Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
Alte Bundesstr. 58
79194 Gundelfingen
Tel: (0761) 55 77 58 0
Mail: patienten@gelenk-klinik.de

Orthopaedische Spezialisten für Hüfte, Hüftschmerzen, Hüftarthrose

Hüftprothese: Vorteile, Haltbarkeit und Komplikationen der künstlichen Hüfte (Hüft-TEP)

Indikation der Hüftprothese: Warum wird ein künstliches Hüftgelenk ersetzt?

Vollprothese der HüfteDie Hüftprothese (Hüft-TEP) erhält Mobilität und Sportfähigkeit bei schwerer Hüftarthrose © Viewmedica

Warum wird eine künstliche Hüfte notwendig?

Die Hüftprothese wird bei schmerzhafter Versteifung des Hüftgelenks und bei (Coxarthrose) notwendig. Diese Hüftarthrose ist charakterisiert durch den schmerzhaften Verschleiß des Gelenkknorpels und Veränderungen der Knochen. Hüftarthrose führt zu einer Versteifung des Hüftgelenks. Die Erkrankung beeinträchtigt die Beweglichkeit des Patienten im Alltag und das Gangbild erheblich. Eine Hüftprothese stellt die Beweglichkeit und in einem gewissen Ausmaß die Sportfähigkeit zuverlässig wieder her.

Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks ist heutzutage eine Routineoperation. Dennoch erfordern die besonderen Umstände jedes Patienten und die Vielfalt der verfügbaren Materialien, Prothesentypen und Befestigungstechniken viel Erfahrung aufseiten des Operateurs. Ziel der Prothesenplanung ist eine haltbare Hüftprothese, die den spezifischen Belastungen des Patienten gewachsen ist. Eine Prothese sollte heutzutage 20–25 Jahre halten, bevor eine Lockerung oder ein Prothesenversagen eine operative Revision des künstlichen Hüftgelenks (Hüftprothesenwechsel) erforderlich macht.

Die vielen Behandlungsalternativen, die sich aus Prothesenmodellen, operativen Zugangswegen und Befestigungstechniken ergeben, müssen optimal in eine dem jeweiligen Patienten gerechte Planung und Ausführung der Hüftprothese übersetzt werden.

Wie lange hält eine Hüft-TEP?

Was begünstigt die Lebensdauer einer Hüft-TEP?

  • Verzicht auf gelenkbelastende Sportarten wie Abfahrt-Ski oder Tennis
  • Ausüben von Sportarten mit wenig Stoßbelastung: Schwimmen, Radfahren, Wandern
  • gute Rehabilitation und Muskelaufbau
  • sorgfältige Planung der Biomechanik der Hüftprothese (Bei genauer Passung der Gelenkflächen bildet sich auf der Abriebfläche ein schützender Flüssigkeitsfilm, der den Prothesenabrieb stark begrenzt.)
  • Erfahrung und das Können des Operateurs

Eine Hüftprothese hat – wie andere Prothesentypen auch – eine begrenzte Haltbarkeit. Bei fachgerechter Operation beträgt die Lebensdauer der Hüft-TEP 15–20, in manchen Fällen sogar 25 Jahre und länger. Patienten, die älter als 65 Jahre sind, haben also sehr gute Aussichten, in ihrem Leben keinen Prothesenwechsel mehr erleben zu müssen.

Bei der zunehmenden Zahl an Hüftpatienten, die jünger als 60 Jahre oder gar jünger als 50 Jahre sind, benötigen wir angepasste Versorgungsformen, die altersentsprechend bestimmten Aufgaben gerecht werden.

Abriebarme Materialien wie Keramik oder keramikbeschichtetes Metall (Oxinium®) beugen der frühen Lockerung der Hüft-TEP durch Plastikabrieb vor.

Kurzschaftprothesen oder Oberflächenersatzprothesen ermöglichen eine knochensparende Prothesenversorgung. Dabei bleibt der Oberschenkelknochen (Femur) weitgehend erhalten. Für eine mögliche Wechseloperation steht dann die gesamte Knochensubstanz des Femurs zur Verfügung. Das erlaubt auch bei der Revision (Austausch) dieser Hüftprothesen durch eine herkömmliche Geradschaftprothese eine sehr stabile Versorgung.

Die Hüftprothese als Wahleingriff: Vorbereitung, OP-Ort und Prothesenmodell bestimmen Patienten selbst

Hüftkappe oder McMinn-Prothese Oberflächenersatz nach McMinn: Lediglich die Gelenkpfanne am Beckenknochen und der Oberschenkelkopf werden überkront. Die Metall-Metall-Gleitpaarung ist sehr abriebfest. Diese Haltbarkeit kommt dem Aktivitätsniveau junger Patienten entgegen. Die knochensparende Operation erleichtert einen möglichen späteren Wechsel auf eine Hüft-TEP (Vollprothese). © digitale-fotografien, Fotolia

Zeitpunkt und Ort der Operation können Patienten weitgehend selbst bestimmen. In der Regel haben sie monatelang Zeit, bevor sie sich der Implantation der Prothese unterziehen. Das gibt ihnen genügend Zeit für die Informationsbeschaffung und gesundheitliche Vorbereitung der Hüftoperation:

  • Suche nach erfahrenen Spezialisten und auf Hüftprothetik spezialisierte Endoprothetikzentren
  • Einholen einer qualifizierten Zweitmeinung, um sicherzugehen, dass alle Besonderheiten Ihres Falles bei der Entscheidung berücksichtigt wurden
  • gründliche körperliche Untersuchung (Knochendichte und Knochenstoffwechsel, Muskelaktivität, Entzündungen, computergestützte Prothesenplanung mithilfe standardisierter Röntgenaufnahmen)
  • Ermittlung des optimalen Prothesenmodells, dem Gleitpaarungsmaterial und der Verankerung Ihrer Hüft-TEP

Heilung nach der Hüftoperation optimal vorbereiten: sanfte Bewegung, Ernährung, Reduktion von Genussgiften

Unterstützung der Heilung nach Hüft-OP:

  • Sport und Bewegungstherapie (mindestens 3 Wochen vor der OP beginnen)
  • Ernährung: nährstoffreiche, vitaminreiche, eiweißreiche und hochwertige Lebensmittel
  • Verzicht auf Nikotin
  • Verzicht auf Alkohol
  • Reduktion von Süßigkeiten und Kohlenhydraten
  • Vorbereitung und Planung der Rehabilitation

Mindestens zwei bis drei Wochen vor der geplanten Operation sollten sie sich körperlich mehr bewegen. Ideal sind bei Hüftarthrose sanfte Aktivitäten wie Radfahren oder Aquajogging. Die Bewegungstherapie fördert die Durchblutung und revitalisiert das Gewebe. So unterstützen Sie eine komplikationsfreie Wundheilung nach der Operation.

Wir haben für unsere OP-Patienten einen Ansatz zur Prävention ausgearbeitet, der Bewegung, Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel zu einem ganzheitlichen Konzept der OP-Vorbereitung integriert. Sie können dieses Vorbereitungskonzept unter Aufsicht unserer Fachärztin für rehabilitative Medizin Dr. Fernanda Mendes Cardoso durchführen. Nach einer gründlichen Voruntersuchung können Sie mit der OP-Vorbereitung beginnen. Diese erstreckt sich bis in die postoperativen Phasen der Heilung.
Weiterlesen zur Vorbereitung einer Hüftprothesen-Operation.

Minimalinvasive Operation: gewebeschonendes Einbringen der Hüftprothese

Vorteile der minimalinvasiven Hüft-OP

  • keine Gefahr der Nervenverletzung
  • weniger Schmerzmittel nach der Implantation
  • schnellere Mobilisierung (Beweglichkeit)
  • weniger Komplikationen
  • weniger chronische Hüftschmerzen nach OP
  • geringere Narbenbildung
  • gute Durchführbarkeit auch bei beleibten Patienten
  • keine Durchtrennung von Muskeln, die nach der OP wieder angenäht werden müssen

Jährlich werden in Deutschland über 200.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Der Anteil der minimalinvasiv operierten Hüftprothesen nimmt stetig zu. In der orthopädischen Gelenk-Klinik führen wir seit dem Jahr 2004 ausschließlich minimalinvasive Operationen der Hüftprothese durch.

Diese operative Spezialisierung ist mit einer umfassenden Ausbildung des Hüftexperten verbunden. Ein neuer operativer Zugang zwingt jeden Arzt, sich intensiv mit den neuen räumlichen Verhältnissen und der Positionierung der Prothesenkomponenten auseinanderzusetzen. Deswegen sind auch weniger vorteilhafte Operationsmethoden mit großflächiger Muskelablösung in vielen Krankenhäusern noch weit verbreitet. Viele Operateure bleiben bei der anfangs erlernten Methode, weshalb sich für den Patienten günstigere neue Zugänge zur Hüfte oft erst nach Jahrzehnten durchsetzen.

Das beachten wir bei der Operation einer stabilen, schmerzfreien Hüftprothese:

  • exakte Wahl von Schaftlänge und Durchmesser der Hüft-TEP
  • korrekte Einstellung der Muskelvorspannung zur Vermeidung von Prothesenschmerzen
  • physiologischer Winkel (Geometrie) von Hüftkopf und Hüftpfanne
  • genaue Einstellung der Beinlänge

Der minimalinvasive Eingriff und die Vielfalt an Prothesentypen erfordern einen hohen Spezialisierungsgrad des Operateurs.

Die minimalinvasive Implantation der Hüftendoprothese schont den Patienten. Durch den kürzeren Schnitt und das geringe Gewebetrauma erleidet er weniger Weichteilverletzungen als bei einer konventionellen Hüftoperation.

Die Nachbehandlung und vor allem die Früh-Rehabilitation nach der Hüftprothese ist in der ersten Wochen nach einer minimalinvasiven Operation schmerzfreier, schneller und einfacher.

Aufbau der Hüftprothese: Die künstliche Hüfte ersetzt das natürliche Hüftgelenk und übernimmt seine Funktion

Die Hüftprothese kann ein Gelenk mit Hüftarthrose (Coxarthrose) ersetzenHüftgelenk mit schwerer Arthrose und Osteophyten (Knochensporne): Die Hüftprothese ersetzt Gleitflächen (Knorpel) und knöcherne Bestandteile des Hüftgelenks. © ViewmedicaRöntgenkontrolle einer HüftprotheseRöntgenkontrolle einer Hüftprothese: Das Röntgenbild zeigt eine konventionelle Geradschaftprothese. Der Prothesenschaft ist tief im Markraum des Oberschenkels befestigt. Die Gelenkpfanne ist im Beckenknochen verankert.

Das biologische Hüftgelenk besteht aus einem Hüftkopf und einer Hüftpfanne. Dazwischen sorgt der Gelenkknorpel als Gleitschicht für eine Dämpfung des mechanischen Drucks durch die Bewegung.

Den pfannenförmigen Anteil des Beckenknochens ("Hüftpfanne") nennt man Acetabulum. Der kugelförmige Teil des Gelenkes heißt Oberschenkelkopf (Femurkopf).

Wenn das Hüftgelenk durch Arthrose versteift und dadurch schmerzhaft und unbeweglich wird, kann es nur durch ein künstliches Hüftgelenk wieder dauerhaft beweglich gemacht werden. Ohne die Mobilisierung mithilfe einer Hüftprothese droht dem Patienten eine dauerhafte, schwere Mobilitätseinschränkung. Schmerz- und versteifungsbedingte Ausweichbewegungen gefährden auch die anderen Gelenke. Die reduzierte Mobilität kann letztlich das Gesamtbefinden des Patienten stark beeinträchtigen. Vor allem die Konstitution älterer Patienten baut sehr schnell ab.
Weiterlesen zu Hüftarthrose oder Coxarthrose.

Animation zur Hüft-Totalendoprothese

Aufbau und Funktion einer Hüftprothese

Aufbau einer HüftprotheseDie Hüftprothese ist aus mehreren Komponenten aufgebaut – hier am Beispiel der klassischen Geradschaftprothese. Der Schaft der Hüftprothese verankert das Kunstgelenk im Inneren des Oberschenkels. Der Kopf der Prothese (aus Metall oder mit Keramikbeschichtung) bildet die Gleitfläche der Hüftprothese. Eine Gleitkomponente aus Polyethylen, Metall oder Keramik verbindet als Inlay die Hüftpfanne mit dem Oberschenkelknochen. Die Hüftpfanne (Acetabulum) im Beckenknochen wird mit Metall ausgekleidet. © Implantcast

Der Arzt verankert die Hüftprothese fest im Oberschenkel- und im Beckenknochen. Nur so kann die Beweglichkeit der Hüfte wiederhergestellt werden. Die Hüftprothese muss zwei wesentliche Funktionen optimal erfüllen:

  • festen Sitz im Skelett
  • Beweglichkeit der gleitenden Prothesenkomponenten (Hüftkopf und Hüftpfanne)

Abhängig von Alter, Knochenbau, Lebensweise und Beruf eines Patienten eignen sich unterschiedliche Prothesentypen und Gleitpaarungen.

Als künstliches Hüftgelenk wird üblicherweise eine Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) eingesetzt.Man bezeichnet die Prothese auch als Implantat. Die vollständige Hüftprothese ersetzt beide knöchernen Teile des Gelenks: den Hüftkopf (Femurkopf) und die Hüftpfanne (Acetabulum).

Anforderungen an das Material der Hüftprothese:

  • Korrosionsbeständigkeit
  • Abriebfestigkeit der Gleitpaarung
  • Verträglichkeit der Materialien
  • Widerstandsfähigkeit gegenüber Druck und Gewicht

Verwendete Materialien:

Aus zwei Materialien werden Prothesenkomponenten hauptsächlich hergestellt:

  • Zementierte Prothesen werden häufig aus einer Chrom-Molybdän-Legierung hergestellt.
  • Einwachsende Hüft-TEPs bestehen meist aus einer knochenfreundlichen Titanlegierung. Die Titanoberfläche einer Prothese bietet dem Knochen gute Voraussetzungen zum Einwachsen.

Zwischen dem Kopf der Hüftprothese und der Hüftpfanne befindet sich als Knorpelersatz die Gleitschicht oder Gleitpaarung der Hüftprothese. Diese Gleitpaarung besteht aus zwei miteinander verbundenen Teilen: Der Kugelkopf (Hüftkopf) aus Metall oder Keramik gleitet in einem muldenförmigen Einsatz (Pfanneninlay) in der Gelenkpfanne des Beckenknochens. Dieser für das reibungslose Gleiten der Hüftprothese wichtige Pfanneneinsatz kann aus unterschiedlichen Materialien bestehen:

  • Metall-Metall-Gleitpaarung
  • Keramik-Keramik-Gleitpaarung
  • Kunststoff (Polyethylen)-Metall-Gleitpaarung (Wir verwenden dafür sehr abriebfestes, hochvernetztes XLTE-Polyethylen.)

Befestigung: stabiler Sitz der Hüftprothese im Körper des Patienten

Befestigung in der Gelenkpfanne:

  • zementierte Pfanne
  • "Press-Fit"-Befestigung mit nachfolgendem Einwachsen des Knochens
  • Schraubpfanne mit poröser Oberfläche und einem flachen Schraubgewinde, das die Befestigung im Knochen bis zum Einwachsen des Knochengewebes verstärkt

Prothesenschaft

  • eingeklemmter, später in den Knochen einwachsender Prothesenschaft (nach sechs Wochen Vollbelastung der Hüfte möglich)
  • zementierte Prothese mit sofortiger Vollbelastung

Der Prothesenschaft verankert die Hüftprothese im Oberschenkelknochen (Femur). Im Beckenbereich übernimmt die im Beckenknochen verankerte Gelenkpfanne die Fixierung der Prothese. Durch eine computerunterstützte Planung anhand standardisierter Röntgenbilder gewährleisten wir, dass die Bewegungsgeometrie im Hüftgelenk sowie die Beinlänge des Patienten erhalten bleiben. So können wir für unsere Patienten ein natürliches Tragegefühl der Hüftprothese erreichen und Luxationen (Ausrenken des Hüftkopfes) vorbeugen.

Vorzeitige Prothesenlockerung (Osteolyse):

Auch einwachsende Prothesen können sich ebenso wie zementierte Hüftprothesen nach Jahren lockern. Meist wird diese Lockerung als "aseptische Osteolyse" bezeichnet. Sie entsteht also durch eine nichtbakterielle Entzündung. Der Materialabrieb aus der Prothesengleitpaarung, z. B. Polyethylen, wird vom Körper als Fremdkörper erkannt. Einwandernde Fresszellen können diese nichtorganischen Fremdkörper nicht abbauen, sodass die Entzündungsreaktion im Knochen chronisch wird. Es resultiert ein Abbau von Knochensubstanz. Wir bevorzugen daher möglichst abriebarme Materialien, um die Gefahr einer Osteolyse zu minimieren.

Abriebfestigkeit der Gleitpaarung

Die Gleitpaarung erfüllt eine entscheidende Funktion: Sie soll mit körperverträglichen Materialien über 15–25 Jahre hinweg trotz hoher Belastung die Beweglichkeit der Hüftprothese sicherstellen und als Gleitfläche intakt bleiben. Bei jüngeren Patienten unter 60 Jahren oder bei sehr sportlichen Patienten sehen wir besondere Anforderungen. Auf diese müssen wir durch Auswahl von Prothesenmodellen, Gleitpaarungen, Verankerungstechniken und Operationsmethoden eingehen.

Verankerung der Hüftprothese: zementiert oder zementfrei einwachsend

zementfrei implantierbare Hüftprothese Zementfrei implantierbare Hüftprothese: Die Knochenbälkchen wachsen in die aufgeraute Oberfläche der Prothese ein. Diese stabile Verbindung zwischen Knochen und Prothesenoberfläche ist sehr sicher gegen Lockerung. © bht2000, Fotolia

Der Schaft der Hüftprothese wird bei der Standardprothese (Geradschaftprothese) in den Markraum des Oberschenkelknochens eingebracht. Am Prothesenschaft befindet sich oben ein freistehender Steckkonus. Dieser verbleibt außerhalb des Oberschenkelknochens. Auf ihn wird später der Prothesenkopf aufgesteckt.

Der Prothesenschaft soll die Hüftprothese möglichst lockerungsfrei im Oberschenkel verankern.

Die zementfreie (einwachsende) Hüftprothese ist sehr belastbar

Schematische Darstellung der Implantation einer HüftendoprotheseDer Arzt hüllt den Markraum des Oberschenkelknochens während der Operation aus. Dann setzt er den Schaft der Hüftprothese ein. Deutlich sichtbar ist die aufgeraute, knochenfreundliche Oberfläche des einwachsenden Prothesenschaftes. © Implantcast

Eine sehr belastbare Form der Befestigung im Knochen ist die einwachsende Hüftprothese: Der Schaft hat eine raue Titanoberfläche, die die Verbindungsfläche vergrößert und so die Verbindung zwischen Knochen und Metall stabilisiert. Auf diese Weise kann das Knochengewebe des Oberschenkels (Femur) haltbar einwachsen.

Bei der Operation wird die einwachsende Hüftprothese zunächst stabil in das Innere des ausgehöhlten Röhrenknochens eingebracht und verkeilt. Sechs Wochen nach der Operation ist die knöcherne Integration des Prothesenschaftes durch in die Oberfläche einwachsendes Knochengewebe weitgehend abgeschlossen. Nach drei Monaten ist jede Form der sportlichen Belastung möglich. Hier ist bei Patienten mit Knochenschwund (Osteopenie) Vorsicht angeraten: Bei einer Störung des Knochenstoffwechsels kann die Osteointegration, also der knöcherne Einbau der Hüftprothese, bis zu einem Jahr dauern. Eine zementierte Hüft-TEP kann vorteilhaft sein, weil die Befestigung im Knochen sofort gesichert ist.

Zementierte Hüftprothese: Schnelle Vollbelastung nach der Operation

Ist die Knochenqualität des Patienten nicht optimal (z. B. durch Osteoporose), gibt es Alternativen zur zementfreien Befestigung der Hüftprothese. Der Schaft kann auch durch Knochenzement aus Polymethylacrylat (PMMA), eine Art körperverträglichem Klebstoff, im Knochen verankert werden. Die Zementschicht zwischen Knochen und Prothesenschaft ist dabei nur 1–2 mm dick. Der Knochenzement härtet sofort aus und führt zu einer unmittelbaren Vollbelastbarkeit der Prothese. Weil die Stabilität der Zementschicht in dieser Verbindung eine sehr kritische Rolle spielt, achten wir sehr auf eine technisch sorgfältige Zementierung der Hüftprothese. Diese muss frei sein von Lufteinschlüssen oder Verunreinigungen.

Press-Fit-Verfahren zur Verbindung der künstlichen Gelenkpfanne mit dem Beckenknochen Zunächst säubert der Arzt die Gelenkpfanne (Acetabulum). Die künstliche Gelenkpfanne aus Metall wird dann in den Beckenknochen eingeklemmt (Press-Fit), sodass sie sofort belastbar ist. © Implantcast

Hüftpfannen zementiert oder zementfrei befestigen

Auch die Hüftpfanne am Becken (Acetabulum) kann zementiert oder einwachsend befestigt werden. Es ist zudem möglich, die Befestigung in einer sogenannten Hybridprothese zu "mischen": Ein einwachsender Prothesenschaft der Femurkomponente kann mit einer zementierten Pfanne als beckenseitiger Komponente kombiniert werden.

In der orthopädischen Gelenk-Klinik kommen zementierte Pfannen aber fast nicht mehr zum Einsatz. Die Zementschicht stellt immer eine kritische Komponente in der Befestigung dar. Wir arbeiten daher mit zementfreien "Press-Fit"-Pfannen. Diese Pfannen werden in das vorbereitete Acetabulum des Beckenknochens geklemmt und erhalten dadurch bereits unmittelbar nach der OP einen festen Sitz. Zusätzlich wächst in den Wochen nach der Operation der Beckenknochen in die raue Oberfläche der Hüftpfanne ein.

Weiterlesen zur zementierten und zementfreien Befestigung der Hüftprothese.

Warum ist die Gleitpaarung bei der Wahl der Hüftprothese so wichtig?

Gleitpaarungen für Hüftprothesen: Metall-Polyethylen, Keramik, Keramik-Kunststoff und titanbeschichtete Metall-GleitpaarungGleitpaarungen für Hüftprothesen: Metall-Polyethylen, Keramik, Keramik-Kunststoff und titanbeschichtete Metall-Gleitpaarung (goldfarben). © Implantcast

Die Beweglichkeit einer Hüftprothese findet stets zwischen den zwei Gelenkpartnern Hüftkopf und Hüftpfanne statt. Hierfür sind verschiedene Materialien, sog. Gleitpaarungen entwickelt worden. Diese unterscheiden sich in Härte und Oberflächenbeschaffenheit. Die Gleitpaarung soll vor allem abriebfest sein, damit die Prothese lange hält. Abriebfestigkeit vermeidet auch die Anreicherung körperfremder Partikel in der Umgebung der Prothese. Diese Partikel locken Fresszellen an und sind der Hauptgrund für die aseptische Osteolyse (nicht durch Infektion verursachte Lockerung) der Prothese im Knochen.

Folgende Kombinationen an Gleitpaarungen sind heutzutage üblich:

  • Metall mit Kunststoff:
    Die Metall-Polyethylen-Gleitpaarung ist die konventionelle Gleitpaarung, mit der die größten Erfahrungen vorliegen. Wir verwenden aber nur noch keramikbeschichtete Metallköpfe (Oxinium) mit abriebfestem hochvernetztem Polyethylen (XLTE) als Gleitpartner in der Hüftpfanne.
  • Metall mit Metall:
    Die Metall-Metall-Gleitpaarung wird vor allem bei Oberflächenersatzprothesen (McMinn-Prothesen) eingesetzt.
  • Keramik mit Kunststoff:
    Keramik-Kunststoff ist eine Hart-Weich-Gleitpaarung. Sie ist flexibler hinsichtlich der Position von Gelenkkopf und Pfanne zueinander.
  • Keramik mit Keramik:
    Keramik-Gleitpaarungen sind sehr abriebfeste Materialien. Die Toleranz dieser Gleitpaarung gegenüber Abweichungen von Kopf- und Pfannenposition ist sehr gering. Das erfordert eine sehr genaue, möglichst computerunterstützte Planung des Implantates. Probleme mit der Keramik-Gleitpaarung, die gelegentlich in der Anfälligkeit gegenüber hohen Druckbelastungen bestanden, können wir durch moderne, bruchsichere Keramikentwicklungen vermeiden. Bei uns sind Keramik-Hüftprothesen bei jüngeren Patienten zwischen 40 und 60 Jahren zu einer routinemäßig eingesetzten Behandlungsform geworden.
    Weiterlesen zu Keramik-Hüft-TEPs.

Die Gleitpaarungen unterscheiden sich im Abriebverhalten, aber auch in den Materialeigenschaften bei plötzlicher Druckbelastung.

Aufbau des Pfanneninlays

Die Hüftpfanne der Prothese enthält das Pfanneninlay. Das ist der eigentliche Gleitpartner des Oberschenkelkopfes. Es existiert eine Vielzahl von Modellen auf dem Markt. Diese Vielfalt ist berechtigt: Sie gibt uns die Möglichkeit, mit der Wahl des Prothesenmodells genau auf den Patienten einzugehen.

Die Hüftpfanne wird heute in der Regel zementfrei implantiert. Die zementierte Hüftpfanne setzen wir nur sehr selten ein, da es vor allem bei jungen und aktiven Patienten öfters zu einer Lockerung der Prothese kommt als bei der zementfreien Variante.

Die künstliche Gelenkpfanne ist ein einteiliges System aus einer Metallschale mit einem Kunststoffinlay (z. B. Polyethylen mit oder ohne eine aufgebrachte Metallnetzstruktur). Das Inlay kleidet also die Hüftpfanne aus und ist Teil der Gleitpaarung. Das ist die Komponente, die das gleitende Gegenstück zum Kopf der Hüftprothese bildet.

Die zementfreie Pfanne der Hüftprothese ist modular zusammengesetzt. Sie besteht immer aus zwei Teilen:

  • äußere Metallschale
  • innen verankerte Einlage (Pfanneninlay)
Hüftpfanne: acetabuläre (pfannenseitige) Komponente der Hüftendoprothese Die Gelenkpfanne der Hüftprothese besteht aus einer Metallkomponente, die in das Acetabulum (Hüftpfanne) eingesetzt wird, und einem Inlay, das den Femurkopf (Oberschenkelkopf) aufnimmt. © Smith & Nephew

Der Hüftkopf der Prothese wird auf den Prothesenschaft aufgesteckt und stellt die Verbindung zum Pfanneninlay (Pfannenauskleidung) dar.

Welcher Prothesentyp ist für welchen Patienten geeignet?

Die Hüftendoprothetik ist eine sehr komplexe Operation. Die korrekte Positionierung einer Prothese anhand der anatomischen und medizinischen Besonderheiten jedes Patienten erfordert viel Erfahrung.

Deswegen wollen wir in der klinischen Praxis mit so wenigen Systemen wie möglich arbeiten. Bewährte Prothesenmodelle und Operationsmethoden verwenden wir möglichst jahrelang. Nur so erhalten wir die größtmögliche Sicherheit, wenn es um die Besonderheiten jedes Patienten geht. Die Geradschaftprothese mit Metall-Polyethylen-Gleitpaarung ist zwar historisch die am weitesten verbreitete Hüftprothese. Aber ein Prothesentyp oder eine Operationsmethode kann nicht jedem Patienten gerecht werden.

Im Folgenden wollen wir daher die grundlegenden Entscheidungsstrategien vorstellen. Das werden wir in diesem Rahmen anhand einer vereinfachten Patienten-Typisierung durchführen. Auch wenn diese Typisierung nicht jedem Patienten gerecht wird, können wir anhand dieser vier Fälle eine Einführung in unsere Denkweise bei der Planung einer Hüftprothese geben.

Fall 1: Patient jünger als 60 Jahre mit tragfähigem Oberschenkelkopf

McMinn-ProtheseMcMinn-Oberflächenersatz (Hüftkappe): Die Prothese hat einen sehr guten Tragekomfort. Die gesamte Knochensubstanz des Oberschenkelknochens bleibt erhalten. Die Metall-Metall-Gleitpaarung wird bei den Modellen einiger Hersteller kritisch diskutiert. Wir verwenden seit 2007 ausschließlich die originale BHR-Prothese (Birmingham Hip Replacement), die diese beobachteten Mängel in der Qualität nicht aufweist. © iuliiawhite

Jungen und aktiven Patienten empfehlen wir stets eine knochensparende Versorgung. Ihre Lebenserwartung liegt über der Tragezeit einer Hüftprothese. Ein späterer Prothesenwechsel ist also wahrscheinlich. Durch eine Oberflächenersatzprothese können wir Oberschenkelkopf und den gesamten Oberschenkelhals erhalten. So vermeiden wir das Entfernen des Femurkopfes (Oberschenkelkopfes) und das Aufbohren des Oberschenkelknochens. Für eine spätere Revisionsoperation in 15 oder 20 Jahren steht dann noch der gesamte Oberschenkelknochen für die Verankerung der Hüftprothese zur Verfügung.

Die Oberflächenersatzprothese wenden wir aber nur bei Männern an. Bei weiblichen Patienten verwenden wir die knochensparende Kurzschaftprothese als Alternative.

Fall 2: Patient jünger als 60 Jahre mit nicht mehr tragfähigem Oberschenkelkopf

Kurzschaftprothese mit KeramikkopfBei jüngeren Patienten müssen wir vorausschauend einen möglichen Prothesenwechsel mit einplanen. Die knochensparende Kurzschaftprothese schont die Knochensubstanz des Oberschenkelknochens. Der Keramikkopf (rosa) ist sehr abriebfest. © Smith & Nephew

Ist der Oberschenkelkopf nicht mehr tragfähig, z. B. nach einer Hüftnekrose, empfehlen wir als knochensparendes Verfahren ein künstliches Hüftgelenk mit Kurzschaft. Diese Kurzschaftprothese ersetzt den Oberschenkelkopf. Der Markraum des Oberschenkelknochens wird lediglich im Bereich des Oberschenkelhalses ausgehöhlt.

Bei den Kurzschaftprothesen steht neben der Metall-Polyethylen-Gleitpaarung auf Wunsch auch die im Vergleich zum weicheren Kunststoff abriebärmere Keramikgleitpaarung zur Verfügung.

Fall 3: Patient älter als 60 Jahre mit hoher Knochendichte

Bei älteren Patienten mit sehr guter Knochendichte verwenden wir die erprobte einwachsende (zementfreie) Geradschaftprothese, die tief im Markraum des Oberschenkelknochens verankert wird. Um den Abrieb zu minimieren, bevorzugen wir die keramikbeschichtete Oxinium-Hüftprothese. Ihre Oberfläche ist viel glatter als die einer konventionellen Titanprothese.Bei älteren Patienten mit guter Knochendichte verwenden wir die erprobte einwachsende (zementfreie) Geradschaftprothese, die tief im Markraum des Oberschenkelknochens verankert wird. Um den Abrieb zu minimieren, bevorzugen wir die keramikbeschichtete Oxinium-Hüftprothese. © Smith & Nephew

In diesem Lebensalter ist es recht wahrscheinlich, dass der Patient in seiner Lebenszeit keinen Prothesenwechsel mehr benötigt. Hier empfehlen wir die Geradschaftprothese, die mit einem geraden Schaft im Oberschenkelknochen verankert wird. Bei Patienten mit sehr guter Knochenqualität bevorzugen wir als Implantat eine einwachsende Prothese. Diese Prothese wird zementfrei im Röhrenknochen verankert. Die Oberfläche verbindet sich organisch mit dem umliegenden Knochengewebe. Auch bei sehr aktiven Patienten besteht keine Gefahr einer Lockerung.

Fall 4: Patient älter als 60 Jahre mit geringer Knochendichte (z. B. durch Osteoporose)

Die keramikbeschichtete Oxinium-Hüft-TEP in Verbindung mit modernem hochvernetztem Polyethylen (XLTE) ist eine sehr abriebfeste Hart-Weich-Gleitpaarung. Gegenüber Hart-Hart-Gleitpaarungen wie z. B. Keramik-Keramik-Prothesen sind Hart-Weich-Gleitpaarungen bei schwierigen anatomischen Verhältnissen toleranter gegenüber leicht abweichenden Winkeln von Oberschenkelkopf und Hüftpfanne. Bei reinen Keramik-Gleitpaarungen können Spitzenbelastungen entstehen, die das Material schädigen.Die keramikbeschichtete Oxinium-Hüftprothese in Verbindung mit modernem hochvernetztem Polyethylen (XLTE) ist eine sehr abriebfeste Hart-Weich-Gleitpaarung. Gegenüber Hart-Hart-Gleitpaarungen wie z. B. Keramik-Keramik-Prothesen sind Hart-Weich-Gleitpaarungen bei schwierigen anatomischen Verhältnissen toleranter gegenüber leicht abweichenden Winkeln von Oberschenkelkopf und Hüftpfanne. Bei reinen Keramik-Gleitpaarungen können Spitzenbelastungen entstehen, die das Material schädigen. © Smith & Nephew

Wenn der Knochen nicht mehr vital ist, wachsen die Knochenbälkchen nicht mehr stabil in die raue Prothesenoberfläche ein. Um das Risiko einer Lockerung zu umgehen, können wir den Prothesenschaft mit Knochenzement im Röhrenknochen fixieren. Unmittelbar nach der Operation ist der Zement ausgehärtet und eine Vollbelastung der Prothese möglich. Diese schnelle Mobilisierung bietet vor allem für betagte Patienten einen erheblichen Vorteil. Sie beschleunigt den Start in die Frührehabilitation.

Bewertung: 
Eigene Bewertung: Keine. Durchschnittlich 4.2 (156 votes)
Folgen Sie der Gelenk-Klinik auf Facebook, Twitter oder Instagram

Jobportal des Gelenk-Klinik MVZ

Wir haben Spaß an unserer Arbeit und möchten dich daran teilhaben lassen. Für unsere Klinikerweiterung in 2019 suchen wir daher Verstärkung:

Bitte ein Gelenk wählen

Anatomische Struktur
Schulter-OperationEllenbogen-OperationHand und HandgelenkHüft-OperationOperation der Wirbelsäule und BandscheibenHandFuss-OperationenFersenoperationenKnie-Operation

Hüftchirurgie

Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg

Dr. med. Martin Rinio
Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie an der Gelenk-Klinik

 

Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie an der Gelenk-Klinik

EndoProthethikZentrum (EPZ)

Beratung in der Gelenk-Klink

EndoProthethikZentrum (EPZ) Gelenk-Klinik

  • Geprüfte Qualität und Erfahrung mit über 200 Prothesen/Jahr
  • Geprüfte Aus- und Weiterbildung unserer Spezialisten
  • Qualität in Diagnose, Operation und Nachsorge
  • Geprüfte Beratung und Aufklärung unserer Patienten

Endocert Logo Endpoprothetikzentrum

Weiterlesen: EndoProthetikZentrum (EPZ)