Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Hallux valgus: Konservativ behandeln oder operieren?

  1. Was ist ein Hallux valgus?
  2. Symptome und Fußschmerzen bei Hallux valgus
  3. Entstehung und Ursachen des Hallux valgus
  4. Wer bekommt einen Hallux valgus?
  5. Diagnose und Untersuchung des Ballenzehs
  6. Prognose des Hallux valgus
  7. Konservative Therapie des Hallux valgus
  8. Hallux-valgus-Operation: Operationsziele und Verfahren
  9. Ist Hallux valgus ein kosmetisches oder medizinisches Problem?
Typisches Symptom eines schweren Hallux valgus ist der Knick der Großzehe nach außen. Die Fehlstellung der Großzehe und der resultierende hervortretende Zehenballen sind die namensgebenden Symptome des Hallux valgus. © Gelenk-Klinik

Der Hallux valgus ist eine Fehlstellung des Großzehengrundgelenks. Die Großzehe weicht dabei nach außen ab und verdrängt die anderen Zehen. Durch die Entzündung des Großzehenballens aufgrund der Fehlstellung besteht die Gefahr einer Großzehenarthrose (Hallux rigidus). Wenn der Patient in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist und die Fehlstellung nicht durch konservative Behandlung (z. B. Physiotherapie oder Orthesen) therapiert werden kann, muss man eine Operation in Betracht ziehen. Der Fußspezialist richtet bei der Hallux-valgus-Operation die schief gestellte Großzehe wieder gerade aus (Osteotomie) und normalisiert den Zug der Sehnen und Muskeln.

Was ist ein Hallux valgus?

Hallux valgus mit entzündetem SchleimbeutelDer Hallux valgus (lat. Schiefzehe) ist die Fehlstellung der Großzehe im Großzehengrundgelenk: Charakteristisch ist der Knick der Großzehe nach außen. Durch den zunehmenden Konflikt mit dem Schuh entsteht durch Reibung eine Entzündung des Schleimbeutels (Bursa) im Großzehengrundgelenk, häufig gefolgt von einer weiteren Schwellung. © Gelenk-Klinik

Der Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung des Vorfußes und der Zehen. Wegen seiner auffälligen Form nennt man ihn auch Ballenzeh oder Überbein.

Dabei "tanzt" der große Zeh aus der Reihe und neigt sich in Richtung Fußaußenrand. Am Großzehengrundgelenk (Metatarsophalangealgelenk) tritt beim Hallux valgus das oft schmerzhaft entzündete und geschwollene Mittelfußköpfchen hervor und drückt gegen den Schuh. 23 % der 18- bis 65-Jährigen oder mehr als 35 % der über 65-Jährigen haben einen Hallux valgus.

Die Großzehensehne verläuft bei dem Hallux valgus nicht mehr gerade durch das Großzehengrundgelenk. Die Großzehe weicht also von ihrer normalen Ausrichtung ab. Am Großzehengrundgelenk bildet sich häufig eine schmerzhafte, entzündete Vorwölbung. Dieser hervortretende Zehenballen ist eine Begleiterscheinung des Hallux valgus.

Fachartikel von Dr. Schneider zu Hallux valgus im Patientenforum von Jameda.de

    Wichtige Begriffe:

  • Hallux valgus:
    Schiefzehe, Ballenfuß. Die Großzehe ist zum Fußaußenrand hin abgeknickt.
  • Exostose (Überbein):
    Das Großzehengrundgelenk tritt hervor, sodass es gegen den Innenrand des Schuhs drückt.
  • Spreizfuß:
    Die Knochenstrahlen des Mittelfußes weichen auseinander und das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe) sinkt ab. Der Hallux valgus entwickelt sich immer auf der Grundlage eines Spreizfußes.
  • Metatarsalgie:
    Metatarsalgie bedeutet Mittelfußschmerzen – diese entstehen beim Hallux valgus durch die Verlagerung des Gewichts beim Gehen von der Großzehe hin zu den Kleinzehen.
  • Bursitis (Schleimbeutelentzündung):
    Die Schleimbeutel schützen Knochen und Sehnen vor Druck und Reibung. Durch eine Exostose am Zehenballen vergrößert sich der Schleimbeutel. Er kann anschwellen und sich schmerzhaft entzünden (Bursitis).

Symptome und Fußschmerzen mit Hallux valgus

Die Belastung verschiebt sich beim Hallux valgus von der schmerzhaften Großzehe zu den kleinen Zehen.Beim Hallux valgus wird die schmerzhafte Großzehe entlastet. Man spricht von einer Insuffizienz der Großzehe. Stattdessen beansprucht der Patient die kleineren Zehen beim Abrollen des Fußes stärker. Dadurch entstehen die in diesem Bild rot eingezeichneten Druckstellen nicht nur seitlich am Großzehengrundgelenk, sondern auch an den Zehenballen der kleinen Zehen. © Gelenk-Klinik

Hallux valgus erkennen:

  • Das Großzehengrundgelenk ist gerötet und der Ballen vergrößert.
  • Die aktive Beweglichkeit der Großzehe ist eingeschränkt, bis hin zur Versteifung.
  • Die Großzehe weicht zur Seite hin ab.
  • Patienten klagen über Druckschmerzen vor allem an der Innenseite des Zehenballens.
  • Die Großzehe ist um die eigene Achse rotiert, also verdreht.
  • Unter den Zehenballen/dem Mittelfuß der 2.–4. Zehe treten Rötungen und Schwielenbildung auf.
  • Es tritt aufgrund der veränderten Belastung eine Metatarsalgie (Mittelfußschmerzen) auf.

Der Hallux valgus stellt zwar eine häufige Fußerkrankung dar, führt aber nicht bei allen Betroffenen zu starken Beschwerden. Die Fehlstellung der Zehen stört häufig die weiblichen Patienten: Der Fuß verliert seine typische Form und sieht unschön aus.

Beschwerden in Verbindung mit dem Hallux valgus treten meistens oberhalb des Großzehengrundgelenks auf. Dieses tritt oft stark hervor und reibt am Schuhinnenrand. Dadurch entzündet es sich leicht. Der Zehenballen ist beim Hallux valgus gerötet und geschwollen.

Schmerzen beim Hallux valgus

Ursachen der Schmerzen bei Hallux valgus:

Der Hallux valgus ist meistens nicht direkt schmerzhaft. Durch die Überlastung von Weichteilgeweben (Schleimbeuteln) und die veränderte Biomechanik des Abrollverhaltens werden jedoch benachbarte Strukturen übermäßig belastet. Sie verändern sich entzündlich und verschleißen.

Beim Hallux valgus wird sich die Schwellung der Schleimbeutel und Weichteile zunehmend verstärken. Dies verschlimmert wiederum die Reibung des Fußballens am Schuh. Als Reaktion auf diese Reibung schwillt der Schleimbeutel (Bursa) am Großzehengrundgelenk weiter an. Seine Aufgabe ist es, Knochen und Gelenke vor Druck und Reibung zu schützen. Der Patient steckt im Teufelskreis. Die Bursitis (Schleimbeutelentzündung) ist sowohl als bakterielle als auch als nichtbakterielle Infektion sehr schmerzhaft. Vor allem an der gewichttragenden Stelle am Großzehengrundgelenk und in ständiger Reibung mit dem Schuh gehört sie zu den unangenehmsten Schmerzerfahrungen überhaupt.

Eine weitere Schmerzquelle beim Hallux valgus ist die stetig zunehmende Arthrose im Großzehengrundgelenk. Der Knorpel im Großzehengrundgelenk dünnt durch Abrieb immer stärker aus. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist es möglich, dass die Arthrose im Großzeh sich entzündet. Dies ist besonders schmerzhaft.

Die Gewichtsverlagerung weg von der Großzehe überlastet die vier kleineren Zehen. Dies kann Mittelfußschmerzen verursachen (Transfermetatarsalgie).

Schmerzen durch Hallux valgus entstehen zu Beginn nur bei bestimmten Belastungen, also wenn beim Gehen konkret Druck auf das Gelenk ausgeübt wird. In späteren Stadien können zudem quälende Ruheschmerzen belastungsunabhängig auftreten.

Ästhetische und kosmetische Probleme durch Hallux valgus

  • Rötung und Schwellung des Zehenballens
  • Hervortreten des Zehenballens (Exostose)
  • Fehlstellung der Großzehe
  • Fehlstellung der benachbarten Kleinzehen unter dem Druck des Hallux valgus (z. B. Hammerzehen)
  • unschöne Form des Fußes
  • verändertes Gangbild

Auch am Fußinnenrand über dem ersten Mittelfußknochen können Schmerzen mit Schwellungen und Rötungen auftreten. Patienten mit Hallux valgus kaufen ihre Schuhe daher gerne ein oder zwei Größen zu groß, um die schmerzhafte Reibung zu vermindern.

Die Schmerzen und Symptome beim Hallux valgus sind nicht unbedingt abhängig vom Grad der Fehlstellung. Oft sind hochgradige Fehlstellungen noch schmerzfrei, während bei anderen Patienten bereits kleine Abweichungen starke Fußschmerzen auslösen.

Transfermetatarsalgie: Schmerzen durch Überlastung der kleineren Zehen

Wenn der erste Zehenstrahl der Großzehe nach außen abweicht, verändert sich auch die Belastung der übrigen Mittelfußknochen: Sie tragen beim Abrollvorgang eine höhere Last, für die eigentlich nur die Großzehe ausgelegt ist. Diese Gewichtsverlagerung kann zu Mittelfußschmerzen führen. Man spricht hier von der Transfermetatarsalgie als Folge des Hallux valgus.

Vor allem der 2. Mittelfußknochen kann bei einem Hallux valgus in Mitleidenschaft gezogen werden. Direkte Folge ist dann eine Krallenstellung des zweiten Zehs mit massiver Überlastung und Schmerzsyndrom des Mittelfußes (Metatarsalgie). Viele Patienten nehmen in diesem Fall fälschlich an, dass der Hallux valgus eigentlich beschwerdefrei ist und nur der Mittelfuß schmerzt. Doch die Ursache bei diesen Metatarsalgien ist stets die Fehlstellung des Großzehs. Dort muss die Behandlung ansetzen.

Hallux rigidus: Arthrose des Großzehengrundgelenks

Durch die Fehlstellung kommt es zu Abnutzungen im Großzehengrundgelenk. Der Hallux valgus kann zu Arthrose und einer schmerzhaften Versteifung des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus)) führen.

Häufig tritt der Hallux valgus in schmerzhafter Kombination mit einer Schleimbeutelentzündung und Arthrose auf. Der am Großzehengrundgelenk stark hervortretende Ballen an der Innenseite des Fußes ist namensgebend für den Ballenzeh.

Entstehung und Ursachen des Hallux valgus

Der Spreizfuß und dadurch der Hallux valgus entsteht häufig durch das Tragen ungeeigneter Schuhe.Das Tragen von hohen Schuhen begünstigt den Spreizfuß – und dadurch der Hallux valgus. Hohe Absätze bringen das gesamte Körpergewicht auf den Vorfuß und erhöhen den Druck auf die Großzehengrundgelenke. © Gelenk-Klinik

Der Hallux valgus entsteht immer als Folge eines Spreizfußes. Dabei sinkt das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe) ein. Die Zehenköpfchen liegen dabei flach auf dem Boden und die Zehen stehen gespreizt nach außen ab.

Durch den Zug der Sehne dreht sich der Großzeh bei einem Hallux valgus aus dem Großzehengrundgelenk heraus – ähnlich wie ein gespannter Bogen. Er neigt sich nach außen, in Richtung der anderen Zehen. Der einwärts gedrehte Großzeh verdrängt die benachbarten Zehen, wodurch diese ebenfalls Fehlstellungen erleiden. Ein Hallux valgus tritt daher oft in Verbindung mit Hammer- und Krallenzehen auf.

Rolle der Sesambeine beim Hallux valgus

Hallux valgus: Die Sehne der Großzehe verläuft im Winkel zum Großzehengrundgelenk.Hallux valgus: Die Sehne des Großzehs verläuft im Winkel zum Großzehengrundgelenk (hier in gelb dargestellt). Die Sesambeinchen, die die Zehenbeugesehne führen (blaue Punkte mittig im Bild), liegen nicht mehr rechts und links von der Großzehe, sondern deutlich nach außen verschoben. Die Zehe dreht sich aus dem Großzehengrundgelenk heraus wie ein Bogen, der zunehmend durch die Sehne gespannt wird. © Gelenk-Klinik

Die nebenstehende Abbildung zeigt den Winkel zwischen dem Verlauf der Großzehe und der Zehenbeugersehne. Deutlich sichtbar ist auch die Fehlstellung der Sesambeinchen. Diese kleinen Knöchelchen sind frei an mehreren Sehnen aufgehängt und agieren als Gleitlager dieser Sehnen. Sie liegen unter dem Großzehengrundgelenk und nehmen normalerweise den Zehenstrahl in ihre Mitte.

Je stärker die Sesambeinchen nach außen verschoben sind, desto ausgeprägter ist die Hallux-valgus-Fehlstellung. Wenn sie nicht mehr als Gleitlager für die Sehnen der Großzehe funktionieren, kann der Fuß beim Gehen über die Großzehe nicht mehr normal abrollen. Die kleineren Zehen tragen immer mehr Last. Diese Gewichtsverlagerung weg von der Großzehe kann als Folge des Hallux valgus zu Mittelfußschmerzen, also zu einer sogenannten Transfermetatarsalgie führen.

Weitere Ursachen des Hallux valgus: Verletzungen, Schuhmode und Bindegewebsschwäche

Es gibt zahlreiche Ursachen des Hallux valgus, die sich gegenseitig überlagern. Die Fehlstellung kann in Familien vererbt werden. Es gibt also eine genetische Komponente bei der Entstehung. Damit sich diese Veranlagung durchsetzt, müssen aber auch Umwelteinflüsse gegeben sein, die die Entwicklung des Fußes belasten.

Lebensweise und Erblichkeit

Etwa 90 % aller Patienten mit Hallux valgus berichten ein familiäres Vorkommen. Dennoch ist die Verursachung nicht rein erblich, denn niemand kommt mit Ballenzehen zur Welt. Es gibt also immer Faktoren aus der Umwelt und Lebensweise, die den Hallux valgus entstehen lassen. In nicht schuhtragenden Kulturen gibt es so gut wie keinen Hallux valgus.

Eine häufige Ursache für den Hallux valgus oder Ballenfuß ist eine vererbte Bindegewebsschwäche. Davon sind auch die Bänder betroffen, die am Fuß das Längs- und Quergewölbe stabilisieren. Ein Spreizfuß entsteht, bei dem das vordere Quergewölbe des Fußes eingesunken ist. Die Zehen zeigen nicht mehr in ihrer natürlichen Richtung nach vorne. Der Spreizfuß ist daher der häufigste Ausgangsbefund eines Hallux valgus.

Fußfehlstellungen, die nach Unfall- oder Fußverletzungen (z. B. Knochenbrüchen) entstehen, können einen Hallux valgus ebenfalls begünstigen. Auch entzündlich veränderte Gelenke (Arthritis) können den Hallux valgus verursachen.

Auslöser des Hallux valgus:

  • erworbene Fehlstellung, z. B. durch Schuhe mit hohen Absätzen
  • erbliche Veranlagung (häufiges familiäres Auftreten)
  • weibliches Geschlecht (schwächeres Bindegewebe)
  • Spreizfuß oder Knickfuß
  • Unfall
  • arthritische Gelenkveränderungen
  • neurologische Erkrankungen wie z .B. Morbus Charcot-Marie-Tooth
  • Überlastung des Großzehengrundgelenks durch einen Hohlfuß

Das jahrelange Tragen zu enger Schuhe mit hohen Absätzen begünstigt häufig die Entstehung des Hallux valgus. Weil ein großer Teil des Körpergewichts nicht mehr auf der Ferse und dem Längsgewölbe des Fußes lastet, sondern auf den empfindlichen Vorfuß drückt, verliert das vordere Quergewölbe seine Stabilität: Ein Spreizfuß entsteht.

Deshalb sind überwiegend Frauen vom Hallux valgus betroffen. Der große Zeh wird ständig in Richtung der anderen Zehen gedrückt. Dadurch verändern die ansetzenden Muskeln ihre Zugrichtung und ziehen den Zeh weiter nach außen.

Weitere belastungsabhängige Faktoren tragen zur Entstehung des Hallux valgus bei: Übergewicht und langes Stehen können die Bänder im Vorfuß destabilisieren und das Quergewölbe absinken lassen.

Dem Hallux valgus vorbeugen

  • Schuhe mit hohen Absätzen nicht täglich tragen.
  • Absatzhöhe variieren.
  • Möglichst häufig Barfußlaufen.
  • Fußgymnastik und Kräftigung der Fußmuskulatur anstreben.

Wer bekommt einen Hallux valgus?

Von Hallux valgus sind überwiegend (zu 90 %) Frauen betroffen. Die Häufigkeit des Hallux valgus steigt mit zunehmendem Alter deutlich. Teilweise sind jedoch schon sehr junge Frauen und Männer betroffen. In diesen Fällen liegen meist genetische Ursachen zugrunde.

Der Hallux valgus tritt in Ländern, in denen Barfußlaufen oder bequeme, offene Schuhe bzw. Sandalen bevorzugt werden, nur selten auf. In Japan oder China, in denen besonders kleine und schmale Füße als schick gelten, kommt er hingegen häufig vor.

Diagnose des Hallux valgus

Röntgenbild eines Hallux valgusRöntgenbild eines schweren Hallux valgus: Man erkennt die Fehlstellung der Sesambeinchen, die den Großzeh nicht mehr in ihre Mitte nehmen, sondern daneben liegen. © Gelenk-Klinik

In der Regel erkennt auch der Laie einen Hallux valgus auf den ersten Blick. Für den Orthopäden ist die Fehlstellung meist schon beim Betrachten des Fußes ersichtlich. Der Hallux valgus geht mit einem sichtbar vergrößerten Winkel im Großzehengrundgelenk einher. Die Beschwerden des Patienten bestätigen die Vermutung des Arztes.

Patienten mit Hallux valgus weisen zudem meist begleitende Fehlstellungen des Fußes auf: Der Spreizfuß mit sichtbarem Abbau des vorderen Fußquergewölbes und eingesunkenen Mittelfußköpfchen tritt regelmäßig gemeinsam mit dem Hallux valgus auf.

Auch andere Störungen des Fußgewölbes begleiten den Hallux valgus. Der Knick-Senkfuß beispielsweise ist eine Störung des Fußlängsgewölbes. Dabei erkennt der Arzt bei flach auf dem Boden aufliegender Fußsohle eine X-Stellung der Ferse mit einem charakteristisch eingesunkenen Längsgewölbe.

Pedobarografie bei Hallux valgusDie podometrische Untersuchung (Fußdruckmessung) zeigt eine typische Transfermetatarsalgie: Die Großzehe wird weniger belastet. Das Gewicht verschiebt sich auf die benachbarten Kleinzehen. © Gelenk-Klinik

Patienten mit Hallux valgus klagen häufig über belastungsabhängige Fußschmerzen bei längerem Stehen oder Gehen.

Zudem erkundigt sich der Orthopäde nach Familienmitgliedern, die einen Hallux valgus haben, da eine erbliche Veranlagung bestehen kann.

Zusätzliche Sicherheit bei der Diagnose des Hallux valgus gibt ein Röntgenbild des Fußes. Dieses zeigt das genaue Ausmaß der Fehlstellung. Dabei misst der Arzt im Stehen – also unter Belastung – die genaue geometrische Abweichung der Fehlstellung von der Normalstellung. Diese Abweichung bezeichnet der Mediziner als Hallux valgus-Winkel. Die Kernspintomografie (MRT) kann Knorpelschäden, Weichteileinklemmungen und Knochenschäden feststellen.

Von links nach rechts zunehmende Fehlstellung der Großzehe (Hallux valgus)Von links nach rechts zunehmende Stadien der Hallux valgus-Fehlstellung. Links erkennt man die normale Großzehenstellung. Ein Winkel von bis zu 10° gilt noch als normal. Ein schwerer Hallux valgus (rechts) liegt ab einem Großzehenwinkel von über 40°–45° vor. © Gelenk-klinik
  • Eine Großzehenstellung mit einem Winkel von bis zu 10° gilt als normal.
  • Eine milde Hallux valgus-Fehlstellung liegt zwischen 16 und 20°.
  • Eine mittlere Hallux valgus-Fehlstellung weicht zwischen 21 und 40° ab.
  • Eine schwere Hallux valgus-Fehlstellung weicht über 40° ab.

Klinische Untersuchung des Hallux valgus durch den Fußspezialisten

  • Abweichung der Großzehe um mehr als 10° nach außen
  • zusätzliche Verdrehung der Großzehe um die eigene Achse
  • Hervorstehen des ersten Mittelfußknochens am inneren Fußrand
  • hornhautüberzogene Vorwölbung innen am Zehengrundgelenk
  • teilweise entzündete, gerötete Haut- und Schleimbeutelschwellung
  • Abflachung des Fußquergewölbes und Spreizung des Vorfußes
  • verminderte Beweglichkeit bzw. Fixiertheit der Fehlstellung
  • Fehlstellung benachbarter Zehen
  • Rotation der Großzehe um die Längsachse
  • typische Schwielenmuster (Hornhautverteilung)
  • Verbreiterung des Vorfußes
  • Zehennagel der Großzehe steht außen höher als innen

Bei der Tastuntersuchung des Hallux valgus (Palpation) erhält der erfahrene Orthopäde weitere Informationen über den Zustand des Großzehengrundgelenks. Dabei achtet er auf bestimmte Auffälligkeiten.

Diese Fragen beantwortet die Tastuntersuchung des Hallux valgus:

  • Wie ausgeprägt ist bereits der Fixationsgrad, d. h. die Versteifung des Hallux valgus?
  • Besteht die Möglichkeit, den Großzeh aus der Fehlstellung in seine normale Stellung zu führen?
  • Wie ausgeprägt ist die Drehung des Hallux valgus?
  • Wie stabil ist die Befestigung des ersten Mittelfußknochens an der Fußwurzel? Eine Instabilität gilt als wichtiger Faktor für unzureichende Korrekturen im Rahmen von bisherigen Operationen. Der Hallux valgus hat in dieser Instabilität häufig seinen Ausgangspunkt.
  • Sind bereits Knochenanbauten (Osteophyten) als Zeichen für eine Arthrose im Großzehengelenk zu finden?
  • Bestehen bereits verschleißbedingte Folgeerkrankungen?
  • Sind die Sesambeine verschiebbar?
  • Sind bereits Arthrosen der Mittelfußknochen unter dem ersten Zehenstrahl sichtbar?

Dynamische Ganganalyse bei Hallux valgus

Eine innovative Untersuchungsmethode der Orthopädie bietet die dynamische Ganganalyse. Dabei läuft der Patient über ein Laufband mit Messstation, das den Druck, den der Fuß beim Abrollen auf den Boden ausübt, ermittelt. Das System liefert genaue Daten, in welchen Bereichen der Patient seinen Fuß am meisten belastet. Diese Bereiche sind rot eingefärbt.

Darüber hinaus liefert die Ganganalyse ein ganzheitliches Bild des Bewegungsapparates. Die kombinierte Analyse stellt einen Zusammenhang zwischen Bewegung, Haltung und Schmerzen her. So können Fußschmerzen ihren Ursprung auch in einer Fehlstellung der Beinachse oder bei Problemen in der Wirbelsäule haben.

Prognose des Hallux valgus

Die Prognose des Hallux valgus hängt vom Stadium und vom Patienten ab.

Bei jungen Patientinnen mit einer noch beweglichen, also aktiv rückführbaren Fehlstellung der Großzehe besteht eine gute Aussicht auf eine Korrektur ohne Operation. Physiotherapeutische Fußgymnastik und konservative Behandlung können das Fußgewölbe aufrichten und die Hallux valgus-Stellung korrigieren.

Bei älteren Patientinnen mit einer bereits kontrakten – also nicht mehr aktiv rückführbaren – Fehlstellung kann die Hallux valgus-Operation Schmerzfreiheit erreichen und die Zehenfehlstellung dauerhaft normalisieren. Die Resultate der operativen Hallux valgus-Korrektur sind bei angemessener Durchführung sehr gut.

Der Hallux valgus hat einen sich selbst verstärkenden Verlauf

Durch die Abweichung der Großzehe von der Normalrichtung wird der Grad der Fehlstellung ermittelt.Durch die Abweichung der Großzehe von der Normalrichtung ermittelt der Arzt den Grad der Hallux valgus-Fehlstellung. © Gelenk-Klinik

Der Ballenfuß – die für Hallux valgus charakteristische Vorwölbung des Zehengrundgelenks an der Fußinnenseite – verstärkt sich durch den Sehnenzug am Großzeh immer weiter. Die Zugverhältnisse der Sehnen und Muskeln verschlimmern die Fehlstellung stetig, je weiter die Großzehe nach außen abweicht.

Zu Beginn der Fehlstellung ist der Hallux valgus noch beweglich und passiv ausgleichbar. Doch mit zunehmendem Fortschreiten versteift die Großzehe permanent und krümmt sich immer weiter. Bei jedem Schritt entsteht am Ende des Abrollvorganges ein maximaler Zug auf die Sehne, der die Hallux valgus-Fehlstellung weiter verstärkt.

Die beim Hallux valgus unnatürliche Form des Großzehengrundgelenks und des Vorfußes beeinträchtigen die normale Funktion des Fußes. Die Fehlstellung betrifft den Abrollvorgang, die Gewichtsverteilung und die Koordination des Ganges.

Dauerhafte Reizungen der Haut, des Schleimbeutels und der Gelenkkapsel resultieren aus einem unerkannten und unbehandelten Hallux valgus. Nichtbakterielle und bakterielle Schleimbeutelentzündungen (Bursitis) und Kapselausdünnung können zu weiteren Beschwerden führen.

Ein Hallux valgus kann auch die benachbarten Zehen verdrängen, überlagern oder deformieren. Die typischen Hammer- und Krallenzehen sind eine Folge.

Der Hallux valgus kann die benachbarten Zehen verdrängen.Schwere Hallux valgus-Fehlstellung mit Hammerzehen von vorne: Der Hallux valgus verdrängt die benachbarten Zehen. Deutlich sichtbar ist die Hornhaut unter den Kleinzehen als Folge der Belastungsumverteilung – weg von der Großzehe, hin zu den Kleinzehen. © Gelenk-Klinik

Konservative Therapie des Hallux valgus

Bis zu einem gewissen Stadium kann der Hallux valgus konservativ (mit Schienen und Fußübungen) therapiert werden. Erst im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf empfehlen wir eine operative Korrektur der Großzehe.

Es gibt zahlreiche Therapien des Hallux valgus. Welche Behandlung jeweils für den Patienten geeignet ist, entscheidet der Orthopäde ausgehend vom jeweiligen Grad des Hallux valgus, den vorhandenen Begleiterkrankungen und der Situation des Patienten. Die beste Behandlung ist natürlich die Vorbeugung.

Behandlungsmöglichkeiten des Hallux valgus:

  • Orthopädietechnik: Schuhzurichtung
  • Physiotherapie: Fußschule und Zehengymnastik
  • Hallux valgus-Schienen (Orthesen)
  • Einlagen zur Behandlung des Spreizfußes
  • NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zur Schmerztherapie

Durch Übungen, die die freie Beweglichkeit der Großzehe in alle Richtungen fördern, kann man dem Entstehen des Hallux valgus wirksam vorbeugen. Die wenigsten führen aber solche präventiven Übungen ab dem Jugendalter durch. Ist der Hallux valgus erst einmal aufgetreten, lindern konservative Therapien lediglich die Symptome. Eine Rückstellung des Hallux valgus ist dann nicht mehr möglich.

Was sind die Therapieziele bei Hallux valgus?

  • Reduktion der Schmerzen, die durch den Hallux valgus entstehen.
  • Fortschreiten der Fehlstellung verlangsamen.
  • Fehlstellung korrigieren.
  • Funktion und Belastbarkeit der Großzehe und des Großzehengrundgelenks wiederherstellen.

Vorbeugende Therapien helfen im Anfangsstadium des Hallux valgus

Schiene bei Hallux valgusDie Hallux valgus-Schiene kann die Schiefzehe wieder begradigen. © Bauerfeind

Erkennt man den Hallux valgus bereits im Anfangsstadium, kann der Orthopäde die Fehlstellung durch konservative Therapien behandeln. Zuallererst gehört dazu im Alltag das Tragen von Schuhwerk mit flachen Absätzen und genügend Freiraum für die Zehen.

Bei leichter Ausprägung des Hallux valgus können spezielle Einlagen das vordere Fußgewölbe stützen und das Fortschreiten des Spreizfußes aufhalten.

Einlagen und Orthesen bei Hallux valgus

  • Zehenspreizer
  • Zehenpolster
  • Einlagen mit Abstützung
  • Ballenrolle
  • Orthesen (Hallux-Schienen)

Zudem gibt es Hallux valgus-Schienen, die den Druck des großen Zehs auf die benachbarten Zehen vermindern.

Hallux valgus-Schuhe haben flache Absätze. Sie sind im Vorfuß- und Zehenbereich ausreichend breit und erlauben den Zehen eine große Beweglichkeit.

Wirkung der Hallux valgus-Orthese auf die GelenkkapselDie Hallux valgus-Orthese wirkt entspannend auf die Gelenkkapsel. © Gelenk-Klinik

Gymnastik und Barfußgehen können vor allem in frühen Stadien den weiteren Verlauf des Hallux valgus verbessern. Die Aktivierung und die natürliche Spannung der Fuß- und Zehenmuskeln stärken das vordere Fußgewölbe und richten es auf. Die natürliche Form des Fußes kommt nicht nur durch das Skelett zustande: Ab dem Jugendalter sind gut trainierte, aktive Fußmuskeln erforderlich, um Form und Stabilität des Fußgewölbes herzustellen. Nur intakte Fußgewölbe können verhindern, dass der Hallux valgus fortschreitet.

Für die Behandlung des Hallux valgus ist eine konsequente Hautpflege der Druckstellen sehr wichtig. Schwellungen und damit Reibung am Schuh verursachen Schmerzen. Daher sind abschwellende und hautpflegende Maßnahmen von zentraler Bedeutung für die konservative Behandlung der Schmerzen bei Hallux valgus.

Eine Einlage bei Hallux valgus entlastet das Großzehengrundgelenk.Die Einlage (Pelotte) unterstützt das Großzehengrundgelenk und erzeugt eine symptomatische Schmerzlinderung des Hallux valgus. © Gelenk-Klinik

Spezielle Hallux valgus-Schuhe, die dem Ballenzeh mehr Raum geben, können Reibung vermindern und Schwellung, Entzündung und Schmerzen reduzieren.

Wirkung einer Einlage bei Hallux valgusDer Fuß wird im Schuh (grün) dargestellt. Die Einlage bei Hallux valgus unterstützt das vordere Fußgewölbe. Die Biomechanik der Zehen normalisiert sich wieder. Diese Einlagen sind zwar angenehm, sie beseitigen die Fehlstellung aber nicht langfristig. © Dr. Thomas Schneider

Hallux valgus-OP: Operationsziele und Verfahren

Die Ziele der Hallux valgus-Operation sind abhängig vom Stadium der Fehlstellung und zahlreichen Begleitumständen. Zunächst ist es wichtig, eine sichere OP-Indikation zu stellen. Es muss eindeutige medizinische Gründe geben, den Hallux valgus zu operieren. Eine rein kosmetische Begradigung des Fußes ist zwar erwünscht, aber als alleiniger Grund für eine OP-Empfehlung nicht ausreichend. Wir orientieren uns meist an der Schmerzsituation. Erst wenn der Patient durch Schmerzen beeinträchtigt wird, ist die Operation angemessen.

Wann wird der Hallux valgus operiert?

  • starke Fußschmerzen, die die Mobilität einschränken
  • chronische Entzündung am Zehenballen
  • Neigung der Großzehe in Richtung der Kleinzehen
  • zunehmende Versteifung der großen Zehs in der Fehlstellung (Kontraktheit)
  • kein Fortschritt durch konservative Behandlungen und Hallux valgus-Schienen

Wenn jeder Schritt schmerzt, kann nur eine Operation den Patienten dauerhaft von seinen Schmerzen befreien. Bei erwachsenen Patienten außerhalb des Jugendalters können wir mit physiotherapeutischen Übungen und Hallux-Schiene den Krankheitsprozess nur noch verlangsamen. In diesem Fall therapiert man den Ballenzeh durch eine operative Begradigung. Diese kausale Therapie (Therapie, die die Krankheitsursache behebt) ist die einzige Möglichkeit, die Schmerzen und Folgeschäden am Großzehengrundgelenk dauerhaft zu vermeiden.

Wichtige Fragestellungen vor der Hallux valgus-Operation

Vor der Wahl des geeigneten Operationsverfahrens müssen folgende Fragen erörtert werden:

  • Wie groß ist die genaue Abweichung des Hallux valgus von der normalen Anatomie?
  • Welches der Operationsverfahren ist geeignet, um eine weitgehend normale Anatomie der Großzehe wiederherzustellen?
  • Kann eine Wiederherstellung der normalen Situation nach Hallux valgus überhaupt erwartet werden?
  • Wie stark ist die Arthrose im Großzehengrundgelenk bereits fortgeschritten?

Welche Eingriffe sind zur Operation des Hallux valgus möglich?

Der orthopädische Fußspezialist beherrscht viele verschiedene operative Verfahren. Welches Operationsverfahren beim Hallux valgus angewandt wird, muss der behandelnde Orthopäde individuell entscheiden und mit dem Patienten ausführlich besprechen. Fast alle Verfahren zur Operation des Hallux valgus folgen aber einheitlichen Prinzipien:

  • Ein Weichteileingriff korrigiert Sehnen und Gelenkkapsel, um eine Geradestellung der Großzehe zu ermöglichen.
  • Ein Eingriff am Großzehenknochen – meist eine Knochenumstellung (Osteotomie) – begradigt die Zehe wieder nach vorne.
  • Bei Gelenkschädigung am Großzehengrundgelenk muss dass Gelenk konserviert (Cheilektomie) oder versteift werden (Arthrodese).

Hallux valgus-Operation: konkrete Ziele

1. Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen durch den Hallux valgus beseitigen:

Die Patienten wollen nach der Operation wieder anatomisch normale, begradigte und kosmetisch ansprechende Füße haben, die in Sport und Alltag belastbar sind. Dafür ist ein operativer Eingriff an den Weichteilen (Sehnen, Gelenkkapsel) notwendig.

2. Stellungskorrektur (Osteotomie) der Zehenknochen:

Die wichtige Stellungskorrektur soll dem Verschleiß (Arthrose) des Großzehengrundgelenks und den Problemen des Vorfußes (wie Hammerzehen und Mittelfußschmerzen) vorbeugen. Eine dauerhafte Normalisierung des Gangbildes und der Mechanik des Abrollvorgangs beim Gehen ist das Ziel.

3. Stabilisierung des Großzehengrundgelenks bei Arthrose:

Durch die Hallux valgus-Fehlstellung kann das wichtige Großzehengrundgelenk eine Arthrose (Gelenkverschleiß) erleiden. Diese kann man entweder gelenkerhaltend behandeln (Arthroskopie) oder das Gelenk versteifen (Arthrodese). Daneben gibt es die Versorgung mit Vollprothesen und Teilprothesen (Hemiprothesen).

OP-Verfahren zur Korrektur des Hallux valgus

Weichteileingriffe: Behandlung von Sehnen und Gelenkkapsel an der Großzehe

Anspannung der GelenkkapselRaffung der Gelenkkapsel bei der Hallux valgus-Operation © Gelenk-Klinik.de

Die Kapsel um das Großzehengrundgelenk hat sich durch die Fehlstellung bereits so verengt, dass die Fehlstellung kontrakt, also nicht mehr aktiv durch die eigene Muskelkraft des Patienten zurückführbar ist. Die Lösung und Erweiterung der Gelenkkapsel und die Längenanpassung der Sehnen, die die Großzehe steuern, sind also wesentliche Schritte, um die Großzehe wieder dauerhaft zu begradigen.

Beim Hallux valgus verändert sich die Gelenkkapsel. Auf der Seite des Knicks im Großzehengrundgelenk (rot in der nebenstehenden Zeichnung) ist die Kapsel überdehnt, auf der Gegenseite ist sie kontrahiert. Diese Veränderung der Gelenkkapsel muss durch Raffung und Erweiterung korrigiert werden. Die betroffenen Sehnen (gelb) benötigen ebenfalls eine Längenkorrektur.

Osteotomie: Umstellung der Knochen in eine neue Position

Umstellung (Osteotomie) des ZehenknochensOsteotomie: Nach einem Schnitt im Knochen (rote Linie) kann die Richtung des Zehenstrahls dauerhaft neu ausgerichtet werden. Dies kann den Hallux valgus nach der Einheilung dauerhaft beseitigen. Die hier gezeigte Chevron-Osteotomie ist eine von vielen Umstellungsmöglichkeiten, die je nach Einzelfall zur Anwendung kommen können. © Gelenk-Klinik

Bei der chirurgischen Osteotomie werden Mittelfuß- und Zehenknochen durchtrennt und in einer neuen, gewünschten Richtung wieder zusammengesetzt. Schrauben, Drähte oder kleine Metallschienen stabilisieren die Knochen, bis sie in der neuen Position eingeheilt sind.

Cheilektomie: Gelenkerhaltende Arthroskopie des Großzehengrundgelenks

Wenn der Gelenkknorpel noch zu mehr als 50 % erhalten ist, kann eine gelenkerhaltende, minimalinvasive Gelenkspiegelung des Großzehengrundgelenks durchgeführt werden. Die Knochensporne werden, falls vorhanden, abgetragen. Eine klare Prognose kann teilweise erst während der Cheilektomie nach direkter Sicht auf das Gelenk gegeben werden. Ist die Schädigung bereits zu stark, bessern sich die Beschwerden durch diesen Eingriff meist nicht.

Arthrodese: Versteifung des Großzehengrundgelenks

Schwere Hallux valgus-Fehlstellungen und Arthrose des Großzehengrundgelenks erfordern manchmal, dass das Gelenk ganz entfernt und versteift wird. Diese Versteifung erfolgt durch Fusion der Gelenkpartner, also der Knochen, die in dem Gelenk aufeinandertreffen. Bei Bedarf stellt der Eingriff einen Winkel her, der auch das Tragen höherer Absätze ohne Bewegungseinschränkungen zulässt.

Miniinvasive Operationstechnik mit kleinsten Schnitten und minimaler Narbenbildung

Der medizinische Fortschritt ermöglicht heute viele unterschiedliche Methoden zur Hallux valgus-Operation.

Die vielversprechendste Technik wurde in den letzten Jahren neu entwickelt. Sie ist international bewährt, wird aber bislang nur in wenigen deutschen Kliniken angewandt: die sogenannte miniinvasive Hallux valgus-Chirurgie. Der Einsatz von kleinsten (ca. 2 mm großen) Instrumenten, ähnlich zahnärztlichen Geräten, kann Weichteilverletzungen bei der Hallux-Operation deutlich reduzieren. Dies verkürzt auch die Heilungszeit und es treten weniger Komplikationen auf.

Das Besondere: Bei dieser Hallux valgus-Operation werden bei milden Fehlstellungen keine Schrauben gesetzt. So ist keine Nachoperation zur Schraubenentfernung erforderlich.

Durch den Einsatz kleinster Werkzeuge erfolgt die bei dem Hallux valgus erforderliche Korrekturosteotomie mit minimalen Haut- und Weichteilverletzungen. Die Heilungszeit und die Komplikationsrate verringern sich. Die Wundheilung ist wegen der geringen Weichteilverletzungen beschleunigt.

Ist Hallux valgus ein kosmetisches oder medizinisches Problem?

Hallux valgus UntersuchungIm Anfangsstadium ist der Hallux valgus für viele lediglich ein kosmetisches Problem. Die Fehlstellung kann lange schmerzfrei bleiben. Mit der Zeit verstärkt sich die Fehlstellung. Die Schäden an Großzehengrundgelenk und Vorfuß nehmen aber laufend zu. Wir empfehlen daher eine frühzeitige Korrektur der Großzehenstellung durch Fußgymnastik, Hallux-valgus-Schienen oder durch eine operative Stellungskorrektur, bevor bleibende Schäden am Großzehengrundgelenk auftreten. © Gelenk-Klinik

Ein Hallux valgus ist nicht immer schmerzhaft. Für viele Betroffene stellt er – zumindest anfangs – in erster Linie ein kosmetisches Problem dar, das in offenen Schuhen sichtbar wird. Der Hallux valgus muss den Alltag aber nicht beeinträchtigen.

Kosmetisch ansprechende und schonende Hallux valgus-Chirurgie

Vorteile einer minimalinvasiven Operation des Hallux valgus:

  • möglichst wenig Implantatmaterial
  • minimale Hautschnitte
  • kurze Nähte
  • geringe Narbenbildung
  • Naht im nicht sichtbaren Bereich der Großzehe

Eine rein kosmetische Indikationsstellung für eine Begradigung des Hallux valgus ist aus unserer Sicht nicht sinnvoll. Mit jeder Operationen sind allgemeine medizinische Risiken und postoperative Einschränkungen im Alltag verbunden. Der Wunsch nach einem guten kosmetischen Ergebnis findet aber selbstverständlich bei uns Beachtung und hat eine hohe Priorität. Die kosmetisch optimale Operation verläuft immer möglichst gewebeschonend: Hautschnitte, Narbenbildung und Implantatmaterial werden so klein wie möglich gehalten.

Aufgrund des progredienten (fortschreitenden) Verlaufs des Hallux valgus ist eine konservative oder operative Begradigung der Großzehe auch dann schon ratsam, wenn noch keine starken Schmerzen auftreten.

Je später die Korrektur der Großzehenstellung erfolgt, desto gravierender sind die Folgeschäden, die am Großzehengelenk und dem Vorfuß der meist weiblichen Patienten auftreten.

Literaturangaben
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