- Wodurch können Leistenschmerzen verursacht werden?
- Was kann man selbst gegen Leistenschmerzen tun?
- Wann zum Arzt bei Leistenschmerzen?
- Diagnose bei Leistenschmerzen
- Ärztliche Behandlung bei Leistenschmerzen
Leistenschmerzen bei Hobbysportlern entstehen häufig durch Überlastung der Adduktoren oder durch muskuläre Dysbalancen. © Jo Panuwat D, adobe
Leistenschmerzen kommen sehr häufig vor. Das liegt daran, dass in der Leiste viele empfindliche Strukturen dicht beieinander liegen. Zudem ist dieser Bereich starken mechanischen Belastungen ausgesetzt. Die Gründe für Leistenschmerzen sind vielfältig: Sie reichen von muskulärer Überlastung über Hüftgelenkserkrankungen bis hin zu Nierenerkrankungen, Leistenbruch oder gynäkologischen Ursachen.
Im Bereich der Orthopädie sind muskuläre Überlastungen wie die Sportlerleiste, Hüftgelenkserkrankungen wie das Hüftimpingement oder die Hüftgelenksarthrose sowie Nervenreizungen häufige Gründe, warum es in der Leiste schmerzt.
Die Behandlung erfolgt je nach Ursache. Oft reicht eine konservative Therapie aus, manchmal ist allerdings eine Operation nötig - z. B. kann bei fortgeschrittener Hüftgelenksarthrose der Einsatz einer Hüftendoprothese erforderlich werden.
Wodurch können Leistenschmerzen verursacht werden?
Bei der Meralgia paraesthetica wird der Nervus cutaneus femoris lateralis unter dem Leistenband eingeklemmt. Das führt zu einem Druckschmerz in der Leiste, der von Brennen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen an der vorderen Außenseite des Oberschenkels zu spüren ist. © Pempermpron, adobe
Um die Ursache von Leistenschmerzen besser zu verstehen, ist es wichtig, sich die anatomische Struktur der Leiste vor Augen zu führen. Die Leisten befinden sich auf beiden Seiten des Körpers zwischen unterem Bauch und Oberschenkel. Auf jeder Seite laufen durch die Leiste Muskeln und Sehnen sowie Nerven, Gefäße, Lymphknoten und beim Mann der Samenstrang.
Zu Schmerzen im Bereich der Leiste kann es durch eingeklemmte Strukturen, Muskelverspannungen oder weitergeleitete Schmerzimpulse aus der Nachbarschaft kommen. Die betroffenen Strukturen sind insbesondere
- scharfer, stechender Schmerz
- dumpfer Schmerz
- Druckgefühl
- Beule oder Hernie in der Leiste (Vorwölbung der Bauchdecke)
- Hüftgelenk mit Knochen, Knorpel, Gelenklippe (Labrum), Bändern, Muskeln, Sehnen und Schleimbeuteln,
- außerhalb der Hüfte liegende Nerven, die durch Nervenengpässe oder Reizungen der Nervenwurzeln zu Beschwerden in der Hüfte führen können,
- Wirbelsäule und Becken und
- innere Organe, Geschlechtsorgane (insbesondere Niere und Harnwege, Darm, Hoden, Eileiter und Eierstöcke).
Symptome Leistenschmerz:
Häufigste Ursachen für Leistenschmerzen im orthopädischen Bereich sind Überlastung sowie degenerative oder mechanische Probleme im Bereich der Muskeln und Gelenke.
Muskuläre Überlastung: Eine typische Quelle für Leistenschmerzen ist die Überlastung der Hüftbeuger (z. B. der Musculus iliopsoas) und der Adduktoren (Muskeln an der Innenseite des Oberschenkels). Diese Muskeln sind vor allem bei den Sportarten gefordert, bei denen schnelle Richtungswechsel erfolgen, wie z. B. Fußball, Tennis oder Eishockey. Wenn die an der Leiste ansetzenden Muskeln intensiv belastet werden, kommt es zu starken Zugkräften auf Knochen und Sehnen. Dadurch können Mikroverletzungen, Reizungen und Entzündungen entstehen, die genau im Bereich der Leiste Schmerzen auslösen. Die Schmerzen machen sich dann vor allem bei Bewegungen bemerkbar, typisch ist aber auch ein lokaler Druckschmerz im Leistenbereich.
Spielverderber Leiste
Bei Sportlern ist der Leistenschmerz eine extrem häufige Ursache für Trainings- und Wettkampfausfälle. Statistisch fallen mehr als die Hälfte aller Fußballprofis mehr als einmal in ihrer Laufbahn wegen Leistenschmerzen aus. Gerade im Fußball entstehen die Leistenschmerzen durch Be- und Entschleunigung sowie durch abrupte Richtungswechsel auf teilweise bremsenden Untergründen.
Muskuläre Zerrungen. Eine typische Ursache für plötzlichen Leistenschmerz ist die Zerrung von Hüftbeugern und Adduktoren ( Adduktorenzerrung). Diese Verletzungen kommen im Sport häufig vor und führen zu Schmerzen in der Leiste beim Heben des Beins oder beim Aufstehen aus dem Sitzen.
Erkrankungen des Hüftgelenks. Ein erkranktes Hüftgelenk ist eine wichtige Quelle für Leistenschmerzen. Das liegt daran, dass das Hüftgelenk nah unter der Leiste liegt und die Schmerzen dorthin ausstrahlen. So werden Entzündungen und Schwellungen aufgrund einer Hüftgelenksarthrose über die Nerven des Hüftgelenks als Leistenschmerzen wahrgenommen. Die mechanische Reizung des Gelenks beim Hüftimpingement führt zu Schmerzen beim Beugen oder Drehen des Beines, die ebenfalls in der Leiste auftreten.
Nervenreizungen. Durch die Leiste laufen mehrere sensible und gemischte Nerven, die gereizt werden können und dadurch auch im Bereich der Leiste Schmerzen auslösen. Hauptursache für die Nervenreizung sind Kompressionen, also Druck auf Nervenwurzeln (z. B. durch Bandscheibenvorfälle) oder Nerven (z. B. durch Gewebeschwellungen in Engstellen).
- Nervus femoralis. Wird dieser aus der Lendenwirbelsäule austretende Nerv gereizt, kann es zu Schmerzen in der Leiste und auf der Vorderseite des Oberschenkels kommen. Diagnostischer Hinweis ist eine Schwächung der Oberschenkelstrecker und ein abgeminderter Patellarsehnenreflex.
- Nervus genitofemoralis. Seine Reizung oder Einklemmung löst Schmerzen in der Leiste aus, die bis zur Oberschenkelinnenseite und bei Männern in den Hodensack, bei Frauen in die Schamlippen ausstrahlen können.
- Nervus ilioinguinalis und Nervus iliohypogastricus. Diese Nerven verlaufen dicht unter der Haut. Ihre Reizung führt zu oberflächlichen, oft scharfen und brennenden Schmerzen in der Leistenbeuge. Sie können unter anderem durch zu enge Kleidung oder Narbenzug nach Operationen verursacht werden.
- Nervus obturatorius. Dieser Nerv wird vor allem durch Erkrankungen des Hüftgelenks oder im Becken bedroht. Bei Reizung schmerzen Leiste und innerer Oberschenkel, insbesondere beim Zusammenpressen der Oberschenkel.
- Nervus cutaneus femoris lateralis. Der Hautnerv innerviert die Außenseite des Oberschenkels. Wird er eingequetscht oder gereizt, entwickeln sich Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels (Meralgia paraesthetica), die manchmal bis in die Leiste hinein reichen.
Leistenbruch. Der gut bekannte Leistenbruch ist zwar bei Männern häufig, kommt aber nur selten als Ursache für Leistenschmerzen infrage. In der Regel ist eine Vorwölbung im Bereich der Leiste zu sehen oder zu tasten, begleitet von einem Ziehen oder Druckgefühl, das bei Belastung zunimmt.
Ursachen außerhalb des Bewegungsapparates
Leistenschmerzen werden häufig auch durch innere Organe ausgelöst. Aufgrund ihrer Lage sind dafür besonders oft Niere und Harnwege, die inneren weiblichen Geschlechtsorgane und der Darm verantwortlich.
- Nieren- und Blasensteine sowie Harnwegsinfekte sind häufige Auslöser von Leistenschmerzen. Oft sind die Schmerzen von anderen Beschwerden wie Flankenschmerz (Niere!), Schmerzen beim Wasserlassen oder häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen begleitet.
- Zu den gynäkologischen Ursachen gehören Eierstockzysten, Endometriosen, Myome oder Eileiterschwangerschaften. Gynäkologische Leistenschmerzen stehen oft im Zusammenhang mit dem Zyklus oder sind mit vaginalen Blutungen, Ausfluss oder Unfruchtbarkeit assoziiert.
- Blinddarmentzündung oder eine akute Divertikulitis können ebenfalls schmerzhaft in die Leiste ausstrahlen. Sie treten häufig mit Fieber und Übelkeit auf und sollten schnell abgeklärt werden.
Was kann man selbst gegen Leistenschmerzen tun?
Bei leichten Schmerzen in der Leiste, die z. B. mit ungewohntem Sport oder einer anderen Überlastung im Zusammenhang stehen, können zunächst einfache Maßnahmen zur Selbsthilfe ausprobiert werden. Dazu gehören:
- Körperliche Schonung und das Vermeiden der Bewegungen, die Schmerzen auslösen (wie z. B. Sport, Laufen oder Treppensteigen).
- Wärme oder Kälte können ebenfalls helfen. Bei frischen Verletzungen tut häufig das Auflegen eines Coolpacks gut - zum Schutz der Haut immer eingewickelt in ein dünnes Tuch. Bei anhaltenden dumpfen Schmerzen ist oft eine Wärmebehandlung mit einer Wärmflasche oder einem warmen Bad hilfreich.
- Kurzfristig können auch rezeptfreie Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika eingenommen werden, z. B. Ibuprofen.
Werden die Schmerzen nicht innerhalb kurzer Zeit besser, sollte die Ursache immer ärztlich abgeklärt werden.
Wann zum Arzt bei Leistenschmerzen?
Wenn Leistenschmerzen nach wenigen Tagen trotz Schonung und Selbstherapie nicht besser werden, ist es sinnvoll, diese beim Arzt abklären zu lassen. Gleiches gilt, wenn die Beschwerden das Gehen einschränken.
Liegen Alarmsymptome vor (siehe Kasten), muss unverzüglich eine Arztpraxis oder eine Klinik aufgesucht werden.
Alarm! Sofort zum Notarzt:
Leistenschmerzen können ein Zeichen für schwere internistische oder urologische Erkrankungen sein, wie z. B. ein eingeklemmter Leistenbruch, eine Hodentorsion, eine Nierenkolik oder eine akute Blinddarmentzündung. Bei folgenden Beschwerden sollte man sofort eine Klinik aufsuchen:
- starke, zunehmende Schmerzen im Leistenbereich
- tastbare schmerzhafte Vorwölbung in der Leiste, die sich nicht zurückdrücken lässt
- geschwollener und geröteter Hoden
- Fieber, Übelkeit, Erbrechen
- Blut im Urin oder Harnverhalt
Diagnostik bei Leistenschmerzen
Bei der klinischen Untersuchung der Hüftschmerzen prüft der Arzt die Beweglichkeit des Hüftgelenks in alle Richtungen. © Gelenk-Klink.de
Bei der Diagnostik kommt es darauf an, mit welchen Beschwerden der Patient zum Arzt bzw. in die Klinik kommt. Liegen Alarmzeichen für ein internistisches oder urologisch/gynäkologisches Geschehen vor, wird die weitere Untersuchung in diese Richtung gelenkt. Dazu gehören neben der körperlichen Untersuchung (insbesondere Leiste, Hoden, Flanke, Unterbauch) Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren.
Bei Verdacht auf eine orthopädische Ursache gehen die Ärzte ebenfalls nach einem strukturierten Diagnosealgorithmus vor.
Krankengeschichte. Dabei werden die Beschwerden genau abgefragt, z. B. wann die Schmerzen auftreten, ob sie im Zusammenhang mit bestimmten Bewegungen stehen und ob sie in den Oberschenkel ausstrahlen. Auch nach einem Auslöser wird gefragt (Sport? Sturz? schweres Heben?).
Körperliche Untersuchung. Der Arzt achtet dabei auf das Gangbild und die Körperhaltung. Er tastet die Leiste, die Hüftbeuger und die Adduktoren ab und prüft die Beweglichkeit der Hüfte, indem er das Bein des Patienten in verschiedene Richtungen bewegt. Meist lässt man den Patienten husten oder niesen: Verstärkt sich dabei der Schmerz, könnte eine Sportlerleiste vorliegen.
Bildgebung. Je nach Verdachtsdiagnose kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz. Mithilfe des Ultraschalls lassen sich Instabilitäten im Leistenkanal erkennen. Knöchernen Problemen im Hüftgelenk kommt man mit dem konventionellen Röntgen von Becken und Hüfte auf die Spur. Bleiben trotz unauffälligem Röntgen die Schmerzen bestehen, kann ein MRT weiterhelfen. Eine Computertomographie wird nötig, wenn ein Verdacht auf eine Beckenfraktur vorliegt.
Infiltrationen. Bei Verdacht auf eine Nervenreizung spritzt der Arzt manchmal auch ein lokales Betäubungsmittel in den schmerzenden Bereich. Werden die Beschwerden dadurch gelindert, unterstützt das die Diagnose.
Ärztliche Behandlung bei Leistenschmerzen
Bei einer ausgeprägten Hüftarthrose ist häufig die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks die Behandlung der Wahl. © Nicolas Larento, adobe
Leistenschmerzen aufgrund von Überlastungen oder Zerrungen von Muskeln, Sehnen oder Bändern behandelt der Arzt in der Regel konservativ.
- In der akuten Schmerzphase kommt die PECH-Regel zum Einsatz (Pause, Eis, Kompression und Hochlagern). Als Schmerzmittel wird meist ein NSAR verordnet, z. B. Ibuprofen.
- Nach drei bis fünf Tagen ist eine Physiotherapie sinnvoll, dabei liegt der Fokus auf Dehnung und Kräftigung der Muskulatur. Zusätzlich sind Stoßwellen (z. B. bei Tendinopathien) und die manuelle Therapie eine Option.
Strukturelle Erkrankungen des Hüftgelenks werden je nach Ursache therapiert, häufig geschieht dies ebenfalls zunächst mit konservativen Maßnahmen. Beim Hüft-Impingement im Frühstadium helfen z. B. Physiotherapie und Injektionen, bei einer Bursitis die PECH-Regel plus Schmerzmittel. Auch eine frühe Hüftarthrose kann konservativ, z. B. mit muskelkräftigenden Übungen, Gewichtsreduktion und PRP-Injektionen gelindert werden.
Lokale Injektionen sind oft bei Nervenreizungen das Mittel der Wahl. Gespritzt werden dabei u. a. lokale Betäubungsmittel und Kortison.
Operative Verfahren
Operationen kommen dann infrage, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Das trifft häufig auf eine fortgeschrittene Arthrose zu, bei der die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks (Hüftendoprothese) empfohlen wird. Gleiches gilt für ein ausgeprägtes Hüftimpingement oder den Riss einer Gelenklippe - diese Erkrankungen werden allerdings meist im Rahmen einer Arthroskopie operiert.
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