Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
Alte Bundesstr. 58
79194 Gundelfingen
Tel: (0761) 55 77 58 0
Mail: patienten@gelenk-klinik.de

Kniespezialist untersucht Knieschmerzen

Kreuzbandriss: Ruptur des Kreuzbandes im Knie

  1. Was ist ein Kreuzbandriss?
  2. Funktion der Kreuzbänder im Knie
  3. Ursache und Hergang des Kreuzbandrisses
  4. Prävention: Wie kann ich einem Kreuzbandriss vorbeugen?
  5. Arten des Kreuzbandrisses
  6. Symptome und Schmerzen bei Kreuzbandruptur
  7. Folgen des Kreuzbandrisses
  8. Diagnose: Woran erkennt der Arzt die Ruptur des Kreuzbandes?
  9. Konservative Behandlung des Kreuzbandrisses
  10. Operation des Kreuzbandrisses: Rekonstruktion durch Wiederannähen oder Kreuzbandersatz?
  11. Kreuzbandersatz durch Sehnentransplantation
  12. Kreuzbandnaht durch Refixation des gerissenen Kreuzbandes
  13. Erfolgsraten nach der Kreuzband-OP
  14. Heilungsdauer und Krankschreibung nach der Kreuzbandoperation

Im Zentrum des Kniegelenks kreuzen zwei Bänder, die Oberschenkel (Femur) und Schienbein (Tibia) miteinander verbinden und in ihrer Position halten. Durch die Ruptur (Riss) eines oder beider Kreuzbänder wird das Kniegelenk instabil. Ein Kreuzbandriss betrifft meist das vordere Kreuzband. Ursachen sind häufig Sportverletzungen, wie beispielsweise eine Verdrehung (Distorsion) des Knies beim Skifahren oder ein Zusammenprall beim Ballsport.

Ist ein Kreuzband gerissen, schwillt das Kniegelenk stark an und ein stechender Schmerz entsteht. In vielen Fällen geht der Kreuzbandriss mit einem Knack- oder Knallgeräusch einher und die Betroffenen spüren einen Ruck im Kniegelenk. Der Patient kann sein Knie nicht mehr in vollem Umfang bewegen.Um das Knie wieder zu stabilisieren und einer Kniearthrose vorzubeugen, kann der Orthopäde das Kreuzband entweder nähen oder durch ein Sehnentransplantat ersetzen.

Was ist ein Kreuzbandriss?

Kniegelenk Kreuzbänder. Deutlich sichtbar sind das vordere und hintere Kreuzband zentral in der Mitte des Knies. Die Knorpelflächen und die Menisken auf der Schienbeinseite sind violett eingezeichnet. Das Kreuzband kann sich bei Verdrehung (Distorsion) oder Schlag auf das Knie leicht dehnen oder verletzen. Wenn es zerstört ist, spricht man von einem Kreuzbandriss. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist die vollständige oder teilweise Zerstörung durch Überlastung der innen im Knie hinten und vorne medial verlaufenden Kreuzbänder durch traumatisches Umknicken oder Verdrehung (Distorsion) des Kniegelenks. Dadurch entsteht eine Instabilität zwischen Oberschenkel- und Unterschenkelknochen im Kniegelenk. Der Oberschenkelknochen (Femur) schiebt sich dann nach vorne über das Schienbein (Tibia) hinaus.

Meistens ist das vordere Kreuzband von einer Ruptur betroffen. Häufig resultiert der Kreuzbandriss aus einer Sportverletzung. Kontaktsportarten wie Fußball oder Skifahren führen besonders häufig zum Kreuzbandriss im Kniegelenk. 40 % aller Knieverletzungen sind Bandverletzungen. Zu über 60 % sind die Kreuzbänder betroffen. Das vordere Kreuzband reißt etwa 10-mal so häufig wie das hintere Kreuzband. Es wird bei typischen Unfallhergängen stärker belastet.

Die Form des Kreuzbandrisses kann aber sehr unterschiedlich sein. Unter den Bandverletzungen am Knie ist der Kreuzbandriss die häufigste Bandruptur, die wir in der orthopädischen Praxis sehen.

Funktion der Kreuzbänder im Knie

Kniegelenk: vorderes und hinteres KreuzbandArthroskopie: Das vordere und hintere Kreuzband des Knies sind in diesem Bild intakt. © Gelenk-Klinik

Um die Langzeitfolgen des Kreuzbandrisses besser zu verstehen, muss man sich die Funktion der Bänder im Knie klarmachen.

Im Kniegelenk sind Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) über vier Bänder miteinander verbunden: vorderes und hinteres Kreuzband, die zentral im Knie verlaufen und die beiden Seitenbändern, die das Gelenk innen und außen stabilisieren.

Die Kreuzbänder halten das Kniegelenk bei jeder Belastung in seiner Position.

Sie verlaufen im Inneren des Gelenks und überkreuzen sich dabei. Die beiden Bänder sind also die zentralen Stabilisatoren des Kniegelenks.

Das vordere Kreuzband besteht aus zwei relativ unabhängigen Faserbündeln. Diese Bündel sind spiralförmig verdrillt. Das macht das Kreuzband belastbar gegenüber den unterschiedlichen Kraftwirkungsrichtungen, die im Alltag auftreten können.

Das hintere Kreuzband verhindert, dass das Schienbein (Tibia) nach hinten unter den Oberschenkelknochen gleitet. Das vordere Kreuzband verhindert dass der Oberschenkelknochen über das Schienbein hinweg nach vorne ausweicht.

Die Kreuzbänder zentrieren die Knochen im Kniegelenk bei Krafteinwirkung

Sowohl das vordere als auch das hintere Kreuzband stehen ständig unter einer gewissen Spannung. Sobald man das Kniegelenk belastet, sorgen sie für eine Zentrierung der Knochen im Kniegelenk. Sie schränken also die Beweglichkeit der oberen und unteren Gelenkfläche gegeneinander stark ein. So zentrieren die Bänder das Kniegelenk bereits, bevor die Muskeln bei einer Belastung als Stabilisatoren einspringen können. Die Muskeln im Bein rund um das Kniegelenk sind ohne die Funktion der Kreuzbänder nicht ausreichend, um eine Überbeweglichkeit des Kniegelenks zu verhindern.

Warum ist ein Kreuzbandriss ein behandlungsbedürftiger medizinischer Notfall?

Sofortmaßnahmen nach Kreuzbandriss

  • Knie ruhigstellen, evtl. mit Bandage oder Orthese
  • sportliche Aktivität und Wettkampf sofort beenden
  • Entlastung des Knies mit Unterarmgehstützen
  • Schmerzen und Schwellung mit Schmerzmitteln (nichtsteroidalen Antirheumatika/NSAR) behandeln
  • bei Schwellung Knie hochlagern
  • Kühlung mit Eis

Das vordere und hintere Kreuzband im Knie sind die Stabilisatoren des Kniegelenks. Sie verlaufen zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Unterschenkelknochen und halten diese in ihrer Position. Eine Ruptur der Bänder verursacht eine dauerhafte Instabilität, weil die Lage von Ober- und Unterschenkel dann nur noch durch die Muskelspannung der umliegenden Muskulatur fixiert ist. Kreuzbänder heilen nicht mehr spontan zusammen.

Die aus dem Kreuzbandriss resultierende Mehrbeweglichkeit führt auf Dauer zu einem erheblichen Verschleißschaden und schädigt das Knie nachhaltig.

Klinische und experimentelle Untersuchungen zeigen, dass ein vollständiger Riss des vorderen Kreuzbandes nicht spontan ausheilt. Vielmehr führt eine bestehende Instabilität durch die Mehrbeweglichkeit des Knies in der Regel zur Entwicklung von Folgeschäden wie einer Arthrose.

Welche Bänder tragen noch zur Stabilisierung des Kniegelenks bei?

Das Innenband verläuft auf der Innenseite (medial) des Kniegelenks. Es stabilisiert das Knie so, dass es nicht nach innen einknicken kann.

Auf der Außenseite (lateral) verläuft das Außenband des Kniegelenks. Es stabilisiert das Knie gegen ein Abknicken nach außen.

Ursache und Hergang des Kreuzbandrisses

Der vordere Kreuzbandriss ist meistens eine Sportverletzung. In vielen Fällen dreht sich dabei der Unterschenkel aus der Beinachse (Distorsion). Folgende Situationen sind typisch für diese Verletzung:

  • harter seitlicher Aufprall eines Gegners beim Fußball gegen das Kniegelenk
  • Überstreckung des Kniegelenks
  • plötzliches Abbremsen aus vollem Lauf
  • plötzlicher Richtungswechsel aus vollem Lauf
  • verunglückte Landung nach Sprung oder Drehung

Ein typischer Unfallhergang ist z. B. ein Angriff gegen das Bein eines Gegenspielers beim Fußball.

Außerdem tritt ein Kreuzbandriss sehr häufig beim Skiunfall im Rahmen eines Sturzes mit Verdrehung oder Überstreckung des Unterschenkels auf.

Der Patient spürt meist schon im Moment des Unfalls ein Reißen im Kniegelenk. Häufig begleitet ein hörbarer Knall des überdehnten und reißenden Bandes den Kreuzbandriss. Für eine Ruptur des Kreuzbandes müssen erhebliche Kräfte auf das Band einwirken. Das Kreuzband hat eine Reißfestigkeit von etwa 2400 kg. Seine Reißfestigkeit variiert aber: Bei Frauen ist der Durchmesser geringer, daher sind sie häufiger von Kreuzbandrissen betroffen. Bei Kindern erfolgt häufiger ein Ausriss des Kreuzbandes aus der knöchernen Verankerung in der Tibia (Schienbein).

Beim Riss des hinteren Kreuzbandes sind größere Kräfte erforderlich als beim vorderen Kreuzbandriss. Es ist nämlich viel kräftiger. Belastungen in dieser Größenordnung treten häufig bei Verkehrsunfällen auf, wenn zum Beispiel das Kniegelenk gegen den Innenraum des Autos schlägt. Daher sind Verletzungen des hinteren Kreuzbandes viel seltener.

Risikofaktoren und riskante Situationen für den Kreuzbandriss

  • Fußball
  • Skifahren (alpin)
  • Alter zwischen 15 und 25 Jahren
  • weibliches Geschlecht (Frauen erleiden einen Kreuzbandriss 4–8-fach häufiger.)
  • ein vergangener Kreuzbandriss
  • körperliche Ermüdung am Ende des Spiels bzw. der Saison
  • hohe Reibung des Untergrundes bzw. der Schuhe
  • Koordinationstörungen, z. B. durch Ermüdung
  • anatomisch schmales Kreuzband

Kreuzbandrisse treten vor allem bei Kontaktsportarten auf. In der Mehrzahl aller Fälle geschieht ein Kreuzbandriss ohne Einwirkung eines Gegenspielers: Eine verunglückte Landung nach einem Sprung oder ein plötzlicher Richtungswechsel genügen, um das Kreuzband zu überlasten.

Prävention und Übungen: Wie kann ich einem Kreuzbandriss vorbeugen?

Oft entsteht der Kreuzbandriss beim Sport ohne direkte Einwirkung des Gegners. Vor allem Sportlerinnen profitieren von Präventionsübungen. Bei Mädchen und Frauen treten Kreuzbandrisse vielfach häufiger auf als bei Männern.

Landen, v. a. einbeinig nach einem Sprung (Volleyball, Basketball), ein plötzlicher Richtungswechsel (Handball, Fußball) oder Drehbewegungen wurden in Videoanalysen von Unfällen als kritische Situationen ermittelt.

Übungen mit dem Balance-Board schützen vor KreuzbandrissÜbungen mit dem Balance-Board fördern die Koordination der knieschützenden Muskulatur. Diese Übung senkt die Rate an Kreuzbandrissen deutlich. © Istockphoto/Philartphace

Vor allem wenn der Unterschenkel in der Beugung des Knies entweder nach außen oder innen rotiert ist, befindet sich das Kreuzband bereits vor der Landung in einer maximalen Spannung. In bestimmten Situationen wirken beim Sport Kräfte bis zu 500 % des Körpergewichts auf die Bänder ein. Diese Kräfte kann nur eine starke Muskulatur auffangen.

Die Reaktionszeit der stabilisierenden Muskulatur ist also ein erheblicher Faktor zur Vermeidung von Kreuzbandrissen. Folgerichtig entstehen viele Kreuzbandrisse am Ende eines Wettkampfes oder Spiels infolge einer neuromuskulären Ermüdung.

Übungen zur Prävention:

  • Beinachsentraining: Bewegung und Sprünge auf weichen Untergründen (Matten)
  • Koordinationstraining: Sprungübungen
  • Propriozeption: Balance-Board

Regelmäßige Übungen zur Förderung der neuromuskulären Koordination und Propriozeption ("Selbstwahrnehmung" über die reflektorischen Regelkreise zur Gelenkstabilisierung) sind daher nachweislich wirksam zur Prävention von Kreuzbandrissen.

Eine der wichtigsten Übungen zur Förderung der Stabilität im Knie ist – neben allgemeinem Muskelaufbau – das Training mit dem sogenannten Balance-Board, einem Wackelbrett, auf dem das Gleichgewicht zu halten ist. Eine Studie konnte zeigen, dass die Rate an Kreuzbandrissen in einem Fußballteam durch Training mit dem Balance-Board um 85 % gesenkt werden konnte (Caraffa et al, 1996).

Ein spezielles Sprungtraining kann für Risikosportarten knieschützende Bewegungsabläufe aufbauen und festigen.

Auch nach einer Kreuzbandoperation mit Kreuzbandplastik ist das Balance-Board zentral für die Vorbeugung erneuter Kreuzbandrisse am gleichen Knie oder auf der Gegenseite. Sportler, die bereits einen Kreuzbandriss hatten, haben eine 5-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu nicht betroffenen Sportlern, auch auf der Gegenseite eine Kreuzbandruptur zu erleiden. Propriozeptionsübungen sind ein wirksames Mittel, um die Unfallwahrscheinlichkeit abzusenken. Gut geschützte Sportler verfügen über eine schnelle Aktivierung der kniestabilisierenden Muskulatur.

Lehrvideo: Praktische Trainingshinweise zur Prävention des Kreuzbandrisses

Arten des Kreuzbandrisses

Nicht jeder Kreuzbandriss ist gleich. Die Verletzung wird je nach Ausmaß der Schädigung in Teilruptur, Zerrung oder vollständige Ruptur eingeteilt. Auch die Lage des Kreuzbandrisses ist wichtig: Ein Riss in der Mitte kann der Arzt eher mittels Naht refixieren (Kreuzbanderhaltung) als ein Ausriss an der knöchernen Verankerung des Kreuzbandes.

Die folgende Unterscheidung der unterschiedlichen Arten des Kreuzbandrisses hat also wichtige Folgen für die Therapie.

1. Komplette Ruptur des Kreuzbandes

Bei der kompletten Ruptur ist der volle Durchmesser des Kreuzbandes durchtrennt. Die Stabilisierung des Kniegelenks ist dann ganz verloren gegangen. Meist liegt der Riss des vorderen Kreuzbandes im oberschenkelseitigen (femoralen) Anteil. Hat das Kreuzband keine Verbindung mehr zum Oberschenkel, sinkt es infolge der Schwerkraft ab. Es bleibt nicht mehr in Verbindung mit der Insertionsstelle (Stelle der Verletzung) und heilt daher nicht von alleine zusammen.

2. Teilruptur des Kreuzbandes

In manchen Fällen sind nur die inneren Fasern im Kreuzband gerissen. Die äußere Hülle wird dann lediglich gedehnt. Auch bei der Dehnung des Kreuzbandes ist die Stabilität im Kniegelenk nicht mehr gegeben, obwohl das Kreuzband äußerlich intakt erscheint. Es kann aber sein, dass die Kreuzbandfunktion noch in Anteilen erhalten ist. Sobald der Hauptteil des Kreuzbandes als Leitstruktur erhalten ist und die Stümpfe nicht völlig voneinander getrennt sind, kann das vordere Kreuzband von selbst ausheilen.

3. Ausriss an der knöchernen Verankerung des Kreuzbandes

Neben diesen Rissformen im Band selbst kann es auch aus seiner Verankerung im Knochen gerissen oder gelockert sein. Vor allem Kinder und Jugendliche sind häufig von dieser Art des Kreuzbandrisses betroffen, da ihre Knochenstrukturen im Vergleich zu den Bandstrukturen schwächer sind. Somit reißt das Kreuzband mitsamt eines Knochenstücks heraus. Insbesondere die untere (tibiale) Verankerung ist bei dieser Art des Kreuzbandrisses gefährdet. Auch beim Ausriss aus der knöchernen Verankerung geht die Kreuzbandfunktion vollständig verloren. In diesem Fall besteht die operative Möglichkeit der Refixierung des Kreuzbandes.

4. Ruptur des hinteren Kreuzbandes

Das hintere Kreuzband (PCL) reißt wesentlich seltener als das vordere Kreuzband. Es ist viel kräftiger. Außerdem wirken die meisten Traumata auf das vordere Kreuzband ein. Nur 7–10 % aller Kreuzbandrisse betreffen das hintere Kreuzband. Die typische Ursache des hinteren Kreuzbandrisses ist das Anstoßen des Knies am Armaturenbrett bei einem Autounfall.

Symptome und Schmerzen bei Kreuzbandruptur

Symptome und Anzeichen:

  • Schwellung
  • blutiger Gelenkerguss
  • Instabilitätsgefühl
  • heftiger Schmerz im Inneren des Knies
  • deutlich hörbares Knallen durch das reißende Kreuzband
  • Knie lässt sich nicht mehr ganz strecken
  • nach Anschwellen des Kniegelenks stechender Schmerz wegen zunehmender Dehnung der Gelenkkapsel

Der Kreuzbandriss geht häufig mit einem hörbaren Knall wegen der Ruptur des festen, inelastischen Kreuzbandes einher. Aufgrund der durchtrennten Nerven im Kreuzband ist der Riss von einem stechenden Schmerz begleitet, der aber schnell wieder abklingt.

Das Kniegelenk schwillt nach der Kreuzbandruptur schnell und deutlich an. Durch die Verdrehung (Distorsion) als Ursache des Kreuzbandrisses werden häufig noch andere Bänder oder der Meniskus verletzt. Das Kniegelenk ist nach einer Kreuzbandverletzung in Alltag und Sport weniger belastbar.

Beim Bergabgehen gibt das Kniegelenk stark nach. Es rutscht also nach vorne weg, weil der vom vorderen Kreuzband nicht mehr gehaltene Oberschenkelknochen über das Schienbein nach vorne ausweicht ("giving way").

Eine Instabilität des Kreuzbandes nach Kreuzbandriss ist erst bei deutlicher Beugung des Knies zu beobachten. Unter Belastung fühlt sich das Knie ab etwa 30° instabil an. Daher spüren Menschen mit geringer sportlicher Belastung im Alltag oft wenig vom Kreuzbandriss, weil sie den Bewegungsspielraum selten ausschöpfen und ihr Knie meist gestreckt lassen.

Folgen des Kreuzbandrisses

Begleitverletzungen nach Kreuzbandriss:

Zu 80 % resultieren aus einem Kreuzbandriss auch noch Verletzungen an anderen Strukturen im Knie.

Häufig klagen Patienten nach einem Kreuzbandriss über ein instabiles Kniegelenk. Bei jeder Belastung knickt es unvermittelt weg. Längere Gehstrecken, Laufen oder Springen sind nicht mehr möglich. Häufig begleitet ein diffuser Knieschmerz die Instabilität. Manchmal besteht eine Schwellung mit Gelenkerguss. Diese akuten Folgen des Kreuzbandrisses klingen nach wenigen Tagen oder Wochen wieder ab.

In der Akutphase kann das Kreuzband nicht sofort durch eine Rekonstruktion operiert werden. Man wartet ab, bis das Knie reizlos geworden ist. In dieser Zeit sollte der Patient sein Knie durch Unterarmgehstützen entlasten. So können auch Begleitverletzungen, wie Knochen-Knorpelschäden (Bone-Bruise-Verletzungen) abheilen.

Der Arzt untersucht Art und Ausmaß der Knieverletzung, um alle Folgen des Kreuzbandrisses richtig einschätzen zu können. Nur mit einem genauen Befund kann man eine gezielte Behandlung einleiten.

So haben im MRT über 80 % aller Patienten mit Kreuzbandriss ein sogenanntes Bone Bruise: Das ist ein mechanisches Trauma des Knochens, das zu sichtbaren Ödemen (Flüssigkeit im Knochen) führt. Nach Abheilen des Ödems ist es nicht mehr unmittelbar schmerzhaft. In vielen Fällen wird der Knorpel an diesen Stellen aber weich und ist weniger Leistungsfähig. Bei Nachuntersuchungen zeigen sich an 50 % der Stellen mit Bone Bruise auch Knorpelerweichungen und Knorpelschäden.

Langzeitfolgen nach Ruptur des Kreuzbandes

Bleibt der Kreuzbandriss unbehandelt, kommt es im Laufe von mehreren Jahren zu Folgeschäden. Wie in einem ausgeschlagenen Getriebe werden die Gelenkflächen und auch die Menisken übermäßig belastet. Es droht ein vorzeitiger Knorpelverschleiß, Knorpelschäden und nach 10–15 Jahren eine Arthrose des Kniegelenks. Häufig reißt durch die bleibende Instabilität nach dem Kreuzbandriss auch der Meniskus ein.

Folgeschäden des unbehandelten Kreuzbandrisses:

Diese Instabilität durch die fehlende Bandfunktion kann der Patient, im Gegensatz zu einer auch unter Ärzten noch weit verbreiteten Meinung, nicht durch Muskelarbeit ausgleichen. Die Bewegungskoordination und die Kraftentwicklung im Kniegelenk des Patienten sind nach der Kreuzbandverletzung fühlbar beeinträchtigt. Patienten, die sich sportlich im Leistungsbereich bewegen, spüren den Leistungsunterschied im Alltag deutlich. Chronische Knieschmerzen nach einer Kreuzbandverletzung können, müssen aber nicht auftreten. Je besser der Trainingszustand des Patienten, umso eher kann er den Verlust des Kreuzbandes durch Muskelkraft kompensieren.

Diagnose: Woran erkennt der Arzt die Ruptur des Kreuzbandes?

Klinische Untersuchung:

Vor der klinischen Untersuchung fragt der Arzt den Patienten nach dem Unfallhergang und einem bleibenden Instabilitätsgefühl. Das liefert Hinweise zu Art und Ausmaß der Kreuzbandverletzung. Leider erfolgt häufig erst nach vielen Jahren die Diagnose eines Kreuzbandrisses, weil viele Patienten den Unfallhergang als Bagatellverletzung ("Verstauchung") einstufen.

Neben einer Bewegungsprüfung, die eher Aufschluss über begleitende Meniskusverletzungen gibt, können spezifische Stabilitätstests einen Kreuzbandriss nachweisen.

Lachmanntest

Lachmanntest zur Diagnose eines KreuzbandrissesDie Kreuzbandfunktion lässt sich mittels Lachmanntest ermitteln. Der Test funktioniert ähnlich wie der Schubladengriff, aber wird in 30°-Beugung des Knies durchgeführt. Weil bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT beim Kreuzbandriss nicht immer aussagekräftig sind, ist die klinische Untersuchung durch den erfahrenen Spezialisten sehr wichtig, um eine Instabilität des Bandapparates im Knie festzustellen © Gelenk-Klinik

Beim Lachmanntest zieht der Arzt den Unterschenkel in 30°-Kniebeugung nach vorne. Ist das vordere Kreuzband gerissen, lässt sich der Unterschenkel deutlich weiter als die unverletzte Gegenseite schieben.

Pivot-Shift-Test

Der Pivot-Shift-Test ist eine Kombination aus Dreh- und Schiebebewegung des Unterschenkels. Er gibt ebenfalls Aufschluss für einen Riss des vorderen Kreuzbandes.

Schubladentest

Eine "hintere Schublade", bei der der Unterschenkel im Vergleich zur gesunden Seite deutlich weiter nach hinten fällt, ist ein Nachweis für eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes.

Eine "vordere Schublade", bei der sich der Oberschenkelknochen über den Unterschenkelknochen herausziehen lässt, ist ein Nachweis für einen vorderen Kreuzbandriss.

Die klinische Untersuchung kann erschwert sein, wenn nur Teile des Kreuzbandes gerissen sind. Dann ist die Funktion des Kreuzbandes trotz der Bandschäden noch teilweise erhalten.

Gelenkpunktion (Untersuchung der Gelenkflüssigkeit) nach Kreuzbandriss

Da die Kreuzbänder gut durchblutet sind, kommt es bei einem Kreuzbandriss zu einer Einblutung in das Kniegelenk (Hämarthros). Eine Gelenkpunktion (Herausziehen von Gelenkflüssigkeit mit einer Nadel) kann die Einblutung nach der Verletzung nachweisen: Der Blutanteil in der Flüssigkeit ist ein deutliches Indiz. Allerdings ist diese Diagnose durch eine Punktion nur bei einem frischen Kreuzbandriss aussagekräftig.

Röntgenuntersuchung nach einem Kreuzbandriss

Röntgenbilder können den Zustand eines Bandes zwar nicht direkt darstellen. Um knöcherne Begleitverletzungen nach einer Distorsion des Kniegelenks auszuschließen, ist ein Röntgenbild aber ein unerlässlicher Teil der Untersuchung nach Kreuzbandriss. Ein Röntgenbild des Kniegelenks in zwei Ebenen kann einen knöchernen Ausriss des Kreuzbandes darstellen.

Untersuchung des Kreuzbandrisses mit Kernspintomografie (MRT)

Intaktes hinteres Kreuzband im MRT (Magnetresonanztomografie)Kernspintomografie: Das hintere Kreuzband verläuft intakt von der Vorderseite des Oberschenkels bis zur hinteren Gelenkfläche des Schienbeines.. © Radiopedia.org

Die Kernspintomografie kann einen vollständigen Kreuzbandriss häufig gut darstellen. Die im Röntgen oder durch klinische Untersuchungen nicht eindeutig feststellbaren Kreuzbandrisse können im MRT (Magnetresonanztomografie) viel besser erkannt werden.

Schwierig wird die Diagnose mit dem MRT erst, wenn das Kreuzband nicht ganz gerissen ist, sondern nur gedehnt ist bzw. eine Teilruptur erlitten hat.

Teilrupturen des Kreuzbandes kann die Bildgebung nur schwer auflösen. Man erkennt nur schwer, in welchen Anteilen das Kreuzband noch intakt ist. In diesen Fällen muss der Kniespezialist mit viel Erfahrung die Überbeweglichkeit des Kniegelenks im Vergleich zum anderen Knie überprüfen (Schubladentest).

Diagnose von Knochenödemen nach Kreuzbandriss

Vorderer Kreuzbandriss in der KernspintomografieGleicher Patient: Das vordere Kreuzband ist hier nicht mehr zu sehen. Der Verlauf von der Hinterseite des Oberschenkels bis zur vorderen Gelenkfläche des Schienbeins ist nicht mehr klar eingezeichnet, weil die Struktur nach dem Kreuzbandriss zerstört ist. © Radiopedia.org

Häufig führen die Distorsionsverletzungen, die zum Kreuzbandriss führen, auch zu Begleitverletzungen und Knochen-Knorpelschäden. Die Kernspintomographie kann diese sog. Bone Bruises anhand der Flüssigkeitseinlagerung im Knochen nachweisen.

Meniskus-MRT nach Kreuzbandriss

ie Magnetresonanztomografie (MRT) kann auch einen eventuellen Meniskusriss als Begleitverletzung des Kreuzbandrisses nachweisen. Diese Information ist wichtig für die Planung der Therapie. Manche Meniskusläsionen erfordern eine operative Meniskusnaht. Kleine Längsrisse in der Peripherie des Meniskus können auch konservativ behandelt werden.

Welche Schwierigkeiten bereitet die Diagnosestellung?

Kreuzbandschaden in der arthroskopischen Darstellung Arthroskopisches Bild: femoraler (oberschenkelseitiger) Abriss des vorderen Kreuzbandes. © Gelenk-Klinik.de

Ein kompletter Bandabriss verläuft häufig symptomarm. Teilrupturen sind von kompletten Abrissen in der klinischen Untersuchung schwer zu unterscheiden. Ergebnisse von Röntgen- sowie Kernspin-Untersuchungen ergeben nicht selten fälschlicherweise negative Befunde. Man sieht also im Bild ein scheinbar intaktes Kreuzband, dessen innere Struktur – und damit auch seine Funktion – deutlich zerstört ist. Bei diesen "falsch-negativen" Befunden scheint das Kreuzband anatomisch intakt, obwohl es in Wirklichkeit keine Funktion mehr ausübt.

Das Kreuzband besteht aus vielen Einzelfasern, die mit einer Hüllstruktur umgeben sind – ähnlich wie bei einem ummantelten Telefonkabel. Die Fasern reißen häufig im Inneren, während die Hülle noch intakt ist. Bleibt die Umhüllung unversehrt, misslingt der Nachweis des Kreuzbandrisses im Kernspin, weil die Struktur äußerlich intakt zu sein scheint.

Werden die Fasern komplett durchtrennt, führt dies in Abwesenheit von starken Begleitverletzungen zu einer Anschwellung, die häufig nach 1–2 Tagen wieder abklingt.

Danach kann das Knie mit Kreuzbandriss über Jahre relativ symptomfrei, aber funktionell instabil sein. Daher werden viele Kreuzbandrisse erst Monate oder sogar Jahre nach der Ruptur diagnostiziert.

Funktionstest des hinteren KreuzbandesOft werden die vorderen und die hinteren Kreuzbänder bei einem Trauma (Unfall) gleichzeitig beschädigt. Bei direkter Inspektion des verletzten Knies sieht der Kniespezialist bei einem Riss des hinteren Kreuzbandes (HKB) oft ein Einsinken oder einen Knick. © Gelenk-Klinik

Erst wenn sekundäre Symptome wie z. B. Meniskusrisse und Knorpelschäden auftreten, wird die Ursache – oftmals arthroskopisch – erkannt. Es handelt sich dabei häufig um einen Jahre zurückliegenden Kreuzbandriss.

Die muskuläre Stabilisierung des Gelenks erfolgt mithilfe von Dehnungsrezeptoren in der Gelenkkapsel. Dieser Verarbeitungsprozess benötigt Zeit, in der die Kräfte, die ohne die Kreuzbandfunktion auf das Gelenk wirken, ungeschützt das Gelenk angreifen können.

Therapie des Kreuzbandrisses: Konservativ oder operativ?

Wir müssen zwischen der konservativen Therapie, die auf eine Operation verzichtet, und der operativen Rekonstruktion des Kreuzbandes abwägen. Nicht jeder Kreuzbandriss erfordert eine Operation. Die gesamte Situation des Patienten sowie alle auftretenden Begleitverletzungen spielen bei der Therapieentscheidung eine Rolle. Wenn der Patient nicht besonders körperlich oder sportlich aktiv im Leben ist und das Knie sich nach dem Kreuzbandriss stabil anfühlt, kann auf eine operative Behandlung verzichtet werden.

Für körperlich aktive Menschen haben die Kreuzbänder eine zentrale und unersetzliche Rolle bei der Herstellung der stabilen Beinachse: Die Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion nach einem Kreuzbandriss ist für die meisten Patienten unverzichtbar für die Gesundheit des Kniegelenks.

Fachartikel von Prof. Dr. Ostermeier zum Thema
"Kreuzbandriss: Kreuzbandplastik oder Refixation?"

Konservative Behandlung des Kreuzbandrisses

Wann ist ein Kreuzbandriss konservativ zu therapieren?

  • Das Aktivitätsniveau des Patienten ist niedrig – er übt keine Risiko- und Kontaktsportarten aus.
  • Es bestehen keine oder geringe Begleitverletzungen im Knie durch die Distorsionsverletzung.
  • Bei Teilruptur des Kreuzbandes müssen mindestens 75 % des Kreuzbandes noch intakt sein, um eine Spontanheilung zu unterstützen.
  • Bei knöchernem Ausriss sollte das Band der Ausrissstelle noch anhaften und nicht verschoben sein.

Bei der wichtigen mechanischen Stabilisierungsfunktion des Kreuzbandes besteht eigentlich keine Priorität für die konservative Behandlung. Auf eine Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion nach Kreuzbandriss kann man bei aktiven Patienten nicht verzichten.

Die konservative Behandlung ist jedoch auch zur Vorbereitung einer Kreuzbandersatzplastik oder in der Rehabilitation nach einer Kreuzbandnaht ein sehr wichtiger Teil der Behandlung.

Sie besteht im Wesentlichen aus dem Muskelaufbau im Bein. Die Muskulatur soll die verlorene Bandfunktion im Knie kompensieren.

Konservative Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion nach Teilruptur

Bei einer Teilruptur des Kreuzbandes ist eine Selbstheilung möglich. Die noch intakten Kreuzbandfasern dienen als Leitstruktur für die gerissenen Fasern. Als Voraussetzung müssen mindestens 75 % des Kreuzbandes noch intakt sein.

Auch ein vollkommen unverschobener knöcherner Ausriss des Kreuzbandes kann in Einzelfällen ohne Operation, also konservativ behandelt werden. Dazu führt der Patient gezielte Übungen zur Kräftigung der Ober- und Unterschenkelmuskulatur aust.

Durch konsequentes Trainieren der Muskulatur kann der Patient sein Kniegelenk weitgehend stabilisieren. Die Muskeln dienen dabei quasi als Schiene für das Gelenk. Auch der kurzfristige Einsatz von Orthesen ist möglich. Dadurch kann das Kreuzband entlastet und für die Selbstheilung geschont werden.

Studie: Konservative und operative Behandlung im Vergleich

Sogar viele Orthopäden empfehlen heutzutage keine operative Rekonstruktion nach Kreuzbandriss mehr. Sie berufen Sie sich auf eine schwedische Studie (N Engl J Med. 2010 Aug 26;363(9):893). Patienten nach Kreuzbandriss wurden nach 2 und 5 Jahren über den subjektiven Zustand des Knies anhand einer Schmerzskala befragt. Demnach gab es weder nach 2 noch nach 5 Jahren nennenswerte Unterschiede im subjektiven Wohlbefinden zwischen operierten (Kreuzbandplastik) und nicht operierten Patienten. Die Aussage der Studie muss jedoch mit starken Einschränkungen gesehen werden:

  • Schäden an Menisken und am Knorpel aufgrund der Instabilität im Kniegelenk treten meist erst nach 10 Jahren auf.
  • Sowohl Knorpel als auch Menisken besitzen keine Schmerzfühler – Degeneration wird also erst im fortgeschrittenen Stadium fühlbar.
  • Die Studiengruppe bestand aus Patienten ohne jegliche Begleitverletzungen neben dem Kreuzbandriss. In Realität betrifft das maximal 20 % aller Patienten.

Studie zu Meniskusläsionen nach Kreuzbandriss

Die aus der Kreuzbandruptur resultierende Überbeweglichkeit des Kniegelenks kann zu einer verschleißbedingten Degeneration des Meniskus führen. Die Rate an Meniskusschäden, die von einer unbehandelten Ruptur des Kreuzbandes abgeleitet sind, beträgt:

  • nach 1 Jahr 40 %
  • nach 5 Jahren: 40 %
  • Nach 10 Jahren: 80 %

Wenn die Meniskusfunktion durch Verschleiß gestört wird, verursacht der Riss des vorderen Kreuzbandes zwangsläufig auch die Entwicklung einer Kniearthrose. Ein intakter Meniskus als Stoßdämpfer ist wesentlich für eine gesunde Knorpelschicht im Kniegelenk. Daher leiden Patienten mit Kreuzbandriss durchschnittlich 15–20 Jahre früher an Kniearthrose als Patienten mit intakter Kreuzbandfunktion (Approach to cartilage injury in the anterior cruciate ligament-deficient knee., Levy & Meier, 2003). Ein Kreuzbandriss ist daher ein wichtiger Risikofaktor für das frühe Auftreten einer Kniearthrose.

Wir sehen vor allem bei jüngeren und aktiven Patienten mit Kreuzbandriss in jedem Fall eine Indikation zur Kreuzbandrekonstruktion. Vor allem Patienten, die Sportarten mit vielen Richtungswechseln bei gebeugtem Knie durchführen, sind ohne Kreuzbandplastik nicht stabil.

Auch bei Patienten über 40 Jahren gibt es eine klare Indikation zur Kreuzbandplastik nach einem Kreuzbandriss, wenn die Patienten sehr aktiv sind oder körperlich arbeiten. Nur bei älteren Patienten mit fortgeschrittener Kniearthrose wirkt die Kreuzbandplastik nicht mehr vorbeugend.

Konservative Therapie zur Vorbereitung der Kreuzbandoperation

Eine konservative Therapie muss zur Überbrückung bis zur operativen Therapie durchgeführt werden. Die Kreuzbandoperation wird zur Vermeidung von Komplikationen überwiegend erst nach Abschwellung der akuten Verletzungsfolgen durchgeführt. Die erste Phase der Physiotherapie konzentriert sich auf heilungsfördernde und abschwellende Maßnahmen:

  • Matrix-Therapie zur Aktivierung des Stoffwechsels
  • Lymphdrainage zur Verbesserung des Lymphflusses und damit zur Abschwellung nach der akuten Verletzung
  • Mikrostromtherapie (Wund und Heilströme) zur Verbesserung der Regeneration

Ist dieses Ziel nach 1–3 Wochen erreicht, folgen Übungen zum Muskelaufbau und zur Förderung der Kraft und Koordination. Zudem sollte der Patient als Vorbereitung der Rehabilitation seine Beinachse trainieren.

  • Muskelaufbau nach 2–3 Wochen (abgeschlossene Heilung der Akutverletzung)
  • Propriozeptionstraining (Balancebrett, Matten, Training der Beinachse)

Vor dem Start der Kräftigungs- und Koordinationstherapie sollte die umfassende Diagnose der Kreuzbandverletzung abgeschlossen sein. Begleitverletzungen an Menisken, Knorpel und Seitenbändern müssen vor dem Einleiten der Kräftigung und des Koordinationstrainings abgeklärt sein.

In der Operation ersetzt der Arzt das beschädigte oder gerissene vordere Kreuzband (ACL) mit einem Teil der Hamstringsehne des am Oberschenkel verlaufenden Musculus biceps femoris. Diese Sehne verbindet den Oberschenkelmuskel mit dem Unterschenkel

Operation des Kreuzbandrisses: Rekonstruktion durch Wiederannähen oder Kreuzbandersatz?

Die akute Verletzung nach einem Kreuzbandriss hat Folgen: Das Kreuzband kann nach einer Ruptur erst nach abgeschlossener Wundheilung, Ausheilen aller Begleitverletzungen und Physiotherapie operiert werden. Daher findet die Kreuzbandrekonstruktion etwa zwei bis drei Monate nach dem Kreuzbandriss statt. In dieser Zeit ist die Funktion des Kniegelenks deutlich eingeschränkt.

Bei Leistungssportlern zieht man den Eingriff manchmal auch vor und führt ihn im akuten Stadium – wenige Tage nach der Verletzung – durch. So kann der Betroffene möglichst schnell wieder in das Training zurückkehren.

Kreuzbandriss "Doppelbündeltechnik"

Das vordere Kreuzband besteht aus zwei fast unabhängigen Faserbündeln. Diese sind spiralförmig umeinander gewickelt. Das erhöht die Stabilität des Kreuzbandes. Für Leistungssportler bieten wir die Möglichkeit, diese Konstruktion durch die sogenannte Doppelbündeltechnik des Kreuzbandersatzes zu rekonstruieren. Dabei werden zwei Ersatzsehnen spiralförmig umeinander gewickelt und unabhängig voneinander zur Einheilung verankert. Die Stabilität ist fast doppelt so hoch wie bei der meistens üblichen Einzelbündeltechnik des Kreuzbandersatzes. Dafür ist die OP-Zeit erhöht. Meistens profitieren nur Leistungssportler von dieser OP-Technik.

Bei Rupturen der Außen- oder Innenbänder des Kniegelenks kann eine Ruhigstellung mithilfe von Orthesen normalerweise ein spontanes Zusammenwachsen fördern. Diese Selbstheilung ist aber beim vorderen und hinteren Kreuzband nicht gegeben. In der Regel ist eine operative Wiederherstellung des Kreuzbandes erforderlich, um die Kreuzbandfunktion wiederherzustellen.

Nicht jeder Patient profitiert von einer operativen Kreuzbandrekonstruktion. Je jünger und aktiver der Patient, umso eher ist aber die operative Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion angezeigt.

Auch die Kreuzbandrekonstruktion kann den ursprünglichen Zustand des Knies nicht ganz wiederherstellen. Die Lage und sensomotorische Qualität des Kreuzbandersatzes entsprechen nie genau dem gerissenen Kreuzband.

Das natürliche Kreuzband enthält Dehnungs- und Lagesensoren, die dem Gehirn Position und Spannungszustand mitteilen und so die Bewegungskoordination unterstützen. Diese Rezeptoren sind in einem Kreuzbandtransplantat nicht enthalten. Daher geht die sensorische Funktion nach einem Kreuzbandriss verloren. Lediglich die mechanische Stabilität verbessert sich.

Das Kreuzband besteht aus zwei unabhängigen Faserbündeln. Ist nur ein Strang gerissen, kann der andere bei der Rekonstruktion des Kreuzbandes erhalten bleiben. Nur der gerissene Anteil wird durch ein Transplantat ersetzt.

Wann sollte eine Kreuzbandverletzung operiert werden?

Folgende Umstände erfordern eine operative Behandlung des gerissenen Kreuzbandes:

  • Begleitverletzungen der Außenbänder des Knies
  • Begleitverletzungen an Menisken
  • Wunsch nach Fortsetzung der sportlichen Aktivität
  • körperlich arbeitende Patienten

Eine vollständige Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist bei jüngeren Patienten oder Patienten ohne Kniearthrose eigentlich immer eine Indikation für eine operative Therapie. Die beste Voraussetzung für diese Operation ist ein reizloses, abgeschwollenes Kniegelenk.

Bei akuter Verletzung wird das Kreuzband daher nicht sofort operiert. An dieser Stelle ist Physiotherapie wichtig, um die Entzündung zurückzubilden, das Knie zu stabilisieren und die Muskulatur zu kräftigen.

Kreuzbandersatz durch Sehnentransplantation

Die traditionell am weitesten verbreitete Operation ist der Kreuzbandersatz. Der Operateur entfernt das gerissene Kreuzband zur Vorbereitung der Kreuzbandersatzoperation zunächst vollständig. Zur Gewinnung des Transplantats werden Teile körpereigener Sehnen an anderen Stellen des Kniegelenks entnommen. In der Regel kommt dafür ein Teil der Patellasehne zwischen Kniescheibe und Schienbein infrage. Auch die Hamstringsehne, die hinten in der Kniekehle verläuft, kann als körpereigenes (autologes) Transplantat gewonnen werden.

Die Vorteile des autologen Sehnentransplantates liegen eindeutig in der fehlenden Abstoßung. Das Transplantat wird nach der Verankerung in Oberschenkel- und Unterschenkelknochen mithilfe von Knochenschrauben nach kurzer Zeit wieder durchblutet.

Ein Nachteil des körpereigenen Sehnentransplantates zur Behandlung des Kreuzbandrisses besteht in der schmerzhaften Schwächung des Beines durch die Entnahme der Sehne (sog. Entnahmepathologie). Die Entnahmestellen sind häufig über Monate schmerzhaft und geschwächt. Die maximale Kraftentwicklung ist durch die Sehnenentnahme reduziert. Vor allem für Leistungssportler ist das eine schwierige Situation, die viel Physiotherapie und Aufbautraining erforderlich macht.

Ein Kreuzbandersatz stellt auch die für die Koordination wichtige Innervierung des Transplantates nicht wieder her.

Kreuzbandnaht durch Refixation des gerissenen Kreuzbandes

Ein anderes Verfahren kann das körpereigene Kreuzband nach einem Kreuzbandriss erhalten. Das dabei verwendete Ligamys®-System steht seit Anfang 2014 zur Verfügung. Mithilfe dieses Systems wird das gerissene Kreuzband zunächst durch ein Implantat stabilisiert. Dieses übernimmt während der Heilungsphase die Stabilisierung des gerissenen Kreuzbandes im Zentrum des Kniegelenks. Die gerissenen Stümpfe werden dabei wieder fusioniert und können ohne äußere Krafteinwirkung zusammenheilen. Wenn das gelingt, ist eine Kreuzbandplastik mithilfe körpereigener Sehnen nicht mehr notwendig.

Das Ergebnis ist mit der Ligamys®-Refixierung des Kreuzbandes besser als mit einem autologen Sehnentransplantat, weil das Verfahren alle Nerven im Kreuzband und damit die motorische Steuerung des Knies vollständig erhält. Für Sportler kann das sehr wichtig sein.

Bei der Sehnenrefixation muss keine körpereigene Spendersehne gewonnen werden. Es gibt also keine Entnahmepathologie mit Schmerzen und Muskelschwäche an der Entnahmestelle. Bereits wenige Tage nach der Refixierung kann das gerissene Kreuzband wieder belastet werden.

Bevor die Entscheidung für die operative Refixierung des Kreuzbandes getroffen werden kann, ist eine ausführliche MRT-Untersuchung erforderlich. Die Durchführung des Eingriffes ist sehr zeitkritisch: Das gerissene Kreuzband ist nach mehr als drei Wochen nicht mehr so gut regenerationsfähig. Bei der Refixierung ist also eine Operation während der Akutphase innerhalb der ersten drei Wochen nach der Ruptur des Kreuzbandes erforderlich.

Das Ligamys®-Implantat können wir nach erfolgreicher Einheilung etwa sechs bis neun Monate nach der Operation in einem kleinen operativen Eingriff wieder entfernen. Bei der Entfernung des Implantates wird auch die Heilung des Kreuzbandes noch einmal arthroskopisch geprüft.

Erfolgsraten nach der Kreuzband-OP

Die Kreuzband-OP ist eine sehr erfolgreiche Operation, die zu über 90 % wieder zur Herstellung der Kniefunktion führt. Die meisten Patienten können nach einer Kreuzband-OP wieder in ihren Leistungssport oder in die berufliche Tätigkeit zurückkehren. Die Kreuzband-OP wird häufig durchgeführt. Daher liegen viele operative Erfahrungen vor.

Heilungsdauer und Krankschreibung nach der Kreuzbandoperation

Die stationäre Behandlung nach der Kreuzbandoperation dauert drei bis vier Tage. Nach drei bis vier Wochen kann der Patient wieder eine sitzende Tätigkeit ausüben. Leichtes sportliches Training oder körperlich belastende Arbeiten können frühestens nach drei Monaten wieder aufgenommen werden. Schwere Belastungen sowie Start-Stopp-Bewegungen sind erst nach bis zu neun Monaten nach der Kreuzband-OP ohne die Gefahr einer erneuten Ruptur möglich.

Literaturangaben zu Kreuzbandplastik
  • Biau, D. J., Katsahian, S., Kartus, J., Harilainen, A., Feller, J. A., Sajovic, M. et al. (2009). Patellar tendon versus hamstring tendon autografts for reconstructing the anterior cruciate ligament: a meta-analysis based on individual patient data. The American journal of sports medicine, 37, 2470–8.
  • Hamner, D. L., Brown, C. H., Steiner, M. E., Hecker, A. T. & Hayes, W. C. (1999). Hamstring tendon grafts for reconstruction of the anterior cruciate ligament: biomechanical evaluation of the use of multiple strands and tensioning techniques. The Journal of bone and joint surgery. American volume, 81, 549–57.
  • Kim, S.-G., Kurosawa, H., Sakuraba, K., Ikeda, H. & Takazawa, S. (2006). The effect of initial graft tension on postoperative clinical outcome in anterior cruciate ligament reconstruction with semitendinosus tendon. Archives of orthopaedic and trauma surgery, 126, 260–4.
  • Mayr, H. O., Beck, T., Hube, R., Jäger, A., von Eisenhart-Rothe, R., Bernstein, A. et al. (2005). [Axial load in case of press-fit fixation of the ACL graft--a fundamental study]. Zeitschrift für Orthopädie und ihre Grenzgebiete, 143, 556–60.
  • McCarty, E. (2011). Unique Press-Fit ACL Technique Demonstrates Excellent Long-Term Results for Both Hamstring and Patellar Grafts: Summary of: Wipfler B, Donner S, Zechmann CM, Springer J, Siebold R, Paessler HH. Anterior Cruciate Ligament Reconstruction. The Journal of bone and joint surgery. American volume, 93, 7N.
  • Miyatake, S., Kondo, E., Tsai, T.-Y., Hirschmann, M. T., Halewood, C., Jakobsen, B. W. et al. (2011). Biomechanical Comparisons Between 4-Strand and Modified Larson 2-Strand Procedures for Reconstruction of the Posterolateral Corner of the Knee. The American journal of sports medicine.
  • Vogrin, T. M., Höher, J., Aroen, A., Woo, S. L. & Harner, C. D. (2000). Effects of sectioning the posterolateral structures on knee kinematics and in situ forces in the posterior cruciate ligament. Knee surgery, sports traumatology, arthroscopy: official journal of the ESSKA, 8, 93–8.
  • Xergia, S. A., McClelland, J. A., Kvist, J., Vasiliadis, H. S. & Georgoulis, A. D. (2011). The influence of graft choice on isokinetic muscle strength 4–24~months after anterior cruciate ligament reconstruction. Knee surgery, sports traumatology, arthroscopy: official journal of the ESSKA, 19, 768–80.
  • Yamazaki, S., Yasuda, K., Tomita, F., Minami, A. & Tohyama, H. (2006). The effect of intraosseous graft length on tendon-bone healing in anterior cruciate ligament reconstruction using flexor tendon. Knee surgery, sports traumatology, arthroscopy: official journal of the ESSKA, 14, 1086–93.
  • Yasuda, K., van Eck, C. F., Hoshino, Y., Fu, F. H. & Tashman, S. (2011). Anatomic Single- and Double-Bundle Anterior Cruciate Ligament Reconstruction, Part 1: Basic Science. The American journal of sports medicine.
Bewertung: 
Eigene Bewertung: Keine. Durchschnittlich 4.5 (115 votes)
Folgen Sie der Gelenk-Klinik auf Facebook, Twitter oder Instagram