- Wodurch können Hüftschmerzen außen an der Hüfte verursacht werden?
- Was kann man selbst gegen Hüftschmerzen außen an der Hüfte tun?
- Wann zum Arzt bei Hüftschmerzen außen an der Hüfte?
- Diagnose bei Hüftschmerzen außen an der Hüfte
- Ärztliche Behandlung von Hüftschmerzen außen an der Hüfte
Hüftschmerzen können auf viele verschiedene Arten und an unterschiedlichen Stellen auftreten. Als Hüftschmerzen außen an der Hüfte machen sie sich vor allem oder sogar ausschließlich an der Hüftaußenseite bemerkbar. Dabei kann z. B. der Bereich um den großen Rollhügel (Trochanter major) punktuell betroffen sein, je nach Ursache strahlen die Schmerzen aber auch entlang der Außenseite von Hüfte und Oberschenkel bis in Richtung Knie aus.
Als Auslöser von Schmerzen an der Hüftaußenseite kommen sowohl harmlose Gründe wie Verspannungen oder Gewebereizungen als auch ernste Erkrankungen der Hüfte oder ihrer umgebenden Strukturen infrage. Die Behandlung erfolgt meist konservativ.
Wodurch können Hüftschmerzen außen an der Hüfte verursacht werden?
Übermäßiges Training oder eine falsche Technik können sowohl bei Ungeübten als auch bei Profisportlern Schmerzen an der Außenseite der Hüfte hervorrufen © buritora, adobe
Schmerzen an der Außenseite der Hüfte werden oft durch eher harmlose Ursachen ausgelöst. In vielen Fällen lassen sie sich deshalb auch durch einfache Maßnahmen oder eine konservative Therapie lindern.
- Druck durch Schlafposition. Eine besonders einfache Erklärung ist der Druck auf die unten liegende Hüfte, wenn Seitenschläfer auf einer zu harten Unterlage liegen. Diese Hüftschmerzen verschwinden meist durch einen Austausch des Lattenrostes oder der Matratze oder durch eine veränderte Schlafposition. Ist dies nicht der Fall, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Muskelverspannungen durch Fehlbelastung. Verspannte Muskeln schmerzen, weil ihre Durchblutung schlechter wird und sich dadurch schmerzauslösende Botenstoffe im Gewebe bilden. Es gibt viele Situationen, in denen sich die Muskulatur an der Außenseite von Hüfte und Oberschenkel verspannt. Dazu gehören einseitiges langes Sitzen, Haltungsfehler, falsche Techniken beim Sport oder bei der Gymnastik sowie zu langes Stehen. Besserung winkt, wenn die Fehlbelastung aufgegeben wird. Zusätzlich helfen bei akuten Schmerzen oft Wärme, sanftes Dehnen und vorsichtige Bewegung.
- Sehnenreizungen durch Überlastung. Wiederholte, einseitige Bewegungen beim Sport (z. B. beim Laufen oder übertriebener Gymnastik) strapazieren die Sehnen im Bereich der äußeren Hüfte. Durch die Reizung entsteht Schmerz, der vor allem bei Belastung auftritt. Ruhe, Schonung und gezielte physiotherapeutische Übungen können die Beschwerden bessern. Ein Beispiel für eine solche Sehnenreizung ist die Gluteus-medius-Tendinopathie.
- Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica). Schleimbeutel sorgen dafür, dass sich Sehnen reibungsarm über knöcherne Strukturen bewegen können. Wird ein Schleimbeutel durch Überbeanspruchung gereizt, schwillt er an und beginnt, bei Bewegung oder Druck zu schmerzen. An der Hüftaußenseite ist die über dem großen Rollhügel liegende Bursa trochanterica betroffen. Sie kann auf vielfältige Weise überlastet werden: So beispielsweise durch langes Liegen auf der Seite, einen eng sitzenden Rucksack, durch intensiven Ausdauersport (Laufen, Radfahren) oder häufiges Treppensteigen. Der Schmerz macht sich bei Bewegung bemerkbar, außerdem lässt sich direkt über dem Rollhügel ein starker Druckschmerz auslösen.
Gelenk- oder Systemerkrankungen als Auslöser
Auch wenn hinter Schmerzen an der Hüftaußenseite oft harmlose Auslöser stecken: Manchmal ist auch eine ernstere, gelenk- oder systembedingte Erkrankung Ursache der Beschwerden. Beispiele dafür sind:
- Hüftgelenksarthrose. Die Coxarthrose kann in allen Bereichen des Hüftgelenks zu Schmerzen führen, so auch an der Außenseite. Typisch ist der Anlaufschmerz, die zunehmende Steifigkeit und die Einschränkung der Bewegung, wobei die Beschwerden meist langsam über Jahre hinweg schlimmer werden.
- Hüft-Impingement. Das Aneinanderstoßen von Hüftstrukturen (z. B. wenn der Hüftkopf an das Labrum stößt) entsteht durch Fehlstellungen im Hüftgelenk. Meist schmerzt das Hüftimpingement in der Leiste, manchmal sitzen die Schmerzen auch an der Außenseite der Hüfte - insbesondere beim Liegen in der Seitenlage.
- Entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Die rheumatoide Arthritis (RA) betrifft manchmal das Hüftgelenk. Häufig werden die Schmerzen von einer langen Morgensteifigkeit begleitet, oft kommt es zu Ruheschmerzen. Ein Hinweis auf die RA ist auch der Befall anderer Gelenke.
- Oberschenkelhalsfraktur. Insbesondere bei alten Menschen kommt es zu Oberschenkelhalsfrakturen, die manchmal auch zu Schmerzen im Bereich der Hüftaußenseite führen. Hauptsymptome sind ein akuter Schmerz nach einem Sturz, verbunden mit Gangstörungen.
- Nervenreizungen. Für brennende, ziehende und kribbelnde Schmerzen an der Hüftaußenseite ist oft ein gereizter oder gequetschter Nervus ischiadicus verantwortlich. Bei der Meralgia paraesthetica wird ein Ast des Nervus cutaneus femoris lateralis komprimiert. Es kommt zu oberflächlichen, oft brennenden Schmerzen an der Hüftaußenseite und am vorderen Oberschenkel.
Hüftgelenk mit CAM-Impingement. Das Nockenwellen-Impingement ist eine knöcherne Erhöhung am Oberschenkelkopf (oben, Mitte), die an der Hüftpfanne anschlägt. © Gelenk-Klinik
Was kann man selbst gegen Hüftschmerzen außen an der Hüfte tun?
Schmerzen an der Hüfte können kurzfristig mit Schmerzmitteln bekämpft werden. Werden die Beschwerden nicht besser, ist die Abklärung beim Arzt unabdingbar. © Pormezz, stock.adobe
In einigen Fällen nützen einfache Maßnahmen, um die Hüftschmerzen an der Außenseite zu lindern. Ist die nächtliche Seitenlage auf einer harten Matratze daran schuld, kann man diese austauschen oder einen weichen Matratzenschoner ausprobieren. Bis sich die gereizte Hüfte wieder beruhigt hat, sollte man in der Rückenlage schlafen. Wem das nicht gelingt, legt sich am besten ein Kissen zwischen die Knie. Das entlastet die Hüfte in der Seitenlage.
Haben ungewohnte körperliche Aktivitäten oder ein zu ausgeprägtes Training die Schmerzen ausgelöst, sollten diese erst einmal unterlassen werden. Außer bei extremen Schmerzen - bei denen ohnehin der Arztbesuch ansteht - ist eine komplette Schonung nicht erforderlich. Leichte Bewegung mit häufigen Pausen ist durchaus erlaubt. Dabei ist es wichtig, gesundes Schuhwerk zu tragen, also stabile flache Schuhe.
Gegen die Schmerzen kann man kurzfristig nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen einnehmen. Auch Wärme- oder Kältebehandlungen sind eine Option. Dabei gilt es auszuprobieren, ob ein Wärmekissen oder ein in ein dünnes Tuch gewickeltes Coolpack besser hilft.
Bei leichten Schmerzen können sanfte Dehn- und Mobilisierungsübungen die Heilung unterstützen. Sie sollten aber vorsichtig durchgeführt werden. Wenn man merkt, dass die Übungen die Schmerzen verstärken oder sehr schwer fallen, bricht man sie besser ab.
Wann zum Arzt bei Hüftschmerzen außen an der Hüfte?
Sofort oder zeitnah in eine Arztpraxis sollte man bei Hüftschmerzen außen,
- wenn sie nach einem Sturz oder Unfall aufgetreten sind und das Bein nicht mehr belastet werden kann,
- wenn sie plötzlich und stark auftreten,
- wenn der schmerzende Bereich rot, überwärmt oder geschwollen ist,
- wenn die Hüftschmerzen von Fieber begleitet werden
- wenn sie nachts auftreten,
- wenn sie in den Oberschenkel ausstrahlen,
- wenn zusätzlich Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln auftreten, und immer
- wenn sich selbst behandelte Hüftschmerzen nach einer Woche nicht bessern.
Diagnostik bei Hüftschmerzen außen an der Hüfte
Klinische Untersuchung von Hüftschmerzen: Wenn durch die Rotation des Beines um seine eigene Achse – also dem Einwärtsdrehen des Fußes – Hüftschmerzen ausgelöst werden, gilt das als deutliches Zeichen für eine Hüftarthrose. © Gelenk-klinik.de
Viele Erkrankungen können zu Schmerzen an der Außenseite der Hüfte führen. Deshalb muss der Arzt die Diagnostik breit anlegen. Zunächst lässt er sich die Beschwerden ausführlich schildern. Er fragt danach, wo die Schmerzen genau auftreten, wann sie auftreten und in welcher Intensität. Wichtig sind auch vorangegangene Verletzungen, bestehende Erkrankungen oder frühere Operationen.
Bei der körperlichen Untersuchung beobachtet der Arzt das Gangbild und achtet auf Fehlstellungen der Hüfte, Beine oder Füße. Er prüft an beiden Seiten der Hüfte, ob sich Druckschmerzen auslösen lassen, insbesondere am großen Rollhügel. Während der Patient auf dem Rücken liegt, testet der Arzt die Beweglichkeit in der Hüfte. Dazu beugt, streckt, dreht und abduziert er das Bein des Patienten. Oft lässt er den Patienten auch Funktionstests machen, um etwaige Einschränkungen beurteilen zu können. Um muskuläre Dysbalancen zu erkennen, ist die neuromuskuläre Analyse und Therapie hilfreich.
In vielen Fällen hat der behandelnde Arzt nach der Anamnese und der körperlichen Untersuchung einen konkreten Verdacht, welche Ursache den Schmerzen zugrunde liegt. Zur Überprüfung veranlasst er dann meist eine Bildgebung, je nach Befund auch Laboruntersuchungen.
- Knöcherne Veränderungen wie Arthrose, Fehlstellungen oder eine Hüftkopfnekrose lassen sich gut im Röntgen darstellen.
- Das MRT hilft zusätzlich bei allen Fragestellungen, die Weichteilprobleme betreffen. So erkennt man damit z. B. Sehnenprobleme, Schleimbeutelentzündungen oder Muskelatrophien.
- Gleiches gilt für den Ultraschall: Diese einfache Methode wird gern zum Aufspüren von eines Ergusses oder einer Entzündung im Hüftgelenk oder bei Verdacht auf Schleimbeutelentzündung genutzt.
Manchmal sind auch Blutuntersuchungen nötig. So beispielsweise, wenn man eine Entzündung oder ein rheumatisches Geschehen erkennen oder ausschließen möchte. Bestimmt werden dabei vor allem Entzündungsparameter (BSG und CRP), und spezielle Antikörper im Blut.
Ärztliche Behandlung von Hüftschmerzen außen an der Hüfte
Bei fortgeschrittener Coxarthrose ist häufig das Einsetzen einer Hüftendoprothese die beste Wahl. © Viewmedica
Zur Schmerzlinderung empfiehlt der Arzt zunächst meist Schonung, Wärme oder Kälte sowie die Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika wie Ibuprofen. Bei funktioneller Ursache können auch physiotherapeutische Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Muskulatur hinzukommen. Je nach Diagnose sind zudem die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), eine Chirotherapie oder Stoßwellen eine Behandlungsoption.
Bei therapieresistenten Schmerzen aufgrund von Nervenblockaden, Schleimbeutelentzündungen oder Sehnenreizungen kommen auch lokale Injektionen zum Einsatz. Das bedeutet, ein Wirkstoff wird an den Ort gespritzt, an dem es durch Entzündung, Verschleiß oder Druck zu Schmerzen kommt. Beispiele für solche Wirkstoffe:
- Kortison. Bei entzündlichen Prozessen (Bursitis, Tendinitis) wird zur Injektion meist Kortison plus ein Lokalanästhetikum verwendet. Kortisoninjektionen sollen allerdings nur im Rahmen eines Gesamtkonzepts zum Einsatz kommen, weil Kortison zwar schmerz- und entzündungshemmend wirkt, aber nicht die Ursache bekämpft und langfristig dem Gewebe schaden kann.
- Eigenblut mit autologem plättchenreichem Plasma (PRP). Bei Arthrose, Gelenkentzündungen oder Sehnententzündungen können A-PRP-Injektionen helfen.
- Lokalanästhetika. Mit der Injektion von lokalen Betäubungsmitteln lassen sich Schmerzen bei Nervenblockaden wie z. B. bei der Meralgia paraesthetica bekämpfen (interventionelle Schmerztherapie).
Operative Verfahren
Vor allem bei strukturellen Erkrankungen reicht eine konservative Therapie oft nicht aus, um die Schmerzen zu beherrschen und die Funktion zu verbessern. Dann können die minimalinvasive Hüftarthroskopie oder eine offene Operation helfen.
Die Hüftarthroskopie dient nicht nur der Diagnose, sondern auch der Therapie: Beim Hüft-Impingement lassen sich z. B. im Rahmen einer Hüftspiegelung die Gelenklippe wieder am Pfannenrand befestigen oder knöcherne Verformungen abtragen. Auch viele andere Hüfterkrankungen können mittels Arthroskopie behandelt werden (Labrumläsionen, Knorpelschäden bei beginnender Arthrose, freie Gelenkkörper oder Synovitiden).
Ein neues künstliches Gelenk, also eine Hüftendoprothese, ist vor allem bei fortgeschrittener Coxarthrose oft erforderlich. Sie lindert die Schmerzen und verbessert die Funktion. Auch bei der Hüftkopfnekrose mit eingebrochenem Hüftkopf ist meist das Einpflanzen eine Hüftendoprothese angezeigt.
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