Orthopädische Gelenk-Klinik

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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Hallux valgus-Operation: Korrektur der Stellung der Großzehe

  1. Was ist der Hallux valgus?
  2. Wann wird der Hallux valgus operiert?
  3. Kosmetische Ziele dar Hallux valgus-Operation
  4. Individuelle Planung der Hallux-OP
  5. Ziel der Hallux valgus-OP
  6. OP-Methoden: Wie wird der Hallux valgus operiert?
  7. Prognose, Komplikationen und Aussichten nach Hallux valgus-Operation
Die Operation des Hallux valgus korrigiert die Fehlstellung der Großzehe. Meist erfolgt eine knöcherne Korrektur der Großzehe in Verbindung mit einer Weichteilkorrektur der Gelenkkapsel des Großzehengrundgelenks. © Gelenk-Klinik.de.Die Operation des Hallux valgus korrigiert die Fehlstellung der Großzehe. Meist erfolgt eine knöcherne Korrektur der Großzehe in Verbindung mit einer Weichteilkorrektur der Gelenkkapsel des Großzehengrundgelenks. © Gelenk-Klinik.de

Ihre Großzehe neigt sich immer stärker nach außen und bedrängt die kleineren Zehen des Fußes? Sie haben nach längerem Gehen oder oft schon gleich zu Beginn des Tages Fußschmerzen? Diese Schmerzen behindern Ihre Beweglichkeit und Mobilität im Alltag? Dann leiden Sie, wie so viele der häufig weiblichen Patienten unter dem Hallux valgus (Ballenzeh).

Die Spezialisten unserer Fußabteilung haben sich auf die schonende Behandlung der Fehlstellung der Großzehe mit minimalinvasiven Eingriffen am Vorfuß spezialisiert. Heilung und Rehabilitation werden dadurch wesentlich beschleunigt und Komplikationen nach der Hallux valgus-Operation vermieden.

Ziel der Hallux valgus Behandlung: Unsere Patienten sollen so schnell wie möglich wieder mobil werden und eine dauerhafte medizinische und kosmetische Verbesserung ihres Hallux valgus erfahren.

Ziel der Hallux valgus Operation ist die Wiederherstellung eines belastbaren, schmerzfreien Fußes mit kosmetisch schöner Form.

In dem nachfolgenden Artikel werden wir erfahren, welche Ziele bei einer Hallux Operation realistisch sind.

Je schwerer die Hallux valgus-Fehlstellung, um so aufwändiger wird die Operation. Das ist ein Grund, sich bei Hallux valgus auch frühzeitig durch einen Spezialisten über operative Korrekturmöglichkeiten aufklären zu lassen.

Was ist der Hallux valgus?

Der Hallux valgus (Schiefzehe) ist eine weit verbreitete Fehlstellung der Großzehe. Der große Zeh weicht dabei auffällig zum Fußaußenrand hin ab und verdrängt dort die kleineren Zehen. Diese Fehlstellung überlastet das Großzehengrundgelenk, wodurch als Folge langfristig eine schmerzhafte Großzehenarthrose (Hallux rigidus) entstehen kann.

Der hervortretende Fußballen am Großzehengrundgelenk entzündet sich schmerzhaft und kann anschwellen. Zur Behandlung des Hallux valgus sowie zur Linderung der Schmerzen existieren zahlreiche konservative Verfahren. Hier können sie weiterlesen zur Diagnose und konservative Behandlung des Hallux Valgus.

Wie kann ein Patient der Hallux valgus Operation vorbeugen?

Eine frühzeitige Umstellung auf gesunde Schuhe mit viel Zehenraum und eine konsequente konservative Behandlung kann das Fortschreiten des Hallux valgus verzögern. Nach dem Auftreten der Fehlstellung sollten Sie daher nicht zu lange mit der Therapie warten.

Was tun, wenn die konservative Behandlung des Hallux valgus keine Verbesserung mehr bringt?

Wenn die konservative Behandlung des Hallux valgus keine Verbesserung mehr bringt, zieht der Orthopäde eine Operation in Betracht. Auch dabei sollte es schnell gehen. Die zunehmende Versteifung des Großzehengelenks und die Fehlstellungen der benachbarten Zehen des Fußes machen den Hallux valgus mit der Zeit immer schwerer operierbar. Langfristige Folgeschäden wie Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks) werden dann immer stärker.

Langfristige Folgeschäden wie Hallux rigidus (Großzehengrundgelenksarthrose) werden dann immer stärker.

OP-Indikation: Wann wird der Hallux valgus operiert?

Hallux valgus Schmerz
  • Der druckschmerzhafte Zehenballen entzündet sich und drückt innen gegen den Schuh.
  • Verdrängte Kleinzehen (Hammerzehen, Krallenzehen) haben weitere Vorfußdeformitäten zur Folge.
  • Schmerzen im Mittelfuß treten auf, weil die Großzehe nicht mehr voll eingesetzt wird und die Kleinzehen überlastet sind.
  • Arthroseschmerzen im Großzehengrundgelenk entstehen durch Abnützung des Gelenks.

Ein Hallux valgus ist für viele Patientinnen - vor allem in offenen Schuhen - vor allem ein kosmetisches Problem. Dennoch stellt die Ästhetik keine ausreichende Indikation für eine Operation dar. Bei der Operationsplanung und Durchführung dieses plastisch-chirurgischen Eingriffs an der Großzehe legen wir auf ein ansprechendes kosmetisches Ergebnis trotzdem großen Wert. So können wir die Lebensqualität der Patienten, also Belastbarkeit und schmerzfreies Gehen, wieder vollständig herstellen.

Eine Voraussetzung für eine Operation ist die schmerzhafte Fehlstellung. Diese lässt sich auch durch Schuhwechsel, Einlagenbehandlung oder Fußgymnastik nicht therapieren. Einlagen verschaffen bei einem schmerzhaften Hallux valgus zwar Erleichterung, sie verbessern die Fehlstellung aber nicht nachhaltig.

Kosmetische Ziele der Hallux valgus Operation
  • Begradigung der Großzehe.
  • Normalisierung der Fehlstellung von Hammer- und Krallenzehen.
  • Abtragung des geschwollenen Zehenballens (Exostosenabtragung).
  • Möglichst kleine Operations-Narben im nicht sichtbaren Bereich des Fußes.

Nur wenn die Füße im Alltag deutlich weniger belastbar sind, der Hallux valgus bereits schmerzhaft und die Mobilität eingeschränkt ist, ist es medizinisch gerechtfertigt, die Operation zu empfehlen.

Erst wenn die konservative Behandlung keine Fortschritte mehr bringt, erwägen wir die Hallux valgus-OP. Das ist nach einer konservativen Behandlung nach sechs Monaten absehbar.

Die konservative Therapie soll die Fehlstellung in erster Linie eindämmen. Eine echte Besserung durch eine konservative Behandlung ist normalerweise nur am wachsenden Skelett, also bei Patienten im sehr jungen Lebensalter, möglich.

Planung der Hallux valgus-Operation

Begleiterkrankungen des Hallux valgus

Der Hallux valgus kombiniert stets verschiedene Krankheitsprozesse. Neben der Fehlstellung der Großzehe treten beispielsweise Hautveränderungen und Schleimbeutelentzündungen begleitend auf. Die schiefe Großzehe verdrängt die benachbarten Kleinzehen, woraus eine schmerzhafte Überlastung resultiert. Die Situation des Patienten wollen wir in der eingehenden Diagnose vollständig verstehen, bevor wir die operative Therapie planen.

Im Folgenden stellen wir die Standardoperationen eines Hallux valgus übersichtlich dar. Vorher möchten wir betonen, dass die Operationsentscheidung vom konkreten Einzelfall, aber auch von der Lebensweise jedes Patienten abhängt.

Ziele der Hallux valgus-Operation

Röntgenbild des Hallux Valgus - Ueberbein -BallenfussFuß mit Hallux valgus-Fehlstellung: Deutlich sichtbar ist der nach außen gerichtete Großzeh. Die Sesambeinchen (kleine, frei aufgehängte Knochen) der Großzehenbeugersehne sieht man unterhalb des Großzehengrundgelenks. Sie umgeben den Zehenknochen nicht mehr symmetrisch, sondern sind seitlich verlagert. Der Sehnenzug verläuft daher nicht mehr parallel zur Richtung des Zehenstrahls. © Gelenk-Klinik

Ziel der operativen Behandlung des Hallux Valgus (Ballenfuß) in frühen Stadien ist neben der Geradestellung der Großzehe der Erhalt des von Arthrose bedrohten Großzehengrundgelenks. Die Hallux valgus-Operation korrigiert die Fehlstellung also dauerhaft. Nur wenn man die Füße in ihre normale Form bringt, ist die Funktion – das natürliche Gangbild – wieder herstellbar. Beim gesunden Gang rollt der Fuß über die Großzehe hinweg ab. Beim Hallux valgus ist dieser Abrollvorgang gestört. Die kleinen Zehen übernehmen diesen Abrollvorgang. Sie werden dadurch überlastet und ebenfalls mit der Zeit deformiert.

Eine Hallux valgus-Operation richtet die schief gestellte Knochenachse der Großzehe wieder gerade aus. Zudem normalisiert der Eingriff den Zug der Sehnen und Muskeln. Sie würden sonst den Großzeh bei bei jedem Schritt stärker zur Seite ziehen. Dabei ist es sehr wichtig, die Muskeln und Sehnen, die die Großzehe umgeben, schonend zu operieren und so wenig wie möglich zu verletzen.

Die gestörte Ausrichtung des Gelenks wird also so weit wie möglich wiederhergestellt. Die Hallux-OP bessert die Einwärtsdrehung des Zehs (Pronation) dauerhaft.

Wir beachten bei der Hallux valgus-Operation auch immer Position der Sesambeine. Das Sesambein (lat. Os sesamoideum) ist ein kleiner Knochen, der der Sehne aufliegt. Es handelt sich dabei um kleine Abstandshalter an der Sehne zum Knochen. Sie sorgen für den erforderlichen Mindestabstand zum Knochen, damit die Sehne ihre Funktion optimal erfüllen kann. Bei einer Hallux valgus-OP müssen die Lage und Funktion der Sesambeine reguliert werden. Die Sesambeine beeinflussen durch den Sehnenzug die Fehlstellung der Großzehe, was wiederum den Hallux valgus verstärkt.

OP-Methoden: Wie wird ein Hallux valgus operiert?

 

Kombination von Hallux valgus Operationen
Die meisten Hallux valgus-Operationen kombinieren mehrere der folgenden Eingriffe:
  • Knochenumstellung (Osteotomie):
    Dadurch wird der Zehenstrahl wieder geradegestellt.
  • Weichteilkorrektur (lateral release):
    Durch Korrektur der Gelenk-Kapsel kann eine feste Fehlstellung wieder begradigt werden.
  • Sehnenkorrektur:
    Die Sehnenlänge muss korrigiert werden, damit der Sehnenzug die Großzehe nicht wieder deformiert.
  • Versorgung des Großzehengrundgelenks:
    Gelenkerhaltende Cheilektomie (Entfernung der Knochensporne) oder bei starker Arthrose eine Versteifung des Großzehengrundgelenks (Arthrodese).

Erst wenn alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten des Hallux valgus ausgeschöpft sind, denkt der Orthopäde an eine Operation. Zu den Langzeitfolgen des Hallux valgus gehört oft die Arthrose des Großzehengrundgelenks. Diese schränkt manchmal auch die Bewegung des Großzehengrundgelenks ein.

Kontraindikationen und erschwerende Umstände der Hallux valgus Operation

Durchblutungsstörungen sind Kontraindikationen der Hallux valgus Operation Durchblutungsstörungen sind stets eine Kontraindikation: Periphere arterielle Verschlusskrankheit oder der diabetische Fuß verhindern oder erschweren die Wundheilung nach der Hallux valgus-Operation. © Viewmedica

Kontraindikation

Die wichtigste Kontraindikation ist die periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Eine Durchblutungsstörung kann zu schweren Wundheilungsstörungen nach der Operation führen.

Wichtig für die Heilung nach einer Vorfußoperation ist eine gute Durchblutung. Der Fuß ist das am weitesten vom Herzen entfernte Bewegungsorgan. Der Weichteilmantel am schwer belasteten Fuß ist sehr dünn. Die mechanische Belastung des Fußes ist dagegen sehr hoch. Daher sind alle Umstände, die die natürlicherweise geringe Durchblutung noch weiter vermindern, ungünstig für die Heilung nach der Operation. Folgende Erkrankungen verhindern oder erschweren eine erfolgreiche Hallux valgus-Operation:

  • Die pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • Der diabetische Fuß und beginnende Polyneuropathie (häufig durch Diabetes bedingte Nervenerkrankung).

In diesen Fällen müssen wir vor der Entscheidung für die Hallux valgus OP den Durchblutungsstatus des Fußes eingehend untersuchen.

Polyarthritis und rheumatische Erkrankungen sprechen nicht gegen eine Operation. Sie müssen aber bei der Wahl der Operationstechnik angemessen berücksichtigt werden.

Auch eine vorangegangene Hallux valgus-Operation erschwert eine Umstellungsoperation erheblich und kann das zu erwartende Ergebnis gefährden.

Je stärker der Hallux valgus, um so weiter hinten am Zeh erfolgt die Umstellung

Um einen Hallux valgus zu korrigieren, haben wir mehrere bewährte Operationstechniken, aus denen wir in jedem Einzelfall auswählen.

Je stärker die Fehlstellung, um so aufwändiger wird die Operation

Dabei gilt folgendes Prinzip: Je stärker die Fehlstellung, umso weiter hinten am Zehenstrahl muss die Großzehe operiert und korrigiert werden. Auch der Heilungsprozess und die Nachbehandlung sind dementsprechend langwieriger. Auch bei einer starken Fehlstellung mit einer Großzehenarthrose kann langfristig ein ähnliches Ergebnis wie nach einer leichten Fehlstellung erreicht werden.

Die Operationsmöglichkeiten beginnen bei leichter Fehlstellung vor dem Großzehengrundgelenk. Eine mittlere Fehlstellung operiert man am Mittelfußknochen (Metatarsalknochen). Bei schwerer Hallux-Fehlstellung erfolgt die Umstellung bzw. Versteifung am Metatarsophalangealgelenk. Das ist die Verbindung zwischen dem Mittelfußknochen des Zehenstrahls und den Fußwurzelknochen.

Die Korrektur der Großzehstellung und des Großzehengrundgelenks wird stets von Eingriffen an den Weichteilen (Muskeln, Kapseln und Sehnen) begleitet.

Welche Technik im Einzelfall angewendet wird, hängt vom anatomischen Ort der Deformität und dem Ausmaß der Fehlstellung ab. Die Auswahl der geeigneten Hallux valgus-Operationsmethode trifft der Orthopäde in Absprache mit dem Patienten. Dabei beachtet er die Ergebnisse der klinischen Untersuchung und der Röntgendiagnostik.

Die unterschiedlichen Techniken hängen vom Grad der vorliegenden Hallux valgus-Fehlstellung ab. Ausschlaggebend ist dabei der Intermetatarsalwinkel, also der Winkel zwischen dem 1. und 2. Mittelfußstrahl bzw. -knochen.

Die Operationsmethoden des Hallux valgus betreffen dabei verschiedene anatomische Bereiche des Fußes. Im Folgenden werden die unterschiedlichen OP-Techniken vorgestellt.

Operation hinter dem Großzehengrundgelenk

Die distale Knochenumstellung erfolgt am äußeren Ende der Großzehe. Sie ist die einfachste und daher die bevorzugte Methode der Korrektur des Hallux valgus.

Minimal-Invasive Hallux valgus Operation bei leichter bis mittlerer Hallux valgus Fehlstellung

Heilung nach der mini-invasiven Hallux Valgus OperationDie Heilung nach der mini-invasiven Hallux valgus-OP ist bereits nach 8 Tagen weit fortgeschritten. © FH-Orthopedics

Die sehr schonend durchführbare "mini-invasive" Hallux Valgus Operation kommt mit minimalen Schnitten und Weichteileingriffen aus.

Wir bemühen uns stets, mit so wenig Knochenumstellung und Narbenbildung wie möglich zu operieren. Unser Ziel besteht darin, einen Hallux valgus so bald wie möglich nur mit Weichteileingriffen zu korrigieren. Bisher ist das noch nicht vollständig möglich. Meist sind angepasste Schrauben und Implantate zur Fixierung der Knochen notwendig.

Die mini-invasive Operation ist eine "distale Umstellung": Die Großzehe wird also hinter dem Großzehengrundgelenk ("distal") umgestellt. Diese kosmetisch vorteilhafte und narbenvermeidende Operation setzen wir besonders gerne bei leichten bis mittelgradigen Fehlstellungen der Großzehe ein.

Diese Hallux-OP kommt unter Verwendung gut verträglicher Titanschrauben meist ohne Nachoperation zur Schraubenentfernung aus. Die Schrauben können beschwerdefrei belassen werden.

Wenn sich durch die Hallux valgus-Fehlstellung bereits eine Arthrose des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus) entwickelt hat, ist dieses mini-invasive Verfahren nicht mehr anwendbar. Dann muß der Eingriff die Versorgung des Großzehengrundgelenks einbeziehen.

Wie geht man bei der mini-invasiven Hallux Valgus-Operation vor?

Laterale Ansicht der Mini Invasiven Hallux Valgus OsteotomieBei der mini-invasiven Hallux valgus-Osteotomie wird mit kleinen Instrumenten ein Schnitt in den Großzehenknochen gesetzt. © FH-Orthopedics

Die mini-invasive Operation des Hallux valgus kommt mit zwei kleinen Hautschnitten auf beiden Seiten des Großzehs aus. Dadurch verletzt man die Weichteile kaum. Die Heilungsdauer und die postoperative Komplikationsrate sind dadurch – im Vergleich zu offenen Hallux valgus-Operationsmethoden – stark vermindert. Gerade älteren Patienten kommt dieser Umstand zugute: Sie werden wieder schneller mobil. Wegen der geringeren Weichteilverletzungen fällt auch die postoperative Schwellung des Fußes deutlich geringer aus als bei anderen Verfahren.

Die mini-invasive Hallux valgus-Operation richtet den schiefstehenden Knochenstrahl mit kleinen Instrumenten, ähnlich zahnärztlichen Werkzeugen, neu aus. In einem weiteren Schritt öffnet man die oft verkürzte Gelenkkapsel durch einen kleinen Schnitt und weitet sie. Dadurch kann sie der normalen Ausrichtung des Großzehs den erforderlichen Raum geben.

Lateral realease bei Hallux valgusNach der Zehenkorrektur wird die bei Hallux valgus verkürzte Gelenkkapsel durch einen Schnitt geweitet (lateral release) © FH-Orthopedics

Diese "mini invasive" Methode hat gegenüber den anderen, ebenfalls minimalinvasiven Hallux-OP-Methoden einige Vorteile. Die Weichteilverletzungen sind wesentlich geringer, als bei anderen Osteotomien. Daher ist die Heilungszeit und die Zeit bis zur vollständigen Mobilisierung des Patienten deutlich verkürzt. Gerade älteren Patienten kommt dieser Umstand zu Gute: Sie werden wieder schneller mobil. Wegen der geringeren Weichteilverletzungen ist auch die postoperative Schwellung des Fußes deutlich geringer, als bei anderen Verfahren.

Akin-Osteotomie bei leichtem Hallux valgus interphalangeus (oberhalb des Großzehengrundgelenks)

Akin Osteotomie: Schritt für Schritt
Leichter Hallux valgus Interphalangeus
Planung des Umstellungswinkels bei der Akin Osteotomie
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Planung der Wedge-Operation (Keilentnahme)
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Keilentnahme © Dr. med. Thomas Schneider
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Das ist eine isolierte Fehlstellung der Großzehe jenseits des Großzehengrundgelenks
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Osteotomie vor der Reposition des Großzehens.
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Das ist eine isolierte Fehlstellung der Großzehe jenseits des Großzehengrundgelenks
Akin Osteotomie: Die Line, an der die Reposition der Großzehe stattgefunden hat, ist rot markiert.
Leichter Hallux valgus Interphalangeus
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Das ist eine isolierte Fehlstellung der Großzehe jenseits des Großzehengrundgelenks © Gelenk-Klinik

Wenn der Zehenknochen vor dem Großzehengrundgelenk fehlgestellt ist (Hallux valgus interphalangeus), kann eine sog. Akin-Osteotomie durchgeführt werden.

Bei der Akin-Osteotomie erfolgt eine Umstellung des Großzehenknochens jenseits des Großzehengrundgelenks (Metatarsus interphalangeus). Häufig liegt zudem aber noch eine weitere Ursache des Hallux valgus vor, welche die Akin-Osteotomie nicht behebt: die Fehlstellung des Mittelfußknochens. Weil sie nur die Großzehe korrigiert, wird die Akin-Osteotomie von uns daher meist in Verbindung mit anderen Hallux valgus-Eingriffen eingesetzt.

Die Akin-Osteotomie ändert die Richtung des Großzehs durch eine Keilentnahme aus dem Zehenknochen. Dieser wächst dadurch in einer neuen, gewünschten Richtung wieder zusammen.

Die Stellungskorrektur nach der Akin-Osteotomie kann zudem eine Normalisierung der Sehnenzüge an der Großzehe erreichen.

Korrekturen im Mittelfußknochen (metatarsale Korrektur)

 

Chevron Osteotomie: Hallux valgus Operation am Mittelfußknochen bei milder Hallux valgus Fehlstellungen

Planung der Knochenumstellung (Osteotomie) bei der Chevron Operation hinter dem Großzehengrundgelenk Hallux Valgus Ueberbein BallenfussHallux Valgus, korrigiert durch Chevron-Osteotomie. Der Mittelfußknochen des Großen Zehens wird in der neuen Position durch eie selbstschneidende Titanschraube fixiert. © FH-Orthopaedics

Die Chevron-Osteotomie ist für mittelschwere Hallux-Fehlstellungen geeignet. Voraussetzung für die Anwendung der Methode ist eine höchstens mittelgradige Arthrose des Großzehengrundgelenks. Bei dem Chevron-Verfahren entnimmt man in Höhe des Mittelfußköpfchens einen v-förmigen Keil.

Das Mittelfußköpfchen wird nach außen verschoben und wieder stabil mit einer Schraube (Titan) fixiert. Die Gelenkkapsel wird an der Innenseite gerafft, um die reguläre Richtung der Großzehe zu ermöglichen.

Bei einer milden Hallux valgus-Fehlstellung (< 17°) liegen noch keine wesentlichen Gelenkveränderungen (z. B. Arthrose im Großzehengelenk) vor. In diesem Fall eignet sich die Chevron-Osteotomie sehr gut. Sie wird also bei leichten bis mittelschweren Formen des Hallux valgus angewendet.

Durchführung der Chevron Osteotomie

Zunächst erfolgt über dem Großzehengrundgelenk am Fußrücken ein kleiner Hautschnitt. Dann löst man die durch die Hallux-Fehlstellung geschrumpften Bänder und die Gelenkkapsel und weitet diese (Weichteileingriff). Die Schrumpfung der Bänder und der Gelenkkapsel verfestigt die Fehlstellung des Großzehs bei einem Hallux valgus.

Anschließend wird das hervorstehende Überbein mit einer kleinen Säge oder einem Meißel abgetragen.

Am ersten Mittelfußknochen wird in Höhe des Mittelfußköpfchens ein Schnitt durchgeführt. Das Mittelfußköpfchen wird nach außen in Richtung Kleinzehe verschoben, bis es in gewünschter Stellung unter den Sesambeinen zu liegen kommt.

Dann wird bei der Chevron-Osteotomie der Zehenknochen mit einer selbstschneidenden Titanschraube oder mit Draht stabil fixiert.

Anschließend strafft man die Gelenkkapsel. Die kleinen Titanschrauben werden normalerweise im Zehenknochen belassen. Eine Nachoperation zur Schraubenentfernung versucht man in der Regel zu vermeiden. Sollten die Titanschrauben jedoch Beschwerden verursachen, können sie nach frühestens drei Monaten ambulant durch eine kleine Operation entfernt werden.

Seitenansicht einer Chevron-OsteotomieSeitenansicht einer Chevron-Osteotomie: Die Fixierung der Osteotomie erfolgt durch selbstschneidende Titanschrauben. Der Zehenstrahl kann dann in der neuen Richtung einheilen. © Gelenk-KLinik

Größere Fehlstellungen gehen häufig mit Gelenkveränderungen an der Gelenkkapsel einher. Daher wird meist zusätzlich in Kombination mit der Knochenumstellung eine Weichteiloperation durchgeführt.

Bei der Chevron-Osteotomie ist die laterale (seitliche) Verschiebung der Großzehe nur begrenzt möglich. Um ein Rezidiv (Rückfall) zu vermeiden, empfiehlt sich bereits während der Operation die Kontrolle der erzielten Korrektur mit dem Röntgenbildwandler. So kann der Spezialist die genaue Lage der Sesambeine prüfen.

Scarf-Osteotomie: Operation des mittleren bis schweren Hallux Valgus

Die Scarf-Osteotomie betrifft mittelschwere bis schwere Hallux valgus-Fehlstellungen (17° bis über 40°). Der Mittelfußknochen des 1. Zehenstrahls ist nach einem Hautschnitt an der Fußinnenseite sichtbar. Durch eine Osteotomie (Knochenumstellung) wird er z-förmig durchtrennt. Dann fixiert man ihn in einer neuen Richtung mit kleinen Schrauben. Auch hier kann ein Weichteileingriff (Raffung) an der Gelenkkapsel des Großzehengrundgelenks erforderlich sein.

Die Scarf-Osteotomie kann auch die bei Hallux valgus häufig vorkommende Verdrehung der Großzehe um ihre Längsachse korrigieren.

Die Scarf Osteotomie kann auch die bei Hallux valgus häufig vorkommende Verdrehung der Großzehe um ihre Längsachse korrigieren.

Auch diese OP-Methode verbindet die Korrektur des bei Hallux valgus abweichenden Knochens mit einer Operation an den Weichteilen (Sehnen und Kapsel).

Durchführung der Scarf-Osteotomie:

Bei der Scarf Osteotomie wird der Hautschnitt auf der Fußinnenseite von der Zehenbasis bis zur Basis des Mittelfußknochens durchgeführt. Dann sägt man aus dem ersten Mittelfußknochen seitlich einen z-förmigen Keil im Schaftbereich heraus. Der gelenktragende Teil der Großzehe – das sog. Mittelfußköpfchen – wird bei der Scarf-Osteotomie entlang der Schnittkanten nach außen verschoben. So kann es in den richtigen Winkel gebracht werden.

Damit diese Verschiebung ohne Spannung erfolgen kann, werden die Sehnen, die die Großzehe zur Mitte hin ziehen, verlagert. Die bei Hallux valgus ebenfalls deformierte Gelenkkapsel wird auf der Außenseite gelöst. Anschließend fixiert man den Knochen mit zwei kleinen Titanschrauben.

Durch den großflächigen Knochenkontakt ist eine gute Heilung des Knochens möglich. Die eingebrachten Titanschrauben werden normalerweise belassen und müssen nicht entfernt werden. Sollten sie Beschwerden verursachen, können die Schrauben nach frühestens drei Monaten ambulant entfernt werden.

Operation am Großzehengrundgelenk (Metatarsophalangealgelenk)

Eine fortgeschrittene Arthrose des Großzehengrundgelenks (GZG) muss operativ behandelt werden.

Eine gelenkerhaltende Cheilektomie kann es arthroskopisch reinigen und Knochensporne entfernen.

Mit einer Arthrodese des Großzehengrundgelenks wird das Großzehengrundgelenk versteift.

Ein Großzehengrundgelenk können wir auch durch eine Hemiprothese versorgen.

Lapidus-Arthrodese: Operation am Fußwurzel-Mittelfußgelenk (Tarsometatarsalgelenk)

Die Lapidus-Arthrodese kommt bei sehr starker Hallux valgus-Fehlstellung mit gleichzeitiger Arthrose oder Instabilität im Großzehengrundgelenk des 1. Mittelfußstrahles (Fußinnenseite) infrage.

Bei der Lapidus-Arthrodese wird eine Fusion zwischen dem D1-Mittelfußknochen und den Fußwurzelknochen (Metatarsocuneiformes Gelenk) durchgeführt.

Die Lapidusarthrodese ist besonders hilfreich bei großen Fehlstellungen der Großzehe, die einen besonders großen Intermetatarsalwinkel (>40°) aufweist. Die Lapidusarthrodese kann auch bei einer Arthrose des Fußwurzel-Mittelfußgelenks gut eingesetzt werden.

Prognose und Komplikationen nach der Hallux valgus Operation

Mögliche Postoperative Komplikationen

  • Chronische Schmerzen auch nach der OP.
  • Schmerzhafte Irritationen durch Schrauben oder Fixationsdrähte.
  • Läsionen durch die Umverteilung der der Belastung beim Gehen.
  • Stressfrakturen wegen der Belastungsänderung nach der OP.
  • Infektion nach der OP
  • Schwellung des Vorfußes: Eine Schwellung des Vorfußes ist eine normale Komplikation. Mit jedem Lebensjahrzehnt des Patienten dauert die Vorfußsschwellung etwa einen Monat länger.

Die möglichen Vorteile und Komplikationen einer Hallux valgus-Operation müssen stets sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. In internationalen Studien zu diesem Thema fühlen sich etwa 80 % der Patienten sehr wohl nach der Operation. Etwa 10 - 15 % fühlen sich besser als vor der Operation, auch wenn weiterhin Beschwerden bestehen. Nur etwa 5 % aller Patienten in den Studien erfahren keine Besserung. Je erfahrener der Operateur, umso wahrscheinlicher ist ein gutes Ergebnis nach der Hallux valgus-Operation.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine intensive Nachbereitung durch Fußgymnastik das Ergebnis der Hallux valgus-Operation deutlich verbessert.

Situation nach der minimalinvasivem Hallux valgus Operation

  • Die Operation erzeugt nur minimale Weichteilverletzungen: Die Patienten sind schneller wieder voll belastbar.
  • Das Großzehen-Gelenk kann nach der Operation sofort wieder bewegt werden
  • Mit einem speziellen Vorfußentlastungsschuh kann der Fuß nach der Operation sofort voll belastet werden.
  • Das Fixierungsmaterial (Knochenschräubchen) aus der Knochenumstellungsoperation kann meist im Körper belassen werden. Es stellt in der Regel keine Belastung für den Patienten dar. in den seltenen Fällen wo eine Irritation erfolgt, kann das Material ambulant durch einen kleinen Eingriff entfernt werden.

Nachbehandlung der Hallux valgus-Operatio

Vorfußentlastungschuh Nach der Hallux valgus Operation sind Patienten mit einem speziellen Vorfußentlastungsschuh sofort wieder mobil. Dieser Schuh bringt das gesamte Körpergewicht auf die Ferse. Damit sind Patienten also auch wieder reisefähig. So oft wie möglich sollten Patienten ihren Fuß aber während der Wundheilung auch hochlegen, um eine Schwellung zu vermeiden.

Der Heilungsprozess dauert in der Regel zwischen drei und sechs Wochen. Je schwerer die Fehlstellung war, umso länger dauert die Rehabilitation. Genaue Auskunft über den Zustand des operierten Gelenks gibt eine Röntgenkontrolle, etwa vier Wochen nach der Operation.

Bei allen von uns durchgeführten Korrekturoperationen des Hallux Valgus besteht die Möglichkeit einer funktionellen Nachbehandlung unter Vollbelastung in einem sog. Vorfußentlastungsschuh. Die frühe Vollbelastung verringert wiederum das Thrombose-Risiko deutlich.

Dennoch empfehlen wir Ihnen nach Hallux valgus OP eine Thromboseprophylaxe.
Die speziellen Vorfußentlastungsschuhe müssen für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen getragen werden.

Postoperative Rehabilitation

  • Teilbelastungsschuh oder Gipsschuh.
  • Redressierende Verbände.
  • Nachtlagerungsschiene.
  • Thromboseprophylaxe
  • Abschwellende Maßnahmen, Hochlagerung.
  • Lymphdrainage.

Dennoch sollte der Fuß auch nach einer Hallux valgus Operation so oft wie möglich hoch gelagert und geschont werden: Das fördert die schnellere Wundheilung und das Abschwellen des Vorfußes.

Eventuell kann nachts eine Redressions-Schiene zum Einsatz kommen.

Nach Ablauf von ca. fünf weiteren Wochen können wieder weite Schuhe getragen werden. Postoperative Fußgymnastik ist für die muskuläre Balance und zur Stabilisierung und Kräftigung des Fußes unerlässlich.

Auch die Eigenmassage des Fußgewölbes mit einem weichen Tennisball ist empfehlenswert. Die Zeit der Arbeitsunfähigkeit ist abhängig vom Heilungsprozess und von der Art des ausgeübten Berufs.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Hallux valgus- Operation

Wie lange dauert die Heilung nach der Hallux valgus Operation?

Die Heilung ist nach vier bis sechs Wochen beendet. Die Dauer der Krankschreibung hängt aber auch von Ihrem Beruf ab: Ein Patient mit stehendem Beruf benötigt eine längere Auszeit als Menschen mit sitzendem Beruf.

Kann ich nach einer Hallux valgus Operation wieder normal gehen?

Mit einem Vorfußentlastungsschuh können Sie sofort nach der Operation wieder gehen. Dieser Vorfußentlastungsschuh verhindert das Abrollen des Fußes über die Großzehe.

Wird der Fuß nach der Operation ruhiggestellt?

Nach der Hallux-OP wird der Fuß weder eingegipst noch ruhiggestellt. Die Großzehe bleibt auch passiv beweglich.

Wann kann ich wieder normale Schuhe tragen?

Auch nach der Beendigung der Nachbehandlung mit dem Vorfußentlastungsschuh sollten Sie weitere vier bis sechs Wochen weiche, bequeme und weitgeschnittene Schuhe tragen, bevor Sie wieder enge, spitz zulaufende Modeschuhe tragen.

Beidseitiger Hallux valgus: Ist eine beidseitige Operation an einem Termin empfehlenswert?

Wir bieten die beidseitige Operation des Hallux valgus nur im Notfall an. Normalerweise ist ein gesunder Fuß sehr wichtig für die Rehabilitation des operierten Fußes. Bei beidseitigen Fehlstellungen sollten Zeitabstände von drei Monaten bis zur nächsten OP nicht unterschritten werden.

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Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

 
Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg Dr. med. Martin Rinio
Facharzt für Orthopädie
Chirurgie und Unfallchirurgie