Orthopädische Gelenk-Klinik

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Kreuzbandoperation: Kreuzbandplastik, Kreuzbandnaht und Refixation

Kniegelenk Ruptur der Kreuzbänder. Deutlich sichtbar das verletzte vordere Kreuzband. Bei einem Kreuzbandriss können auch die Seitenbänder des Kniegelenks verletzt werden. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Die Kreuzbänder stabilisieren das Kniegelenk bei Beugung und Beschleunigung in jede Richtung. Nach Kreuzbandriss ist ein wichtiger Stabilisator im Kniegelenk verloren gegangen. In Deutschland treten jedes Jahr über 35.0000 Knieverletzungen mit Kreuzbandriss auf. 80% aller Kreuzbandrisse werden operativ durch Kreuzbandplastik (Kreuzbandrekonstruktion) behandelt. Die meisten Ereignisse, die zu Kreuzbandverletzungen führen, sind Sportunfälle: Sportarten mit schnellen Richtungswechseln haben die höchste Raten an Kreuzbandverletzungen.

Die Kreuzbandoperation nach Kreuzbandriss ist nicht immer eine ↑Transplantation. Immer häufiger können wir ein nur teilweise ↑gerissenes Kreuzband annähen (Rekonstruktion). Kreuzbänder können nach knöchernem Ausriss aus der Verankerung in Oberschenkel oder Schienbein auch refixiert werden (↑Refixation).

Es ist für uns sehr wichtig, je nach Schadensmechanismus, eine differenzierte Kreuzbandoperation anbieten zu können.

Kreuzbandriss führt zu instabilem Kniegelenk

Das vordere und hintere Kreuzband stabilisieren das Kniegelenk. Die Kreuzbänder sind zentrale Stabilisatoren der menschlichen Beinachse: Sie verbinden Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) bei jeder Bewegung, Drehung und Beugung des Kniegelenks.

Warum führt ein Kreuzbandriss zu einem instabilen Kniegelenk?

Die Muskeln um das Knie schaffen zwar eine Art Korsett. Sie stoppen dennoch nicht die Überbeweglichkeit des Kniegelenks, weil Muskeln erst später auf Bewegung reagieren, als die mechanischen Kreuzbänder. Kreuzbänder sind also wie Sicherheitsgurte im Kniegelenk, die Beschleunigung in jede Richtung sofort abfangen. Dadurch entstehen über bis zu 10 Jahre ↑Folgeschäden des Kreuzbandrisses: Mikroverletzungen, die langfristig zu ↑Knorpelschaden und ↑Meniskusriss führen.

Frische KreuzbandverletzungAbb.1: Arthroskopisches Bild des Kniegelenks: Frische Verletzung des vorderen Kreuzbandes mit Einblutung. Ohne Kreuzbandplastik (Kreuzbandersatz) kann ein Kreuzbandriss nicht geheilt werden. © Gelenk-Klinik.de

Ein unbehandelter Kreuzbandriss kann dauerhaft zu einer ↑Kniearthrose führen. Es gibt keine Spontanheilung oder konservative Ausheilung eines vorderen Kreuzbandrisses.

Kreuzband-Instabilität führt in der Regel zur Entwicklung von Folgeschäden im Kniegelenk bis zur ↑Arthrose.

Um das Kniegelenk nach Kreuzbandriss wieder dauerhaft zu stabilisieren, muss daher durch eine Kreuzbandersatzplastik die Kreuzbandfunktion wiederhergestellt werden.

Fachartikel von Prof. Dr. Ostermeier zum Thema "Kreuzbandriss: Kreuzbandplastik oder Refixation?"

Es gibt nur ↑wenige Ausnahmen, wo wir den Kreuzbandersatz nicht empfehlen und stattdessen konservativ behandeln. Das betrifft vor allem ältere Patienten mit sehr geringem Aktivitätsniveau.

Prinzip der Kreuzbandplastik nach Kreuzbandriss

vkb_ersatz Abb.2: Ersatz des vorderen Kreuzbandes. Das autologe Transplantat, also eine Körpereigene Sehne muss das das ein gerissenes Kreuzband ersetzen. Es wird in Oberschenkel und Unterschenkel stabil verankert. Nach einigen Monaten sind Blutgefässe eingewachsen. © Gelenk-Klinik.de

Bei der Kreuzband-Operation wird das vordere Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt (Autologes Transplantat).

Diese Operationstechnik gilt heutzutage als Standardoperation, wenn der Riss des vorderen Kreuzbandes über 50% des Banddurchmessers umfasst.

Es gibt verschiedene Varianten dieser Technik. Allen Varianten ist das Prinzip gleich: Eine patienteneigene Sehne wird als autologes Transplantat die Funktion des gerissenen Kreuzbandes ersetzen.

Das Sehnentransplantat wird durch Bohrtunnel, die durch Oberschenkelknochen und Schienbeinknochen gebohrt werden, hindurchgezogen. Dann wird das Kreuzbandtransplantat in diesen Tunneln befestigt.

Die Unterschiede dieser Varianten betreffen zwei Bereiche:

  1. Wahl des Transplantats (z.B. Semitendinosus-/Gracilissehne, Patellasehnendrittel oder Quadrizepssehnendrittel)
  2. Die Befestigung des Transplantats mit unterschiedlichen Materialien (Fäden, Schrauben, Kunststoff-Stifte).

Möglichkeiten (Stabilität) und Grenzen der Kreuzbandplastik

Vorteil dieser Art der Operation ist die hohe Stabilität des Kniegelenks direkt nach der Operation.

In der Regel kann das Kniegelenk sofort voll belastet werden. Die Beweglichkeit ist nur für kurze Zeit eingeschränkt. Eine Gelenkorthese ist ebenfalls nur für einige Wochen notwendig.

Nachteil: Für diese Operation muss eine andere Sehne geschwächt werden, um das Transplantat zu gewinnen. Die ursprünglichen Nervenendigungen des natürlichen Kreuzbandes sind nach dem Transplantat nicht mehr vorhanden. Dadurch ist die Gelenkkoordination (sog. Propriorezeption) verändert.

Wiederannähen (Refixation) des Kreuzbandes bei knöchernem Ausriss

Eine Kreuzbandruptur kann auch ohne Transplantat, lediglich durch Anheftung des knöchernen Ausrisses des Kreuzbandes an Oberschenkel oder Unterschenkel durchgeführt werden. Vor allem Kinder und Jugendliche sind von knöchernen ausrissen des Kreuzbandes betroffen.

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen reißt das Kreuzband häufig mit einem Knochenstück heraus. Bei der Kreuzbandoperation ist hier darauf zu achten, die noch vorhandenen Wachstumsfugen der Patienten nicht zu verletzen.

Betroffen ist meist die schienbeinseitige Verankerung des Kreuzbandes (Tibia). Während der Operation wird dann dieses ausgerissene Stück mit Hilfe von Schrauben und Drähten wieder im Knochen befestigt.

Nach ca. 6-8 Wochen ist dieses Knochenstück eingeheilt. Das eingebrachte Schraubenmaterial und die Drähte können bei Bedarf wieder entfernt werden.

Naht des Kreuzbandes nach Teilriss

Bei Teilrupturen des Kreuzbandes, die nicht mehr als 50% des Banddurchmessers betreffen, kann in günstigen Fällen eine Naht oder Anheftung des Kreuzbandes durchgeführt werden. Dabei wird der Bereich des knöchernen Ansatzes, aus dem das Kreuzband herausgerissen ist, mit kleinen Bohrlöchern angefrischt. Die gerissenen Fasern werden in speziellen Nahttechniken wieder an diese Stelle angelegt und befestigt (sog. healing response).

Die Naht des Kreuzbandes hat den Vorteil, dass das ursprüngliche Kreuzband mit allen Nervenendigungen erhalten bleibt, die später die Koordination beim Gehen unterstützen.

Vorsicht bei der Nachbehandlung: Allerdings ist die Kreuzbandnaht gegenüber frühen, postoperativen Belastungen anfälliger als die Kreuzbandrekonstruktion. Ein striktes Nachbehandlungsschema mit zeitweiliger Entlastung des Kniegelenks und Tragen einer Gelenkorthese ist notwendig. Hier ist die Kooperation des Patienten (Compliance) extrem wichtig!

Biologischer Heilungsprozess nach Kreuzbandplastik

Zahlreiche vergleichende Studien belegen, dass durch die Kreuzbandplastik mit körpereigenem Material die besten Resultate für das Kniegelenk erzielt werden. Bei der Plastik des Kreuzbandes mit Hilfe körpereigenem Materials setzt der Orthopäde einen natürlichen und nachhaltigen Heilungsprozess in Gang: Die implantierte Sehne wird als körpereigenes Material erkannt. Daher wachsen sofort Blutgefässe in die Sehne ein (Vaskularisierung), die sie dauerhaft versorgen und zu einem natürlichen Kreuzband umbauen.

Zunächst wird die gerissene Sehne also mechanisch durch zähes Sehnenmaterial ersetzt. Entlang des Transplantates als biologischer Brücke erzeugen also nach einigen Monaten körpereigene Heilungsprozesse wieder ein natürliches vorderes Kreuzband. Dieses Kreuzband hat eine ähnliche gleiche Belastbarkeit, wie das gerissene. Das Knie behält seine natürliche Trainierbarkeit. Nach 6-12 Monaten ist diese Einheilung nach Kreuzbandplastik abgeschlossen.

Wo wird das Transplantat für die Kreuzbandplastik gewonnen?

Entnahme der Semitendinosus-Sehne als Ersatz des vorderen KreuzbandesAbb.3: Kreuzbandplastik: Das Transplantat wird in einem vorbereitenden Schritt der Semitendinosus Sehne entnommen. Dann wird das Transplantat verarbeitet und vorgedehnt, um eine maximale Zugfestigkeit zu erzielen. Die Entnahmestelle wird jeweils individuell vor der Kreuzband-Operation entschieden. Wir bevorzugen aber die Patellasehne oder die Semitendinosussehne (siehe Abb.) © FH Orthopedics

Benutzt man die Semitendinosus- oder Gracilissehne, werden diese über eine kurzen Hautschnitt an der Innenseite des Schienbeins auf einer Länge von ca. 25 cm entnommen. In der postoperativen Zeit vernarben die verbliebenen Strukturen an den Entnahmestellen, so dass kein signifikanter Kraftverlust nachzuweisen ist.

Benutzt man das Patellasehnendrittel, wird diese über einen kurzer Hautschnitt an der Vorderseite des Kniegelenks unterhalb der Kniescheibe das mittlere Drittel der Kniescheibensehne (Patellasehne) mit einem kurzen Stück des Knochenansatzes an Kniescheibe und Unterschenkel entnommen.

Für den minimalinvasiven Kreuzbandersatzes entnehmen wir die Sehne meist im Bereich des vorderen Kniegelenks: Die sogenannte Patella-Sehne oder die Semitendinosussehne. Im Vergleich zu anderen Techniken (z.B. Entnahme der Hamstringsehne), hat der Patient nach Entnahme aus dem vorderen Knie weniger Schmerzen (geringe Entnahmepathologie).

Vor allem das Patellasehnen-Drittel hat eindeutige Vorteile. Es kann mit einem kleinen Knochenstück am Ende der Sehne aus der Patella (Kniescheibe) entnommen werden, das bei der Verankerung des Transplantates hilft. Dieses Knochenstück heilt an der betreffenden Stelle ein und stabilisiert die Kreuzbandplastik. Die Reißfestigkeit des Patellasehnendrittels als Transplantat liegt bei einer Maximallast 1800-2000 kg. Das liegt leicht unter der Maximallast des natürlichen Kreuzbandes von 2400 kg. Sie kommt daher in Tragelast und Steifigkeit dem natürlichen Kreuzband sehr nahe.

Bei Entnahme der Semitendinosussehne für die Kreuzbandplastik entsteht eine geringere Entnahmemorbidität (Schmerzen nach der Operation). Dafür kann die Einheilungsphase länger dauern, weil die Semitendinoussehne nicht mit einem Knochenstück verpflanzt werden kann. Die Länge der Semitendinosussehne erlaubt die 4-fache Bündelung der Semitendinosussehne zur Erhöhung der Steifigkeit und der Traglast (Siehe Abb: 5). Die Traglast der gebündelten Semitendinosussehne als Transplantat beträgt 2400 kg und entspricht damit der Traglast und Steifigkeit des natürlichen Kreuzbandes.

Es gibt einige gängige Operationsverfahren für die Kreuzbandplastik nach Kreuzbandriss. Wir richten uns in der Operationsentscheidung an der individuellen Situation unserer Patienten aus.

Vorteile der minimalinvasiven Kreuzbandplastik

Medizinische Vorteile der arthroskopischen OP

  • Schnelle Wundheilung, weil nur ein kleiner Zugang zum Knie erforderlich ist.
  • Keine Störung der Gelenksfunktion durch Großflächige Narbenbildung.
  • Relativ schmerzfreie Entnahme des Transplantates aus dem vorderen Kniebereich.
  • Reisfestigkeit des Kreuzbandes, Vollbelastung aber erst nach dem Einheilen in den Knochenkanal
  • Vor allem Leistungssportler profitieren von der schnelleren Wundheilung und beginnen früher mit Aufbauübungen
  • Nach Verankerung eine Rehabilitation mit Schiene oder Orthese erforderlich
  • Durch Vordehnung der Kreuzbandersatz-Plastik optimale Kniestabilität nach Operation

In der Gelenkklinik kommen nur minimalinvasive Verfahren zum Kreuzbandersatz zum Einsatz. Die Operation des Kreuzbandes erfolgt also durch zwei kleine Hautschnitte mit arthroskopischen Geräten. Dabei werden lediglich dünne Schläuche durch die Hautschnitte in das Gelenk eingeführt. Durch diese Schläuche werden die Verschiedenen Geräte in das Knie eingeführt. Beobachtet wird das Geschehen durch Kamera, die durch den Arbeitszugang in das Kniegelenk eingeführt wird, auf einem Bildschirm. Mit dieser sehr spezialisierten Operationstechnik kann man mit kleinsten Schnitten und - im Vergleich zur offenen Operation - stark verkürzter Heilungszeit ein Kreuzband operieren.

Der minimalinvasive Zugang erhält auch die natürliche Sensibilität des Knies. Offene Operationen mit großen Schnitten durchtrennen immer auch großflächig Nervenfasern. Das Gefühl und die Selbstwahrnehmung (Propriozeption) im Knie mittels der Dehnungsrezeptoren wird dadurch herabgesetzt. Auch die körpereigenen Schutzreflexe zur Vermeidung von Verletzungen bleiben erhalten.

Nach der Entnahme aus dem Kniebereich wird die Sehne gereinigt und vorgedehnt. © FH OrthopedicsAbb. 5: Nach der Entnahme aus dem Kniebereich wird die Semitendinosussehne 4-fach gebündelt, gereinigt und vorgedehnt. © FH Orthopedics

Verarbeitung des Transplantats für die Kreuzbandplastik

Nach Entnahme der Sehne wird diese den Anforderungen eines Kreuzbandtransplantats entsprechend präpariert und vorbereitet. Die Sehne wird dabei gefaltet, vorgedehnt und gereinigt, bevor sie als Transplantat verwendet werden kann. Mögliche Ecken und Kanten der Knochenansätze bei Wahl des Patellasehnentransplantats werden abgrundet, so dass ein optimaler Sitz im Bohrtunnel im Oberschenkel und Schienbeinknochen gewährleistet ist.

Vorbereitung des Knies für Kreuzbandplastik

frische KreuzbandverletzungAbb.6: Arthroskopisches Bild des Kniegelenks: Kreuzbandersatz wird an Stelle des gerissenen Kreuzbandes implantiert. © Gelenk-Klinik.de

Gleichzeitig wird das Kniegelenk für die Transplantation vorbereitet. Die Kreuzbandersatzplastik muß, wie die das natürliche Kreuzband, in Oberschenkel und Unterschenkel stabil verankert werden. Hierzu müssen in beiden Knochen anatomisch passende Verankerungskanäle vorbereitet werden. In diese Verankerungskanäle werden die Enden des Transplantats stabil verankert. An der Verankerungsstelle erfolgt innerhalb weniger Monate ein stabiles Einwachsen des Transplantates in den Knochen.

Behandlung der Begleitverletzungen nach Kreuzbandriss

Zur Vorbereitung einer erfolgreichen Kreuzbandersatz-OP gehört auch die Mitbehandlung von Begleitverletzungen. Bei Verdrehung (Torsion) des Kniegelenks, können auch andere Strukturen im Knie beschädigt werden. Der erfahrene Orthopäde sucht daher bei einer Kreuzband-OP auch nach begleitenden ↑Meniskusrissen und ↑Knorpelschäden.

Nachdem diese Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird dann das neue, körpereigene Kreuzband über die arthroskopisch (minimalinvasiv) vorbereiteten Verankerungskanäle in das Knie eingebracht. Die Verankerung des Kreuzbandersatzes, sowie Funktion und Position, werden mehrfach unter direkter Sicht kontrolliert.

Fixierung der Kreuzbandplastik

Verankerung des Kreuzband-Transplantates Abb.7: Zur stabilen Verankerung wird das Kreuzbandtransplantat bei Minimalinvasiven Operationstechnik mit resorbierbaren (also biologisch abbaubaren) Schrauben in den anatomisch passenden Knochenkanälen verankert. Bei schlechter Knochenqualität (Osteoprose) wird auf Titanschrauben zurückgegriffen. © FH Orthopedics

Damit das Transplantat eine hohe Stabilität im Bohrtunnel aufweist, wird es mit speziellen Schrauben im Bohrtunnel verklemmt (fixiert). Diese Schrauben bestehen aus resorbierbarem Material und lösen sich nach ca. 2 Jahren wieder auf. Nur bei schlechter Knochenqualität muss auf permanente Titanschrauben zurückgegriffen werden. Andere Fixierungs-Techniken für die Kreuzbandplastik benutzen Schlaufen, die einerseits im Bohrtunnel befestigt werden, und andererseits das Transplantat im Bohrtunnel fixieren.

Am Unterschenkel, wo eine Entfernung von Fixationsmaterial problemlos möglich ist, können auch alternativ Titanschrauben oder Titanklammern zum Einsatz kommen.

Nebenwirkungen und Schmerzen nach der Transplantatgewinnung (Entnahmepathologie)

Bei der Wahl des Patellasehnendrittels können in der ersten Monaten nach der Operation Schmerzen im Entnahmebereich auftreten. Ein Hinknieen für diese Zeit ist nicht möglich. Andererseits kann es bei Wahl der Semitendinosus- oder Gracilissehne vorkommen, dass das Transplantat sich weitet und verlängert, so dass trotz Rekonstruktion des Kreuzbandes geringe Instabilitäten möglich sind. Die Stabilität des Transplantates ist also bei der Patellasehne höher.

Mögliche Komplikationen nach Kreuzbandplastik

Tunnelweitung nach Kreuzbandplastik
Große Bohrtunneldurchmesser sind ein Risikofaktor, insbesondere wenn ein Revisionseingriff z.B. nach Re-Ruptur des Kreuzbandes erforderlich sein sollte. Die genaue Ursache für zu große Bohrtunneldurchmesser ist nicht geklärt. Tunnelweitung kann unabhängig von den Implantattypen und Befestigungverfahren des Kreuzbandtransplantates auftreten.

Bewegungseinschränkungen und Steifheit des Kniegelenks
Für die Versteifung ist vor allem die Arthrofibrose verantwortlich. Das ist die Einschränkung der Gelenksbeweglichkeit durch Narbengewebe. Meist führt die Arthrofibriose zu einem Streckdefizit des Kniegelenks. Häufig ist ein Infekt die Ursache für diese Art von Narbenbildung nach Kreuzbandplastik, die genaue Ursache ist aber noch umstritten. Es gibt aber Hinweise, dass ein zu früher Beginn des Muskeltrainings nach Kreuzbandplastik den Beginn der Arthrofibrose begünstigt.

Infektionen nach VKB Ersatz
Eine postoperative Infektion kommt selten vor nach der Operation eines Kreuzbandrisses. Titt eine Infektion aber auf, kann Sie katastrophale Folgen haben, bis hin zur Kniearthrose schon bei jungen Patienten. Vor allem eine lange Operationszeit begünstigt Infektionen. Das Transplantat sollte möglichst schnell und steril weiterverarbeitet werden.

Revision der Kreuzbandplastik bei unbefriedigendem Ergebnis oder erneuter Ruptur

Risikofaktoren für die Revision der Kreuzbandplastik

  • "Allograft" - kein körpereigenes Transplantat
  • Fehlerhafte Befestigungsstelle (fehlerhaft platzierte Bohrtunnel)
  • Probleme bei der Transplantateinheilung
  • Fehler in der Rehabilitation
  • Individuelle anatomische Unterschiede
  • Mangelhaft behandelte Begleitverletzungen, z.B. an Menisken

Nach Kreuzbandplastik ist die Situation nicht für jeden Patienten ideal. Die große Menge an Methoden zur Transplantatgewinnung und zur Fixation des Transplantates zeigt, dass im Bereich der Kreuzbandplastik vieles versucht und experimentiert wird. Einige Fragen zur Operationstechnik sind noch nicht abschließend erforscht. Die Lernkurve für die korrekte Durchführung der Kreuzbandplastik ist steil: Insbesondere das Auffinden der biomechanisch korrekten Befestigungsstellen und das Anlegen der Bohrtunnel für die Befestigung des Transplantates sind für Kniechirurgen schwierig zu erlernen. Leichte Abweichungen von der korrekten Postion können aber zu einer übermäßigen Belastung der Kreuzbandplastik mit erneutem Versagen führen: Eine Re-Ruptur des Kreuzbandes ist dann die Folge.

Anatomische Besonderheiten wie der Radius der Fermukondyle ("Oberschenkelrolle" im Knie) erschweren die optimale Planung der Kreuzbandplastik.

Daher muss in 15% alle Kreuzbandplastiken mit einer Revision - einer Wiederholung des Eingriffs - gerechnet werden.

Im Falle einer Revision einer Kreuzbandplastik müssen wir die Lage der bestehenden Bortunnel, die Lage von Implantaten (resorbierbaren Schrauben und ggf. Titanschrauben) berücksichtigen.

Daher sollen auch bei primären (also erstmalig durchgeführten) Kreuzbandoperationen keine Entscheidungen getroffen werden, die die spätere Revision des Kreuzbandes behindern. Damit ist insbesondere der Gebrauch von Implantatmaterial gemeint. Biologisch abbaubare Materialien haben den Vorteil, dass Sie bei einer Revision leicht überbohrt werden können. Nichtresorbierbare Materialien müssen zunächst entfernt werden. Wir streben dennoch immer ein einseitiges Vorgehen an, das heißt: Wir wollen bei Kreuzbandrevisionen die vorhandenen Materialien während des selben Eingriffes entfernen, um dem Patienten eine weitere Operation zu ersparen.

Sollte sich der alte Bohrtunnel zu sehr in der Nähe des neu geplanten Bohrtunnels befinden, füllen wir meist mit spongiösem Knochenmaterial auf, um ein Einbrechen der Tunnel zu verhindern.

Nach der Kreuzband-Operation: Rehabilitation und Belastbarkeit

Bei planmäßigem Heilungsverlauf kann das Knie bereits zwei Tage nach der Kreuzbandersatz-Operation wieder voll belastet werden. Diese Belastung kann ohne bewegungseinschränkende Orthesen oder Schienen erfolgen. Die im Vergleich zu anderen Kreuzband-OP Techniken (Refixation und Kreuzbandnaht) relativ schnelle Belastbarkeit hat eindeutige medizinische Vorteile.

Bereits bei einer vollständigen Ruhigstellung von 7-10 Tagen ist 50% der Muskelkraft im Oberschenkel des operierten Knies abgebaut. Die Wiederherstellung der Muskulatur nach Kreuzbandriss kann nach einem Muskelabbau dieser Größenordnung bis zu 1,5 Jahren dauern. Oft wird eine symmetrische Kraftentwicklung nach einseitigem Muskel-Abbau nie mehr ganz erreicht. Daher ist nach Rekonstruktion des Kreuzbandes nach einigen Tagen abschwellender Maßnahmen eine frühe Belastungssteigerung bis zur Vollbelastung erforderlich. Das Kniegelenk sollte sogar früh wieder belastet werden, um einem Muskelrückgang vorzubeugen. Denn Muskeln sind, wie oben beschrieben, nützlich für eine zusätzliche Stabilisierung des Kniegelenks.

Nach Kreuzbandplastik findet im Alltag keine Unterbrechung des natürlichen Belastungsrhytmus statt.

In der Nachbehandlungsphase steht zunächst die Abschwellung des Kniegelenks im Vordergrund.

Daran anschließend wird viel Wert auf Erhalt oder Steigerung der Beweglichkeit gelegt. In der dritten Phase, die etwa 3-4 Wochen nach der Operation beginnt, wird ein intensiver Muskelaufbau durchgeführt. Insbesondere in dieser Phase ist eine Mitwirkung des Patienten mit konsequenter Einhaltung von häuslichen Eigenübungen unabdingbar.

Wie lange bis zur Sportfähigkeit nach Kreuzband-Operation?

Da in der Einheilungsphase des rekonstruierten Kreuzbandes das Transplantat zunächst an Festigkeit verliert, sollte die Wiederaufnahme von sportlicher Betätigung frühestens nach 6 Monaten geplant werden. Bis zu dieser Zeit wird das Transplantat fest in den bestehenden Gelenkverbund eingearbeitet.

Welche Sporteinschränkungen gibt es nach Kreuzbandplastik?

Sobald das Kniegelenk für sportliche Tätigkeiten freigegeben ist, können die vorher betriebenen Sportarten wieder aufgenommen werden. Nach ca. 1 Jahr kann man von einer dem natürlichen Kreuzband gleichwertigen Belastbarkeit des eingeheilten Transplantats ausgehen. Allerdings sollte angemerkt werden, das aufgrund der etwas geringeren Koordinationsfähigkeit des betroffenen Gelenks das Kniegelenk anfälliger gegen weitere Verletzungen ist. Das gilt insbesondere für Kontaktsportarten mit hohen Geschwindigkeiten (Fußball, Handball).

Mit Schwimmen und Radfahren kann bereits nach vier Wochen begonnen werden. Je nach Sportart und Belastungs-Intensität sollte die Wiederaufnahme des Leistungssports auch nach Kreuzbandplastik mit dem Arzt besprochen werden.

Wann kann ich nach Kreuzband-Operation wieder arbeiten?

Eine sitzende Büro-Tätigkeit kann in der Regel nach 10-14 Tagen wieder aufgenommen werden. Stehende und für die Knie belastende Tätigkeiten können ebenfalls nach ca. 2 Wochen möglich. Vollbelastung ist zwar früher möglich und wird für die physiotherapeutische Mobilisierung genützt. Im Alltag muss jedoch auch die vollständige Wundheilung nach Kreuzband-Operation abgewartet werden.

 

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