1. Was bedeutet Beinachsentraining?
  2. Wofür ist ein Beinachsentraining gut?
  3. Wer profitiert besonders vom Beinachsentraining?
  4. Wie sieht ein Beinachsentraining konkret aus?
  5. Häufige Patientenfragen zum Beinachsentraining an Sportwissenschaftler Fabian Gutmann von der Gelenk-Klinik

Beinachsentraining ist ein Training, mit dem die Ausrichtung von Fuß, Knie und Hüfte in einer Linie optimiert werden soll. Ziel ist, dass diese Gelenke beim Stehen, Gehen, Laufen oder Sport möglichst stabil zusammenarbeiten und gleichmäßig belastet werden. Dadurch kann Beinachsentraining helfen, Fehlbelastungen und Verletzungen vorzubeugen. Auch bestehende funktionelle Fehlbelastungen können durch eine bessere Bewegungskontrolle verbessert werden.

Beim Beinachsentraining handelt es sich nicht um ein einzelnes, streng definiertes Übungsprogramm. Je nach Diagnose, funktionellen Defiziten und Belastbarkeit werden einzelne Trainingsbausteine zusammengesetzt und gewichtet. Zum Einsatz kommen unter anderem progressives Krafttraining, aktive Fußkontrolle, neuromuskuläres Training, funktionelle Bewegungsschulung und Belastungssteuerung.

Was bedeutet Beinachsentraining?

Beinachse normale und pathologische Beinstellungen Die normale Beinachse ist eine gedachte Linie, die durch Hüftkopf, Knie und Sprunggelenk verläuft. Weicht die Knochenstellung von dieser Achse ab, kommt es zu O-Beinen (rechts) oder X-Beinen (links). © kintarapong, Adobe

Beim Beinachsentraining soll die Beinachse optimiert werden. Bei der Beinachse handelt es sich um eine gedachte Linie entlang der großen Gelenke und Knochen des Beines. Sie beschreibt, wie Hüfte, Knie und Sprunggelenk beziehungsweise Fuß zueinander ausgerichtet sind. Dabei lassen sich zwei Aspekte unterscheiden:

Die knöcherne Beinachse wird im Stand unter Belastung beurteilt. Die Linie verläuft vom Hüftkopf über das Kniegelenk bis zur Mitte des Sprunggelenks. Bei einem gerade ausgerichteten Bein verläuft diese Belastungslinie annähernd durch die Mitte des Kniegelenks. Bei O-Beinen (Genu varum) verläuft die Beinachse durch den inneren Bereich des Kniegelenks, bei X-Beinen durch den äußeren.

Bei der funktionellen Beinachse geht es nicht nur um die Knochenstellung, sondern darum, wie gut ein Mensch sein Bein während der Bewegung belastet und kontrolliert. Dabei spielt das Zusammenspiel von Hüfte, Oberschenkel und Knie, Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß eine Rolle. So kann das Knie zum Beispiel trotz “gerade” stehender Knochen nach innen ausweichen. Dabei können mehrere Faktoren zusammenspielen: eine nach innen gerichtete Bewegung des Oberschenkels, eine unzureichende Kontrolle des Beckens, die Fußstellung oder eine Kombination daraus. Bei dieser X-Beinstellung in Bewegung handelt es sich dann um eine dynamische Valgusstellung.

Die Unterscheidung dieser beiden Beinachsen ist wichtig, um Probleme besser einordnen und behandeln zu können. So kann ein Mensch eine unauffällige knöcherne Beinachse, aber eine ungünstige Bewegungskontrolle haben. Umgekehrt muss eine knöcherne O- oder X-Bein-Stellung nicht automatisch zu Beschwerden bei der Bewegung führen.

Beinachsentraining in der Gelenk-Klinik

Der Begriff „Beinachsentraining“ selbst ist in der internationalen Literatur nicht einheitlich definiert. Vergleichbare therapeutische Ansätze finden sich unter Begriffen wie Exercise Therapy, Neuromuscular Training, Movement Retraining, Movement Control Exercise, Sensorimotor Training und Gait Retraining.

In der Gelenk-Klinik verstehen wir unter Beinachsentraining einen multimodalen, funktionsorientierten Trainingsansatz zur Verbesserung der Belastbarkeit und Bewegungskontrolle der unteren kinetischen Kette. Dabei werden verschiedene evidenzbasierte Trainingsformen miteinander kombiniert. Welche Bausteine im Vordergrund stehen, richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild, den funktionellen Defiziten und der individuellen Belastbarkeit.

Wofür ist ein Beinachsentraining gut?

Beinachsentraining soll die Kontrolle und Belastbarkeit der unteren Extremität und damit die funktionelle Beinachse verbessern. Eine gut abgestimmte Zusammenarbeit von Fuß, Knie und Hüfte ist bei vielen alltäglichen und sportlichen Bewegungen wichtig – beispielsweise beim Gehen, Treppensteigen, Laufen, Springen oder bei Richtungswechseln.

Welche Fähigkeiten optimiert werden sollen, hängt dabei von der jeweiligen Trainingsform ab: Durch Gleichgewichts- und sensomotorisches Training können beispielsweise die Stabilität im Einbeinstand und die dynamische Balance verbessert werden. Ein gezieltes Krafttraining der Hüftabduktoren verstärkt deren Kraft und die Kontrolle von Becken und Oberschenkel bei einbeinigen Belastungen. Übungen für die intrinsische Fußmuskulatur können die Fußmuskelkraft und die aktive Kontrolle des Fußgewölbes fördern.

Je nach Ausgangssituation werden diese unterschiedlichen Trainingsbausteine miteinander kombiniert, um die Bewegungskontrolle und Belastbarkeit der gesamten unteren Extremität zu verbessern. Wichtig: Bestehende anatomische (knöcherne) Fehlstellungen können dadurch nicht behoben werden.

Das gezielte Training verfolgt folgende Ziele:

  • Bessere Bewegungskontrolle: Das Bein soll z. B. bei Kniebeugen, Ausfallschritten, beim Treppensteigen oder Laufen stabiler geführt werden.
  • Kräftigung wichtiger Muskelgruppen: Vor allem die Gesäß- und Hüftmuskulatur, die Oberschenkelmuskeln sowie die Fußmuskulatur können zur Kontrolle der Beinachse beitragen.
  • Günstigere Belastungsverteilung: Eine kontrollierte Bewegung kann helfen, ungünstige Ausweichbewegungen und einseitige Belastungen zu reduzieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich dadurch jede Fehlstellung oder jede Gelenkbelastung korrigieren lässt.
  • Verbesserung von Gleichgewicht und Koordination: Das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken wird trainiert. Das ist sowohl im Alltag als auch beim Sport relevant.
  • Unterstützung bei der Rehabilitation: Je nach Ursache und Beschwerdebild kann Beinachsentraining Bestandteil einer physiotherapeutischen Behandlung sein.

Wie erfolgreich Beinachsentraining sein kann, zeigt eine systematische Übersichtsarbeit mit 35 Studien und insgesamt 1095 gesunden Erwachsenen. Insbesondere Techniktraining mit gezielter Bewegungskontrolle und Übungen für die Rumpfmuskulatur führte bei bestimmten Gruppen zu Verbesserungen der Knieausrichtung. Bei Menschen mit nach innen abgesenktem Fuß oder Plattfuß verbesserten unter anderem Übungen für Hüft-, Rumpf- und Fußmuskeln die Fußstellung. Die Ergebnisse sind jedoch nicht auf jede Person und jede Fehlstellung übertragbar.

Wer profitiert besonders vom Beinachsentraining?

Knick-Senkfueße beim Erwachsenen Auch Menschen mit Knick-Senkfüßen können vom Beinachsentraining profitieren. © Denys Kurbatov, Adobe

Grundsätzlich kann Beinachsentraining für Menschen interessant sein, die ihre Bewegungsabläufe verbessern und ihre Muskulatur gezielt kräftigen möchten. Beispiele für den sinnvollen Einsatz von Beinachsentraining sind:

  • Nach innen ausweichendes Knie (valgische Beinachse): Bei manchen Menschen bewegt sich bei einer Kniebeuge oder beim Treppensteigen das Knie deutlich nach innen. Ein Training der Bewegungssteuerung sowie der Hüft- und Rumpfmuskulatur kann helfen, diese Bewegung besser zu kontrollieren. Dabei wird nicht allein die Stellung des Knies betrachtet, sondern das gesamte Bewegungsmuster.
  • Hier kommt das Beinachsentraining in Frage:

    • Knick-Senkfuß
    • Absinken des Fußgewölbes bzw. Einknicken des Fußes unter Belastung
    • valgische Beinachse („X-Beine“), Tendenz des Knies, beim Stehen oder Bewegen nach innen auszuweichen
    • Trochanterschmerz / Beschwerden an der seitlichen Hüfte
    • belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des äußeren Hüftknochens, zum Beispiel beim Gehen, Treppensteigen oder Liegen auf der betroffenen Seite
  • Fußfehlstellungen: Bei Knick-Senkfüßen oder einem unter Belastung absinkenden Fußgewölbe kann Beinachsentraining helfen, die Fußmuskulatur zu kräftigen und die aktive Kontrolle des Fußes zu verbessern. Dadurch lässt sich das Zusammenspiel von Fuß, Knie und Hüfte bei Bewegungen gezielter steuern.
  • Zustand nach Verletzungen oder Operationen: Nach einer Knie-, Hüft- oder Sprunggelenksverletzung kann es sinnvoll sein, die Belastung des Beins schrittweise wieder aufzubauen. Übungen zur Beinachsenkontrolle können dabei helfen, Bewegungen sicherer auszuführen.
  • Knie- oder Hüftbeschwerden: Auch bei Arthrose oder anderen Gelenkbeschwerden kann ein angepasstes Training sinnvoll sein. Im Vordergrund stehen dann häufig der Erhalt von Kraft, Beweglichkeit und Alltagsfunktion. Bei Schmerzen sollte die Belastung individuell dosiert werden. Ein Trainingsprogramm muss nicht immer auf eine sichtbare Korrektur der Beinachse abzielen, sondern kann vor allem die Funktion verbessern.

Darüber hinaus können von dem Training Sportler profitieren, da eine gute Kontrolle der Beinachse bei vielen Lauf-, Sprung- und Richtungswechselbewegungen eine zentrale Rolle spielt. Welche Trainingsinhalte sinnvoll sind, richtet sich dabei nach den individuellen Voraussetzungen und dem jeweiligen Trainingsziel.

Kontraindikationen

Es gibt Situationen, in denen ein Beinachsentraining zunächst pausiert, angepasst oder ärztlich beziehungsweise physiotherapeutisch abgestimmt werden sollte. Dazu gehören insbesondere akute Verletzungen, deutlich geschwollene oder entzündete Gelenke, ausgeprägte Schmerzen und eine noch nicht geklärte Belastbarkeit nach einer Operation. Auch bei Gelenkinstabilität, fortgeschrittenen Fehlstellungen oder relevanten Begleiterkrankungen sollte das Training individuell geplant werden. Nicht jede Bewegung ist für jedes Beschwerdebild geeignet. So können tiefe Kniebeugen oder einbeinige Übungen bei bestimmten Verletzungen zunächst ungeeignet sein, während andere, weniger belastende Übungen bereits möglich sind.

Wie sieht ein Beinachsentraining konkret aus?

Das Beinachsentraining in der Gelenk-Klinik besteht aus mehreren Komponenten, die je nach Befund und Belastbarkeit des Patienten miteinander kombiniert werden. Die Anforderungen werden dabei schrittweise gesteigert: von einfachen und gezielten Übungen hin zu komplexeren Bewegungen, bei denen Fuß, Knie und Hüfte gemeinsam kontrolliert werden müssen.

Mobilität:

Eine ausreichende Beweglichkeit bildet eine wichtige Grundlage für die funktionelle Bewegungskontrolle. Einschränkungen einzelner Gelenke können zu kompensatorischen Bewegungsmustern innerhalb der unteren kinetischen Kette führen.

Typische Interventionen sind die Mobilisation des oberen Sprunggelenks und der Hüfte sowie mobilisierende und dehnende Maßnahmen für die Wadenmuskulatur. Ziel ist nicht eine möglichst große Beweglichkeit, sondern die für die jeweilige funktionelle Aufgabe erforderliche Bewegungsfreiheit.

Progressives Krafttraining:

Das Krafttraining dient der Verbesserung der Belastbarkeit und aktiven Kontrolle der unteren Extremität. Je nach Befund können unterschiedliche Muskelgruppen in den Vordergrund gestellt werden. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der hüftumgebenden Muskulatur zu. Eine progressive Kräftigung insbesondere der Hüftabduktoren und Hüftextensoren stellt beispielsweise bei patellofemoralen Beschwerden einen wirksamen Bestandteil der Trainingstherapie dar. Typische Zielstrukturen sind:

Die Belastung sollte progressiv gesteigert und an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasst werden.

Fußmuskulatur und aktive Fußkontrolle

Die Fußmuskulatur bildet einen wichtigen Bestandteil der aktiven Stabilisierung des Fußes. Insbesondere die intrinsischen Fußmuskeln werden als Teil eines funktionellen „Foot Core Systems“ verstanden und tragen zur aktiven Kontrolle des Fußgewölbes bei.

Eine mögliche Trainingsform stellt die Short-Foot-Übung dar. Dabei wird das mediale Längsgewölbe aktiv angehoben, ohne die Zehen zu flektieren. Systematische Untersuchungen zeigen, dass ein über mehrere Wochen durchgeführtes Short-Foot-Training bei Personen mit flexiblem Plattfuß Veränderungen des medialen Längsgewölbes sowie Verbesserungen der Funktion intrinsischer Fußmuskeln und der Balance bewirken kann.

Neben der intrinsischen Fußmuskulatur können abhängig vom funktionellen Befund auch extrinsische Stabilisatoren wie Tibialis posterior und Peronealmuskulatur gezielt trainiert werden.

Neuromuskuläres und sensomotorisches Training

Neben der isolierten Kraftfähigkeit ist die Fähigkeit entscheidend, Gelenkstellungen und Bewegungen unter wechselnden Bedingungen aktiv zu kontrollieren. Mögliche Trainingsformen sind:

  • Einbeinstand
  • Balanceübungen
  • instabile Unterlagen
  • Perturbationstraining
  • propriozeptive Übungen

Insbesondere bei funktioneller Sprunggelenksinstabilität werden Balance-, Kraft- und neuromuskuläre Trainingsformen empfohlen, um die dynamische Stabilität und Bewegungskontrolle zu verbessern. Die Übungen können von stabilen und vorhersehbaren Bedingungen zunehmend zu komplexeren und dynamischeren Aufgaben gesteigert werden.

Funktionelles Training und Bewegungskontrolle

Erworbene Kraft, Fußkontrolle und neuromuskuläre Fähigkeiten sollen anschließend auf alltags- und sportspezifische Bewegungen übertragen werden. Typische Übungen sind:

  • Kniebeuge
  • Step-down
  • Ausfallschritte
  • Gangschule
  • Lauftechnik
  • Sprung- und Landetraining

Entscheidend ist dabei nicht ausschließlich die sichtbare Beinachse. Bewegungsqualität, Belastbarkeit, Symptomatik und die Anforderungen der jeweiligen Aufgabe müssen gemeinsam betrachtet werden.

Belastungssteuerung und Edukation

Das Training muss innerhalb der individuellen Belastbarkeit des Patienten stattfinden. Belastungssteigerungen erfolgen daher schrittweise und symptomorientiert. Bestandteile sind:

  • individuelles Belastungsmanagement
  • Heimübungsprogramm
  • schrittweise Steigerung der Belastung
  • Return-to-Activity bzw. Return-to-Sport
  • Patientenedukation

Die Intervention sollte individuell an Symptome, Belastbarkeit und funktionelle Anforderungen angepasst werden und nicht ausschließlich auf die Veränderung einzelner biomechanischer Parameter abzielen.

Häufig gestellte Fragen zum Beinachsentraining an Sportwissenschaftler Fabian Gutmann von der Gelenk-Klinik

Wo kann man das Beinachsentraining erlernen?

Am besten erlernen Sie das Beinachsentraining zunächst unter Anleitung einer Fachkraft, beispielsweise eines Sportwissenschaftlers oder Physiotherapeuten. Auch ein gezieltes Training in einer orthopädischen Praxis oder einem spezialisierten Trainingszentrum kann sinnvoll sein. Wir bieten in der Gelenk-Klinik entsprechende Kurse an. Eine fachliche Einführung hilft dabei, geeignete Übungen auszuwählen, die Ausführung zu überprüfen und das Training an die individuellen Voraussetzungen anzupassen. Die erlernten Übungen können anschließend auch selbstständig durchgeführt und in den Alltag oder das eigene Training integriert werden. Insbesondere bei bestehenden Beschwerden sowie nach Verletzungen oder Operationen ist eine vorherige fachliche Einschätzung sinnvoll.

Kann man die Übungen auch alleine durchführen?

Ja, viele Übungen des Beinachsentrainings lassen sich nach einer Einführung selbstständig zu Hause durchführen. Wichtig ist, dass Sie die Bewegungsabläufe zuvor korrekt erlernt haben. Ein Spiegel oder eine Videoaufnahme können helfen, die eigene Körperhaltung zu kontrollieren. Steigern Sie den Schwierigkeitsgrad langsam und achten Sie darauf, die Übungen regelmäßig und kontrolliert auszuführen. Bei Unsicherheit oder anhaltenden Beschwerden ist eine erneute Anleitung durch entsprechendes Fachpersonal empfehlenswert.

Warum ist die Wahrnehmung (Sensorik) beim Beinachsentraining so wichtig?

Damit Bewegungen gezielt gesteuert werden können, benötigt das Nervensystem ständig Informationen aus Muskeln, Sehnen, Gelenken und der Haut – beispielsweise darüber, wie ein Gelenk steht, wie es sich bewegt oder wie der Fuß gerade belastet wird. Diese Informationen werden verarbeitet und die Muskelaktivität fortlaufend an die jeweilige Situation angepasst. Nach Verletzungen kann dieses Zusammenspiel beeinträchtigt sein. So zeigen wissenschaftliche Untersuchungen insbesondere bei Menschen mit chronischer Sprunggelenksinstabilität nach wiederholten Umknickverletzungen Einschränkungen der Propriozeption, beispielsweise des Gelenkpositions- und Bewegungssinns, sowie der Gleichgewichtskontrolle. Deshalb beinhaltet das Beinachsentraining auch Übungen zur bewussten Wahrnehmung der Belastung und Gelenkstellung sowie Gleichgewichts- und Koordinationsaufgaben. Ziel ist es, sensorische Informationen besser in die Bewegungssteuerung einzubeziehen und angemessen auf unterschiedliche Belastungssituationen reagieren zu können.

Welche Rolle spielen die Füße beim Beinachsentraining?

Die Füße bilden die Basis der Beinachse und stellen beim Stehen, Gehen oder Laufen den direkten Kontakt zum Boden her. Sie müssen Belastungen aufnehmen, sich an den Untergrund anpassen und gleichzeitig ausreichend Stabilität für die weitere Bewegung bereitstellen. Beim Beinachsentraining werden deshalb unter anderem die Wahrnehmung der Belastung unter dem Fuß, die Fuß- und Zehenmuskulatur sowie die stabilisierende Muskulatur des Unterschenkels trainiert. Ziel ist nicht, den Fuß dauerhaft in eine bestimmte Position zu bringen, sondern seine Fähigkeit zu verbessern, Belastungen kontrolliert aufzunehmen, sich anzupassen und innerhalb der gesamten Bewegungskette wieder Stabilität zu entwickeln.

Welche Rolle spielt die Hüfte beim Beinachsentraining?

Die Hüfte spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Beinachse, da die Stellung und Bewegung des Oberschenkels unmittelbar beeinflusst, wie sich das Knie unter Belastung bewegt. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Hüftabduktoren, insbesondere der Musculus gluteus medius: Sie stabilisieren das Becken und unterstützen die Kontrolle des Oberschenkels, vor allem bei einbeinigen Belastungen wie Gehen, Laufen oder Einbeinstand. Ist diese Kontrolle in einer bestimmten Situation eingeschränkt, kann beispielsweise das Becken stärker zur Seite absinken oder der Oberschenkel vermehrt nach innen ausweichen, wodurch sich auch die Position des Knies verändert. Deshalb werden beim Beinachsentraining neben Fuß und Knie auch Kraft und neuromuskuläre Kontrolle der hüftumgebenden Muskulatur trainiert und anschließend in funktionelle Bewegungen integriert.

Worauf muss ich beim Trainieren achten?

Entscheidend ist eine kontrollierte und an die individuellen Voraussetzungen angepasste Bewegungsausführung. Fuß, Knie und Hüfte sollten dabei gut zusammenspielen: Der Fuß darf sich unter Belastung bewegen und anpassen, während Knie und Hüfte die Bewegung kontrolliert mitführen. Ziel ist also keine starre Haltung der Beinachse. Auch ein leichtes Zittern oder kleine Ausgleichsbewegungen können insbesondere bei Gleichgewichtsübungen auftreten und sind zunächst unproblematisch. Vermieden werden sollten dagegen ausgeprägte, unkontrollierte Ausweichbewegungen, beispielsweise ein deutliches Einknicken des Knies nach innen oder ein starkes Wegkippen des Fußes auf die Innen- oder Außenkante. Beginnen Sie mit einfachen Übungen und steigern Sie Schwierigkeit, Belastung und Umfang schrittweise. Treten stärkere oder anhaltende Schmerzen, Schwellungen oder eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden auf, sollte die Belastung angepasst und gegebenenfalls fachlich abgeklärt werden.

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