrisiken ausgesetzt.

Was sind die Folgen der Kniearthrose?

Kniearthrose ist der häufigste Grund für die Implantation eines künstlichen Gelenks bzw. einer Knieprothese.

Fakten zur Arthrose im Knie

  • 70 % aller Patienten mit Kniearthrose haben eine beidseitige Arthrose in beiden Kniegelenken.
  • In einem Zeitraum von 11 Jahren entwickelten auch Patienten mit einseitiger Arthrose eine Kniearthrose auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Kniearthrose entwickelt sich zu 47 % zwischen Oberschenkel- und Schienbeinknochen.
  • 10 % aller Fälle von Kniearthrose bei Männern entstehen zwischen Oberschenkel und Kniescheibe (patellofemorale Arthrose).
  • Bei Frauen ist die patellofemorale Kniearthrose mit einem Anteil von 21 % wesentlich häufiger.
  • 41 % aller Kniearthrosen sind Mischformen.
  • Bei beiden Geschlechtern ist die mediale Kniearthrose – also Arthrose der inneren (dem Körpermittelpunkt zugewandten) Kammer des Kniegelenks am häufigsten.
  • Literatur

Therapieziel bei Kniearthrose

Vorbeugende Instandhaltung des Kniegelenks ist die effektivste Behandlung der Gonarthrose. Dabei sollte man die möglichen Ursachen der späteren Kniearthrose möglichst frühzeitig erkennen und kausal behandeln. Die vorausschauende Vermeidung der Kniearthrose ist mit unserem zunehmenden Verständnis der Mechanismen, die zu Kniearthrose führen, eine der für unsere Patienten vielversprechendsten Behandlungsformen.

Kniearthrose als Verschlechterung einer Gelenkfunktion ist ein normaler Teil des Alterns. Daher ist der Verschleiß des Kniegelenks meist nicht behandlungsbedürftig, solange noch eine altersgerechte Belastbarkeit und Beweglichkeit gegeben ist.

Eine Behandlung der Arthrose im Knie kann den Knorpel bei manchen Patienten aber vor zu schneller oder vorzeitiger Abnutzung bewahren.

Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu bekämpfen und Beweglichkeit zu erhalten.

Die Arthrosetherapie soll die Lebensqualität also langfristig und nachhaltig verbessern.

Bei dem normalen, altersbedingten Verschleiß des Kniegelenks erfolgt dies durch das Lindern der Symptome. Bei vorzeitigen Arthrosen kann eine Behandlung der Ursachen die Krankheit aber auch direkt stoppen. Damit sind wir beim spannenden, zukunftsweisenden Bereich der gelenkerhaltenden Orthopädie:

Knorpeltherapie, Umstellung von Fehlstellungen (Osteotomie), Knorpeltransplantation (Knorpelzüchtung) sowie Knieteilprothesen können eine Kniearthrose in vielen Fällen noch abwenden oder im frühen Stadium erfolgreich behandeln. Das bringt unsere Patienten wieder nahe an ihren alterstypischen Zustand heran. Vorausschauende Behandlung – im Gegensatz zu reiner Symptomtherapie – ist also sehr wichtig, um alle gelenkerhaltenden Behandlungsoptionen in die Therapie zu integrieren.

Anatomie des Kniegelenks

Kniearthrose, Gonarthrose Die Anatomie des Kniegelenks erlaubt verschiedene Lokalisationen der Kniearthrose. Das Kniegelenk hat drei Kompartimente, die separat erkranken können. Die femoropatellare Kniearthrose liegt hinter der Patella (Kniescheibe). Auf Seiten des Körpermittelpunkts liegt das innere (mediale) Kompartiment: Es es von Knorpelverschleiß befallen, spricht man von medialer Kniearthrose. Im äußeren Kompartiment kann die laterale Kniearthrose auftreten. © Istockphoto.com / MedicalArtInc

Drei Knochen bilden das Kniegelenk: Zunächst ist der Oberschenkelknochen (Femur) mit den mächtigen, walzenförmigen Femurkondylen (Gelenkköpfen), die in der Oberfläche des Unterschenkelknochens (Tibia) lagern, zu nennen. Er ist zudem mit der Kniescheibe (Patella) gelenkig verbunden, die als Sesambein (Knochen, der nur an Bändern aufgehängt ist) den Kraftübertrag der Oberschenkelmuskeln auf das Gelenk unterstützt. Sowohl die Gleitverbindung des Oberschenkels zur Kniescheibe (patellofemorales Gelenk) als auch das Gelenk zum Schienbein (Tibia) mit seinen beiden Kammern (innen = medial, außen = lateral) können von Arthrose betroffen sein. Diese unterschiedlichen Lokalisationen der Kniearthrose werden vom Spezialisten differenziert: Sie sind vor allem für die operative Behandlung wichtig.

Arten der Kniearthrose unterteilt nach Lage des Knorpelschadens

  • Laterale Kniearthrose: Diese Form der Arthrose im Knie tritt insbesondere bei X-Beinstellung auf. Hier ist vor allem der äußere Bereich des Knies betroffen. Man bezeichnet sie auch als Valgusgonarthrose.
  • Mediale Kniearthrose: Diese Art der Kniearthrose betrifft den innen liegenden (medialen) Teil des Kniegelenks. Die mediale Gonarthrose tritt vor allem bei O-Bein-Fehlstellung auf. Man bezeichnet sie auch als Varusgonarthrose.
  • Retropatellararthrose: Die Arthrose hinter der Patella (Kniescheibe) betrifft das Gelenk zwischen der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen. Man bezeichnet es als Femoropatellargelenk. Diese Arthrose wird daher auch femoropatellare Arthrose genannt.
  • Pangonarthrose: Bei der Pangonarthrose sind alle Kompartimente des Kniegelenks betroffen. Dabei sind also die Gelenkfläche des Femurs (Oberschenkelknochen), der Tibia (Schienbein) und die Patella beteiligt. Durch wiederholte Entzündungen kann sich eine lokalisierte Arthrose ohne Behandlung in eine Gonarthrose des gesamten Kniegelenks weiterentwickeln.

Mittels gelenkerhaltender operativer Therapien versuchen wir, die Arthrose im Knie auf das betroffene Kompartiment einzugrenzen. Durch Knorpeltransplantation (Knorpelzüchtung), Inlays oder Knieteilprothesen bzw. retropatellaren Prothesen können wir häufig den größten Teil des Kniegelenks erhalten. So können wir die Lebenszeit des Kniegelenks mit Arthrose um viele Jahre verlängern.

Häufigkeit der Kniearthrose

Kniearthrose gehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen: Es ist eine "Volkskrankheit". Dass Arthrose im Knie in über 120.000 Fällen pro Jahr mit einer Knieendoprothese behandelt wird, ist inzwischen allgemein bekannt. Dabei sind Frauen wesentlich häufiger von Kniearthrose betroffen als Männer.

Arthrosezeichen sind bei über 50-Jährigen weit verbreitet. Die Rotterdamstudie zeigte 1997, dass von 1040 untersuchten Patienten zwischen 55 und 65 Jahren nur 12 % frei waren von jedem Arthrosezeichen.

Die Ansicht, dass man Arthrose im Knie nicht mehr verbessern, sondern nur den Verlauf therapeutisch verlangsamen kann, ist inzwischen aber für viele Patienten überholt.

Im folgenden Artikel wollen wir daher die für viele Patienten großen Chancen auf eine gelenkerhaltende Perspektive zeigen: Immer mehr Patienten mit Knorpelschaden erhalten an spezialisierten Kliniken eine Chance auf ein gesundes Knie. Die Spezialisten der Gelenk-Klinik wenden die modernen Verfahren der gelenkerhaltenden Knorpelzüchtung (Knorpeltransplantation) bereits seit über 15 Jahren mit großem Nutzen für die Patienten an.

Die Rolle des Gelenkknorpels bei Arthrose im Knie

Prinzip der Knorpelfunktion: Ein dünner Wasserfilm kann tonnenschwere Gewichte tragen. Ein tragfähiger Wasserfilm, der unter Belastung aus dem Knorpelgewebe gepresst wird, ist das Prinzip des Gelenkknorpels. Diese 5 Tonnen schwere Granitkugel wird von einem dünnen Wasserfilm getragen. Voraussetzung für die Tragfähigkeit ist die glatte Oberfläche. © Brent Moore über Wikimedia.org

Arthrose ist zunächst eine Erkrankung des Gelenkknorpels im Knie. Knorpel ist die weiße Substanz, die für die Gleitfähigkeit der Knochen im Gelenk sorgt. Zentral für die Funktion des Knorpels sind vitale Knorpelzellen. Diese bilden um sich herum ein stark wasserhaltiges und elastisches Bindegewebe.

Mikroskopische Aufnahme von wasserbindendem Gelenkknorpel Das ist eine vergrößerte Aufnahme von wasserbindendem Gelenkknorpel. Die stark wasserhaltige Knorpelmatrix aus langkettigen Molekülen, die von Knorpelzellen abgesondert werden, ist im Bild aufgrund des hohen Wassergehaltes transparent (durchsichtig). In das Bindegewebe eingebettet sind die angefärbten Knorpelzellen. Den größten Volumenanteil des Knorpelgewebes bilden also Bindegewebe und Wasser. Die Zellen produzieren die Proteine der hyalinen (wasserhaltigen) Matrix und sondern sie in ihre Umgebung ab. So lange die Knorpelzellen vital und zahlreich sind, regeneriert sich der Gelenkknorpel. © Ganimedes über Wikimedia.org

Wenn bei einer Arthrose die Knorpelzellen absterben, kann dieses elastische Bindegewebe nicht mehr ausreichend gebildet und regeneriert werden.

Gesunder Knorpel sieht aus wie das Innere einer Kokosnuss: Weiß, saftig und elastisch. Gelenkknorpel im Kniegelenk hält durch Zähigkeit und Elastizität auch dem Druck von vielen hundert Kilo mühelos stand. Er ist so einzigartig glatt, dass sogar die Reibung zweier Eisblöcke deutlich höher ist.

Diese Belastbarkeit ist im Kniegelenk besonders wichtig: Oberschenkelknochen (Femur), Schienbeinknochen (Tibia) und Kniescheiben bilden das Kniegelenk des Menschen. Die Belastung ist so hoch, dass zusätzlich zum Gelenkknorpel noch die Menisken als Stoßdämpfer zwischen den Knochen dienen, um die Belastung der Gelenkflächen zu reduzieren.

Wenn die Funktion des Meniskus reduziert ist oder ein Meniskus ganz entfernt wurde, verschlechtert sich die Situation für die Gelenkknorpel im Kniegelenk erheblich. Die Wahrscheinlichkeit, nach relativ kurzer Zeit eine Kniearthrose zu entwickeln, erhöht sich.

Ursachen und Entwicklung der Kniearthrose

Kniegelenk – Knieschmerzen. Anatomisches Bild des gesunden Knies mit Kniescheibe (Patella), Seitenbändern, Kreuzbändern und Meniskus. Die Menisken als Puffer zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein sind wichtig. Der 3–4 mm dicke Gelenkknorpel fördert im gesunden Knie die Gleitfähigkeit zwischen den Knochen. Innen- und Außenmeniskus tragen als wichtige Puffer zur normalen Gelenkfunktion und zum Erhalt des Knorpels bei. Ist die Gelenkfunktion gestört, droht die Entwicklung einer Arthrose im Kniegelenk. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Am Beginn der Kniearthrose steht meist ein auslösendes Trauma, eine Verletzung oder eine Überlastung durch Arbeit oder Sport. Neben diesem initialen Ereignis können andere Faktoren wie Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Lebensweise die Entwicklung der Kniearthrose beschleunigen. Man spricht hier von einer Prädisposition der Arthrose.

Auch wenn der Knorpelverschleiß zunächst im Zentrum der Betrachtung steht, ist die Kniearthrose eine Erkrankung des gesamten Kniegelenks: Damit sind alle Strukturen des Kniegelenks – Knochen, Bänder, Knorpel – von dem Krankheitsprozess betroffen. Durch Überlastung, Stoffwechselprobleme oder traumatische Schädigung können alle diese Strukturen Auslöser der Arthroseentwicklung sein. Gonarthrose ist daher nicht nur ein Phänomen der Knorpelschicht im Kniegelenk.

Ursachen der Arthrose im Knie

Alterung und Überlastung der Gelenke

Der Knorpel unterliegt wie alle anderen Bindegewebe einer altersbedingten Veränderung. Die Fähigkeit der Bindegewebe, Wasser zu speichern, nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Solange der Abbau der Knorpelfunktion noch altersgerecht ist, spricht man nicht von einer behandlungsbedürftigen, also krankhaften Arthrose. Erst wenn das Gelenkalter erheblich höher scheint als das biologische Alter, wird die Situation für den Arzt behandlungsbedürftig. Es lohnt sich in jedem Alter, den Stoffwechsel im Knorpel durch ausreichende, möglichst sanfte Bewegung zu fördern. Das pflegt die Gelenke und erhält Reserven für natürliche Knorpelregeneration.

Kniearthrose als Nebenwirkung von Medikamenten

Es gibt Medikamente wie z. B. Chinolon-Antibiotika ("Gyrasehemmer"), die bei langer und intensiver Anwendung nachteilige Folgen für den Stoffwechsel von Knorpel und Sehnen haben.

Stoffwechsel und Adipositas (krankhaftes Übergewicht)

Das metabolische Syndrom (Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, reduzierte Glukosetoleranz bzw. Diabetes) ist ein starker Risikofaktor für die Entwicklung einer Arthrose. Zum einen führt Übergewicht zu einer deutlich erhöhten mechanischen Gelenkbelastung. Normalgewichtige Patienten bekommen im Vergleich zu übergewichtigen Patienten durchschnittlich 13 Jahre später ihre erste Knieprothese. Gewichtskontrolle ist also eine der effektivsten gelenkerhaltenden Maßnahmen.

Neben dem mechanischen Aspekt des auf den Gelenken lastenden Übergewichts spielt auch der veränderte Stoffwechsel eine Rolle bei der Entstehung der Kniearthrose. So bildet Fettgewebe hormonähnliche Botenstoffe: die Adipokine. Diese Adipokine fördern Entzündungen. Entzündungshormone begünstigen den Abbau von Knorpelgewebe in den Gelenken. Knorpelgewebe wird also durch diesen Prozess weicher und weniger belastbar. Eine ausgewogene arthrosegerechte Ernährung kann diese Entwicklung günstig beeinflussen.

Weitere knorpelschädigende Stoffwechseländerungen sind vor allem Störungen des Harnsäurestoffwechsels (Gicht) und des Eisenstoffwechsels (Hämochromatose).

Kniearthrose nach Unfällen und Traumata (Verletzungen)

Unfälle und Traumata sind eine wichtige Ursache von Arthrose im Kniegelenk. Alles, was den normalen Bewegungsablauf und die Lastverteilung im Kniegelenk nachhaltig verändert, kann auch den Knorpel schädigen. Diese Schäden können Sehnen und Bänder betreffen, aber auch die Gelenkflächen sowie das Knorpelgewebe selbst:

  • angeborene Fehlstellungen im Kniegelenk (X-Beine oder O-Beine)
  • Fehlbelastung durch Haltungsstörung
  • Instabilität des Kniegelenks z. B. nach Außenbandverletzungen und Kreuzbandriss
  • Brüche der Gelenkfläche nach Unfällen (Tibiakopffraktur)
  • Meniskusschäden und Meniskusteilresektion
  • komplexe Verletzungen des Kniegelenks mit Beteiligung von Kreuzband und Innenmeniskus und osteochondralen Läsionen (Knochen-Knorpelschäden)

Nur die frühzeitige Wiederherstellung der natürlichen Belastungslinien im Knie, etwa durch arthroskopische Bandrekonstruktion, kann nach Bandverletzungen die Entstehung der Kniearthrose verhindern.

Meniskusriss und Meniskusverschleiß

Häufige Ursache für die Kniearthrose ist eine Degeneration der Menisken. Sind sie beschädigt, üben sie ihre mechanische Pufferfunktion nicht mehr richtig aus. Diese Meniskusdegeneration beschleunigt sich mit zunehmender Kniearthrose. Auch eine Instabilität des Knies nach einem Kreuzbandriss erhöht den Meniskusverschleiß. Meniskusrisse können z. B. durch Bildung scharfer Kanten den Knorpelabrieb erhöhen. Der Verlust der Meniskusfunktion (Stoßdämpfung) verstärkt den Arthroseprozess.

Osteonekrose und Osteochondrosis dissecans

Auch die Gesundheit der Knochen hat einen starken Einfluss auf die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen im Kniegelenk. Neben den oben genannten Knochenbrüchen unter Beteiligung der Gelenkflächen schädigen auch Durchblutungsstörungen, Störungen der knöchernen Gelenkoberfläche und Stoffwechselstörungen den Knochen.

  • Aseptische Osteonekrose im Knie (Morbus Ahlbäck): Die Durchblutungsstörung des Oberschenkelknochens geht mit einer Demineralisierung und Destabilisierung des Knochens unter der Gelenkfläche einher. Bricht der Knochen unter der Gelenkfläche ein, verliert das Gelenk seine Gleitfähigkeit.
  • Morbus Osgood-Schlatter: Die Knochennekrose im Schienbein (Tibia) schädigt ebenfalls die Gelenkfläche und kann zur Kniearthrose führen.
  • Osteochondrosis dissecans im Knielenk: Eine lokale Durchblutungsstörung des Knochens führt zur oberflächlichen Ablösung eines Knochenfragmentes aus der Gelenkfläche.
  • Osteoporose: Häufig nimmt die Knochendichte aufgrund des Östrogenrückgangs in den Wechseljahren der Frau deutlich ab.

Entzündungen im Kniegelenk

Entzündliche Erkrankungen des Kniegelenks sind eine wichtige Ursache für Knorpelverschleiß. Verschiedene Prozesse können ursächlich für die Entzündungen sein. So können bakterielle Entzündungen im Kniegelenk auftreten, aber auch entzündliche Autoimmunerkrankungen (Arthritis) oder rheumatische Veränderungen. Für die Gleitfähigkeit des Knorpels im Kniegelenk ist es sehr wichtig, diese entzündlichen Episoden so schnell wie möglich zu beenden.

Ursachen von Entzündungen:

  • rheumatoide Arthritis
  • bakterielle Gelenkentzündung des Knies

Genetische Ursachen der Kniearthrose: erbliche Knorpelschwäche

Genetische Ursachen können ein familiär gehäuftes Auftreten von Knorpelschwäche und eine frühe Entwicklung von Arthrose erklären. In diesen Fällen ist eine angeborene Instabilität des Knorpelgewebes verantwortlich.

Ursachen der Arthrose im Knie nach Altersgruppen

Jüngere Patienten

Ursächlich für eine Kniearthrose bei jüngeren Patienten sind in der Regel Unfälle. Unzureichend oder gar nicht behandelte Knorpelschäden oder Verletzungen der Bänder am Knie können eine Arthrose begünstigen. Knorpelschäden heilen fast nie von alleine, sondern verschlechtern sich fortwährend. Gerade bei diesen akuten Knorpelschäden jüngerer Patienten verspricht die gelenkerhaltende Therapie durch Knorpelverpflanzung das größte Potential.

Kniearthrose im mittleren Alter

Ab einem gewissen Alter tritt zumindest gelegentlich ein Knacken im Knie auf. Arthrose im Knie wird generell durch Alterung und Abnutzung wahrscheinlicher. Der Gelenkverschleiß im Knie ist eine natürliche Begleiterscheinung des Alterns. Aber auch berufliche oder sportliche Überlastung können eine Gonarthrose auslösen. Sehr häufig kommt in diesem Zusammenhang eine mangelhaft versorgte Sportverletzung von vor 10 oder 15 Jahren zum Vorschein.

Arthrose im höheren Lebensalter

Erst im hohen Lebensalter erwarten wir Arthrose als Folge von Abnutzung. Im Alter wird das Bindegewebe weniger leistungsfähig und rissiger. Der Wassergehalt sinkt und damit auch die Elastizität und Belastbarkeit. Die Regenerationsleistung der Gewebe nimmt allgemein ab.

In den meisten Fällen stellen altersbedingte Arthroseanzeichen nicht unbedingt einen Anlass für eine medizinische Behandlung dar. Die Ansprüche an Beweglichkeit und Belastbarkeit verringern sich mit zunehmendem Alter. Lediglich wenn der Verfall des Kniegelenks für das Alter des Patienten überdurchschnittlich weit fortgeschritten und die notwendige Mobilität im Alltag gefährdet ist, gilt die Arthrose als krankhaft. Auch ältere Patienten sollten sich ihre Ansprüche an Beweglichkeit und Mobilität bewahren und bei Gelenkverschleiß einen Kniespezialisten aufsuchen.

Tritt die Kniearthrose bereits früh im Leben auf und schreitet sie zu schnell voran, ist eine Behandlung dringend geboten. Nur eine konsequente Therapie kann Einsteifung und schließlich den Verlust des Kniegelenks vermeiden. Patienten mit gesunden Gelenken haben auch im höheren Alter einen hohen Bewegungsradius. Durch Beweglichkeit und Belastbarkeit im Alltag erhalten sie die Bedingungen für ein gesundes Herz- und Kreislaufsystem, einen gesunden Geist und einen gesunden Stoffwechsel. Dies steigert die Lebenserwartung.

Inspektion der Beinachse bei Gonarthrose (Kniearthrose) Die Inspektion der Beinachse bei Gonarthrose. X- oder O-Beinstellungen können zu einer Fehlbelastung im Kniegelenk führen und langfristig eine Arthrose im überlasteten Bereich auslösen. Im Verlauf der Arthrose verstärkt sich diese Fehlstellung im Knie meist noch. © Gelenk-Klinik

"Aktivierte Arthrose": schubartig wiederkehrende Entzündungen im Kniegelenk

Die entzündlich aktivierte Arthrose ist durch das lokale Auftreten von Entzündungshormonen im Kniegelenk stark knorpelabbauend und knorpelerweichend. Es ist daher von großer Bedeutung, diese Episoden zu kurz wie möglich zu halten und zu verhindern, dass die entzündlich aktivierte Arthrose im Kniegelenk erneut auftritt.

  • Der Patient spürt bei entzündeter ("aktivierter") Arthrose eine zunehmende Überwärmung des Kniegelenks.
  • Diese Wärme ist auch von außen auf der Haut fühlbar und ein wichtiges diagnostisches Arthrosezeichen für den Kniespezialisten.
  • Manchmal zeigt sich diese Erwärmung in Verbindung mit einer Schwellung (sog. Gelenkerguss).

Das sind deutliche Anzeichen einer Entzündungsreaktion. Entzündlich aktivierte Arthrose deutet auf eine bereits fortgeschrittene Schädigung des Knorpels im Kniegelenk hin.

In dieser Situation hat die Arthrose bereits zu Abrieb der Knorpelfläche im Knie geführt: Knochen- und Knorpeltrümmer lösen sich und bewegen sich frei in der Gelenkkapsel. Dieser Abrieb wirkt entzündungsfördernd. Entzündliche Episoden wiederum verstärken den für Arthrose im Knie typischen Abbau des Knorpels.

Wenn das Knorpelgewebe einmal geschädigt ist und der feste Verbund an bindegewebigen Fasern sich auflöst, führen die täglichen Belastungen des Knies zu einem rasch fortschreitenden degenerativen Verschleiß im Gelenk.

Symptome der Kniearthrose: typische Knieschmerzen

Die Kniearthrose zeigt sich auf viele Arten. Anlaufschmerzen und Steifigkeit des Gelenks, die morgens oder nach längerer Ruhe auftreten, sind deutliche Warnzeichen.

Mit zunehmender Arthrose verschlechtert sich die Koordination des betroffenen Kniegelenks: Der Patient fühlt sich nicht mehr so trittsicher und stabil.

Größere Belastungen des Kniegelenks im Alltag ziehen Schmerzen und Schwellung des Kniegelenks nach sich. Der Patient kann nicht mehr in der Hocke arbeiten.

Infolge schmerzhafter Entzündungen kann das Gelenk überwärmen und anschwellen. Mit zunehmendem Knorpelverlust verliert das Gelenk seine Form. Fehlstellungen, wie X-Bein oder O-Bein verstärken sich.

Anlaufschmerzen

Der erste und wichtigste Hinweis für den Arzt ist das vom Patienten mitgeteilte Beschwerdebild. Patienten berichten von Morgensteifigkeit und Anlaufschmerzen im Knie, vor allem nach dem Schlafen oder nach längerem Sitzen. Anfangs sind diese Beschwerden vorübergehend. Sie verschwinden meist im Verlauf des Tages.

Abnahme der maximalen Gehstrecke

Mit fortschreitender Arthrose nimmt die schmerzfreie Belastbarkeit des Kniegelenks immer stärker ab. Die maximale Gehstrecke reduziert sich.

Schwellung und Schmerzen: aktivierte Arthrose

Nach größeren Belastungen beobachten Arthrosepatienten häufig eine Überwärmung und schmerzhafte Schwellung des Kniegelenks. Man spricht hier von aktivierter Kniearthrose. Die entzündlich aktivierte Arthrose im Knie tritt in Schüben auf: Es ist therapeutisch sehr wichtig, diese Schübe so kurz und selten wie möglich auftreten zu lassen.

Lokalisation der Knieschmerzen bei Kniearthrose

Häufig gibt der genaue Ort, an dem die Schmerzen auftreten, auch einen Hinweis auf den Verlauf der Kniearthrose.

Auf der Innenseite liegende Knieschmerzen weisen auf eine mediale (innere) Gonarthrose hin. Außen liegende Schmerzen lassen eine laterale (äußere) Gonarthrose vermuten, häufig in Verbindung mit einer X-Fehlstellung der Beine.

Schmerzen hinter der Kniescheibe deuten darauf hin, dass sich eine femoropatellare Arthrose (Gelenkverschleiß zwischen Oberschenkelknochen und Kniescheibe) bzw. retropatellare Arthrose im Patellagleitlager zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen entwickelt.

Weiterlesen zu Symptomen der Kniearthrose

Patienten berichten auch von belastungsabhängigen Knieschmerzen in bestimmten Situationen: Treppensteigen oder in die Hocke gehen belastet das Knie besonders stark. Der Orthopäde erkundigt sich nach der noch vorhandenen schmerzfreien Gehstrecke des Patienten. Der Bewegungsradius ist mit Kniearthrose meist schon deutlich eingeschränkt.

Wenn die Diagnose gesichert ist, muss der Kniespezialist die wichtigen Begleitumstände der Kniearthrose ermitteln. Eine Therapie der Gonarthrose ist nur unter ganzheitlicher Einbeziehung der Vorgeschichte und der Lebensumstände des Patienten sinnvoll. Der Orthopäde wird sich nach besonderen beruflichen oder sportlichen Belastungen erkundigen. Auch Medikamenteneinnahme, Arthrose an anderen Gelenken, vorangegangene Infektionserkrankungen (wichtig: Borreliose) und Unfälle sind ein wichtiger Teil der Krankengeschichte.

Diagnose der Arthrose im Knie – Untersuchung und bildgebende Verfahren

Der erste Schritt zur Diagnose der Kniearthrose ist die Aufarbeitung der Symptome und der Krankengeschichte des Patienten im Gespräch.

Untersuchung der Kniearthrose durch den Spezialisten:

  • Erhebung der Patientengeschichte (Anamnese)
  • Inspektion des Beines und des Gangbildes
  • Prüfung der Muskulatur
  • Prüfung der Außenbänder und Kreuzbänder des Knies
  • Untersuchung von schonungsbedingter Muskelatrophie (Muskelabbau)
  • Muskelfunktionsmessung (EMG = Elektromyografie)
  • Untersuchung der Koordination
  • Prüfung von Zustand und Funktion des Meniskus

Klinische Untersuchung: Prüfung von Stabilität und Beinachse

Zu Beginn der Untersuchung inspiziert der Kniespezialist das Kniegelenk ebenso wie das gesamte Bein. Schwellungen, Rückbildung der Muskulatur und Fehlstellungen fallen sofort ins Auge. Ebenso sind Fehlstellungen im Sprunggelenk von erheblicher Bedeutung (z. B. Knick-Senkfuß), weil sie das Kniegelenk zusätzlich belasten können.

Durch die Tastuntersuchung (Palpation) stellt der Arzt druckschmerzhafte Gelenkergüsse fest.

Prüfung des Kreuzbandes bei der Untersuchung von Kniearthrose Die Funktion des Kreuzbandes steht oft in engem Zusammenhang zur Arthroseentstehung. Ein instabiles Knie erkrankt leichter an Arthrose. © Gelenk-Klinik

Durch Tests des Bewegungsumfanges prüft der Arzt, ob die Beweglichkeit des Kniegelenks durch die Arthrose bereits vermindert ist.

Er versucht den Schmerz durch Befragung und Untersuchung genau im Knie zu lokalisieren. Je nachdem, ob der Schmerz hinter der Kniescheibe (retropatellar), im gesamten Knie oder in einer der beiden Kammern des Kniegelenks (außen = lateral oder innen = medial) sitzt, kann der Orthopäde Rückschlüsse auf den Schwerpunkt der Kniearthrose ziehen.

Weiterhin untersucht der Arzt den Zustand des Meniskus, denn oft sind unbehandelte Sportverletzungen im Knie Auslöser einer vorzeitigen Kniearthrose.

Differentialdiagnosen (Verdachtsdiagnosen) des Knieschmerzes bei Kniearthrose

MRT-Bild einer Kniearthrose mit deutlich verschmälertem Gelenkspalt Röntgenbild der Arthrose im Kniegelenk Röntgenbild von hinten: Darstellung eines rechten Kniegelenks mit einer medialen (innenliegenden) Gonarthrose. Die Arthrose ist deutlich sichtbar durch die Gelenkspaltverschmälerung © Gelenk-klinik.de

Der wichtigste Schritt zur Darstellung von Knorpelschäden bei Kniearthrose ist ein Röntgenbild des Knies.

Es zeigt deutlich den einseitig verschmälerten Gelenkspalt. Wo der Knorpel im Kniegelenk abgebaut wurde, nimmt der Abstand der Knochen im Röntgenbild ab. Um ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten, ist es wichtig, dass das Röntgenbild im Stehen unter Gewichtsbelastung des Gelenks erfolgt. Ohne Belastung wird eine arthrosebedingte Verschmälerung des Gelenkspalts leicht unterschätzt. Die Röntgendiagnostik ist der Goldstandard der Diagnostik der Kniearthrose.

Bei akuten Knorpelschäden kann aber auch ein MRT nach Kontrastmittelgabe zur Diagnose beitragen. Folgende radiologische Arthrosezeichen geben einen eindeutigen Hinweis auf eine Kniearthrose:

  • Verengung des Gelenkspaltes im Kniegelenk
  • Sklerose des Knochens unter dem Knorpel aufgrund der erhöhten Belastung des Knochens im Gelenkspalt des Kniegelenks
  • Bildung von Knochenspornen (Osteophyten)

Für die Röntgendiagnostik der Kniearthrose sehr wichtig ist die seitenvergleichende Aufnahme beider Kniegelenke unter Belastung. Der Patient beugt seine Kniegelenke dabei um 20 Grad.

Untersuchung der Kniearthrose durch Ultraschall Untersuchung der Kniearthrose durch Ultraschall: Schwellungen, Ergüsse und Entzündungszeichen bei aktivierter Kniearthrose kann das Ultraschall gut darstellen. © Gelenk-Klinik

Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) zeigt Entzündungsprozesse im Kniegelenk. Eine Gelenkschleimhautentzündung (Synovialitis) oder eine Meniskusdegeneration (Verschleiß des Meniskus) mit einer resultierenden Baker-Zyste kann mit Ultraschall besonders gut untersucht werden.

Wenn nach der Röntgenuntersuchung noch ein MRT (Magnetresonanztomografie) erfolgt, können folgende Zeichen der Kniearthrose sichtbar werden:

Untersuchung typischer Krankheitsprozesse des Kniegelenks mit Arthrose

Die Veränderungen des Kniegelenks bei einer Kniearthrose betreffen nicht nur den Gelenkknorpel. Auch alle anderen Strukturen des Kniegelenks sind von der Arthrose betroffen. Die Untersuchung dieser arthrosetypischen Veränderungen an Knochen, Meniskus, Kreuzbändern und Seitenbändern des Kniegelenks ist für die Diagnose und Therapie der Kniearthrose wesentlich.

Es gibt vier Stadien der Kniegelenksarthrose

retropatellare Kniearthrose Kniegelenk mit Arthrose von vorne gesehen. Sichtbar sind die Patella, der Innen- und Außenmeniskus und das vordere Kreuzband. Auch hinter der Patella im sogenannten femoropatellaren Gelenk kann Arthrose entstehen. © Viewmedica

Arthrose wird in 4 Stadien unterteilt: Diese Stadien der Kniearthrose richten sich nach dem Aussehen und der sichtbaren Degeneration des Knorpels.

Am Anfang stehen Anlaufschmerzen und gelegentliche entzündliche Aktivierungen der Arthrose. Im weiteren Verlauf verliert das Gelenk seine Form und die Beinachse ändert sich. X- oder O-Bein-Fehlstellungen verstärken sich.

Kniearthrose 1. Grades: In diesem beschwerdefreien Stadium ist eine Auffaserung der Oberfläche des Gelenkknorpels zu sehen.

Kniearthrose 2. Grades: Dieses Stadium der Kniearthrose ist weitgehend beschwerdefrei, eine operative Behandlung ist meist nicht erforderlich. Der Knorpel erweicht an der Oberfläche und fasert etwas auf. Es entstehen Risse in der Knorpeloberfläche, die aber nicht die gesamte Knorpeloberfläche durchdringen. Die Beweglichkeit des Knies ist trotz beginnender Arthrose noch nicht beeinträchtigt. In diesem Stadium können knorpelregenerierende Verfahren erfolgreich zum Einsatz gebracht werden. Das erfolgreichste Verfahren ist die Knorpeltransplantation.

Kniearthrose 3. Grades: Die Knorpeloberfläche weist in diesem Stadium bereits bis zum Knochen reichende Risse oder Krater sowie eine immer stärkere Auffaserung der Knorpeloberfläche auf. Die Schäden reichen tief in den Knorpel hinein und betreffen häufig beide Gelenkflächen. Noch ist der Knochen an allen Stellen bedeckt, allerdings mit einer bereits tief eingerissenen Knorpelschicht.

In diesen Fällen kann häufig ein Teilersatz (Repicci-Prothese oder HemiCap) die intakten Anteile des Kniegelenks erhalten. Nur die Schadstellen müssen behandelt werden, um die weitere Degeneration des Knorpels einzudämmen.

Kniearthrose 4. Grades: In diesem Stadium der Kniearthrose liegen sehr schwerwiegende Knorpelschäden vor. Der Knochen ist an vielen Stellen nicht mehr von Knorpel bedeckt. Man spricht in diesem Stadium der von einer Knochenglatze. Die Knochen reiben direkt aufeinander. Der Abrieb im Kniegelenk sorgt dafür, dass eine aktivierte Arthrose durch Entzündungen und Schwellung (Gelenkergüsse) schmerzhaft wird und das Gelenk versteift.

In diesen Fällen kann eine Teilprothese noch helfen, wenn die Arthrose im Knie nur einen Teil bzw. ein Kompartiment des Kniegelenks betrifft. Ist bereits das gesamte Knie vom Knorpelverschleiß betroffen, kann nur noch eine Knieprothese (Knie-TEP) helfen.

Ödeme und Geröllzysten in den Knochen bei Kniearthrose

Die Knochen lagern mit zunehmendem Knorpelabbau Wasser ein und entwickeln schmerzhafte Ödeme. Ödembildung entsteht z. B. auch bei schmerzhaften Verstauchungen des Gelenks. Die Wassereinlagerung sorgt bei Arthrose für ganz ähnliche Symptome: stechende Schmerzen und Reizung der Schmerzfühler im Knochen bei stark verminderter Belastbarkeit.

Unter den Gelenkflächen wird der Knochen schließlich durch Wassereinlagerung und Zystenbildung instabil. Die harte Knochenoberfläche kann einbrechen (Geröllzysten). Dies schädigt die Gelenkoberfläche nachhaltig. Eine gelenkerhaltende Arthrosetherapie ist dann nicht mehr möglich.

Knochensporne im Kniegelenk oder hinter der Patella

Die abnehmende Knorpelschicht erhöht die mechanische Last in Teilbereichen des Kniegelenks. Der Knochen reagiert auf diese Überlastung durch die Bildung von Knochenspornen (Osteophyten). Diese im Röntgenbild sichtbaren Knochenanbauten vergrößern die verfügbare Knochenoberfläche. Sie führen aber zu einer zunehmenden Versteifung des Kniegelenks. Aufgrund der erhöhten Reibung wird das Kniegelenk mit Arthrose immer unebener, was wiederum den Knorpelabrieb verstärkt.

Synovialitis – Gelenkschleimhautentzündung bei Arthrose im Kniegelenk

Der Entzündungsprozess des Kniegelenks umfasst häufig auch die Gelenkschleimhaut (Synovia). Die entzündete Synovia hypertrophiert (wuchert) und bildet nicht mehr die für den Knorpel lebensnotwendige Gelenkschmiere (mit den wichtigen Hyaluronsäuren). Damit verliert der Knorpel seine Fähigkeit, ausreichend Wasser zu binden.

Die Entzündung führt zudem zu einer Veränderung des knorpeligen Bindegewebes. Die Knorpelschicht weicht durch die Entzündungen immer weiter auf. Daher beschleunigen Entzündungen im Kniegelenk den Knorpelabbau erheblich.

Um diese Entzündung aufgrund einer Synovialitis zu vermeiden und zu therapieren, ist es häufig erforderlich, die Gelenkschleimhaut arthroskopisch (also mittels Kniearthroskopie) zu entfernen. In kurzer Zeit bildet sich eine neue, nicht entzündete Knieschleimhaut aus.

Schädigung der Bänder am Kniegelenk

Kniegelenk Kreuzbänder. Deutlich sichtbar sind das vordere und das hintere Kreuzband des Knies. Die Knorpelflächen und die Menisken auf der Schienbeinseite sind violett eingezeichnet. Das Kreuzband kann sich bei Scherbewegungen im Knie leicht dehnen oder verletzen. Dann sind Ober- und Unterschenkel nicht mehr stabil verbunden. Scherkräfte und Überbeweglichkeit schädigen die Knorpelschicht und eine Kniearthrose kann entstehen.© Istockphoto.com/MedicalArtInc

Der Arthroseprozess greift die Seitenbänder und Kreuzbänder des Kniegelenks ebenfalls an. Sie stabilisieren das Kniegelenk immer weniger, was den Krankheitsprozess wiederum beschleunigt. Auch hier ist eine vorangegangene Lockerung, vor allem der Kreuzbänder, häufig einer der Auslöser des Gelenkverschleißes im Kniegelenk.

Daher kann auch eine initiale Schädigung des Kreuzbandes, etwa durch einen Kreuzbandriss, die Stabilität des Kniegelenks verschlechtern und durch Überbeweglichkeit der Gelenkflächen sowie erhöhte Scherkräfte einen Knorpelabbau begünstigen.

Muskelabbau und Verkürzung

Schmerzen und reflektorische Verspannung verschlechtern den Zustand der gelenkführenden Muskulatur stetig: Sie verkürzt sich und bildet sich zurück (Muskelatrophie). Die geschwächte, verkürze und häufig auch verhärtete Muskulatur kann das Kniegelenk nicht mehr so effizient führen: Auch hier wirkt das Symptom auf den Krankheitsprozess zurück und verstärkt die Arthrose im Kniegelenk.

Faktoren, die eine Kniearthrose weiter verschlechtern

Wir suchen immer nach diagnostischen Hinweisen darauf, wie aussichtsreich eine gelenkerhaltende Behandlung im Einzelfall sein kann.

Die entscheidende Frage ist stets: Wie groß sind die Aussichten, eine Arthrose im Einzelfall aufzuhalten oder stark zu verlangsamen?

Hier zeigt sich, dass Patienten mit einem bereits ausgeprägten Knochenödem (Wassereinlagerung im Knochen) geringere Aussichten auf eine gelenkerhaltende Therapie durch eine Knorpeltransplantation haben.

Eine starke Gelenkspaltverschmälerung, also ein starker Substanzverlust der Knorpel, ist ebenfalls ein schlechtes Zeichen. Neuer Gelenkknorpel benötigt eine noch weitgehend intakte Knorpelumgebung um die Schadstelle, damit sich neuer Gelenkknorpel bilden kann.

Auch ein Meniskusschaden ist nachteilig für das Knie und verschlechtert die Aussichten bei Arthrose.

Allgemein sind starke Knieschmerzen und eine geringe Belastbarkeit beim Gehen ebenfalls Risikofaktoren für die weitere Arthroseentwicklung.

Eine niedrige Knochendichte (Osteoporose) wirkt sich ebenfalls nachteilig auf den weiteren Arthroseverlauf aus.

Konservative Behandlung der Kniearthrose (Gonarthrose)

Die konservative Behandlung der Kniearthrose hat das Ziel, ohne Operation den Verlauf zu verlangsamen. Konservative Behandlungsmethoden sind also alle nichtoperativen Methoden, die den Knorpelverschleiß reduzieren. Dabei setzt man nach Möglichkeit alle Aspekte der Arthrosetherapie ein:

  • Entzündungshemmung
  • Entlastung des Gelenks durch Muskelkräftigung
  • Lockerung schmerzhaft kontrakter Muskulatur um das Kniegelenk
  • Korrektur von Fehlstellungen durch Schuheinlagen (Außenranderhöhung oder Innenranderhöhung)

Kausale Therapie der Kniearthrose: Arthrose heilen oder nur Knieschmerzen lindern?

Eine konservative Behandlung der Kniearthrose verbessert das Befinden des Patienten und seine Beweglichkeit. Die konservative Therapie will den Knorpelabbau nach Möglichkeit aufhalten.

Durch arthrosegerechte Ernährung können Betroffene ihr Körpergewicht kontrollieren. Die Entlastung der Gelenke und des Stoffwechsels senkt die Wahrscheinlichkeit für einen entzündlichen Abbau des Gelenkknorpels.

Eine erfolgreiche Physiotherapie kräftigt Muskeln und Sehnen und sorgt für gesunde Bewegungsabläufe. Gesunde Bänder und Muskeln stabilisieren das Kniegelenk.

Hinsichtlich des Einsatzes symptomorientierter Therapien wie Schmerzmittel und Kortison hat die Arthrosebehandlung in der orthopädischen Gelenk-Klinik eine sehr deutliche Orientierung: Wir streben möglichst eine kausale Therapie der Kniearthrose an. Die Ärzte der Gelenk-Klinik wollen also durch Knorpeltherapie oder Beseitigung der konkreten mechanischen Ursachen die Kniearthrose behandeln.

Die individuellen gesundheitlichen Kosten einer symptomorientierten Arthrosetherapie sind für den Patienten auf Dauer sehr hoch. Das liegt vor allem an den Nebenwirkungen einer langfristigen medikamentösen Schmerztherapie.

Pyramidenschema der Kniearthrosetherapie

Das allgemeingültige Therapieschema der Arthrose lässt sich in Form einer Pyramide darstellen. Je weiter oben ein Therapieansatz in der Pyramide steht, umso seltener kommt er bei einem Patienten mit Kniearthrose zur Anwendung.

Ernährungsberatung, Training und Diät sind die Grundbausteine einer erfolgreichen Arthrosetherapie.

Medikamentöse Therapien aus der zweiten Stufe kommen nur zur Anwendung, wenn Symptome wie Schmerzen und Gelenkentzündungen den Patienten in seinem Alltag sehr einschränken.

Gelenkerhaltende operative Eingriffe sind bei Arthrose im Kniegelenk dann als Therapie geeignet, wenn sie den Prozess des Gelenkverschleißes direkt mildern können. Ziel dieser Eingriffe ist das Beseitigen mechanischer Probleme des Kniegelenks (z. B. Meniskusrisse, die durch scharfe Kanten den Knorpel abreiben). Eine Überbeweglichkeit im Kniegelenk durch Riss oder fehlende Funktion der Bänder kann durch Kreuzbandnaht oder Kreuzbandtransplantation verbessert werden. Konservative Behandlung durch Schuhzurichtungen oder eine operative Knochenosteotomie am Schienbein (Knochenumstellung) verbessern Überlastungen von Teilbereichen des Kniegelenks aufgrund von Fehlstellungen.

Die Behandlungspyramide zeigt die allgemeingültigen Verfahren zur Behandlung der Kniearthrose in der Basis. Je weiter oben eine Maßnahme in der Pyramide steht, umso seltener kommt sie zum Einsatz. © Gelenk-klinik.de Die Behandlungspyramide zeigt die allgemeingültigen Verfahren zur Behandlung der Kniearthrose in der Basis. Je weiter oben eine Maßnahme in der Pyramide steht, umso seltener kommt sie zum Einsatz. © Gelenk-klinik.de

Die Entlastung des Knies verlangsamt die Kniearthrose

Zuallererst geht es dem Orthopäden um die Entlastung des von Arthrose betroffenen Gelenks. Das lässt sich im Alltag am ehesten mit Gewichtsreduzierung erreichen. Hier kann bei Bedarf eine Ernährungsberatung erfolgen. Wir haben besonders gute Erfahrungen gemacht mit einer kohlenhydratreduzierten, proteinreichen Diät (LOGI-Diät = Low Glycaemic and Insulinemic Diet).

Neben Bewegung sind Ernährung und Gewichtskontrolle wirksam zur Vorbeugung gegen Arthrose. Viele Proteine und viel Gemüse, weniger Kohlenhydrate: Eine Ernährung nach der LOGI-Methode hilft, ohne Verzicht Gewicht zu verlieren und entlastet auch die Gelenke. © Wikimedia.org

Anpassung der Lebensweise

Zu dieser konservativen Behandlung der Kniearthrose gehört ein Gespräch über die Lebensgewohnheiten des Patienten. Bewegungsmangel und besondere berufliche oder sportliche Belastungen müssen als Grundlage der Arthrosebehandlung verstanden und bei Bedarf geändert werden.

Verschiedene pflanzliche Mittel zur Behandlung der Arthrose können in dieser Stufe ebenfalls helfen.

Anpassung der Ernährung an die Arthrose

Neben der Gewichtskontrolle ist auch die Zusammensetzung der Ernährung von großer Bedeutung für die Entwicklung der Arthrose im Kniegelenk. Es gibt eindeutig entzündungsfördernde und knorpelschädigende Nahrungsmittel. Dazu gehören die üblichen Genussgifte (Alkohol, Nikotin), deren Anwendung möglichst eingeschränkt werden sollte.

Aber auch andere Nahrungsmittel fördern das Auftreten von Entzündungen im Kniegelenk. Vor allem rotes Fleisch (Rindfleisch und Schweinefleisch) enthalten einen hohen Anteil an Arachidonsäuren, die das Entzündungsgeschehen im Körper verstärken. Zudem gelten Kohlenhydrate mit geringem Nährstoffanteil (Zucker) als gelenkschädliche Entzündungstreiber.

Demgegenüber haben Lebensmittel mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren wie Meerfisch oder bestimmte Pflanzenöle (Raps, Walnuss, Leinöl) einen entzündungshemmenden Effekt. Das macht sich nicht nur im Herz-Kreislaufbereich, sondern auch bei der Gelenkgesundheit und der Vorbeugung von Kniearthrose bemerkbar.

Bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel wie Lauch, Zwiebeln und Knoblauch enthalten zudem eindeutig knorpelschützende Inhaltsstoffe.

Behandlung kontrakter, schmerzender Muskulatur bei Kniearthrose

Bewegung, Dehnung, Wärme und lokale balneotherapeutische Anwendungen können reaktiven Muskelschmerzen entgegenwirken und die Muskulatur wieder lockern. Einige dieser Anwendungen können Sie bei Knieschmerzen und Beinschmerzen leicht zu Hause durchführen: Basenbäder und lokale Basenwickel wirken krampflösend und verbessern den Stoffwechsel der Muskulatur rund um das Kniegelenk. Dadurch verbessert sich auch die Koordination und die Trainierbarkeit des Kniegelenks. Wenn die Schmerzen gelindert sind die Muskulatur wieder gelockert ist, ist das Kniegelenk auch für Übungen bei Kniearthrose wieder zugänglich.

Medikamentöse Schmerztherapie und Entzündungshemmung bei Kniearthrose

Die medikamentöse Therapie von Arthroseschmerzen im Kniegelenk mit NSAR (Ibuprofen etc). bei entzündlich aktivierter Kniearthrose verfolgt zwei Ziele: Die Schmerztherapie will den Knieschmerz lindern und die knorpelschädigende Entzündung bei aktivierter Arthrose rasch reduzieren.

Durch Schmerzbehandlung sollen die Patienten in die Lage versetzt werden, die im Alltag nötige Belastbarkeit und Mobilität wieder wahrnehmen zu können. Diese Maßnahme verbessert die maximale Gehstrecke, die Belastbarkeit und die Alltagsfähigkeit.

Die zweite Komponente der Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika ist die Entzündungshemmung. Die Beendigung der Entzündung im Kniegelenk soll den knorpelschädlichen Prozess möglichst schnell abkürzen. Die Schwellung und Überwärmung im Kniegelenk gehen dadurch zurück.

Weiterlesen zu Medikamenten bei Kniearthrose

Physikalische Therapie: Kälte, Wärme und Elektrotherapie

Kältetherapie kann das Entzündungsgeschehen im Kniegelenk positiv beeinflussen. Die Kälteanwendung reduziert den Stoffwechsel, also auch die Entzündung.

Wenn keine Entzündung vorliegt, sondern eher eine schmerzhafte Verspannung durch reaktiv kontrakte Muskulatur am Oberschenkel, helfen Wärmeanwendungen. Tiefenwärme regt den Stoffwechsel wieder an und hilft der Muskulatur, sich zu entspannen. Hilfreich sind neben Tiefenwärmestrahlung beim Physiotherapeuten oder Fango auch warme Basenwickel in der häuslichen Anwendung.

ZRT®-Matrix-Therapie bei Kniearthrose

Physikalische Therapiemaßnahmen wie Aktivierung des Gewebes und Anregung der Selbstheilungskräfte der erkrankten Knorpel gehören ebenfalls in diese Stufe der Behandlungspyramide. Die zellbiologische Regulationsmedizin (sog. Matrixtherapie) trägt mit sanften physikalisch-therapeutischen Verfahren zur Erhöhung der Gewebevitalität bei. Optimale Voraussetzungen des Stoffwechsels zum Erhalt und zur Regeneration des Knorpels sowie zur Verhinderung unspezifischer Schmerzen und entzündungsbedingten Knorpelabbaus können einer Arthrose mit schonenden Maßnahmen entgegenwirken.

Kniearthrose und Akupunktur

In vielen Fällen hilft Akupunktur bei Arthroseschmerzen. Der Nutzen der Akupunktur bei Knieschmerzen ist nachweisbar und nebenwirkungsfrei. Dies wurde in der GERAC-Studie bei 70.000 Patienten gezeigt. Wir nehmen an, dass die Akupunktur nicht direkt auf den Gelenkknorpel wirkt. Stattdessen mildert sie die myofaszialen Begleitschmerzen in der Umgebung des Kniegelenks. Das ist sinnvoll, weil bei vielen Patienten die ausstrahlenden Schmerzen in der Muskulatur um das Kniegelenk deutlich stärker ausfallen als die Arthroseschmerzen im Bereich des Gelenks und der Gelenkkapsel.

Die Ergebnisse der Studie haben letztlich dazu geführt, dass Akupunktur bei Kniearthrose auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Daher bieten wir seit vielen Jahren Akupunktur als Arthrosebehandlung an. Alle Ärzte der Gelenk-Klinik sind in der Anwendung der Akupunktur ausgebildet und erfahren. Die abschwellende und entzündungshemmende Wirkung von Akupunktur bei Kniearthrose ist laut der Studie mit der Wirkung der oralen Antiphlogistika (entzündungshemmende Schmerzmittel) zu vergleichen.

Orthopädische Maßnahmen: Schuhzurichtung, Orthesen

Häufig sind Fehlstellungen im Knie (X-Bein, O-Bein) oder Sprunggelenk (Knick-Senkfuß) ursächlich für die Kniearthrose. In diesen Fällen können neben operativen auch nichtoperative Maßnahmen die Ausrichtung des Gelenks verbessern (Therapie von Malalignment).

Orthesen am Kniegelenk

Varus- oder Valgusorthesen können die bei einer Fehlstellung ungleiche Gewichtsverteilung im Kniegelenk verändern und eine X- oder O-Bein-Fehlstellung ausgleichen. Der biomechanische Effekt auf die Bewegungsänderung ist deutlich. Die Orthese ist wirksamer als Schuhzurichtungen, weil sie direkt auf das Gelenk wirkt. Die Akzeptanz dieser etwas klobigen Gestelle am Bein fällt bei den Patienten allerdings allgemein nicht gut aus. Sie tragen unter der Hose deutlich auf.

Grenzen der konservativen Therapie

Der Orthopäde muss den Verlauf der Beinfehlstellung im Kniegelenk genau beobachten. Wenn sie rasch zunimmt und die Achsabweichung im Bein größer wird oder sich die Bandstabilität im Knie trotz konservativer Therapie verschlechtert, kommen diese nichtoperativen Maßnahmen an Ihre Grenzen.

Orthopädische Schuhzurichtung: Außenrand- oder Innenranderhöhung

Innen- oder Außenranderhöhung des Schuhs können leichte Fehlstellungen im Kniegelenk ausgleichen. So lässt sich auch die Belastung auf den bisher weniger verschlissenen Teil des Knies verlagern. Der Bereich mit der Gonarthrose (medial/innenliegend oder lateral/außenliegend) wird entsprechend entlastet. Studien konnten bei Schuhzurichtungen bisher keine Verbesserung der Schmerzen zeigen. Wahrscheinlich ist der Effekt im Kniegelenk mit einer um etwa 5 % veränderten Gewichtsverteilung zu klein.

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