Orthopädische Gelenk-Klinik

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Orthopaedische Spezialisten für Hüfte, Hüftschmerzen, Hüftarthrose

Hüftkopfnekrose (Knochennekrose des Hüftgelenks)

  1. Was ist eine Hüftkopfnekrose?
  2. Was begünstigt eine Hüftkopfnekrose?
  3. Ist die Hüftnekrose altersabhängig?
  4. Was geschieht im Knochen genau?
  5. Symptome
  6. Diagnose
  7. Differentialdiagnose
  8. Die Heilungschancen sind altersabhängig
  9. Therapiemöglichkeiten der Hüftnekrose
Hueftkopfnekrose Roentgenbild.jpgRöntgenbild einer Hüftkopfnekrose

(oder Femurkopfnekrose - absterbender Hüftkopf - HKN): Die Hüftkopfnekrose (Knocheninfarkt der Hüfte) wird durch ein Absterben des lebenden Knochengewebes ausgelöst. Wenn z.B. die Durchblutung des Hüftknochens zurückgeht, demineralisiert der Knochen und verliert seine Stabilität.

Wie entsteht die Hüftkopfnekrose?

Die Hüftkopfnekrose oder aseptische Knochennekrose ist eine schwere Knochenerkrankung des Hüftgelenks. Dabei kommt es zu einer örtlich begrenzten Zerstörung des Knochens am Hüftkopf weil stellenweise Knochen-Gewebe abstirbt (griechisch nekros = abgestorben).

Ursache sind Durchblutungsstörungen

Bei der Hüftkopfnekrose handelt es sich um die Zerstörung des gelenknahen Knochens des Femurkopfes im Rahmen einer Durchblutungsstörung.

Aktueller Fachartikel zu Hüftkopfnekrose von Dr. Thomas Schneider

Die Hüftkopfnekrose des Erwachsenen ist eine typische Zivilisationskrankheit. Wie bei einem Herzinfarkt sind auch hier das Rauchen, zu hohe Blutfettwerte und zu viel Alkohol die Haupt- Risiko-Faktoren. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland mehrere tausend Menschen an einer Nekrose des Hüftkopfes!

Animation zur Hüftknopfnekrose

Die Hüftkopfnekrose ist kein spezifisches Problem des Alters

Die Patienten sind meistens zwischen 35 und 45 Jahre alt. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Der absterbende Hüftkopf vermindert die Lebensqualität der Betroffenen massiv. Bei 30-70% der Fälle kommt es sogar zu einer beidseitigen Hüftkopfnekrose. Diese kann viele verschiedene Ursachen haben - manche davon sind bis heute nicht eindeutig bekannt. Die Hüftkopfnekrose ist ein Absterben des Knochens, ohne dass eine Infektion des Hüftgelenkes vorliegt. Wird nicht frühzeitig stadiengerecht therapiert, entstehen irreparable Schäden am Hüftgelenk, die zu einer beschleunigten Arthrose im Hüftgelenk führen, obwohl der Knorpel selbst gar nicht direkt von der Durchblutungsstörung betroffen ist. Die Schädigung entsteht vielmehr durch die nachlassende Festigkeit des abgestorbenen Hüftkopfknochens unter dem Knorpel. Dadurch bricht der Knorpel ein und eine Hüftarthrose kann entstehen. Unbehandelt führt die Hüftkopfnekrose bei 85% der Patienten zu einem Einbruch des Hüftkopfes und zur Hüftarthrose (Coxarthrose).

Was passiert bei der Hüftkopfnekrose im Knochen?

Hueftkopfnekrose RoentgenbildRöntgenbild einer Hüftkopfnekrose

In Ihrem Knochen ist es durch die gestörte Durchblutung zu einem Tod von Knochenzellen gekommen, weil die den Hüftkopf versorgenden Blutgefäße verschlossen wurden.

Die Folgen dieser Mangelversorgung des Hüftknochens mit Sauerstoff sowie Nähr- und Mineralstoffen sind gravierend. Die eigentliche Aufgabe der Knochenzellen ist es, einen ständigen Knochenauf- und abbau sicher zu stellen, damit sich der Knochen an ständig wechselnde Belastungen anpassen kann. Das abgestorbene Hüftknochengewebe kann diese natürlichen Prozesse nicht mehr aufrechterhalten.

Folglich werden die Knochenbälkchen im Inneren des Knochens, die für die Stabilität und die Formgebung des Hüftkopfes von großer Bedeutung sind, nicht mehr erneuert: Die von der Hüftkopfnekrose betroffenen Knochenanteile brechen mangels ausreichender Festigkeit ein. Im Knochen unter dem Hüftknorpel entsteht ein Loch! Der darüber liegende Hüftgelenkknorpel kann dadurch schwer geschädigt werden - die Hüftarthrose droht! Ein schwerer, nicht umkehrbarer Schaden an Gelenk und Knochen ist die Folge. Vergleichbar mit der Eisfläche eines zugefrorenen Sees, die nicht überall ausreichend dick ist, bricht der Knochen an der dünnsten Stelle ein.

Die Problematik der Hüftkopfnekrose ist, dass das Krankheitsgeschehen sehr nah am Gelenk statt findet und es dadurch zu einer Schädigung des Hüftgelenks kommt. Knocheninfarkte, wie sie zum Teil als Zufallsbefunde im Röntgenbild festgestellt werden können, liegen im Inneren des Knochens weit entfernt vom Gelenk und haben daher geringe Bedeutung.

Das Alter beeinflusst die Heilungschancen

Im kindlichen und jugendlichen Alter beim sogenannten Morbus Perthes ist eine viel stärkere Umbaureaktion zu erwarten, die Selbstheilungspotenz ist deutlich höher, da der Knochen einen stärkeren Reparaturmechanismus hat. Bei einer Hüftkopfnekrose im Erwachsenenalter sind diese Möglichkeiten deutlich eingeschränkt. Eine selbstständige Reparatur der Knochennekrose durch eine konservative Behandlung ist unwahrscheinlich.

Ursachen einer Hüftkopfnekrose?

Häufige Ursachen für eine Hüftkopfnekrose beim Erwachsenen:

  • Unfallverletzungen mit Schädigung der Hüftkopfgefäße z.B. nach Schenkelhalsbruch kopfnah (posttraumatische Hüftkopfnekrose)
  • alkoholbedingte Schädigung des Hüftkopfes (ethyltoxische Hüftkopfnekrose)
  • strahlungsbedingte Schädigung des Hüftkopfes (post radiatio Hüftkopfnekrose)
  • Kortisonbedingte Knochenschädigung (Glukokortikoid bedingte Hüftkopfnekrose)
  • Zystostatika mit knochenschädigender Wirkung
  • Tauchschäden durch Gasbläschen bei zu schnellem Auftauchen (Caisson- oder Dekompressionskrankheit)
  • Berufserkrankung bei Tauchern und Bergbauarbeitern
  • stoffwechselbedingte Durchblutungsstörungen des Hüftkopfes (Erhöhte Gallensäure, Blutzuckererhöhung bei Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörung)
  • Nierenerkankungsbedingte Hüfterkrankung (Renale Hüftkopfnekrose)
  • Gerinnungsstörungsbedingte Nekrose
  • Blutzelltumoren

Trotz der vielen modernen Diagnosemethoden und guter Studienlage sind noch nicht alle Ursachen für eine Hüftkopfnekrose bekannt. Regelmäßig haben wir Patienten in der Sprechstunde, die eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes und alle Zeichen eines Hüftkopftodes haben, aber keine der oben genannten Ursachen aufweisen.

Welche Symptome gibt es im Frühstadium?

Die Hüftkopfnekrose kann im frühen Stadium als schleichend beginnendes Ziehen in der Leiste oder plötzlich einschießende Leistenschmerzen beschrieben werden. Die anfänglichen Hüftbeschwerden weisen nicht auf die Ursache hin. Das Hüftgelenk kann rasch die alltägliche Belastung nicht mehr tolerieren. Außerdem ist häufig die Beweglichkeit bei Innendrehungen eingeschränkt.

Die massiven Hüftschmerzen oder Leistenschmerzen treten oft erst beim Zusammenbrechen des abgestorbenen Hüftkopfes ein. Daher kommt es häufig zu einer verspäteten Diagnose und Behandlung der Hüftkopfnekrose.

Wie kann die Hüftkopfnekrose erkannt werden?

Wir führen mit dem Patienten ein Gespräch über die Hüftbeschwerden und die möglichen Risikofaktoren für eine Hüftkopfnekrose.
Eine genaue Hüftschmerzanamnese und eine akribische klinische Untersuchung des Hüftgelenks schließen sich an.

Dank unserer Erfahrung können wir die Symptome in der Regel richtig einschätzen und die erforderliche Behandlung einleiten.

Untersuchung der Hüftkopfnekrose

  • Beweglichkeit des Hüftgelenks
  • Bewegungsgefühl des Hüftgelenks
  • Schmerzlokalisation am Hüftgelenk
  • Stellungen, bei denen Hüftschmerzen provoziert werden können.
  • Muskelkraft und Muskelmasse der hüftumgebenden Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur
  • das Gangbild

In der Orthopädie stehen uns verschiedene apparative bildgebende Diagnoseverfahren zur Verfügung. Mit Hilfe von Röntgenbildern und der Magnetresonanztomographie (MRT) können wir die Hüftdiagnose sichern.

Röntgenuntersuchung bei der Hüftkopfnekrose

Die digitale Röntgenaufnahme lässt eine strahlungsarme Untersuchung des Hüftgelenkes zu. Für die Diagnose einer sehr frühen Hüftkopfnekrose ist dieses Verfahren nicht gut geeignet. Im Röntgenbild werden nur Veränderungen der Knochenstruktur sichtbar gemacht.
Die Knochenbälkchen werden erst Wochen nach dem eigentlichen Infarktereignis (Tod der Knochenzellen durch fehlende Durchblutung) abgebaut. Daher kann die Hüftkopfnekrose im Röntgenbild nicht in der Frühphase nachgewiesen werden.

Rolle des MRT bei der Untersuchung der Hüftkopfnekrose

Mit Hilfe der kernspintomographischen Untersuchung können wir die Hüftkopfnekrose im Frühstadium diagnostizieren. Es ist zugleich die einzige Methode diese Hüfterkrankung so frühzeitig einer Behandlung zuzuführen, dass eine vollständige Wiederherstellung oder zumindest ein Erhalt des Hüftgelenkes möglich ist.

Computertomographische Untersuchungen stellen ebenfalls nur Knochenveränderungen dar und sind erst im späteren Stadium der Hüftkopfnekrose hilfreich.

Alle drei Verfahren sind hilfreich um die Art und das Ausmaß der Hüftkopfnekrose genau analysieren zu können und ein bedarfsgerechten Therapieplan zu erstellen.

Welche Krankheitsstadien werden bei der Hüftkopfnekrose unterschieden?

Die Hüftkopfnekrose kann in verschieden Krankheitsstadien eingeteilt werden.
Die sog. ARCO Klassifikation wird international in Studien verwendet.
ARCO 0 Hüftkopfnekrose: Alle bildgebenden Verfahren sind negativ.
ARCO I Hüftkopfnekrose: Kernspintomographie und Knochenszinthigraphie zeigen die Nekrose
ARCO II Hüftkopfnekrose: Röntgen und CT zeigen eine leichte Entkalkung, in der Kernspintomographischen Untersuchung typische Nekrosebezirk nachweisbar.
ARCO III Hüftkopfnekrose: Im Röntgen und CT kann man eine Bruchlinie unter dem Knorpel nachweisen, im weiteren Verlauf verformt sich der Hüftkopf.
ARCO IV Hüftkopfnekrose: Zeichen eines Hüftverschleißes (sekundäre Coxarthrose).

Welche Therapie kann bei der Hüftkopfnekrose oder absterbenden Hüftkopf helfen?

Konservative Therapie

Für die Therapieentscheidung ist die Einteilung in der ARCO Klassifikation unabdingbar. Hierbei ist das Alter des betroffenen Menschen, die Ausdehnung und Lokalisation der Hüftkopfnekrose entscheidend. Beim Erwachsenen kann im Gegensatz zur kindlichen Hüftkopfnekrose (M.Perthes) eine Selbstheilung nicht erfolgen. Der Zustand des Hüftgelenkes ebenso wie der Allgemeinzustand des Patienten, zusätzlicher Erkrankungen, Lebenserwartung wird ebenfalls in die Therapieentscheidung mit einbezogen.

Je weniger die Knochennekrose fortgeschritten ist, umso besser stehen die Chancen auf Linderung der Beschwerden und sogar auf völlige Heilung.

Welche Therapiemaßnahmen stehen zur Verfügung?

Operative Therapie
  • Pridie-Bohrungen zur Auffrischeung der Nekrosezone
  • Knorpel-Zelltransplantation
  • Varisationsosteotomie

Mechanische Entlastung über Physiotherapie Gewichtsentlastung des Hüftgelenkes, Schonung durch Sportkarenz, Ruhigstellung des Hüftgelenkes (z.B. Orthesen)
Hyperbare Sauerstofftherapie (hyperbare Oxygenierung) im sehr frühen Stadium der Hüftkopfnekrose.
Hüftoperationen mit Bohrungen der Knochen (z.B. Pridie-Bohrungen),
Hüftoperationen mit Knochen oder Knorpelknochentransplantation
Hüftoperationen wie Osteotomien (z.B. Varisationsosteotomie bei M. Perthes)
Künstlicher Hüftgelenkersatz durch Endoprothetik bei eingebrochenem Hüftkopf.

Welche anderen Erkrankungen müssen von der Hüftkopfnekrose unterschieden werden?

Zu unterscheiden sind Entzündungen des Hüftgelenkes entzündungsbedingten Formen der Hüftkopfnekrose (septische Hüftkopfnekrose). Hierbei sind Bakterien für die Hüfterkrankung ursächlich.
Osteomyelitis oder Knocheneiterung im Hüftkopf Tumoren oder sogenannte Neoplasien des Hüftkopfes (seltene bösartige Tumoren des Hüftkopfes sind das Klarzellchondrosarkom, gutartige Tumoren des Hüftkopfes Chondroplastom), Tumorabsiedlungen im Hüftgelenk bei anderen Tumoren (Knochenmetastasen im Hüftkopf). Verwechslung bei Prostatakarzinom möglich.
Knochenzysten im Hüftkopf auch im Rahmen eines Hüftverschleißes (Coxarthrose)

Zusammenfassung

Die Hüftkopfnekrose ist eine schwere Knochenerkrankung des Hüftgelenkes. Hierbei kommt es zu einer örtlich begrenzten Zerstörung des Knochens am Hüftkopf.
Die Hüftkopfnekrose des Erwachsenen scheint eine der typischen Zivilisationskrankheit zu sein. Vergleichbar einem Herzinfarkt sind auch beim Hüftinfarkt Risikofaktoren wie Rauchen, zu hohe Blutfettwerte und zu viel Alkoholzufuhr ursächlich, daher erkranken pro Jahr mehrere Tausend Menschen in Deutschland an einer Hüftkopfnekrose. Es ist eine Hüfterkrankung mit vielen weiteren bekannten Entstehungsmechanismen.
Die Hüftkopfnekrose betrifft vorrangig Patienten zwischen 35 und 45 Lebensjahr. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Der absterbende Hüftkopf vermindert die Lebensqualität der Betroffenen massiv. 30-70% der Fälle tritt eine beidseitige Hüftkopfnekrose auf.

 

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Dr. med. Martin Rinio
Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie an der Gelenk-Klinik

 

Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Thomas Schneider
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