Orthopädische Gelenk-Klinik

Orthopädische Gelenk-Klinik

Alte Bundesstr. 58, 79194 Gundelfingen

Tel: (0761) 55 77 58 0

patienten@gelenk-klinik.de

Kniespezialist Freiburg untersucht die Kniearthrose

Kreuzbandriss: Ruptur des Kreuzbandes im Knie

  1. Was ist ein Kreuzbandriss?
  2. Funktion der Kreuzbänder am Knie
  3. Ursache und Hergang des Kreuzbandrisses
  4. Kreuzbandriss: Symptome und Schmerzen
  5. Diagnose des Kreuzbandrisses
  6. Kreuzbandriss: Konservative Behandlung
  7. Kreuzband-OP: Refixierung oder Rekonstruktion des Kreuzbandes
  8. Kreuzbandersatz oder Kreuzbandrefixierung?
  9. Kreuzband-OP zur Prävention der Kniearthrose
Kniegelenk Kreuzbänder. Deutlich sichtbar das vordere Kreuzband und das hintere Kreuzband zentral in der Mitte des Knies. Die Knorpelflächen und die Menisken auf der Schienbeinseite sind violett eingezeichnet. Das Kreuzband kann sich bei Scherbewegungen im Knie leicht dehnen oder verletzen. Wenn das Kreuzband durch Verdrehung oder Schlag auf das Knie zerstört ist, spricht man von einem Kreuzbandriss. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Was ist ein Kreuzbandriss?

Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist die vollständige oder teilweise Zerstörung durch Überlastung der innen im Knie hinten und vorne medial verlaufenden Kreuzbänder durch traumatisches Umknicken oder Verdrehung des Kniegelenks. Dadurch entsteht eine Instabilität der Postion von Oberschenkel- und Unterschenkelknochen im Kniegelenk.

Meistens ist von einem Kreuzbandriss das vordere Kreuzband betroffen. Der Kreuzbandriss ist meist eine Sportverletzung. Kontaktsportarten wie Fußball oder Skifahren führen besonders häufig zu Kreuzbandriss im Kniegelenk. 40% aller Knieverletzungen sind Bandverletzungen. Zu über 60% sind die Kreuzbänder betroffen. Das vordere Kreuzband reißt etwa 10 mal so häufig, wie des hintere Kreuzband. Das vordere Kreuzband wird bei den typischen Unfallhergängen stärker belastet.

Die Form des Kreuzbandrisses kann aber sehr unterschiedlich sein. Unter den Bandverletzungen am Knie ist der Kreuzbandriss die häufigste Bandruptur, die wir in der orthopädischen Praxis sehen.

Was leistet das Kreuzband im Kniegelenk?

Kniegelenk: Blick auf die Kreuzbänder von oben. Das vordere Kreuzband und das hintere Kreuzband des Knies umgeben von den Menisken, blick von oben. © Gray

Um die Langzeitfolgen des Kreuzbandrisses besser zu verstehen, muss man sich die Funktion der Bänder im Kniegelenk klarmachen.

Im Kniegelen sind Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) über vier Bänder miteinander verbunden: Vorderes und hinteres Kreuzband, die zentral im Knie verlaufen und den beiden Seitenbändern, die innen und außen am Kniegelenk verlaufen.

Das Kreuzband stabilisiert das Kniegelenk bei jeder Belastung.

Beide Kreuzbänder (vorderes und hinteres) verlaufen im Inneren des Kniegelenks und überkreuzen sich dabei. Das Kreuzband stabilisiert das Knie bei jedem Schritt und verhindert, dass der Oberschenkelknochen (Femur) über das Schienbein (Tibia) hinausgleitet. Das Kreuzband ist also der zentrale Stabilisator des Kniegelenks.

Das vordere Kreuzband besteht aus zwei relativ unabhängigen Faserbündeln. Diese Bündel sind spiralförmig verdrillt. Das stabilisiert das Kreuzband in die unterschiedlichen Kraftwirkungsrichtungen, die im Alltag auftreten können.

Das hintere Kreuzband verhindert, dass das Schienbein (Tibia) nach hinten unter den Oberschenkelknochen gleitet. Das vordere Kreuzband verhindert das der Oberschenkelknochen über das Scheinbein hinweg nach vorne ausweicht.

Kreuzband zentriert die Knochen im Kniegelenk bei Krafteinwirkung

Sowohl das vordere als auch das hintere Kreuzband stehen ständig unter einer gewissen Spannung. Sobald das Kniegelenk belastet wird, sorgen für die nur wenig elastischen Kreuzbänder für eine Zentrierung der Knochen im Kniegelenk: Die Beweglichkeit der oberen und unteren Gelenkfläche gegeneinander wird durch die Kreuzbänder stark eingeschränkt. Das Kreuzband zentriert das Kniegelenk also bereits, bevor die Muskeln bei einer Belastung als Stabilisatoren einspringen können. Die Muskeln rund um das Kniegelenk sind ohne die Funktion der Kreuzbänder nicht ausreichend, um eine Überbeweglichkeit des Kniegelenks zu verhindern.

Welche Bänder tragen noch zur Stabilisierung des Kniegelenks bei?

Das Innenband des Kniegelenks verläuft auf der Innenseite (medial) des Kniegelenks. Es stabilisiert das Knie gegen das Einknicken nach Innen.

Das Außenband verläuft an der Außenseite des Kniegelenks. Es stabilisiert das Knie gegen Abknicken nach außen.

Ursache und Verlauf des Kreuzbandrisses

Der vordere Kreuzbandriss ist meistens eine Sportverletzung. Der typische Verlauf ist das Herausdrehen des Unterschenkels aus der Beinachse (Distorsionsverletzung oder Kniedistorsion). Es gibt typische Situationen, bei denen diese Verletzung auftritt:

  • Harter seitlicher Aufprall eines Gegners beim Fußball gegen das Kniegelenk.
  • Überstreckung des Kniegelenks.
  • Plötzliches Abbremsen aus vollem Lauf.
  • Plötzlicher Richtungswechsel aus vollem Lauf.
  • Verunglückte Landung nach Sprung oder Drehung.

Eine typische Verletzungssituation ist z.B. ein Angriff gegen das Bein eines Gegenspielers beim Fußball.

Beim Sturz mit Verdrehung des Unterschenkels oder Überstreckung des Unterschenkels beim Skiunfall tritt ein Kreuzbandriss sehr häufig auf.

Der Patient spürt meist schon im Moment des Unfalls ein Reißen im Kniegelenk. Häufig ist der Kreuzbandriss auch von einem hörbaren Knall des überdehnten und reißenden Bandes begleitet. Für einen Kreuzbandriss müssen erhebliche Kräfte auf das Band einwirken. Das Kreuzband hat eine Reißfestigkeit von etwa 2400 kg. Die Reißfestigkeit des Kreuzbandes variiert aber: Bei Frauen ist der Durchmesser geringer, daher sind sie häufiger von Kreuzbandrissen betroffen. Bei Kindern erfolgt häufiger ein Ausriss des Kreuzbands aus der Knöchernen Verankerung in der Tibia (Schienbein).

Hinterer Kreuzbandriss

Beim Riss des hinteren Kreuzbandes sind noch viel größere Kräfte erforderlich, als beim vorderen Kreuzband. Das hintere Kreuzband ist nämlich viel kräftiger. Belastungen in dieser Größenordnung treten häufig bei Verkehrsunfällen auf, wenn zum Beispiel das Kniegelenk gegen den Innenraum des Autos schlägt. Daher sind Verletzungen des hinteren Kreuzbandes viel seltener.

Risikofaktoren und riskante Situationen für den Kreuzbandriss

Kreuzbandrisse treten vor allem bei Kontaktsportarten auf. In der Mehrzahl aller Fälle geschieht ein Kreuzbandriss ohne Einwirkung eines Gegenspielers: Eine verunglückte Landung nach einem Sprung oder ein plötzlicher Richtungswechsel genügen, um das Kreuzband zu überlasten.

  • Fußball
  • Skifahren (alpin).
  • Alter zwischen 15 und 25 Jahren.
  • Weibliches Geschlecht: Frauen erleiden einen Kreuzbandriss 4-8 fach häufiger.
  • Ein Kreuzbandriss macht einen Verletzung des gegenüberliegenden Kreuzbandes wahrscheinlicher.
  • Körperliche Ermüdung am Ende des Spiels bzw der Saison.
  • Hohe Reibung des Untergrundes bzw. der Schuhe, trockener Untergrund.
  • Koordinationstörungen, z.B. durch Ermüdung.
  • Anatomisch schmales Kreuzband.

Vorbeugung des Kreuzbandrisses

Oft entsteht der Kreuzbandrisse im Sport ohne direkte Einwirkung des Gegners. Vor allem Sportlerinnen profitieren von Präventionsübungen. Bei Mädchen und Frauen treten Kreuzbandrisse bis zu 9,5-fach häufiger auf, als bei Männern.

  • Landen, v.a. einbeiniges Landen nach einem Sprung (Volleyball, Basketball)
  • Plötzlicher Richtungswechsel (Handball, Fußball)
  • Drehbewegungen
Übungen mit dem Balanceboard schützen vor Kreuzbandriss Übungen mit dem Balance Board fördern die Koordination der knieschützenden Muskulatur. Diese Übung senkt die Rate an Kreuzbandrissen deutlich. © Istockphoto/Philartphace

Diese Situationen wurden in Videoanalysen von Unfällen als kritische Situationen ermittelt. Sie führen nach Unfallanalysen am häufigsten zu Kreuzbandrissen.

Vor allem wenn der Unterschenkel in der Beugung des Knies entweder nach außen oder innen rotiert ist, befindet sich das Kreuzband bereits vor der Landung in einer maximalen Spannung. In bestimmten Situationen wirken beim Sport Kräfte bis zu 500% des Körpergewichts auf die Bänder ein. Diese Kräfte können nur mit Hilfe der Muskulatur aufgefangen werden.

Die Reaktionszeit der Kniegelenk stabilisierenden Muskulatur ist also ein erheblicher Faktor zur Vermeidung von Kreuzbandrissen. Folgerichtig entstehen viele Kreuzbandrisse auch am Ende eines Wettkampfes oder Spiels, wenn eine neuromuskuläre Ermüdung eingetreten ist.

Präventionsübungen

  • Beinachsentraining: Bewegung und Sprünge auf weichen Untergründen (Matten).
  • Koordinationstraining: Sprungübungen.
  • Propriozeption: Balance Board.

Regelmäßige Übungen zur Förderung der neuromuskulären Koordination und Propriozeption ("Selbstwahrnehmung" über die reflektorischen Regelkreise zur Gelenksstabilisierung) sind daher nachweislich wirksam zur Senkung der Rate an Kreuzbandrissen.

Eine der wichtigsten Übungen zur Förderung der Stabilität im Knie ist - neben allgemeinem Muskelaufbau - das Training mit dem sogenannten "balance board, dem Wackelbrett, auf dem das Gleichgewicht zu halten ist. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Raten an Kreuzbandrissen in einem Fußballteam um 85% gesenkt werden konnte durch Balancebrett Training (Caraffa et al, 1996).

Ein spezielles Sprungtraining kann für Risikosportarten knieschützende Bewegungsabläufe aufbauen und festigen.

Auch nach einer Kreuzbandoperation mit Kreuzbandplastik ist das Balanceboard zentral für die Vorbeugung erneuter Kreuzbandrisse am selben Knie oder auf der Gegenseite. Sportler, die bereits einen Kreuzbandriss hatten, haben eine 5-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu nicht betroffenen Sportlern auch auf der Gegenseite eine Kreuzbandruptur zu erleiden. Propriozeptionsübungen sind ein wirksames Mittel, die Unfallwahrscheinlichkeit abzusenken. Gut geschützte Sportler verfügen über eine schnelle Aktivierung der kniestabilsierenden Muskulatur.

Lehrvideo: Praktische Trainingshinweis zur Prävention des Kreuzbandrisses

Arten des Kreuzbandrisses

Nicht jeder Kreuzbandriss ist gleich.

Ein Kreuzbandriss muss charakterisiert werden nach dem Ausmaß der Schädigung: Teilruptur, Zerrung oder vollständige Ruptur.

Auch die Lage des Kreuzbandrisses ist wichtig: Ein Riss in der Mitte kann eher noch refixiert werden (kreuzbanderhaltend) operiert werden, als ein Ausriss an der knöchernen Verankerung des Kreuzbandes.

Die folgende Unterscheidung der unterschiedlichen Arten des Kreuzbandrisses hat also wichtige Folgen für die Therapie.

1. Komplette Ruptur des Kreuzbandes

bei der kompletten Ruptur des Kreuzbandes Fall ist das Kreuzband komplett gerissen. Die Stabilisierung des Kniegelenks durch das Kreuzband ist dann ganz verloren gegangen. Meist ist der Riss des vorderen Kreuzbandes im oberschenkelseitigen Anteil des Kreuzbandes. Hat das Kreuzband keine Verbindung mehr zum Oberschenkel, sinkt es in Folge der Schwerkraft ab: Das gerissene Kreuzband bleibt nicht mehr in Verbindung mit der Insertionsstelle und heilt daher auch nicht mehr zusammen.

2. Teilruptur des Kreuzbandes

Es können aber auch nur die inneren Fasern im Kreuzband gerissen sein. Die äußere Hülle wird dann lediglich gedehnt und sieht noch intakt aus. Auch bei der Dehnung des Kreuzbandes ist die Stabilität im Kniegelenk nicht mehr gegeben, obwohl das Kreuzband äußerlich intakt erscheint. Bei der Teilruptur ist die Kreuzbandfunktion manchmal noch in Anteilen erhalten. Es gibt also auch einen graduellen Verlust der Kreuzbandfunktion. Sobald der Hauptteil des Kreuzbandes als Leitstruktur erhalten ist, so das die Stümpfe nicht völlig getrennt sind, kann es noch zu einer Selbstheilung des vorderen Kreuzbandes kommen.

3. Ruptur durch Ausriss an der knöchernen Verankerung des Kreuzbandes

Neben diesen Rissformen im Band selbst kann es auch aus seiner knöchernen Verankerung gelockert oder herausgerissen sein. Vor allem Kinder und Jugendliche sind häufig von dieser Art des Kreuzbandrisses betroffen, da ihre Knochenstrukturen im Vergleich zu den Bandstrukturen eher als schwächer einzustufen sind. Somit reißt das Kreuzband mitsamt einem unterschiedlich großen Knochenstück heraus. Insbesondere die untere (tibiale) Verankerung ist bei dieser Art des Kreuzbandrisses gefährdet. Auch bei dem Ausriss aus der Verankerung ist die Kreuzbandfunktion vollständig verloren gegangen. Es gibt in diesem Falle aber die operative Möglichkeit der Refixierung des Kreuzbandes.

4. Ruptur des hinteren Kreuzbandes

Das hintere Kreuzband (PCL) reißt wesentlich seltener als das vordere Kreuzband. Es ist viel kräftiger. Ausserdem wirken die meisten Traumata auf das vordere Kreuzband ein. Nur 7-10% alle Kreuzbandrisse betreffen das hintere Kreuzband. Der typische Verletzungshergang des hinteren Kreuzbandrisses ist das Anstoßen des Knies am Amarturenbrett bei einem Autounfall.

Warum ist ein Kreuzbandriss ein behandlungsbedürftiger medizinischer Notfall?

Warum sollten Sie nach einem vermuteten Kreuzbandriss sofort einen Arzt oder die Notaufnahme aufsuchen?

Das vordere und hintere Kreuzband im Knie sind die Stabilisatoren des Kniegelenks. Das vordere und das hintere Kreuzband verlaufen zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Unterschenkelknochen im Kniegelenk.

Diese Kreuzbänder sorgen dafür, dass Oberschenkel und Unterschenkel im Kniegelenk gut fixiert sind. Eine Ruptur der Bänder verursacht eine dauerhafte Instabilität, weil die Lage von Ober- und Unterschenkel dann nur noch durch die Muskelspannung der umliegenden Muskulatur fixiert ist. Kreuzbänder heilen nicht mehr spontan zusammen.

Die aus dem Kreuzbandriss resultierende Mehrbeweglichkeit führt auf Dauer zu einem erheblichen Verschleißschaden und schädigt das Knie nachhaltig.

Klinische und experimentelle Untersuchungen zeigen, dass es keine Spontanheilung des vollständigen Risses des vorderen Kreuzbandes gibt. Vielmehr führt eine bestehende Instabilität durch Mehrbeweglichkeit des Knies in der Regel zur Entwicklung von Folgeschäden, bis zur Arthrose.

Sofortmaßnahmen nach Kreuzbandriss

  • Knie ruhigstellen, evtl. mit Bandage oder Orthese.
  • Sportliche Aktivität und Wettkampf sofort beenden.
  • Entlastung des Knies mit Unterarmgehstützen.
  • Schmerzen und Schwellung können mit Schmerzmitteln (Nichtsteroidalen Antirheumatika/NSAR) behandelt werden.
  • Bei Schwellung Knie hochlagern.
  • Kühlung mit Eis.

Kreuzbandriss: Symptome und Schmerzen

Symptome und Anzeichen:
  • Schwellung
  • Blutiger Gelenkerguss
  • Instabilitätsgefühl
  • Heftiger Schmerz im Inneren des Knies
  • Deutlich hörbares Knallen durch das reißende Kreuzband
  • Knie lässt sich nicht mehr ganz strecken
  • Nach Anschwellen des Kniegelenks stechender Schmerz wegen zunehmender Dehnung der Gelenkkapsel.

Der Kreuzbandriss geht häufig mit einem hörbaren Knall wegen der Ruptur des festen, inelastischen Kreuzbandes einher. Auf Grund der durchgerissenen Nerven im Kreuzband ist dieser Riss von einem stechenden Schmerz begleitet, der aber schnell wieder abklingt.

Das Kniegelenk zeigt nach Kreuzbandruptur schnell eine deutliche und schmerzhafte Schwellung. Durch die Verdrehung als Ursache des Kreuzbandrisses sind häufig noch andere Bänder oder der Meniskus verletzt. Das Kniegelenk wird nach einer Kreuzbandverletzung in Alltag und Sport weniger belastbar und schmerzhaft.

Beim bergabwärts gehen gibt das Knieg stark nach (giving way): Das Kniegelenk rutscht also nach vorne weg, weil der vom vorderen Kreuzband nicht mehr gehaltene Oberschenkelknochen über das Schienbein nach vorne ausweicht ("giving way").

Eine Instabilität des Kreuzbandes nach Kreuzbandriss ist erst bei deutlicher Beugung des Knies zu beobachten. Etwa ab 30° unter Belastung ist eine Instabilität zu spüren. Daher spüren Menschen mit geringer sportlicher Belastung im Alltag oft wenig vom Kreuzbandriss, weil sie den Bewegungsspielraum selten ausschöpfen und ihr Knie meist gestreckt lassen.

Symptome und akute Folgen des Kreuzbandrisses

Begleitverletzungen nach Kreuzbandriss

Wichtig ist auch die Untersuchung von häufigen Begleitverletzungen: Zu 80% hat ein Kreuzbandriss auch noch Verletzungen an anderen Strukturen des Knies zur Folge.

Häufig klagen Patienten nach einem Kreuzbandriss über ein instabiles Kniegelenk. Bei jeder Belastung knickt das Kniegelenk unvermittelt weg. Längere Gehstrecken, Laufen oder Springen sind nicht mehr möglich. Häufig wird diese Instabilität von einem diffusen Knieschmerz begleitet. Manchmal besteht eine Schwellung mit Gelenkerguss. Diese akuten Folgen des Kreuzbandriss klingen nach wenigen Tagen oder Wochen wieder ab.

In der Akutphase kann das Kreuzband nicht sofort durch Rekonstruktion operiert werden: Wir warten lieber ab, bis das Knie reizlos geworden ist. In dieser Zeit wird häufig auch eine Entlastung des Knies durch Unterarmgestützten vorgenommen. So können auch Begleitverletzungen, wie Knochen-Knorpelschäden (bone bruise-Verletzungen) abheilen.

Für die Patienten mit einem Distorsionstrauma des Knies (Verdrehung), ist es dennoch sehr wichtig, nicht nur das Knie zu entlasten: Auch Art und Ausmaß der Knieverletzung müssen untersucht werden. Nur mit einem genauen Befund kann man eine gezielte Behandlung einleiten.

So haben im MRT über 80% aller Patienten mit Kreuzbandriss ein sogenanntes bone bruise: das ist ein mechanisches Trauma des Knochens, das zu sichtbaren Ödemen (Flüssigkeit im Knochen) führt. Nach Abheilen des Ödems ist das nicht mehr unmittelbar schmerzhaft. In vielen Fällen wird der Knorpel an diesen Stellen aber weich und ist weniger Leistungsfähig. Bei Nachuntersuchungen zeigen sich an 50% der Stellen mit bone bruise auch Knorpelerweichung und Knorpelschäden.

Langzeitfolgen nach Kreuzbandriss

Bleibt der Kreuzbandriss unbehandelt, kommt es im Laufe von mehreren Jahren zu Folgeschäden. Wie in einem ausgeschlagenen Getriebe werden die Gelenkflächen und auch die Menisken übermäßig belastet. Es droht ein vorzeitiger Knorpelverschleiß, Knorpelschäden und nach 10-15 Jahren auch Arthrose des Kniegelenks. Häufig reißt durch die bleibende Instabilität nach dem Kreuzbandriss auch der Meniskus ein.

Folgeschäden des unbehandelten Kreuzbandrisses

Diese Instabilität durch fehlende Bandfunktion kann, im Gegensatz zu einer auch unter Ärzten noch weit verbreiteten Meinung, nicht durch Muskelarbeit ausgeglichen (kompensiert) werden. Die Bewegungskoordination und die Kraftentwicklung im Kniegelenk des Patienten sind nach Kreuzbandverletzung fühlbar beeinträchtigt. Patienten, die sich sportlich im Leistungsbereich bewegen, spüren den Leistungs-Unterschied im Alltag deutlich. Chronische Knieschmerzen nach Kreuzbandverletzung können, müssen aber nicht auftreten. Je besser der Trainingszustand des Patienten, um so eher kann der Verlust des Kreuzbandes durch Muskelkraft kompensiert werden.

KreuzbandEin weiterer Test der Kreuzbandfunktion ist der Lachmanntest: Ähnlich wie der Schubladengriff, aber in 30° Beugung des Knies durchgeführt. Weil bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT beim Kreuzbandriss nicht immer aussagekräftig sind, ist die klinische Untersuchung durch den erfahrenen Spezialisten sehr wichtig, um eine Instabilität des Bandapparates im Knie festzustellen © Gelenk-Klinik

 

Diagnose des Kreuzbandrisses

Anamnese bei der Untersuchung des Kreuzbandrisses

Vor der klinischen Untersuchung wird der Patient nach dem Unfallhergang und einem bleibenden Instabilitätsgefühl befragt. Das ergibt Hinweise für die Art und Ausmaß der Kreuzbandverletzung. Leider erfolgt häufig erst nach vielen Jahren die Diagnose eines Kreuzbandrisses, weil der Unfallhergang von vielen Patienten als Bagatellverletzung ("Verstauchung") eingestuft wird.

Klinische Untersuchung des Kreuzbandrisses: Lachman. Schublade und Pivot-Shift-Test

  • Schubladentest
  • Lachmanntest
  • Pivot-Shift-Test

Neben einer Bewegungsprüfung, die eher Aufschluss über begleitende Meniskusverletzungen gibt, können spezifische Stabilitätstests einen Kreuzbandriss nachweisen.

Lachmanntest

Beim Lachmann-Test wird der Unterschenkel in 30° Kniebeugung nach vorne gezogen. Ist das vordere Kreuzband gerissen, lässt sich der Unterschenkel deutlich weiter als die unverletzte Gegenseite schieben.

Pivot-Shift Test

Der sog. pivot-Shift Test ist eine Kombination aus Dreh- und Schiebebewegung des Unterschenkels. Er gibt ebenfalls Aufschluss für einen Riss des vorderen Kreuzbandes.

Schubladen-Test

Eine "hintere Schublade", bei der der Unterschenkel im Vergleich zur gesunden Seite deutlich weiter nach hinten fällt, ist ein Nachweis für eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes.

Eine "vordere Schublade" bei der sich der Oberschenkelknochen über den Unterschenkelknochen hinausziehen lässt, ist ein Nachweis für den vorderen Kreuzbandriss.

Die klinische Untersuchung kann erschwert werden, wenn nur Teile des Kreuzbandes gerissen sind: Dann ist die Funktion des Kreuzbandes trotz der Bandschäden noch teilweise erhalten.

Gelenkspunktion (Untersuchung der Gelenksflüssigkeit) nach Kreuzbandriss

Da die Kreuzbänder gut durchblutet sind, kommt es beim Kreuzbandriss zu einer Einblutung in das Kniegelenk. Durch eine Gelenkspunktion (Herausziehen von Gelenksflüssigkeit mit einer Nadel), kann die Einblutung nach Verletzung durch Kreuzbandriss (sog. Hämarthros) gezeigt werden: Der Blutanteil in der Flüssigkeit ist ein deutliches Indiz. Allerdings ist diese Diagnose durch Punktion nur bei einem frischen Kreuzbandriss aussagekräftig.

Bildgebung: Röntgen, Kernspintomografie (MRT) nach Kreuzbandriss

Ein Röntgenbild des Kniegelenks in zwei Ebenen kann einen knöchernen Ausriss des Kreuzbandes darstellen. Eine Kernspintomographie (MRT) kann Teil- oder vollständige Rupturen des Kreuzbandes nachweisen. Vor allem das Kernspin hat die Diagnose von Kreuzbandrupturen wesentlich verbessert. Die in Röntgen oder durch klinische Untersuchungen nicht eindeutig feststellbaren Kreuzbandrisse können mit MRT viel besser erkannt werden.

Kreuzbandriss-Diagnose: Welche Schwierigkeiten bereitet die Diagnose-Stellung?

Kreuzbandschaden frisch Arthroskopisches Bild: Frischer Kreuzbandriss mit Einblutung ins Kniegelenk. © Gelenk-Klinik.de

Ein kompletter Band-Abriss verläuft häufig symptomarm. Teilrupturen sind von Komplett-Abrissen in der klinischen Untersuchung schwer zu unterscheiden. Ergebnisse von Röntgen- sowie Kernspin- Untersuchungen ergeben nicht selten fälschlicherweise negative Befunde. Man sieht also im Bild ein scheinbar intaktes Kreuzband, dessen innere Struktur Funktion aber deutlich zerstört ist. Bei diesen "falsch-negativen" Befunden scheint das Kreuzband anatomisch intakt, obwohl es in Wirklichkeit keine Funktion mehr ausübt.

Da das Kreuzband aus vielen Einzelfasern besteht, die mit einer Hüllstruktur umgeben ist ähnlich wie bei einem mit Ummantelung versehenen Telefonkabel, reißen die Fasern häufig im Inneren des Kreuzbandes. Bleibt die Umhüllung unversehrt, misslingt der Nachweis des Kreuzbandrisses im Kernspin, weil die Struktur äußerlich intakt zu sein scheint.

Werden die Fasern komplett durchtrennt, führt dies in Abwesenheit von starken Begleitverletzungen einer Kniedistorsion zu einer Anschwellung, die häufig nach 1-2 Tagen wieder abklingt.

Danach kann das Knie mit Kreuzbandriss über Jahre relativ symptomfrei, aber funktionell instabil sein. Daher werden viele Kreuzbandrisse erst Monate oder sogar Jahre nach der Ruptur diagnostiziert.

Test des Hinteren KreuzbandesOft werden die vorderen und die hinteren Kreuzbänder bei einem Trauma (Unfall) gleichzeitig beschädigt. Bei direkter Inspektion des verletzten Knies sieht der Kniespezialist bei Riss des hinteren Kreuzbandes (HKB) oft ein Einsinken oder einen Knick. © Gelenk-Klinik

Erst wenn sekundäre Symptome wie z.B. Meniskusrisse und Knorpelschäden auftreten, wird dann oftmals arthroskopisch die Ursache erkannt: Das ist oft ein Jahre zurück liegender, alter Kreuzbandriss.

Die muskuläre Stabilisierung des Gelenks erfolgt mit Hilfe von Dehnungsrezeptoren in der Gelenk- Kapsel, welche die muskuläre Antwort steuern. Dieser Verarbeitungsprozess benötigt Zeit, in welcher der Kraftimpuls, der auf das Gelenk wirkt, ungeschützt das Gelenk angreifen kann.

Röntgenuntersuchung nach Kreuzbandriss

Röntgenbilder können den Zustand eines Bandes zwar nicht direkt darstellen. Um knöcherne Begleitverletzungen nach Distorsion des Kniegelenks auszuschließen, ist ein Röntgenbild unerlässlicher Teil der Untersuchung nach Kreuzbandriss.

Untersuchung des Kreuzbandrisses mit Kernspintomografie (MRT)

Intaktes hinteres Kreuzband Computertomographie Kernspintomografie: Das hintere Kreuzband verläuft intakt von der Vorderseite des Oberschenkels bis zur hinteren Gelenkfläche des Schienbeines. © Radiopedia.org

Mit der Kernspintomografie kann ein vollständiger Kreuzbandriss häufig klar diagnostiziert werden. Die Bänder im Kniegelenk lassen sich sehr gut darstellen.

Diagnose von Kreuzbandteilrissen

Schwierig wird die Diagnose mit dem MRT erst, wenn das Kreuzband nicht ganz gerissen ist sondern nur gedehnt ist bzw. eine Teilruptur erlitten hat.

Teilrupturen des Kreuzbandes kann die Bildgebung nur schwer auflösen: Es ist nicht zu sehen, zu welchen Anteilen das Kreuzband noch intakt ist. In diesen Fällen muss der Kniespezialist mit viel Erfahrung die Überbeweglichkeit des Kniegelenks im Vergleich zum anderen Knie überprüfen (Schubladentest).

Klinische Untersuchungen unterstützen den MRT-Befund

Der Radiologe kennt aber auch sekundäre Anzeichen für einen Kreuzbandriss: Dazu gehört vor allem ein leichtes Zurückweichen des Oberschenkels nach hinten (anterior). Der Halt durch das vordere Kreuzband fehlt. Das hintere Kreuzband ist überwiegend für die Zentrierung des Kniegelenks zuständig. Man spricht daher beim Ausweichen des Unterschenkels (Tibia) nach hinten von der sog. anterioren tibialen Translokation (siehe MRT Bild unten).

vorderer Kreuzbandriss Kernspintomographie Gleicher Patient: Das vordere Kreuzband verläuft von der Hinterseite des Oberschenkels bis zur vorderen Gelenkfläche des Schienbeines. Das Kreuzband ist hier nicht mehr zu sehen, der Verlauf ist nicht mehr klar eingezeichnet, weil die Struktur nach Kreuzbandriss zerstört ist. © Radiopedia.org

Diagnose von Knochenödemen nach Kreuzbandriss

Häufig führen die Distorsionsverletzungen, die zu Kreuzbandriss führen, auch zu Begleitverletzungen und Knochen-Knorpelschäden. Die Kernspintomographie kann auch diese sog. bone bruises an Hand der Flüssigkeitseinlagerung in den Knochen nachweisen.

Meniskus-MRT nach Kreuzbandriss

Das Kernspin (MRT) kann auch eventuell einen Meniskusriss als Begleitverletzung des Kreuzbandrisses nachweisen. Diese Information ist wichtig für die Planung der Therapie. Manche Meniskusläsionen müssen operativ durch Meniskusnaht behandelt werden. Kleine Längsrisse in der Peripherie des Meniskus können auch konservativ behandelt werden.

Therapie des Kreuzbandrisses: Konservativ oder Operativ?

Wir müssen zwischen der konservativen Therapie, die auf eine Operation verzichtet, und der operativen Rekonstruktion nach Kreuzbandriss abwägen. Hier wollen wir auch die besondere Rolle der Kreuzbandplastik bei der spezialisierten gelenkerhaltenden Therapie von Knorpelschäden und Kniearthrose verdeutlichen.

Wenn der Patient keine starke körperliche oder sportliche Belastung im Leben hat und das Knie sich nach dem Kreuzbandriss stabil anfühlt, kann auf eine operative Behandlung verzichtet werden.

Die Kreuzbänder haben für körperlich aktive oder Menschen eine zentrale und unersetzliche Rolle die Kreuzbänder bei der Herstellung der stabilen Beinachse: Die Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion nach Kreuzbandriss ist für die meisten Patienten unverzichtbar für die Gesundheit des Kniegelenks.

Fachartikel von Prof. Dr. Ostermeier zum Thema
"Kreuzbandriss: Kreuzbandplastik oder Refixation?"

Kreuzbandriss Behandlung: Welche Therapien gibt es?

Nicht jeder Kreuzbandriss wird operiert. Die gesamte Situation des Patienten sowie alle auftretenden Begleitverletzungen spielen bei der Therapieentscheidung eine Rolle. Dabei ist es jedoch die Regel, dass sportlich aktive Patienten nur mit Hilfe einer Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion durch eine Operation therapiert werden können.

Konservative Behandlung

Bei der wichtigen mechanischen Stabilisierungsfunktion des Kreuzbandes gibt es eigentlich keine Priorität für die konservative Behandlung. Auf eine Wiederherstellung der kniezentrierenden Kreuzbandfunktion nach Kreuzbandriss kann man bei aktiven Patienten nicht verzichten.

Die konservative Behandlung des Kreuzbandrisses ist jedoch auch zur Vorbereitung einer Kreuzbandersatzplastik oder in der Rehabilitation nach Kreuzbandnaht ein sehr wichtiger Teil der Behandlung.

Die konservative Behandlung besteht im Wesentlichen aus dem Muskelaufbau im Bein. Er soll die verlorene Bandfunktion im Knie kompensieren. Wann ist die konservative Behandlung des vorderen Kreuzbandrisses noch möglich?

Wann ist ein Kreuzbandriss konservativ zu therapieren?

  • Aktivitätsniveau des Patienten ist niedrig - Risikosportarten und Kontaktsportarten werden nicht ausgeübt.
  • Keine oder wenig Begleitverletzungen im Knie durch die Distorsionsverletzung.
  • Bei Teilruptur des Kreuzbandes müssen mindestens 75% des Kreuzbandes noch intakt sein, um eine Spontanheilung zu unterstützen.
  • Bei knöchernem Ausriss sollte der knöcherne Ausriss noch nicht verschoben sein und der Ausrisstelle noch anhaften.

Konservative Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion nach Teilruptur

Wie oben bereits beschrieben, kann bei einer Teilruptur des Kreuzbandes eine Selbstheilung möglich sein. Die noch intakten Kreuzbandfasern dienen als Leitstruktur für die gerissenen Fasern. Als Voraussetzung müssen mindestens 75% des Kreuzbandes noch intakt sein müssen.

Auch ein vollkommen unverschobener knöcherner Ausriss des Kreuzbandes kann in Einzelfällen ohne Operation, also konservativ behandelt werden. In dieser konservativen Behandlung, die vornehmlich aus Physiotherapie besteht, werden gezielte Übungen zur Kräftigung der Ober- und Unterschenkelmuskulatur eingeübt.

Durch konsequentes Auftrainieren der Muskulatur kann das das Kniegelenk weitgehend stabilisiert werden. Das Gelenk wird quasi durch die Muskulatur geschient. Auch der kurzfristige Einsatz von Orthesen ist möglich. Dadurch kann das Kreuzband entlastet und für die Selbstheilung geschont werden.

Studie: Konservative oder operative Behandlung im Vergleich

Sogar viele Orthopäden empfehlen heutzutage keine operative Rekonstruktion nach Kreuzbandriss mehr. Sie berufen Sie sich auf eine Schwedische Studie (N Engl J Med. 2010 Aug 26;363(9):893). Patienten nach Kreuzbandriss wurden nach 2 und 5 Jahren über den subjektiven Zustand des Knies nach einer Schmerzskala befragt. Demnach gab es weder nach 2 noch nach 5 Jahren nennenswerte Unterschiede im subjektiven Wohlbefinden zwischen operierten (Kreuzbandplastik) und nicht operierten Patienten. Die Aussage der Studie muss jedoch mit starken Einschränkungen gesehen werden:

  • Schäden an Menisken und Knorpel auf Grund der Instabilität im Kniegelenk treten meist erst nach 10 Jahren auf.
  • Sowohl Knorpel als auch Menisken haben keine Schmerzfühler - Degeneration wird also erst im fortgeschrittenen Stadium fühlbar. Die Abfrage nach Gelenkschmerzen ist kein Indikator für den tatsächlichen Verschleiß in Knorpel und Menisken.
  • Die Studiengruppe waren Patienten ohne jegliche Begleitverletzungen zum Kreuzbandriss. In Realität betrifft das maximal 20% aller Patienten

Studie zu Meniskusläsionen nach Kreuzbandriss

Die aus der Kreuzbandruptur resultierende Überbeweglichkeit des Kniegelenks kann zu einer verschleißbedingten Degeneration des Meniskus führen. führen. Die Rate an Meniskusschäden, die von einer unbehandelten Ruptur des Kreuzbandes abgeleitet sind, beträgt:

  • Nach 1 Jahr 40%
  • Nach 5 Jahren: 40%
  • Nach 10 Jahren: 80%
Wenn die Meniskusfunktion durch Verschleiß gestört wird, verursacht der Riss des Vorderen Kreuzbandes zwangsläufig auch die Entwicklung einer Kniearthrose. Ein intakter Meniskus als Stoßdämpfer ist wesentlich für eine gesunde Knorpelschicht im Kniegelenk. Daher bekommen Patienten mit Kreuzbandriss ihre Kniearthrose durchschnittlich 15-20 Jahre früher im Leben, als Patienten mit intakter Kreuzbandfunktion. (Approach to cartilage injury in the anterior cruciate ligament-deficient knee., Levy & Meier, 2003) Ein Kreuzbandriss ist daher ein wichtiger Risikofaktor für das frühe Auftreten einer Kniearthrose.

Wir sehen vor allem bei jüngeren und aktiven Patienten mit Kreuzbandriss in jedem Fall eine Indikation zur Kreuzbandrekonstruktion. Vor allem Patienten, die Sportarten mit vielen Richtungswechseln bei gebeugtem Knie durchführen, sind ohne Kreuzbandplastik nicht stabil.

Auch bei Patienten über 40 Jahren gibt es eine klare Indikation zur Kreuzbandplastik nach Kreuzbandriss, wenn die Patienten einen hohen Aktivitätsgrad haben oder körperlich arbeiten. Nur bei älteren Patienten mit fortgeschrittener Kniearthrose wirkt die Kreuzbandplastik nicht mehr vorbeugend.

Konservative Therapie zur Vorbereitung der Kreuzbandoperation

Eine konservative Therapie muss zur Überbrückung des Zeitraums bis zur operativen Therapie durchgeführt werden. Eine Kreuzbandoperation wird zur Vermeidung von Komplikationen nach Kreuzbandplastik überwiegend erst nach Abschwellung der akuten Verletzungsfolgen, Schwellung und Entzündung durchgeführt.

  • Matrix-Therapie zur Aktivierung des Stoffwechsels.
  • Lymphdrainage zur Verbesserung des Lymphflusses und damit der Abschwellung nach der akuten Verletzung.
  • Mikrostomtherapie (Wund und Heilströme) zur Verbesserung der Regeneration.
Vor Start der Kräftigungs- und Koordinationstherapie sollte die umfassende Diagnose der Kreuzbandverletzung abgeschlossen sein: Begleitverletzungen an Menisken, Knorpel und Seitenbänder müssen Beachtung finden und müssen vor Einleiten der Kräftigung und des Koordinationstrainings abgeschlossen sein.
  • Nach 2-3 Wochen (abgeschlossene Heilung der Akutverletzung) Muskelaufbau
  • Propriozeptionstraining (Balancebrett, Matten, Training der Beinachse)

Daher konzentriert sich die erste Phase der Physiotherapie auf heilungsfördernde und abschwellende Maßnahmen.

Ist dieses Ziel nach 1-3 Wochen erreicht, folgen Übungen zum Muskelaufbau und zur Förderung der Kraft und Koordination und Beinachsentraining als Vorbereitung der Rehabilitation nach Kreuzbandplastik.

Die Operation des Kreuzbandrisses ersetzt das beschädigte oder gerissene vordere Kreuzband (ACL) mit einem Teil der Hamstringsehne des am Oberschenkel verlaufenden Musculus biceps femoris. Diese Sehne verbindet den Oberschenkelmuskel mit dem Unterschenkel

Operation des Kreuzbandrisses: Rekonstruktion durch Wiederannähen oder Kreuzbandersatz?

Die akute Verletzung nach Kreuzbandriss hat Folgen: Das Kreuzband kann nach einer Ruptur erst nach abgeschlossener Wundheilung, Ausheilen aller Begleitverletzungen und Physiotherapie operiert werden. Daher findet die Kreuzbandrekonstruktion etwa zwei bis drei Monate nach dem Kreuzbandriss statt. In dieser Zeit ist die Funktion des Kniegelenks deutlich eingeschränkt.

Bei Leistungssportlern der Eingriff an Kreuzband manchmal auch vorgezogen und im akuten Stadium - wenige Tage nach der Verletzung - durchgeführt. So kann der Betroffene möglichst schnell wieder in das Training zurückkehren.

Kreuzbandriss "Doppelbündeltechnik"

Das vordere Kreuzband besteht aus 2 fast unabhängigen Faserbündeln. Diese sind spiralförmig umeinander gewickelt. Das erhöht die Stabilität des Kreuzbandersatzes. Für Leistungssportler bieten wir die Möglichkeit, diese Konstruktion durch die sogenannte Doppelbündeltechnik des Kreuzbandersatzes zu rekonstruieren. Dabei werden zwei Ersatzsehnen spiralförmig umeinander gewickelt und unabhängig voneinander zur Einheilung verankert. Die Stabilität ist fast doppelt so hoch wie bei der meistens üblichen Einzelbündeltechnik des Kreuzbandersatzes. Dafür ist die OP-Zeit erhöht. Meistens profitieren nur Leistungssportler von dieser OP-Technik.

Bei Rupturen der Außenbänder oder Innenbänder des Kniegelenks kann normalerweise ein spontanes Zusammenwachsen der Bänder am Knie durch Ruhigstellung mit Hilfe von Orthesen gefördert werden. Diese Selbstheilung ist aber bei dem vorderen oder hinteren Kreuzband nicht gegeben. In der Regel ist eine operative Wiederherstellung des Kreuzbandes erforderlich, um die Kreuzbandfunktion wieder herzustellen.

Nicht jeder Patient profitiert von einer operativen Kreuzbandrekonstruktion. Je jünger und aktiver der Patient, um so eher ist aber die operative Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion angezeigt.

Auch die Kreuzbandrekonstruktion kann den ursprünglichen Zustand des Knies nicht ganz wiederherstellen. Lage und die sogenannte sensorimotorische Qualität des Kreuzbandersatzes sind nie genau so, wie das gerissene Kreuzband.

Was bedeutet Sensomotorik im Kreuzband?

Das natürliche Kreuzband enthält Dehnungs- und Lagesensoren, die dem Gehirn Position und Spannungszustand mitteilen und so die Bewegungskoordination unterstützen. Diese Rezeptoren sind in einem Kreuzbandtransplantat nicht enthalten. Daher geht diese sensorische Funktion nach Kreuzbandriss verloren: Lediglich die mechanische Stabilität wird verbessert.

Das Kreuzband besteht aus zwei unabhängigen Faserbündeln. Ist nur ein Strang gerissen, kann der andere bei der Rekonstruktion des Kreuzbandes erhalten bleiben: Nur der gerissene Anteil wird durch ein Transplantat ersetzt.

Wann sollte eine Kreuzbandverletzung operiert werden?

Wann besteht eine sichere OP-Indikation nach Kreuzbandriss?

  • Begleitverletzungen der Außenbänder des Knies
  • Begleitverletzungen am Menisken
  • Wunsch nach Fortsetzung der sportlichen Aktivität
  • Körperlich arbeitende Patienten

Eine vollständige Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist bei jüngeren Patienten oder Patienten ohne Kniearthrose eigentlich immer eine Indikation für eine operative Therapie. Die beste Voraussetzung für diese Operation ist ein reizloses, abgeschwollenes Kniegelenk.

Bei akuter Verletzung wird das Kreuzband daher auch nicht sofort operiert. Hier wird der Einsatz von Physiotherapie wichtig, um die Entzündung zurückzubilden, das Knie zu stabilisieren und die Muskulatur zu kräftigen.

Kreuzbandplastik durch Sehnentransplantation

Die traditionell am weitesten verbreitete Operation ist die Kreuzbandplastik. Das gerissene Kreuzband wird zur Vorbereitung der Kreuzbandplastik entfernt. Bei der Kreuzbandplastik werden Teile körpereigener Sehnen an anderen Stellen ds Beines herausgeschnitten. In der Regel wird ein Teil der Patellasehne zwischen Kniescheibe und Schienbein herausgeschnitten und während der OP als Transplantat vorbereitet. Auch die Hamstringsehne, die hinten in der Kniekehle verläuft, kann als körpereigenes (autologes) Transplantat gewonnen werden.

Die Vorteile des autologen Sehnentransplantates liegen eindeutig die fehlende Abstossung: Das Transplantat wird nach Verankerung in Oberschenkel und Unterschenkel mit Hilfe von Knochenschrauben nach kurzer Zeit weider durchblutet.

Ein Nachteil des körpereigenen Sehnentransplantates zur Behandlung des Kreuzbandrisses besteht in der sog. Entnahmepathologie: Die Entnahmestellen sind häufig über Monate schmerzhaft und geschwächt. Die maximale Kraftentwicklung ist durch die Sehnenentnahme reduziert. Vor allem für Leistungssportler ist das eine schwierige Situation, die viel Physiotherapie und Aufbautraining erforderlich macht.

Durch eine Kreuzbandplastik wird auch eine Innervierung des Transplantates nicht wieder hergestellt. Die dem Kreuzband innewohnende Sensibilität und Beitrag zur motorischen Koordination wird durch ein Transplantat nicht wieder hergestellt.

Erfolgsraten nach der Kreuzband-OP

Die Kreuzband-OP ist eine sehr erfolgreiche Operation, die zu über 90% wieder zur Herstellung der Kniefunktion führt. Die meisten Patienten können nach Kreuzband-OP wieder in ihren Leistungssport oder berufliche Tätigkeit zurückkehren. Die Kreuzband-OP wird häufig durchgeführt. Daher liegen viele operative Erfahrungen vor.

Kreuzband-Naht durch Refixation des gerissenen Kreuzbandes

Es gibt auch eine Kreuzband-OP, die das körpereigene Kreuzband nach einem Kreuzbandriss erhalten kann. Das dabei verwendete Ligamys®-System steht seit Angang 2014 zur Verfügung. Mit Hilfe dieses Systems wird das gerissene Kreuzband zunächst durch ein Implantat stabilisiert. Dieses Implantat übernimmt während der Heilungsphase die Stabilisierung des gerissenen Kreuzbandes im Zentrum des Kniegelenks. Die gerissenen Stümpfe werden dabei wieder zueinandergebracht und können ohne äußere Krafteinwirkung wieder zusammenheilen. Wenn das gelingt, ist eine Kreuzbandplastik mit Hilfe körpereigener Sehnen nicht mehr notwendig.

Das Ergebnis ist mit der Ligamys®-Refixierung des Kreuzbandes besser, als mit einem autologen Sehnentransplantat, weil auch alle Nerven im Kreuzband, und damit die motorische Steuerung des Knies, vollständig erhalten werden können.

Bevor die Entscheidung für die operative Refixierung des Kreuzbandes getroffen werden kann, ist eine ausführliche MRT-Untersuchung erforderlich.

Das gerissene Kreuzband wird genäht und kann wieder zusammenwachsen. Die Kreuzbandrefixation kann aber nur innerhalb der ersten drei Wochen nach Kreuzbandriss durchgeführt werden.

Die für die Bewegungssteuerung zuständigen Nervenfasern im Kreuzband können durch Refixierung erhalten werden. Für Sportler kann das sehr wichtig sein.

Bei der Sehnenrefixation muss keine körpereigene Spendersehne gewonnen werden. Es gibt also keine Entnahmepathologie mit Schmerzen und Muskelschwäche an der Entnahmestelle. Bereits wenige Tage nach der Refixierung kann das gerissene Kreuzband wieder belastet werden. Die Entlastung ist also nicht so kritisch wie bei

Die Durchführung des Eingriffes ist sehr zeitkritisch: Das gerissene Kreuzband ist nach mehr als drei Wochen nicht mehr so gut regenerationsfähig. Bei der Refixierung ist also eine Operation während der Akutphase nach Kreuzbandriss erforderlich.

Das Ligamys®-Implantat können wir nach erfolgreicher Einheilung etwa sechs bis neun Monate nach der Operation in einem kleinen operativen Eingriff wieder entfernen. Bei der Entfernung des Implantates wird auch arthroskopisch die Heilung des Kreuzbandes noch einmal geprüft.

Kreuzbandriss: Dauer der Krankschreibung oder der Sportpause nach Kreuzband-OP

Die stationäre Behandlung nach der Kreuzbandoperation dauert drei bis vier Tage. Nach drei bis vier Wochen kann wieder einem sitzenden Beruf nachgegangen werden. Leichtes sportliches Training oder körperlich belastende Tätigkeiten können frühestens nach drei Monaten wieder aufgenommen werden. Schwere Belastungen sowie Start-Stopp-Bewegungen sind erst nach bis zu neuen Monaten nach der Kreuzband-OP wieder möglich, ohne Gefahr einer Re-Ruptur.

Bewertung: 
Eigene Bewertung: Keine. Durchschnittlich 4.5 (85 votes)
Folgen Sie der Gelenk-Klinik auf Facebook oder Twitter

Bitte ein Gelenk wählen

Anatomische Struktur
Schulterschmerzen Ellenbogenschmerzen Hand und Handgelenk Huefte Wirbelsäule Hand Fuss Sprunkggelenk und Schmerzen im Knöchel Knieschmerzen und Schmerzen im Knöchel

Kniespezialisten

Dr. Peter Baum, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Dr. med. Peter Baum
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

 
Prof. Dr. Sven Ostermeier, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

Prof. Dr. med. Sven Ostermeier Facharzt für Orthopädie

 
PD. Dr. med. Bastian Marquaß, Facharzt für Orthopädie in Freiburg

PD. Dr. med. Bastian Marquaß
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

 

Vortrag 28.11.17, 19:30

"Schmerzen in Schulter, Nacken und Ellenbogen"
Prof. Dr. Sven Ostermeier, Facharzt für Orthopädie Prof. Dr. med. Sven Ostermeier
"Untersuchung und Therapie von Schulter und Nackenschmerzen "
PD Dr. med habil Bastian Marquaß PD Dr. med habil Bastian Marquaß
"Ellenbogenschmerzen: Tennisarm, Schmerzen nach Stürzen, Arthrose"