Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
Alte Bundesstr. 58
79194 Gundelfingen
Tel: (0761) 55 77 58 0
Mail: patienten@gelenk-klinik.de

Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Hallux valgus-Operation: Korrektur der Stellung der Großzehe

  1. Was ist ein Hallux valgus?
  2. Symptome des Hallux valgus
  3. Wie kann ein Patient der Hallux valgus-Operation vorbeugen?
  4. Wann wird der Hallux valgus operiert?
  5. Kosmetische Ziele dar Hallux valgus-Operation
  6. Individuelle Planung der Hallux-OP
  7. Ziele der Hallux valgus-OP
  8. OP-Methoden: Wie wird der Hallux valgus operiert?
  9. Kontraindikationen und erschwerende Umstände der Hallux valgus-Operation
  10. Hallux valgus-Operation und die Zeit danach: Prognose und Komplikationen
  11. FAQ: häufig gestellte Fragen zur Hallux valgus-Operation
Die Operation des Hallux valgus korrigiert die Fehlstellung der Großzehe. Meist erfolgt eine knöcherne Korrektur der Großzehe in Verbindung mit einer Weichteilkorrektur der Gelenkkapsel des Großzehengrundgelenks. © Gelenk-Klinik.de.Die Operation des Hallux valgus korrigiert die Fehlstellung der Großzehe. Meist erfolgt eine knöcherne Korrektur der Großzehe in Verbindung mit einer Weichteilkorrektur der Gelenkkapsel des Großzehengrundgelenks. © Gelenk-Klinik.de

Ihre Großzehe neigt sich immer stärker nach außen und bedrängt die kleineren Zehen des Fußes? Sie haben nach längerem Gehen oder oft schon gleich zu Beginn des Tages Fußschmerzen? Diese Schmerzen behindern Ihre Beweglichkeit und Mobilität im Alltag? Dann leiden Sie, wie so viele der häufig weiblichen Patienten, unter einem Hallux valgus (Ballenzeh).

Die Fachärzte unseres Zentrums für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (ZFS) haben sich auf die schonende Behandlung der Fehlstellung der Großzehe mit minimalinvasiven Eingriffen am Vorfuß spezialisiert. Heilung und Rehabilitation verlaufen dadurch wesentlich schneller und Komplikationen nach der Hallux valgus-Operation werden vermieden.

Ziel der Hallux valgus-Behandlung ist es, dass unsere Patienten so schnell wie möglich wieder mobil werden und eine dauerhafte medizinische und kosmetische Verbesserung ihres Hallux valgus erfahren.

Weiterhin soll die Hallux valgus-Operation einen belastbaren, schmerzfreien Fußes mit kosmetisch schöner Form wiederherstellen.

Je schwerer die Hallux valgus-Fehlstellung, umso aufwändiger wird die Operation. Das ist ein Grund, sich bei Hallux valgus frühzeitig durch einen Spezialisten über operative Korrekturmöglichkeiten aufklären zu lassen.

Was ist ein Hallux valgus?

Der Hallux valgus (Schiefzehe) ist eine weit verbreitete Fehlstellung der Großzehe. Der große Zeh weicht dabei auffällig zum Fußaußenrand hin ab und verdrängt dort die kleineren Zehen. Diese Fehlstellung überlastet das Großzehengrundgelenk, wodurch als Folge langfristig eine schmerzhafte Großzehenarthrose (Hallux rigidus) entstehen kann.

Symptome des Hallux valgus

Der hervortretende Fußballen am Großzehengrundgelenk entzündet sich schmerzhaft und kann anschwellen. Der große Zeh zeigt nicht mehr gerade nach vorne, sondern in Richtung der kleinen Zehen. Am Großzehengrundgelenk bildet sich häufig Hornhaut durch den entstehenden Konflikt mit den Schuhen an der Stelle der Exostose (Überbein). In vielen Fällen begleitet eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) am Zehenballen den Hallux valgus. Durch die veränderte Lastverteilung vom Großzeh auf die benachbarten kleinen Zehen kommt es häufig zu sogenannten Transfermetatarsalgien (Mittelfußschmerzen).

Zur Behandlung des Hallux valgus sowie zur Linderung der Schmerzen existieren zahlreiche konservative Verfahren. Hier können sie weiterlesen zur Diagnose und konservativen Behandlung des Hallux valgus.

Wie kann ein Patient der Hallux valgus-Operation vorbeugen?

Eine frühzeitige Umstellung auf gesunde Schuhe mit viel Zehenraum und eine konsequente konservative Behandlung können das Fortschreiten des Hallux valgus verzögern. Nach dem Auftreten der Fehlstellung sollten Sie daher nicht zu lange mit der Therapie warten.

Wenn die konservative Behandlung des Hallux valgus keine Verbesserung mehr bringt, zieht der Orthopäde eine Operation in Betracht. Auch dabei sollte es schnell gehen. Die zunehmende Versteifung des Großzehengelenks und die Fehlstellungen der benachbarten Zehen des Fußes machen den Hallux valgus mit der Zeit immer schwerer operierbar. Langfristige Folgeschäden wie Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks) werden dann immer stärker.

OP-Indikation: Wann wird der Hallux valgus operiert?

Schmerzen durch Hallux valgus:

  • Der druckschmerzhafte Zehenballen entzündet sich und drückt innen gegen den Schuh.
  • Verdrängte Kleinzehen (Hammerzehen, Krallenzehen) ziehen weitere Vorfußdeformitäten nach sich.
  • Schmerzen im Mittelfuß treten auf, weil die Großzehe nicht mehr voll eingesetzt wird und die Kleinzehen überlastet sind.
  • Arthroseschmerzen im Großzehengrundgelenk entstehen durch Abnutzung des Gelenks.

Ein Hallux valgus ist für viele Patientinnen – insbesondere in offenen Schuhen – vor allem ein kosmetisches Problem. Dennoch stellt die Ästhetik keine ausreichende Indikation für eine Operation dar. Eine Voraussetzung für eine Operation ist die schmerzhafte Fehlstellung. Diese lässt sich auch durch Schuhwechsel, Einlagenbehandlung oder Fußgymnastik nicht therapieren. Einlagen verschaffen bei einem schmerzhaften Hallux valgus zwar Erleichterung, sie verbessern die Fehlstellung aber nicht nachhaltig.

Bei der Operationsplanung und Durchführung dieses plastisch-chirurgischen Eingriffs an der Großzehe legen wir auf ein ansprechendes kosmetisches Ergebnis trotzdem großen Wert. So können wir die Lebensqualität der Patienten, also Belastbarkeit und schmerzfreies Gehen, wieder vollständig herstellen.

Kosmetische Ziele der Hallux valgus-Operation:

  • Begradigung der Großzehe
  • Normalisierung der Fehlstellung von Hammer- und Krallenzehen
  • Abtragung des geschwollenen Zehenballens (Exostosenabtragung)
  • Möglichst kleine Operationsnarben im nicht sichtbaren Bereich des Fußes

Nur wenn die Füße im Alltag deutlich weniger belastbar sind, der Hallux valgus bereits schmerzhaft und die Mobilität eingeschränkt ist, ist es medizinisch gerechtfertigt, die Operation zu empfehlen.

Die konservativen Behandlungsmöglichkeiten sollten vor dem Entschluss zur Operation vollständig ausgeschöpft sein. Das ist nach einer konservativen Behandlung nach sechs Monaten absehbar.

Die konservative Therapie soll die Fehlstellung in erster Linie eindämmen. Eine echte Besserung durch eine konservative Behandlung ist normalerweise nur am wachsenden Skelett, also bei Patienten im sehr jungen Lebensalter, möglich.

Individuelle Planung der Hallux valgus-Operation

Begleiterkrankungen des Hallux valgus:

Der Hallux valgus kombiniert stets verschiedene Krankheitsprozesse. Neben der Fehlstellung der Großzehe treten beispielsweise Hautveränderungen und Schleimbeutelentzündungen auf. Die schiefe Großzehe verdrängt die benachbarten Kleinzehen, woraus eine schmerzhafte Überlastung resultiert. Die Operationsplanung muss sich mittels eingehender Diagnose an der individuellen Situation des Patienten orientieren.

Im Folgenden stellen wir die Standardoperationen eines Hallux valgus übersichtlich dar. Vorher möchten wir betonen, dass die Entscheidung zur Operation vom konkreten Einzelfall, aber auch von der Lebensweise jedes Patienten abhängt.

Ziele der Hallux valgus-Operation

Röntgenbild des Hallux valgus – Ueberbein, BallenfußFuß mit Hallux valgus-Fehlstellung: Deutlich sichtbar ist der nach außen gerichtete Großzeh. Die Sesambeinchen (kleine, frei aufgehängte Knochen) der Großzehenbeugersehne sieht man unterhalb des Großzehengrundgelenks. Sie umgeben den Zehenknochen nicht mehr symmetrisch, sondern sind seitlich verlagert. Der Sehnenzug verläuft daher nicht mehr parallel zur Richtung des Zehenstrahls. © Gelenk-Klinik

Ziel der operativen Behandlung des Hallux valgus (Ballenfuß) in frühen Stadien ist es, neben der Geradestellung der Großzehe das von Arthrose bedrohte Großzehengrundgelenk zu erhalten. Die Hallux valgus-Operation korrigiert die Fehlstellung also dauerhaft. Nur wenn man die Füße in ihre normale Form bringt, ist die Funktion – das natürliche Gangbild – wiederherstellbar. Beim gesunden Gang rollt der Fuß über die Großzehe hinweg ab. Beim Hallux valgus ist dieser Abrollvorgang gestört. Die kleinen Zehen übernehmen diesen Abrollvorgang. Sie werden dadurch überlastet und deformieren mit der Zeit ebenfalls.

Eine Hallux valgus-Operation richtet die schief gestellte Knochenachse der Großzehe wieder gerade aus. Zudem normalisiert der Eingriff den Zug der Sehnen und Muskeln. Sie würden sonst den Großzeh bei bei jedem Schritt stärker zur Seite ziehen. Dabei ist es sehr wichtig, die Muskeln und Sehnen, die die Großzehe umgeben, schonend zu operieren und so wenig wie möglich zu verletzen.

Die Operation stellt die gestörte Ausrichtung des Gelenk also so weit wie möglich wieder her. Die Hallux-OP bessert die Einwärtsdrehung des Zehs (Pronation) dauerhaft.

Wir beachten bei der Hallux valgus-Operation auch immer die Position der Sesambeine. Das Sesambein (lat. Os sesamoideum) ist ein kleiner Knochen, der der Sehne des Großzehenbeugers aufliegt. Es handelt sich dabei um kleine Abstandshalter der Sehne zum Knochen. Sie sorgen für den erforderlichen Mindestabstand zum Knochen, damit die Sehne ihre Funktion optimal erfüllen kann. Die Hallux valgus-OP muss die Lage und Funktion der Sesambeine regulieren. Die Sesambeine beeinflussen durch den Sehnenzug die Fehlstellung der Großzehe, was wiederum den Hallux valgus verstärkt.

OP-Methoden: Wie wird ein Hallux valgus operiert?

Die meisten Hallux valgus-Operationen kombinieren mehrere der folgenden Eingriffe:

  • Knochenumstellung (Osteotomie):
    Dieser Eingriff begradigt den Zehenstrahl.
  • Weichteilkorrektur:
    Die Korrektur der Gelenkkapsel kann eine feste Fehlstellung wieder begradigen.
  • Sehnenkorrektur:
    Die Sehnenlänge muss korrigiert werden, damit der Sehnenzug die Großzehe nicht wieder deformiert.
  • Versorgung des Großzehengrundgelenks:
    In einigen Fällen ist eine gelenkerhaltende Cheilektomie (Entfernung der Knochensporne) oder bei starker Arthrose eine Versteifung des Großzehengrundgelenks (Arthrodese) erforderlich.

Erst wenn alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten des Hallux valgus ausgeschöpft sind, denkt der Orthopäde an eine Operation. Zu den Langzeitfolgen des Hallux valgus gehört oft die Arthrose des Großzehengrundgelenks. Diese schränkt manchmal auch die Bewegung des Großzehengrundgelenks ein.

Kontraindikationen und erschwerende Umstände der Hallux valgus-Operation

Durchblutungsstörungen sind Kontraindikationen der Hallux valgus-OperationDurchblutungsstörungen sind stets eine Kontraindikation: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder der diabetische Fuß verhindern oder erschweren die Wundheilung nach der Hallux valgus-Operation. © Viewmedica

Kontraindikation

Die wichtigste Kontraindikation ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Eine Durchblutungsstörung kann zu schweren Wundheilungsstörungen nach der Operation führen.

Wichtig für die Heilung nach einer Vorfußoperation ist eine gute Durchblutung. Der Fuß ist das am weitesten vom Herzen entfernte Bewegungsorgan. Der Weichteilmantel am schwer belasteten Fuß ist sehr dünn. Daher sind alle Umstände, die die natürlicherweise geringe Durchblutung noch weiter vermindern, ungünstig für die Heilung nach der Operation. Folgende Erkrankungen verhindern oder erschweren eine erfolgreiche Hallux valgus-Operation:

  • pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • diabetischer Fuß und beginnende Polyneuropathie (häufig durch Diabetes bedingte Nervenerkrankung)

In diesen Fällen müssen wir vor der Entscheidung für die Hallux valgus-OP den Durchblutungsstatus des Fußes eingehend untersuchen.

Polyarthritis und rheumatische Erkrankungen sprechen nicht gegen eine Operation. Der Orthopäde muss sie aber bei der Wahl der Operationstechnik angemessen berücksichtigen.

Auch eine vorangegangene Hallux valgus-Operation erschwert eine Umstellungsoperation erheblich und kann das zu erwartende Ergebnis gefährden.

Je stärker der Hallux valgus, desto weiter hinten am Zeh erfolgt die Umstellung

Um einen Hallux valgus zu korrigieren, stehen mehrere bewährte Operationstechniken zur Verfügung, aus denen wir in jedem Einzelfall auswählen.

Dabei gilt folgendes Prinzip: Je stärker die Fehlstellung, umso weiter hinten am Zehenstrahl muss die Großzehe operiert und korrigiert werden. Auch der Heilungsprozess und die Nachbehandlung sind dementsprechend langwieriger. Dennoch können wir auch bei einer starken Fehlstellung mit einer Großzehenarthrose langfristig ein ähnliches Ergebnis wie nach einer leichten Fehlstellung erreichen.

Die Operationsmöglichkeiten beginnen bei leichter Fehlstellung vor dem Großzehengrundgelenk. Eine mittlere Fehlstellung operiert man am Mittelfußknochen (Metatarsalknochen). Bei schwerer Hallux-Fehlstellung erfolgt die Umstellung bzw. Versteifung am Metatarsophalangealgelenk. Das ist die Verbindung zwischen dem Mittelfußknochen des Zehenstrahls und den Fußwurzelknochen.

Die Korrektur der Stellung des Großzehs und des Großzehengrundgelenks begleiten stets Eingriffe an den Weichteilen (Muskeln, Kapseln und Sehnen).

Welche Technik im Einzelfall angewendet wird, hängt vom anatomischen Ort der Deformität und dem Ausmaß der Fehlstellung ab. Die Auswahl der geeigneten Hallux valgus-Operationsmethode trifft der Orthopäde in Absprache mit dem Patienten. Dabei beachtet er die Ergebnisse der klinischen Untersuchung und der Röntgendiagnostik.

Die unterschiedlichen Techniken hängen vom Grad der vorliegenden Hallux valgus-Fehlstellung ab. Ausschlaggebend ist dabei der Intermetatarsalwinkel, also der Winkel zwischen dem 1. und 2. Mittelfußstrahl bzw. -knochen.

Die Operationsmethoden des Hallux valgus betreffen verschiedene anatomische Bereiche des Fußes. Im Folgenden werden die unterschiedlichen OP-Techniken vorgestellt.

Operation hinter dem Großzehengrundgelenk

Die distale Knochenumstellung erfolgt am äußeren Ende der Großzehe. Sie ist die einfachste und daher die bevorzugte Methode der Korrektur des Hallux valgus.

Minimalinvasive Hallux valgus-Operation bei leichter bis mittlerer Fehlstellung

Hallux valgus mit leichter FehlstellungHallux valgus mit leichter Fehlstellung: Deutlich erkennbar ist die seitliche Abweichung der Großzehe und die Druckstelle am Großzehengrundgelenk. © Gelenk-Klinik

Die sehr schonend durchführbare "minimalinvasive" Hallux valgus-Operation kommt mit kleinsten Schnitten und Weichteileingriffen aus.

Wir bemühen uns stets, die Knochenumstellung und Narbenbildung so gering wie möglich zu halten. Zukünftig besteht unser Ziel darin, einen Hallux valgus nur noch mit Weichteileingriffen zu korrigieren. Bisher ist das noch nicht vollständig möglich. Meist sind angepasste Schrauben und Implantate zur Fixierung der Knochen notwendig.

Die minimalinvasive Operation ist eine "distale Umstellung": Die Großzehe wird also hinter dem Großzehengrundgelenk (körperfern) umgestellt. Diese kosmetisch vorteilhafte und narbenvermeidende Operation setzen wir besonders bei leichten bis mittelgradigen Fehlstellungen der Großzehe ein.

Die Hallux-OP kommt unter Verwendung gut verträglicher Titanschrauben meist ohne Nachoperation zur Schraubenentfernung aus. Die Schrauben können beschwerdefrei belassen werden.

Wenn sich durch die Hallux valgus-Fehlstellung bereits eine Arthrose des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus) entwickelt hat, ist dieses minimalinvasive Verfahren nicht mehr anwendbar. Dann muss der Eingriff die Versorgung des Großzehengrundgelenks einbeziehen.

Wie geht man bei der minimalinvasiven Hallux valgus-Operation vor?

Die minimalinvasive Operation des Hallux valgus kommt mit zwei kleinen Hautschnitten auf beiden Seiten des Großzehs aus. Dadurch verletzt man die Weichteile kaum. Die Heilungsdauer und die postoperative Komplikationsrate sind dadurch – im Vergleich zu offenen Hallux valgus-Operationsmethoden – stark vermindert. Gerade älteren Patienten kommt dieser Umstand zugute: Sie werden wieder schneller mobil. Wegen der geringeren Weichteilverletzungen fällt auch die postoperative Schwellung des Fußes deutlich geringer aus als bei anderen Verfahren.

Die minimalinvasive Hallux valgus-Operation richtet den schiefstehenden Knochenstrahl mit kleinen Instrumenten, ähnlich zahnärztlichen Werkzeugen, neu aus. In einem weiteren Schritt öffnet der Orthopäde die oft verkürzte Gelenkkapsel durch einen kleinen Schnitt und weitet sie. Dadurch kann sie der normalen Ausrichtung des Großzehs den erforderlichen Raum geben.

Akin-Osteotomie bei leichtem Hallux valgus interphalangeus (distal des Großzehengrundgelenks)

Akin-Osteotomie: Schritt für Schritt
Leichter Hallux valgus interphalangeus
Planung des Umstellungswinkels bei der Akin-Osteotomie
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Planung der Wedge-Operation (Keilentnahme)
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Keilentnahme © Gelenk-Klinik
Keilentnahme aus dem Großzehenknochen
Leichter Hallux valgus interphalangeus: Osteotomie vor der Reposition der Großzehe.
Reposition des großen Zehs nach Keilentnahme
Akin-Osteotomie: Die Line, an der die Reposition der Großzehe stattgefunden hat, ist rot markiert.
Leichter Hallux valgus interphalangeus
Leichter Hallux valgus interphalangeus: isolierte Fehlstellung der Großzehe distal (körperfern) des Großzehengrundgelenks. © Gelenk-Klinik

Wenn der Zehenknochen vor dem Großzehengrundgelenk fehlgestellt ist (Hallux valgus interphalangeus), kann eine sog. Akin-Osteotomie durchgeführt werden.

Bei der Akin-Osteotomie erfolgt eine Umstellung des Großzehenknochens distal (körperfern) des Großzehengrundgelenks (Metatarsus interphalangeus). Häufig liegt zudem noch eine weitere Ursache des Hallux valgus vor, welche die Akin-Osteotomie nicht behebt: die Fehlstellung des Mittelfußknochens. Weil sie nur die Großzehe korrigiert, setzen wir die Akin-Osteotomie meist in Verbindung mit anderen Hallux valgus-Eingriffen ein.

Die Akin-Osteotomie ändert die Richtung des Großzehs durch eine Keilentnahme aus dem Zehenknochen. Dieser wächst dadurch in einer neuen, gewünschten Richtung wieder zusammen.

Die Stellungskorrektur nach der Akin-Osteotomie kann zudem eine Normalisierung der Sehnenzüge an der Großzehe erreichen.

Korrekturen im Mittelfußknochen (metatarsale Korrektur)

Chevron-Osteotomie: Hallux valgus-Operation am Mittelfußknochen bei milder Hallux valgus-Fehlstellung

Planung der Knochenumstellung (Osteotomie) bei der Chevron-Operation hinter dem GroßzehengrundgelenkPlanung der Knochenumstellung (Osteotomie) hinter dem Großzehengrundgelenk. Bei der Chevron-Osteotomie wird ein v-förmiger Schnitt hinter dem ersten Mittelfußköpfchen durchgeführt. Dann verschiebt der Orthopäde den Knochen nach außen und fixiert ihn stabil mit einer kleinen Titanschraube. © Dr. Thomas SchneiderHallux valgus Überbein BallenfußHallux valgus, korrigiert durch Chevron-Osteotomie. Eine selbstschneidende Titanschraube fixiert den Mittelfußknochen des großen Zehs in der neuen Position. © FH-Orthopaedics

Die Chevron-Osteotomie eignet sich für mittelschwere Hallux-Fehlstellungen. Voraussetzung für die Anwendung der Methode ist eine höchstens mittelgradige Arthrose des Großzehengrundgelenks. Bei dem Chevron-Verfahren entnimmt man in Höhe des Mittelfußköpfchens einen v-förmigen Keil.

Das Mittelfußköpfchen wird nach außen verschoben und wieder stabil mit einer Schraube (Titan) fixiert. Die Gelenkkapsel wird an der Innenseite gerafft, um die reguläre Richtung der Großzehe zu ermöglichen.

Bei einer milden Hallux valgus-Fehlstellung (< 17°) liegen noch keine wesentlichen Gelenkveränderungen (z. B. Arthrose im Großzehengelenk) vor. In diesem Fall eignet sich die Chevron-Osteotomie sehr gut.

Durchführung der Chevron-Osteotomie

Zunächst erfolgt über dem Großzehengrundgelenk am Fußrücken ein kleiner Hautschnitt. Dann löst der Arzt die durch die Hallux-Fehlstellung geschrumpften Bänder und die Gelenkkapsel und weitet diese (Weichteileingriff). Die Schrumpfung der Bänder und der Gelenkkapsel verfestigt die Fehlstellung des Großzehs bei einem Hallux valgus.

Anschließend wird das hervorstehende Überbein mit einer kleinen Säge oder einem Meißel abgetragen.

Am ersten Mittelfußknochen setzt der Operateur in Höhe des Mittelfußköpfchens einen Schnitt. Dann verschiebt er das Mittelfußköpfchen nach außen in Richtung Kleinzehe, bis es in gewünschter Stellung unter den Sesambeinen zu liegen kommt. Die Sesambeine sind kleine Knochen, die der Sehne aufliegen und als Abstandhalter dienen, damit es zu keiner Sehnenreizung kommt.

Dann wird bei der Chevron-Osteotomie der Zehenknochen mit einer selbstschneidenden Titanschraube oder mit Draht stabil fixiert.

Anschließend strafft der Orthopäde die Gelenkkapsel. Die kleinen Titanschrauben verbleiben in der Regel im Zehenknochen. Eine Nachoperation zur Schraubenentfernung ist somit nicht notwendig. Sollten die Titanschrauben jedoch Beschwerden verursachen, können sie nach frühestens drei Monaten ambulant durch eine kleine Operation entfernt werden.

Seitenansicht einer Chevron-OsteotomieSeitenansicht einer Chevron-Osteotomie: Die Fixierung der Osteotomie erfolgt durch selbstschneidende Titanschrauben. Der Zehenstrahl kann dann in der neuen Richtung einheilen. © Gelenk-Klinik

Größere Fehlstellungen gehen häufig mit Gelenkveränderungen an der Gelenkkapsel einher. Daher wird meist zusätzlich in Kombination mit der Knochenumstellung eine Weichteiloperation durchgeführt.

Bei der Chevron-Osteotomie ist die laterale (seitliche) Verschiebung der Großzehe nur begrenzt möglich. Um ein Rezidiv (Rückfall) zu vermeiden, empfiehlt sich bereits während der Operation die Kontrolle der erzielten Korrektur mittels Röntgenbildwandler. So kann der Spezialist die genaue Lage der Sesambeine prüfen.

Scarf-Osteotomie: Operation des mittleren bis schweren Hallux valgus

Die Scarf-Osteotomie betrifft mittelschwere bis schwere Hallux valgus-Fehlstellungen (17° bis über 40°). Der Mittelfußknochen des 1. Zehenstrahls ist nach einem Hautschnitt an der Fußinnenseite sichtbar. Durch eine Osteotomie (Knochenumstellung) wird er z-förmig durchtrennt. Dann fixiert man ihn in einer neuen Richtung mit kleinen Schrauben. Auch hier kann ein Weichteileingriff (Raffung) an der Gelenkkapsel des Großzehengrundgelenks erforderlich sein.

Die Scarf-Osteotomie kann auch die bei Hallux valgus häufig vorkommende Verdrehung der Großzehe um ihre Längsachse korrigieren.

Auch diese OP-Methode verbindet die Korrektur des bei Hallux valgus abweichenden Knochens mit einer Operation an den Weichteilen (Sehnen und Kapsel).

Durchführung der Scarf-Osteotomie:

Bei der Scarf-Osteotomie erfolgt der Hautschnitt auf der Fußinnenseite von der Zehenbasis bis zur Basis des Mittelfußknochens. Dann sägt der Arzt aus dem ersten Mittelfußknochen seitlich einen z-förmigen Keil im Schaftbereich heraus. Der gelenktragende Teil der Großzehe – das sog. Mittelfußköpfchen – wird bei der Scarf-Osteotomie entlang der Schnittkanten nach außen verschoben. So kann der Operateur es in den richtigen Winkel bringen.

Damit diese Verschiebung ohne Spannung erfolgen kann, verlagert der Arzt die Sehnen, die die Großzehe zur Mitte hin ziehen. Er löst die bei Hallux valgus ebenfalls deformierte Gelenkkapsel auf der Außenseite. Anschließend fixiert er den Knochen mit zwei kleinen Titanschrauben.

Durch den großflächigen Knochenkontakt ist eine gute Heilung des Knochens möglich. Die eingebrachten Titanschrauben werden normalerweise belassen und müssen nicht entfernt werden. Sollten sie Beschwerden verursachen, können sie nach frühestens drei Monaten ambulant entfernt werden.

Operation am Großzehengrundgelenk (Metatarsophalangealgelenk)

Liegt eine fortgeschrittene Arthrose des Großzehengrundgelenks (GZG) vor, muss diese operativ behandelt werden.

Eine gelenkerhaltende Cheilektomie kann das Gelenk arthroskopisch reinigen und Knochensporne entfernen.

Häufig ist eine Arthrodese (Versteifung) des Großzehengrundgelenks erforderlich.

Aber auch eine Versorgung mittels Hemiprothese (Teilprothese) ist möglich.

Lapidus-Arthrodese: Operation am Gelenk zwischen Fußwurzel und Mittelfuß (Tarsometatarsalgelenk)

Die Lapidus-Arthrodese kommt bei sehr starker Hallux valgus-Fehlstellung mit gleichzeitiger Arthrose oder Instabilität im Großzehengrundgelenk des 1. Mittelfußstrahles (Fußinnenseite) infrage.

Bei diesem Verfahren erfolgt eine Fusion zwischen dem ersten Mittelfußknochen und dem Fußwurzelknochen (metatarsocuneiformes Gelenk).

Die Lapidus-Arthrodese ist besonders hilfreich bei schweren Fehlstellungen der Großzehe, die einen großen Intermetatarsalwinkel (>40°) aufweisen. Die OP-Technik kann auch eine Arthrose des Gelenks zwischen Fußwurzel und Mittelfuß gut behandeln.

Prognose und Komplikationen nach der Hallux valgus-Operation

Mögliche postoperative Komplikationen

  • chronische Schmerzen auch nach der OP
  • schmerzhafte Irritationen durch Schrauben oder Fixationsdrähte
  • Läsionen durch die Umverteilung der Belastung beim Gehen
  • Stressfrakturen wegen der Belastungsänderung nach der OP
  • Infektion nach der OP
  • Schwellung des Vorfußes

Die möglichen Vorteile und Komplikationen einer Hallux valgus-Operation müssen stets sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. In internationalen Studien zu diesem Thema fühlen sich etwa 80 % der Patienten sehr wohl nach der Operation. Etwa 10–15 % fühlen sich besser als vor der Operation, auch wenn weiterhin Beschwerden bestehen. Nur etwa 5 % aller Patienten in den Studien erfahren keine Besserung. Je erfahrener der Operateur, umso wahrscheinlicher ist ein gutes Ergebnis nach der Operation des Hallux valgus.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine intensive Nachbereitung durch Fußgymnastik das Ergebnis der Hallux valgus-Operation deutlich verbessert.

Situation nach der minimalinvasiven Hallux valgus-Operation

  • Die Operation erzeugt nur minimale Weichteilverletzungen. Die Patienten sind schnell wieder voll belastbar.
  • Das Großzehengrundgelenk kann unmittelbar nach der Operation wieder bewegt werden.
  • Mit einem speziellen Vorfußentlastungsschuh kann der Patient den Fuß nach der Operation sofort voll belasten.
  • Das Fixierungsmaterial (Knochenschrauben) aus der Umstellungsoperation kann meist im Körper verbleiben. Es stellt in der Regel keine Belastung für den Patienten dar. In den seltenen Fällen, in denen eine Irritation erfolgt, kann das Material ambulant durch einen kleinen Eingriff entfernt werden.

Nachbehandlung der Hallux valgus-Operation

VorfußentlastungschuhNach der Hallux valgus-Operation sind die Patienten mit einem speziellen Vorfußentlastungsschuh sofort wieder mobil. Dieser Schuh bringt das gesamte Körpergewicht auf die Ferse. Damit sind Patienten also auch wieder reisefähig. So oft wie möglich sollten Patienten ihren Fuß aber während der Wundheilung auch hochlegen, um eine Schwellung zu vermeiden.

Der Heilungsprozess dauert in der Regel zwischen drei und sechs Wochen. Je schwerer die Fehlstellung war, umso länger dauert die Rehabilitation. Genaue Auskunft über den Zustand des operierten Gelenks gibt eine Röntgenkontrolle etwa vier Wochen nach der Operation.

Bei allen von uns durchgeführten Korrekturoperationen des Hallux valgus besteht die Möglichkeit einer funktionellen Nachbehandlung unter Vollbelastung in einem sog. Vorfußentlastungsschuh. Dieser muss für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen getragen werden. Die frühe Vollbelastung verringert wiederum das Thrombose-Risiko deutlich.

Dennoch empfehlen wir Ihnen nach Hallux valgus-OP eine Thromboseprophylaxe.

Postoperative Rehabilitation

  • Teilbelastungsschuh oder Gipsschuh
  • redressierende (formende) Verbände
  • Nachtlagerungsschiene
  • Thromboseprophylaxe
  • abschwellende Maßnahmen, Hochlagerung
  • Lymphdrainage

Dennoch sollte der Patient den Fuß auch nach einer Hallux valgus-Operation so oft wie möglich hochlagern und schonen. Diese Maßnahme fördert die schnellere Wundheilung und das Abschwellen des Vorfußes.

Eventuell kann nachts eine Redressionsschiene zum Einsatz kommen.

Nach Ablauf von ca. fünf Wochen können wieder weite Schuhe getragen werden. Postoperative Fußgymnastik ist für die muskuläre Balance und zur Stabilisierung und Kräftigung des Fußes unerlässlich.

Auch die Eigenmassage des Fußgewölbes mit einem weichen Tennisball ist empfehlenswert. Die Zeit der Arbeitsunfähigkeit ist abhängig vom Heilungsprozess und von der Art des ausgeübten Berufs.

FAQ: häufig gestellte Fragen zur Hallux valgus-Operation

Wie lange dauert die Heilung nach der Hallux valgus-Operation?

Die Heilung ist nach vier bis sechs Wochen beendet. Die Dauer der Krankschreibung hängt aber von Ihrem Beruf ab. Ein Patient mit stehendem Beruf benötigt eine längere Auszeit als Menschen mit sitzendem Beruf.

Kann ich nach einer Hallux valgus-Operation wieder normal gehen?

Mit einem Vorfußentlastungsschuh können Sie sofort nach der Operation wieder gehen. Er verhindert das Abrollen des Fußes über die Großzehe.

Wird der Fuß nach der Operation ruhiggestellt?

Nach der Hallux-OP wird der Fuß weder eingegipst noch ruhiggestellt. Die Großzehe bleibt auch passiv beweglich.

Wann kann ich wieder normale Schuhe tragen?

Auch nach der Beendigung der Nachbehandlung mit dem Vorfußentlastungsschuh sollten Sie weitere vier bis sechs Wochen weiche, bequeme und weitgeschnittene Schuhe tragen.

Beidseitiger Hallux valgus: Ist eine beidseitige Operation an einem Termin empfehlenswert?

Wir bieten die beidseitige Operation des Hallux valgus nur im Notfall an. Normalerweise ist ein gesunder Fuß sehr wichtig für die Rehabilitation des operierten Fußes. Bei beidseitigen Fehlstellungen sollten Sie einen Zeitabstand von drei Monaten bis zur nächsten OP nicht unterschreiten.

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Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

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Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

 
Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg Dr. med. Martin Rinio
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