Orthopädische Gelenk-Klinik

Orthopädische Gelenk-Klinik

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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Hallux valgus: Konservativ behandeln oder operieren?

  1. Was ist ein Hallux valgus? Das Überbein am Goßen Zeh
  2. Entstehung und Ursachen des Hallux valgus
  3. Symptome und Fußschmerzen mit Hallux valgus
  4. Diagnose und Untersuchung des Ballenzehs
  5. Konservative Therapie des Hallux valgus
  6. Hallux valgus Operation: Operationsziele und Verfahren

Der Hallux valgus ist eine Fehlstellung des Großzehengrundgelenks. Die Großzehe weicht dabei nach außen ab und verdrängt die anderen Zehen. Durch die Entzündung des Großzehenballens aufgrund der Fehlstellung besteht die Gefahr einer Großzehenarthrose (Hallux rigidus). Wenn der Patient in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist und die Fehlstellung nicht durch konservative Behandlung (z. B. Physiotherapie oder Orthesen) therapiert werden kann, muss man eine Operation in Betracht ziehen. Der Fußspezialist richtet bei der Hallux valgus Operation die schief gestellte Großzehe wieder gerade aus (Osteotomie) und normalisiert den Zug der Sehnen und Muskeln.

Hallux valgus: Das Überbein am großen Zeh

Röntgenbild eines schweren Hallux valgusAbb. 1: Der Hallux valgus (lat. “Schiefzehe”) ist die Fehlstellung der Großzehe im Großzehengrundgelenk. Charakteristisch ist der Knick der Großzehe nach außen. Durch den zunehmenden Konflikt mit dem Schuh entsteht durch Reibung eine Entzündung des Schleimbeutels (Bursa) im Großzehengrundgelenk. Häufig ist der Hallux valgus von einer Schwellung begleitet. © Gelenk-Klinik.de

Der Der Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung des Vorfußes und der Zehen. Wegen seiner auffälligen Form nennt man ihn auch auch Ballenzeh oder Überbein.

Dabei "tanzt" der große Zeh aus der Reihe und neigt sich in Richtung Fußaußenrand. Am Großzehengrundgelenk (dem Metatarsophalangealgelenk) tritt beim Hallux valgus das oft schmerzhaft entzündete und geschwollene Mittelfußköpfchen hervor und drückt gegen den Schuh. 23% der 18-65 Jährigen oder mehr als 35% der über 65-Jährigen haben einen Hallux valgus.

Die Großzehensehne verläuft bei dem Hallux valgus nicht mehr gerade durch das Großzehengrundgelenk. Die Großzehe weicht also von ihrer normalen Ausrichtung ab.

Wichtige Begriffe

  • Hallux valgus:
    Schiefzehe, Ballenfuß. Die Großzehe ist zum Fußaussenrand hin abgeknickt.
  • Exostose (Überbein):
    Das Großzehengrundgelenk tritt hervor, sodass es gegen den Innenrand des Schuhs drückt.
  • Spreizfuß:
    Die Knochenstrahlen des Mittelfußes weichen auseinander und das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe) sinkt ab. Der Hallux valgus entwickelt sich immer auf der Grundlage eines Spreizfußes.
  • Metatarsalgie:
    Metatarsalgie bedeutet Mittelfußschmerz – dieser entsteht beim Hallux valgus durch die Verlagerung des Gewichts beim Gehen von der Großzehe hin zu den Kleinzehen.
  • Bursitis - Schleimbeutelentzündung :
    Die Schleimbeutel schützen Knochen und Sehnen vor Druck und Reibung. Durch eine Exostose am Zehenballen vergrößert sich der Schleimbeutel. Er kann anschwellen und sich schmerzhaft entzünden (Bursitis).

Am Großzehengrundgelenk bildet sich dadurch häufig eine schmerzhafte, entzündete Vorwölbung. Dieser hervortretende Zehenballen ist eine Begleiterscheinung des Hallux valgus.

Ist Hallux valgus ein kosmetisches oder ein medizinisches Problem?

Hallux valgus UntersuchungIm Anfangsstadium ist der Hallux valgus für viele lediglich ein kosmetisches Problem. Die Fehlstellung kann lange schmerzfrei bleiben. Mit der Zeit verstärkt sich die Fehlstellung. Die Schäden an Großzehengrundgelenk und Vorfuß nehmen aber laufend zu. Eine frühzeitige Korrektur der Großzehenstellung durch Fußgymnastik, Hallux valgus-Schienen oder durch eine operative Stellungskorrektur wird deswegen empfohlen, bevor bleibende Schäden am Großzehengrundgelenk auftreten. © gelenk-klinik.de

Ein Hallux valgus ist nicht immer schmerzhaft. Für viele Betroffene stellt er – zumindest anfangs – in erster Linie ein kosmetisches Problem dar, das in offenen Schuhen sichtbar wird. Der Hallux valgus muss den Alltag aber nicht beeinträchtigen.

Kosmetisch ansprechende und schonende Hallux valgus-Chirurgie

Hallux valgus Operation - kosmetische Ziele
  • Möglichst wenig Implantatmaterial.
  • Minimale Hautschnitte.
  • Kurze Nähte.
  • Geringe Narbenbildung.
  • Naht im nicht sichtbaren Bereich der Großzehe.

Eine rein kosmetische Indikationsstellung für eine Hallux valgus-Begradigung ist aus unserer Sicht nicht sinnvoll. Mit jeder Operationen sind allgemeine medizinische Risiken und postoperative Einschränkungen im Alltag verbunden. Der Wunsch nach einem guten kosmetischen Ergebnis findet aber selbstverständlich bei uns Beachtung und hat eine hohe Priorität. Die kosmetisch optimale Operation verläuft immer möglichst gewebeschonend: Hautschnitte, Narbenbildung und Implantatmaterial werden so klein wie möglich gehalten.

Aufgrund des progredienten (fortschreitenden) Verlaufs des Hallux valgus ist eine konservative oder operative Begradigung der Großzehe auch dann schon ratsam, wenn noch keine starken Schmerzen auftreten.

Je später die Korrektur der Großzehenstellung erfolgt, desto gravierender sind die Folgeschäden, die am Großzehengelenk und dem Vorfuß der meist weiblichen Patienten auftreten.

Dem Hallux valgus vorbeugen

  • Schuhe mit hohen Absätzen nicht täglich tragen
  • Absatzhöhe variieren
  • Möglichst häufig Barfußlaufen
  • Fußgymnastik und Kräftigung der Fußmuskulatur anstreben

Im Anschluss lesen Sie, bis zu welchem Stadium der Hallux valgus konservativ (mit Schienen und Fußübungen) therapiert werden kann und ab wann wir eine operative Korrektur der Großzehe empfehlen.

Symptome des Hallux valgus

  • Das Großzehengrundgelenk ist gerötet und der Ballen vergrößert.
  • Die aktive Beweglichkeit der Großzehe ist eingeschränkt, bis hin zur Versteifung.
  • Die Großzehe weicht zur Seite hin ab.
  • Die Großzehe ist um die eigene Achse rotiert, also verdreht.
  • Unter den Zehenballen/dem Mittelfuß der 2. - 4. Zehe treten Rötungen und Schwielenbildung auf.

Entstehung und Ursachen des Hallux valgus

der Spreizfuß und dadurch der Hallux valgus entsteht häufig durch das Tragen ungeeigneter Schuhe.Das Tragen von hohen Schuhen begünstigt den Spreizfuß – und dadurch der Hallux valgus. Hohe Absätze bringen das gesamte Körpergewicht auf den Vorfuß und erhöhen den Druck auf die Großzehengrundgelenke. © Gelenk-Klinik

Der Hallux valgus entsteht immer als Folge eines Spreizfußes. Dabei sinkt das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe) ein. Die Zehenköpfchen kommen flach auf dem Boden zu liegen und die Zehen stehen gespreizt nach außen ab.

Durch den Zug der Sehne dreht sich der Großzeh bei einem Hallux valgus aus dem Großzehengrundgelenk heraus – ähnlich wie ein gespannter Bogen. Er neigt sich nach außen, in Richtung der anderen Zehen. Die benachbarten Zehen werden durch den einwärts gedrehten Großzeh verdrängt und erleiden ebenfalls Fehlstellungen. Ein Hallux Valgus tritt daher oft in Verbindung mit Hammer- und Krallenzehen auf.

Hallux valgus: Die Sehne des Großzehens verläuft im Winkel zum Großzehengrundgelenk.Abb. 2: Hallux valgus: Die Sehne des Großzehs verläuft im Winkel zum Großzehengrundgelenk (hier in gelb dargestellt). Die Sesambeinchen, die die Zehenbeugesehne führen (blaue Punkte mittig im Bild), sind nicht mehr rechts und links von der Großzehe, sondern deutlich nach außen verschoben. Die Zehe dreht sich aus dem Großzehengrundgelenk heraus wie ein Bogen, der zunehmend durch die Sehne gespannt wird. © Gelenk-Klinik.de

Hallux rigidus: Arthrose des Großzehengrundgelenks

Durch die Fehlstellung kommt es zu Abnutzungen im Großzehengrundgelenk. Arthrose und eine schmerzhafte Versteifung des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus)) führen.

Häufig tritt der Hallux valgus in schmerzhafter Kombination mit Schleimbeutelentzündung und Arthrose auf. Der am Großzehengrundgelenk stark hervortretende Ballen an der Innenseite des Fußes ist namensgebend für den Ballenzeh.

Rolle der Sesambeine beim Hallux valgus

Die nebenstehende Abbildung (Abb. 2) zeigt den Winkel zwischen dem Verlauf der Großzehe und der Zehenbeugersehne. Deutlich sichtbar ist auch die Fehlstellung der Sesambeinchen. Diese kleinen Knöchelchen sind frei an mehreren Sehnen aufgehängt und agieren als Gleitlager dieser Sehnen. Sie liegen unter dem Großzehengrundgelenk und nehmen normalerweise den Zehenstrahl in ihre Mitte.

Je stärker die Sesambeinchen nach außen verschoben sind, desto ausgeprägter ist die Hallux valgus-Fehlstellung. Wenn sie nicht mehr als Gleitlager für die Sehnen der Großzehe funktionieren, kann der Fuß beim Gehen über die Großzehe nicht mehr normal abrollen. Die kleineren Zehen tragen immer mehr Last. Diese Gewichtsverlagerung weg von der Großzehe kann als Folge des Hallux valgus zu Mittelfußschmerzen, also zu einer sogenannten Transfermetatarsalgie führen.

Ursachen des Hallux valgus: Verletzungen, Schuhmode und Bindegewebsschwäche

Es gibt zahlreiche Ursachen des Hallux valgus, die sich gegenseitig überlagern. Der Hallux valgus kann in Familien vererbt werden: Es gibt also eine genetische Komponente bei der Entstehung. Damit sich diese Veranlagung durchsetzt, müssen aber auch Umwelteinflüsse gegeben sein, die die Entwicklung des Fußes belasten.

Lebensweise und Erblichkeit

Etwa 90% aller Patienten mit Hallux valgus berichten familiäres Vorkommen. Dennoch ist die Verursachung nicht rein erblich, denn niemand kommt mit Ballenzehen zur Welt. Es gibt also immer Faktoren aus der Umwelt und Lebensweise, die den Hallux valgus entstehen lassen. In nicht schuhtragenden Kulturen gibt es so gut wie keinen Hallux valgus.

Eine häufige Ursache für den Hallux valgus oder Ballenfuß ist eine vererbte Bindegewebsschwäche. Davon sind auch die Bänder betroffen, die am Fuß das Längs- und Quergewölbe stabilisieren. Ein sogenannter Spreizfuß entsteht, bei dem das vordere Quergewölbe des Fußes eingesunken ist. Die Zehen zeigen nicht mehr in ihrer natürlichen Ausbreitungsrichtung nach vorne. Der Spreizfuß ist daher der häufigste Ausgangsbefund eines Hallux valgus.

Fußfehlstellungen, die nach Unfall- oder Fußverletzungen (z. B. Knochenbrüchen) entstehen, können einen Hallux valgus ebenfalls begünstigen. Auch entzündlich veränderte Gelenke (Arthritis) können den Hallux valgus verursachen.

Auslöser des Hallux valgus:

  • Erworbene Fehlstellung, z.B. durch Schuhe mit hohen Absätzen.
  • Erbliche Veranlagung (häufigeres Auftreten in bestimmten Familien).
  • Frauen sind viel häufiger betroffen wegen dem schwächeren Bindegewebe.
  • Ein Spreizfuß oder ein Knickfuß begünstigen den Hallux valgus.
  • Ein Unfall kann die Ursache des Hallux valgus sein.
  • Arthritische Gelenkveränderungen können die Ursache des Hallux valgus sein.
  • Einige neurologische Erkrankungen können zu Hallux valgus führen (z.B. Morbus Charcot-Marie-Tooth).
  • Überlastung des Großzehengrundgelenks durch einen Hohlfuß kann zu Hallux valgus führen.

Das jahrelange Tragen zu enger Schuhe mit hohen Absätzen begünstigt häufig die Entstehung des Hallux valgus. Weil ein großer Teil des Körpergewichts nicht mehr auf der Ferse und dem Längsgewölbe des Fußes lastet, sondern auf den empfindlichen Vorfuß drückt, verliert das vordere Quergewölbe seine Stabilität: Ein Spreizfuß entsteht.

Deshalb sind überwiegend Frauen vom Hallux valgus betroffen. Der große Zeh wird ständig in Richtung der anderen Zehen gedrückt. Dadurch verändern die ansetzenden Muskeln ihre Zugrichtung und ziehen den Zeh weiter nach außen.

Weitere belastungsabhängige Faktoren tragen zur Entstehung des Hallux valgus bei: Übergewicht und langes Stehen können die Bänder im Vorfuß destabilisieren und das Quergewölbe absinken lassen.

Wer bekommt einen Hallux valgus?

Von Hallux valgus sind überwiegend (zu 90 %) Frauen betroffen. Die Häufigkeit des Hallux valgus steigt mit zunehmendem Alter deutlich. Teilweise sind jedoch schon sehr junge Frauen und Männer betroffen. In diesen Fällen liegt keine Überlastung, sondern genetische Ursachen zugrunde.

Der Hallux valgus tritt in Ländern, in denen Barfußlaufen oder bequeme, offene Schuhen bzw. Sandalen bevorzugt werden, nur selten auf. In Japan oder China, in denen besonders kleine und schmale Füße als schick gelten, kommt er hingegen häufig vor.

Symptome und Fußschmerzen mit Hallux valgus?

Bei Hallux valgus wird die schmerzhafte Großzehe entlastet. Man spricht von Insuffizienz der GroßzeheAbb. 3: Beim Hallux valgus wird die schmerzhafte Großzehe entlastet. Man spricht von einer Insuffizienz der Großzehe. Stattdessen werden die kleineren Zehen beim Abrollen des Fußes stärker beansprucht. Dadurch entstehen die in diesem Bild rot eingezeichneten Druckstellen nicht nur seitlich am Großzehengrundgelenk, sondern auch an den Zehenballen der kleinen Zehen. © Gelenk-Klinik.de

Der Hallux valgus stellt zwar eine häufige Fußerkrankung dar, führt aber nicht bei allen Betroffenen zu starken Beschwerden.

Die Fehlstellung der Zehen stört häufig die weiblichen Patienten: Der Fuß verliert seine typische Form und sieht unschön aus.

Beschwerden in Verbindung mit dem Hallux valgus treten meistens oberhalb des Großzehengrundgelenks auf. Dieses tritt oft stark hervor und reibt am Schuhinnenrand. Dadurch entzündet es sich leicht. Der Zehenballen ist beim Hallux valgus gerötet und geschwollen.

Schmerzen beim Hallux valgus

Der Hallux valgus ist meistens nicht direkt schmerzhaft. durch die Überlastung von Weichteilgeweben (Schleimbeutel) und durch die veränderte Biomechanik des Abrollverhaltens werden jedoch benachbarte Strukturen übermäßig belastet, entzündlich verändern und verschleißen.

Ursachen des Hallux valgus Schmerzes:

  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Arthrose des Großzehengrundgelenks(Hallux rigidus)
  • Überlastungsschmerzen des Mittelfußes (Metatarsalgie)
  • Krallenzehen, Hammerzehen

Beim Hallux valgus wird sich die Schwellung der Schleimbeutel und Weichteile zunehmend verstärken. Dies verschlimmert wiederum die Reibung des Fußballens am Schuh. Als Reaktion auf diese Reibung schwillt der Schleimbeutel (Bursa) am Großzehengrundgelenk weiter an. Seine Aufgabe ist es, Knochen und Gelenke vor Druck und Reibung zu schützen. Der Patient steckt im Teufelskreis. Die Bursitis (Schleimbeutelentzündung) ist sowohl als bakterielle als auch als nichtbakterielle Infektion sehr schmerzhaft. Vor allem an der gewichttragenden Stelle am Großzehengrundgelenk und in ständiger Reibung mit dem Schuh gehört sie zu den unangenehmsten Schmerzerfahrungen überhaupt.

Typisches Symptom einer schweren Hallux valgus Fehlstellung ist der Knick des Großzehens nach außen. Die Fehlstellung der Großzehe und der resultierende hervortretende Zehenballen sind die namensgebenden Symptome des Hallux valgus. © Gelenk-Klinik

Eine weitere Schmerzquelle beim Hallux valgus ist die stetig zunehmende Arthrose im Großzehengrundgelenk. Der Knorpel im Großzehengrundgelenk dünnt durch Abrieb immer stärker aus. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist es möglich, dass die Arthrose im Großzeh sich entzündet. Dies ist besonders schmerzhaft.

Durch die Gewichtsverlagerung weg von der Großzehe werden die vier kleineren Zehen überlastet. Dies kann einen Mittelfußschmerz verursachen (sog. Transfermetatarsalgie).

Hallux valgus-Schmerzen entstehen zu Beginn nur bei bestimmten Belastungen, also wenn beim Gehen konkret Druck auf das Gelenk ausgeübt wird. In späteren Stadien kann zudem ein quälender Ruheschmerz belastungsunabhängig auftreten.

Ästhetische und kosmetische Probleme durch Hallux valgus

  • Rötung und Schwellung des Zehenballens
  • Hervortreten des Zehenballens (Exostose)
  • Fehlstellung der Großzehe
  • Fehlstellung der benachbarten Kleinzehen unter dem Druck des Hallux valgus (z.B. Hammerzehen)
  • Unschöne Form des Fußes
  • Verändertes Gangbild

Auch am Fußinnenrand über dem ersten Mittelfußknochen können Schmerzen mit Schwellungen und Rötungen auftreten. Hallux valgus-Patienten kaufen Ihre Schuhe daher gerne ein oder zwei Größen zu groß, um die schmerzhafte Reibung zu vermindern.

Die Schmerzen und Symptome beim Hallux valgus sind nicht unbedingt abhängig vom Grad der Fehlstellung. Oft sind hochgradige Fehlstellungen noch schmerzfrei, während bei anderen Patienten bereits kleine Abweichungen starke Fußschmerzen auslösen.

Diagnose des Hallux valgus

Hallux valgus Röntgenbild Röntgenbild eines schweren Hallux valgus: Man erkennt die Fehlstellung der Sesambeinchen, die den Großzehen nicht mehr in ihre Mitte nehmen, sondern daneben liegen. © Gelenk-Klinik.de

In der Regel erkennt auch der Laie einen Hallux valgus auf den ersten Blick. Für den Orthopäden ist die Fehlstellung meist schon beim Betrachten des Fußes ersichtlich. Der Hallux valgus geht mit einem sichtbar vergrößerten Winkel im Großzehengrundgelenk einher. Die Beschwerden des Patienten bestätigen die Vermutung des Arztes.

Hallux valgus-Patienten weisen zudem meist begleitende Fehlstellungen des Fußes auf: Der Spreizfuß mit sichtbarem Abbau des vorderen Fußquergewölbes und eingesunkenen Mittelfußköpfchen tritt regelmäßig gemeinsam mit dem Hallux valgus auf.

Auch andere Störungen des Fußgewölbes begleiten den Hallux valgus. Der Knickfuß beispielsweise ist eine Störung des Fußlängsgewölbes. Dabei erkennt der Arzt bei flach auf dem Boden aufliegender Fußsohle eine X-Stellung der Ferse mit einem charakteristisch eingesunkenen Längsgewölbe.

Hallux valgus Pedobarografie Diese podometrische Untersuchung (Fußdruckmessung) zeigt eine typische Transfermetatarsalgie: Die Großzehe wird auf der rechten Seite nicht mehr belastet. Das Gewicht verschiebt sich auf die benachbarten Kleinzehen. © Gelenk-Klinik.de

Hallux valgus Patienten klagen häufig über belastungsabhängige Fußschmerzen bei längerem Stehen oder Gehen.

Zudem erkundigt sich der Orthopäde nach Familienmitgliedern, die einen Hallux valgus haben, da eine erbliche Veranlagung bestehen kann.

Zusätzliche Sicherheit bei der Diagnose des Hallux valgus gibt ein Röntgenbild des Fußes. Dieses zeigt das genaue Ausmaß der Fehlstellung. Dabei misst der Arzt im Stehen – also unter Belastung – die genaue geometrische Abweichung der Hallux valgus-Fehlstellung von der Normalstellung. Diese Abweichung bezeichnet der Mediziner als Hallux valgus-Winkel. Die Kernspintomographie (MRT) kann Knorpelschäden, Weichteileinklemmungen und Knochenschädigungen feststellen.

Die Kernspintomographie (MRT) kann Knorpelschäden, Weichteileinklemmungen und Knochenschädigungen feststellen.

Von links nach rechts zunehmende Fehlstellung der Großzehe (Hallux valgus Fehlstellung
  • Eine Großzehenstellung mit einem Winkel von bis zu 10° gilt noch als normal.
  • Eine milde Hallux valgus Fehlstellung liegt zwischen 16-20°.
  • Eine mittlere Hallux valgus Fehlstellung weicht 21°-40° ab.
  • Eine schwere Hallux valgus Fehlstellung weicht über 40° ab.

Klinischen Untersuchung des Hallux valgus durch den Fußspezialisten

  • Großzehe weicht um mehr als 10° nach außen ab.
  • Oft zusätzliche Verdrehung der Großzehe um die eigene Achse
  • Der erste Mittelfußknochen am inneren Fußrand steht hervor.
  • Hornhautüberzogene Vorwölbung am Zehengrundgelenk innen.
  • Teilweise entzündete, gerötete Haut- und Schleimbeutelschwellung .
  • Abflachung des Fußquergewölbes und Spreizung des Vorfußes
  • Verminderte Beweglichkeit bzw. Fixiertheit der Fehlstellung.
  • Fehlstellung benachbarter Zehen.
  • Rotation der Hallux valgus-Zehe um die Längsachse
  • Typische Schwielenmuster (Hornhautverteilung)

Bei der Tastuntersuchung des Hallux valgus (Palpation) erhält der erfahrene Orthopäde weitere Informationen über den Zustand des Großzehengrundgelenks. Dabei achtet er auf bestimmte Auffälligkeiten.

Diese Fragen beantwortet die Tastuntersuchung des Hallux valgus:

  • Wie ausgeprägt ist bereits der Fixationsgrad, d.h. die Versteifung des Hallux valgus?
  • Besteht die Möglichkeit, den Großzeh aus der Hallux valgus-Fehlstellung in seine normale Stellung zu führen?
  • Wie ausgeprägt ist die Drehung des Hallux valgus?
  • Wie stabil ist die Befestigung des ersten Mittelfußknochens an der Fußwurzel? Hier kann eine Instabilität als wichtiger Faktor für unzureichende Korrekturen im Rahmen von bisherigen Operationen untersucht werden. Der Hallux valgus hat in dieser Instabilität häufig seinen Ausgangspunkt.
  • Sind bereits Knochenanbauten (Osteophyten) als Zeichen für eine Arthrose im Großzehengelenk zu finden?
  • Bestehen bereits verschleißbedingte Folgeerkrankungen?
  • Sind die Sesambeine verschiebbar?
  • Sind bereits Arthrosen der Mittelfußknochen unter dem ersten Zehenstrahl sichtbar?

Prognose des Hallux valgus

Die Prognose des Hallux valgus hängt von Stadium und Patientengruppe ab.

Bei jungen Patientinnen mit einer noch beweglichen, also aktiv rückführbaren Fehlstellung der Großzehe besteht eine gute Aussicht auf eine Korrektur ohne Operation. Mit physiotherapeutischer Fußgymnastik und konservativer Behandlung kann das Fußgewölbe aufgerichtet und die Hallux valgus-Stellung korrigiert werden.

Bei älteren Patientinnen mit einer bereits kontrakten – also nicht mehr aktiv rückführbaren –- Fehlstellung kann die Hallux valgus-Operation Schmerzfreiheit erreichen und die Zehenfehlstellung dauerhaft normalisieren. Die Resultate der operativen Hallux valgus-Korrektur sind bei angemessener Durchführung sehr gut.

Der Hallux valgus hat einen sich selbst verstärkenden Verlauf

Durch die Abweichung der Großzehe von der Normalrichtung wird der Grad der Hallux valgus Fehlstellung ermittelt.

Der Ballenfuß – die für Hallux valgus charakteristische Vorwölbung des Zehengrundgelenks an der Fußinnenseite – verstärkt sich durch den Sehnenzug am Großzehen immer weiter. Die Zugverhältnisse der Sehnen und Muskeln verschlimmern die Fehlstellung stetig, je weiter die Großzehe nach außen abweicht.

Zu Beginn der Fehlstellung ist der Hallux valgus noch beweglich und passiv ausgleichbar. Doch mit zunehmendem Fortschreiten versteift die Großzehe permanent und krümmt sich immer weiter. Bei jedem Schritt entsteht am Ende des Abrollvorganges ein maximaler Zug auf die Sehne, der die Hallux valgus-Fehlstellung weiter verstärkt.

Die beim Hallux valgus unnatürliche Form des Großzehengrundgelenks und des Vorfußes beeinträchtigen die normale Funktion des Fußes. Die Fehlstellung betrifft den Abrollvorgang, die Gewichtsverteilung und die Koordination des Ganges.

Dauerhafte Reizungen der Haut, des Schleimbeutels und der Gelenkkapsel resultieren aus einem unerkannten und unbehandelten Hallux valgus. Nichtbakterielle und bakterielle Schleimbeutelentzündungen (Bursitis) und Kapselausdünnung können zu weiteren Beschwerden führen.

Der Hallux valgus kann die benachbarten Zehen verdrängen

Ein Hallux valgus kann auch die benachbarten Zehen verdrängen, überlagern oder deformieren. Die typischen Hammer- und Krallenzehen sind eine Folge.

Transfermetatarsalgie: Schmerzen durch Überlastung der kleineren Zehen

Wenn der erste Zehenstrahl der Großzehe nach außen abweicht, verändert sich auch die Belastung der übrigen Mittelfußknochen: Sie tragen beim Abrollvorgang eine höhere Last, für die eigentlich nur die Großzehe ausgelegt ist. Diese Gewichtsverlagerung kann zu Mittelfußschmerzen führen. Man spricht hier von der Transfermetatarsalgie als Folge des Hallux valgus.

Vor allem der 2. Mittelfußknochen kann bei einem Hallux valgus in Mitleidenschaft gezogen werden. Direkte Folge ist dann eine Krallenstellung des zweiten Zehs (siehe Abbildung) mit massiver Überlastung und Schmerzsyndrom des Mittelfußes (Metatarsalgie). Viele Patienten nehmen in diesem Fall fälschlich an, dass der Hallux valgus eigentlich beschwerdefrei ist und nur der Mittelfuß schmerzt. Doch die Ursache bei diesen Metatarsalgien ist stets die Fehlstellung des Großzehen. Dort muss die Behandlung ansetzen.

Konservative Therapie des Hallux valgus

Was sind die Therapieziele bei Hallux valgus?

  • Reduktion der Schmerzen, die durch den Hallux valgus entstehen.
  • Fortschreiten der Fehlstellung verlangsamen
  • Fehlstellung korrigieren
  • Funktion und Belastbarkeit der Großzehe und des Großzehengrundgelenks wiederherstellen

Es gibt zahlreiche Hallux valgus-Therapien. Welche Behandlung jeweils für den Patienten geeignet ist, entscheidet der Orthopäde ausgehend vom jeweiligen Grad des Hallux valgus, den vorhandenen Begleiterkrankungen und der Situation des Patienten. Die beste Behandlung ist natürlich die Vorbeugung.

Behandlungsmöglichkeiten des Hallux valgus

  • Orthopädietechnik: Schuhzurichtung
  • Physiotherapie: Fußschule und Zehengymnastik
  • Hallux valgus Schienen (Orthesen)
  • Einlagen zur Behandlung des Spreizfußes
  • NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zur Schmerztherapie

Durch Übungen, die die freie Beweglichkeit der Großzehe in alle Richtungen fördern, kann man dem Entstehen des Hallux valgus wirksam vorbeugen. Die wenigsten führen aber solche präventiven Übungen ab dem Jugendalter durch. Ist der Hallux valgus erst einmal aufgetreten, lindern konservative Therapien lediglich die Symptome. Eine Rückstellung des Hallux valgus ist dann nicht mehr möglich.

Therapien helfen im Anfangsstadium des Hallux valgus

Hallux valgus SchieneDie Hallux valgus Schiene kann die Schiefzehe wieder begradigen. © Bauerfeind

Wird der Hallux valgus bereits im Anfangsstadium erkannt, kann der Orthopäde die Fehlstellung durch konservative Therapien behandeln. Zuallererst gehört dazu im Alltag das Tragen von Schuhwerk mit flachen Absätzen und genügend Freiraum für die Zehen.

Bei leichter Ausprägung des Hallux valgus können spezielle Einlagen das vordere Fußgewölbe stützen und das Fortschreiten des Spreizfußes aufhalten.

Einlagen und Orthesen bei Hallux valgus

  • Zehenspreizer
  • Zehenpolster
  • Einlagen mit Abstützung
  • Ballenrolle
  • Orthesen (Hallux-Schienen)

Zudem gibt es auch Hallux valgus-Schienen, die den Druck des großen Zehs auf die benachbarten Zehen vermindern.

Hallux valgus-Schuhe haben flache Absätze. Sie sind im Vorfuß- und Zehenbereich ausreichend breit und erlauben den Zehen eine große Beweglichkeit.

Wirkung der Hallux valgus Orthese auf die GelenkkapselDie entspannende Wirkung der Hallux valgus Orthese auf die Gelenkkapsel. © Gelenk-Klinik

Gymnastik und Barfußgehen können vor allem in frühen Stadien den weiteren Verlauf des Hallux valgus verbessern. Die Aktivierung und die natürliche Spannung der Fuß- und Zehenmuskeln stärken das vordere Fußgewölbe und richten es auf. Die natürliche Form des Fußes kommt nicht nur durch das Skelett zustande: Ab dem Jugendalter sind gut trainierte, aktive Fußmuskeln erforderlich, um Form und Stabilität des Fußgewölbes herzustellen. Nur intakte Fußgewölbe können verhindern, dass der Hallux valgus fortschreitet.

Für die Behandlung des Hallux valgus ist eine konsequente Hautpflege der Druckstellen sehr wichtig. Schwellungen und damit Reibung am Schuh verursachen Schmerzen. Daher sind abschwellende und hautpflegende Maßnahmen von zentraler Bedeutung für die konservative Behandlung der Hallux valgus-Schmerzen.

 Einlage bei hallux valgus entlastet das Großzehengrundgelenk

Spezielle Hallux valgus Schuhe, die dem Ballenzehen mehr Raum geben, können Reibung vermindern und daher Schwellung, Entzündung und Hallux valgus Schmerzen reduzieren.

Wirkung einer Einlage bei hallux valgusFuß wird im Schuh (grün) dargestellt. Durch die Einlage bei Hallux valgus wird das vordere Fußgewölbe unterstützt. Die Biomechanik der Zehen wird wieder normalisiert. Diese Einlagen sind zwar angenehm, sie beseitigt die Fehlstellung aber nicht langfristig. © Dr. Thomas Schneider

Operationsziele und Verfahren

Die Ziele der Hallux valgus-Operation sind abhängig vom Stadium der Fehlstellung und zahlreichen Begleitumständen. Zunächst ist es wichtig, eine sichere OP-Indikation zu stellen. Es muss eindeutige medizinische Gründe geben, den Hallux valgus zu operieren. Eine rein kosmetische Begradigung des Fußes ist zwar erwünscht, aber als alleiniger Grund für eine OP-Empfehlung nicht ausreichend. Wir orientieren uns meist an der Schmerzsituation. Erst wenn der Patient durch Schmerzen beeinträchtigt wird, ist die Operation angemessen.

Wann wird der Hallux valgus operiert?

  • Starker Fußschmerz, der die Mobilität einschränkt
  • Chronische Entzündung am Zehenballen
  • Neigung der Großzehe in Richtung der Kleinzehen
  • Zunehmende Versteifung der großen Zehs in der Fehlstellung (man spricht von "Kontraktheit")
  • Konservative Behandlungen und Hallux valgus-Schienen bringen keinen Fortschritt mehr.

Wenn jeder Schritt schmerzt, kann nur die Hallux valgus-Operation den Patienten dauerhaft von seinen Schmerzen befreien: Bei erwachsenen Patienten außerhalb des Jugendalters können wir mit physiotherapeutischen Übungen und Hallux-Schiene den Krankheitsprozess nur noch verlangsamen. In diesem Fall therapiert man den Ballenzeh durch eine operative Begradigung. Diese kausale Therapie (Therapie, die die Krankheitsursache behebt) ist die einzige Möglichkeit, die Hallux valgus-Schmerzen und Folgeschäden am Großzehengrundgelenk dauerhaft zu vermeiden.

Wichtige Fragestellungen vor der Hallux valgus Operation

Vor der Wahl des geeigneten Operationsverfahrens müssen folgende Fragen erörtert werden:

  • Wie groß ist die genaue Abweichung des Hallux valgus von der normalen Anatomie?
  • Welches der Operationsverfahren ist geeignet, um eine weitgehend normale Anatomie der Großzehe wiederherzustellen?
  • Kann eine Wiederherstellung der normalen Situation nach Hallux valgus überhaupt erwartet werden?
  • Wie stark ist die Arthrose im Großzehengrundgelenk bereits fortgeschritten?

Welche Eingriffe sind zur OP des Hallux valgus möglich?

Der orthopädische Fußspezialist beherrscht viele verschiedene operative Verfahren. Welches Operationsverfahren beim Hallux valgus angewandt wird, muss der behandelnde Orthopäde individuell entscheiden und mit dem Patienten ausführlich besprechen. Fast alle Verfahren zur Operation des Hallux valgus folgen aber einem einheitlichen Prinzipien:

Ein Weichteileingriff korrigiert Sehnen und Gelenkkapsel, um eine Geradestellung der Großzehe zu ermöglichen.

Ein Eingriff am Großzehenknochen - meist eine Umstellung (Osteotomie) begradigt die Zehe wieder nach vorne.

Bei Gelenksschädigung am Großzehengrundgelenk muss dass Gelenk konserviert (Cheilektomie) oder versteift werden (Arthrodese).

Hallux valgus Operation: konkrete Ziele

1. Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen durch den Hallux valgus beseitigen:

Die Patienten wollen nach der Operation wieder anatomisch normale, begradigte und kosmetisch ansprechende Füße, haben, die in Sport und Alltag belastbar sind.

2. Stellungskorrektur (Osteotomie) der Zehenknochen:

Durch die wichtige Stellungskorrektur soll dem Verschleiß (Arthrose) des Großzehengrundgelenks und den Problemen des Vorfußes (wie Hammerzehen und Mittelfußschmerzen) vorgebeugt werden. Eine dauerhafte Normalisierung des Gangbildes und der Mechanik des Abrollvorgangs beim Gehen ist das Ziel.

3. Stabilisierung des Großzehengrundgelenks bei Arthrose:

Durch die Hallux valgus-Fehlstellung kann das wichtige Großzehengrundgelenk eine Arthrose (Gelenkverschleiß) erleiden. Diese kann man entweder gelenkerhaltend behandeln (Arthroskopie) oder das Gelenk versteifen (Arthrodese). Daneben gibt es die Versorgung mit Vollprothesen und Teilprothesen (Hemiprothesen).

Prinzip der Hallux valgus Operation

Es gibt inzwischen viele verschiedene Operationsmethoden. Bevor wir in einem weiteren Artikel zur → Hallux-Operation die wichtigen Eingriffe genauer ansehen, wollen wir hier kurz die grundlegenden Prinzipien der Korrektur des Hallux valgus herausgreifen. Aus diesen Behandlungsmöglichkeiten setzen sich alle spezifischen Eingriffe am Großzehengrundgelenk zusammen.

Weichteileingriffe: Behandlung von Sehnen und Gelenkkapsel an der Großzehe

Anspannung der GelenkkapselRaffung der Gelenkkapsel bei der Hallux valgus-Operation © Gelenk-Klinik.de

Die Kapsel um das Großzehengrundgelenk hat sich durch die Fehlstellung bereits so verengt, dass die Fehlstellung kontrakt, also nicht mehr aktiv durch die eigene Muskelkraft des Patienten zurückführbar ist. Die Lösung und Erweiterung der Gelenkkapsel und die Längenanpassung der Sehnen, die die Großzehe steuern, ist also ein wesentlicher Schritt, um die Großzehe wieder dauerhaft zu begradigen.

Beim Hallux valgus verändert sich die Gelenkkapsel. Auf der Seite des Knicks im Großzehengrundgelenk (rot in der nebenstehenden Zeichnung) ist die Kapsel überdehnt, auf der Gegenseite ist sie kontrahiert. Diese Veränderung der Gelenkkapsel muss durch Raffung und Erweiterung korrigiert werden. Die betroffenen Sehnen (gelb) benötigen ebenfalls eine Längenkorrektur.

Osteotomie: Umstellung der Knochen in eine neue Position

Umstellung (Osteotomie) des ZehenknochensOsteotomie: Nach einem Schnitt des Knochens (rote Linie) kann die Richtung des Zehenstrahls dauerhaft neu ausgerichtet werden. Nach dem Einheilen kann so der Hallux valgus dauerhaft beseitigt werden. Die hier gezeigte Chevron-Osteotomie ist eine von vielen Umstellungsmöglichkeiten, die je nach Einzelfall zur Anwendung kommen können © Gelenk-Klinik

Bei der chirurgischen Osteotomie werden Mittelfuß- und Zehenknochen durchtrennt und in einer neuen, gewünschten Richtung wieder zusammengesetzt. Schrauben, Drähte oder kleine Metallschienen stabilisieren die Knochen, bis sie in der neuen Position eingeheilt sind.

Cheilektomie: Gelenkerhaltende Arthroskopie des Großzehengrundgelenks

Wenn der Gelenkknorpel noch zu mehr als 50 % erhalten ist, kann eine gelenkerhaltende, minimalinvasive Gelenkspiegelung des Großzehengrundgelenks durchgeführt werden. Die Knochensporne werden, falls vorhanden, abgetragen. Eine klare Prognose kann teilweise erst während der Cheilektomie nach direkter Sicht auf das Gelenk gegeben werden. Ist die Schädigung bereits zu stark, bessern sich die Beschwerden durch diesen Eingriff meist nicht.

Arthrodese: Versteifung des Großzehengrundgelenks

Schwere Hallux valgus-Fehlstellungen und Arthrose des Großzehengrundgelenks erfordern manchmal, dass das Gelenk ganz entfernt und versteift wird. Diese Versteifung erfolgt durch Fusion der Gelenkpartner, also der Knochen, die in dem Gelenk aufeinandertreffen. Bei Bedarf stellt der Eingriff einen Winkel her, der auch das Tragen höherer Absätze ohne Bewegungseinschränkungen zulässt.

"Mini-Invasive" Operationstechnik mit kleinsten Schnitten und minimaler Narbenbildung

Der medizinische Fortschritt ermöglicht heute viele unterschiedliche Methoden zur Hallux valgus-Operation.

Die vielversprechendste Technik wurde in den letzten Jahren neu entwickelt. Sie ist international bewährt, wird aber bislang nur in wenigen deutschen Kliniken angewandt: die sogenannte mini-invasive Hallux valgus-Chirurgie. Durch den Einsatz von kleinsten (ca. 2 mm) Instrumenten, ähnlich zahnärztlichen Geräten, können Weichteilverletzungen bei der Hallux-Operation deutlich reduziert werden. Dies verkürzt auch die Heilungszeit und es treten weniger Komplikationen auf.

Das Besondere: Bei dieser Hallux valgus-Operation werden bei milden Fehlstellungen keine Schrauben gesetzt. So ist keine Nachoperation zur Schraubenentfernung erforderlich.

Durch den Einsatz kleinster Werkzeuge - ähnlich zahnärztlichen Geräten, kann die bei dem Hallux valgus erforderliche Korrekturosteotomie mit nur kleinsten Haut- und Weichteilverletzungen ausgeführt werden. Die Heilungszeit und die Komplikationsrate verringern sich. Die Wundheilung ist wegen der geringen Weichteilverletzungen beschleunigt.

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Dr Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Thomas Schneider
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

 
Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie in Freiburg Dr. med. Martin Rinio
Facharzt für Orthopädie
Chirurgie und Unfallchirurgie