Orthopädische Gelenk-Klinik

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Bilddiagnostik und Radiologie der Orthopädischen Gelenk Klinik

Osteochondrosis dissecans (OD) im Sprunggelenk

  1. Was ist Osteochondrosis dissecans?
  2. Wer ist betroffen?
  3. Ursache
  4. Diagnose
  5. Konservative Therapie
  6. Operative Therapie
  7. Prognose und Aussichten

Osteochondrosis dissecans ist das Absterben von Knochen und Knorpel im Sprunggelenk auf Raten

Als Osteochondrosis dissecans wird das Absterben begrenzter Bezirke im Knochen-Knorpelbereich der Gelenke bezeichnet. Dabei löst sich im Endstadium ein Stück des Knochens unter der Knorpelschicht ab. Im Krankheitsverlauf kommt es häufig zur Verdichtung des Knochens an der Grenze zwischen den noch durchbluteten Bezirken zu dem von Osteochondrosis dissecans betroffenen Areal zu einer Trennschicht (Sklerosierung).

Als letztes Stadium der Osteochondrosis dissecans kann die Ablösung und Ausstoßung dieses Knochen-Knorpel-Stückes ("Dissekat" oder "Gelenkmaus") aus seinem Lager ("Mausbett") in den Gelenkraum erfolgen.

Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk Ansicht des Sprunggelenks von hinten in der 3-D digitalen Volumentomografie (DVT): Von oben kommen Schienbein (Tibia, links) und Wadenbein (Fibula, rechts) und bilden gemeinsam die Sprunggelenksgabel. Der fußseitige Gelenkpartner, der das gesamte Körpergewicht aufnimmt, ist das Sprungbein (Talus). Eine Osteochondrosis dissecans des Sprunggelenks bildet sich immer am Talus aus. Meistens sind, wie hier, die konvexen Ränder des Talus von der OD betroffen. © Gelenk-Klinik

In dem Gelenkraum des Sprunggelenks verbleibt das abgelöste Stück (Dissekat) als freier Gelenkkörper. Das "Dissekat" führt zu schmerzhaften Einklemmungen und Gelenkblockierungen. Die Osteochondrosis dissecans kann grundsätzlich an jedem Gelenk auftreten. Wird sie nicht behandelt, kann das abgelöste Knochen-Knorpelstück zu Arthrose und zum Verlust des Sprunggelenks führen. In letzter Konsequenz kann die Osteochondrosis dissecans zu Sprunggelenksarthrose führen.

Begriffe und Terminologie

Osteochondrosis dissecans: Abstoßen des Knochens auf Grund einer nichttraumatischen Ursache.
Osteo: Knochen
Chondros: Knorpel
dissecare: abstoßen

Die Osteochondrosis dissecans (OD) am Sprunggelenk ist eine recht seltene Erkrankung.

In 75% aller Fälle von Osteochondrosis dissecans ist das Kniegelenk betroffen. In nur 5% aller Fälle von Osteochondrosis dissecans ist das Sprunggelenk betroffen.

MRT Aufnahme einer Osteochondrosis dissecans Aufnahme einer Osteochondrosis dissecans am Talus (Sprungbein). Deutlich sichtbar ist der halbkreisförmige nekrotische Bereich des Sprungbeines (dunkel eingefärbt) mit einem Bezirk aus Ödemen (Wassereinlagerungen). Die glatte Oberfläche des Gelenks wird durch die Osteochondrosis dissecans zerstört.

Je jünger der Patient, um so eher gelingt es, das nekrotische (nicht mehr durchblutete) Knochenstück im Talus wieder in den Wachstumsprozess mit einzubeziehen.

Wenn der abgesonderte Knochenbezirk wieder durchblutet wird und wieder anwächst, kann das Sprunggelenk ohne Operation therapiert werden.

Auf die Aktivierung dieser Selbstheilungsmöglichkeit zielen auch die wichtigsten konservativen Therapien bei Osteochondrosis dissecans ab.

Symptome der Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk (OD)

Symptome der OD

  • Ruheschmerzen tief im Sprunggelenk.
  • Belastungsschmerzen nach Sport.
  • Einschränkungen beim Gehen, Entlastungshinken.
  • Spätstadium: Knacken, schmerzhafte Blockierung des Sprunggelenks durch freie Gelenkkörper.

Die Beschwerden bei der osteochondralen Läsion oder Osteochondrosis dissecans am oberen Sprunggelenk sind meist nicht eindeutig für die Diagnose.

Häufig ist die Symptomatik ähnlich wie bei einer Verstauchung oder Distorsion des Sprunggelenks: Steifheit, Schwellung des oberen Sprunggelenks und Sprunggelenksschmerzen.

Für einen eindeutigen Befund muss die klinische Untersuchung meist durch eine bildgebende Diagnose ergänzt werden. Weil die Behandlungsmöglichkeiten um so größer sind, je früher die Erkrankung entdeckt wird, ist die Beachtung dieser unspezifischen Frühsymptome besonders wichtig.

Die meisten der jungen Patienten beklagen Schmerzen in der Tiefe des oberen Sprunggelenkes. Diese Schmerzen können sich nach sportlicher Belastung deutlich verstärken und zu einem Entlastungshinken führen.

Manche der betroffenen Jugendlichen berichten auch von einem Spannungsgefühl oder auch von Ruheschmerzen im Inneren des Sprunggelenks.

Nur selten wird über klar abgrenzbare Schmerzen, Blockaden oder ein "Klicken" im oberen Sprunggelenk geklagt.

Nicht alle osteochondralen Läsionen oder Fälle von Osteochondrosis dissecans Erkrankungen führen zu Symptomen: Teilweise werden osteochondrale Erkrankungen nur als Zufallsbefund entdeckt.

Bis zur Abstoßung des Dissekats (nekrotisches Knochenstück) sind die Schmerzen geringfügig und die klinischen Symptome uncharakteristisch. Die durch den Knorpelabbau ausgelöste Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovitis) kann zu Anschwellungen und Gelenkergüssen im Sprunggelenk führen. Die Synovitis kann ebenfalls zu Gelenkschmerzen führen.

Typische Spätsymptome der Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk sind plötzliche und wechselnde Einklemmungserscheinungen und Gelenksperre.

Wer ist von der Osteochondrosis dissecans betroffen?

  • Im Kniegelenk von Kindern tritt Osteochondrosis dissecans häufiger im Alter von 11-13 Jahren auf.
  • Im Kniegelenk von Erwachsenen tritt OD im Alter von 17-35 Jahren auf.
  • Im Sprunggelenk tritt Osteochondrosis dissecans meist im Alter von 15-35 Jahren auf.

Meist tritt die Osteochondrosis dissecans des Sprunggelenks beim Kind und beim Jugendlichen auf.

Bei der Osteochondrosis dissecans des Jugendalters erkranken Jungen zweifach häufiger als Mädchen. Starke sportliche Belastungen beim Kind scheinen das Risiko der Osteochondrosis dissecans zu erhöhen.

Ein ähnliches Phänomen bei Erwachsenen ist die Knochennekrose des Talus (Talusnekrose): Das erwachsene Skelett reagiert nicht mehr durch Sklerosierung auf die Entwicklung eines nekrotischen Bezirks. Der Übergang vom kindlichen zum erwachsenen Knochengewebe ist daher fließend.

Ursache der Osteochondrosis dissecans

Ursachen der OD

  • Avaskuläre Nekrose bei jungen Patienten.
  • Wiederholte Mikrotraumen.
  • Osteochondrale Läsion (Knorpelknochen-Schaden).
  • Osteochondrale Läsion mit lokaler Fraktur des Talus.
  • Angeborene Dysplasie (Verformung) der Gelenkflächen.

Die Ursache der Osteochondrosis dissecans ist nicht sicher geklärt. Die OD tritt eigentlich immer an der Oberseite des Talus in der gewichttragenden Hauptbelastungszone des Sprunggelenks auf. Sie ist also immer in Verbindung mit mechanischen Belastungen. Unfallschäden oder Fehlstellungen werden als Grund für die Entwicklung einer OD angegeben.

Daher wird die Osteochondrosis dissecans zum Teil auch als Abscherbruch (osteochondrale Abscherfraktur, osteochondral lesions, flake fracture) interpretiert.

In diesen Fällen führt eine unfallbedingte Distorsion (Verdrehung) des Sprunggelenks zu einem lokalen Schaden an Knorpel und dem darunterliegendem Knochen des Sprungbeines. Wird gleichzeitig die Blutzufuhr zu dem Knochenfragment unterbrochen, wird der Knochen nicht mehr ernährt und stirbt ab (Knochennekrose des Talus).

Es ist auch denkbar, dass durch das Unfalltrauma lediglich die Blutzufuhr in einem isolierten Knochenbezirk unterbrochen wird, ohne dass der Knochen eine sichtbare Fraktur erleidet. Auch in diesen Fällen kann eine Nekrose des nicht mehr versorgten Talusbezirks die Folge sein.

Durchblutungsstörungen des Knochens, Stoffwechselstörungen oder auch erbliche Faktoren werden als Ursache der Osteochondrosis dissecans ebenfalls angenommen.

Für eine Belastungsabhängigkeit der OD spricht die Tatsache, dass meist die hauptsächlich gewichttragenden Teile der Gelenkflächen betroffen sind: Im Knie sind die lateralen und medialen femoralen (oberschenkelseitigen) Kondylen betroffen. Kondylen sind die Walzenförmigen Enden des Femurs, die die Gelenkpartner des Schienbeins im Kniegelenk bilden.

Im Sprunggelenk sind die konvexen Ränder des Sprungbeines (Talus-Ränder) meist von der Osteochondrosis dissecans betroffen.

Welche Anteile des Sprunggelenkes sind von der Osteochondrosis dissecans betroffen?

Die Osteochondrosis dissecans entsteht immer auf der Oberseite des Talus. Meist sind die oberen Kanten des Sprungbeines (Talus) betroffen. Die stärker belastete innere (mediale) Kante ist häufiger betroffen als die äußere. Diese Beobachtung ist in Übereinstimmung mit der Überlastungstheorie zur Entstehung der Osteochondrosis dissecans.

Differentialdiagnose: Abgrenzung der Osteochondrosis dissecans zu anderen Knochenerkrankungen

Diffentialdiagnosen

  • Knochennekrose (Talusnekrose): Je älter der Patient, um so wahrscheinlicher ist die Nekrose.
  • Osteochondrale Schädigung durch ein Trauma ist immer dann wahrscheinlich, wenn ein Unfall vorangegangen ist.

Als Osteochondrosis dissecans (OD) wird ein typischerweise in Stadien verlaufendes Krankheitsbild bezeichnet. Bei der Osteochondrosis dissecans stirbt ein begrenztes Areal des gelenknahen Knochens unter dem Knorpel ab. Der Knochen ist in erster Linie von der Erkrankung betroffen. Da der Knorpel aus dem Gelenk mit nährender Gelenkschmiere versorgt wird, bleibt dieser noch lange intakt. Im absterbenden Anteil des Knochens ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung die wahrscheinliche Ursache für die Veränderungen im Knochengewebe. Die auf den Knochentod entstehenden Knochenreaktionen im Randbereich hängen sehr stark vom Alter des Patienten ab. Der weitere Verlauf hängt von dieser Reaktionslage ab.

Krankheitsverlauf und Stadien der Osteochondrosis dissecans

Im Verlauf der OD kann es zu einer Ausstoßung des betroffenen Knochen-Knorpel-Stückes (Dissekates) aus seinem Lager ("Mausbett") in den Gelenkraum kommen. Im Gelenkraum kann der freie Körper, als sog. "Gelenkmaus" zu schmerzhaften Einklemmungen und Gelenkblockierungen führen. Sowohl das Dissekat als auch das Mausbett können rasch zu einer Sprunggelenksarthrose führen.

osteochondrosis dissecans sprunggelenkMRT Bild zeigt eine Osteochondrosis dissecans im Talus (Sprungbein) des Sprunggelenkes.

Stadium I: Knorpelverletzung bei der Osteochondralen Läsion und Sklerosierung (Verdickung) der dem OD Bezirk benachbarten Gelenkfläche.

Stadium II: Knorpelverletzung mit Bruch des darunter liegenden Knochens bei der Osteochondralen Läsion (partielle Ablösung des Dissekates).

Stadium III: Komplett losgelöster Erkrankungsherd ohne Verschiebung des Knochenfragmentes. Die Knorpeloberfläche kann noch intakt sein.

Stadium IV: Komplett losgelöster Erkrankungsherd mit Verschiebung des abgestorbenen Knochens im Inneren des Gelenkraumes ("loose body" bzw, "freier Gelenkkörper")

Diagnose der Osteochondrosis dissecans (OD)

Die Diagnose Osteochondrosis dissecans wird häufig erst spät im Krankheitsverlauf gestellt, da die Veränderungen im Röntgenbild des Sprunggelenkes erst lange nach der eigentlichen Durchblutungsstörung sichtbar werden. Die Röntgenuntersuchung sollte beidseits erfolgen, da die OD am Sprunggelenk in etwa 40% der Fälle beidseits vorkommt.

Die Diagnose der Osteochondrosis dissecans versucht eine Reihe von Fragen zu beantworten:
  1. Was für eine Schädigung - Knochen, Knorpel oder Knorpel und Knochen - liegt genau vor?
  2. Größe und Lage der osteochondralen Schädigung.
  3. Wie ist der Knochen unter dem Knorpel verändert: Besteht eine Knochennekrose, eine Zyste oder eine abgelöste "Gelenkmaus" (Dissekat)?
  4. Hat der umliegende Knochen auf die Schädigung durch Sklerosierung oder Ödembildung reagiert?
  5. Liegt bereits eine Sprunggelenksarthrose vor?

Röntgendiagnostik

Osteochondrosis_dissecans_Sprunggelenk_ODRöntgenbild (von vorne) einer Osteochondrosis Dissecans am Sprungbein des Sprunggelenks

Ein Röntgenbild des stehenden Patienten kann Form, Dichte, Struktur und die Stellung der Knochen darstellen. Hierfür wird ein spezielles Programm an Röngtenuntersuchungen durchgeführt:

  • Aufnahmen des Sprunggelenkes im Stehen von vorne.
  • Der gesamte Fuß im Stehen von der Seite.
  • Den Fuß von oben im Stehen.
  • Diagnostisch wichtig ist auch die sog. Saltzmannaufnahme: Eine stehende Aufnahme, die die Stellung des Fersenbeines darstellt.

Durch eine standardisierte Aufnahmetechnik können Fehlstellungen ausgeschlossen werden, Diese sind für ein sicheres Erkennen von Ursachen einer osteochondralen Schädigung durch Fehlstellungen des Sprunggelenks wichtig.

Weiterhin kann das Röntgen auch Knochenschäden darstellen. Hierbei ist zu beachten, das durch die Projektion, das heißt Überlagerung von Knochenstrukturen, der Schaden nicht immer gut zu beurteilen ist.

Das Röntgenbild hilft auch beim Ausschluss von Arthrosen des Sprunggelenkes. Damit ist es auch zur Absicherung der Diagnose unabdingbar.

Viele Knorpeltherapien sind bei einer Arthrose nicht anwendbar. Daher ist die Arthrose-Diagnostik unabdingbar. Auch eine indirekte und grobe Beurteilung des Knorpels im Sprunggelenk ist möglich. Im Stehen kann bei Arthrose der sichtbare Gelenkspalt im Sprunggelenk eingeengt sein: Der Durchmesser des Gelenkspalts im Stehen lässt eine indirekte Aussage über die Festigkeit und die Menge des vorhanden Knorpels zu.

MRT-Diagnose des Sprunggelenks

Wichtige MRT-Befunde bei OD
  • Beurteilung des Subchondralen Knochens.
  • Ödeme (Wassereinlagerung) als Nekrose-Zeichen.
  • Änderungen der Dicke des Gelenkknorpels.
  • Freies Dissekat (Knochenfragment).

Die kernspintomographische Untersuchung (MRT) ist bei der Diagnostik der Osteochondrosis dissecans am zuverlässigsten. Das MRT hilft bei der Stadieneinteilung der Erkrankung.

Die Größe des Dissekats ("Gelenkmaus"), die Abgrenzung zum umgebenden Knochen (Sklerosierung) und die Situation im Gelenk-Knorpel können genau gezeigt werden.

Auch im Frühstadium der OD kann das MRT die für Knochennekrose typischen Wassereinlagerungen (Ödeme) im Talus zeigen.

CT-Diagnose

Eine CT-Untersuchung hilft, Größe und Lage des Knochendefektes genau zu bestimmen. Durch die Schnittbildführung können auch Hohlräume innerhalb des Knochens rekonstruiert und genau abgebildet werden. Ein SPECT-CT kann die Stoffwechsel-Aktivität des Knochens an der sklerosierten Stelle genau zeigen.

Diagnostische Arthroskopie (Gelenkspiegelung am Sprunggelenk)

Die Arthroskopie ist stets auch Teil der Therapie des Sprunggelenks. Die Spiegelung des Gelenks erlaubt eine direkte Besichtigung der erkrankten Strukturen (Knochen, Knorpel, Bänder) mit miniaturisierten optischen Geräten. Die Festigkeit und Funktion von Knorpel und Gelenkflächen kann mit Tasthaken genau beurteilt werden. Knorpelveränderungen können häufig durch Farbänderungen und Änderungen der Oberflächenbeschaffenheit beurteilt werden.

Therapie der Osteochondrosis dissecans (OD) des Sprunggelenks

Ruhigstellung, Medikamente und Gehhilfen

Die Therapie einer OD des Sprunggelenkes richtet sich nach dem Erkrankungsstadium und dem Patientenalter.

Im Wachstumsalter (vor dem Verschluss der Wachstumsfugen des Skeletts) und bei stabilen OD Herden sind konservative Maßnahmen sinnvoll.

Im frühen Stadium nach dem Auftreten von Verletzungen gehört dazu vor allem eine Ruhigstellung bei Belastungsreduktion des Sprunggelenks bis zu 6 Wochen.

Schwellungen, Entzündliche Veränderungen des Gelenks und Schmerzen können mit nichsteroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. Ibuprofen) behandelt werden.

Der OD-Patient muss in der Zeit der Ruhigstellung Gehhilfen verwenden. Die Ruhigstellung führt häufig zu einer raschen Ausheilung des Herdes.

Bei der regelmäßigen Wiedervorstellung beim Arzt während der Entlastung wird vor allem die Entwicklung der Symptome beobachtet. Der behandelnde Arzt kann das Einheilen des Fragmentes durch Röntgen und MRT überprüfen, um den klinischen Befund abzusichern.

Erst, wenn die Ruhigstellung nicht geholfen hat und die Beschwerden andauern, sind operative Maßnahmen sinnvoll. Wenn die Osteochondrosis dissecans erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wurde, ist die konservative Behandlung in der Regel weniger erfolgreich.

Der Erfolg der konservativen Behandlung ist altersabhängig

Die generelle Regel: Je jünger der Betroffene, desto besser die Prognose, und um so eher heilt OD duch Knochenneubildung.

Bei erwachsenen Patienten ist eine operative Refixierung oder eine Knochentransplantation meist unvermeidlich. Bei Kindern mit Osteochondrosis dissecans hilft meist eine 6-12 wöchige Ruhigstellung des Sprunggelenks. Studien zeigen eine 80%-90% Wiederherstellungsrate von Kindern und Jugendlichen mit OD des Sprunggelenks durch Ruhigstellung. Im Vergleich dazu ist die Wiederherstellungsrate von Erwachsenen mit Osteochondrosis dissecans durch konservative Therapie viel niedriger. Die konservative Ausheilung ist aber hoch genug, um bei Erwachsenen mit OD im Anfangsstadium den Versuch zu rechtfertigen, bevor eine Operation erwogen wird.

Operative Therapie der OD

  • Wenn eine konservative Behandlung auch nach 6 Monaten keine Symptom-Besserung bringt.
  • Wenn OD-Fragmente bereits abgelöst sind, aber nicht im Mausbett verbleiben (Stadium III)
  • Bei abgelöster Gelenkmaus (OD-Knochenfragment) als freiem Gelenkkörper.

Beim Erwachsenen bedarf die Erkrankung, zumindest ab Stadium III (bei Sklerosierung des Nekrosebezirkes) fast immer einer operativen Therapie. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Knochenfragment nicht mehr von selbst einheilen wird und Probleme im Sprunggelenk verursacht.

Verschiedene gelenkerhaltende operative Behandlungen stehen zur Verfügung. Diese können zum Teil im Rahmen einer minimalinvasiven Gelenkspiegelung (Arthroskopie) des Sprunggelenkes durchgeführt werden. Wichtige Umstände zur Beurteilung der geeigneten Operationsmethode sind:

  • Stadium der Osteochondrosis dissecans.
  • Größe des OD-Herdes.
  • Intaktheit oder Beschädigung des Gelenkknorpels.
  • Alter des Patienten.
  • Symptome und Schmerzen des Patienten.

Die individuell geeignete Behandlung der OD wird nach Auswertung aller Umstände in einer ausführlichen Untersuchung festgelegt. Wichtige Begleitumstände müssen berücksichtigt werden.

Kontraindikationen der Operation bei Erwachsenen

Bevor die Osteochondrosis dissecans im Sprunggelenk operiert wird, sollte eine Instabilität des Gelenks ausgeschlossen werden. Die Bänder des Sprunggelenks sollten intakt sein, ebenso der Knochen des Talus. Eine Knochen-Nekrose oder Chondromalazie (krankhafte Knorpelerweichung) sollte auf jeden Fall ausgeschlossen werden.

Operative Behandlungsstrategien

Wiederbefestigung des Knochen-Fragmentes (Dissekat)

Stabilisierung des Dissekat-Fragmentes oder des Osteochondrosis dissecans Herdes mit Schrauben oder Stiften. Diese Behandlung kann die Ablösung des Dissekats (Knochenfragment) verhindern und eventuell auch das Einheilen des Fragmentes fördern.

Retrograde Anbohrung

Anbohrungen des OD Herdes im Talus von unten, ohne durch den Gelenkknorpel im Sprunggelenk zu gehen. Diese retrograde Anbohrung ist nur bei noch intaktem Knorpelgewebe über dem Knochenschaden sinnvoll. Die Schmerzen und Einschränkungen werden also nur durch die Erkrankung des Talusknochens verursacht. Durch eine Anbohrung mit gezielter Verletzung des Knochens kann eine Heilungsreaktion im Knochen erzeugt werden, die das Einwachsen von Blutgefäßen in die Nekrosezone provoziert.

Retrograde Spongioplastik

Bei Zystenbildung, also bereits absterbendem Knochengewebe und weiterhin intaktem Gelenkknorpel, kann auch eine retrograde (von hinten erfolgende) Auffüllung des Knochenschadens unter dem Knorpel durch körpereigenes Knochenmaterial durchgeführt werden. Auch hier erfolgt der Zugang nicht durch die Knorpelfläche hindurch. Die abgestorbene Zone kann also durch eine Verpflanzung von körpereigenem Knochengewebe - meist aus dem Beckenkamm - wieder aufgefrischt werden.

Mikrofrakturierung

Die Mikrofrakturierung ist die Anbohrung der Knochenoberflächen von oben. Die resultierende Einblutung und Wundheilung an der Knochenoberfläche dient der Provokation einer Heilungsreaktion des Knochens. An der Stelle der Einblutung wird sich ein bindegewebiger Ersatzknorpel bilden, der aber nicht die typischen Eigenschaften von hyalinem Gelenkknorpel hat. Die Mikrofrakturierung wird bei Patienten mit Knorpelschäden oder Knorpelknochenschäden im Alter von 18 bis etwa 55 Jahren angewendet. Der Knorpel in der Umgebung der Schadstelle sollte intakt sein. Je größer die Schadfläche, um so geringer sind die Aussichten einer Behandlung durch Mikrofrakturierung.

Knochentransplantation mit AMIC-Membran

Bei größeren Defekten von Knochen und Knorpel kann ein Stück Beckenkammknochen des Patienten in die Schadstelle transplantiert werden. Ein autologes Knorpeltransplantat oder eine azelluläre AMIC-Membran können das Transplantat überdecken und die Gleitfähigkeit des Knochens unterstützen. Diese Membran ist eine Kollagenmatrix die Knorpelzellen aufnehmen und ansiedeln soll, um die Regeneration eines Knorpelgewebes zu erleichtern. Durch die zweizeitige Operation und die Kosten der Knorpelzüchtung ist die ACT (Knorpelregeneration) für die Kostenträger wesentlich kostspieliger.

Die Kosten für die Knorpelzüchtung (ACT) wird von den gesetzlichen Kassen am Sprunggelenk auf Grund der Studienlage noch nicht getragen. Eindeutige wissenschaftliche Belege, die die Mikrofrakturierung, AMIC-Membran und ACT vergleichen, liegen noch nicht vor. Nach unserer 10 Jährigen Erfahrung mit zahlreichen Nachuntersuchungen ist die ACT den anderen Verfahren aber überlegen.

Knorpeltransplantation (autologe Knorpeltransplantation oder ACT)

Aus der Knorpelabdeckung des OD-Herd kann man im Labor ein körpereigenes Knorpelstück für eine autologe Knorpeltransplantation anzüchten. Der Knorpel kann dann nach c.a. 6-8 Wochen durch eine minimalinvasive Operation wieder in der Körper eingebracht werden. Es sind also immer zwei Sprunggelenks-Operationen erforderlich: Die Knorpelentnahme und das Einbringen des Transplantats. Bei der Knorpeltransplantation sind keinerlei körperfremde Materialien erforderlich. Das Transplantat ist reich an Knorpelzellen und hat ein großes Potential für die nachhaltige Regeneration der Knorpelfläche. Die ACT ist auch für größere Knorpelschäden einsetzbar. Wichtig ist aber immer dass die gegenüberliegende Knorpelfläche noch intakt ist.

Autologe Knorpeltransplantation des oberen Sprunggelenks Knorpeltransplantation im Sprunggelenk: Ein kleines Stück körpereigenen Knorpelgewebes des Patienten wird in einem Labor angezüchtet und in einer Nährlösung vermehrt. Nach 6-8 Wochen kann eine große Menge vitaler Knorpelzellen in das beschädigte Areal des Sprunggelenks eingebracht werden. In einer mehrmonatigen Heilungsreaktion entwickelt sich aus diesen Zellen wieder festes Knorpelgewebe, das die natürliche Knorpeloberfläche ergänzt.

Wie ist die Prognose des Patienten bei Osteochondrosis dissecans?

Bei jüngeren Kindern kann die Erkankung durch natürliches Knochenwachstum vollständig von selbst ausheilen. Diese Fähigkeit zur Selbstheilung der Osteochondrosis dissecans nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Je jünger der Betroffene, desto besser die Prognose oder der Verlauf der Osteochondrosis dissecans (OD).

Grundproblem der Erkrankung ist das erhöhte Risiko an einer Sprunggelenksarthrose zu erkranken, da ein Schaden am Knochen und am Knorpel resultieren kann. Patienten im Jugendalter werden auch nach erfolgreicher konservativer Behandlung regelmäßig radiologisch untersucht. Erst wenn das Skelett ausgewachsen ist und die OD immer noch asymptomatisch ist - also keine Schmerzen mehr verursacht - gelten sie als geheilt. Eine weitere Behandlung ist dann nicht mehr erforderlich.

Auch nach der operativen Behandlung kann der Bewegungsspielraum des Sprunggelenks nach OD vermindert sein.

Literaturangaben

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