1. Wodurch können Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite verursacht werden?
  2. Was kann man selbst gegen Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite tun?
  3. Wann zum Arzt bei Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite?
  4. Diagnose bei Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite
  5. Ärztliche Behandlung von Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite
Druck auf die Hüfte beim Liegen auf der Seite Im Liegen auf der Seite lastet ein großer Teil des Körpergewichts auf der Hüfte. Ist dieser Bereich angegriffen, entstehen durch den Druck vermehrt Schmerzen. © Gelenk-Klinik

Hüftschmerzen in der Seitenlage entstehen dadurch, dass das Hüftgelenk bzw. seine umliegenden Strukturen durch das Gewicht des Körpers belastet werden. Entscheidend ist dabei meist der Druck auf Schleimbeutel, Sehnen und das Gelenk selbst. Oft sind die Schmerzen mit bestehenden degenerativen oder entzündlichen Veränderungen verbunden. Aber auch muskuläre Dysbalancen mit verhärteter Muskulatur oder Reizungen der Sehnen können zu Schmerzen im Liegen auf der Seite führen.

In manchen Fällen lassen sich die Schmerzen durch Dehnübungen oder eine andere Matratze lindern. Wenn das die Beschwerden nicht bessert, müssen die Hüftschmerzen ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Das gilt natürlich auch für alle Hüftschmerzen, die plötzlich und stark ausgeprägt auftreten oder mit einer Einschränkung der Bewegung einhergehen.

Wodurch können Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite verursacht werden?

Hüftschmerzen beim Radfahren Fehlbelastungen beim Radfahren können zu Hüftschmerzen führen. Vor allem geschieht dies, wenn Sattel und Lenker nicht passend eingestellt sind. © Syda Productions / stock.adobe

Wie bei allen Hüftschmerzen gibt es auch bei denen in Seitenlage harmlose Gründe. Schon eine ungünstige Schlafposition kann zu solchen Hüftschmerzen führen. Zu nennen sind dabei eine zu weiche oder zu harte Matratze, ein unpassend eingestellter Lattenrost oder ein falsches Kopfkissen.

Achtung, Alarm

Bei diesen Symptomen sollten Hüftschmerzen sofort ärztlich abgeklärt werden:

  • deutliche Rötung, Schwellung und Wärme im betroffenen Bereich
  • starke Schmerzen ohne Besserung
  • starke nächtliche Schmerzen
  • plötzlich Probleme beim Gehen
  • Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl

Auch funktionelle Gründe können eine Ursache für Schmerzen in der Hüfte in der Seitenlage sein. Funktionell bedeutet, dass keine ernsthaften Knochen-, Sehnen- oder Gelenkerkrankungen dahinterstecken, sondern eine korrigierbare Störung der Funktion. Ein typisches Beispiel dafür sind muskuläre Dysbalancen. So kann es durch eine überwiegend sitzende Lebensweise zu verkürzten Hüftbeugern und einer verspannten Muskulatur kommen. Beim Liegen auf der Seite drohen dann Schmerzen im seitlichen Bereich der Hüfte.

Überlastung durch ungewohnten Sport oder durch eine falsche Belastung des Körpers kann ebenfalls zu leichten Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite führen. Dabei handelt es sich oft um eine Reizung der Schleimbeutel oder Sehnen, die aber nach Schonung innerhalb weniger Tage bis Wochen meist wieder abklingt.

Strukturelle Ursachen für Hüftschmerzen in Seitenlage

Strukturell bedingte Hüftschmerzen werden durch Veränderungen im Gelenk, im Knochen oder an den die Hüfte umgebenden Weichteilen (Schleimbeutel, Muskeln, Sehnen, Bänder) verursacht. Gerät ein derart betroffener Hüftbereich beim Liegen auf der Seite unter Druck, kommt es zu Schmerzen. Die wichtigsten krankhaften Ursachen sind:

  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis) der Hüfte. Am häufigsten betroffen ist der Schleimbeutel am großen Rollhügel (Trochanter major) auf der Außenseite der Hüfte. Die Beschwerden sind meist nur einseitig und verstärken sich, wenn das Körpergewicht im Liegen auf der Seite auf der Hüfte lastet.
  • Hüftarthrose. Eine Hüftarthrose (Coxarthrose) schmerzt vor allem dann in Seitenlage, wenn die degenerativen Veränderungen schon fortgeschritten sind und die Arthrose entzündlich aktiviert ist.
  • Tendinopathie (nicht-entzündliche Sehnenerkrankung). Im Bereich der Hüfte am häufigsten betroffen sind die Sehnen der Glutealmuskulatur. Dabei führt nicht nur der direkte Druck auf die gereizte Sehne an ihrem Ansatz am Rollhügel (Trochanter major) zu Schmerzen. Durch das Liegen mit gebeugten Beinen wird die Sehne gedehnt, was die Schmerzen weiter verstärkt.
  • Röntgenbild Cam-Impingement Hüftgelenk mit CAM-Impingement. Beim Liegen auf der erkrankten Hüfte werden das Impingement und damit die Schmerzen verstärkt. © Gelenk-Klinik
  • Hüftimpingement. Das Hüftimpingement schmerzt aus mehreren Gründen beim Liegen auf der Seite. Zunächst lastet dadurch großer Druck auf den gereizten Strukturen. Außerdem ist in Seitenlage das Hüftgelenk meist gebeugt und nach innen gedreht (innenrotiert), wodurch der Kontakt zwischen Hüftkopf und Pfannenrand (also das eigentliche Anstoßen = Impingement) noch verstärkt wird.



  • Nervenreizung. Muskelverspannungen oder Fehlhaltungen können dazu führen, dass Nerven überdehnt oder gereizt werden. Zusätzlicher Druck durch die Seitenlage kann Schmerzen auslösen. Gefährdet im Bereich der Hüfte ist z. B. der Nervus cutaneus femoris lateralis.
  • Hüftkopfnekrose. Für die Hüftkopfnekrose ist ein starker Schmerz in Seitenlage typisch. Das liegt u. a. daran, dass der absterbende, geschwächte Hüftkopf den Druck nicht mehr gleichmäßig verteilen kann. Zudem verstärken begleitende Knochenödeme und Entzündungen die Schmerzen weiterhin.
  • Hüftgelenksentzündung (Coxitis). Schmerz ist neben Schwellung, Rötung und Überwärmung eines der typischen Zeichen für Entzündung und so auch bei einer Coxitis. Wird auf den entzündeten Bereich durch das Liegen auf der Seite noch Druck ausgeübt, verstärkt dies die Schmerzen noch.
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis. Ein aufgrund einer rheumatoiden Arthritis geschädigtes Hüftgelenk schmerzt durch zusätzlichen Druck darauf noch mehr.
  • Hüftgelenkfraktur, Beckenfraktur. Knochenbrüche sind meist in jeder Lage schmerzhaft. Der Druck auf den betroffenen Bereich in Seitenlage verstärkt die Schmerzen weiter.

Was kann man selbst gegen Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite tun?

Einnahme von Nsar-Medikamenten gegen Hüftschmerzen Bei leichten Hüftschmerzen kann man zur Linderung kurzfristig NSAR wie Ibuprofen einnehmen. Werden die Beschwerden innerhalb weniger Tage nicht besser, sollte ein Arzt aufgesucht werden. © stock.adobe/KMPZZZ

In einigen Fällen kann man Hüftschmerzen selbst lindern. Das gilt insbesondere, wenn sie nur leicht ausgeprägt sind und sich auf eine ungewohnte Belastung zurückführen lassen. Werden sie jedoch innerhalb von wenigen Tagen bis zu einer Woche nicht besser, sollte man Hüftschmerzen ärztlich abklären lassen.

Für das Selbstmanagement gibt es folgende Strategien:

  • Möglichst nicht auf der Seite liegen, Rückenlage mit Kissen unter den Knien bevorzugen.
  • Beim Schlafen in Seitenlage ein Kissen zwischen die Knie und die Knöchel legen. Dadurch werden die Beine weniger verdreht und die Nerven weniger stark gedehnt. Ein zusätzliches Kissen in der Taille verhindert, dass die Hüfte absinkt.
  • Weder eine zu harte noch eine zu weiche Matratze wählen.
  • Je nach Ursache helfen Kälte oder Wärme. Was besser wirkt, sollte individuell ausprobiert werden - bei Verspannungen ist Wärme zu empfehlen, bei entzündlichen Veränderungen eher Kälte (Wärme würde die Entzündung weiter anheizen). Kälte darf nie direkt auf die Haut einwirken, Coolpacks sind immer in Tücher zu packen. Auch mit Wärme muss man aufpassen, damit sich die Haut nicht verbrennt.
  • Kurzfristig lassen sich die Beschwerden mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie z. B. Ibuprofen reduzieren. Bessern sich die Schmerzen trotz Einnahme von NSAR innerhalb weniger Tage nicht, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Möglichst entspannen und Stress runterfahren. Sanfte Entlastungsübungen und vorsichtiges Dehnen helfen dabei, die Muskeln im Hüftbereich zu entspannen. Empfehlenswert sind zudem kurze, nicht anstrengende Spaziergänge. Die körperlichen Aktivitäten sollten aber keinesfalls Schmerzen auslösen oder die Schmerzen verstärken.

Wann zum Arzt bei Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite?

Hüftschmerzen, die trotz lindernder Maßnahmen nach einer bis zwei Wochen nicht besser werden, sollten vom Arzt abgeklärt werden. Das gilt natürlich ebenso, wenn die Schmerzen zunehmen.

Sofort zum Arzt sollte man in diesen Fällen:

  • neu aufgetretene, starke Schmerzen
  • zunehmende Schmerzen nachts, die das Durchschlafen verhindern
  • Funktionseinschränkungen des Beins, z. B. Hinken, Kraftverlust oder wenn das Drehen des Beines nicht möglich ist
  • Schmerzen in der Leiste oder tief im Gelenk
  • Fieber oder Abgeschlagenheit
  • Missempfindungen oder Lähmungen, Blasen- oder Darmstörungen

Diagnostik bei Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite

Klinische Untersuchung der Hüftschmerzen Bei der klinischen Untersuchung der Hüftschmerzen prüft der Arzt die Beweglichkeit des Hüftgelenks in alle Richtungen. © Gelenk-Klink.de

Zunächst wird der Arzt den Patienten gründlich zu seinen Beschwerden befragen. Er lässt sich schildern, wie stark die Schmerzen sind, wann sie auftreten und ob sie in das Bein oder den Rücken ausstrahlen. Außerdem fragt er nach Vorerkrankungen, Verletzungen und wie hoch die körperliche Belastung beim Sport oder im Beruf ist.

Bei der körperlichen Untersuchungen achtet der Arzt auf Fehlhaltungen und Fehlstellungen der Wirbelsäule (Skoliose), des Beckens und der Beine sowie auf das Gangbild. Er beurteilt den Muskelzustand und evtl. Faltenasymmetrien am Oberschenkel und am Gesäß. Schließlich tastet er die schmerzhaften Bereiche der Hüfte ab und prüft dabei, ob Rötungen, Schwellungen oder Strukturveränderungen vorliegen.

Während der Patient liegt, prüft der Arzt die passive und aktive Beweglichkeit der Beine. Dabei wird das Bein im Hüftgelenk in alle Richtungen bewegt und das Bewegungsausmaß dokumentiert.

Nach der körperlichen Untersuchung kommen je nach Verdachtsdiagnose bildgebende Verfahren zum Einsatz.

  • Mittels Ultraschall kann der Arzt Prozesse an Weichteilen wie z. B. den Schleimbeuteln untersuchen. Auch Sehnen oder Flüssigkeitsansammlungen lassen sich damit gut beurteilen.
  • Die neuromuskuläre Analyse hilft dabei, muskuläre Dysbalancen ausfindig zu machen.
  • Das konventionelle Röntgen gehört zu den Standardverfahren. Das Becken mitsamt Hüftgelenk wird dabei von vorn und von der Seite aufgenommen, meist im Stehen unter Belastung. Im Röntgen lassen sich knöcherne Veränderungen gut darstellen, z. B. bei Arthrose, Hüftimpingement oder Fehlstellungen.
  • Wenn Ultraschall und Röntgen nicht ausreichen, kommt die Magnetresonanztomographie zum Zug. Mit ihr lassen sich Schäden an Knorpel, Bändern, Muskeln, Sehnen nachweisen. Gut erkennbar sind mittels MRT z. B. Labrumrisse, Knorpelschäden, entzündliche Veränderungen und Tumoren.
  • Die Computertomographie wird genutzt, wenn sehr detaillierte Darstellungen der knöchernen Situation erforderlich sind. Das ist z. B. bei komplexen knöchernen Deformitäten der Fall, aber auch bei Knochenbrüchen oder zur Planung einer Hüftendoprothese.

Weitere diagnostische Verfahren zur Beurteilung von Hüftschmerzen sind die Knochenszintigraphie und die Arthroskopie.

Ärztliche Behandlung von Hüftschmerzen im Liegen auf der Seite

Die Behandlung der Hüftschmerzen richtet sich nach der jeweiligen Diagnose. Bei funktionellen Hüftschmerzen verordnet bzw. empfiehlt der Arzt eine konservative Therapie, die aus verschiedenen Maßnahmen besteht. Dazu gehören Übungen zur Kräftigung der Muskulatur von Hüfte, Rumpf und Becken, aber auch Dehnübungen und Faszientraining. Gegen Dysbalancen hilft die neuromuskuläre Therapie. Daneben unterstützen auch die zum Selbstmanagement empfohlenen Maßnahmen wie Wärme/Kälte und Entspannungsübungen die Heilung, bei akuten Schmerzen ist die kurzfristige Einnahme von NSAR möglich.

Zur Behandlung von strukturell bedingten Hüftschmerzen reichen diese Maßnahmen nicht aus oder sind im Einzelfall auch ungeeignet. Bei einer Schleimbeutelentzündung am Trochanter major kommen beispielsweise zu Schonung, Schmerzmitteln, physikalischer Therapie und Übungen je nach Ausmaß Kortisoninjektionen, eine Stoßwellentherapie oder sehr selten die operative Entfernung des Schleimbeutels dazu. Ebenso benötigen die Hüftarthrose (Coxarthrose), die Hüftkopfnekrose oder das Hüftimpingementzusätzlich zu den schmerzlindernden Maßnahmen eine spezielle, individuell zugeschnittene Therapie.