Orthopädische Gelenk-Klinik

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Orthopaedische Spezialisten für Schulter

Ruptur der Supraspinatussehne

  1. Funktion der Supraspinatussehne
  2. Wie entstehen Schäden an der Supraspinatussehne?
  3. Symptome des Supraspinatussehnenrisses
  4. Welche Risikofaktoren begünstigen einen Riss der Supraspinatussehne?
  5. Behandlung des Supraspinatussehnenrisses
Die Abbildung zeigt die Supraspinatussehne, die direkt unter dem knöchernen Schulterdach liegt. Durch Verschleiß oder Verletzungen kann sie reißen. Die Abbildung zeigt die Supraspinatussehne, die direkt unter dem knöchernen Schulterdach liegt. Durch Verschleiß oder Verletzungen kann sie reißen. © Viewmedica

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Der Gelenkkopf des Oberarmknochens (Humerus) ist nicht fest in der Gelenkpfanne verankert. Vielmehr wird das Schultergelenk durch einen festen Muskelring in Position gehalten. Diesen gut koordinierten Muskelring bezeichnet man als Rotatorenmanschette.

Die Rotatorenmanschette besteht aus den Sehnen von 4 Muskeln. Die wichtigste ist die Supraspinatussehne. Sie umschließt den Oberarmkopf flächig wie eine Manschette. Da die Muskelansätze und Sehnen des Supraspinatusmuskels unter dem knöchernen Schulterdach und damit zwischen zwei gegeneinander beweglichen Knochen liegen, sind diese Strukturen besonders gefährdet. Die Sehnen halten den Oberarmkopf im Gelenk und zentrieren ihn bei der Bewegung in der Schulterpfanne.

Durch ihre eingeengte Lage ist die Supraspinatussehne am häufigsten von allen Schultersehnen von der Degeneration (Verschleiß) durch das Impingementsyndrom, einer Sehneneinklemmung der Schulter, betroffen. Der Verschleiß entsteht durch Anstoßen des Oberarmkopfs am Schulterdach beim Heben des Armes und entwickelt sich schleichend. Die Degeneration der Sehne über viele Jahre kann eine Ruptur (Riss) begünstigen. Dann ist vor allem das seitliche Anheben des Armes schmerzhaft. Damit die Funktion der Supraspinatussehne wiederhergestellt werden kann, ist eine operative Naht erforderlich.

Funktion der Supraspinatussehne

Die Supraspinatussehne umschließt den Oberarmkopf (Humerus) flächig von oben, wie eine Manschette oder Haube. Sie verläuft zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach.

Die vier Sehnen der Rotatorenmanschette, zu denen die Supraspinatussehne gehört, sind für die Drehung des Armes, aber auch für die Zentrierung des Oberarmkopfes in der flachen Schulterpfanne verantwortlich. Jede Bewegung des Oberarms im Schultergelenk – Rotation und Heben des Armes –- wird über die Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette gesteuert.

Warum entstehen so oft Schäden an der Supraspinatussehne?

Typische Schädigungen der Supraspinatussehne

  1. Ruptur der Supraspinatussehne
  2. Sehnenreizung durch Abnutzung
  3. Verkalkung

Die Schulter muss in alle Richtungen frei beweglich sein. Im Allgemeinen funktioniert das Gelenk optimal, allerdings hat die Natur eine kleine Schwachstelle übrig gelassen.

Die Sehnen halten den Oberarmkopf im Gelenk und zentrieren ihn bei der Bewegung des Armes in der Schulterpfanne. Ist die Zentrierung des Kopfes gestört oder liegt eine Einengung des sog. subakromialen Raumes (Raum unter dem Schulterdach) vor, können daraus eine Vielzahl von Schmerzsyndromen und Schultererkrankungen hervorgehen.

Ein Teil der Muskelansätze der Rotatorenmanschette liegt unter dem Schulterdach. Sie befinden sich damit zwischen zwei gegeneinander beweglichen Knochen und laufen Gefahr, eingeklemmt zu werden.

Wenn wir unseren Oberarm abspreizen, stößt der Oberarmknochen fast ans Schulterdach. Die dazwischenliegende Supraspinatussehne wird dabei gequetscht. Auf Dauer schwächt diese Bewegung das Gewebe der Sehne. Es kommt daher häufig auch ohne Unfall oder Überlastung durch einen degenerativen Prozess ("Abnutzung") zu einer Verkalkung oder einem Riss der Supraspinatussehne. Die Wahrscheinlichkeit für einen Riss oder Teilriss der Supraspinatussehne steigt daher auch mit dem Alter: Man geht davon aus, dass 50 % aller über 50-Jährigen bereits eine Degeneration bzw. Erkrankung der Supraspinatussehne mit Teilrupturen aufweisen.

Symptome der Ruptur der Supraspinatussehne

Beim seitlichen Abspreizen des Armes treten die für eine Supraspinatussehnenruptur charakteristischen Schmerzen auf. Beim seitlichen Abspreizen des Armes in die Horizontale treten die für Supraspinatussehnenruptur charakteristischen Schmerzen auf. © Gelenk-Klinik

Bei einer Ruptur der Supraspinatussehne treten die Beschwerden nach und nach auf. Dieser allmähliche Schmerzbeginn spiegelt die Ursache der Schäden wieder: ein kontinuierliches Aufreißen der Rotatorenmanschette. Die Ruptur schreitet oft als Teil des individuellen Alterungsprozesses voran.

Charakteristisch für die Ruptur der Rotatorenmanschette sind vor allem Beschwerden beim Heben des Armes: Wenn der Patient den Arm vom Körper weg in die horizontale Ebene bewegt, wird die dabei benötigte Muskelkraft vor allem über die Supraspinatussehne übertragen. Bei Schäden ist diese Bewegung schmerzhaft. Die Kraftentwicklung in diese Richtung ist stark beeinträchtigt.

Reißt die Supraspinatussehne, treten die Schmerzen seitlich und vorne am Schultergelenk auf. Der Betroffene verspürt zunächst dumpfe, später oft ziehende und stechende Schmerzen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Supraspinatussehnenruptur sind diese Schmerzen permanent: Dann wird aus dem belastungsabhängigen Schmerz der Schulter ein Ruheschmerz, der auch nachts auftritt. Oft strahlt dieser Schmerz in den ganzen Arm hinein aus.

Wann sollte ich mit Schmerzen an der Supraspinatussehne zum Arzt?

Schäden an der Supraspinatussehne sollten frühzeitig diagnostiziert werden. Je weiter der Einriss der Sehne fortgeschritten ist, umso schwieriger wird die operative oder konservative Wiederherstellung.

Typische Schulterschmerzen nach Supraspinatussehnenriss

Die Ausweichbewegung und Schonhaltung führt meist zu massiven Verspannungen der Schulter-Nacken-Muskulatur bis hin zu Kopfschmerzen und Wirbelsäulenblockierungen.

Die Kraft im Arm lässt durch diese Kompensation weiter nach. Stechende und ausstrahlende Schmerzen sind die Folge, besonders nachts.

Diese Schulterschmerzen können unerträglich werden. Ausgelöst werden sie durch die verbliebenen Sehnenstümpfe, die jetzt im Schultergelenk einklemmen.

Folgen des Supraspinatussehnenrisses für den Bewegungsablauf

Nach vollständiger Ruptur verliert die Supraspinatussehne die Fähigkeit zur Zentrierung des Schultergelenks. Manche Patienten lernen mit Tricks und Ausweichbewegungen, den Arm weiterhin zu bewegen. Insbesondere durch Rotation des Schulterblattes unter gleichzeitiger Schonung des Schultergelenks kann die Schulter noch bewegt werden.

Folgeschäden für das Schultergelenk durch Verletzungen der Supraspinatussehne

Durch das Ungleichgewicht der Muskeln und Sehnen infolge einer Verletzung der Supraspinatussehne entwickelt sich häufig eine chronische Entzündung des Schleimbeutels in der Schulter. Fehlt der Sehnenzug, kommt es zum Höhertreten des Oberarmkopfes. Bei jeder Bewegung reibt der Knochen des Oberarmkopfes am Knochen des Schulterdachs.

Infolge der Zerstörung der Rotatorenmanschette kommt es sehr rasch zur Abnutzung des echten Schultergelenkes (Glenohumeralgelenk). Wir sprechen dann von einer Defektarthropathie. Der Defekt der Supraspinatussehne schädigt also das Schultergelenk direkt.

Begünstigende Faktoren für eine Schädigung der Supraspinatussehne

Was begünstigt den Supraspinatussehnenriss?

  • Rauchen
  • Verdickung der Supraspinatussehne durch Diabetes
  • Überkopfarbeit und Sport
  • verstärkte Reibung durch Verdickung des Akromions (Schulterdachs)
  • verstärkte Reibung durch Hakenform des Akromions

Die permanente Einklemmung der Supraspinatussehne macht sich oft erst im höheren Lebensalter bemerkbar. Dazu gehören Entzündungen des Schleimbeutels, Sehnenreizungen oder vorzeitiger Verschleiß der Sehne. Dieser Verschleiß der Supraspinatussehne macht die Schulter anfällig. Auch geringfügig scheinende Ereignisse und Bagatellunfälle können zu Schäden führen.

Eine gesunde Sehne wird selten bei einem Unfall oder Stoß reißen. Bei einer vorgeschädigten Supraspinatussehne genügt bereits ein plötzliches Abstützen mit den Händen, etwa bei einem Sturz.

Physiotherapie bei Supraspinatussehnenriss

Ist die Supraspinatussehne teilweise oder vollständig gerissen, wächst sie nicht von selbst wieder zusammen. Bei kleinen degenerativen Rissen kann Physiotherapie dabei helfen, die schmerzfreie Funktion wiederherzustellen. Dabei werden benachbarte Teile der Rotatorenmanschette (Musculus teres minor und Musculus infraspinatus) so auftrainiert, dass sie einen Teil der schulterzentrierenden Funktion der Supraspinatussehne übernehmen können.

Behandlung des Supraspinatussehnenrisses

Hat die Degeneration begonnen, wird der Riss immer größer, bis sich die Supraspinatussehne vollkommen aufgelöst hat. Eine Operation mit Sehnennaht ist dann meist nicht mehr möglich, da zu wenig gesundes Sehnengewebe vorhanden ist. Der Muskel degeneriert. Das heißt: Muskelfasern werden in Fett umgewandelt und der Muskel selbst verliert nach relativ kurzer Zeit jegliche Funktion. Anhand des Fettanteils im Supraspinatusmuskel, der sich mit dem MRT (Magnetresonanztomografie) eindeutig bestimmen lässt, kann das Alter einer Supraspinatusverletzung und der Grad der Ruptur sehr gut abgelesen werden.

Naht des Supraspinatussehnenrisses

Durch einen Rotatorenmanschettenriss kann die Schulter ohne Naht der Supraspinatussehne (Rekonstruktion) nie mehr ”normal” funktionieren. Daher wird der Schulterspezialist versuchen, die Supraspinatussehne wieder anzunähen. Die Naht hat zwei Ziele:

1. Die Supraspinatussehne soll wieder stabil werden und als flächige Haube den Oberarmkopf abdecken. Dafür werden die Fragmente der Sehne zusammengefasst und genäht.

2. Die Supraspinatussehne soll wieder stabil am Oberarmknochen (Humeruskopf) verankert sein. Dafür wird eine spezielle Faden-Anker-Methode angewendet, um die Verbindung wiederherzustellen.

Weiterlesen zur arthroskopischen Naht der Supraspinatussehne

Lösungsmöglichkeiten bei irreversibler Schädigung der Supraspinatussehne

Bei irreversibler Schädigung der Supraspinatussehne kann auch eine Naht die Sehne nicht mehr rekonstruieren. Betroffene haben dann auch nicht mehr die Möglichkeit, durch Physiotherapie die zentrierende Funktion der anderen Bestandteile der Rotatorenmanschette (Musculus infraspinatus und Musculus teres minor) zu trainieren. Mithilfe eines besonderen Implantates kann aber über mehrere Monate die Funktion der Supraspinatussehne kompensiert werden.

Wie ein Ballon liegt dieser Platzhalter im subakromialen (unter dem Schulterdach liegenden) Raum. Er wird mit physiologischer Kochsalzlösung gefüllt und hilft bei der Zentrierung des Schultergelenks. Das nach etwa 2 Jahren selbstauflösende Implantat verschafft den Patienten mit Ruptur (Riss) der Supraspinatussehne die Zeit für eine gelenkzentrierende physiotherapeutische Behandlung der Schulter. Dieses sogenannte Inspace™-Implantat kann minimalinvasiv (arthroskopisch) eingebracht werden. Danach ist bei den meisten Patienten die Schulter wieder hinreichend stabil.

"Inverse Schulterprothese" bei Zerstörung der Supraspinatussehne

Bei Supraspinatussehnenruptur benötigt man eine inverse Schulterprothese. Bei Supraspinatusruptur benötigt man eine spezielle inverse Schulterprothese. Dabei ist die Gelenkpfanne am Oberarmkopf angebracht, der Kopf des Gelenks am Schulterblatt.

Wenn eine Operation die Funktion der Schulter nicht mehr verbessern kann und die Defektarthropathie (Erkrankung des Schultergelenks) voranschreitet, ist meist nur noch eine Reduktion der Schmerzen möglich. Die folgende Abnutzung des Schultergelenks kann schließlich mit einer Schulterprothese (künstliches Schultergelenk) behandelt werden. Weil dem Schultergelenk "Getriebe" (Sehne) und "Motor" (Muskel) fehlen, benötigt man eine besondere Schulterprothese, die genau für diesen Fall der defekten Supraspinatussehne konzipiert wurde: die inverse Schulterprothese. Das Besondere an dieser Prothese ist, dass die Positionen von Gelenkpfanne und Oberarmkopf vertauscht wurden.

Wie ist die Prognose nach der Rotatorenmanschettenruptur?

Der Schulterspezialist kann den Riss der Supraspinatussehne im Frühstadium noch arthroskopisch (minimalinvasiv) operieren. Dabei setzt er einen Nahtanker, der die Rotatorenmanschette wieder stabil im Oberarmknochen verankert. © Fotolia Der Schulterspezialist kann den Riss der Supraspinatussehne im Frühstadium noch arthroskopisch (minimalinvasiv) operieren. Dabei setzt er einen Nahtanker, der die Rotatorenmanschette wieder stabil im Oberarmknochen verankert. © Fotolia

Die frühzeitige Erkennung der Sehnenruptur ist unabdingbar, um sie arthroskopisch beheben zu können. Dabei näht der Operateur durch mehrere kleine Hautschnitte die abgerissene Supraspinatussehne wieder an. Dieser Eingriff wirkt der fortschreitenden Gelenkzerstörung und dem Verlust der Armhebefunktion mit den daraus resultierenden Schmerzen entgegen. Leider wird dies oft versäumt, sodass der Schulterverschleiß (Schulterarthrose) eine häufige Folge der Supraspinatussehnenruptur ist.

 

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