- Was ist ein Hallux rigidus?
- Symptome des Hallux rigidus
- Risikofaktoren: Wodurch entsteht ein Hallux rigidus?
- Wie untersucht der Arzt einen Hallux rigidus?
- Konservative Therapie des Hallux rigidus
- Operative Therapie des Hallux rigidus
Der Hallux rigidus wird oft durch eine Arthrose im Großzehengrundgelenk hervorgerufen. © Gelenk-Klinik
Hallux rigidus bezeichnet eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung des Großzehengrundgelenks. Insbesondere die Bewegung der Zehe nach oben ist stark vermindert, was das Abrollen des Fußes beim Gehen erschwert. Ein Hallux rigidus kann durch Verletzungen, Fehlstellungen oder verkürzte Sehnen und Muskeln entstehen. Die häufigste Ursache der schmerzhaft versteiften Großzehe ist jedoch die Arthrose des Großzehengrundgelenks. Deshalb wird der Begriff Hallux rigidus häufig mit der Großzehengrundgelenksarthrose gleichgesetzt bzw. als Synonym verwendet.
Im Anfangsstadium des arthrotisch bedingten Hallux rigidus können konservative Maßnahmen wie Einlagenversorgung, Hyaluronsäure- bzw. Kortisoninjektionen oder spezielle Schuhzurichtungen wie eine Wiegesohle helfen. Ist der Knorpelverschleiß allerdings zu weit fortgeschritten, kommen Operationen zum Einsatz. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, so zum Beispiel die gelenk- und bewegungserhaltende Operation, die Arthrodese (Gelenkversteifung) oder den Einsatz einer Gelenkprothese.
Was ist ein Hallux rigidus?
Die steife Großzehe (Hallux rigidus) entsteht vor allem durch die Erkrankung des Knorpels (Arthrose) des Großzehengrundgelenkes. Häufig ist sie mit einem schmerzhaften Bewegungsverlust des Gelenks verbunden. Etwa 2–3 % der Bevölkerung über 50 Jahren leidet unter einem Hallux rigidus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Wichtige Begriffe:
- Hallux rigidus: Hallux = Großzehe, rigidus = steif, unbeweglich
- Hallux valgus: Hallux = Großzehe, valgus = schief, gebeugt; im Gelenk nach außen abgeknickte Großzehe
Die Abrollbewegung beim Gehen ist bei einem Hallux rigidus erschwert. Der für das normale Gehen typische Schwerpunkt des Körpergewichts auf dem Großzehengrundgelenk ist verlagert. Normalerweise trägt das Großzehengrundgelenk während der Abstoßphase, in der sich der Fuß beim Gehen vom Boden abdrückt, mehr als 50 % des Körpergewichts. Beim Laufen und Springen kann sich die Belastung durch die entstehende Beschleunigung auf das 2–3-fache des Körpergewichts steigern. Diese "Push off"-Phase ist für Patienten mit Hallux rigidus sehr schmerzhaft.
Durch die Schmerzen im großen Zeh verändert sich das Gangbild, wobei das Gewicht meist in Richtung der Außenkante des Fußes verlagert wird. Langfristig führt die Arthrose zur schmerzhaften Gelenkversteifung des Großzehengrundgelenks.
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Symptome des Hallux rigidus
Bei einem arthrotisch bedingten Hallux rigidus kommt es zunächst zur Schwellung und Entzündung der Gelenkschleimhaut. Die Versteifung des Gelenks wird durch den Knorpelabrieb vorangetrieben. Dazu bilden sich gelenkblockierende Osteophyten (Knochensporne) vor allem im oberen Teil des Gelenks, die zusätzlich Beschwerden verursachen.
Folgende Symptome sind typisch:
- Versteifung des Großzehengrundgelenks, vor allem bei der Bewegung der Großzehe nach oben (Streckung, medizinisch Dorsalextension)
- stechende Schmerzen beim Gehen
- zunehmende Schwierigkeiten, passende Schuhe zu finden
- Entzündungen: schmerzhaft geschwollenes und gerötetes Großzehengrundgelenk bei entzündlich aktivierter Arthrose
- mögliche Folgebeschwerden an Knie- und Hüftgelenk durch die Fehlbelastung
- Knochenödeme, also Flüssigkeitseinlagerungen und eine Reizung im Knochen unterhalb der Gelenkfläche
- zunehmende Einsteifung und reduzierte Beweglichkeit der Großzehe in alle Richtungen
- Transfermetatarsalgie: Fußschmerzen im Mittelfußbereich der kleineren Zehen als Folge der Gewichtsverlagerung durch den Hallux rigidus
- Veränderung des Gangbildes durch das Gehen über die Fußaußenkante
Krankheitsverlauf und Stadien
Wie bei jeder Gelenkarthrose bestehen auch beim arthrosebedingten Hallux rigidus verschiedene Phasen, die den Verlauf der Erkrankung einteilen. Diese Phasen geben dem behandelnden Arzt einen Anhalt über das zur Verfügung stehende Therapiespektrum.
Die Coughlin-und-Shurnas-Klassifikation teilt den Hallux rigidus anhand von Beweglichkeit, Schmerzen und Röntgenbefund in die Grade 0 bis 4 ein:
- Grad 0: Keine radiologischen Arthrosezeichen; Dorsalextension des Großzehengrundgelenks 40–60° oder 10–20° weniger als auf der Gegenseite. Schmerzen fehlen.
- Grad 1: Leichte Einschränkung der Dorsalextension (30–40°), beginnende dorsale Osteophyten und geringe Gelenkspaltveränderungen. Schmerzen meist nur am Bewegungsende.
- Grad 2: Dorsalextension 10–30°, deutliche dorsale Osteophyten, Gelenkspaltverschmälerung und zunehmende subchondrale Veränderungen. Schmerzen treten vor allem am Bewegungsende auf.
- Grad 3: Dorsalextension ≤10°, ausgeprägte Gelenkspaltverschmälerung bis hin zur nahezu vollständigen Aufhebung, größere Osteophyten und subchondrale Zysten. Schmerzen können bereits im mittleren Bewegungsbereich auftreten.
- Grad 4: Radiologisch wie Grad 3, zusätzlich bestehen Schmerzen bereits bei passiver Bewegung im mittleren Bewegungsbereich.
- frühere Verletzungen (begünstigen insbesondere den einseitigen Hallux rigidus)
- Fehlstellung des Großzehengelenks (Hallux valgus)
- familiäre Veranlagung (dann meist beidseitig)
- weibliches Geschlecht, Frauen bekommen häufiger Arthrose im Großzehengelenk als Männer
- Stoffwechselstörungen und Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Gicht und Diabetes
- Osteochondrosis dissecans (Knochen-Knorpelschaden) des Großzehengelenks
- Überlänge des ersten Mittelfußknochens
- fehlgestellter 1. Zehenstrahl (Metatarsus elevatus)
- stechende Beschwerden beim Abrollen, die immer wiederkehren.
- Beschwerden unter dem Ballen der Großzehe, besonders nach sportlicher Aktivität und langen Wanderungen.
- Probleme beim Zehenspitzenstand.
- eingeschränkte Beweglichkeit der Großzehe, vor allem bei der Dorsalextension (Bewegen des Zehs nach oben)
- Schmerzen im Großzehengrundgelenk, insbesondere in der Abdruckphase des Fußes
- Änderungen des Gangbildes durch das Gehen "über außen"
- Schmerzen oben auf dem Gelenk beim Tragen enger Schuhe mit schmalem Zehenraum
- Taubheit und Gefühlsstörungen an der Großzehe durch eingeengte Nerven
- Einengung des Gelenkspalts
- abgeflachte Form des Mittelfußkopfes
- Darstellung von Knochenspornen (Osteophyten) in der Umgebung des Gelenkspalts
- Darstellung von subchondralen Zysten (Flüssigkeitseinschlüssen in Hohlräumen im Knochen)
- Spezielle Einlagenversorgungen, vor allem Ballenrolle: Wölbung der Schuhsohle hinter den Zehengrundgelenken, die den Fuß beim Abrollen entlastet
- Physiotherapie
- entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel
- physikalische Therapiemaßnahmen (z. B. Kältetherapie)
- knorpelschützende Injektionsbehandlungen, z. B. mit in das Großzehengelenk injizierter Hyaluronsäure
- Kortisoninjektionen in das entzündete Großzehengrundgelenk
- Eigenbluttherapie mit plättchenreichem Plasma
- Ballenvertiefungen in den Schuhsohlen
- Entlastung des Großzehengelenks durch Ballenrolle oder Wiegesohle
- Unterstützung des Fußlängsgewölbes durch Einlagen
- Schienenversorgung des 1. Zehenknochens
- Zug (Traktion) auf dem Großzehengelenk
- Mobilisierung der Sesambeine, die als Abstandhalter der Sehnen zum Knochen fungieren
- Kräftigung des Musculus flexor hallucis longus (FHL), des Großzehenbeugers in der tiefliegenden Wadenmuskulatur
- Dehnung der Plantarsehne (große, flächige Sehne unter der Fußsohle)
- gelenk- und bewegungserhaltende Operation bei Hallux rigidus
- Prothese des Großzehengrundgelenks
- Großzehenversteifung (Arthrodese)
- gelenk- und bewegungserhaltende Operation
- gelenkersetzende und beweglichkeitserhaltende Operation (Prothese)
- gelenkversteifende Operation (Arthrodese)
- schmerzfreie Dauerbelastung des Fußes
- kraftvoller Fußabdruck in der Beschleunigungsphase des Gangzyklus ("Push-off"-Phase)
- schuhtaugliche Einstellung des Winkels der versteiften Großzehe
- Stabilität in gewichttragenden Situationen
- eine stabile Belastung der Großzehe beim Gehen und Laufen
- Pseudoarthrose: Die wichtigste Komplikation bei der Arthrodese ist das Ausbleiben der knöchernen Verbindung (Knochenfusion), also die Bildung einer schmerzhaften Pseudoarthrose (Falschgelenk) im versteiften Gelenk.
- Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie): Sie treten aufgrund zu starker Belastung der Mittelfußknochen auf.
- Eingeschränkte Schuhauswahl: Das Tragen hoher Absätze ist wegen der fehlenden Beweglichkeit der Großzehe nicht mehr möglich.
Risikofaktoren: Wodurch entsteht ein Hallux rigidus?
Ein Risikofaktor für die Entstehung der Arthrose im Großzehengrundgelenk scheint eine Fehlstellung des Mittelfußknochens zu sein. Beim sogenannten Metatarsus primus elevatus ist der Mittelfußknochen der großen Zehe im Vergleich zu den anderen Mittelfußknochen höhergestellt (gelbe Markierung). © Gelenk-Klinik
In vielen Fällen ist die Ursache der Großzehengrundgelenksarthrose mit Hallux-rigidus-Beschwerden nicht genau zu ermitteln. Es kommen erbliche Faktoren, Mikroverletzungen und Fehl- bzw. Überbelastungen infrage. Häufig treten auch Sekundärarthrosen der Großzehe, also Arthrosen mit bekannter Ursache, z. B. durch Gicht, auf. Zudem kann eine Abflachung des Fußlängsgewölbes bei nach innen abknickendem Rückfuß (sog. Pronation) das Großzehengrundgelenk überlasten und eine Arthrose begünstigen.
Die nachfolgend genannten Ursachen sind oft mit dem Auftreten eines arthrosebedingten Hallux rigidus verbunden:
Wann zum Arzt mit Hallux rigidus?
In diesen Fällen sollte ein Arzt aufgesucht werden:
Vor allem Patienten mit deutlichem Knick-Senkfuß besonders auf die frühen Zeichen einer Arthrose achten und sich bereits bei leichten Beschwerden ärztlich vorstellen
Wie untersucht der Arzt einen Hallux rigidus?
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Fußschmerzen können viele Ursachen haben. Um herauszufinden, wodurch sie ausgelöst werden, muss der Orthopäde die Schmerzen genau lokalisieren. Nach dem Patientengespräch, bei dem häufig schon die typischen Symptome des Hallux rigidus zur Sprache kommen, untersucht der Arzt den schmerzenden Vorfuß. Zudem prüft er die Einsteifung bzw. die Bewegungseinschränkung im Vergleich zur anderen Großzehe.
Folgende Faktoren sind wichtige Hinweise bei der klinischen Untersuchung einer steifen Großzehe:
Vor allem Druck auf den oberen Teil des Großzehengelenks ist schmerzhaft. Dieser Bereich ist sehr empfindlich. Bei der manuellen Untersuchung kann der Arzt häufig Knochensporne direkt durch die Haut ertasten.
Wenn der Zeh passiv vom Arzt nach oben gebeugt wird, wird die Bewegung vor allem am Endpunkt stechend schmerzhaft. Das gesunde Großzehengrundgelenk toleriert eine solche passive Beugung hingegen schmerzfrei.
Ein wichtiger Untersuchungsbereich ist auch das Interphalangealgelenk, also das über dem Grundgelenk liegende sichtbare Großzehengelenk. Wenn dieses Gelenk ebenfalls Arthrose zeigt, sind die Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Eine Versteifung beider Gelenke kann die Funktion deutlich beeinträchtigen, die konkrete Behandlung hängt jedoch von Befund, Beschwerden und Operationsziel ab.
Röntgenuntersuchung und MRT bei Hallux rigidus
Röntgenbild einer Großzehengrundgelenksarthrose : Gut sichtbar ist der im Vergleich zu den benachbarten MTP-Gelenken (metatarsophalangeale Gelenke). deutlich verschmälerte Gelenkspalt. Die Gelenkflächen sind abgeflacht, am Rand zeigen sich Knochensporne. Als weiße Schatten sieht man die Sesambeine rechts und links der Großzehe. Sie sind an der Führung der Sehnen beteiligt und müssen bei einer beweglichen Versorgung immer intakt sein. © Gelenk-Klinik
Es ist wichtig, Röntgenbilder unter Gewichtsbelastung des Fußes in verschiedenen Ebenen zu machen. Im Röntgenbild in mehreren Ebenen können eine für jede Art von Arthrose typische Veränderungen des Knochens festgestellt werden:
Bei der Interpretation von Röntgenbildern ist Vorsicht geboten: Die Osteophyten können den Knorpelverlust im Gelenkspalt optisch ausgeprägter erscheinen lassen, als es der Wirklichkeit entspricht. Dabei beginnt die Arthrose meist dorsal, also im oberen Bereich des Gelenks. Der untere Bereich der Gelenkfläche des Großzehengrundgelenks ist deutlich weniger stark beeinträchtigt.
Eine MRT (Magnetresonanztomographie) ist besonders vor gelenkerhaltenden Maßnahmen indiziert, um eine genaue Einschätzung der Situation zu ermöglichen. Die Untersuchung zeigt das Ausmaß und die Verteilung der Knorpelschäden, die Stärke der Knochenreizung und den Befall benachbarter Gelenke. Besonders bei bewegungsverbessernden Maßnahmen scheint das Gelenk zwischen Sesambeinen und Mittelfußkopf eine wichtige Rolle für Restschmerzen zu spielen. Außerdem kommt die MRT zur Planung von Prothesen zum Einsatz.
Eine veränderte Fußstellung kann zu einer Reizung an den unter dem Mittelfußkopf liegenden Sesambeinen führen. Sie dienen als Abstandhalter zu den Sehnen (gelb eingezeichnet). © Dr. Thomas Schneider
Fußdruckmessung: Podometrie
Mithilfe einer Fußdruckuntersuchung (Podometrie) kann der Orthopäde sehr genau das Abrollverhalten des Fußes messen. Der Patient steht dabei auf einer Sensorplatte, die den Fußdruck aufzeichnet. Eine für den Hallux rigidus typische Gewichtsverlagerung kann mithilfe der Podometrie genau untersucht werden.
Funktionsuntersuchung: dynamische Ganganalyse
Bei der dynamischen Ganganalyse ist der Druck, den der Fuß beim Abrollen auf den Boden ausübt, relevant. Der Patient läuft über ein Laufband mit Messstation. Das System liefert genaue Daten, in welchen Bereichen der Patient seinen Fuß am meisten belastet. Diese Bereiche sind rot eingefärbt.
Darüber hinaus liefert die Ganganalyse ein ganzheitliches Bild des Bewegungsapparates. So können Fußschmerzen ihren Ursprung auch in einer Fehlstellung der Beinachse oder bei Problemen in der Wirbelsäule haben. Die kombinierte Analyse stellt einen Zusammenhang zwischen Bewegung, Haltung und Schmerz her.
Konservative Therapie des Hallux rigidus
Oberstes Ziel der Behandlung des arthrotisch bedingten Hallux rigidus ist es, die Großzehengrundgelenksarthrose zu verlangsamen, um ein schmerzfreies Laufen zu ermöglichen. Bis zum Hallux rigidus Grad II beginnt die Behandlung mit konservativen Maßnahmen. Dazu gehören folgende Therapien:
Bevor eine Operation infrage kommt, sollte der Hallux rigidus möglichst lange konservativ behandelt werden. Dies kann die Arthrose zwar nicht stoppen, aber die schmerzfreie Mobilität im Alltag sollte mit konservativen Mitteln so lange wie möglich aufrechterhalten werden.
Bisher existieren nur wenige gute Studien, die diese konservativen Therapieverfahren bei Hallux rigidus untersucht haben. In Einzelfällen sehen wir aber eine sehr gute klinische Wirksamkeit durch eine geeignete Kombination von Maßnahmen.
Einlagenversorgung
Die Veränderung der Belastung der Großzehe durch Einlagen und Schuhzurichtungen ist eine bewährte Vorgehensweise bei Hallux rigidus.
Einlagen und Orthesen:
Ziel der Therapie ist häufig eine Gewichtsentlastung des Großzehengelenks. Das kann auf verschiedene Art und Weise geschehen.
Vor allem eine Begrenzung der Bewegung der Großzehe durch versteifende Einlagen reduziert die Belastung und lässt die schmerzhafte Reizung wieder abheilen. Alle Maßnahmen, die das Beugen der Großzehe nach oben reduzieren, also die Sohle oder das Gelenk durch Orthesen versteifen, entlasten das Großzehengrundgelenk.
Ein Vorfußentlastungsschuh bringt das gesamte Körpergewicht auf die Ferse. Damit reduziert er die Belastung für das Großzehengrundgelenk.
Schmerztherapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika
Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zur Entzündungshemmung und Schmerzbehandlung der Großzehe. Synovialitis (Gelenkschleimhautentzündung) und aktivierte Arthrose des Großzehengrundgelenks müssen entzündungshemmend mithilfe von Medikamenten behandelt werden.
Physiotherapie des Großzehengelenks
Physiotherapeutische Maßnahmen unterstützen das Gelenk ebenfalls. Übungen und manuelle Therapie sollen vor allem die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks wieder verbessern:
Hyaluronsäureinjektion bei Hallux rigidus
Einige Patienten profitieren von intraartikulären (in das Gelenk gespritzten) Hyaluronsäureinjektionen sowohl bei Belastungs- als auch bei Ruheschmerzen. Der körpereigene Wirkstoff trägt zur Knorpelernährung des Großzehengrundgelenks bei. Dabei ist der Erfolg von Hyaluronsäuretherapien umso größer, je mehr Knorpel noch erhalten ist. Wir sehen aber häufig, dass anfänglich gute Ergebnisse bei Hyaluroninjektionen nicht über Jahre hinweg stabil bleiben, sondern immer weniger wirken. Mit zunehmendem Knorpelverschleiß wird die Hyaluronsäurebehandlung stetig ineffektiver.
Entzündungshemmung mit Kortisoninjektion
Eine Kortisoninjektion kann beim Hallux rigidus vorübergehend Schmerzen lindern. Die Wirkung ist bei frühen Arthrosestadien offenbar eher ausgeprägt und hält meist nur begrenzte Zeit an. Bei fortgeschrittener Arthrose ist der Nutzen geringer. Eine dauerhafte Behandlung der Arthrose stellt die Kortisoninjektion aufgrund ihrer Nebenwirkungen nicht dar.
Eigenblutbehandlungen (PRP)
In einer Zentrifuge werden die zellulären Blutbestandteile und das Plasma voneinander getrennt. Die für die Wundheilung und Regeneration notwendigen Thrombozyten können so angereichert und für eine Injektion in das Großzehengrundgelenk vorbereitet werden. © romaset, Fotolia
Auch Eigenblutbehandlungen, sogenannte PRP (Platelet Rich Plasma)-Behandlungen, können als Injektionstherapie bei geringgradiger Arthrose im Großzehengelenk die Beschwerden lindern und die Beweglichkeit verbessern. Allerdings ist die Wirksamkeit im Einzelfall zu testen: Aussagekräftige Studien gibt es zur PRP-Injektion bei Hallux rigidus noch nicht.
Konservative Therapie bei Hallux rigidus hilft oft langfristig
Im Allgemeinen muss bei einer unumkehrbaren Gelenkarthrose ein Gelenk irgendwann endoprothetisch oder durch Versteifung behandelt werden. Bei einer Großzehengrundgelenksarthrose jedoch kommen viele Patienten erstaunlich lange mit einer konservativen Behandlung aus. Vor allem wenn keine verstärkten Anforderungen an die Funktion und Belastbarkeit des Großzehengrundgelenks bestehen, können viele Betroffene mit Anpassungen wie steifen Schuhsohlen, die ausreichend Zehenraum haben, auch ohne Operation ganz gut mit dem Hallux rigidus leben. Die Schmerzen verschlechtern sich nicht weiter, sondern bleiben mithilfe konservativer Therapien im erträglichen Rahmen.
Patienten mit höheren sportlichen oder beruflichen Anforderungen können diesen Weg aber häufig nicht wählen. Ihr Fuß muss auch bei größeren Herausforderungen schmerzfrei belastbar sein. Konservative Therapiemöglichkeiten sind dann meist erschöpft und der Patient muss über eine Operation nachdenken. Der OP-Zeitpunkt ist dabei nicht objektivierbar und wird durch den individuellen Leidensdruck bestimmt. Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, bieten verschiedene OP-Verfahren einen Ausweg.
Operative Therapie bei arthrosebedingtem Hallux rigidus
Sollten konservative Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen oder die Erkrankung zu weit fortgeschritten sein, können chirurgische Behandlungsmethoden angewendet werden. Für die operative Therapie muss der Orthopäde den Grad der Gelenkzerstörung berücksichtigen. Prinzipiell unterscheiden wir
Operative Möglichkeiten
Bei relativ geringer Beschädigung des Gelenks sollte ein gelenkerhaltender oder wenigstens beweglichkeitserhaltender Behandlungsansatz im Vordergrund stehen.
Gelenk- und bewegungserhaltende Operation
Im frühen Stadium der Großzehengrundgelenksarthrose kommt eine minimalinvasive gelenk- und bewegungserhaltende Operation infrage. Dabei behandelt der Operateur den Gelenkschaden über einen kleinen Hautschnitt oder arthroskopisch. Er entfernt Knochensporne, Schleimhautwucherungen, verschlissene Gelenkanteile und freie Gelenkkörper. So entsteht mehr Platz im Gelenk und die Großzehe lässt sich besser bewegen.
Ziel der gelenk- und bewegungserhaltenden Operation ist es, das Gelenk zu erhalten, die Beweglichkeit der Großzehe und damit das Abrollverhalten zu verbessern, Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen zu lindern sowie den Fuß für Alltag, Sport und Beruf wieder belastbarer zu machen. Dadurch lässt sich zudem eine Schonhaltung vermeiden, die Folgeschäden an weiteren Strukturen begünstigen kann.
Arthrodese (Versteifung) des Großzehengrundgelenks bei Hallux rigidus
Der Hallux rigidus kann durch eine Versteifung (Arthrodese) behandelt werden. Nach der Entfernung des abgenutzten Großzehengelenks verbindet der Orthopäde die Knochen durch Schrauben. Innerhalb von 6–8 Wochen können die Gelenkflächen knöchern zusammenwachsen. © Dr. Thomas Schneider
Die Versteifung des Großzehengrundgelenks gilt bei mittelschwerer bis hin zur endgradigen Arthrose als Standardbehandlung. Vor allem bei aktiven Patienten, die sich im Alltag körperlich auslasten, ist die Versteifung eine sehr zuverlässige Therapie.
Bei der Arthrodese des Großzehengrundgelenks werden der erste Mittelfußknochen und das Grundglied der Großzehe in einer funktionellen Stellung durch Schrauben und Platten dauerhaft miteinander verbunden. Um ein gutes, alltagstaugliches Ergebnis zu erzielen, muss das Großzehengelenk in einem bestimmten Winkel versteift werden: 15°–40° in Dorsalextension (Bewegung nach oben) und etwa 15° valgus (horizontal in Richtung Fußaußenkante geneigt).
Die Ziele der Arthrodese bei Hallux rigidus:
Röntgenbild einer Arthrodese des Großzehengrundgelenks: Fixierung des Grundgliedes und des Mittelfußknochens mit gekreuzten Schrauben. © Gelenk-Klinik
Komplikationen bzw. unerwünschte Folgen der Arthrodese
Prothese und Teilprothese des Großzehengrundgelenks
Vollprothese des Großzehengrundgelenks im SPECT-CT: Das bildgebende Verfahren zeigt Knochenumbauprozesse unter Kontrastmittelgabe. Auf diese Weise kann der Arzt eine Lockerung der Prothese feststellen. © Gelenk-Klinik
Prothesen können theoretisch eine schmerzfreie Beweglichkeit des von Arthrose betroffenen Gelenks wiederherstellen.
Für das Großzehengrundgelenk gibt es verschiedene Prothesentypen. In der Gelenk-Klinik verwenden wir eine knochensparend eingesetzte flexible Silikonprothese mit zwei Titan-Grommets, die den Prothesenkörper vor mechanischem Verschleiß schützen sollen. Sie erhält die Beweglichkeit und Länge der Großzehe und kann leichte Fehlstellungen ausgleichen. Für diesen Prothesentyp liegen langjährige klinische Erfahrungen und gute Langzeitergebnisse vor.
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