- Was sind die Gründe für Hüftschmerzen bei Kindern?
- Hüftschmerzen durch Verletzungen
- Wann zum Arzt bei Hüftschmerzen bei Kindern?
- Ärztliche Behandlung von Hüftschmerzen bei Kindern
Hüftschmerzen sind nicht nur Sache von Erwachsenen. Auch Kinder können darunter leiden – zum Teil sogar aus altersspezifischen Gründen. © peterschreiber.media, Fotolia
Hinter Hüftschmerzen bei Kindern können viele Ursachen stecken. Sie reichen von harmlosen Prellungen über Entwicklungsstörungen bis hin zur bakteriellen Gelenkinfektion. Deshalb ist es wichtig, Kinder, die plötzlich humpeln oder unter Schmerzen im Hüftbereich klagen, ärztlich untersuchen zu lassen. Je früher eine Hüfterkrankung diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Behandelt wird je nach Ursache. Zum Einsatz kommt die konservative Therapie mit Ruhigstellung und der Gabe von Schmerzmitteln oder Antibiotika, in manchen Fällen ist auch eine Operation erforderlich.
Was sind die Gründe für Hüftschmerzen bei Kindern?
Immunreaktionen nach einem viralen Infekt können bei Kindern zu einer harmlosen, aber schmerzhaften Coxitis fugax führen. © Andy Shell, adobe
Bei Kindern gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen oder Verletzungen, die Hüftschmerzen auslösen. Einige davon betreffen vor allem Kleinkinder, andere eher Jugendliche in der Pubertät. Neben den Beschwerden kann deshalb auch das Alter des Patienten Hinweise geben, um welche Ursache es sich handelt.
Ursachen für Hüftschmerzen bei Kindern
- Coxitis fugax (Hüftschnupfen)
- Morbus Perthes
- Hüftkopflösung ( Epiphysiolitis capitis femoris )
- Osteochondrosis dissecans
- Septische Arthritis
- Juvenile idiopathische Arthritis (Rheuma)
- Hüftdysplasie
- Verletzungen wie z. B. Apophysenabriss oder Frakturen
- Muskelzerrungen
- Osteomyelitis
Häufigster Grund für kindliche Hüftschmerzen ist die Coxitis fugax, auch Hüftschnupfen genannt. Sie betrifft insbesondere Drei- bis Achtjährige und macht sich durch plötzliches Schonhinken bemerkbar. Die Schmerzen sitzen in der Hüfte, in der Leiste und im Knie. Da die Beschwerden meist nach einem viralen Infekt auftreten, handelt es sich vermutlich um eine Immunreaktion mit vorübergehender Entzündung der Gelenkinnenhaut. Die Prognose ist sehr gut, nach Schonung und NSAR-Gabe heilt die Erkrankung meist innerhalb weniger Tage aus.
An Morbus Perthes leiden vor allem vier- bis zehnjährige Jungen. Dabei wird die Blutzufuhr zum Kopf des Oberschenkelknochens zeitweise unterbrochen, wobei die Ursache dafür nicht bekannt ist. Ohne Blutzufuhr sterben Bereiche des Oberschenkelknochens ab, es droht die Deformation seiner Kugelform.
Aufgrund der Durchblutungsstörung bei Morbus Perthes wird der Hüftkopf nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Es kommt zu einer Hüftkopfnekrose. © Gelenk-Klinik
Betroffene Kinder fangen an zu hinken und wollen das erkrankte Hüftgelenk nicht mehr belasten. Sie klagen über Schmerzen in der Leiste oder im Oberschenkel. Das Hüftgelenk von Kindern mit Morbus Perthes versteift langsam. Therapiert wird mit Entlastung, Physiotherapie, manchmal sind auch Orthesen oder eine Operation nötig, um den Hüftkopf zu erhalten. Wird die Erkrankung früh erkannt und behandelt, ist die Prognose gut. Ansonsten drohen Hüftdeformierung und eine spätere Arthrose.
Kinder entwickeln Hüftschmerzen auch aufgrund einer übersehenen Hüftdysplasie. Wird diese Fehlbildung nicht im Säuglingsalter behandelt, treten ab dem Laufenlernen Schmerzen auf. Unbehandelt entwickelt sich eine Hüftgelenksarthrose. In Deutschland werden alle Säuglinge in der U3 auf Hüftdysplasie gescreent, um eine frühzeitige Therapie zu ermöglichen.
Bei einer Hüftkopflösung ist der Knochen im Bereich der Wachstumsfuge geschwächt. Der Hüftkopf löst sich vom Schenkelhals. © Gelenk-Klinik
Typisch für die Pubertät ist die juvenile Hüftkopflösung (Epiphysiolitis capitis femoris), bei der sich der Hüftkopf in der Wachstumsfuge auf dem Schenkelhals verschiebt. Die genaue Ursache ist unbekannt, vermutet wird eine Kombination aus Hormonschwankungen in der Pubertät, Übergewicht und mechanischer Belastung. Vor allem männliche, übergewichtige Jugendliche leiden darunter. Es kommt zu Hüft- und Knieschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Schonhinken und Beinlängendifferenz. Der Beginn kann schleichend oder akut sein. Die akute Hüftkopflösung ist ein Notfall, nur die sofortige Operation kann das Absterben des Hüftkopfes vermeiden.
Die Osteochondrosis dissecans ist eine Knochenerkrankung, die meist zwischen 8 und 15 Jahren unterhalb der Gelenkflächen großer Gelenke (insbesondere am Knie, aber auch an der Hüfte) auftritt: Das betroffene Knochenareal löst sich mitsamt dem darüberliegenden Knorpel ab und gerät als Fremdkörper (Gelenkmaus) in den Gelenkinnenraum. Dort entstehen durch das Knochenfragment Knorpelschäden. Als Ursache der Osteochondrosis dissecans wird häufig eine sehr ausgeprägte sportliche Betätigung der betroffenen Kinder benannt. Ruhigstellung und Schonung sind daher stets die ersten Maßnahmen, die ein Orthopäde empfiehlt. Manchmal ist auch eine Hüftarthroskopie zur Entfernung freier Gelenkkörper erforderlich.
Auch die septische Arthritis (Coxitis) der Hüfte ist ein Notfall. Sie entsteht durch eine bakterielle Infektion, wobei die Keime meist aus einem Infektionsherd (Mittelohrentzündung, Lungenentzündung) über das Blut in das Gelenk gelangen. Sie kann in jedem Alter auftreten und führt zu Fieber, starken Schmerzen und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Behandelt werden muss sofort intensiv mit Antibiotika, dringlich ist eine Gelenkdrainage (arthroskopisch oder offen). Bei schneller Therapie heilt die Arthritis aus. Wird verzögert eingegriffen, drohen die Zerstörung des Gelenks, Wachstumsstörungen und eine dauerhafte Behinderung.
Eine weitere bakterielle Infektion ist die Osteomyelitis, also die Entzündung des Knochenmarks des Oberschenkelknochens oder des Hüftkopfs. Auch hierbei gelangen die Keime überwiegend über die Blutbahn in den Knochen, seltener über offene Verletzungen. Schmerzen, reduzierter Allgemeinzustand und Fieber sind die Beschwerden. Behandelt wird antibiotisch, gegebenenfalls werden der Eiter und die abgestorbenen Knochenstücke in einer offenen Operation entfernt (Débridement).
Die juvenile idiopathische Arthritis ist eine rheumatische Erkrankung, die im Kindes- und Jugendalter beginnt. Im Rahmen einer autoimmunen Reaktion greifen Immunzellen die eigenen Gelenke an, unter anderem auch die Hüfte. Bemerkbar macht sich die chronische Erkrankung durch Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Morgensteifigkeit, meist sind mehrere Gelenke betroffen. Die Behandlung besteht aus Schmerzmitteln, immunmodulierenden Medikamenten und Physiotherapie.
Hüftschmerzen durch Verletzungen
Bei sportlich aktiven Kindern im Wachstum können starke Muskelkontraktionen zu einem Apophysenabriss führen. Beim Fußballspielen ist besonders der Ansatz des Musculus rectus femoris am vorderen unteren Darmbeinstachel gefährdet. © Dusan Kostic, adobe
Auch bei Kindern können Verletzungen zu Hüftschmerzen führen. Stürze oder ein Aufprallen beim Sport haben nicht selten Muskelprellungen oder Muskelzerrungen an der Hüfte zur Folge. Typisch sind Schmerzen in der Hüfte, die bei Belastung oft stärker werden und Druckschmerzen im betroffenen Bereich. Behandelt wird mit Schonen, Kühlen und gegebenenfalls Schmerzmittel (kurzfristig).
Typisch für das Kindes- und Jugendalter sind die sogenannten Avulsionsverletzungen. Dabei kommt es durch eine plötzliche hohe Zugkraft der Muskulatur zum Ausreißen eines Knochenstücks am Sehnen‑ oder Muskelansatz. Das kann passieren, weil der kindliche Knochen im Bereich der Wachstumsfuge (Apophyse) schwächer ist als die daran befestigte Sehne. Eine Form ist der bei sportlichen Kindern und Jugendlichen gar nicht so seltene Abriss im Bereich der Beckenapophysen, z. B. an der Spina iliaca durch Zug der Oberschenkelmuskulatur. Bemerkbar macht sich der Apophysenabriss durch plötzlich einschießenden Schmerz, Knacken und eine eingeschränkte Bewegung. Die Therapie erfolgt meist konservativ durch Entlastung und spätere Physiotherapie. Große Verschiebungen von Knochenfragmenten müssen operiert werden.
Bei schweren Unfällen sind auch im Kindes- und Jugendalter Schenkelhals- oder Beckenbrüche möglich. Sie kommen aber deutlich seltener vor als bei Erwachsenen. Alarmzeichen sind starke Schmerzen und die Unfähigkeit, das Bein zu belasten. Behandelt wird operativ. Starke Schmerzen, Fehlstellung und Bewegungsunfähigkeit sind nach einem schweren Trauma meist Zeichen einer Hüftluxation. Eine Hüftluxation ist ein Notfall, der Hüftkopf muss so schnell wie möglich wieder reponiert (eingerenkt) werden.
Vor allem beim Sport kann es zur Verletzung der Gelenklippe im Hüftgelenk kommen. © Gelenk-Klinik
Neben Knochenschäden können auch Weichteilschäden durch Gewalteinwirkung entstehen. Im Hüftgelenk betreffen diese Verletzungen häufig die Gelenklippe (Labrum acetabulare) oder das Hüftkopfband. Ein Labrumriss oder -abriss führt zu Leistenschmerzen, manchmal auch zum Gefühl des Gelenkschnappens. Je nach Ausmaß wird konservativ oder operativ behandelt, Letzteres z. B. im Rahmen einer Arthroskopie.
Wann zum Arzt bei Hüftschmerzen von Kindern?
Notfall Hüfte
Bei Hüftschmerzen mit Fieber, schlechtem Allgemeinzustand oder deutlicher Schwellung und Bewegungseinschränkung der Hüfte sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden – notfalls auch über die Notaufnahme, da eine bakterielle Gelenk‑ oder Knocheninfektion möglich ist.
Grundsätzlich sollte jedes Kind, das plötzlich humpelt oder unklare Hüft‑ oder Leistenschmerzen hat, ärztlich vorgestellt werden. Denn hinter einem zunächst harmlos anmutenden „Hüftschnupfen“ kann auch eine ernsthafte Erkrankung wie eine septische Arthritis oder eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes (z. B. Morbus Perthes) stecken.
Zeitnah einen Kinderarzt oder einem kinderorthopädischen Facharzt aufsuchen sollte man, wenn
- das Kind plötzlich hinkt oder das Bein nicht belastet,
- das Kind nicht mehr laufen kann
- Schmerzen nachts bestehen oder das Kind davon geweckt wird oder
- die Schmerzen trotz Schonung und leichter Medikation nach wenigen Tagen nicht besser werden.
Ärztliche Behandlung von Hüftschmerzen bei Kindern
Bei Verdacht auf eine septische Arthritis oder eine Osteomyelitis lässt der Arzt das Blut auf Entzündungsmarker wie z. B. CRP untersuchen. © syhin_stas, adobe
Hüftschmerzen bei Kindern muss der Arzt immer gründlich abklären, um zwischen harmlosen und gefährlichen Ursachen zu unterscheiden und bei Letzteren sofort eingreifen zu können.
Anamnese. Zunächst werden die Eltern und das Kind nach den Beschwerden gefragt. Wichtig ist, wo die Schmerzen sitzen, ob das Kind noch regelrecht läuft, humpelt oder das Bein gar nicht mehr belasten kann. Auch der Beginn der Symptome zählt, d.h., ob sich diese schleichend entwickelt haben oder plötzlich aufgetaucht sind. Außerdem fragt der Arzt, ob ein Infekt oder ein Unfall vorausgegangen sind.
Untersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung beobachtet der Arzt das Gangbild und achtet auf Hinken und Schonhaltung. Im Liegen macht er Bewegungstests, z. B. dreht er das Bein des Kindes nach innen und nach außen, beugt und streckt es in der Hüfte, spreizt es ab und zieht es heran. Außerdem wird das Fieber gemessen und der Allgemeinzustand des Kindes beurteilt und dokumentiert.
Labor. Bei Verdacht auf eine Infektion nimmt er Blut ab und lässt es auf Entzündungszeichen (CRP, BSG, Anzahl der weißen Blutkörperchen) untersuchen. Dies ist vor allem wichtig, um einen Hüftschnupfen von einer bakteriellen septischen Arthritis abzugrenzen.
Bildgebung. Bildgebende Verfahren schließen die Diagnostik ab. Die Sonographie zeigt Gelenkergüsse, im Röntgen lassen sich Frakturen, ein Morbus Perthes und die Hüftkopflösung erkennen. Bei unklaren Fällen hilft die MRT weiter.
Therapie von Hüftschmerzen bei Kindern
Im Falle eines Labrumabrisses (Riss der Gelenklippe) ist meist ein arthroskopischer Eingriff erforderlich. © bilderzwerg, Fotolia
In vielen Fällen ist auch beim kindlichen Hüftschmerz eine konservative Therapie ausreichend. Sie besteht aus mehreren Bausteinen, die je nach Ursache miteinander kombiniert werden:
- Schonung und Entlastung
- Schmerztherapie, meist mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen
- Physiotherapie zum Erhalt der Beweglichkeit und zum Muskelaufbau
- Entlastung mit Gehstützen und Orthesen
- Antibiotika, meist intravenös
- langfristige Gabe von NSAR oder immununterdrückenden Substanzen
In einigen Fällen ist eine operative Therapie nötig, entweder als Sofort-OP oder als elektiver Eingriff zur Korrektur.
- Die Behandlung der Hüftkopflösung ist immer eine Notfall-Operation, d.h. sie muss sofort erfolgen. Meist wird der Kopf mit einer Schraubenosteosynthese fixiert.
- Ebenfalls als Notfall operiert wird bei septischer Arthritis. Hier ist eine arthroskopische Gelenkspülung erforderlich, manchmal muss das Gelenk dafür auch geöffnet werden.
- Operiert wird auch bei Frakturen, in der Regel erfolgt eine Osteosynthese. Manchmal wird auch ein Apophysenabriss operativ fixiert, insbesondere, wenn es sich um große Fragmente handelt.
- Bei strukturellen Problemen wie Hüftdysplasie oder Fehlstellungen kommen Korrekturoperationen in Frage, wenn die konservative Therapie nicht reicht.
