Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
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Skoliose – Fehlstellung der Wirbelsäule bei Kindern und Erwachsenen

  1. Was ist eine Skoliose?
  2. Welche Formen der Skoliose unterscheidet man?
  3. Ursachen der Skoliose
  4. Diagnose: Wie kann man eine Skoliose erkennen?
  5. Welche Komplikationen und Folgen sind bei einer Skoliose zu erwarten?
  6. Behandlung: Wie wird eine Skoliose therapiert?
SkolioseLinks: Wirbelsäule mit starker Skoliose. Rechts: Wirbelsäule ohne Fehlstellung. © Koterka Studio, Fotolia

In Deutschland leiden etwa eine halbe Million Menschen an einer Skoliose. Die Fehlstellung der Wirbelsäule kann angeboren sein oder z. B. aufgrund von degenerativen Prozessen im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten. Dazu zählen beispielsweise Erkrankungen wie Osteoporose oder Facettengelenksarthrose.

Die seitliche Verkrümmung mit gleichzeitiger Verdrehung der Wirbelsäule kann den Bereich der Brustwirbelsäule, der Lendenwirbelsäule oder den Übergang dieser beiden Abschnitte betreffen. Fortgeschrittene Fehlstellungen sind meist sehr schmerzhaft und äußern sich durch muskuläre Verspannungen.

Die Wahl der Therapie richtet sich nach der Ursache der Skoliose, dem Alter des Patienten und dem Ausmaß der skoliotischen Fehlstellung. Eine beginnende Erkrankung wird in der Regel konservativ mit Kräftigungsübungen und Physiotherapie behandelt. Betroffene tragen häufig ein Korsett, das die Wirbelsäule stabilisiert. Nur sehr schwere Fälle von Skoliose werden operativ behandelt. Ausschlaggebend sind hierbei der Grad der Verkrümmung, der anhand des Cobb-Winkels gemessen wird, und die körperliche Beeinträchtigung.

Was ist eine Skoliose?

Die Skoliose (griech. skolios = krumm) beschreibt eine Fehlstellung der Wirbelsäule, die durch deren seitliche Verbiegung und Drehung um die Längsachse gekennzeichnet ist. Sie zählt zu den häufigsten und am längsten bekannten orthopädischen Leiden. Die Ursachen für die Ausbildung einer Skoliose sind vielfältig und reichen von angeborenen Fehlbildungen bis hin zu muskulären oder nervalen Schädigungen nach Unfällen oder bestimmten Erkrankungen. Die Verkrümmung führt zu einer Asymmetrie des Oberkörpers mit Schulterhochstand. Auf der einen Seite bildet sich ein Rippenbuckel und auf der Gegenseite ein Rippental. Diese Fehlstellung nimmt vor allem während der Jugend bei verstärktem Körperwachstum immer mehr zu und führt gleichzeitig zu einer Versteifung, wenn nicht aktiv dagegen therapiert wird.

Die dauerhafte Fehlstellung der Wirbelsäule führt zu einer schnelleren Abnutzung, sodass Patienten mit Skoliose mit zunehmendem Lebensalter unter erheblichen Beschwerden leiden können. Die als Folge der Skoliose auftretende krankhafte Verkürzung des Rumpfes belastet die inneren Organe wie Herz, Lunge, Nieren, Magen und Darm.

Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich in der Regel eine deutliche seitliche Verbiegung der Wirbelsäule. Eine Skoliose liegt ab einer seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule von 10 Grad vor. Diese wird anhand des Cobb-Winkels gemessen, den der Arzt im Röntgenbild ablesen kann. Die Prognose bei frühzeitiger Therapie ist meist recht gut.

Welche Formen der Skoliose unterscheidet man?

Röntgenbild einer SkolioseThorakolumbale Skoliose im Röntgenbild: Die Verkrümmung betrifft den Bereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule. © angkhan, Fotolia

Die Skoliose wird je nach Höhe der Hauptkrümmung eingeteilt. Man unterscheidet danach die folgenden Formen:

  • thorakale Skoliose: Brustwirbelsäule
  • lumbale Skoliose: Lendenwirbelsäule
  • thorakolumbale Skoliose: Übergangsbereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule
  • thorakale und lumbale Skoliose: Brust- und Lendenwirbelsäule

Ursachen der Skoliose

Die idiopathische Skoliose

Etwa 85 % aller Skoliosen sind idiopathischen (griech. idios = eigen, pathos = Leiden) Ursprungs, das heißt, die Ursache ist unbekannt. Diese Form der Skoliose entsteht vor allem zu wachstumsintensiven Zeiten. Betroffen sind daher vor allem Kinder und Jugendliche. Die Wirbelkörper wachsen dabei in eine Richtung langsamer als in die andere. Durch dieses Fehlwachstum einzelner oder mehrerer Wirbelkörper kommt es zu deren Drehung (= Torsion), die wiederum eine Verdrehung (= Rotation) der gesamten Wirbelsäule hervorruft. Im Ergebnis ist die Wirbelsäule seitlich nach rechts oder links verbogen. Die idiopathische Skoliose verursacht in der Regel keine Schmerzen. Daher wird diese Form der Skoliose meist zufällig vor allem von den Eltern der betroffenen Kinder entdeckt. Mädchen sind etwa viermal so häufig betroffen wie Jungs.

Die symptomatische bzw. sekundäre Skoliose

Neben der idiopathischen Skoliose, deren auslösende Ursache unbekannt ist, gibt es zahlreiche seltenere Skolioseformen, die auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind. Man spricht auch von sekundären bzw. symptomatischen Skoliosen:

  • kongenitale Skoliose, d. h. angeborene Skoliose bei schweren vorgeburtlichen Entwicklungsstörungen (z. B. Spina bifida)
  • neuropathische Skoliose, durch Erkrankungen des Nervensystems
  • myopathische Skoliose, durch Erkrankungen der Muskulatur, z. B. Muskelatrophie
  • neuromuskuläre Skoliose, z. B. bei Cerebralparese oder Duchenne-Muskeldystrophie
  • mesenchymale Skoliose, durch Erkrankungen des Bindegewebes, z. B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, schwere Narbenbildung
  • metabolische Skoliose, durch Erkrankungen des Knochenstoffwechsels, z. B. jugendliche Osteoporose, Rachitis, Glasknochenkrankheit (= Osteogenesis imperfecta)
  • radiogene Skoliose, als Folge einer Strahlentherapie im Kindesalter
  • posttraumatische Skoliose, z. B. nach Unfällen oder Amputationen
  • entzündliche Skoliose, durch schwere Entzündungen im Bereich der Wirbelkörper
  • systemerkrankungsbedingte Skoliose, z. B. durch Neurofibromatose oder Achondroplasie

Diagnose: Wie kann man eine Skoliose erkennen?

Im Säuglingsalter zeigt sich eine Skoliose durch die schiefe Lage des Kindes, die durch eine c-förmige Verkrümmung der Brust- und Lendenwirbelsäule bedingt ist. Zusätzlich finden sich oft Entwicklungsstörungen an einem Hüftgelenk. Die meisten Skoliosen werden im Alter zwischen 10 und 12 Jahren diagnostiziert.

Da die betroffenen Kinder zunächst keinerlei Schmerzen oder Beschwerden verspüren, wird die Skoliose meist zufällig entdeckt. Durch die Haut können die Eltern den Verlauf der Wirbelsäule anhand der Dornfortsätze sehen und tasten. Eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule lässt sich auf diese Weise leicht feststellen. 80 % der idiopathischen Skoliosen liegen im Brustbereich (= thorakale Skoliose) und zeigen eine Ausbiegung nach rechts (= rechtskonvex). Neigt sich das Kind nach vorn, treten die Rippen stark heraus und bilden einen Rippenbuckel. Bei Skoliosen im oberen Brustbereich stehen die Schultern nicht auf gleicher Höhe. Es resultiert ein Schultertief- bzw. Hochstand.

Bei Skoliosen im Lendenbereich sind die beiden Dreiecke zwischen der Taille und den seitlich am Rumpf herunterhängenden Armen (= Taillendreiecke) unterschiedlich ausgebildet. Es besteht ein Lendenwulst auf der krümmungsabgewandten Seite. Mithilfe der Röntgenuntersuchung kann der Arzt die Form und das Ausmaß der Skoliose beurteilen.

Die Stärke der Krümmung der Wirbelsäule ermittelt er über eine besondere Winkelmessung (nach Cobb). Darüber hinaus beurteilt der Arzt den Torsionsgrad (Grad der Verdrehung) anhand der Pedikelschatten im Röntgenbild. Als Pedikel bezeichnet der Mediziner den Übergang zwischen Wirbelkörper und Wirbelbogen auf der Rückseite des Wirbels. In unserer Praxis wird mittels einer laseroptischen, dreidimensionalen Wirbelsäulenrekonstruktion die Gesamtausprägung der Skoliose auf das kleinste Detail berechnet. Darüber hinaus können auf diese Weise Röntgenbilder und damit die Strahlenbelastung bei Kindern erheblich eingespart werden.

Welche Komplikationen und Folgen sind bei einer Skoliose zu erwarten?

Die dauerhafte Fehlstellung der Wirbelsäule führt zu deren verstärkter Abnutzung (=Degeneration), sodass die betroffenen Patienten zunehmend unter Rückenschmerzen leiden. Darüber hinaus treten bei der unbehandelten Skoliose durch die ständige Verkürzung des Rumpfes im höheren Lebensalter verschiedenste Komplikationen auf.

Die häufigsten Folgen der langjährigen Skoliose sind vorzeitige Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben und Wirbelkörpern und deren Gelenken. Diese machen sich oft durch starke Schmerzen bemerkbar. Auch andere Gelenke wie die Hüft- und Kniegelenke sind von der dauerhaften Fehlbelastung durch die Skoliose der Wirbelsäule betroffen und können frühzeitig verschleißen.

Durch die Verdrehung der Wirbelsäule und die damit einhergehende Verkürzung des Rumpfes verkleinert sich der Brust- und Bauchraum. Eine Funktionseinschränkung verschiedener innerer Organe kann resultieren. Vor allem die Leistungsfähigkeit des Herzens und der Lunge sind eingeschränkt, in extremen Fällen auch die der Nieren, des Magens und des Darms. Bei hochgradigen Skoliosen – wie bei den neuropathisch bedingten – kann es durch die starke Funktionseinschränkung zu einer lebensbedrohlichen Herzinsuffizienz (vor allem des rechten Herzens) kommen.

Behandlung: Wie wird eine Skoliose therapiert?

Die Ursache der Skoliose legt als Primärkriterium die Therapie der Skoliose fest. Anschließend sind das Alter des Patienten sowie das Ausmaß und Voranschreiten (Progredienz) der Erkrankung zu berücksichtigen. Die Skoliose des Säuglings lässt sich in vielen Fällen durch konsequente Bauchlagerung und verschiedene krankengymnastische Übungen ausheilen. Hierbei wird versucht, die normalen Bewegungen des Kindes im Sinne einer Korrektur der Fehlhaltung zu lenken.

Konservative Therapie bei früh erkannter Skoliose

Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist das Behandlungskonzept im Allgemeinen dreistufig. Eine früh erkannte Skoliose mit einem Cobb-Winkel bis 20 Grad behandelt man vor allem durch Physiotherapie. Aktive Übungen, Haltungs- und Bewegungstraining sowie neurophysiologische Übungen und Elektrostimulation kommen zum Einsatz, um durch Muskelaufbau die Wirbelsäule zu kräftigen und zu stabilisieren. Ziel ist es, die Fehlstellung der Wirbelsäule weitgehend zu korrigieren und vor allem eine Progredienz (Verschlimmerung) zu verhindern. Regelmäßige ärztliche Kontrollen der Wirbelsäule sind notwendig, um ein Fortschreiten der Erkrankung frühzeitig erkennen und die Therapie entsprechend anpassen zu können. Liegt der Cobb-Winkel unter 10 Grad, so ist in der Regel keine Therapie nötig.

Behandlung mittels Korsett bei fortgeschrittener Skoliose

Skoliose-KorsettKorsett zur Stabilisierung der Wirbelsäule bei fortgeschrittener Skoliose. © PopoudinaSvetlana, iStock

Die Behandlung mittels Korsett kommt bei fortgeschrittenen Skoliosen (zwischen 20 und 50 Grad nach Cobb) zusätzlich zur Krankengymnastik zur Anwendung. Für die betroffenen Kinder ist dies eine sehr belastende Maßnahme, da nur das konsequente Tragen des Korsetts gute Erfolge garantiert. Gerade in der Pubertät bringt das Tragen eines Korsetts aber viele soziale Probleme mit sich. Oft kommt es anfangs trotz Korsett zu einer Verschlechterung der Skoliose, sodass die Bereitschaft, das Korsett zu tragen, abnimmt. Ein Skoliose-Korsett wird für gewöhnlich aus leichtem Kunststoff hergestellt und nach einem Gipsmodell des Körpers angefertigt.

Je nach Wachstum oder Veränderung der Skoliose muss etwa einmal pro Jahr ein neues Korsett angepasst werden. Das Korsett muss sehr eng sitzen und Tag und Nacht getragen werden. Es ist nur während der täglichen Körperpflege abzulegen. Auf diese Weise fixiert das Korsett den Becken- und Schultergürtel gegen Verdrehung und bewirkt durch verschiedene Druck- und Entlastungszonen eine passive Korrektur der Skoliose.

Die durch das Korsett vorgegebene Korrekturstellung beeinflusst das weitere Wachstum der Wirbelsäule. Unbedingt notwendig ist die gleichzeitig durchzuführende Krankengymnastik. In der Regel muss die Behandlung mittels Korsett bis zum Abschluss des Wachstums fortgesetzt werden.

Operative Behandlung bei starker Skoliose

Schwere Skoliosen mit einer Krümmung von über 50 Grad nach Cobb erfordern in der Regel eine operative Behandlung, da konservative Methoden nicht zum gewünschten Erfolg führen würden. Hier sind erheblich belastende Eingriffe notwendig, um eine Korrektur zu erreichen. Vorbehandlungen mit Traktionen (Auseinanderziehen von Gelenken) sollen dabei die Bänder und Muskeln dehnen und den Haupteingriff mit der Korrektur der Skoliose erleichtern.

Eine Operation ist somit abhängig von der Stärke der Krümmung, dem Alter des Patienten, zusätzlichen nervalen oder muskulären Symptomen und dem Ansprechen auf die Physiotherapie und konservativen Therapieansätze. Ziel einer solchen Operation ist es, die Verkrümmung aufzurichten, die Rotation zu beseitigen und die Wirbelsäule in diesem aufgerichteten Zustand mit Implantaten zu fixieren.

Die Erfolgsaussichten der Operation sind in der Regel gut. Allerdings muss mit einer insgesamt langen Rehabilitation des Patienten gerechnet werden. Mithilfe von krankengymnastischen und anderen physiotherapeutischen Methoden versucht man über mehrere Monate hinweg, langsam eine gute Stabilität und Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule herzustellen.

Literaturangaben
  • Grivas, T. B. (2008). The Conservative Scoliosis Treatment:1st SOSORT Instructional Course Lectures Book (Studies in Health Technology and Informatics) (1 ed). IOS Press.
  • Hefti, F. (1997). Kinderorthopädie in der Praxis (German Edition) (1 ed). Springer.
  • Neuwirth, M. & Osborn, K. (2001). The Scoliosis Sourcebook (1 ed). McGraw-Hill.
  • Niethard, F. U. (2010). Kinderorthopädie: 50 Tabellen. Thieme.
  • Niethard, F. U., Pfeil, J. & Biberthaler, P. (2009). Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart: Thieme.
  • Orthofer, P. (2004). Orthopädietechnik. Huber Hans.
  • Unknown. (2007). Praxis der konservativen Orthopädie. Thieme Georg Verlag.
  • Wolpert, D. K. (2006). Scoliosis Surgery: The Definitive Patient's Reference (3rd Edition) (3. ed). Swordfish Communications, LLC.
  • Wülker, N. (2005). Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart: Thieme.
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