Orthopädische Gelenk-Klinik

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BWS-Syndrom: Schmerzen in der Brustwirbelsäule

  1. Besonderheiten der Brustwirbelsäule
  2. Symptome bei BWS-Syndrom
  3. Ursachen: Wie entstehen Schmerzen in der Brustwirbelsäule?
  4. Diagnose: Wie untersucht der Arzt die Wirbelsäule?
  5. Behandlung der Schmerzen in der Brustwirbelsäule
BWS-Syndrom: Schmerzen in der BrustwirbelsäuleSchmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule bezeichnet man auch als BWS-Syndrom. © magicmine, iStock

Unter das BWS-Syndrom (Brustwirbelsäulen-Syndrom) fallen mehrere Ursachen für Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Häufigste Auslöser für ein BWS-Syndrom sind Blockaden aufgrund von degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule (z. B. Arthrose der Facettengelenke, Bandscheibenvorfälle). Diese sind in vielen Fällen auf unsere zumeist sitzende Tätigkeit und den Bewegungsmangel zurückzuführen. Aber auch angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Wirbelsäule (z. B. Skoliose), Unfälle oder osteoporotische Wirbelkörperbrüche spielen eine Rolle.

Neben den Schmerzen in den Brustwirbelsäule, die häufig das Atmen erschweren oder bis zur Atemnot führen können, sind auch Muskelverhärtungen typisch für ein BWS-Syndrom. In der Regel lassen sich Schmerzen in der Brustwirbelsäule konservativ behandeln. Hilfreich sind Physiotherapie, physikalische Therapie (Wärme, Kälte) oder spezielle Übungen zur Haltungskorrektur und Kräftigung der Rückenmuskulatur. In seltenen Fällen muss eine Operation durchgeführt werden, um die Rückenmarksnerven zu entlasten.

Besonderheiten der Brustwirbelsäule

Der Unterschied zu anderen Segmenten der Wirbelsäule (HWS und LWS) liegt in der speziellen Anatomie. So nimmt die Größe der Bandscheiben von oben nach unten zu. Im Bereich der Halswirbelsäule sind die Bandscheiben ca. 3 mm dick, in der Brustwirbelsäule 5 mm und in der Lendenwirbelsäule etwa 7 mm.

Der Wirbelkanal ist im Bereich der Brustwirbelsäule relativ eng und verfügt nur über einen schmalen Raum zwischen Rückenmark und knöcherner Umgebung bzw. Bandscheibe.

Neben den Wirbelgelenken gibt es in der Brustwirbelsäule noch die Wirbel-Rippen-Gelenke (Kostotransversalgelenke). Da sie unmittelbar an den Nervenaustrittsfenstern (Neuroforamina) liegen, können sie die Spinalnerven abdrängen. In der Regel verursacht das wegen der recht großen Durchmesser der Nervenaustrittsfenster keine Probleme. Äste der thorakalen Spinalnerven versorgen als Nn. intercostales (Zwischenrippennerven) die Wand des Brustkorbes mit der Muskulatur und die Interkostalgelenke sowie die innere Haut der Brustwand.

Bei Reizung eines dieser thorakalen Spinalnerven entsteht eine Interkostalneuralgie (Schmerzsyndrom zwischen den Rippen). Durch die nach dorsal (zum Rücken hin) konvexe Krümmung der BWS sind die vorderen Abschnitte enormen Druckbelastungen ausgesetzt. Aus diesem Grund kommt es hier recht häufig zu Kompressionsfrakturen sowie Einbrüchen des Bandscheibengewebes in die Wirbelkörper. Dies begünstigt Veränderungen degenerativer Art wie Spondylosen (degenerative Wirbelsäulenerkrankungen) und Osteochondrosen (Knochen-Knorpel-Verschleiß). Wenn sich diese in der Nachbarschaft einer Nervenwurzel entwickeln und eine Instabilität im Bewegungssegment besteht, kommt es zu Beschwerden.

Symptome bei BWS-Syndrom

Frau mit RückenschmerzenBei Blockaden oder muskulären Verspannungen im Bereich der Brustwirbelsäule kommt es zu starken Rückenschmerzen. © fizkes, Fotolia

Beim BWS-Syndrom handelt es sich meist um dumpfe oder drückende Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule (Thorakalwirbelsäule). Sehr häufig sind bei diesem Syndrom die anliegenden Muskelpartien verhärtet und schmerzhaft. Da die Brustwirbelsäule mit den Rippen gelenkige Verbindungen bildet, sind die Schmerzen bei Blockaden oftmals bewegungs- und/oder atemabhängig. Die Patienten lokalisieren die BWS-Schmerzen zwischen den Schulterblättern und verspüren häufig eine gürtelförmige Ausstrahlung über den Brustkorb.

Ursachen: Wie entstehen Schmerzen in der Brustwirbelsäule?

Ursachen des BWS-Syndroms:

Mit am häufigsten verursachen Blockaden im Bereich der Brustwirbelsäule die BWS-Schmerzen. Degenerative (durch Verschleiß bedingte) Veränderungen an der Wirbelsäule (Arthrose) führen zur Bildung von Knochenanbauten. Dadurch entstehen ebenfalls starke Rückenschmerzen in der Brustwirbelsäule. Des Weiteren spielen angeborene oder erworbene Missbildungen (Keilwirbel, Skoliose, Morbus Scheuermann), Entzündungen (Rheuma, Morbus Bechterew, bakterielle Entzündungen), Verletzungen der Wirbelsäule, Tumore und Metastasen sowie Osteoporose eine wichtige Rolle bei der Entstehung der BWS-Schmerzen. Der Knochenschwund aufgrund der Osteoporose kann langfristig einen schmerzhaften Wirbelkörperbruch begünstigen.

Wirbelkörperfraktur durch OsteoporoseEine Osteoporose schwächt die Knochensubstanz des Wirbelkörpers, sodass dieser einbrechen kann. Man spricht dann von einer Sinterung. © Sagittaria, Fotolia

Zu den radikulären Schmerzen (Schmerzen, die aufgrund einer Reizung der Nervenwurzeln entstehen) zählt der thorakale Bandscheibenvorfall. Ursache können axiale (in der Körperachse gerichtete) Stauchungen des Rumpfes sein. Dazu zählen beispielsweise der Sturz aufs Gesäß oder das Anheben eines schweren Gegenstandes in vornübergebeugter Haltung. Ein im lädierten Bewegungssegment lokalisierter Schmerz, der sich beim Husten und Pressen verstärkt, gehört fast immer zur Ausgangssymptomatik. Bei mittiger Ausrichtung des Vorfalles wird das Rückenmark komprimiert. Dies führt zu sehr uncharakteristischen Symptomen mit Sensibilitätsstörungen in den Beinen, Blasen-Mastdarm-Störungen, Reflexanomalien und Gangstörungen. Bei den meisten Patienten beginnen die Krankheitserscheinungen mit einer Kraftlosigkeit in beiden Beinen. Diese können sich aber bis zur Querschnittslähmung entwickeln.

Die Symptomatik der Interkostalneuralgie zeigt meist einen lokalisierten, gürtelförmigen Schmerz, evtl. mit diskreten Störungen der Sensibilität. Die Abgrenzung der einzelnen Hautbezirke und somit die Zuordnung zu einem Abschnitt der Brustwirbelsäule ist im Thoraxbereich (Brustbereich) aber nicht so eindeutig wie in den peripheren (körperfernen) Extremitäten. Die meisten Beschwerden einer Interkostalneuralgie durch degenerative Veränderungen sind zudem von der Position des Patienten abhängig. Unter Entlastung bzw. Extension lassen sie nach; bei Belastung und bestimmten Drehbewegungen verstärken sie sich.

Das sog. Kostotransversalgelenk-Syndrom entsteht durch entzündliche oder arthrotische Veränderungen sowie Stellungsanomalien in diesen Gelenken. Solche Beschwerden entstehen spontan oder z. B. als Folge operativer Eingriffe. Klinische Symptome der Kostotransversalgelenke treten als unbestimmte, bei forcierter und vertiefter Atmung sich verstärkende, im Rippenverlauf ziehende Schmerzen auf. Auch plötzliche, blitzartige schmerzhafte Atemsperren mit dem Gefühl, nicht mehr durchatmen zu können, sind mögliche Symptome.

Nur 2 % der Bandscheibenerkrankungen betreffen die Brustwirbelsäule

BandscheibenvorfallBei einem Bandscheibenvorfall tritt der Bandscheibenkern durch den ihn umgebenden Faserknorpelring nach außen. Das Bandscheibenmaterial kann die im Rückenmark verlaufenden Nerven oder austretenden Nervenwurzeln einengen und es entstehen Rückenschmerzen. © Istockphoto.com

Bandscheibenschäden der BWS (Brustwirbelsäule) spielen im Vergleich zu denen in der HWS (Halswirbelsäule) und der LWS (Lendenwirbelsäule) nur eine untergeordnete Rolle. Dies gilt sowohl für die Frequenz als auch für die Schwere der Krankheitserscheinungen. Lediglich 2 % aller bandscheibenbedingten Erkrankungen betreffen die Brustwirbelsäule.

In wenigen Fällen kommt es zu einer therapieresistenten Wurzelirritation (Interkostalneuralgie), die eine operative Behandlung erforderlich macht. Ein Bandscheibenvorfall mit Kompression des Rückenmarks kommt vor, ist jedoch sehr selten. Trotz dieser günstigen Voraussetzungen können auch von der BWS bandscheibenbedingte Erkrankungen ausgehen.

Durch die ventrale (zur Körpervorderseite gerichteten) Belastung des Bereichs zwischen den Wirbeln besteht die Möglichkeit der Entwicklung von Bandscheibenprotrusionen (Vorwölbungen der Bandscheiben). Diese können zur Kompression des Rückenmarkes und der Nervenwurzeln führen. Dies komprimiert sowohl die Nervenfasern selbst als auch die sie versorgenden Blutgefäße des Rückenmarks. Gefährdet ist vor allem die ventral verlaufende Arteria spinalis anterior.

Diagnose: Wie untersucht der Arzt die Wirbelsäule?

Die klinische Untersuchung mit genauer Anamnese (Patientenbefragung) ist auch hier das wichtigste Standbein, zumal MRT-Bilder mit vermeintlichen Bandscheibenvorfällen in der Brustwirbelsäule oftmals nicht zu den Beschwerden des Patienten passen. Auch kann eine Interkostalneuralgie verschiedene Ursachen haben. In erster Linie kommen segmental ausstrahlende Schmerzen bei und nach einer Infektion mit dem Zostervirus (Gürtelrose) infrage. Eine neurologische Abklärung ist in der Regel ebenfalls notwendig. In unserer Praxis bedienen wir uns zusätzlich einer dreidimensionalen Wirbelsäulenrekonstruktion, um statische wie dynamische Ursachen wiederkehrender oder anhaltender BWS-Schmerzen feststellen zu können. Muskuläre Dysbalancen (Ungleichgewichte) untersuchen wir außerdem im Rahmen von elektromyografischen Funktionsanalysen (EMG = Elektromyografie).

Differentialdiagnose: auch das Herz verursacht Brustschmerzen

Frau mit BrustschmerzenSchmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule können auch vom Herzen ausgehen. © Tharakorn, iStock

Schmerzen im Bereich der Brust lösen bei vielen Menschen Panik aus. Denn nicht nur die Wirbelsäule kann für Brustschmerzen verantwortlich sein, sondern auch das Herz. Ein Herzinfarkt bzw. eine Angina pectoris (Brustenge) verursacht ähnliche Symptome wie ein BWS-Syndrom. Die Schmerzen können in den Rücken oder bis in die Arme ausstrahlen.

Doch woran erkennt man, ob die Beschwerden von der Brustwirbelsäule ausgehen oder kardial bedingt sind?

Zunächst ist die Situation, in der die Schmerzen auftreten, relevant für die richtige Diagnose. Treten die Beschwerden bei körperlicher Belastung wie beispielsweise einem Sprint oder beim Treppensteigen auf, spricht dies für eine kardiale (vom Herzen ausgehende) Problematik. Lösen bestimmte Bewegungen wie Bücken oder das Hochheben eines Gegenstandes die Schmerzen aus, ist die Ursache eher in der Wirbelsäule zu suchen.

Weiterhin treten bei einem Herzinfarkt zusätzlich Symptome wie Übelkeit, Kaltschweißigkeit oder Erbrechen auf. Bei Unsicherheit, ob ein Herzinfarkt hinter den Beschwerden stecken könnte, sollten immer ein EKG (Elektrokardiogramm) bzw. ein Herz-Echo und eine spezielle Labordiagnostik erfolgen.

Behandlung der Schmerzen in der Brustwirbelsäule

Therapieverfahren:

Grundsätzlich erfolgt die Behandlung von BWS-Schmerzen, sofern keine bedrohlichen Rückenmarkssymptome vorliegen, zunächst konservativ. Die jeweilige individuelle Situation bestimmt die geeignete Methode zur Behandlung des BWS-Syndroms. Medikamentös versucht man, den Patienten von den Rückenschmerzen zu befreien. Dies kann durch Einspritzen eines Lokalanästhetikums ergänzt werden. Zusätzlich können Physiotherapie, Anwendungen mit Wärme oder Kälte und Massagen die Muskulatur lockern und die Bandscheiben entlasten. Ergänzend erzielen Schulungen zur richtigen Haltung und Übungen zur Lockerung der Muskulatur den erwünschten Therapieerfolg.

Wenn die konservativen Therapieansätze keine nachhaltige Schmerzlinderung erreichen, kommt eine spezielle Schmerztherapie in einer Schmerzklinik infrage. Bei eindeutigen Kompressionserscheinungen des Rückenmarkes muss operiert werden. Der betroffene Bereich wird dann von hinten durch Entfernung der Wirbelbögen (Laminektomie) oder von der Seite durch eine erweiterte Kostotransversektomie (Entfernung des Querfortsatzes und der Rippe) zugänglich. Die Komplikationsrate dieser Eingriffe ist allerdings relativ hoch und bedarf daher einer sehr strengen Indikationsstellung.

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