Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
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Orthopaedische Spezialisten für Schulter

Schleimbeutelentzündung der Schulter (Bursitis subacromialis)

  1. Was ist eine Schleimbeutelentzündung der Schulter?
  2. Symptome der Bursitis der Schulter
  3. Ursachen: Wie entsteht eine Schleimbeutelentzündung in der Schulter?
  4. Ärztliche Untersuchung und Diagnose der Schleimbeutelentzündung
  5. Konservative Therapie der Schleimbeutelentzündung in der Schulter
  6. Operation: Bursektomie (Schleimbeutelentfernung) bei Schleimbeutelentzündung
  7. Wie lange dauert die Krankschreibung nach der Operation des Schleimbeutels?
Anatomie der Schulter und Lage des SchleimbeutelsDer subacromiale Schleimbeutel zwischen dem Oberarmkopf unter dem Schulterdach ist der größte Schleimbeutel im menschlichen Körper. Verletzungen mit Einblutung in den Schleimbeutel, Überlastung oder zu hohe Reibung, z. B. durch Verkalkung benachbarter Gewebe, können zu einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung (Schulterbursitis) führen. © bilderzwerg / fotolia

Die Schleimbeutelentzündung der Schulter ist eine der häufigsten Ursachen für akute Schulterschmerzen. Bei der akuten Bursitis subacromialis (lat. bursa = Schleimbeutel) ist der Schleimbeutel unter einem Knochen des Schulterdachs (Akromion) betroffen. Meist geht eine mechanische Überbelastung der Schleimbeutelentzündung voran, zum Beispiel durch Überkopfarbeiten. Dabei kommt es zur Bildung von Mikroverletzungen und Kristallen, die eine aseptische (bakterienfreie) Entzündung auslösen. In Einzelfällen kann es zur Auskristallisation auch bei Ernährungsumstellung, Diäten oder Ähnlichem kommen.

Was ist eine Schleimbeutelentzündung der Schulter?

Der Schleimbeutel (Bursa) ist ein von flüssiger Substanz gefülltes Puffergewebe. Er ist überall dort eingelagert, wo unterschiedliche Gewebe und Bewegungsorgane flexibel und reibungsarm gegeneinander verschoben werden müssen. Dazu gehören Muskeln, Sehnen und Knochen.

Der größte Schleimbeutel des Körpers, die Bursa subacromialis, ist besonders häufig von Entzündungen betroffen. Weil sich dieser Schleimbeutel unter dem Schulterdach (Akromion) befindet, spricht man von einer Bursitis subacromialis. Die Schleimbeutelentzündung unter dem Schulterdach entsteht deshalb so oft, weil das Gewebe an dieser Stelle einem hohen Druck durch die knöchernen Strukturen ausgesetzt ist.

Doch nicht nur Überlastungen können zu einer Schleimbeutelentzündung führen. Auch eine Infektion mit Bakterien ist eine mögliche Ursache für eine Entzündung des Schleimbeutels.

Symptome der Bursitis der Schulter

Schmerzen aufgrund einer Schleimbeutelentzündung der Schulter beginnen häufig als leichte Beschwerden: Sie sind bewegungsabhängig und treten vor allem beim seitlichen Abspreizen des Armes auf.

Im weiteren Verlauf werden Schulterschmerzen durch eine Entzündung der Schleimbeutel immer heftiger. Schließlich ist die Bewegungsfähigkeit des Schultergelenks durch die Schleimbeutelentzündung stark eingeschränkt. Die Schulter wird auch bei Druck stark schmerzhaft. Das führt zu schweren nächtlichen Schmerzen. Der Patient kann dann nicht mehr auf der betroffenen Schulter liegen. Betroffene wachen durch stechende Schmerzen nachts auf.

Kann eine Schleimbeutelentzündung in der Schulter gefährlich werden?

Vor allem eine bakterielle Infektion des Schleimbeutels kann gefährlich werden. Unbehandelt können sich die Bakterien über die Blutbahn verteilen und zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen. Gefährlich wird eine Schleimbeutelentzündung auch dann, wenn sie chronisch wird. Die dauerhafte Reizung kann zu bleibenden Schäden im Schultergelenk führen. Starke Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter sind die Folge. Lassen Sie anhaltende Schulterschmerzen also unbedingt von einem Schulterspezialisten untersuchen.

Ursachen: Wie entsteht eine Schleimbeutelentzündung der Schulter?

Die häufigsten Ursachen für eine Schulterbursitis sind Überlastungen oder Verletzungen des Schultergelenks. Überlastung entsteht vor allem durch monotone Extrembewegungen der Schulter. Besonders stark belasten Überkopfbewegungen der Arme die Bursa subacromialis. Daher sind bestimmte Berufsgruppen wie Maler, Monteure, Stukkateure, aber auch Sportler wie z. B. Tennis- oder Volleyballspieler besonders anfällig für die Schulterbursitis.

Neben akuten Verletzungen und der beruflichen oder sportlichen Belastung gibt es weitere Faktoren, die das Auftreten der Schulterbursitis begünstigen:

  • Höheres Lebensalter:
    Mit zunehmendem Alter wird das Auftreten der subacromialen Bursitis wahrscheinlicher.
  • Haltungsprobleme:
    Eine vornübergebeugte Haltung verengt den Raum unter dem Schulterdach und erhöht die Belastung der Bursa subacromialis.
  • Diabetes:
    Die Zuckerkrankheit erhöht die Entzündungsneigung der Schleimbeutel.
  • Schulterimpingement:
    Das Anschlagen des Oberarmknochens ans Schulterdach verletzt auch den Schleimbeutel und führt zu Entzündungen.
  • Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Kalkeinlagerungen in der Supraspinatussehne reiben an der Bursa subacromialis und führen zu Entzündungen.
Volleyball spielende FrauenMenschen, die häufig Überkopfbewegungen ausführen (z. B. beim Volleyball, Tennis oder im Beruf), sind anfällig für eine Schleimbeutelentzündung im Schultergelenk. © shock, Fotolia

Kalkschulter begünstigt Schleimbeutelentzündung

Eine Kalkeinlagerung verursacht häufig eine Schulterbursitis bei gleichzeitiger Kalkschulter. Die Kalkschulter raut die Supraspinatussehne auf und erhöht die Reibung am Schleimbeutel. In diesem Fall ist die letzte Ursache der Bursitis die Aufrauung der Supraspinatussehne durch die Kalkschulter, die der Arzt folglich immer mitbehandeln muss.

Bursitis durch Osteophyten am Schulterdach (Akromion)

Ein Schulterimpingement kann durch das knöcherne Anschlagen des Oberarmes am Schulterdach (Akromion) zur Bildung von Knochenspornen (Osteophyten) führen. Diese Osteophyten erhöhen die Reibung der Bursa subacromialis und führen zur Schleimbeutelentzündung. Die grundlegende Ursache der Schulterbursitis ist in diesem Fall das Schulterimpingement.

Ärztliche Untersuchung und Diagnose der Schleimbeutelentzündung

Untersuchung der Schulterschmerzen durch Druckausübung auf das SchultergelenkDer Schulterspezialist untersucht die Schulter auf Druckschmerz und Einschränkungen der Beweglichkeit. © Gelenk-Klinik

Zu Beginn der ärztlichen Untersuchung steht die Befragung des Patienten (Anamnese) und eine genaue klinische Untersuchung. Der Arzt erkundigt sich nach dem Beruf, Freizeitaktivitäten und sonstigen Risikofaktoren, die zu einer Schleimbeutelentzündung in der Schulter führen können. Neben der Beweglichkeitsprüfung des Schultergelenks achtet der Arzt auf Schmerzen bei Druck. Zudem erfolgt eine Blickdiagnose, bei der der Schulterspezialist Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Überwärmung) untersucht. Eine Laboruntersuchung kann eine mögliche Entzündung oder Infektion mit Bakterien bestätigen. Wurde die Entzündung durch Bakterien ausgelöst, ist eine Behandlung mittels Antibiotika notwendig.

Ein Ultraschall oder eine MRT (Magnetresonanztomografie) helfen dem Arzt bei der Beurteilung der Weichteilstrukturen (Muskeln, Sehnen, Schleimbeutel etc.) im Schultergelenk. Ob sich in der Sehne oder im Schleimbeutel bereits Kalk eingelagert hat, zeigt eine Röntgenuntersuchung.

Differentialdiagnose: Welche anderen Ursachen gibt es für Schulterschmerzen?

Es gibt viele mögliche Ursachen für stechende bewegungsabhängige Schulterschmerzen. Diese können gleichzeitig mit einer Schulterbursitis auftreten. Manchmal verstärken sie die Bursitis oder sie treten ganz unabhängig davon auf. Die diagnostische Aufgabe des Arztes besteht darin, diese Wechselbeziehungen zu finden oder andere mögliche Ursachen für die Schulterschmerzen zu identifizieren bzw. auszuschließen:

Diese Auslöser von Schulterschmerzen können auf komplexe Art und Weise aufeinander einwirken. Es ist die anspruchsvolle Aufgabe des Schulterspezialisten, die grundlegende Ursache der Schmerzen zu ermitteln.

Für die genaue Differentialdiagnose von Schulterschmerzen ist die diagnostische Bildgebung sehr wesentlich. Mithilfe von Ultraschallbildern, Röntgen und MRT kann der Schulterspezialist Knochen und Weichteile des Schultergelenks genau untersuchen.

Untersuchung der Schulterschmerzen durch UltraschallIm Gegensatz zu anderen bildgebenden Verfahren kann die Ultraschalluntersuchung alle Strukturen im Schulterbereich auch in Bewegung darstellen. © Gelenk-Klinik

Konservative Behandlung der Schleimbeutelentzündung der Schulter

Die Behandlung der akuten Bursitis subacromialis richtet sich zum einen nach den akuten Schulterschmerzen. Dies geschieht durch entzündungshemmende Spritzen kombiniert mit einem örtlich betäubenden Mittel (Lokalanästhetikum) sowie durch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten. Initial ist sogar manchmal die Ruhigstellung zweckmäßig. Zudem hilft es, die Schulter mit Kühlpacks oder kalten Kompressen zu kühlen. Dies lindert die Schmerzen und wirkt der Entzündung entgegen. Eine frühfunktionelle krankengymnastische Behandlung soll eine Schultereinsteifung vermeiden.

Stoßwellenbehandlung der Bursitis subacromialis

Bei vielen Patienten kann eine Behandlung mittels energiereicher Stoßwellentherapie zur Besserung führen. Dabei zerstört ein extrakorporaler Stoßwellenzertrümmerer entzündetes Gewebe und Kalkablagerungen. Dies kann in vielen Fällen eine Operation mit arthroskopischer Entfernung des Schleimbeutels vermeiden.

Operation: Bursektomie (Schleimbeutelentfernung) bei Schleimbeutelentzündung

SchulterarthroskopieMithilfe der Schulterarthroskopie können alle Gewebe des Schultergelenks mit kleinsten Schnitten von ca. 1 cm Länge operiert werden. Bei Bedarf kann der Arzt auch die Supraspinatussehne von einer Verkalkung befreien. Es ist zudem möglich, das Schulterdach bei einer Schulterenge (Schulterimpingement) abzutragen und so den Subakromialraum zu erweitern. Der entfernte Schleimbeutel wächst innerhalb kurzer Zeit nach. © bilderzwerg / fotolia

Bei therapieresistenten Beschwerden ist die arthroskopische Entfernung des Schleimbeutels angezeigt. In der Regel führt der Arzt dies gleichzeitig mit einer Abtragung des Akromions (Schulterdachs) zur Erweiterung des Subacromialraumes durch. Dadurch vermeidet er ein erneutes Auftreten der Bursitis. Gegebenenfalls ist nach entsprechender Vordiagnostik auch die Rekonstruktion der Rotatorenmanschette erforderlich.

Wie lange dauert die Krankschreibung nach der Operation des Schleimbeutels?

Die schulterarthroskopischen Operationen können in den meisten Fällen ambulant erfolgen. Bei manchen Patienten gibt es jedoch Umstände, die einen stationären Aufenthalt nach der Operation notwendig machen.

Nach der Operation wird der operierte Arm für drei Tage zur Ruhigstellung in einer Armschlinge getragen. Nach 10–14 Tagen ist die Wundheilung abgeschlossen. Die maximale Belastbarkeit des Armes ist 2–3 Monate nach der Operation des Schleimbeutels wieder gegeben. So lange ist es sinnvoll, durch Eigenübungen oder Physiotherapie an der Beweglichkeit des Schultergelenks zu arbeiten. Sportarten mit deutlicher Belastung der Schulter wie Schlagsportarten oder Schwimmen sollte der Patient erst drei Monate nach der Operation aufnehmen.

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