Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
Alte Bundesstr. 58
79194 Gundelfingen
Tel: (0761) 55 77 58 0
Mail: patienten@gelenk-klinik.de

Arthritis: Ursachen, Symptome und Behandlung

Definition: Was ist die Arthritis?

Rheumatische Handarthritis GelenkzerstörungMechanismus der Gelenkzerstörung durch Arthritis. © bilderzwerg, Fotolia

Jede Entzündung im Körper verläuft nach dem gleichen Muster: Bei einer Schädigung kommt es im betroffenen Gebiet zu einer Rötung und Erwärmung. Das sind Signale einer gesteigerten Durchblutung. Mit dem Blut gelangen auch vermehrt Zellen der Immunabwehr in den Bereich der Schädigung. Die auftretende Schwellung ist Zeichen eines Ödems, bei dem es zu vermehrter Wassereinlagerung im Gewebe kommt. Dadurch steigt auch der Druck auf die Nervenenden an, wodurch in diesem Bereich Schmerzen auftreten. Arthritis ist eine knorpelzerstörende Entzündung, die jedes Gelenk betreffen kann. Ursachen können vielfältig sein: Arthritis wird aber auch zu den Autoimmunerkrankungen gezählt. Dabei bildet der Körper unerklärlicherweise eine Entzündungsreaktion gegen körpereigenes Gewebe aus.

Krankheitsmechanismus der Arthritis: Entzündliche Knorpelzerstörung

Dies trifft auch bei einer Gelenkschwellung zu: Die Blutgefäße in der Gelenkinnenhaut (Membrana synovialis) erweitern sich und füllen sich mit Blut. Durch die Membranen der prall gefüllten Blutgefäße tritt Flüssigkeit in die Zellzwischenräume der Synovialis (Schleimhautschicht) aus, die daraufhin anschwillt. Von dort gelangt die Flüssigkeit in die Gelenkkapsel, der zähen, bindegewebigen Hülle, die jedes Gelenk umgibt. In diesem Stadium wird fürhrt Arthritis zum Gelenkerguss, welcher reich an weißen Blutkörperchen und entzündungsfördernden Gerinnungsstoffen ist. Diese sogenannten Entzündungsmediatioren - hormonänhnliche Proteine - gelangen infolge der Entzündungsprozesse aus dem Blut in das Entzündungsgebiet. Durch die Gerinnungsstoffe und die weißen Blutkörperchen bildet sich auf der Synovialis eine feine Schorfschicht, die zu einer Wucherung der Schleimhaut führt. Diese frisst sich bis in den Knorpel hinein. Die wuchernde Schleimhaut überwächst den Knorpel und zerstört ihn.

Rheumatoide Arthritis als Autoimmunerkrankung: Der Körper zerstört die eigenen Gelenke

Die Ursache der Knorpelzerstörung ist meist nicht zu erklären. Arthritis wird als häufig als aggressives Verhalten des Körpers gegen eigenes Gewebe, also als Fehlfunktion des Immunsystems verstanden.

Die wuchernde Schleimhaut der Gelenkkapsel (Synovialis) greift außerdem die Zellen des Knochens an, der an den Knorpelrändern am Ansatz der Gelenkkapsel frei liegt. Zwar sterben diese Zellwucherungen wieder ab, doch ein kleiner Teil bleibt übrig, wandelt sich in unelastische Faserzellen um, die die Funktion des Gelenkknorpels nicht mehr erfüllen, und bildet eine Schicht, die auf dem zerstörten Knorpel liegt. Diese Faserschicht wird Pannus genannt. Der Pannus überdeckt im fortgeschrittenen Stadium der Arthritis größere Bereiche des Gelenkknorpels, sodass dieser nicht mehr von Synovia ernährt werden kann. Der Knorpel verhungert.

Die durch den Entzündungsprozess eingeschwemmten weißen Blutkörperchen (Fresszellen oder Makrophagen) versuchen, die abgestorbenen Gewebeteile abzubauen. Dabei setzen sie aggressive Verdauungsstoffe (Zytokine) frei, die das Bindegewebe der Knorpelzellen noch weiter schädigen. Die Zytokine regen zudem die Ausschüttung knochenabbauender Zellen (Osteoklasten) an. Diese greifen auch die Knochensubstanz an. Am Ende steht ein mehr oder weniger zerstörtes Gelenk. Auch die Sehnen, Bänder und Schleimbeutel können betroffen sein.

Arthritis ist also eine sich selbst erhaltende Erkrankung. Je nach Typ und Verlaufsform der Arthritis kann es bis zur kompletten Entblößung der knöchernen Gelenkoberfläche führen. Dann reibt Knochen auf Knochen, was zusätzlich zu den Entzündungsschmerzen schließlich durch Knochenschädigung und Arthrose zu erheblichen Gelenkschmerzen führt.

Bakterielle Arthritis

Bei der bakteriellen (infektiösen) Arthritis gelangen Keime entweder durch Verletzungen des Gelenks oder auf dem Blutweg (hämatogen) in das Gelenk. Zu den häufigsten Ursachen des direkten Keimeintritts zählen Operationen oder Injektionen in ein Gelenk, wodurch Bakterien eingeschleppt werden.

Der häufigste Erreger der infektiösen Arthritis ist der Staphylococcus aureus (etwa bei der Hälfte aller Patienten). In ca. 25% der Fälle sind der Staphylococcus epidermidis und Streptokokken für die Entzündung verantwortlich. Auch Viren können Arthritiden verursachen. Zu den häufigsten Erregern der Arthritis gehören das Rötelnvirus, das Mumpsvirus und das Hepatitis-B-Virus.

Arthritis oder Arthrose: Wo liegen die Unterschiede?

Die Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die zur Schädigung der Gelenkflächen führen kann. Sie ist abzugrenzen von der Arthrose, einer degenerativen Gelenkerkrankung, die mit der Zerstörung des Gelenkknorpels einhergeht. Während es sich bei Arthrose um ein kaltes (nichtentzündliches) Geschehen handelt, ist die Arthritis durch Überwärmung, Schwellung und Rötung des betroffenen Gelenkes gekennzeichnet. Zudem kommt es im Rahmen einer Arthritis zum Gelenkerguss. Nach der Anzahl der betroffenen Gelenke wird zwischen einer Monoarthritis (ein Gelenk erkrankt), einer Oligoarthritis (einige Gelenke erkrankt) und einer Polyarthritis (viele Gelenke erkrankt) unterschieden.

Es gibt aber auch bei der Arthrose entzündliche Phasen, bei denen der Gelenkverschleiß zu einer Entzündung und Schwellung innerhalb der Gelenkkapsel führt. Man spricht in diesen Fällen von entzündlich aktivierter Arthrose.

Symptome: Daran erkennen Sie eine Arthritis

Es ist wichtig, die Arthritis von der Arthrose zu unterscheiden. Beide Erkrankungen können zu ähnlichen Problemen führen, haben aber meist andere Ursachen und werden im Verlauf ganz anders therapiert.

Symptome der Arthritis

  • stechende Schmerzen im betroffenen Gelenk
  • Rötung, Schwellung und Überwärmung
  • Morgensteifigkeit
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Gelenkerguss
  • Gelenkverformung

Die nicht auf einer bakteriellen Infektion basierende Arthritis verläuft in der Regel schubweise, d. h. es gibt Phasen, in denen es den Patienten besser geht und solche Phasen, in denen die Symptome sehr ausgeprägt sind. Zu Beginn der Erkrankung treten häufig allgemeine Grippesymptome wie Fieber, Müdigkeit oder Appetitlosigkeit auf.

Erst in späteren Krankheitsstadien bemerken die Patienten die für eine Arthritis typischen Anzeichen. Die Gelenke sind vor allem morgens unbeweglich, schmerzhaft und versteifen zunehmend. In den Fingern kommt es besonders häufig zur sogenannten Morgensteifigkeit, sodass selbst einfachste Aufgaben wie das Schließen des Hosenknopfs den Patienten schwerfallen.

Arthritis deutlich zu erkennende HandgelenkdeformierungHand einer jungen Frau mit Arthritis: Die Schädigung des Gelenks hat bereits zu einer deutlichen Gelenkverformung geführt. ©chlorean, Fotolia

Bleibt die Arthritis unbehandelt, können schwerste Gelenkschädigungen resultieren, die zu schmerzhaften Gelenkergüssen führen. Die betroffenen Gelenke schwellen an und es kommt zu Rötungen und Überwärmungen. Auch Gelenkverformungen sind in späteren Krankheitsstadien möglich.

Ursachen: Wie entsteht eine Arthritis?

Welche Arten von Arthritis gibt es?

  • rheumatoide Arthritis
  • bakterielle Arthritis
  • postinfektiöse Arthritis
  • Arthritis bei Stoffwechselstörungen wie Gicht

Die Arthritis kann verschiedene Ursachen haben: Sowohl erbliche Faktoren als auch erworbene Gelenkschäden oder Verletzungen können ein Rolle spielen. Anhand der Ursache erfolgt auch die Differenzierung dieser Gelenkentzündung. Basiert die Arthritis auf einer Infektion mit Bakterien, die durch eine Verletzung, Operation oder Injektion ins Gelenk gelangt sind, liegt eine bakterielle Arthritis vor. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem Gelenkempyem. Das Leitsymptom der bakteriellen Arthritis ist der Gelenkschmerz. In etwa 90 % der Fälle ist nur ein Gelenk befallen. Die häufigsten Lokalisationen sind Knie- (50 %) und Hüftgelenke (25 %). In etwa 10 % sind Schulter-, Ellenbogen-, Sprung- oder Handgelenk betroffen.

Von der bakteriellen Arthritis zu unterscheiden ist die postinfektiöse Arthritis, die beispielsweise nach einer Harnwegsinfektion oder einer Infektion der Atemwege auftritt, und die Arthritis bei Stoffwechselerkrankungen (z. B. Gicht). Diese entzündlichen Erkrankungen werden auch unter dem Begriff Osteoarthritis zusammengefasst.

Die häufigste Form der Arthritis ist die rheumatoide Arthritis. Sie ist meist erblich bedingt und tritt aufgrund einer Autoimmunreaktion des Körpers in mehreren Gelenken gleichzeitig auf. Hiervon abzugrenzen ist die aktivierte Arthrose, bei der es infolge von mechanischer Überbelastung ebenfalls zu einer Gelenkentzündung kommt.

Wie erstellt Ihr Arzt die Diagnose?

Ultraschalldiagnose bei ArthritisDie Sonografie (Ultraschall) zeigt entzündlich bedingte Flüssigkeitseinlagerungen oder Knorpelveränderungen im Gelenk. © Africa Studio, Fotolia

Bei der Untersuchung durch den Arzt zeigt sich in vielen Fällen ein Gelenkerguss, der an Knie und Ellenbogen leicht zu ertasten ist. Für die Feststellung einer Arthritis kommen neben der klinischen Untersuchung durch Blick- und Tastdiagnose außerdem bildgebende Verfahren wie die Sonografie (Ultraschall) zum Einsatz. Auch mittels Röntgenaufnahmen können charakteristische Veränderungen der gelenknahen Knochen, die man auch als arthritische Randsaumbildung bezeichnet, nachgewiesen werden. Bei der Blutuntersuchung finden sich zudem erhöhte Entzündungswerte. Die Schlüsseluntersuchung ist die Gelenkpunktion zur Analyse der Synovia (Gelenkflüssigkeit). Bestimmte Blutwerte wie die Leukozytenzahl geben Aufschluss darüber, ob es sich um einen entzündlichen oder nicht entzündlichen Gelenkerguss handelt. Das Aussehen des Gelenkergusses dient der weiteren Differenzierung. Zudem kann durch einen Abstrich ein Erregernachweis erfolgen.

Behandlung der Arthritis

Die Behandlung muss 4 Ziele erreichen:

  • die rasche Beseitigung des Entzündungsprozesses bei infektiöser Ursache mithilfe von Antibiotika
  • die mechanische Reinigung (Entfernung der Entzündungsfaktoren)
  • die Druckentlastung
  • die funktionelle Heilung
  • die Beseitigung der auf der Gelenkfläche wuchernden Schleimhaut


Eine infektiöse Arthritis erfordert eine umgehende chirurgische Intervention: in erster Linie die Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Hier geht es darum, die Leukozytenzahl und somit die schädlichen Zytokine zu reduzieren, um die Gelenkzerstörung zu verhindern. Des Weiteren erfolgt eine komplette Spülung des Gelenks mit anschließender Drainage. Spricht das Gelenk nicht ausreichend auf die Therapie an, kann eine offene oder arthroskopische Synovektomie (Entfernung erkrankter Gelenkhaut) durchgeführt werden. Parallel erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. Diese müssen zunächst breit wirken, um nach Erhalt des Erregernachweises spezifisch eingesetzt zu werden. Die Antibiotikatherapie wird in der Regel intravenös für die Dauer von 2–6 Wochen durchgeführt.

Ernährung bei Arthritis: Darauf sollten Sie achten

Ernährung: Vermeiden Sie folgende Lebens- und Genussmittel:

  • tierische Lebensmittel mit hohem Gehalt an Arachidonsäure (z. B. Schweineschmalz)
  • fettreiche Wurst- und Käsesorten
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Ernährung: Diese Lebensmittel wirken sich günstig auf die Arthritis aus:

  • Pflanzenöle
  • Fisch (Omega-3-Fettsäuren)
  • Obst und Gemüse
  • Knoblauch
  • kalziumreiche Lebensmittel (Milchprodukte)
  • Vollkornprodukte
rohes GemüseDie richtige Ernährung kann Entzündungsprozessen in Gelenken bei Patienten mit rheumatoider Arthritis entgegenwirken. © monticellllo, Fotolia

Eine rheumatoide Arthritis lässt sich durch die richtige Ernährung in gewissem Maße beeinflussen. Neben einer Gewichtsreduktion zur Entlastung der Gelenke steht vor allem die Vermeidung bestimmter Lebensmittel, die sich ungünstig auf die Erkrankung auswirken, im Vordergrund.

Da bestimmte Botenstoffe im Körper entzündungsfördernd wirken, können Betroffene durch gezieltes Vermeiden von Lebensmitteln die Entzündungsprozesse drosseln. Vor allem Arachidonsäure fördert die Bildung dieser proinflammatorischen (entzündungsfördernden) Substanzen. Diese ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommende Fettsäure wird über die Nahrung aufgenommen. Vor allem in Leberwurst, Ei oder Schweineschmalz findet man die Arachidonsäure in hoher Konzentration. Daher sollten Betroffene maximal zweimal pro Woche Fleisch konsumieren, wobei Geflügel weniger Arachidonsäure enthält als rotes Fleisch.

Besonders günstig wirken sich Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Fisch oder Pflanzenöl) auf die Ernährung von Arthritis-Patienten aus. Sie hemmen Entzündungsprozesse und wirken so einer Gelenkschädigung entgegen. Zudem sollten Betroffene auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium (z. B. über fettarme Milch) und Vitamin D achten. Dies stärkt die Knochen und Gelenke dauerhaft.

Fazit: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Lebensmitteln kann bei rheumatoider Arthritis Entzündungsprozesse hemmen und führt zu einer Verbesserung der Symptome. Zudem lassen sich auf diese Weise Medikamente einsparen.

Bewertung: 
Eigene Bewertung: Keine. Durchschnittlich 4.2 (25 votes)
Folgen Sie der Gelenk-Klinik auf Facebook, Twitter oder Instagram

Bitte ein Gelenk wählen

Anatomische Struktur
SchulterschmerzenEllenbogenschmerzenHand und HandgelenkHuefteWirbelsäuleHandFussSprunkggelenk und Schmerzen im KnöchelKnieschmerzen und Schmerzen im Knöchel

Jobportal des Gelenk-Klinik MVZ

Wir haben Spaß an unserer Arbeit und möchten dich daran teilhaben lassen. Für unsere Klinikerweiterung in 2019 suchen wir daher Verstärkung:

Fachärzte für Orthopädie

Dr. Peter Baum, Facharzt für Orthopädie in FreiburgDr. med. Peter Baum
Facharzt für Orthopädie an der Gelenk-Klinik

Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in FreiburgDr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie an der Gelenk-Klinik Freiburg

Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, Facharzt für Orthopädie in Freiburg Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, Facharzt für Orthopädie an der Gelenk-Klinik

Dr. med. Martin Rinio, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg Dr. med. Martin Rinio
Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie an der Gelenk-Klinik

PD Dr. med. habil. Bastian Marquaß, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin PD Dr. med. habil Bastian Marquaß.
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin an der Gelenk-Klinik

Dr. med. Dirk Hömig, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderchirurgie Dr. med. Dirk Hömig, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderorthopädie